Kapitel 10

Dean wachte am nächsten morgen alleine auf, Cas saß komplett angezogen auf einem der wackligen Stühle und las ein Buch. Dean hätte schwören können, dass er, als er heute nacht aufgewacht war, Cas neben sich im Bett in seine Arme gekuschelt gespürt hatte, war aber zu schnell wieder in den Schlaf gerutscht, um sich jetzt sicher zu sein. Cas schien wie immer, und wenn er tatsächlich die nacht mit Dean im Bett verbracht hatte, ließ er sich davon nichts anmerken.

„Guten morgen, Dean." Begrüßte ihn Castiel ohne den Blick vom Buch zu lesen und blätterte eine Seite weiter.

„Hmm" brummte dieser nur als Antwort und verschwand schnell im Bad. Verdammt, die … Träume von letzter Nacht hatten ihre Spuren hinterlassen. Er grummelte ein bisschen verschlafen vor sich hin, als er sich in die Dusche hievte und das warme Wasser aufdrehte. Er stellte sich unter die heiße Dusche, schloss die Augen und entspannte sich. Er hörte Sam und Cas sich gedämpft durch die Tür unterhalten, und er dachte an seinen Traum, wie vertraut und intim er gewesen war. Es war nicht einmal ein sexueller Traum gewesen, nur er und Cas, im Bett, kuschelnd. Es erfüllte Dean mit Sehnsucht, Sehnsucht nach etwas, was er nicht haben konnte, und es zog sein Herz zusammen. Er ärgerte sich über sich selbst, dass er sich so die letzten Tage von seinen Gefühlen verwirren lassen hatte, und verfluchte diese blauen Augen. Er legte den Kopf zurück und presste mit den Fingern seinen Nasenrücken zusammen. Seine Stirn war in Falten gezogen und er versuchte sich zu entspannen. Er musste sich jetzt erst einmal um sein Problem kümmern, welches wirklich nicht weniger werden wollte. Oder weniger hart. Er seufzte, schloss die Augen und beschwor Bilder und Gefühle aus seinem Traum hervor. Wie Cas gerochen hatte. Und wie ihn seine kurzen Haare an der Nase gekitzelt hatten. Und wie sein fester, sehniger Körper sich an ihn gedrückt hatte, verzweifelt, so viel Haut an Haut zu bringen wie nur möglich. Dean kam viel zu schnell und das war ihm ein bisschen peinlich vor ihm selbst. Er trocknete sich ab, rasierte sich schnell und schlüpfte in seine Klamotten, bevor er aus dem Badezimmer trat.

„Hey, Sammy, ich glaub ich hab das ganze heiße Wasser schon aufgebraucht, sorry man" lachte Dean und Sam ging mit einem Augenrollen ins Badezimmer. Dean begann eine Tasche für die heutige Mission zu packen und um seine Hände zu beschäftigen, welche ein bisschen zitterten. Das kann wirklich nicht wahr sein, dieser Engel würde ihn früher oder später noch in ein Wrack verwandeln, wenn er ihn weiterhin so ein erbärmliches Nervenbündel werden ließ kaum dass er Cas sah. Cas hatte das Buch auf seinen Schoß gelegt und beobachte aufmerksam jede Deans Bewegungen.

„Hast du gut geschlafen?"

„Ähm, ja, danke… Hast du? Ich meine, hast du gut… deine Zeit verbracht?"

„Ja, danke, habe ich. Hast du gut geträumt?" fragte Cas mit einem kleinen Lächeln.

Deans Hände erstarrten in der Bewegung und er spürte wie ihm die Röte ins Gesicht schoss.

„Wieso?" brachte er heraus.

„Du hast im Schlaf geredet."

„Oh… was habe ich gesagt?" Bitte, bitte lass es nichts peinliches sein, bitte.

„Das meiste habe ich nicht verstanden, aber du hast ein paar Mal meinen Namen gesagt."

Antwortete Cas und verzog keine Miene.

„Oh … ja. Sorry man. Ja." Dean viel partout keine plausible Ausrede ein und er beschäftigte sich schnell wieder mit den Waffen.

„Kein Problem Dean. Wenn ich in deinen Träumen aufgetaucht bin, heißt dass, ich habe einen Eindruck in deinem Unterbewusstsein hinterlassen."

Deans Kopf antwortete nicht sondern wurde nur noch röter. Verdammt. Verdammt. Was muss sich Cas jetzt wohl denken? Shit. Und wieso läuft er rot an? Schon wieder? Er kann sich bald ja schon Dessous kaufen, wenn das so weiter geht, er führt sich schon auf wie ein halbes Mädchen.

„Ich nehme das als Kompliment. Wenn das in Ordnung ist für dich." Und jetzt schlich sich ein kleines Lächeln auf Cas Lippen, und Dean konnte es gerade noch sehen, als er seinen Kopf hob.

Cas hatte keine Ahnung, wie man flirtete, jedoch hatte er das Gefühl, er schlug sich bisher ganz annehmbar. Er wusste, auch wenn es Dean bis zu einem gewissen Grad unangenehm war, dass er es trotzdem mochte, und ihm schmeichelte.

Sam kam aus dem Badezimmer, immer noch zitternd.

„Du Arsch, das Wasser war nicht nur kalt, wäre es noch ein Grad kälter gewesen, hätte ich mit Schnee geduscht."

Dean lachte ihn nur aus und warf sich seine Lederjacke über die Schultern.

„Kommst du jetzt, oder willst du noch weiter rumpussen? Es gibt Hexenärsche zu versohlen" ärgerte Dean seinen kleinen Bruder und nahm sich die Auto Schlüssel.
„Cas, willst du mitkommen? Wird sicherlich spaßig." Und damit ging Dean zum Auto und ließ sein Baby warm laufen.

Nachdem sie die Kräfte der rasenden Ex-Hexe in eine Halskette geleitet hatten und ihr noch eine kleine Moralpredigt gehalten hatten, kehrten sie nach einem langen und anstrengenden Tag ins Motel zurück. Cas hatte meist nur etwas fehl am Platz neben den Brüdern gestanden, hatte jedoch ihnen nebenbei schnell das Leben gerettet, als er zwei Hex Bags entdeckt und sofort zerstört hatte. Jetzt saßen sie mit guter Laune in dem kleinen Motel Zimmer und planten ihren Abend.

Was Dean nicht wusste, war, dass als Sam nachts aufgestanden war, um auf die Toilette zugehen, er bemerkt hatte, dass Deans Bett merkwürdig aussah, und die Form unter der Decke eindeutig nicht zu Dean gehörte. Panisch hatte er sich das Dämonenmesser geholt gehabt und war leise um das Bett herumgeschlichen, bevor er wie angewurzelt stehen blieb. Holy Shit. Er hatte alles erwartet, Gestaltwandler, Vampire, die Zahnfee. Aber nicht das. Er hatte sich tatsächlich die Augen gerieben und sich ein bisschen mit der Spitze der Klinge in den Arm gestochen, um zu sehen, ob das tatsächlich wahr war. Aber da lagen sie. Sein großer Bruder, der ach-so-ein-Weiberheld war, mit seinem Arm fest um Cas geschlungen, das Gesicht im Nacken versteckt. Sam hatte erstmal einige Zeit mit offenem Mund gestarrt, bis er sich wieder gefangen hatte. Gerade, als er sich leise ins Badezimmer bewegen wollte, schnappten Cas' Augen auf und starrten direkt in Sams. Natürlich. Engel schlafen nicht. Er starrte einfach nur. Sam sagte nichts, nickte nur kurz und ging ins Badezimmer. Er stütze sich aufs Waschbecken ab, um diese neue Information zu verarbeiten. Hatte er die Situation missverstanden? Nein, nicht wirklich. Dean hatte geradezu besitzergreifend seine Arme um Cas geschlungen gehabt. Aber wieso hatte Sam nie etwas gemerkt? Klar, die Beziehung seines Bruders zu dem Engel war etwas außergewöhnlich gewesen, doch hatte Sam sie einfach nur als sehr, sehr enge Freundschaft gesehen. Aber Cas hatte ihn so merkwürdig angeschaut gehabt. Halb ängstlich, halb bittend, und ein bisschen trotzig. Hmm. Vielleicht lief das ja noch nicht so lange? Sam beruhigte sich etwas. Vielleicht hatte Dean selbst keine Ahnung, was da vor sich ging, vielleicht begann das alles ja gerade? Ja, ganz sicher. Dean war ein Sturkopf und in solchen Dingen einfach eine Katastrophe. Sam hatte nichts gegen Homosexualität, gar nichts, es war nur so etwas neues, dass sein Bruder, der jedem kurzen Röckchen hinterher rannte, auf einen Typen stand. Naja. So lange Dean ihn nicht anlog, war das ok. Und eigentlich wären die beiden schon ein süßes Paar. Argh. Sam musste lächeln, aber dachte sich, dass es doch noch ein bisschen zu früh für diese Gedanken waren, er musste das alles ja erst mal verarbeiten.

„Hey, also, ich glaube nicht dass ich heute Abend so viel Lust auf feiern habe, ich glaub ich hab mir irgendwas eingefangen, so, bauchmäßig und so, wahrscheinlich von dem Kaffee-Stand heute Morgen, nicht gerade lecker… ich geh in die Bibliothek, ich denke, es wird spät… muss noch ein paar Sachen nachschauen, und die haben hier eine echt ordentliche Bibliothek hier…"

Dean schaute ihn kurz irritiert und besorgt an, aber meinte dann

„Ok, Sammy… aber bist du dir sicher dass du ok bist? Nicht dass diese Hexenbitch dir noch schnell irgendetwas verpasst hat."

„Nee, das geht schon, Dean, und mach dir keine Sorgen, glaub mir, das fühlt sich wirklich eher nach Verdauungsproblemen an…" Sam musste über seine geniale Ausrede grinsen, und verwandelte das schnell in ein etwas leidendes schiefes Lächeln. Außerdem hatte er tatsächlich ein paar Bücher gesehen, die er unbedingt lesen wollte.

Und schon war Sam aus der Tür raus und ließ Dean und Cas in verlegenem Schweigen allein.

Dean schaute Cas an, er war so schön. Er konnte sich eh nie satt sehen, und sog, so oft es ging, seine Erscheinung in sich auf, seine unglaublich schönen Augen, sein wildes, dunkles Haar, der starke Kieferknochen, die feine Nase, die weichen Lippen…

Cas schaute einfach zurück. Er genoss es, wenn Dean ihn so anstarrte, und er schaute gerne mit derselben Bewunderung zurück.

Dean riss sich von dem Anblick los und räusperte sich, drehte sich zu dem kleinen Kühlschrank und holte sich ein Bier.

„Cas, magst du auch eins?"

„Gerne, Dean." Kam die unerwartete Antwort, doch gab Dean Cas die Flasche mit Vergnügen. Vielleicht würden sie ja einen guten Abend zu zweit haben.

Sie setzten sich auf das Sofa und Dean schaltete den Fernseher ein. Cas hatte sich wieder dicht neben ihn gesetzt und Deans Herz schlug augenblicklich schneller.

„Cas, du solltest mal deinen Trench Coat ausziehen, das ist doch total ungemütlich…"

Cas schaute ihn etwas verwundert an, stand aber auf und zog umständlich den Mantel aus., während Dean ihn beobachtete und seine Bierflasche zu seinem Mund führte.

Cas stand vor Dean und schaute einfach nur komplett fasziniert auf Deans Mund, als die Zunge herausfuhr und schnell über die Lippen leckte um ein paar Tropfen Bier aufzufangen.

Dean hatte Cas Blick bemerkt und bewegte sich etwas unruhig hin und her. Was? Das? Das allein gab ihm schon einen Ständer? Dachte er ungläubig und wandte seinen Blick schnell dem Fernseher zu. Cas setzte sich neben ihn, und rutschte direkt wieder an Dean heran. Nach einem kurzen Blick in Deans Gesicht kuschelte er sich wie am vorigen Abend an Deans Seite, und nachdem Dean kurz erstarrte, entspannte er sich und legte seinen Arm um Cas schultern.

Er konnte sich daran gewöhnen, ja. Dean gefiel das. Es war warm, schön und vertraut. Wie in seinem Traum. Dean drehte den Kopf etwas, Cas' Kopf war gegen seine Schulter gelehnt, und er lehnte den Kopf etwas vor, um Cas' Duft besser einatmen zu können. Sein Traum, von gestern Nacht. Es hatte sich so real angefühlt. Dean senkte sein Gesicht noch etwas näher zu Cas' Kopf herab, bis seine Haare ihn an der Nase kitzelten. Und er konnte sich nicht stoppen, es fühlte sich einfach richtig an. Langsam, ganz langsam senkte er den Kopf weiter hinab bis seine Lippen Cas' Haar berührten, und er drückte einen federleichten Kuss auf Cas' Kopf.

Es war eine sehr intime Geste gewesen, aber nicht im Geringsten sexuell oder lustvoll. Es war eine Geste der Zuneigung, der Vertrautheit gewesen, etwas sehr intimes, etwas versicherndes, dass man den anderen vor alles Böse in dieser Welt beschützen wollte.

Deans Herz schlug schneller. Und schneller. Shit. Shit. Das war genau das was er hatte vermeiden wollen. Jetzt würde Cas aufstehen und verschwinden. Cas war sein Freund, und er sah ihn nur als Freund. Oder?

Doch Cas blickte nur auf in Deans Gesicht und lächelte ein kleines, schüchternes Lächeln. Grün in Blau. Dean konnte nicht, er war so schön.

Und er beugte sich etwas herab und fing Cas' Lippen mit den seinen, sein Arm zog ihn etwas zu sich her, und er ließ seine Lippen auf denen etwas trockenen aber trotzdem unglaublich weichen von Cas herabsenken. Es war federleicht, kaum eine Berührung, und Dean verharrte so, in Schock, von sich selber, in Angst, vor Cas' Zurückweisung.

Cas Augen hatten sich geweitet. Er schaute groß in die sanften, zärtlichen Augen von Dean, so voller Zuneigung und Bewunderung, dass es fast wehtat, so angeschaut zu werden.

Und seine Lippen. Warm, und etwas feucht, mit dem Geschmack des Bieres. Und Cas schloss seine Augen, hob seine Hand zu Deans Nacken und zog ihn herab zu sich, vertiefte den Kuss. Deans Arm um seine Schultern rutschte herab, drehte Cas weiter zu sich her und hielt ihn fest um die Taille, zog ihn noch weiter zu sich.

Dean verlor sich in dem Gefühl. Es war das beste Gefühl, dass er jemals gehabt hatte. Es durchflutete ihn. Alles auf einmal, das Gefühl Cas' etwas aufgesprungener Lippen auf seinen, seine warme Hand in seinem Nacken, seine schmale Taille in seinem Arm. Und die Erleichterung. Und Freude. Und Aufregung. Und Erregung. Alles zusammen machte diesen Moment zu dem besten Moment in Dean Winchesters gesamten Leben. Besser, als der Moment, in dem er aus seinem Grab in die frische Luft gekrochen war, besser, als der Moment, in dem er realisierte, dass er nicht mehr im Fegefeuer war. Besser als alles, was er je erlebt hatte.

Und Cas ging es kaum anders. Es entfesselte sich etwas in ihm, etwas leuchtend warmes, mitten in seiner Brust, und er fühlte sich so leicht und schuldfrei wie noch nie in seiner Existenz. Es war nicht lustgetrieben wie der Kuss mit Meg, es war langsam und zärtlich, jede kleine Bewegung sagte „ich brauche dich" und „ich vertraue dir". Cas wollte nicht, dass dieses Gefühl jemals wieder aufhörte. Es loderte hell und warm und sauber in ihm, und er konnte kaum begreifen, wie ein Wesen so etwas unglaublich schönes empfinden konnte.

Dean, als er bemerkte, dass Cas den Kuss erwiderte und nicht geschockt aufsprang und sich weg-zappte, bewegte seinen Kopf etwas und öffnete seinen Mund leicht, und Cas war wirklich kein schlechter Küsser dafür, dass er kaum Erfahrung hatte. Er öffnete seinen Mund ebenfalls ein wenig, ließ seine Zunge Deans Unterlippe erkunden und wurde mit einem leisen Stöhnen von Dean belohnt. Dean schob seine Zunge ebenfalls in Cas Mund, und erschauderte bei dem Gefühl, als ihre Zungen sich trafen. Er hatte schon unzählige Mädchen geküsst, und im Prinzip war es das gleiche mit einem Mann. Doch gleichzeitig so etwas komplett anderes. Cas schmeckte anders, er schmeckte maskulin, und gleichzeitig so gut.

Sie erforschten langsam und etwas schüchtern den Mund des anderen, die Lippen, die Zunge, bis sie einander loslassen mussten, um den dringend benötigten Atem zu holen. Dean hielt Cas immer noch mit seinem Armen eng zu sich gedrückt, und Cas hatte seine Hände halb auf Deans Schultern, halb an seinem Hals. Sie starrten sich ungläubig an, mit großen Augen und atmeten schwer.

„Ähem… Das war … überraschend." Sagte Cas in einer sehr tiefen und kratzigen Stimme.

Dean sah Cas fassungslos an. Er hatte ihn tatsächlich zurückgeküsst. Und wie. Verdammt. Ihm war heiß, und seine Jeans waren auf einmal viel zu eng. Hatte er nur aus Reflex zurückgeküsst? Verstand Cas, was dieser Kuss Dean bedeutete? Dass das nicht normal zwischen ‚nur' besten Freunden war?

„Ähm … Cas. Shit. Sorry… Ich weiß nicht… ich weiß nicht was… Shit." Dean ließ Cas los und rückte etwas von Cas ab, doch Cas ließ seine Hände auf Dean, sie rutschten etwas ab und lagen jetzt auf Deans Brust. Er spürte wie schnell Deans Herz schlug und konnte die aufsteigende Panik in seinem Gesicht sehen. Er lehnte sich vor und küsste Dean noch einmal, jetzt etwas fester, aber Dean schob ihn mit beiden Händen an den Schultern weg und Cas schaute verwirrt und etwas verletzt.

„Cas…" Dean seufzte. Er wollte unbedingt Cas haben. Wieder und wieder und wieder. Seine Lippen auf seine pressen, überall hin bringen, jeden Zentimeter seiner Haut berühren. Aber er konnte nicht. Cas verstand nicht, dass das nicht ging zwischen ihnen. Und das tat Dean weh, so weh. Er seufzte noch einmal und schaut auf in Cas' Augen, in sein jetzt besorgtes Gesicht, mit so viel Zärtlichkeit und Verlangen wie es nur ging.

„Cas. Ich kann nicht. Das geht nicht. Eigentlich das alles. Das Händchen-Halten. Dass du bei mir im Bett gewesen bist. Du verstehst nicht…" Dean biss sich auf die Lippe. Verdammt. Wieso wurde jedes kleine Fünkchen Hoffnung, dass sich doch in die Dunkelheit seines Herzens wagte, kalt und grausam herausgerissen und umgebracht? Verdammt.

„Hör mal. Ich … Ich mag dich, sehr gerne. Du bist mein bester Freund-„

„Und du bist mein bester Freund, Dean."

„Ja, genau, das ist das Problem. Du bist mein bester Freund. Und beste Freunde machen so etwas nicht."

Er seufzte noch einmal. Ihm wurde so schwer ums Herz. Etwas Gutes, einmal etwas Gutes im Leben, ist das zu viel verlangt? Ja, natürlich. Dean Winchester ahtte so etwas Wunderbares wie Cas nicht verdient. Alle Menschen, die ihm etwas bedeuteten, starben irgendwann, eher früher als später.

„Schau, wenn … Das alles, das zeigt, wie gern man einen Menschen hat. Dass man diese Person noch lieber hat als alle anderen-„

„Dean."

„Und, ich weiß, ich hätte das nicht ausnutzen dürfen, aber-„

„Dean."

„Es tut mir leid. Ich weiß einfach nicht was mit mir los ist. Bitte, ich will dich nicht verlieren-„

Cas hatte ihn aufmerksam angeschaut, und als er die Panik in Deans Gesicht sah, nahm er dieses vorsichtig in seine Hände, er wollte es beschützen, vor den Sorgen, der Angst.

„Dean." Er schaute ihm in die Augen.

„Dean, ich hab dich lieber als alle anderen. Und ich weiß, dass man so etwas nicht mit seinem besten Freund macht, zumindest nicht unter normalen Umständen. Ich weiß das, Dean. Ich bin zwar etwas eingerostet mit meinen sozialen Fähigkeiten, jedoch habe ich einen voll funktionierenden Verstand. Dean. Ich verstehe die Bedeutung dieser Gesten."

Er schaute Dean an, und ihm überkam so viel Zuneigung, Bewunderung, aber auch Schmerz, dass dieser Mensch sich selbst so sehr hasste, sich selbst so sehr verachtete, und sich selbst für alles Schlechte in dieser Welt verantwortlich machte. Dabei war er so ein wunderbarer, einzigartiger Mensch.

Dean starrte ihn an. Ja, er wusste, dass Cas nicht dumm war, aber er hatte nie so recht verstanden gehabt, was er über soziale Interaktionen wusste und was nicht. Vor allem in unserer modernen Welt.

„Dean, ein … Kuss ist universal, in allen Kulturen dieser Welt, in jeder Zeit, bedeutet es Vertrauen und vor allem Zuneigung. Ich weiß was das bedeutet." Wiederholte er.

Dean schaute ihn ungläubig an, versuchte zu verarbeiten, was der Engel ihm gerade gesagt hatte. Castiel, sein Engel, sein bester Freund, hatte ihm gerade erklärt, dass er ihn mag, und mehr als nur mag, und zwar auf die gleiche Art und Weise wie Dean ihn mochte. Er konnte es nicht glauben. Er schaute in die ozeanblauen Augen, und verstand, verstand, dass der Engel den Unterschied kannte, und verstand, dass er ihn mochte. Dass er ihn auf die richtige Art und Weise mochte.