Ach

Lange nach Sonnenaufgang kehrten Lilu und Daray nach Ellesméra zurück. Rion und Sasra begrüßten sie stürmisch. „Da seit ihr ja endlich?" Der Junge umarmte das Mädchen herzlich. Wir haben euch vermisst, hörten sie überraschend das Drachenmädchen sagen. Schmunzelnd nickte Lilu. „Ja, wir freuen uns wieder hier zu sein." „Bist du dir da sicher?" begrüßte Eragon sie. Sie nickte mit einem schwachen Lächeln. „Dann solltest du dich…" „Nein, das werde ich nicht. Ich entschuldige mich nicht, ich stehe zu dem, was ich gesagt habe, vielleicht war der Ton ein falscher, dennoch..." Es ist wie es ist, fügte Daray an. Wir entschuldigen uns für gar nichts. Nolan lachte: „Immer noch so stur wie ein Esel." Lilu zuckte nur mit den Schultern.

„Ich weiß, dieser Fehler ist nicht zu verzeihen und dennoch bitte ich euch um Vergebung", Islanzadi war untröstlich. „Fehler geschehen. Ich denke, wir haben noch etwas Zeit ihn wieder gut zu machen. Zu gerne würde ich Galbatorix etwas wegnehmen, das er gern hat, doch ich bezweifle, dass es so etwas gibt." „Dann vielleicht etwas, das ihm nutzt", meinte Nolan. „DU willst es wirklich tun?" erwiderte Lilu geheimnisvoll. „Aber wie." Nolan lächelte nur.

Zoren hatte nicht lange bis nach Urû'baen gebraucht. Vier Tage nach dem Diebstahl ließ Galbatorix ihn in den Thronsaal führen. Der König aß mit seiner ersten Garde zu Abend. Während Murtagh dem Elf kaum Beachtung schenkte starrten Lyza und Naima ihn finster an. „Ich hoffe, du hast einen guten Grund, hier her zu kommen und deinen Posten zu verlassen?" erklang Galbatorix Stimme bedrohlich süß. „Ich habe zweierlei für euch, erstens einige wichtige Informationen. Ich weiß, wer diese neuen Drachenreiter sind." Er warf Lyza einen triumphierenden Blick zu. „Sagen die die Namen Lilu und Nolan etwas." „Das ist eine Lüge", keifte Lyza ihn an. „Wo sollten meine Kinder Dracheneier her bekommen." Der Elf lachte. „Das Volk deiner Kinder hat dich aufgenommen und dich gelehrt mit Zaubertränken umzugehen. Aber Ihr größtes Geheimnis hast du nie erfahren, nicht wahr. Die Drachenreiterin in ihrer Mitte hast du übersehen. Vor deinen Augen, haben sie die Dracheneier verwahrt." „Es gab keine Drachen beim fahrenden Volk"; schrie die Kräuterhexe. „Nein, nur eine Reiterin, ohne Drachen. Sie hat deinen Kindern die Eier gegeben. Valeska." Lyza schrie wütend auf. Ohne zu wissen warum zuckte Murtagh zusammen. „Valeska, sie hat also überlebt", knurrte Galbatorix. „Das lässt sich ändern. Und weiter?" „Es waren nicht die einzigen Eier. Die Valeska hatte." Zoren holte die gestohlenen Eier aus seiner Tasche. Eines in grün, das andere in silber. „Es sind weibliche Drachen", ein heimtückisches Grinsen legte sich auf seine Lippen. „Weibliche Drachen." Wiederholte Galbatorix. „Naima, Murtagh, wir werden dafür sorgen, dass diese beiden schnell schlüpfen."

Mit brutaler Gewalt folgten der dunkle Drachenreiter und das Schattenweib dem Befehl des Königs. Sie schleiften jedes Kind, dass im richtigen Alter war nach Urû'baen. Doch nichts geschah. Angst und Schrecken beherrschten Alagaesia. Die Menschen begannen ihre Kinder zu verstecken. Galbatorix rief Murtagh zu sich. „Ein Clan des fahrenden Volks ist in der Nähe. Sie haben immer Kinder bei sich, diese verdammte Brut. Taugenichtse. Schaff mir diese Kinder hier her, mach mit den Eltern, was du willst." Ein finsteres Lächeln legte sich über Murtaghs Lippen. „Natürlich mein König." Er verbeugte sich und ging. „Eines muss ich dir lassen Hexe, du verstehst dein Handwerk." Selbst das aufrichtigste Lob klang aus dem Mund des Elfs falsch. „Dann wird es wohl das Beste sein, du kommst mir nicht in die Quere."

„Können wir reden?" Arya schreckte Eragon aus seinen Gedanken. „Natürlich", antwortete der Drachenreiter schnell. Eine Weile schwieg die Elfe, sie bewegte nicht einen Muskel. „Du hast mir mehr als einmal gesagt, dass du etwas für mich empfindest. Jedes Mal habe ich dir gesagt, dass es nicht geht. Aber niemals habe ich dir gesagt, warum?" Eragon wollte ihr antworten, doch sie ließ ihn nicht zu Wort kommen. „Lass mich ausreden. Als mein Vater starb, sah ich, wie meine Mutter litt. Es dauerte Jahre bis sie über seinen Tod hinweg war. Ihr Herz war gebrochen und mir schien es, als wäre alles in ihr erloschen. Sie war die Königin und musste ihr Volk regieren, doch die die sie liebte vergaß sie." Arya sah Eragons mitleidigen Blick. „So wollte ich einfach nicht enden. Traurig und mit gebrochenem Herzen." Eragon atmete tief durch. „Warum erzählst du mir das?" Arya lächelte schwach. „Jemand hat mir gesagt, dass mein Herz erfriert, wenn ich nicht zu dem stehe was ich fühle und das will ich noch weniger." Eragon warf einen Blick über das Lagerfeuer hinweg, dort saßen Lilu und Nolan. „Jemand. Und was genau bedeutet das nun?" Arya lächelte schwach und schüttelte den Kopf. Dann zog sie Eragon plötzlich an sie und küsste ihn zärtlich. Im ersten Moment war Eragon so überrascht, dass er gar nicht reagieren konnte. Nur langsam erwiderte er den Kuss. Erstaunt beobachtete Saphira das Geschehen. Ach, stichelte sie. Dann werde ich mir wohl nicht mehr sein Gejammer anhören müssen.