Auf fanfiktion. de gibt es eine Tabelle, ähnlich der, die ich unter dem Titel 'Senseless Pretending' selbst hier veröffentliche, allerdings mit 120 Stichwörtern, zu denen man Geschichten schreiben soll. Für einen weiteren Kalender hat das Rudel sich Stichwörter aus eben dieser Tabelle ausgesucht und Storys mit exakt 500 Wörtern dazu geschrieben. Dieses ist der erste meiner Beiträge.
Altersfreigabe: ab 12
Spoiler: keine
Inhalt: Es gibt Situationen, da muss man für eine Freundschaft etwas aufgeben.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Ron, Hermine/Severus
Warnings: none
Secret Place
Auf der Treppe zum Astronomieturm gibt es eine Nische in der Wand. Ein Vorhang verdeckt den Eingang, zwei Zentauren blicken darauf in die Sterne. Hermine stand einmal davor, als wir Lavender Brown nach einer stundenlangen Suchaktion verheult genau dahinter gefunden hatten. 'Bereust du es, Wahrsagen geschmissen zu haben, jetzt wo Firenze unterrichtet?', fragte ich. Sie sagte 'Ach was! Ich wüsste nur gerne, warum man sich dahinter verstecken sollte. Das macht doch nichts besser'. Meine Stichelei 'Lies doch in der 'Geschichte Hogwarts' nach' ließ sie lächeln. 'Das Buch hilft mir auf jeden Fall mehr als du'.
Ich weiß nicht, ob sie es getan hat. Nachgelesen meine ich. Zwei Tage später fanden wir heraus, dass sie versuchte, Severus 'die Fledermaus' Snape rumzukriegen. Da war die Nische unwichtig.
Ginny sagt 'Du führst dich kindisch auf!'. Ich sage 'Mir wird schon beim Gedanken an Hermine mit diesem schleimigen Idioten schlecht!'. Ihr Vorwurf 'Du bist bloß eifersüchtig' trifft mitten ins Schwarze. 'Ich liebe sie' erkläre ich, obwohl es mir peinlich ist. Ich will nicht mit meiner Schwester darüber reden. Aber ich will noch weniger, dass meine Schwester wütend auf mich ist. Sie sagt 'Wenn du sie liebst, dann hör auf ihr wehzutun. Diese Sache ist schwierig zu verstehen für uns alle, aber am meisten leidet Hermine'.
Was Ginny damit meinte, verstehe ich erst jetzt, wo ich den Vorhang zur Seite schiebe und meine leuchtende Zauberstabspitze in die Dunkelheit halte. Hermine reißt die Hände vor ihr verweintes Gesicht.
„Nox!" Ich klettere zu ihr in die Nische. Wir sitzen dicht nebeneinander in der Dunkelheit. Ihre Schulter berührt meine, in meinem Magen kribbelt es.
„Ich weiß jetzt, warum man sich hier versteckt", flüstert sie irgendwann.
„Warum?"
„Hier ist es, als würde man nicht existieren. Und wenn man nicht existiert, kann einem niemand wehtun."
Snape. „Soll ich ihn verhexen?"
„Nein."
„Soll ich ihn verpetzen?"
„Merlin, nein!"
Sie spricht erst viel später wieder: „Es tut mir leid, Ron."
„Ähm... schon okay?"
Teufel, wofür entschuldigt sie sich?
„Du weißt nicht was, hm?"
„Ähm..."
Sie seufzt. „Es tut mir leid, dass ich dir wehgetan habe. Wegen Snape." Sie schnieft. „Aber es fühlt sich an, als würde etwas in mir zerreißen, wenn ich ihn aufgebe. Weißt du, was ich meine?"
Oh ja.
„Hm", mache ich. „Was hat die Fledermaus getan, dass du hier sitzt und heulst?"
„Nenn ihn nicht so, Ron."
„Nun sag schon!"
„Er hat gesagt, ich wäre zu jung und würde nicht annäherend seinem Reifegrad entsprechen."
Ich erinnere mich daran, warum ich Snape hasse. Warum ich um nichts in der Welt möchte, dass sie... und er...
„Willst du das auf dir sitzen lassen?"
Sie zuckt mit der Schulter, die meine berührt. „Muss ich wohl. Ich habe keine Kraft mehr."
In der Dunkelheit suche ich ihre Hand, finde erst ihre Brust, rufe „Tut mir leid!", als sie quietscht. Dann sind ihre Finger in meiner Hand. „Ich geb dir was von meiner Kraft."
Als sie meine Hand drückt und leise „Danke!" sagt, da spüre ich es. Ich spüre, wie etwas in mir zerreißt.
