10. Geschäftsreisen


Zusätzliche Warnings: Erw. von Character Death


Unter anderen Umständen hätte Oliver Rip Hunter vielleicht sogar gut leiden können. Der Omega war unaufdringlich, versuchte immer höflich zu bleiben, und er besaß einen ausgeprägten Sinn für Sarkasmus, den Oliver zu schätzen wusste. Aber er war leider nun mal Malcolms Omega, und damit stand es Oliver nicht zu ihn gut leiden zu können.

Erstens musste er Tommy und Thea und nicht zuletzt auch Rebecca gegenüber loyal sein. Und zweitens war es eine reelle Möglichkeit, dass Rip Hunter von Malcolms diversen Machenschaften wusste. Oliver glaubte immer noch nicht wirklich, dass die Beziehung zwischen Malcolm und Rip rein platonischer Natur war – immerhin waren sie Alpha und Omega und es lief immer irgendetwas zwischen Alphas und Omegas -, aber er war bereit zuzugeben, dass Malcolm den anderen Mann nicht als seinen Geliebten betrachtete. Irgendwo musste er ihn aber kennengelernt haben, und all die ausweichenden Antworten von Hunter ließen nur einen Schluss zu: Bei der Arbeit.

Malcolms Arbeit bestand aber nicht nur darin eine internationale Firmenkooperation zu leiten, auch wenn er das die Welt glauben machen wollte, nein, Malcolm Merlyn war viel mehr als ein einfacher Geschäftsmann.

Es hatte Oliver Jahre gekostet herauszufinden, was genau Malcolm eigentlich so alles tat, aber er hatte es herausgefunden, das meiste zumindest. Zum einen war Malcolm der Vorstand der sogenannten Liga der Assassinen – einer Organisation aus Nanda Parbat, die genau das tat, was ihr Name vorschlug, und zum zweiten war er mit Damien Darhk, dem magisch begabten Herrscher von Starling City im Bunde, genau wie mit Eobard Thawne von StarLabs und Leonard Snart, dem Mann, dem die Hälfte von Central City gehörte.

Mit diesen Männern gemeinsam machte Malcolm Geschäfte, die mehr als nur fragwürdig waren. Darhk war bekannter weise korrupt – und ein Mörder – und außerdem sammelte er kuriose magische Artefakte – ein Hobby, das er mit Malcolm teilte. Und dann waren er und Thawne gemeinsam mit Malcolm auch noch in das Verschwinden von all jenen mit verwickelt, die vom Teilchenbeschleuniger verändert worden waren.

Und als ob das nicht alles ausreichen würde, hatte Oliver auch noch den starken Verdacht, dass Malcolm für den Tod seiner Eltern verantwortlich war. Robert und Moira Queen waren mit ihrer Familienyacht untergegangen. Langezeit hatte Oliver sich einreden lassen, dass das Zufall gewesen war, ein tatsächlicher Unfall, ein einfaches Unglück. Doch dann hatte er Beweise dafür gefunden, dass die Yacht sabotiert worden war.

Oder besser gesagt die Beweise hatten ihn gefunden. Walter Steele, der beste Freund seines Vaters, hatte die Queen's Gambit geborgen und Oliver vor einigen Jahren mit deren Überresten und der nachgewiesenen Sabotage konfrontiert. Oliver war über diese Entdeckung entsetzt gewesen, mehr als nur entsetzt, er war aufgelöst gewesen, und in seiner emotionalen Aufregung hatte er den Fehler gemacht Malcolm von der ganzen Sache zu erzählen. Tatsächlich war Malcolm der Einzige, dem er jemals davon erzählt hatte. Und kurze Zeit darauf verschwand Walter Steele spurlos, genau wie die Überreste der Gambit und alle Beweise für eine Sabotage.

Natürlich hätte alles immer noch Zufall sein können, und Oliver hatte seitdem viel Zeit damit verbracht sich zu wünschen, dass derjenige, der die Yacht sabotiert hatte, nicht Malcolm gewesen war, aber nach allem anderen, was er über Malcolm herausgefunden hatte, passte das nur zu gut ins Bild. Und letztlich war es doch so: Es gab nur eine einzige Person, die von dem Tod der Queens profitierte, und das war Malcolm. Er hatte Queen Consolidated geerbt und die Vormundschaft über seine Tochter erlangt.

Oliver hatte zwar keine konkreten Beweise, doch tief in seinem Herzen wusste er, dass es wahr war. So sehr er sich auch wünschte, dass es nicht so wäre.

Natürlich bedeutete das alles, dass sein Stiefvater in Wahrheit sein Feind war. Und das wiederum würde über kurz oder lang für Ärger mit dem, was ihm von seiner Familie noch geblieben war, sorgen – Rebecca, Tommy, und Thea wären nicht erfreut darüber, wenn Oliver Schritte gegen Malcolm einleiten würde. Aber dieses Opfer musste er wohl bringen, wenn er für Gerechtigkeit sorgen wollte. Und er hoffte, dass seine Familie verstehen würde, warum er das tat, und sie von der Wahrheit über Malcolm genauso schockiert wären wie er.

Olivers ganzen Geschäftsreisen nach Starling waren in Wirklichkeit keine Geschäftsreisen. Er reiste dorthin um Damien Darhk in dem korrupten Herzen seiner Macht zu bekämpfen. Gemeinsam mit einigen Verbündeten, tat er alles, was in seiner Macht stand, um Starling City von dem Tyrannen zu befreien. Doch es war kein Kampf, den er als Oliver Queen führte. Denn als dieser hätte er nicht gewonnen. Nein, er hatte sich einen Alter Ego zugelegt, einen mit ganze speziellen Fähigkeiten. Die vertuschte Teilchenbeschleunigerexplosion hatte ihn nicht verändert, aber er hatte seit Walters Verschwinden dazu gelernt.

Eine Frau namens Talia war bei ihm aufgetaucht und hatte ihm Dinge beigebracht, die ihm nützlich waren. Dinge, die ihm dabei helfen würden sich gegen Malcolms Liga der Assassinen zu stellen. „Malcolm Merlyn hat auch meinen Vater getötet und seinen Posten usurpiert. Er und Damien Darhk, der einst ein Rivale meines Vaters war und von seiner Organisation wegen seiner fehlenden Moral ausgestoßen wurde, haben sich miteinander verbündet und sind nun Teil eines Netzwerkes, das Dinge tut, die gegen jedes Naturgesetz verstoßen", hatte sie Oliver erklärt, „Du bist noch nicht bereit dazu dich ihnen zu stellen, Oliver Queen, doch mit meiner Hilfe wirst du es bald sein. Ich werde dir alles beibringen, was ich weiß, und gemeinsam können wir diese beiden Verräter konfrontieren und uns an ihnen rächen."

Und dann hatte sie Oliver beigebracht zu kämpfen. Und gemeinsam hatten sie auch die Suche nach der ganzen Wahrheit gemacht und nach seinem Zauber, mit dem sie der Magie von Damien Darhk standhalten könnten. Ihre Suche hatte sie bis zu einer geheimnisvollen Insel namens Lian Yu gebracht, wo sie mehr Fragen als Antworten gefunden hatten und einen Zauberer namens John Constantine getroffen hatten. Von Constantine hatte Oliver etwas bekommen, mit dem er Darhk möglichweise standhalten könnte, doch noch war er Talias Meinung nach nicht bereit den Alpha zu stellen.

„Auch ein Beta kann einen Alpha im Kampf besiegen", hatte Talia, selber ein Alpha, gesagt, „Doch um das zu schaffen, muss er doppelt so hart an seinen Kampffähigkeiten arbeiten wie jeder Alpha."

Und so hatten sie weiter trainiert und nach Verbündeten gesucht, und sie hatten auch schnell welche gefunden. Manche waren ehemalige Soldaten, manche hatten besondere Kräfte, manche waren nur engagierte Bürger, und manche saßen nur hinter ihren Comupterkeyboard, aber sie alle waren wichtige Teile ihres Kampfes. Bis Damien davon Wind bekam, dass sich in seiner eigenen Stadt Widerstand gegen ihn erhob, und er gemeinsam mit seinen Adoptivtöchtern über diejenigen, die sich gegen ihn stellten, herfiel.

Wenn man bedachte, was Darhk und seine Vollstreckerinnen mit denen machten, die ihnen in die Hände fielen, dann hatte Talia eindeutig recht: Oliver brauchte noch mehr Training.

Sein geheimes Handy vibrierte, und Oliver empfing eine Nachricht: Rory ist tot. Sie haben ihn regelrecht zerfetzt. Siehe Bilder im Anhang. Du musst sofort herkommen.

Oliver warf einen ungläubigen Blick auf die Bilder, die Felicity ihm geschickt hatte. Zeit für eine weitere Geschäftsreise nach Starling. Er wurde dringend gebraucht, wie es schien. Talia wäre der Meinung, dass nur ein weitere ihrer Soldaten gefallen wäre, doch die anderen … manche von ihnen könnten sich zu Rachegedanken hinreißen lassen, und das könnte fatale Folgen für sie alle haben.

„Wieder eine Geschäftsreise nach Starling?", erkundigte sich Malcolm bei ihm, als er ihn mit seinem Koffer im Foyer erwischte.

„Ja, es gibt einen Notfall, wie es scheint. Ich muss hin um die Wogen zu glätten", erklärte Oliver.

„Es scheint in letzter Zeit viele Notfälle bei unseren Ableger in Starling zu geben. Vielleicht sollte sich selbst einmal dorthin um nach dem Rechten zu sehen. Du weißt, wie sehr mir Queen Consolidated am Herzen liegt", meinte Malcolm und musterte Oliver nachdenklich.

„Das wird nicht nötig sein", versicherte ihm Oliver schnell, „Ich habe alles im Griff. Oder werde es bald haben. Du hast versprochen, dass du mir freie Hand lassen wirst, was die Firma angeht, vergiss das nicht. Immerhin ist sie mein Erbe."

Malcolm nickte. „Das stimmt. Wenn du denkst, du kommst damit alleine zurecht, dann muss ich mich damit wohl abfinden. Aber du weißt, dass du dich immer an mich wenden kannst, egal worum es geht", sagte er dann.

„Ja, Malcolm, das weiß ich", behauptete Oliver, nickte seinem Stiefvater dann zu, und ging los zur Garage.

Dort angekommen stellte er fest, dass er nicht der Einzige war, der hier war. Rip Hunter befand sich ebenfalls in der Garage und wirkte frustriert. Oliver konnte sich auch vorstellen warum. „Sie sind alle DNS-gesichert", erklärte er dem Omega, „Wenn Sie mit einem fahren möchten, müssen Sie sich von Malcolm einscannen lassen."

Hunters Miene verdüsterte sich. „Das wird er nicht tun", meinte er nur.

„Warum denn nicht?", wunderte sich Oliver, „Sind Sie etwa so ein schlechter Fahrer?"

„Es gibt Dinge, die Sie nicht über Malcolm wissen, Oliver", meinte Hunter ominös. Das glaube ich ihm aufs Wort.

Oliver fühlte gegen seinen Willen Mitleid für den Omega in sich aufsteigen. Er hatte es hier wahrlich nicht sonderlich leicht, und wenn es zwischen ihm und Malcolm zur Zeit zu allem Überfluss auch noch nicht besonders gut lief, dann konnte Oliver gut verstehen, dass er frustriert war. „Ich werde mich darum kümmern, wenn ich zurück komme", versprach er. Dann kam ihm ein neuer Gedanke. Bisher hatte er Rip Hunter immer als potentiellen Gegner gesehen, aber was, wenn das nicht stimmte?

Der englische Omega wirkte blass und abgemagert, hatte aus irgendwelchen Gründen keinen Zugang zu den Autos und Motorrädern der Familie, und wohnte in einem Zimmer, das sich via Elektronik verriegeln ließ. Es gibt Dinge, die Sie nicht über Malcolm wissen.

„Sagen Sie, Rip. Könnten Sie mir einen Gefallen tun? Was immer Sie vorhaben, warten Sie damit, bis ich wieder zurück bin? Ich habe das Gefühl, dass es einiges gibt, dass wir beide miteinander zu besprechen haben. Ich denke, wir können einander vielleicht sogar behilflich sein", sagte Oliver dann.

Rip musterte ihn misstrauisch. „Ich weiß ja, dass Sie praktisch mein einziger Verbündeter in diesem Haus sind, aber ich bin nicht sicher, worauf Sie gerade anspielen", räumte er ein.

„Sie werden alles verstehen, wenn wir darüber sprechen", versprach ihm Oliver, „Tun Sie einfach nichts Unüberlegtes. Nur darum bitte ich Sie."

Rip zuckte die Schultern. „Von mir aus", meinte er und wirkte nicht sehr glücklich über dieses Versprechen.

„Gut. Wir sehen uns in einigen Tagen!" Oliver nickte dem Omega noch einmal zu und stieg dann in den Jaguar. Talia würde zufrieden mit ihm sein, er hatte gerade einen neuen potentiellen Verbündeten rekrutiert, noch dazu jemand aus Malcolms engstem Kreis.

Das schmälerte Rorys Verlust zwar nicht, machte aber zumindest Hoffnung für die Zukunft. Eine Zukunft, in der sie die Welt von ihren Darhks, Thawnes, Snarts, und auch Malcolm Merlyns befreien würden. Und das hoffentlich bald.

Denn so etwas wie mit Rory sollte mit niemanden anderen jemals wieder passieren müssen.


Fin.


A/N: Und die Verschwörung wächst weiter.

Nächstes Mal wird es schlimm. Seid nur schon mal vorgewarnt.

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