So, es geht weiter mit einem etwas längeren Teil.
Danke für eure lieben Reviews =)
Celesoan: Mit der Fixierung könntest du Recht haben ^^ Tja, Edward ist nun einmal ein langsamer Denker =D zumindest hier, bei mir. Danke, dass du mich immer auf die Fehler aufmerksam machst. Wenn ich lange Zeit an so einem Teil sitze und immer wieder Sätze ausbessere, fallen mir die blödesten Fehler oftmals nicht auf ^^ die Vorabiklausuren sind zum Glück vorbei, aber trotzdem danke, denn jetzt geht's aufs „richtige" Abitur zu ;)
Jenny: Oha, vielen Dank :D Bella mag es, sich in unangenehme Situationen zu katapultieren ;) Hab mir Mühe gegeben mit dem 'Schnell weiterschreiben' .
Lily: Danke schön =) ach, ein wenig muss Bella leiden. Tut ihr ja auch mal gut ^^
-x-PortmanAngel-x- : Ich mich auch, ich hab glaub mit neun oder so mal geritten und seit ich in hohem Bogen vom Pferd gepurzelt bin nie mehr xD Na, dann bemühe ich mich, die beiden noch öfter streiten zu lassen ;)
Viel Spaß, meine Lieben!
„Is it so hard,
to give me what I need?"
(Kelly Clarkson)
Uccello raste durch die königlichen Wälder. Panisch klammerte ich mich an den Sattelknauf, jeder klare Gedanke gelähmt vor Angst. Der Wind rauschte in meinen Ohren, trieb Tränen in meine Augen. Die Umgebung hüpfte holprig und verschwommen auf und ab.
„Brrr... komm schon! Komm, mach langsamer!", versuchte ich Uccello zu beruhigen. „Bitte, bitte hör auf zu rennen!" Verzweifelt biss ich mir auf die Lippe. „Uccello, bleib stehen!", versuchte ich es bestimmter. Unbeeindruckt von meiner zittrigen Stimme, rannte der Hengst immer weiter. Plötzlich teilten sich die Bäume und ich fand mich mitten auf einer Lichtung wieder. Das hohe Gras kam mir merkwürdig bekannt vor.
Auf einmal Uccello sprang über einen Baumstamm. Erschrocken schlang ich die Arme um seinen Hals. „Hör auf... hör auf... ", wimmerte ich. Meine Füße baumelten hilflos in der Luft, waren längst aus den Bügeln geschleudert worden.
„Uccello!", ertönte eine männliche Stimme hinter mir. Ich konnte mich nicht umdrehen, um nachzusehen, wer mir gefolgt war, doch zu meinem Erstaunen reagierten die Ohren des Pferdes auf das Geräusch, zuckten nach vorne. Das Hufgetrampel kam näher. „Uccello, steh!" Abrupt hielt der Rappe. Da ich niemals damit gerechnet hätte, dass das Pferd etwas so Simples reagieren würde, traf mich das sofortige Bremsen unvorbereitet. Im hohen Bogen flog ich über Uccellos Hals. Ängstlich kniff ich die Augen zusammen, fühlte, wie ich unsanft und mit einem lauten Plumpsen auf dem harten, ausgetrockneten Boden aufkam.
„Sophia!", hörte ich meinen Verfolger erschrocken japsen. Kurz darauf konnte ich vernehmen, wie er selbst auf den Boden sprang und zu mir eilte. „Sophia, seid Ihr verletzt?"
Murrend öffnete ich meine Augen. Edward beugte sich über mich. Wie betäubt betrachtete ich wunderschönen grünen Augen. Dann begann ich hemmungslos zu lachen. Verwirrt nahm Edward einigen Abstand.
„Seid Ihr auf den Kopf gefallen?", fragte er besorgt.
Ich beruhigte mich nur schwer, atmete tief durch und schüttelte den Kopf. „Es ist nur... " Ich seufzte kichernd. „Der Prinz auf dem weißen Pferd ist zu meiner Rettung geeilt!"
Nun musste auch Edward schmunzeln. „Und was bekommt der Prinz dafür?"
„Gar nichts, er kam ja zu spät!" Ich streckte ihm die Zunge heraus und setzte mich auf, besah meinen Körper, um festzustellen, ob irgendetwas verletzt war.
„Euer Kleid könnt Ihr wohl wegschmeißen.", murmelte Edward. Erschrocken folgte ich seinem Blick. Meinen Rock zierte ein langer Riss.
„Verdammt!", ärgerte ich mich. Was würde Königin Mathilde nur dazu sagen? Vielleicht konnte ich den Rock nähen und das Kleid weit hinten im Schrank verstecken.
„Na, Prinzessinnen fluchen doch nicht!", neckte Edward mich amüsiert, räusperte sich dann jedoch und wurde wieder ernster. „Tut mir Leid. Das mit dem Schuss. Fürst Leopold hatte keine Ahnung, dass Uccello noch nicht auf die Jagd trainiert ist."
„Warum wolltet Ihr ihn dann mit zur Jagd nehmen? Also, Euer Pferd.", fragte ich verwirrt.
„Ich wollte ihn langsam daran gewöhnen. Auf mich hört er ja.", seufzte Edward. „Es war eine dumme Idee, ihn Euch zu überlassen ohne Euch in Kenntnis zu setzen."
„Hm.", machte ich bloß und fummelte an meinen Haaren herum, die bereits halb aus dem Zopf heraus gefallen waren. Mit einiger Mühe löste ich den Knoten ganz und meine Haare fielen mir erlöst auf die Schultern. Ich blickte wieder zu Edward, der mich nachdenklich betrachtete. „Was ist los?"
Ertappt lächelte er mich an. „Nichts. Du bist schön.", erwiderte er leise. Inzwischen hatte ich diese Worte schon so oft von ihm gehört. Doch dieses Mal klang es anders. Ehrlicher.
„Hör auf damit.", murmelte ich trotzdem und errötete leicht. Er grinste mich an, erhob sich und bot mir die Hand. Dankbar ergriff ich sie. Mit ein wenig zu viel Schwung zog er mich auf meine Füße. Unbeholfen stolperte ich und wäre erneut hingefallen, hätte Edward mich nicht aufgefangen.
„Vorsicht.", wisperte er besorgt. Sein Gesicht war kaum fünf Zentimeter vor meinem. „Ich glaube, der Sturz hat Euch doch ein wenig mitgenommen." Ich schluckte und senkte den Blick. Edward räusperte sich wieder. „Zu unserer Diskussion vorhin... es tut mir leid, wenn ich Euch beleidigt haben sollte. Wir sollten nicht streiten."
„Ich habe überreagiert.", murmelte ich, hielt den Blick gesenkt. Ein Kloß bildete sich in meinem Hals. „Natürlich... kann ich Euch nicht schon nach einem Tag kennen, geschweige denn Euer Wesen beurteilen. Verzeiht." Ich biss die Zähne zusammen. Alles in mir wehrte sich gegen diese Lügen. Tief atmete ich durch und entzog mich seinem Griff, trat einige Schritte zurück. Ein Windstoß prallte angenehm gegen meinen erhitzten Kopf. Die langen Grashalme bogen sich unter seiner Kraft.
Laute Hufgeräusche drangen an mein Ohr. „Königliche Hoheiten!" Als ich aufblickte, erkannte ich unsere Jagdgruppe. Schnell waren sie bei uns.
Ulrich sprang von seinem Pferd, betrachtete mich panisch. „Sophia, bist du in Ordnung?"
Ein Lächeln schlich sich auf meine Lippen. „Keine Sorge, mir geht es gut. Ich kenne mich mit jungen Pferden nicht so gut aus." Erleichtert atmete Ulrich aus, musterte Edward jedoch misstrauisch. Ich folgte seinem Blick und erkannte, dass Edward mich gedankenverloren anstarrte. Augenblicklich spürte ich wieder die Hitze in meine Wangen steigen.
„Prinz Edward?", versuchte es ein Mann, den ich als Fürst Leopold identifizierte. Edward blinzelte, sah mir noch einmal nachdenklich in die Augen, wandte sich jedoch dann an den Fürsten.
„Ich denke, Ihr solltet Euch entschuldigen, Fürst."
Die Gruppe verstummte. Nur das Rauschen des Windes war zu hören. Verwirrt warf ich einen Blick zu Ulrich, welcher die plötzliche Anspannung genau so wenig verstand wie ich. Fürst Leopold wandte seinen Kopf langsam in meine Richtung, betrachtete mich kalt. „Verzeiht... Prinzessin.", sagte er steif.
„Es ist ja nichts passiert.", erwiderte ich mit belegter Stimme. „Kein Grund zur Sorge."
Ein falsches Lächeln zierte nun seine Lippen. „Wie erfreulich zu hören." Ich glaubte ihm kein Wort.
„Nun... ich denke, Sophia sollte die Jagd hier abbrechen. Ein Arzt sollte ihren Zustand beurteilen.", schlug Edward vor.
„Oh, ein Arzt ist nicht nötig.", beeilte ich mich zu sagen.
„Edward hat Recht.", stimmte Ulrich ein. „Ich, als Sophias Bruder, werde sie zum Schloss geleiten. Du kannst mein Pferd nehmen, Sophia. Ich werde – "
„Oh, was wäre ich nur für ein Prinz, wenn ich Spaß habe, während meine Gäste leiden?", fiel Edward Ulrich lächelnd ins Wort. „Natürlich werde ich Eure Schwester geleiten. Ihr könnt die Jagd fortsetzen, Prinz Ulrich."
Geschockt weiteten sich Ulrichs Augen. „Das ist wirklich nicht – "
„Ich bestehe darauf!", unterbrach Edward ihn abermals, doch dieses Mal deutlicher. „Immerhin ist Uccello mein Pferd." Verwundert beobachtete ich das Duell der unfreundlichen Blicke..
„Ich kann auch einfach alleine – ", begann ich.
„Nein!", schossen Edward und Ulrich zeitgleich. Ich zuckte zusammen. Sie waren sich zumindest darin einig, dass ich es nicht ohne fremde Hilfe bis zum Schloss schaffen würde. Vermutlich sollte ich darüber entrüstet sein, doch es würde mich nicht wundern, wenn ich mich auf dem kurzen Weg tatsächlich verirren oder verletzen würde.
„Nun, dann wäre das geklärt.", lächelte Edward Richtung Ulrich, verneigte kurz seinen Kopf. „Ich wünsche weiterhin eine erfolgreiche Jagd, Prinz." Damit schnappte er sich die Zügel von Uccello und blickte mich erwartend an. Ich warf Ulrich einen hilflosen Blick zu und beeilte mich, die Zügel von Edwards anderem Pferd zu ergreifen.
„Wir sehen uns zum Abendessen, Sophia.", sagte Ulrich und blickte mich eindringlich an, als wolle er mir bedeuten, mich in Acht zu nehmen.
„Natürlich. Bis später, Ulrich.", erwiderte ich leise.
„Nun denn!", rief einer der mir unbekannten Herren. „Lasst uns in den Wald zurückkehren!" Und damit spornte er sein Pferd an. Ulrich schickte Edward einen warnenden Blick, bevor er dem Mann als Letzter folgte.
Ich atmete tief durch, als ich wieder mit Edward allein war. Verunsichert blickte ich zu ihm und sah, dass er mich lächelnd betrachtete. „Dann wollen wir mal.", meinte er leise. Ich nickte bloß und gemeinsam setzten wir uns in Bewegung, verließen auf der entgegensetzten Seite die Lichtung.
*
Eine Weile liefen wir schweigend nebeneinander her. Die Nachmittagssonne drang durch die Baumwipfel, ließ Edwards Haar geradezu leuchten. Seufzend betrachtete ich den weißen Hengst neben mir. Makellos strahlte mir sein Fell entgegen. Die Stellen, auf die die Sonne traf, taten vor Reinheit fast in den Augen weh. Im Gegensatz zu Uccello schien dies ein ruhigeres und älteres Pferd zu sein. „Wie heißt er?", fragte ich nachdenklich.
„Wie heißt wer?", schreckte Edward auf. Anscheinend war er wieder in Gedanken gewesen.
„Euer zweiter Hengst hier.", erklärte ich und strich bewundernd über die seidige Mähne.
„Ach. Mein zweiter Hengst.", grinste Edward und schüttelte den Kopf. „Das ist eine Stute."
„Oh." Überrascht musterte ich das Pferd neben mir. „Tut mir leid, ich kann so etwas nicht gut unterscheiden."
Edward lachte auf. „Ihr könnt das nicht unterscheiden?"
Ich errötete. „Natürlich kann ich das unterscheiden!", erwiderte ich verärgert. Er sollte mich nicht für dumm halten. „Aber ich... nun, ich... schaue mir das nicht so gerne an."
„Was seht Ihr Euch nicht so gerne an, Sophia?", fragte er unschuldig, doch seine Augen blitzten amüsiert. Als mein Kopf noch heißer wurde, lachte er wieder. Weswegen mussten sich alle Männer ständig darüber amüsieren, dass ich schnell rot wurde?
„Wie heißt es denn nun?",fragte ich verärgert. Edward seufzte, richtete seinen Blick, plötzlich erneut nachdenklich geworden, in die Ferne.
„Es ist eigentlich das Pferd meiner Tante, Esme. Sie ist die Frau des italienischen Königs und kommt nur selten zu Besuch, daher hat sie mich gebeten, ihr Pferd öfters mal zu bewegen. Zwar haben wir auch dafür Diener, doch sie meint, alle außer ihr und mir würden den Gang des Pferdes ruinieren." Er schmunzelte. Offenbar mochte er seine Tante sehr. Sein Gesicht wirkte viel entspannter als sonst. „Sie hat das Pferd Bellissima genannt. Das bedeutet 'wunderschön' im Italienischen. Mir gefällt der Name nicht so sehr. Er klingt ein wenig übertrieben, findest du nicht?"
„Hm, vielleicht.", erwiderte ich bloß und musste lächeln. „Aber andererseits ist sie ja wunderschön."
„Ja, das ist sie." Liebevoll musterte er die Stute. Ich bekam das Gefühl, als wäre er mit seinen Gedanken erneut ganz woanders. Er schüttelte den Kopf, als würde er sich selbst zurück in die Wirklichkeit holen wollen. „Das mit Fürst Leopold tut mir leid.", wechselte er plötzlich das Thema.
„Oh... nicht weiter schlimm.", seufzte ich. „Darf ich fragen, was mit ihm ist?"
„Ihr dürft." Tief atmete Edward durch, schloss kurz die Augen. „Seit Jahren hofft er darauf, dass ich seine Tochter heirate."
Ich schluckte hart, senkte den Blick. „Ach. So ist das."
„Ja. So ist das." Er lächelte mich traurig an. „Aber ich habe ihn schon mehrfach davon in Kenntnis gesetzt, dass dies niemals der Fall sein wird."
„Warum seid Ihr Euch da so sicher?", fragte ich scheinbar desinteressiert nach und klopfte Bellissima sanft imaginären Staub aus dem Fell.
„Sie ist nicht unbedingt jemand, den ich heiraten würde.", grinste er schief. „Wisst Ihr, sie ist nicht wirklich eine einfache Person. Sie hält nichts davon, sich einem Mann unterzuordnen und wenig Wert auf ein annehmbares Äußeres. Neulich hat sie sich die Haare kurz geschnitten." Edward lachte. „Ihr Vater hofft, eine Heirat mit mir und die Verantwortung, die ihr damit zukommt, würde sie zur Vernunft bringen." Ich kaute auf meiner Lippe herum, nickte bloß. „Prinzessin?" Genervt verdrehte ich die Augen. Wann würde er diesen Prinzessinnen-Quatsch sein lassen? Schlimm genug, dass er mich Sophia nannte... „Prinzessin, habe ich Euch gekränkt?", fragte er leise.
Ich seufzte. „Nein. Nur nachdenklich gemacht." Einen Moment hielt ich inne. „Falls eine Frau nachdenken darf?", fügte ich ein wenig bissig hinzu und fing mir einen verblüfften Blick von Edward ein.
„Sophia... ich... natürlich dürft Ihr nachdenken, also – " Er blieb stehen und kniff die Augen zusammen, während er mich musterte. „Habt Ihr mich etwa erneut falsch verstanden?"
„Was könnte ich falsch verstehen, mein Prinz?", fragte ich leise. „Ihr habt mir gerade erklärt, was Ihr von einer Frau erwartet und darüber wohl vergessen, dass Ihr mit einer sprecht."
„Sophia.", seufzte Edward und lehnte sich erschöpft gegen Uccello, der ihn sofort neugierig anstubste. „Ich meinte nicht, dass ICH das von einer Frau erwarte. Damit wollte ich Euch lediglich erklären, weswegen der Fürst auf eine Hochzeit hofft." Gedankenverloren streichelte er Uccellos Kopf. „Ich würde jedoch lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich zu etwas anderem erzogen wurde.", murmelte er.
Bei seinem Anblick zog sich mein Herz zusammen. Er wirkte auf einmal so verloren. Unsicher trat ich näher. „Edward... ", begann ich leise, wusste jedoch nicht, wie ich enden sollte. Er hob seinen Blick und schenkte mir ein Lächeln. Ich holte tief Luft. „Ich wollte Euch nichts unterstellen. Verzeiht mir bitte."
Einen Augenblick lang suchten seine Augen mein Gesicht ab. „Wer könnte Euch unterordnen, Sophia?", fragte er dann schmunzelnd. Vermutlich so gut wie jeder Bewohner des Schlosses, schoss es mir durch den Kopf. Ich senkte den Blick. „Von meinem Pferd abgesehen.", fuhr Edward fort. „Euer Sturz hatte schon etwas Amüsantes an sich."
Zuerst blickte ich ihn verärgert an, musste dann jedoch selbst kichern. „Dabei habe ich Uccello mit Möhren bestechen wollen."
Edward lachte laut auf. „Na, damit hättet Ihr ihn auch unter normalen Umständen nicht locken können." Er griff in seine Tasche. „Seine wahre Leidenschaft sind Zuckerwürfel." Damit streckte er seine Hand Uccello entgegen. Ich konnte kaum blinzeln, schon waren die zwei Zuckerstückchen von Edwards Hand verschwunden. Als hätte Uccello bloß darauf gewartet...
Ungläubig klappte mein Mund auf. „Habt Ihr etwa schon die ganze Zeit Zucker in Euren Taschen?"
Edward warf mir einen unschuldigen Blick zu, doch seine Mundwinkel zuckten verräterisch. Dann drehte er sich nach vorne und setzte sich wieder in Bewegung. „Wir sollten uns beeilen! Bald bricht der Abend herein."
Fassungslos sah ich ihm hinterher. Kein Wunder, dass Uccello seinem Herren zu Anfang so bereitwillig gefolgt war. Seufzend wollte ich mich in Bewegung setzten, als –
„Komm schon, Bella!", rief Edward.
Mein Körper fror ein. Unfähig mich zu bewegen, starrte ich auf seinen Rücken. Hatte ich mich verhört? Ich musste mich verhört haben. Mich überkam eine große Panik, als mir bewusst wurde, dass ich mich womöglich verraten hatte. Doch viel größer, viel intensiver als die Panik, fühlte ich etwas anderes. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, schickte Wellen, bestehend aus einem mir bisher unbekannten Gefühl, durch meinen ganzen Körper und drohte aus meiner Brust zu springen. Hatte er sich erinnert? „Was?", fragte ich matt. Edward war inzwischen stehen geblieben und sah mich wartend an.
„Das Pferd.", erwiderte er. „Ich nenne sie Bella."
Mein Herz sank wieder in sich zusammen, begriff seine Worte, bevor ich es konnte. Schnell schloss ich meinen merkwürdiger Weise offen stehenden Mund wieder. „Oh. Klar.", murmelte ich und senkte den Blick auf meine Füße, bemühte mich, zu Edward aufzuschließen. Die Aufregung wich langsam aus meinen Nerven, machte der üblichen Taubheit Platz. Natürlich hatte er mich nicht erkannt. Eine törichte Annahme.
Nach einer Weile drangen Stimmen an mein Ohr. Als ich aufblickte, erkannte ich, dass wir den Hof bereits erkannt hatten. Marie stand bei den Stallungen. Ihr Gesicht erhellte sich erleichtert und neugierig, als sie mich und Edward kommen sah.
Vor den Stallungen blieben wir stehen. Edward übergab Uccello an Marie und wandte sich dann an Bella, ehemalige Bellissima, und klopfte liebevoll ihren Hals.
„Warum nennt Ihr sie Bella?", fragte ich leise, mit belegter Stimme. „Weil es kürzer ist?"
Edward hielt inne, seine Augen hafteten auf dem reinen, weißen Fell. „Nein.", erwiderte er bloß.
Verwirrt runzelte ich die Stirn. „Weil es für Euch weniger übertrieben klingt und trotzdem 'Schönes Mädchen' bedeutet?"
Edward lächelte. „So ähnlich."
Ich stöhnte frustriert. „Dann sagt es mir nicht.", murmelte ich motzig.
Edward lachte leise, streichelte noch einmal den Rücken der Stute, fing dann meinen Blick ein und setzte zum Reden an, brach jedoch ab und lächelte geheimnisvoll. „Ich sehe Euch dann hoffentlich beim Abendessen. Prinzessin." Er verneigte sich kurz und wandte sich zum Gehen, fuhr sich grinsend durch die Haare und ließ mich mit erneut klopfendem Herz zurück.
Marie schnaubte neben meinem Ohr und nahm mir das Pferd ab. „Bin ich auch wahnsinnig oder klang seine Einladung zum Abendessen wie eine Einladung in sein Bett?"
Erschrocken sah ich zu ihr. „Was?"
Sie zuckte mit den Schultern. „Auch, wenn du jetzt Sophia sein sollst – Edward ist noch immer Edward. Denk besser daran." Damit führte sie 'Bella' in den Stall.
