KathiIII: Hm, schlau ist das Spiel, das die beiden spielen, sicherlich nicht. Beide haben schwierige Zeiten durchgestanden und die Emotionen, die sie verknüpfen sind weder einfach noch schön. Trotzdem sind sie gezwungen, zusammen zu arbeiten, das führt natürlich zu Auseinandersetzungen und einem Haufen irrationaler Entscheidungen. Ich kann dir nicht versprechen, dass die kommenden Chapter „vernünftiger" sein werden, wünsche dir aber trotzdem viel Spaß beim Lesen ;-)

AnnaMa424: Vielleicht bringt dieses Kapitel etwas mehr Licht ins Dunkel :-)

NickTessFan: Immer noch mit Durchblick ;-) Beim Hochladen des neuen Kapitels ist mir aufgefallen, dass ich diese beiden vielleicht besser zusammen online gestellt hätte. Alleine ist das vorherige etwas unvollständig und die Auseinandersetzung kommt erst hier zu einem Abschluss. Ich hoffe, es gefällt =)

Sirisa: Danke für dein Live-Feedback. Ich saß am Computer und konnte anhand der Mails verfolgen, wie du dich durch die Kapitel gelesen hast ^^ Viel Spaß noch mit der weiteren Geschichte!

Twofacemirror: Vielen Dank für dein Lob! Und für deine Nachsicht beim Upload ;-) Hatte diese Woche in der Tat keine Zeit für ein zweites Update. Ich gelobe aber Besserung =)


Gestern habe ich (während einer sehr schlaflosen Nacht) beschlossen, wie die Geschichte enden wird. Es steht zwar noch nicht fertig auf dem "Papier", aber die Grundzüge der Handlung sind klar. Nach den gespaltenen Meinungen wegen des traurigen Endes der letzten Geschichte kam ich auf die Idee, dieses Mal ein alternatives Ende zu schreiben. Ihr habt dann die Auswahl zwischen zwei möglichen Handlungsverläufen im letzten Kapitel. Was haltet ihr von der Idee? Wollt ihr sowas? Oder reicht euch ein Ende, das dann entweder gut oder schlecht ausgeht? (Ob HappyEnd oder nicht werde in diesem Fall allerdings ich alleine entscheiden *muhaha* ;-) ) Ihr könnt mir ja in den Kommentaren mal ein kleines Stimmungsbild hinterlassen!

Euer

HonigHuhn


Verrat

Hermine stoppte zuerst in der Küche, um sich eine weitere Tasse Kaffee zu machen. Seltsam, jetzt da Snape gefesselt im Labor hing, fühlte sie sich eigenartig frei. Doch so gerne sie ihn dort auch gelassen hätte, sie musste eine andere Lösung finden. Seine Mitarbeit war zu wichtig, das Gegenmittel wurde zu dringend gebraucht, um auf seine Spiele einzugehen. Und nach dem was sie in seiner Zelle gesehen hatte, könnte sie ihn verdammt lange dort hängen lassen, ehe sich irgendetwas an seiner Art verändern würde. Was Hermine brauchte, war eine verwundbare Stelle an ihm, etwas das ihm Angst machte. Allein der Gedanke war Irrsinn! Was zur Hölle sollte einem Severus Snape Angst machen?

Nachdenklich schob Hermine die Tür auf und zögerte. Sie wurde das Gefühl nicht los, etwas Verbotenes zu tun, als sie endlich eintrat und seine Privatsphäre verletzte. In Gedanken war sie alle vergangenen Schulstunden durch gegangen, jede Erinnerung, die Snape beinhaltete, auf der Suche nach einem Moment in dem er die Fassung verloren hatte. Aber sie fand nichts, was sie zufrieden gestellt hätte. Kleinere Wutausbrüche, vielleicht auch einige große, doch hatte er jemals richtig die Fassung verloren? So wie sie schon mehrere Male, seitdem er mit ihr arbeitete? Das war verdammt ungerecht, dachte sie und ließ sich auf sein sorgfältig gemachtes Bett sinken. Was tat sie hier eigentlich? Snape würde wohl kaum ein Tagebuch in seinem Raum verstecken, mit den schrecklichsten Kindheitserinnerungen. Nein, dieses Wissen befand sich nur in seinem Kopf, dem einzigen Ort, der immer noch nur ihm allein gehörte. Und zu dem sie nie Zutritt erlangen würde. Sie konnte ihn foltern, quälen, bluten lassen, aber in seinen Geist würde sie niemals eindringen können. Bei dem Versuch, Legilimentik bei ihm anzuwenden, würde sie sich nur blamieren. Noch weiter blamieren...

Schließlich war Hermine doch aufgestanden und hatte mehrere Runden durch den Raum gedreht. Die Bücher in den Regalen waren genau das, was sie zu sein vorgaben: Gewöhnliche Bücher. Pedantisch hatte sie jedes einzelne herausgezogen und aufgeschlagen. Sein Buchgeschmack hatte sie etwas überrascht. War Snape ein Mann, der an verregneten Samstagnachmittagen mit einer Tasse Tee am Fenster saß und in Muggelklassikern schmökerte? Unter dem Bett versteckte er wie erwartet keine Geheimnisse. Und sein Kleiderschrank war so erbärmlich einseitig, dass sie ihn höchstens damit aufziehen konnte, viermal die gleiche Hose zu besitzen. Allesamt in schwarz. Es musste etwas geben, eine Achillesferse. Und was sollte das sein, Hermine?

„Das, was ihm so furchtbare Angst gemacht hat. Die Ursache für das Leid in seinen Augen", murmelte sie leise vor sich hin und sah sich noch mal um. Aber Snape hatte viele schreckliche Dinge erlebt, welches davon hatte ihn so verschrecken können? Und bei all der Grausamkeit, die er erfahren und verbreitet hatte, wollte sie es wirklich wissen?

Hermine war ein impulsiver Mensch. Snape wusste das, als er im Keller darauf wartete, dass sie zurück kam und ihn befreite. Und als sie tatsächlich auftauchte, sah er, dass ihre Wut bereits verraucht war. Stattdessen trug sie einen nachdenklichen Ausdruck zur Schau, während sie sich wie in Zeitlupe auf den hohen Arbeitstisch setzte und die Beine unterschlug.

„Ist dir der Crucio zu langweilig geworden? Musstest du andere Flüche nachschlagen?"

Hermine ignorierte seinen herausfordernden Tonfall. „Ich kenne genug andere Flüche. Aber keiner davon würde etwas bewirkten, was nicht auch der Crucio bewerkstelligen sollte."

„Heißt das, dass ich keine dilettantische Folter mehr ertragen muss?" Ihr mildes Lächeln verwirrte ihn.

„Bei dir wäre jede Folter dilettantisch."

„Weil es dir nicht gelingt, ist es unmöglich?" Snape ließ ein leises Schnauben hören.

„Oh, also gab es eine Folter die dich berührt hat?" Hermine hob fragend eine Augenbraue. „Wann sollte das gewesen sein?"

Snape erwiderte ihr Lächeln freundlich. „Jede einzelne Schulstunde, die ich mit der unverbesserlichen Besserwisserin Granger verbringen musste." Er hing in Seilen an der Wand und verspottete sie. Hermine ballte die Hände zu Fäusten. Sie konnte ihn nicht verletzen. Aber vielleicht würde er einen Handel mit ihr eingehen?

„Was willst du, damit du aufhörst, mich und meine Arbeit zu verspotten?" Ein Funken Hoffnung keimte auf, als sie Snape tatsächlich überlegen sah. Endlich schien er zur Vernunft gekommen zu sein.

„Dich. Nackt. Mit allen Vieren an mein Bett gefesselt."

„Und dann würdest du was mit mir machen?" Wie zum Teufel konnte sein Lachen noch dreckiger werden?

„Ich glaube nicht, dass du das hören möchtest." Seine tiefe Stimme schwang noch immer durch den Raum, als Hermine behutsam vom Tisch rutschte und näher kam. Snapes schwarze Augen stachen wie Pfeile durch sie hindurch, aber sie ließ es sich nicht anmerken.

„Was solltest du schon tun, was du nicht gestern Nacht schon hättest tun können?" Obwohl sie es nicht wollte, legte sie ihm die Hand auf die Brust. Er sah sie stumm an, die Lippen zu einem festen Strich gepresst. „Das ergibt keinen Sinn. Jeder Todesser hätte mich getötet, das waren deine Worte. Aber du nicht. Bist du kein Todesser?"

„Vielleicht nur kein sehr guter", warf er trocken ein und kämpfte um den höhnischen Gesichtsausdruck, den er zur Schau tragen wollte.

„Dann sag mir, was würdest du mit mir tun, wenn ich nackt auf deinem Bett liege? Gefesselt? Wehrlos?" Für die letzten Worte stellte sie sich auf die Zehenspitzen, um sie ihm zuhauchen zu können. So sehr Hermine es hasste, aber ihre Hand auf seiner samtenen Robe verunsicherte sie.

„Mach mich los, wenn du es wissen möchtest." Snape stieg eindeutig auf ihr Spiel ein, seine wenigen Worte beinahe ein Schnurren an ihrem Ohr.

„Sag mir warum du mir nichts getan hast, dann darfst du die Arme wieder runter nehmen." Sein schnelles Zucken mit dem Kopf ließ sie abrupt zurückweichen.

„Lass das!" Von der Katze zur Schlange in weniger als dreißig Sekunden.

„Was soll ich lassen?" Seine plötzliche Stimmungsänderung verwirrte sie.

„Meine gute Seite zu suchen! Du hast bereits eine Meinung über mich, Hermine. Ich bin böse, hinterhältig, gefährlich. Ich habe Dumbledore ermordet. Du solltest mich hassen", zischte er und zog das erste Mal an seinen Fesseln, die ihn jedoch unnachgiebig an der Wand hielten.

„Warum hilfst du mir dann?" Er konnte das Misstrauen in ihren Augen lesen, und es gefiel ihm gar nicht.

„Alles was ich tue, geschieht aus selbstsüchtigen Motiven. Du hast mich aus der Zelle geholt. Und wenn wir fertig sind, wirst du mich befreien."

„Ich lasse dich nicht frei!" unterbrach sie ihn scharf. Snape antwortete mit einem genervten Stöhnen.

„Das meinte ich nicht." Wieder dieser ungläubige Blick von ihr.

„Du bist bereit einen Handel abzuschließen, wenn ich verspreche dich zu töten?"

„Gib mir dein Wort und ich kooperiere."

„Das tust du bereits", erinnerte sie ihn. Wenn sie nur wüsste, wie nahe ihre altklugen Bemerkungen einer Folter kamen...

„Sag mir was du willst und du bekommst es."

„Respekt." Wieder schnaubte er leise, um seine Verachtung kund zu tun. „Aber ich dachte mir schon, dass du dem nicht zustimmen würdest. Ebenso wie ich mich niemals bereit erklären würde, dich zu töten, Snape." Hermine lehnte sich selbstsicher an den Tisch und genoss sein verzweifeltes Ringen um Fassung.

„Warum nicht? Du hast bereits einen unverzeihlichen Fluch angewandt. Und ich habe deinen Mentor getötet!"

„Hör endlich auf das zu erwähnen!"

„Dann versprich es mir!" Zum ersten Mal hatte auch er die Stimme erhoben.

„Nein." Dieses dickköpfige, dumme Mädchen. Sie schüttelte so heftig den Kopf, dass ihre Locken flogen.

„Warum?" Bei Merlin, er musste sie einfach überzeugen. Mühsam formte er aus dem zornigen Ausruf eine Bitte: „Warum?"

„Wenn es für mich keinen Weg raus gibt, warum sollte ich dir diesen Gefallen tun?" Was redete sie da nur? Sie würde ihn noch um den letzten Funken Verstand bringen.

„Du hast dich selbst um dein Druckmittel gebracht. Du hilfst mir, obwohl ich dir nicht das gebe, was du möchtest. Du tötest mich nicht, versuchst nicht zu fliehen. Was ist dein großer Plan? Glaubst du dein Lord wird kommen und dich befreien?"

„Wohl kaum."

„Dann sag mir bei Merlin nochmal was das soll!" All die Gelassenheit an die sie sich bisher geklammert hatte, war auf einmal wie weggeblasen. „Wie soll ich dich frei herumlaufen lassen, wenn ich keine Ahnung habe, wann du mir endlich ein Messer zwischen die Rippen stößt?"

„Vielleicht solltest du das nicht. Aber wenn du willst, dass ich dir mit dem Trank helfe, hast du wohl keine Wahl. Es sei denn du willst, dass ich dir von hier drüben Anweisungen gebe."

„Das ist nicht lustig!" Snape lachte trotzdem. Es waren dunkle, bellende Laute, die von den Wänden widerhallten.

„Jetzt lass mich frei, damit ich den Extrakt nochmal herstellen kann." Nein, am liebsten würde sie ihn hier bis zum jüngsten Tag schmoren lassen. Aber die Herstellung des Gegenmittels eilte. Mit einer flüssigen Bewegung ihres Zauberstabs verschwanden die Seile und Snape nahm endlich die Arme nach unten. Als sei nichts geschehen machte er sich wieder an die Arbeit. Hermine konnte es nicht fassen. Sie hatte ihn gefesselt und gequält, aber an ihm schienen diese Dinge abzuperlen wie Wasser. Zumindest tagsüber...


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