A/N: Und hier das vorletzte Kapitel. Giselle (... oder wie man die schreibt, ich kann kein Französisch...) ist eine der beiden Huren aus Tortuga, ich glaube, die blonde. Sie drückt sich gegen Ende etwas drastisch aus, aber: sie ist nunmal eine Hure, das ist ihr Leben.
~Kapitel 10: Pirat - Mensch~
Ich mag nur eine Dirne sein, aber auch ich habe Gefühle. Und ich habe einen Kopf, mit einem Gehirn drin, mit mehr Verstand als meine Freier sehen wollen. Mein Verstand muss nur reichen, um zu wissen, wie man ihnen die größtmögliche Menge an Lust bereitet, aber ich habe trotzdem mehr.
Und ich habe eine Herz. Es gibt Menschen, die ich mag, Menschen, die ich liebe. Menschen, die mir alles bedeuten, und Menschen, die ich auf den Tod verabscheue.
Jack? Nein, ich hasse Jack nicht. Hab ich nie. Er ist so arm und bemitleidenswert wie alle meine Freier. Er mag sich da draußen in der Welt von allen anderen abheben, eine Legende sein, ein Verrückter, so außergewöhnlich, aber in meinem Bett ist er wie alle anderen. Auf der Suche nach ein wenig Zärtlichkeit und der betäubenden Wirkung eines nackten weiblichen Körpers.
Dennoch hab ich es immer mit ihm genossen, er war eine angenehme Abwechslung zu den groben und unfähigen Männern, die sonst zu mir kamen, weil keine andere Frau sie wollte.
Ich werde ihn wirklich vermissen.
Auch Jack hat Gefühle, das möchte ich ihm nicht aberkennen, auch wenn viele das nicht sehen wollen. Ich wäre sicherlich die letzte, die ihm Gefühlskälte vorwerfen würde. Natürlich, wenn wir durch die Straßen von Tortuga ziehen, er einen Arm um meine Schulter wie um eine Rinderhälfte geworfen, behandelt er mich wie den letzten Dreck, wie eine Hure eben. Bin ja eine, hab ich nie bestritten.
Aber sicherlich hätten eine ganze Menge Leute eine ganze Menge dafür gegeben, von seinen schlimmsten Feinden bis hin zum Hilfsmatrosen, zu sehen, wie Jack war, wenn er in meinem Bett lag, nachdem wir es getrieben hatten. Seine Gefühle so entblößt wie sein Körper, aber bei weitem nicht so schön anzusehen.
Ja, in der Tat, Jack war um ein vielfaches attraktiver als die anderen, er hätte sicherlich auch kostenlos eine Frau kriegen können, aber dennoch kam er zu mir. Vielleicht weil eine Nutte auch einem völlig fremden Mann zuhört und nicht mehr Zuwendung verlangt als es dauert, ein paar Silbermünzen abzuzählen.
Jack hat mir viel erzählt. Dinge, die ich nie geglaubt hätte, als er für mich nur eine Legende der Piraterie war. Von seinem verzweifelten Hass gegen Barbossa hat er mir erzählt, von seiner Liebe für sein Schiff, auf dem er geboren war. Sogar von seinem Vater sprach er, von seiner Kindheit, die er so gerne vergessen hätte, aber nicht konnte.
Er hat nie geweint, dafür war er zu stark. Aber oft hab ich ihn in den Arm genommen, wenn seine Stimme versagte und er in Schweigen versank.
Wenn er irgendwann ausgeredet hatte, hab ich es ihm meistens nochmal mit dem Mund besorgt, dann ist er gegangen, aber nicht ohne mir so viel Geld dazulassen, dass ich einen ganzen Monat davon leben konnte.
Ich werde ihn wirklich vermissen.
A/N: Im letzten Kapitel dann Jack. Sein Tod aus seiner eigenen Sicht. Es gilt immer noch, Reviews beschleunigen ungemein.
