Die Schulleiterin blickte unschlüssig zwischen ihre zwei Professoren hin und her. Etwas war vorgefallen, aber was. Das übliche Geplänkel war verstummt und Severus bewarf Hermine mit düsteren Blicken. Sie ignorierte ihn und feuerte damit seine Wut noch mehr an. Minerva seufzte. Ihr Plan die beiden zu verkuppeln schien nicht gerade gut zu laufen, dabei hatte sie die zwei so oft sie konnte gemeinsam eingeteilt. Aber es schien, als ob sie mehr als Zufall brauchten. Die alternde Frau widmete sich wieder ihrem Essen und atmete tief ein und aus. Es half nichts, es lag nicht mehr in ihrer Macht. Nun war es an Hermine und Severus selbst das beste daraus zu machen. Sie wunderte sich noch einen Moment wie zwei so brillante Köpfe so blind und dumm sein konnten wenn es um die Liebe ging.
Severus stocherte lustlos in seinem Essen herum. Sein Appetit hatte sich seit dem Nachmittag verabschiedet und seine Gedanken quälten ihn mit Bildern von Hermine und ihrem neuen Bekannten. Er suchte fieberhaft nach Kommentaren die ihr vielleicht die eine oder andere Information entlocken könnten, doch sie blieb standhaft. Sie ging auf keine Stichelei ein und winkte all seine verzweifelten Versuche zu erfahren, mit was er es nun zu tun hatte, ab. Severus Frustration wuchs stetig. Er wusste, dass er absolut nicht in der Position war um auch nur irgendeinen Anspruch an Hermine zu stellen, doch nichts desto trotz tat er es.
Er wollte ihre Aufmerksamkeit, er wollte ihre Bücher tragen, er wollte sie zum Lachen bringen, er wollte wissen was sie beschäftigt, er wollte sie nerven und ärgern. Doch er war zu stur oder schlichtweg zu dumm um seine Gefühle rechtzeitig zu begreifen. Freundschaft. Als ob ihm das je genügen würde. Er kannte sich selbst gut genug um zu wissen, dass sie niemals aufhören würde seine Gedanken heimzusuchen. Sie würde niemals aufhören ihn in seinen Träumen wilde Versprechungen und Hoffnungen zu machen. Seine Wut über ihn selbst stieg in ihm hoch als er daran dachte, dass es ausgerechnet so einen Idioten brauchte, um ihn seine Gefühle klar zu machen.
Seine Mutter hatte einmal zu ihm gesagt, dass Menschen erst dann wissen, was sie haben, wenn es weg ist. Das Glück wird erst dann geschätzt wenn man es vermisst. Es war eigentlich traurig, wie einfach die Menschen und scheinbar auch er gestrickt waren. Früher rühmte er sich an, über den weltlichen und banalen Gelüsten der Menschheit zu stehen. Er gaffte niemals leicht bekleideten Frauen hinter her, er gab sein Geld nicht für diverse materielle Güter aus, er fand keine Freude in hohen gesellschaftlichen Kreisen, er fand seine Leidenschaft in Lernen und Wissen. Severus war sich bewusst, dass er auf seine Art schwer mit anderen kompatibel war, doch das machte ihn nichts aus.
Er bemerkte leider viel zu spät, dass die innerliche Zufriedenheit nicht von der Akzeptanz seiner Mitmenschen abhing. Nachdem er Lily erfolgreich vergrault hatte, verbrachte er Jahre mit niemanden als sich selbst. Er hatte nur sich. Doch leider trübte diese Isolation seine Wahrnehmung und der 16 jährige Junge gierte nach der einen Sache die er niemals hatte. Akzeptanz. Und diese fand er bei der denkbar schlechtesten Quelle. Lucius erkannte sein Potential und nahm ihn mit zu diesen aufregenden geheimen Treffen. Severus könnte laut auflachen über seine damalige Dummheit.
Er war damals tatsächlich ganz hin und hergerissen gewesen von den mutigen Gestalten, die sich mit verbotener dunkler Magie beschäftigten und gegen das System rebellierten. Severus wusste damals schon, dass er als Halbblut eigentlich selbst das Ziel ihres Hasses sein sollte und umso mehr genoss er es, einmal nicht im Zentrum der Hänseleien zu stehen.
Mit Lilys Rückzug aus seinem Leben fiel er in ein tiefes Loch und wurde von vermummten Gestalten aufgefangen die ihm ihre neue Weltordnung eintrichtern wollten. Severus hasste sich selbst für sein Schweigen als er den unzähligen Überfällen auf Muggel oder Muggelgeborenen tatenlos zusah. Er hatte nie einen aktiven Part darin, zu sehr drängte ihn sein Gewissen auf die richtige Seite. Doch in Zeiten den Unrechts zu Schweigen war genauso schlimm wie am Unrecht teilzunehmen.
Das konnte er sich niemals verzeihen. Als der Tag kam, an dem er die Prophezeiung hörte bettelte er Dumbledore verzweifelt an sie zu beschützen. Vergebens. Lily war verloren an dem Tag an dem der dunkle Lord die Botschaft über seinen Untergang hörte. Severus wusste es vermutlich tief im Inneren, doch sein Herz weigerte sich diese Tatsache anzuerkennen. Der dunkle Lord hätte sie niemals verschont, egal wie sehr Severus ihn angefleht hätte.
Das Gefühl als er den leblosen Körper seiner Jugendliebe in den Armen hielt, würde er niemals vergessen. Und auch nicht das Gewicht der Schuld die ihm seitdem auf den Schultern lastete.
Diese Intensität dieses Gefühls wiederholte sich nun.
Die Gefühle die er für Hermine hatte, waren zwar nicht direkt schmerzhaft, doch sie traten in einer Stärke auf die ihres gleichen suchte. Die Wut und der Schmerz den er am Nachmittag verspürte schnürten seine Kehle zu und er machte einige große Schlucke von seinem Wein. Als er den Kelch wieder hinstellte, fühlte er ihren Blick auf sich. Er wagte es nicht hinzusehen. Manchmal hatte er das Gefühl sie könnte seine Gedanken mit einem Blick lesen und er war noch nicht bereit ihr seine Verletzlichkeit und ihre damit einhergehende Macht zu offenbaren. Schließlich gab er auf und verabschiedete sich mit kargen Worten vom Tisch. Als er mit seinem wallenden Umhang durch die Schülerbänke schritt hetzte er noch ein paar Schüler zur Seite und verschwand schließlich. Er bemerkte nicht die zierliche Gestalt die ihm folgte.
Als er in seinen Räumen angekommen war, schenkte er sich ein Glas eines alten Whiskeys ein, den er vor vielen Jahren von Dumbledore bekommen hatte. Er schwenkte die klare goldene Flüssigkeit in ihrem Glas und trank vorsichtig einen Schluck davon. Severus befand, dass seine aussichtslose Situation das Glas noch köstlicher machten. Was sollte er tun. Er hatte nichts zu bieten außer einen schlechten Ruf, einen verhassten Namen und einer in sich gekehrten Persönlichkeit. Überzuckert noch mit einer Ladung Unsicherheiten und Komplexen mit einer Brise Traumas. Gerade als Severus sich das zweite Glas einschenken wollte, klopfe es vorsichtig an der Türe. Er seufzte und verfluchte Minerva. Sicher hatte sie einen überstürzten Abgang bemerkt und wollte nun wissen, woran es ihm fehlte. An Vernunft anscheinend.
Er öffnete die Türe und ließ beinahe sein Glas fallen. Vor ihm stand Hermine, die mit hochgezogenen Augenbrauen auf sein halbvolles Glas schaute. Sein Herz raste und es war ihm fast peinlich wie unsicher er sich fühlte. Er wollte wütend und eifersüchtig sein doch er konnte nichts anderes als pures Glück empfinden. Sie war hier.
„Ich dachte du hättest dem Alkohol abgeschworen?"
Severus war so überrascht, dass er einige Sekunden länger brauchte um das Gesagte zu verarbeiten. Er folgte ihrem Blick und sah auf sein Glas. Er zuckte mit seinen Schultern und nahm seinen Mut zusammen.
„Möchten S.. Möchtest du auch ein Glas?"
Severus Herzschlag pochte in seinen Ohren. Gebannt starrte er sie mit seinen dunklen Augen an. Er konnte sehen, wie sie über sein Angebot nachdachte und atmete erleichtert aus als sie sich bei ihm vorbei ins Innere seiner Gemächer schlich. Es war fast wie beim ersten mal, nur dass er nun klar sehen und denken konnte. Sie machte eine Runde durch sein Wohnzimmer und starrte wie damals mit Bewunderung auf die decken hohen Bücherregale. Er starrte sie an und erinnerte sich auf einmal warum sie überhaupt hier war. Schnell schenkte er ihr ein Glas ein und übergab es ihr mit gezwungen ruhigen Händen. Sie nickte dankend und überraschte ihn erneut als sie das Glas einfach hinunter stürzte. Er war drauf und dran nachzuschenken doch sie hielt ihn auf.
„Ich hatte keinen Durst. Ich brauchte nur.. Mut."
Nun war Severus dran und zog seine Brauen hoch.
„Mut? Für was?"
Sie ging auf ihn zu und Severus hielt sich davon ab scheu zurück zu weichen. Im Alkohol, so musste er feststellen, fielen ihm einen einige Sachen wesentlich leichter. Sie fasste mit ihre warmen Hand an seine Wange und er schloss unweigerlich seine Augen. Er atmete tief ein und bereicherte sich an ihrem Duft. Das Gefühl ihrer Hand verursachte eine Wärme und seinem Bauch. Er erschrak beinahe als er ihre Lippen zaghaft auf seinen spürte und brauchte ein paar Momente um den Augenblick zu begreifen. Schließlich fing er sich und erwachte aus seiner Starre. Diese Gier die er nach ihr verspürte stieg in ihm hoch und er küsste sie mit einer Intensität zurück, die ihr ein zartes Wimmern entlockte. Severus umfasste ihren Körper und hielt sie beinahe fest, zu gut erschien ihm dieser Moment als dass er real sein konnte. Er spürte ihre Hände, die sich unbeirrt auf Wanderschaft begaben und fühlte die Gänsehaut die sich langsam auf seiner Haut ausbreitete. Das Gefühl entlockte ihm ein Seufzen und Hermines Hände wurden gieriger. Als ob sie alles auf einmal anfassen wollten, strichen sie um seinen Körper und hinterließen ein kribbelndes Gefühl des Wollens. Severus gestand sich ebenfalls zu sie zu erkunden, jedoch tat er dies vorsichtig und zaghaft. Während er ihre Kurven bewunderte und jeden Zentimeter ihrer Form wertschätzte, fand sie geschickt einen Weg unter sein Hemd und Severus zuckte leicht zusammen als er ihre kühlen Hände auf seiner erhitzen Haut spürte. Er fühlte ihr Grinsen und murrte leicht, doch als er den Hautkontakt fühlte vergaß er die Kälte und gab sich dem Gefühl hin. Langsam arbeitete auch er sich unter ihr Gewand und er wagte es kaum die weiche Haut ihrer Hüften anzufassen. Es war als ob er jeden Moment aufwachen würde und er wollte den Moment solange er konnte genießen. Während er über die Weichheit ihrer Haut sinnierte, bugsierte sie ihn langsam aber sicher in die Richtung seines Schlafzimmers. Dieses Unterfangen bemerkte er erst, als er rücklings auf sein Bett fiel. Er stützte sich auf seine Ellbogen und stellte mit Überraschung fest, dass sie ihn bereits fast ganz ausgezogen hatte. Wann war das passiert? Bevor er Mutmaßungen darüber anstellen konnte, kletterte sie auf seinen Schoß und nahm eine für Severus beinahe unerträgliche Position ein. Er spürte wie seine Selbstbeherrschung bröckelte und konnte nichts anderes tun als seinen Instinkten nachzugeben. Als er sie auszog hielt er auf einmal ein. Er starrte auf ihre entblößte Brust und stützte sich erneut auf seine Ellbogen. Hermine erstarrte ebenfalls und sah ihn abwartend an. Nach wenigen Sekunden fand sein Blick wieder ihre Augen und er sagte etwas, für das er sich vermutlich bis an sein Lebensende hassen würde.
„Wenn ich einen Menschen erschaffen würde, würde er so aussehen."
In seinen Gedanken, klang es begehrend, romantisch und nicht ansatzweise so.. psychotisch und unheimlich. Er wollte sich gerade erklären als sie sich wieder zu ihm herunter beugte und ihn gierig küsste. Kurz dachte er daran, dass das Glück auf seiner Seite war und sie ihn vielleicht nicht verstanden hatte, doch er hatte keine Zeit mehr einen Gedanken daran zu verschwenden als sich Hermine an der Beule in seiner Hose rieb.
