Ein Strolch zum Verlieben

Fanfiction von Slytherene

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Guten Abend, liebe Lesende!

Auch wenn derzeit leider keinen Alert bietet, gibt es heute ein Update des „Strolchiversums".

Für die trotz Alertmangel eingetroffenen Reviews danke ich MissMoony, Lina, Nicole, Nutellamädchen, BineBlack und Annchen, für das flotte Korrekturlesen der bezaubernden TheVirginian.

Viele von Euch waren sehr froh, dass es für Remus wieder aufwärts zu gehen scheint. Alles wäre ja so schön einfach, wenn es da nicht noch diesen vertrackten Mond gäbe. Ob Remus eine weitere Silberjagd überstehen muss, oder eine andere Lösung für sein ‚haariges Problem' findet – findet es heraus.
Viel Vergnügen!

Musicus: Rodgau Monotones
Mein Freund Harvey"

Lyrics (Auszug):
Wer steht immer neben mir?
Mein Freund Harvey!
Macht, dass ich den Kopf verlier?
Mein Freund Harvey!
Niemand außer mir, kann ihn sehen,
wir werden wohl niemals auseinander gehen…"


10. Vollmond

Am nächsten Morgen kam Remus kaum besser aus dem Bett als am Vortag, aber er schaffte es immerhin. Die Salbe hatte doch eine erhebliche Tiefenwirkung entfaltet. Natürlich war das kein Vergleich zu Madame Pomfreys Heiltränken, aber Remus war dennoch dankbar.

Seine Tage begannen, einen Rhythmus zu finden. Er stand früh auf, arbeitete hart, verbrachte den Nachmittag mal mit Gianni und Strolch auf langen Spaziergängen an der Themse, mal bei Thalia im Laden mit einem Buch, und manchmal sogar mit Jimmy auf dessen Tour. Während er mit Jimmy gelegentlich eine Pause in einem der unzähligen kleinen Antiquariate einlegte, in denen dieser sich mit Literatur eindeckte, entdeckte auch Remus seine Liebe zu Büchern neu. Die Nachmittage mit Jimmy waren leicht und sehr entspannt. Der ehemalige Matrose konnte während der Fahrten stundenlang Seemannsgarn spinnen und den Inhalt von Filmen erzählen, die er irgendwann im Kino gesehen hatte.

Wenn Remus bei Thalia im Laden war, waren stets entweder Gianni oder Leo anwesend. Leo führte mit Thalia zum Teil hitzige Diskussionen über Politik und Handelsgerechtigkeit. So kalt Leo oft wirkte, er war ein analytischer Denker, und seine Schlüsse trafen oft ins Schwarze. Seine bissigen Kommentare angesichts der aktuellen Tagespolitik waren zum Teil sehr prägnant und sprühten von einem äußerst bissigen Humor. Tatsächlich brachte Leo Thalia und immer öfter auch Remus zum Lachen, und auch wenn Remus und Leo sich nach wie vor nicht ausstehen konnten, entwickelten sie Möglichkeiten eines distanzierten, aber zivilisierten Umgangs.

Mit Gianni indes führte Remus lange Gespräche über das Leben und die Welt. Giannis Welt drehte sich um das Theater, die Oper, Motorräder und italienisches Essen. Und natürlich um Mode. Remus lernte die Handschriften der großen Designer zu erkennen, zehn verschiede Arten Pesto selbst herzustellen, ganz nebenbei frischte er seine Kenntnisse im Schrauben auf – denn an Giannis ‚Dnepr'-Gespann war immer irgendetwas entweder kaputt oder zu ‚optimieren', wie Gianni es liebevoll bezeichnete.

Von seinem ersten Wochenlohn hatte Remus zuallererst seine Schulden bei Gianni bezahlt, aber er biss auf Granit, als er Thalia etwas als Gegenleistung für sein und Strolchs Quartier und die Mahlzeiten geben wollte.

„Nein, Remus", sagte sie, „nicht diesmal. Besorg' dir erst einmal Kleidung und neue Schuhe, und wenn du in ein paar Wochen das Nötigste beisammen hast, können wir noch einmal über Geld sprechen."

„Das wird Leo nicht gefallen", erwiderte Remus.

„Ich werde ihm sagen, dass du mir Geld angeboten hast und ich es abgelehnt habe, und er wird das hinnehmen müssen", sagte sie, und Remus war nicht in der Lage zu beurteilen, ob ihre Gelassenheit echt oder vorgeschoben war.

Eines Abends, Remus und Gianni saßen mit einer Thermoskanne Tee in der Garage und hatten gerade den Vergaser des alten Motorrads wieder in Ordnung gebracht, und Remus überlegte, wie und wo er den nahenden Vollmond verbringen sollte, der sich bereits mit einem unbestimmten Kribbeln unter seiner Haut bemerkbar machte, sagte Gianni: „Weißt du Remus, wovon ich immer wieder träume?"

„Von Armandos starken Armen?" erwiderte Remus, denn das war tatsächlich ein weiteres Hauptthema für Gianni. Armando, der ihn erst betrogen und dann aus der eigenen Wohnung mehr oder weniger hinausgeworfen hatte und der nun dort mit wechselnden Partnern hauste und nicht einmal die Nebenkostenabrechnung bezahlte.

Gianni lächelte schmerzlich. „Ja, auch. Aber längst nicht mehr so häufig. Nein, ich träume oft davon, dass ich mit dem Motorrad irgendwo über eine dunkle Landstraße fahren, die Bäume fliegen wie Schatten vorbei, und plötzlich hebt es ab und fliegt. Meine Füße streichen über die letzten zarten Spitzen der Wipfel, und dann erheben wir uns hoch in die Lüfte, unter uns funkeln die Laternen von kleinen Dörfern und Städtchen,nd über uns strahlen die Sterne."

Remus war es bei Giannis Worten eiskalt den Rücken hinunter gelaufen. Er sah zu dem dunkelhaarigen Mann hinüber, der sich gerade eine Zigarette ansteckte. Der Schein der Flamme beleuchtete sein Gesicht, die dunklen, langen Wimpern, die seine grünen Augen beschatteten, die ebenmäßigen Gesichtszüge mit den vollen Lippen. Es fehlte nicht viel von Gianni zu Sirius, aber natürlich waren sie nicht identisch. Gianni war sichtlich jünger als Sirius, Remus schätzte etwa fünf Jahre, und er war kein Zauberer. Sein Vater, das hatte er Remus erzählt, war ein sehr erfolgreicher Gynäkologe, bei dem Giannis Mutter, Anna Nero, eine Gesangstudentin, in der Praxis als Sprechstundenhilfe gejobbt hatte. Dort hatte Giannis Vater sich in die junge Frau verguckt und sie geschwängert. Von Heirat war nie die Rede gewesen, aber nachdem Anna starb, als Gianni ein Kleinkind war, stellte Dr. Jenkins sich seiner Verantwortung, nahm Gianni zu sich, engagierte ein Kindermädchen und steckte den künstlerisch begabten Jungen in ein Internat, sobald er alt genug dafür war. Gianni hatte wenig Kontakt zum Vater, aber Remus hatte, einer Eingebung folgend, in Thalias Laden das Telefonbuch durchgesehen und die Praxis von Dr. Jenkins sofort gefunden. Er besuchte sogar das Grab von Giannis Mutter. Danach gab es für ihn keinen Zweifel mehr, dass Gianni niemand anderer als der war, der er vorgab zu sein.

‚Es ist nur ein Zufall, dass er Sirius so ähnlich sieht, dass er sein Motorrad so liebt wie Sirius seine ‚Lady' und dass er die gleiche grässliche Zigarettenmarke raucht. Er hat ein reiches Muggelleben, eine Geschichte, Freunde', sagte sich Remus energisch.

Zwei Tage später war Vollmond, und Remus hatte sich sorgfältig um die Vorbereitung dieses Ereignisses gekümmert. Anna Nero hatte ihn auf die Idee gebracht. Genau genommen natürlich nicht Giannis Mutter selbst, sondern die Umgebung ihres Grabes. Sie war auf einem der alten Londoner Friedhöfe beerdigt, der jedoch nicht sehr zentral lag, und im hinteren, noch älteren Teil dieses Gottestackers gab es ein paar alte Mausoleen. Doch nicht diese waren Remus' Ziel an jenem Nachmittag, sondern die alte verlassene Brauerei dahinter. Sie verfügte über einen der tiefen, mit Erde gestampften Braukeller, in denen früher die Maische gelagert wurde. Der Keller lag zwei Ebenen unter dem Erdboden, er war mit dicken Wänden und Holzfalltüren abgeschottet, und er verfügte über noch eine Besonderheit, die ihn für Remus zu einem wertvollen Rückzugsraum machte: Er war bewohnt, jedoch nicht von Menschen. In dem Gebäude spukte es. Ein sehr fetter, glatzköpfiger Geist hauste in der ehemaligen Brauerei. Er war ein Zauberer gewesen, der vor mehr als zweihundert Jahren beim Diebstahl von Bier ertappt wurde und in einem der Braukessel ertränkt. Er war zu betrunken gewesen, um seinen Stab zu ziehen und sich gegen den Muggelbraumeister, der ihn ermordet hatte, zu wehren. All das hatte er Remus erzählt, als dieser ihm vom Friedhof in die leerstehende Fabrik gefolgt war. Sie hatten ein Abkommen getroffen: Remus würde ihm Bier besorgen. Wunderbares, fauliges, abgestandenes Bier. Im Gegenzug würde Geist Harvey ihm einmal im Monat Asyl gewähren und sich darum kümmern, dass niemand dem Werwolf zu nahe kam.

Remus mußte außer der Suche nach einem Ort, wo er sich verwandeln konnte, ohne von Auroren aufgestöbert zu werden, noch ein weiteres Problem lösen: Er brauchte eine plausible Erklärung dafür, dass er in dieser Nacht weder zur Arbeit noch nachhause kommen würde. Es war eigentlich zu früh, um Urlaub zu nehmen, Remus arbeitete erst seit drei Wochen in der Firma, aber als er Captain Bruchmueller anbot, seine Mittwochsschicht mit einer am Sonntag zu vertauschen und zwar ohne Gehaltsausgleich, stimmte der Veteran zu, ohne nach weiteren Erklärungen zu fragen.

Schwieriger hatte es sich mit Gianni gestaltet. Während Thalia nur sagte: „Ach ja, dein Geheimnis, Remus", und versprach, sich ab Nachmittags um Strolch zu kümmern, löcherte Gianni Remus mit Fragen nach dem Wieso, Wann und Wohin.

„Es gibt ein paar Dinge, die noch aus meinem letzten Leben stammen, die ich regeln muss", sagte Remus irgendwann entnervt.

„Dann ist dies hier dein neues Leben?" hatte Gianni gefragt, und etwas seltsam Zaghaftes lag in seinem Blick.

„Es scheint so, nicht wahr?" gab Remus zur Antwort. „Ich meine, ich trage neue Klamotten, – also gut, gebrauchte neue Klamotten - ich besitze zwei Bücher, ich muss nicht hungern, und ich weiß, wo ich einen warmen Platz zum Schlafen habe, jede Nacht. All das ist neu, und ich bin wirklich dankbar dafür."

„Dann sind wir alle Teil deines neuen Lebens?" Giannis Augen schimmerten verdächtig. Remus wusste inzwischen, dass der stets so scheinbar gut gelaunte, unbeschwerte Gianni ein begnadeter Schauspieler war, wenn es darum ging, seine wahre Gemütsverfassung zu verheimlichen. Aber Remus hatte Jahre mit Sirius gelebt, und er konnte in Giannis Gesicht lesen wie in einem offenen Buch, wenn er sich nur vorstellte, dass es Sirius war.

„Die Königliche Familie gehört nicht dazu", hatte Remus geantwortet, Giannis Blick gesehen und seufzend hinzugefügt: „Natürlich gehört ihr dazu. Ich bin ein Gestrandeter, und Thalias Teeladen ist die rettende Insel. Zufrieden?"

Gianni hatte sehr zufrieden ausgesehen.

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Remus kauerte in dem Verschlag unterhalb des Maischenraums, den er für diese Nacht präpariert hatte. Oben in der Halle konnte er mit seinen feinen Wolfsohren Harvey herumtoben hören, der eine Gruppe Jugendlicher verjagte, indem er Stapel alter Holzkisten herunter warf und einen Heidenradau an den alten Kupferrohren veranstaltete.

Der Mond kam, und Remus ging keuchend in die Knie. Die Schmerzen überfluteten ihn, wie immer im letzten Jahr, seit er ohne Severus' Braukunst auskommen musste. Es war eine Ironie des Schicksals gewesen, dass ausgerechnet der finstere Tränkemeister, dem auch er nur mit Mühe hatte trauen können, sich als letzter machtvoller Zauberer des Phönixordens erwiesen hatte. Ohne ihn hätten vielleicht auch Ginny und Hermine das Kreuzfeuer der Auroren nicht überlebt. - Auroren, die den Worten von Todessern vertrauen mußten und die beiden Mädchen offenbar für Todesserinnen gehalten hatten, die Voldemort bis zum Schluss treu ergeben waren. Es war Severus gewesen, der die Situation als einziger schnell genug durchschaut hatte, und er hatte ohne Rücksicht auf seine eigene Person gehandelt.

Später erst begriff Remus, dass sie in eine doppelte Falle gelaufen waren, die Lucius Malfoy Ihnen mit fast unnatürlichem Gespür für die Handlungsweisen des Ordens gestellt hatte.

Noch am Morgen der Verhandlung sprach Remus mit Severus darüber, und er wunderte sich über das feine Lächelnd, dass die dünnen Lippen des Tränkemeisters umspielte.

Ich habe bemerkt, dass es eine Falle war, noch bevor ich hinein getappt bin."

Du hast es gewusst?"

Bedauerlicherweise habe ich das doppelte und dreifache Spiel zu spät durchschaut. Mir blieb nur, die Schülerinnen zu opfern und zuzusehen, wie sie sterben, oder die Auroren anzugreifen, die sie fast getötet hätten. Ich hatte keine Wahl, immerhin war ich für die Mädchen verantwortlich, Lupin. Ich war ihr Lehrer. Gerade du müsstest das verstehen."

Remus spürte, wie sich sein Körper veränderte, wie sich Knochen streckten im Schädel, zu einer Schnauze formten, wie sie zusammenflossen und schrumpften, Muskeln die Haut zu sprengen drohten, bevor struppiges Fell ihnen Raum gab. Dann wurde sein Bewusstsein von der Existenz des anderen Wesens überlagert, verdrängt, gelöscht.

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Als er erwachte, lag er inmitten der Fabrikhalle, nackt und eiskalt, in einer übel riechenden Pfütze.

„Endlich!" fluchte Harvey und wischte sich mit einem speckigen Robenärmel silbrig glitzernden Gespensterschweiß von der Stirn. „Das war das erste und letzte Mal, dass ich für einen Werwolf Kindermädchen gespielt habe. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in meinem Leben oder später so gearbeitet zu haben."

„Was ist geschehen?" fragte Remus, während sich seine Augen mühsam an das helle Licht gewöhnten, das durch die vielen blinden oder zerschlagenen Fenster hinein floss.

„Ausgebrochen bist du!" beschwerte sich der Geist. „Erst im Braukeller unten herumgestromert und dann zum Rattenjagen hier hoch gelaufen. Geheult hast du, es war grässlich. Und dann ist der da gekommen."

Remus stützte sich auf die Unterarme, um besser sehen zu können, wohin der Geist mit seinem dicken Daumen wies.

Etwas zehn bis zwölf Meter von Remus entfernt lag ein junger Mann auf dem Boden. Sein Kopf bildete das klebrige Zentrum einer dunkelroten Lache, und in der zusammen gekrampften Faust hatte er einen Zauberstab. Die graue Uniform verriet ihn als Auror. Remus rappelte sich mühsam auf und schleppte sich zu dem reglos Daliegenden.

„Der lebt noch!" trompetete der Geist. „Oh je, jetzt wird er erwachen, und dann kommen sie vom Ministerium und werden mich aus der schönen alten Brauerei verjagen, weil das hier Muggelgebiet ist, und sie werden mich in ein Schloss oder gar ein altes Kloster einweisen, ich werde mit anderen Gespenster teilen müssen…" Er jammerte in einem fort.

„Harvey!" rief Remus. „Harvey!!!" Endlich verstummte das Geplapper.

„Habe ich ihn verletzt?"

„Nein", sagte der Geist in nölendem Ton. „Dich hat er ja geschockt. Das war gerade, als der Mond unterging, sonst hätte der Stupor dich wohl kaum umgeblasen, Werwolf. Ihr seid ja ein ziemlich resistentes Pack. Du warst schon zurück verwandelt, aber vielleicht hat er dein Heulen vorher gehört. Was musst du auch so jaulen bei der Wandlung."

„Wie kommt er an die Kopfwunde?" fragte Remus.

„Ich habe ihn mit Kisten beworfen, und eine hat getroffen", erklärte Harvey stolz.

„Ich halte ja nicht viel von Gewalt, aber da er zuerst angegriffen hat….gut gemacht. Du hast dir das Heim und mir vermutlich das Leben gerettet. Ich werde eine Weile für dein Bier arbeiten müssen."

Remus beugte sich nieder und zog dem Auror den Zauberstab aus der Faust.

„Der ist bestimmt registriert", sagte Harvey warnend.

„Du scheinst dich ja bestens auszukennen", erwiderte Remus.

Er sprach einen Heilzauber und sah zu, wie sich die Kopfwunde langsam schloss und der junge Ministeriumsangestellte von der Ohnmacht in einen tiefen Schlaf überging.

Dann richtete er den Stab wieder auf die Stirn des Mannes.

„Legilimens!" Remus war ein lausiger Gedächtniszauberer, er wünschte, Severus wäre hier oder wenigstens Sirius. Der Wusch allein ließ ihn erschaudern. Beide waren tot und fort. Er selbst würde die Gedanken des Aurors nur verwischen und abändern, nicht jedoch löschen können.

„Du warst auf dem Friedhof", murmelte er leise. Das war einfach, denn hier war der Mann wirklich gewesen. Er sah die Bilder im Kopf des Mannes: Der junge Auror hörte aus der Brauerei ein Heulen. Es dämmerte schon. Remus modifizierte das Heulen zu einem Fauchen. Er ließ den Auror dem Geräusch folgen, es jedoch nicht in der Brauerei, sondern in einer der Grüfte vermuten. Er sah, was der Mann gesehen hatte: Sich selbst, noch verkrümmt und krampfend, nackt und ohne jede Kontrolle über seine Körperfunktionen auf dem Betonboden der Halle. Das war schwer zu löschen oder zu ändern. Aber Remus veränderte das Gesicht der Erinnerung, und ließ sie schreiend und in Panik aus der Gruft flüchten, während sich ein dunkler Schatten in eine Nische verzog. Der Auror würde später am Tag sehr glaubhaft von einem Vampirangriff auf einen unbekannten Muggel berichten. Wenn der Rat der Vampire jemals erfuhr, dass es schon wieder der gleiche Werwolf gewesen war, der sie beim Ministerium in Misskredit brachte, würden sie ihn bis ans Ende der Welt jagen. Aber da er als Lykantroph ohnehin ihr Feind war, machte das für ihn keinen großen Unterschied.

„Das war's", sagte Remus und erklärte dem Geist, was er getan hatte. Dann sprach er jede Menge Verwandlungs- und Schutzzauber. Sollte man im Ministerium den Stab untersuchen, würde es schwierig sein, herauszufinden, welcher Zauber wann gesprochen worden war.

Remus überlegte einen Moment, ob er den Stab mitnehmen sollte. Er hätte ihn so gut brauchen können, aber Harvey hatte Recht, mit einem registrierten Stab würde man ihn aufspüren.

„Du brichst einen Haufen Gesetze. Ich werde dich bis zu deinem Tod erpressen können", sagte Harvey vergnügt.

„Versuch's, und ich mach nebelhaften Geistergulasch aus dir", drohte Remus.

„Clarifico!" Die gelbe Urin- und die Blutlache verschwanden vom Betonboden. Remus holte seine Kleider und zog sich an. Er war durchgefroren und erschöpft.

„Wie geht es weiter?" fragte das dicke Gespenst.

„Achte auf die Umgebung und versteck' dich gut. In ein paar Stunden wird es hier von Auroren nur so wimmeln, und spätestens morgen Nacht kommen die Vampire, um den vermeintlichen Schauplatz einer Ordnungswidrigkeit eines der ihren und den Tathergang zu beurteilen. Mit Glück – viel Glück – werden sie alle deine Brauerei übersehen. Falls nicht, dort drüben sind Büros, die nachts leerstehen sollten, da kannst du unterschlüpfen. Es sollte nicht zu weit für dich sein."

Harvey nickte nieder geschlagen.

„Kommst du nächsten Vollmond wieder, Werwolf? Es war eigentlich ganz putzig, dir beim Rattenjagen zuzusehen, ich habe selten so viel Unterhaltung."

„Und das Heulen und Jaulen?" fragte Remus.

Der Geist zuckte die Schultern, dass seine fetten Arme wabbelten. „So schlimm war es auch nicht. Und dass du nicht stubenrein bist, stört mich wenig, ich rieche ja nicht mehr so gut."

Remus seufzte. „Nächsten Vollmond sicher nicht, aber ich denke schon, dass wir uns wieder sehen werden, wenn etwas Gras über diese Sache hier gewachsen ist."

Harvey strahlte über das ganze blasse, dickbackige Gesicht.

„Mein Freund Harvey", dachte Remus kopfschüttelnd, als er später mit dem Auror über der Schulter über den Friedhof schlich. Er wagte nicht, ihn zu levitieren, um nicht einen Schwebezauber als letzten mit dem Stab gewebt zu haben, aber die schwere Arbeit der letzten Wochen machte sich bezahlt: Obwohl er müde war und ihm die Muskeln und Sehnen noch von der Verwandlung brannten, gelang es ihm relativ leicht, den Mann zu einer der Grüfte zu tragen und dort abzulegen. Das schwierigste war, sich nicht von jemandem erblicken zu lassen. Nach Jahren im Orden wusste Remus Lupin jedoch sehr genau, wie er dabei vorzugehen hatte.

TBC