Kapitel 9
Sie lagen eng umschlungen im Bett, von draußen drang nur ein wenig Mondlicht durch das Fenster, ansonsten war es dunkel. Er dachte an Remus. Drei Tage noch, dann war Vollmond. „Darf ich dir eine Frage stellen?", ertönte es leise neben ihm.
„So lange du nicht erwartest, dass ich antworte, darfst du mich alles fragen, was dir in den Sinn kommt.", murmelte er. Sie räusperte sich, dabei kam sie ein wenig höher und seufzte.
„Du wirst mich abweisen und ich weiß das auch, aber ich möchte die Frage trotzdem stellen.", meinte sie.
„Schieß los."
„Anfang siebtes Schuljahr.", meinte sie nachdenklich. „Da war dann bei mir Anfang drittes Schuljahr."
„Es ist wahrscheinlich, dass ich dir nicht antworte.", bestätigte er stöhnend.
„Mir geht es nicht um den Skandal der toten Schlange, James. Ich weiß, dass du sie umgebracht hast, ich bin nicht blöd.", maulte sie. „Mir geht es um die Situation, denn – uh – du hast gesagt, du hast mit ihr geschlafen und ich weiß, du hast sie umgebracht und ich frage mich, wie das zusammen passt.", gab sie dann zu.
„Und ich sagte schon: Ich kann nicht darüber reden.", wiederholte er.
„Aber-"
„Lily, Moody köpft mich, okay? Ich war Schüler!", sie seufzte und drehte sich jetzt auf den Rücken.
„Genau darum geht es mir!", beharrte sie schließlich. „Du warst Schüler! Wieso wurdest du da mit hinein gezogen? Und wieso hat dein Auftrag beinhaltet, dass du zuerst mit ihr schläfst und sie dann umbringst? Das ergibt alles keinen Sinn!", er seufzte. Weiber... Wieso konnte sie das Thema nicht ruhen lassen und einfach mit ihm hier liegen und irgendwann einschlafen?
„Wenn ich es dir sage, dann muss ich danach dein Gedächtnis verändern.", versuchte er noch einmal, auszuweichen, aber zu seinem Leidwesen zuckte sie nur mit ihren Schultern.
„Dann lösch' es aber wenigstens ganz, damit ich keine offene Frage habe.", bat sie ihn. Er ächzte und drehte sich jetzt ebenfalls auf den Rücken. „Komm schon, James, ich muss es wissen!", was so wichtig daran für sie war, konnte er nicht auf Anhieb sagen, aber er merkte, dass sie die Wahrheit sprach.
Und tatsächlich, ihm wurde (urplötzlich) bewusst, dass sie in den letzten Tagen über so ziemlich jeden Grundsatz des Auroren gesprochen hatten, aber große Thema Töten war noch nicht durchgekaut worden. Vermutlich war es das, was sie so brennend daran interessierte. „Malfoy's kleine Schwester...", seufzte er also schließlich.
„Mh.", kam es zustimmend.
„Ich weiß nicht, ob du dir darüber im Klaren bist, aber die Familie Malfoy steht ganz oben auf unserer Liste, egal, wie viel Geld sie dem Mungos oder dem Ministerium spenden, ich bin der festen Überzeugung, sie stecken da mit drin.", begann er schulterzuckend.
„Auf jeden Fall, ja.", stimmte sie ihm zu.
„Und mein werter Herr Pate hatte die grandiose Idee, es über die jüngste im Bunde zu versuchen.", fügte er hinzu. Er verbot sich normalerweise jeden Gedanken daran, zum einen, weil es das erste Mal gewesen war, dass er getötet hatte und dementsprechend kein schöner Gedanke war, zum anderen, weil es verboten gewesen war, immerhin war er zu dem Zeitpunkt noch Schüler gewesen. „Du weißt schon: Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, such' dir das schwächste Glied der Kette.", fügte er hinzu.
„Okay.", bedeutete sie ihm, dass sie mitkam und er fort fahren sollte.
„Aber sie war erst fünfzehn, dementsprechend zu jung, als dass er es mit einem Auror versuchen konnte, also kam er auf mich zu. Ich sollte mit ihr ausgehen, irgendein Alibi für Marlene und mich erfinden, und versuchen, irgendetwas aus ihr heraus zu kriegen. Irgendetwas, er war davon überzeugt, die kleinste Information würde ihn weiter bringen.", erzählte er ihr also nachdenklich.
„Da war der Wunsch Vater des Gedanken.", schnaubte Lily. „Die sind viel zu vorsichtig, um sich einfach zu verraten, alle Malfoys sind Feiglinge.", er legte jetzt seinen Arm um sie, was sie nur zu gerne zuließ und auch daraufhin näher zu ihm rutschte.
„Ich habe ihr also ein paar Mal aufgelauert, um zufällige Begegnungen vorzutäuschen.", gab er jetzt zu. „Sie sollte das Gefühl haben, dass sie mir vertrauen kann, dass ich sie verstehe, dass sie – uh – dass sie bei mir Zuflucht findet. So hatte Moody es mir erklärt. Und wir haben uns ein paar Mal getroffen, in dunklen Ecken und versteckt, weil eine 'Potter-Malfoy-Romanze' angeblich Schlagzeilen machen würde und ich das verhindern wollte.", manchmal quälte ihn der Gedanke daran.
Der Gedanke, wie er mit ihr gespielt hatte, wie er sie belogen hatte, wann immer er die Möglichkeit dazu gesehen hatte, war immer noch schwer zu begreifen, nach all den Jahren hatte er immer noch schlechtes Gewissen... „War es nur das eine Mal oder habt ihr regelmäßig miteinander geschlafen?", fragte sie neugierig, sodass er schnaubte.
„Sie war fünfzehn.", erinnerte er sie. „Und eine Malfoy, Lily, das wohlgehütete Nesthäkchen! In dem Alter macht man gerade erste Erfahrungen, das geht nicht so schnell.", darauf wurde sie rot.
„Ich war mit fünfzehn lange nicht mehr unschuldig.", gab sie zurück. Obwohl ihn dieser Einwurf schwer interessierte, blieb er beim Thema, nicht zuletzt, um es hinter sich zu bringen.
„Nun, sie schon.", meinte er also. „Wir haben irgendwann angefangen, viel zu knutschen und da ich sowieso meistens alleine Zuhause war, sind wir auch ein oder zwei Mal hier gewesen, wo es dann ein bisschen mehr gab, aber geschlafen haben wir nur das eine Mal miteinander.", Merlin, mit fünfzehn lange nicht mehr! Er selbst hatte es erst mit sechzehn mit Marlene zum ersten Mal gemacht und damit hatte er schon ein oder zwei Jahre vor seinen Freunden gepunktet... Je länger er darüber nachdachte, umso mehr interessierte es ihn, was sie da eben von sich gegeben hatte.
„Also schön...", gab sie nach. „Wie ging es weiter?", fragte sie neugierig, weil er aufgehört hatte zu reden.
„Uh – wo war ich?", fragte er, aus seinen Gedanken heraus gerissen.
„Ihr habt euch über den Sommer gesehen und geknutscht. Hat sie irgendwann mal was verraten?", bohrte sie.
„Nein, nie. Egal, wie geschickt ich mich anstellte, wenn sie überhaupt was wusste, hat sie immer gute Ausreden gefunden.", seufzte er. „Moody wurde mit der Zeit ungeduldig, weil das neue Schuljahr anstand und – uh – er hat mir das im Nachhinein erzählt, ich wusste das damals nicht, aber er wusste von Anfang an, wenn sie sich ein einziges Mal verriet, dann müsste sie von der Bildfläche verschwinden. Nicht zuletzt, um mich zu schützen, denn ich war ja nach wie vor mit Marlene zusammen.", erinnerte er sie, worauf sie nickte.
„Aber sie hat sich nie verraten.", murmelte sie.
„Nein, nie.", seufzte er. „Also hat Moody mir diesen Zauberspruch beigebracht, mit dem ich in ihren Kopf eindringen kann, spätestens in Hogwarts sollte ich ihn anwenden, um den Auftrag abzuschließen und mich auf meine Studien zu konzentrieren, du weißt schon, Moody hoffte da schon lange, dass ich Auror werde und dafür braucht man gute Noten.", warf er ein.
„Uh – ja, das weiß ich.", bestätigte sie ihn erneut.
So weit, so gut. Das war nur die Ausgangssitation für den Abend gewesen, auf den er hinaus wollte und bisher erklärte er das besser, als er gedacht hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt war er noch nie in die Verlegenheit gekommen, das irgendwem erklären zu müssen, nicht einmal Sirius wusste über den Umstand bescheid, dass er in Hogwarts zum ersten Mal getötet hatte und eine Malfoy noch dazu. Noch dazu ein Mädchen, dass ihm, Sirius, ursprünglich mal versprochen worden war... „Mir fiel es unheimlich schwer, Marlene anzulügen.", gestand er letztendlich schuldig.
„Okay."
„Und – uh – und ich hatte extreme Schlafprobleme, die erste Woche, die wir wieder in Hogwarts waren, habe ich Tag und Nacht gegrübelt, was ich tun sollte, ich war völlig übernächtigt und – und hatte teilweise Angstzustände...", seufzte er. Merlin, er erinnerte sich, als wäre es gestern gewesen. Diese erste Woche war schlimm gewesen. „Aber ich wollte nicht auffliegen, also habe ich versucht mir nichts anmerken lassen, auch wenn Sirius natürlich gemerkt hat, dass irgendetwas los war. Er hat nur nie heraus gefunden, was...", sehr viel länger konnte er nicht drum herum reden, langsam gingen ihm die Wörter aus.
Sowieso, er hielt schon erstaunlich lange durch. „Schließlich habe ich ihr geschrieben, sie soll sich mit mir am Rand zum verbotenen Wald treffen, was sie natürlich auch getan hat und wir sind tiefer in den Wald gegangen, weil ich dort ein Zelt aufgestellt und etwas zu Essen und zu Trinken hatte. Und sie – sie hatte meine Mühen irgendwie missverstanden, denn statt zu reden, damit sie sich endlich verplappern konnte, haben wir nur geknutscht und eins führte zum anderen und-", er zuckte mit seinen Schultern, als er zu diesem Teil kam.
Auch daran erinnerte er sich zu gut.
Daran, wie er für den Moment vergessen hatte, was er tun sollte, wie sie sich gierig entkleidet hatten, er erinnerte sich an ihren aufgeregten Herzschlag unter ihren völlig makellosen Brüsten und ihr gequältes Stöhnen, als er sie in Besitz genommen hatte. Daran, wie sich ihre Fersen in seine Seiten gedrückt hatten, wie heiß und eng sie gewesen war, er wusste sogar noch, dass die Schale mit den Früchten umgefallen war und Geräusche gemacht hatte. Alles in Allem: So sehr er sich dafür schämte, er hatte fantastischen Sex mit der kleinen Malfoy gehabt. Es war absolut fantastisch gewesen, wie sie gestöhnt und gejammert und geächzt und ihn aber trotzdem einfach gelassen hatte. Und genau so absolut fantastisch hatte es sich danach angefühlt, mit ihr eng umschlungen im Zelt zu liegen und zu lachen. Einfach so, sie hatte angefangen zu lachen (vermutlich aus Überforderung und Erschöpfung) und er hatte mit eingestimmt und für einen Moment war es normal mit ihr gewesen.
So, als hätte er sie geliebt.
„Und?", hakte Lily nach, als sie begriff, dass er sich in der Erinnerung verloren hatte. Er seufzte.
„Und nachdem ich es mit ihr gemacht hatte, habe ich den Zauberspruch verwendet, um ihr Gedächtnis zu durchstöbern.", antwortete er schuldig, nicht zuletzt schuldig, weil er erneut im Begriff war, sie anzulügen. Trotzdem, die ganz streng vertraulichen Informationen, die er in Marissa's Gedächtnis gefunden hatte, die musste sie nicht wissen... „Aber da war nichts. Rein gar nichts, sie war – nun – bis zu diesem Augenblick völlig unschuldig gewesen.", beantwortete er ihre nächste Frage also, noch ehe sie sie aussprechen konnte. Sie nickte verstehend. „Leider – uh – der ging auf meine Rechnung, ich war einfach noch zu unerfahren.", stöhnte er nun verlegen. „Leider hat sie mitbekommen, wie ich ihr Gedächtnis durchstöberte. Moody hatte das nie dazu erwähnt, aber man sollte die Person schocken, bevor man solches Zeug mit ihnen macht, sie sehen nämlich, was man sich ansieht.", gab er zu.
„Oh, oh...", machte sie.
„Jaah.", seufzte er. „Uhm – wir haben gestritten, um das zusammen zu fassen. Sie hat ziemlich schnell begriffen, wonach ich gesucht habe und von da an war sie nur noch eine Schlussfolgerung von der Wahrheit entfernt und ich habe Panik bekommen. Ich konnte es mir nicht leisten, dass sie irgendwem erzählte, was ich gerade versucht hatte oder – oder dass sie Marlene erzählte, was ich vorher getan hatte. Mein Plan war es, sie zu schocken und Moody zu holen, weil – er hatte gesagt, das sei im Endeffekt immer der Plan B, wenn alles schief ging, sollte ich sie schocken, fesseln und ihn holen. Aber, ich weiß nicht, ob du das weißt, sie war eine verdammt clevere Hexe. Mega-machtvoll, ich habe sie nicht mit einem einzigen Zauber getroffen, egal, was ich versucht habe, wir haben uns duelliert und sie war mir einfach weit überlegen.", maulte er.
„Also?", hakte sie nach, als er dann wieder schwieg.
„Nun...", er holte tief Luft. „Als mir klar wurde, dass sie die stärkere Hexe ist, wusste ich, dass ich sie als Mann überwältigen musste. Und – uh – wenn es um Muskelkraft ging, hatte sie natürlich keine Chance.", sie nickte, sagte aber kein Wort. Vermutlich wusste sie, dass er jetzt erklären würde, worum sie gebeten hatte. „Als ich sie also in meiner – uh – in meiner Gewalt hatte, sagte sie, es gäbe keinen Ausweg für mich. Sie würde irgendwann frei kommen und sie würde Marlene alles erzählen und sie würde ihrem Vater alles erzählen und dann würde ich in gehörigen Schwierigkeiten stecken. Du weißt schon, Worte einer verletzten Frau.", seufzte er. „Aber – aber sie hat mir Angst gemacht damit. Ich hatte keine Ahnung, wie man Gedächtnisse verändert oder ich bin nicht darauf gekommen oder – keine Ahnung, ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich habe Panik gehabt.", stöhnte er.
„Mh.", machte sie mitleidig, ansonsten kam keine Reaktion von ihr.
„Und dann habe ich getan, was ich tun musste. Keine Ahnung, wie mir der Gedanke gekommen ist.", meinte er schuldig. Seiner Meinung nach hatte er es vielleicht auch einfach im Blut und deshalb reagiert, wie er reagiert hatte. „Vielleicht habe ich das Messer auf dem Tisch und darin auch meinen einzigen Ausweg gesehen. Sie hat mich angestarrt, während ich ihre Kehle aufgeschlitzt habe und im ersten Moment geschrien, aber dann...", er atmete tief durch. „Dann war sie tot. Durch meine Hand.", zu seinem Erstaunen drehte sie sich jetzt auf die Seite und streichelte zögerlich über seinen nackten Bauch hoch über seine Brust.
„Was ist dann passiert?", fragte sie.
„Uh – ich habe sicher drei Stunden gekotzt, bevor ich Moody holen konnte, der mir auf die Schulter geklopft und mich für den Abend entlassen hat. Ich sollte niemandem erzählen, was passiert ist und mich bei ihm melden, falls irgendetwas sein sollte. Er hat dann übernommen und die Geschichte mit der peitschenden Weide erfunden...", er zuckte mit seinen Schultern, aber sein Atem ging schwerer bei dieser scheußlichen Erinnerung.
Schweigen legte sich über sie. „Ich weiß nicht, ob ich das könnte.", gab sie schließlich zu.
„Nun, wenn du Auror werden willst, dann musst du dich mit dem Gedanken abfinden.", antwortete er. „Auroren töten, wenn sie müssen. Du kannst nicht Auror sein, ohne auch töten zu können.", sie stöhnte.
„Aber ich will keine Menschenleben beenden."
„Ich will auch keine Menschenleben beenden, aber das gehört zu meinem Beruf und deshalb tue ich es trotzdem.", erklärte er ihr geduldig.
„Das ist eine ganz lahme Ausrede!", meinte sie.
„Nein, überhaupt nicht!", erwiderte er. „Das ist die Wahrheit! Lily, wenn du dir das nicht vorstellen kannst, dann musst du dich ausschreiben, das ist deine Verantwortung!", jetzt richtete sie sich auf.
„Was mache ich, wenn ich nicht Auror werde? Sieh mich doch an! Ich bin ja schon ein Freak, der nicht mehr schlafen kann, der bei jedem Geräusch ausholt, der sich gegen jede emotionale Annäherung wehrt, so lange es geht! Was bin ich, wenn nicht Auror?", fragte sie aufgebracht.
„Wenn du nicht töten kannst, wirst du eh nie Auror!", gab er recht sachlich zurück. „Das ist die letzte Hürde, die jeder der Auszubildenden zu überwinden hat. Jeder bekommt ein Ziel und Moody geht bei jedem persönlich vorbei um den Puls zu fühlen.", sie stöhnte.
„Aber ich kann das nicht!"
„Dann kann weder Moody, noch ich, dich für den Dienst zulassen! Stell dir vor, jemand will Gideon von hinten umbringen, du bist zu weit weg, um ihn irgendwie anders davon abzuhalten – dann ist es deine Pflicht, den grünen Fluch zu benutzen!", einen Moment starrte sie ihn nur fassungslos an, dann zog sich ein eiserner Ausdruck über ihre Miene.
„Nun, wieso hast du sie dann nicht mit dem grünen Fluch umgebracht?", fragte sie schnippisch, da richtete er sich auf, um sie lange anzusehen, ehe er sprach.
„Ganz einfach: Um einen unverzeihlichen Fluch zu benutzen, muss man das aus tiefster Seele wollen. Und ich wollte sie nicht umbringen, ich musste.", sie wurde blass. „Ich benutze den Fluch, wenn ich muss, aber ich missbrauche ihn nicht. Für alles andere habe ich zwei schmutzige Hände.", er fiel wieder flach auf seinen Rücken und starrte schwer atmend gegen die Decke.
„Du sagst also, wenn es mir ein persönliches Anliegen ist, dann werde ich den grünen Fluch benutzen?", fragte sie. „Du meinst, das ist Instinktsache?"
„Ich glaube, bei manchen Menschen ist es Instinkt.", korrigierte er. „Menschen mit Gewissen. Nicht McNair's alter Mann, nicht Bellatrix Lestrange. Menschen wie du und ich. Du wirst sehen, wie jemandem, den du liebst, weh getan wird und es wird von ganz alleine geschehen.", sie atmete ebenfalls schwer.
„Bereust du manchmal?"
„Ich bereue immer.", antwortete er. „Aber merkwürdigerweise kein einziges Mal, wo ich den grünen Fluch benutzt habe. Nur das, was ich aus Pflichtgefühl und wegen meiner Aufträge tue.", sie schniefte plötzlich, aber als er ihr einen prüfenden Blick zu warf, da wirkte sie nur tapfer und trotzig. Schön wie immer...
„Vielleicht kann ich den grünen Fluch aus Instinkt benutzen.", flüsterte sie schließlich. „Aber ich weiß nicht, ob ich meine Hände schmutzig machen kann."
„Dann kann man dich nicht für den Dienst zulassen.", wiederholte er. „Weil das überlebenswichtig ist.", erklärte er ihr direkt hinterher.
„Dann sei es so.", sagte sie tonlos.
„Aber-"
„Ich versuche mein Bestes, James, ich ziehe das durch, bis zum Ende, aber wenn ich es nicht schaffe, dann habe ich es nicht geschafft. Dann sei es so.", und damit richtete sie sich erneut auf, schälte sich aus der Bettdecke und verschwand im Badezimmer, wo die Dusche angestellt wurde.
Dieses Mal hatte sich ihr Verhalten ihm gegenüber verändert. Sie entzog sich ihm, wenn er sie anfassen wollte, sie schwieg, wenn er mit ihr reden wollte, sie wich seinem Blick aus, wenn er sie ansah. Seine felsenfeste Überzeugung, dass sie der perfekte Auror war, schwankte, ganz im Gegenteil zu seinen Gefühlen für sie, die nur noch stärker waren. Er war selber einfach zu abgestumpft, ihm machte es nichts mehr aus zu töten, er unterdrückte Schuld und Scham schon zu lange, um sie noch wahr zu nehmen.
Aber Lily, die hatte noch ein Gewissen. Sie war sich nach wie vor darüber im Klaren, dass es falsch war, Menschen umzubringen, nur weil man sie aus dem Weg haben sollte. Nur weil man den Auftrag dazu bekam. Nur weil man selber überleben wollte. Sie war sich nach wie vor bewusst, dass jedes Menschenleben einen Wert hatte. Etwas, was er schon lange nicht mehr so richtig auf dem Radar hatte, woran er sich gezielt erinnern musste, jedes Mal, wenn er jemanden getötet hatte. Bei ihm galt nur noch: Fressen oder gefressen werden. Und er war zu stark, um gefressen zu werden, da blieb dann nicht mehr viel übrig.
Alles in Allem: Auror zu sein war nichts für weiche Herzen.
Und Lily's weiches Herz hatte es ihm aber angetan.
Morgen war Sonntag. Dann mussten sie zurück in ihr altes Leben, dann mussten sie zurück nach London. Dann war er wieder ihr Lehrer und sie seine Schülerin und sie mussten da weiter machen, wo sie am Donnerstag vor einer Woche aufgehört hatten. Merlin, er wusste nicht mehr, was er sich dabei gedacht hatte. Ihm war klar, dass sie nicht mehr zurück konnten. Wieso hatte er sich selber in diese Situation gebracht?
Und trotz aller Gründe, die dagegen sprachen, öffnete er die Badezimmertür, zog seine Shorts ab und trat zu ihr unter die Dusche. Überrascht drehte sie sich um, holte schon aus, aber er fing ihre Hand ab. „Ah, ah, ah...", machte er spöttisch, wie er das häufiger machte (etwa, wenn sie ihn biss oder wenn sie ihn unter sich bringen und er aber noch die Kontrolle halten wollte oder wenn sie ihre Krallen ausfuhr...).
„Was machst du hier?", fragte sie errötend.
„Ich steige zu dir unter die Dusche.", er griff in ihre schönen Haare und pinnte sie mit seinem Körper gegen die weißen Kacheln. „Um dich zu verschlingen.", sein Mund legte sich auf ihren Hals. Sie seufzte tief, zuerst klang sie genießend, aber dann räusperte sie sich und drückte mit ihren Händen gegen seine Brust, um ihn von sich fern zu halten.
„Ich halte das für keine gute Idee.", gab sie zu.
„Richtig, das sei für's Protokoll festgehalten.", stimmte er zu und kam ihr wieder näher.
„James!", ermahnte sie ihn, dabei schob sie ihn bestimmter von sich, als vorher. Als er das nicht zu ließ, sondern nur fester zugriff, ächzte sie (er konnte in etwa ausmachen, dass da gleiche Teile Vergnügen und Frustration in dem Ächzen waren). „James, lass das, du bringst mich in Teufelsküche...", maulte sie gegen den Wasserstrom an.
„Und du mich auch, aber ich beschwere mich nicht, oder?", murmelte er in ihr Ohr. Merlin, er hätte sie gerne sofort bezwungen, am liebsten in jeder Hinsicht grob, er hätte ihr gerne ein einziges Mal richtig weh getan, um ihr zu zeigen, dass auch das befriedigte... Aber sie schob ihn jetzt tatsächlich weg, sodass er sich einen Moment geduldete. „Sag mir, was dich beschäftigt.", bat er sie.
„Nichts.", wich sie aus.
„Lily, ich weiß, dass ich dir Angst gemacht habe, mit dem, was ich dir erzählt habe.", riet er also ins Blaue und sie errötete augenblicklich erneut. „Aber auch das ist etwas, was du unterdrücken musst.", erklärte er ihr.
„Ich weiß nicht, ob ich das kann.", gab sie zu.
„Es ist meiner Meinung nach Zeit, dass du dir einen Mentor suchst.", meinte er. „Jemanden, mit dem du über solche Sachen reden kannst.", sie schnaubte.
„Moody hat gesagt, man sucht sich erst nach der Ausbildung einen Mentor!", hielt sie dagegen.
„Er weiß, dass es Ausnahmen gibt, er ist seit Anfang meiner Ausbildung mein Mentor.", antwortete er. „Du bist sehr viel weiter, als alle anderen deiner Klasse, Lily, die anderen sind noch dabei, auf dein körperliches Niveau, dein Zauberkunst-technisches Niveau und dein Zaubertrank-technisches Niveau zu kommen, die haben noch keine Zeit gehabt, sich mit moralischen Fragen auseinander zu setzen!", ermahnte er sie.
„Aber wozu würde Moody sagen, dass man sich erst nach seiner Ausbildung einen Mentor sucht, wenn er anderer Meinung wäre?", fragte sie nachdenklich.
„Weil man normalerweise erst in Frage stellt, was man tun soll, wenn man es getan hat! Nach dem letzten Test, nämlich dem Eliminieren eines Objekts, treten moralische Fragen und Skrupel auf, verstehst du? Bis dahin hat man nur das Ziel im Auge, weil man damit beschäftigt ist, den Anforderungen gerecht zu werden.", meinte er, dabei streichelte er vorsichtig über ihre nassen Haare. „Aber du bist bereits weit genug. Wenn du dich nicht jetzt mit den moralischen Fragen auseinander setzt, wirst du zögern und nicht bestehen.", mutmaßte er.
„Also du schlägst vor, ich suche mir einen Mentor?", hakte sie nach.
„Zum Beispiel Marlene, sie ist einer der besten Auroren, die ich kenne und hat noch nicht so viele-"
„Ich weiß genau, wen ich will.", unterbrach sie ihn. „James-", ihre Hände fuhren in seine nassen Haare. „Die einzige Person, mit der ich über solche Sachen reden will, bist du.", er stöhnte und entzog sich ihrer Berührung.
„Das geht nicht.", erwiderte er steif. „Moody weiß, dass du mich geküsst hast, er wird niemals erlauben, dass wir uns noch näher kommen. Wahrscheinlich wird er sich über den bloßen Vorschlag ärgern...", erklärte er ihr dann, als sie ihn stirnrunzelnd ansah. Sie wurde rot.
„Er weiß, dass ich dich geküsst habe?"
„Nach Hestia's Tod wurde ein Profil über meinen emotionalen Zustand erstellt, ich habe es ihm gesagt, um dem zu entgehen, da hat er Sirius angewiesen, mein Gedächtnis zu verändern.", gab er etwas zögerlich zu. „Weil ich gefeuert werde, wenn das heraus kommt.", erinnerte er sie zusätzlich.
„Ich weiß.", seufzte sie. „Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass du die einzige Person bist, mit der ich darüber sprechen möchte.", fügte sie hinzu, sodass er mit seinen Schultern zuckte.
„Das geht aber nicht.", wiederholte er, aber darauf zog sie ihn nur wieder zu sich und küsste ihn endlich auch. Und er küsste zurück. Obwohl er wusste, dass das Thema eigentlich noch nicht beendet war und er ihr unbedingt begreiflich machen musste, dass er niemals ihr Mentor sein konnte, weil er Gefühle für sie hegte, die sie in Gefahr bringen würden. Trotzdem packte er wieder zu, grub seine Finger in das Fleisch ihres Hinterns und presste sie erneut gegen die weißen Kacheln. Endlich küssten sie sich.
Merlin...
Er hatte sich in sie verliebt. Es war nichts verlegenes mehr daran, ihre Beine schlangen sich um seine Mitte und er packte an ihren Hals, um sie wirklich tiefgehend zu küssen. Dann bezwang er sie, offensichtlich wirklich schmerzhaft, denn sie heulte geradezu auf und löste den Kuss dafür, ihr Kopf prallte gegen die Wand hinter ihr, aber sie beschwerte sich nicht.
Im Gegenteil, ihre Beine zogen sich enger, er konnte jeden Muskel an ihr fühlen, also begann er zu stoßen. Es dauerte leider nicht allzu lange, bis sie sich um ihn schloss und kam, sodass er sich kaum noch halten konnte. Zwei weitere Stöße hielt er durch, dann war es um ihn geschehen. Seine Arme waren bereits taub davon, ihr gesamtes Gewicht zu halten, ihr Griff an seinen Schultern war schmerzhaft klammernd, aber das bemerkte er erst, als sie ihn los ließ und stattdessen in seine wirren Haare griff. „Ich bin so verrückt nach dir.", flüsterte sie unglücklich. „Und du weist mich immer nur ab."
„Das tue ich nicht.", widersprach er, dabei ließ er ihre Beine los. Lily löste sich augenblicklich von ihm und suchte so viel Abstand, wie es in der schmalen Badewanne möglich war.
„Tust du!", beharrte sie. „Weist mich ab und erteilst mir Lektionen, die ich deiner Meinung nach verdient habe.", der Vorwurf in ihrer Stimme machte ihn regelrecht wütend.
„Das ist nicht wahr, Lily, ich lehre dich, das ist meine Aufgabe! Und ich weise dich kaum ab, im Gegenteil, du bist weiter vorgedrungen als irgendjemand anders! Denk nur daran, wie viel ich dir über meine Beziehung zu Hestia verraten habe, was denkst du, wie viele das alles wissen?", fragte er dann. „Du weißt Sachen über mich, die nicht einmal Sirius weiß!"
„Es ist egal, was du machst, James, es fühlt sich schlecht an!", jammerte sie.
„Aber nicht, weil ich dir weh tun will, Lily, siehst du denn nicht, dass ich in der Zwickmühle sitze? Es fehlt nicht mehr viel und ich verliere, was denkst du, warum ich so reagiere, wie ich reagiere?", maulte er. „Und das ist schlecht, weil ich dein Lehrer bin und objektiv bleiben muss! Mich jetzt zu deinem Mentor zu machen, wäre die schlechteste Entscheidung, die irgendwer treffen kann, du brauchst einen objektiven Mentor, der nicht den Boden unter deinen Füßen küssen möchte!", erklärte er ihr eindringlich.
Und so standen sie einen Moment betreten unter der Dusche, völlig unfähig dazu, irgendetwas zu sagen, bis sie ihm letztendlich den Rücken kehrte und nach ihrem Shampoo griff. Er musterte ihre atemberaubende Rückseite, während sie sich wusch. „Vielleicht hast du Recht.", gab sie schließlich zu.
„Du bist wütend."
„Nein, ich bin objektiv.", erwiderte sie. „Du hast Recht, James. Unser Verhältnis jetzt noch zu vertiefen wäre unklug. Wir müssen unbedingt Abstand zueinander gewinnen.", er verdrehte seine Augen.
„Du weißt genau so gut wie ich, dass das von hier an völlig unmöglich ist!", ermahnte er sie.
„Nein, das ist die einzige Möglichkeit!", schnappte sie, während der Schaum an ihr herunter rann. Er hätte sie auffressen wollen, aber er war sich sehr wohl darüber im Klaren, dass diese Gelegenheit vorbei war.
„Lily, bitte sei nicht wütend auf mich." , endlich drehte sie sich wieder zu ihm herum. Ihr Gesicht war völlig ausdruckslos, als wäre gerade eben gar nichts zwischen ihnen passiert, was ihm einen kleinen Stich gab.
„Bin ich nicht.", tat sie das ab, aber das hielt er für unwahrscheinlich.
Und er hatte Recht. Als er ihr fünf Minuten später ins Wohnzimmer folgte, da war all ihr Kram fort. Und sie auch.
Zu seiner Überraschung saß Moody in seiner Wohnung, als er nach Hause kam. Stirnrunzelnd legte er seine Tasche auf seine Couch, direkt neben seinen Mentor, und schritt an den Kühlschrank. „Willst du ein Bier?", fragte er ihn.
„Hattest du Spaß, Junge?", fragte der alte Mann ihn steif.
„Was meinst du?", fragte er nur zurück, während er sich selber ein Bier öffnete.
„Denk nicht, niemand hätte euch gesehen.", sagte er. „Händchenhaltend am Strand oder turtelnd auf dem Markt.", er klang ganz und gar nicht beeindruckt, trotzdem nahm er erst einmal einen Schluck Bier, ehe er sich seufzend auf die Couchlehne hockte.
„Wer hat uns gesehen?", fragte er.
„Frank.", gab Moody sofort zu. „Sirius kam zu mir und hat berichtet, dass du für die Woche weg gegangen bist. Er hat sich Sorgen gemacht, hatte aber blanke Panik, in das Haus zu flohen und dich von der Decke baumelnd zu finden, also habe ich jemanden geschickt, um nach dir zu schauen.", erzählte er bereitwillig.
„Hat Frank die Show gefallen?", fragte er nur sarkastisch.
„Ich glaube, du bist dir nicht ganz darüber im Klaren, dass ich dich feuern muss.", maulte Moody. „Dass du Scheiße gebaut hast, als du deine Schülerin zu einem Bums-Urlaub eingeladen hast, obwohl wir dich gewarnt haben, was das für Konsequenzen haben würde.", er fuhr mit seiner freien Hand über seine Stirn und seufzte.
„Moody, wenn du mich feuern willst, dann tue es und red' nicht so viel.", verlangte er.
„Wirst ganz schön frech, jetzt, wo du wieder jemanden zum vögeln hast.", knurrte sein Mentor.
„Ach?", machte er spöttisch. „Hat Frank nicht dazu erwähnt, wie sie mich gestern sitzen gelassen hat, weil ich meine Pflichten als ihr Lehrer zu ernst nehme? Nicht ihr Mentor sein kann, obwohl ich den Drang habe, sie zu fördern?", Moody schnaubte.
„Sie hat noch ein halbes Jahr, bis sie fertig ist, dann kann sie sich einen Mentor suchen!", ermahnte er ihn.
„Sie braucht aber jetzt einen Mentor!", erwiderte er halsstarrig. „Sie ist so weit, okay? Wenn sie sich jetzt nicht mit ihren Fragen auseinander setzt, wird sie untergehen!", Moody verdrehte seine Augen.
„Gefühlsduselei, James, du bist in sie verliebt!", warf er ihm vor.
„Es wurde entschieden, dass ich nicht lieben kann.", murrte er. „Übrigens kein schmeichelhafter Entscheid..."
„Bist du dir darüber im Klaren, in was für eine Situation mich das bringt? Weißt du eigentlich, was das bedeutet?", fragte sein Mentor jetzt ungläubig. „Was hast du dir nur dabei gedacht, Mann? Sie ist deine Schülerin, du sollst sie ausbilden, nicht flachlegen!", ärgerte er sich lauthals. „Du musst objektiv bleiben!", da platzte ihm einfach der Kragen. Nicht, weil er ihm hier aufgelauert hatte, nicht, weil er ihn hatte beschatten lassen, es lag nicht einmal mehr daran, dass Lily ihn gestern verlassen hatte. Es war der Vorwurf...
„Ich bin doch objektiv!", rief er aus, so wütend, dass Moody einen Moment schwieg. „Was willst du denn noch von mir, alter Mann? Ich bin doch objektiv, ich habe ihr vielleicht mit ihr geschlafen, aber du kannst die ganze, letzte Woche durchsuchen, ich bin dazu in der Lage, sie objektiv zu bewerten!", ärgerte er sich.
„Das ist unwahrscheinlich, denn hier stehst du und verlangst einen Mentor für sie!", erwiderte sein eigener Mentor.
„Ich hatte zu diesem Zeitpunkt meiner Ausbildung bereits länger einen Mentor!", erinnerte er ihn. „Weil ich weiter war, als alle anderen in meiner Klasse, weil ich Skrupel hatte und du genau gewusst hast, wenn ich mich damit nicht auseinander setze, würde ich untergehen! Und ich stehe hier und sage dir: Wenn sie sich jetzt nicht mit ihren Fragen auseinander setzt, dann wird sie untergehen! Willst du das? So eine talentierte, mutige, junge Frau, die wegen deiner Fehleinschätzung nicht zum Dienst frei gegeben wird?", Moody räusperte sich verlegen.
„Ich habe schon einmal vor dir zugegeben, dass ich eine kleine Schwachstelle an dir habe.", murmelte er.
„Nun, ich habe an Lily Evans keine Schwachstelle, bin ich dir damit überlegen?", fragte er barsch.
„Wenn du mit deiner Schülerin eine Woche Bums-Urlaub machst, dann kannst du unmöglich objektiv sein, James, weil du private Informationen sammelst, die deine Urteilsfähigkeit einschränken, weil du den Mensch im Auror kennen lernst!", belehrte er ihn. „Und du musst aber objektiv bleiben können!"
„Ich bin objektiv genug, Alastor. Etwas, was du nicht immer von dir behaupten konntest und Patrick erst recht nicht, der mit so ziemlich allem geschlafen hat, was nicht bei drei auf den Bäumen war! Wenn ich sage, dass sie jetzt einen Mentor braucht, dann ist das so.", beharrte er. Als Moody nicht mehr antwortete, stöhnte er. „Also, feuere mich, dann ist es vorbei, Alastor!", verlangte er danach.
„Du kannst nicht ihr Mentor sein.", sagte der nur.
„Das habe ich ihr gesagt.", bestätigte er. „Na los, feuere mich!"
Aber der seufzte nur. „Was passiert, wenn ich dich gefeuert habe, James? Wer trainiert die neuen Auroren dann? Wen schicke ich auf die Aufträge, die anderen Leuten Kopfschmerzen bereiten? Du bist der beste Auror, den ich kenne, es ist unmöglich, dich zu feuern.", meinte er kopfschüttelnd.
„Dann feuere mich nicht, aber entscheide dich.", maulte er.
„Kannst du versprechen, dass es nicht mehr vorkommen wird?", fragte er letztendlich, da schnaubte James.
„Nein.", gab er ehrlich zurück. „Aber ich kann dir versprechen, dass ich mich selber genug im Griff habe, um mich zurück zu ziehen, wenn ich merke, dass ich nicht mehr objektiv bin.", damit sah Moody immer noch nicht glücklich aus.
„Ich halte selber eher große Stücke auf Evans, nur dass du es weißt, sie ist ein brillanter Kopf, aber wenn sie nicht lernt, ihre Emotionen in Schach zu halten, dann wird sie es sowieso nicht schaffen.", gab er zu. „Und diese Meinung habe ich nicht erst seit heute.", James nickte.
„Dann weißt du, dass sie einen Mentor braucht."
„Du willst sie zu sehr fördern, James. Du willst, dass sie es schafft, weil du das willst.", ermahnte er ihn. James wusste, dass daran eventuell etwas wahres dran war, wollte das aber nicht mehr zugeben. „Weil du weißt, dass du sonst nie mit ihr zusammen sein kannst.", er stöhnte.
„Das ist nicht wahr!"
„Doch, du willst unbedingt, dass sie es schafft, während sie Zweifel zu haben scheint, also braucht sie schnell einen Mentor, damit sie es bloß schafft!", hielt er dagegen.
„Bei dir und mir war das ähnlich.", meinte er schließlich. „Du hast aus mir gemacht, was ich jetzt bin, Alastor, das weißt du auch. Du hast aus mir gemacht, was du sein wolltest, eigene Fehler an mir ausgemerzt und ich übertrage dieses Verhalten auf Lily. Ich bin eigentlich die erste Wahl als ihr Mentor. Nach zwei Versuchsobjekten, hast du dann endlich den Prototyp für den perfekten Auror. Jemanden, der gar nicht mehr fühlen kann.", sein Mentor wurde rot.
„Das ist ein ganz gemeiner Vorwurf.", verteidigte er sich.
„Nein, das ist die Wahrheit.", er stöhnte erneut. „Nun, nein, einen der zwei Schuhe dürfen sich meine Eltern anziehen.", jetzt sah Moody das erste Mal verlegen von ihm weg. „Ihr habt alle drei einen 'super Job' gemacht bei der Kindererziehung."
„Du bist reichlich unfair.", stellte Moody fest.
„Bin ich gefeuert?", fragte er darauf nur zurück und als Moody nicht antwortete, da schnaubte er abfällig. „Dann sehe ich dich morgen bei der Arbeit. Geh jetzt."
