10. Kapitel: In dem Fluffy schläft, Schlüssel gefangen, Schach gespielt wird und sich Harry schließlich von den anderen wieder einmal trennen muss

„Also ich weiß ja nicht", meinte Hermine während sie sich über ihre Prüfungen etwas genauer austauschten (innerhalb der Woche hatten sie sich mehr auf das Lernen konzentriert), „wie ich in Zauberkunst abgeschnitten habe, ich glaube bei der Frage 24c habe ich aus versehen etwas falsch formuliert und in Zaubertränke war mein Vergesslichkeitstrank nicht annähernd perfekt... Und für Geschichte hätten wir die Benimmregeln von Werwölfen von 1637 nicht einmal lernen müssen, vielleicht hätten wir stattdessen noch einmal in „Zaubertränke und Zauberbräue" schauen sollen..."
Harry war sich nicht sicher, ob es ihr klar war, dass sie begann zu sich selbst mehr als zu ihnen zu reden, da Draco nur die Augen verdrehte und anscheinend aufhörte zuzuhören, und Millicent den Kopf auf die Arme gelegt hatte und Schlaf nachholte. Seit die Prüfungen vorbei waren, redete sie ohne Punkt und Komma über alles, das sie richtig gemacht zu haben glaubte und falsch gemacht haben könnte.

Draco hatte Harry gesagt, dass er natürlich keine Probleme gehabt hatte, bevor er leise zugab, dass er in Kräuterkunde ziemlich schnell fertig gewesen war, weil er keine Ahnung hatte, was die Antworten auf ein gutes Viertel der Fragen sein könnten.
Millicent hingegen war, was die Prüfungen anging, im Grunde fast ausschließlich desinteressiert gewesen, hatte jedoch eine offene Auseinandersetzung mit Professor McGonagall gehabt, weil sie ihre Schnupftabakdose, die immer noch Beine, einen kurzen Schwanz und Augen hatte, als Haustier behalten wollte, Professor McGonagall sie jedoch zurückverwandelt hatte für den nächsten Prüfling. Harry wusste nicht, ob er diesen Streit überhaupt verstehen wollte. Manchmal wunderte ihn seine dunkelhaarige Freundin doch etwas.

„Kommt", sagte er und unterbrach Hermine in ihren Selbstzweifeln bezüglich ihrer Antworten in Verwandlung (wahrscheinlich waren sie ohnehin alle richtig), „ich will nicht länger drinnen bleiben und auch nicht länger über Prüfungen reden. Einfach nur irgendwo draußen rumliegen und mal kurz die Schule vergessen. Ich habe das Gefühl gehabt wir sind die ganze Woche lang nicht richtig nach draußen gekommen."
Hermine war nicht unbedingt begeistert, aber einsichtig und sie weckten Millicent und gingen hinunter zum See.

Millicent erspähte Fred, George und ihren Freund, Lee? Jordan, und den Riesenkraken, dessen Tentakeln sie bisweilen durch die Decke im Slytheringemeinschaftsraum sehen konnten und war sofort wieder munter und bei ihnen, um den Kraken zu betütteln.
„Manchmal mache ich mir Sorgen darüber, welche weiteren Haustiere sie sich zulegen und mit hierher bringen könnte...", murmelte Draco.
„Solange es kein Drache ist.", antwortete Hermine, die froh war, dass der Biss an ihrem Finger vollständig hatte heilen können und sie schließlich nicht allzu lange vom Lernen hatte ablenken können.
„Was ist los Harry? Schlechte Norbert-Erinnerung oder denkst du, du hast auch „eine möglicherweise ungenaue Antwort bei 12d in Verwandlung gegeben"?"
„Es gab gar keine 12d in Verwandlung.", protestierte Hermine, und dann, „Oder doch? Habe ich die Frage übersehen... Oh Gott... bestimmt war sie wichtig."
Draco sah sie ausdruckslos an. „Wie kann es sein, dass du noch weißt, welche Fragen es gab? Und nein, ich denke nicht, dass du 12d übersehen hast. Ich habe mir die Frage spontan ausgedacht..." Dann verdrehte er die Augen. Er wandte sich wieder zu Harry: „Nein im Ernst, ist irgendwas?"

„Ich... es ist albern... meine Narbe tut ein wenig weh." Harry war nicht klar gewesen, dass man es ihm hatte ansehen können, „Das kommt vor, aber es hört gar nicht mehr auf. Es ist nicht wirklich schlimm", versicherte er, „Mich frustriert nur eher die Frage, was es bedeuten könnte."
„Du könntest zu Madam Pomfrey gehen.", schlug Hermine vor.
„ich bin nicht krank, denke ich."
„Was meinst du mit, was es bedeuten könnte?", fragte Draco irritiert.
„Naja... ich meine vielleicht ist es ein Warnzeichen. Ich habe dir doch gesagt, wie sie weh getan hat, als wir Vol-... als wir im Wald waren."
Draco sah ihn nicht ganz überzeugt an.
„Das sind die Prüfungen, Harry", sagte Hermine, „du bist einfach nur paranoid und gestresst. Geht mir nicht anders. Gestern Nacht bin ich aufgewacht und hatte die Hälfte meiner Notizen für Verwandlung durch, bevor mir einfiel, dass wir die Prüfung schon gehabt haben."
„Ich weiß nicht...", meinte Harry und dann nach einigem Zögern „Du könntest recht haben, aber trotzdem..."
„Also manchmal glaube ich, du willst einfach nicht dich einmal einfach entspannen und dir keine Sorgen machen.", erwiderte Draco nachdenklich.
Hermine gab ihm recht: „Schau Harry, es gibt keinen Grund sich wegen irgendetwas Sorgen zu machen, wir haben das doch schon hinter uns."
„Aber falls etwas geschieht, mit dem Stein oder V- Du-weißt-schon-wem..."
„Harry! Erstens: Wird Dumbledore nicht zulassen, dass etwas passiert und zweitens bewacht immerhin noch Fluffy den Stein. Niemand kommt an diesem Vieh so leicht vorbei. Dieser Hund ist wahrscheinlich fast so gefährlich wie ein ausgewachsener Norbert, und den sind wir los, um ihn musst du dir auch keine Sorgen mehr machen. Und dann haben natürlich auch die Lehrer etwas getan, um den Stein zu schützen. Wir sind nur Schüler und sie sind verantwortungsbewusste Erwachsene, wir sollten uns einfach auf sie verlassen."
„Fängst du schon wieder mit deinem Vertrauen in die Lehrerschaft an...", murmelte Draco und rollte die Augen.
Er nahm die ganze Sache locker und machte sich wohl wie Hermine keine Sorgen. Aber Harry konnte sich ihm nicht anschließen. Etwas irritierte Harry an Hermines Worten. Irgendein Gedanke...

„Oh nein", rief er laut und hielt somit wieder mal Hermine und Draco davon ab, sich gegenseitig zu kritisieren. „Norbert."
„Norbert?", fragte Draco. „Also, Harry, vielleicht hat Hermine recht und der Stress, macht dich wirklich ein wenig verrückt..."
„Ich werde nicht verrückt. Im Gegenteil, ich glaube, ich fange endlich an, mir ein paar logische Fragen zu stellen. Warum ist mir das nicht vorher aufgefallen?"
„Was?", fragten Hermine und Draco.
Harry sagte nichts, aber winkte Millicent zu ihnen hinüber. „Wir müssen zu Hagrid.", rief er und lief auch sogleich los, die anderen drei hatten ihn gehört, verstanden zwar nicht, was los war, folgten ihm aber.

„Was ist denn los?", fragte Millicent, „Ich meine, ich besuche ihn gerne, aber was ist so dringend?"
„Norbert.", meinte Harry, „Woher hat Hagrid sein Ei gehabt?"
„Das hat er doch erzählt, er hat es beim Kartenspiel von einem Fremden gewonnen..."
„Natürlich ist Hagrid von dem Ei begeistert gewesen, ich wette ihn würde ziemlich alles begeistern, das verspricht groß und gefährlich zu werden, wenn es schlüpft. Und dann trifft er zufällig jemanden, der ein Drachenei dabei hat und um es spielen will? Wer hat denn ein verbotenes gefährliches schwer zu bekommendes Ei bei sich, wenn er in einen Pub geht, um zu trinken und Karten zu spielen? Und wer erzählt einem völlig Fremden davon und spielt mit ihm darum? Hagrid könnte doch sonst wer sein..."
„Naja, bestimmt ist er nicht gerade unbekannt, er könnte ihm doch gesagt haben, dass er der Wildhüter von Hogwarts ist, oder?"
„Oh ganz sicher, sogar, Und vor allem könnte er ihm nicht nur das gesagt haben?"
„Was meinst du?", fragte Hermine.
Aber Harry sagte nichts weiter und sparte sich die Luft, um schneller zu Hagrid zu rennen.

Der große Mann saß vor seiner Hütte in einem Lehnstuhl und enthülste Erbsen.
„Oh hallo", rief er ihnen zu, „Habt die Prüfungen wohl jetzt hinter euch, nich wahr? Wollt ihr rein auf eine Tasse Tee?"

„Hagrid", rief Harry, „Dafür ist jetzt nicht die richtige Zeit, hör zu, ich muss dich etwas fragen, und ich brauche eine Antwort. Es geht um Norberts Ei, oder mehr um den Fremden, von dem du es bekommen hast, wie sah er aus? Worüber habt ihr geredet?"
Hagrid sah ihn verwundert an. „Also manchmal versteh ich dich nich, Harry. Wozu willst du so etwas denn wissen? Aber gut... Viel kann ich dir ohnehin nich sagen, hab ihn nämlich nich wirklich gesehen, hat seinen Kapuzenmantel nich abgelegt."
„Das kam dir nicht seltsam vor?"
„Nein. Ist nichts Ungewöhnliches im „Eberkopf", dem Pub wo wir war'n, versteht ihr? Die Leute wollen ihre Privatsphäre, nich wahr? Außerdem wollte er wohl nich mit 'nem Drachenei gesehen werden. Und er hat es mir natürlich nich gleich angeboten, als Spieleinsatz, musste sich erst versichern, dass ich mich auch drum kümmern kann..."
„Wie hast du es ihm versichert?"
„Na, hab ihm gesagt ich bin Wildhüter hier. Wünschte mir schon länger 'nen Drachen und kann mit auch mit schwierigen und gefährlichen Wesen umgehen. Und dass ein Drache im Vergleich mit Fluffy wohl ein Kinderspiel wär..."
Hermine, die die ganze Zeit immer noch etwas verwirrt neben Harry gestanden hatte, zuckte zusammen und schaute dann zu Harry.
„Und hat er Interesse an Fluffy gezeigt?", fragte dieser weiter.
„Nun, natürlich. Von wie vielen dreiköpfige Hunde kann man schon hören? Sind ja nich grad häufig. Hab ihm also gesagt, dass ich weiß, wie ich mit ihm umzugehen habe, damit er sieht, dass ich auch für das Ei sorgen kann, nich wahr, meinte zu ihm, dass ich ihn genau kenne un gut mit ihm klar komme. Muss ihm nur 'n wenig Musik vorspiel'n un er schläft sofort ein...", Hagrid brach ab und wurde fahl.
„Das hätt ich euch nich sagen sollen, vergesst es!"
Aber Harry war schon wieder umgekehrt und lief zum Schloss zurück, gefolgt von den drei anderen.

„Wir müssen irgendwem Bescheid geben. Wenn dieser Fremde derjenige war, der mit Voldemort unter einer Decke steckt", sagte Harry schnell und beunruhigt und ignorierte Dracos und Hermines Zischen bei dem Namen, „dann kann es sein, dass er auch die anderen Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen weiß, ich meine wenn selbst wir so einfach herausfinden wie Fluffy zu umgehen ist, kann es jemanden, der sich sicherlich noch besser als wir auskennt, sicher nicht schwer fallen auch den Rest zu erfahren, und den Stein jetzt, wo die Schüler und Lehrer frei haben, rausgehen, oder sich in ihren Räumen unterhalten und nicht in den Korridoren im dritten Stock umher laufen oder unterrichten, er den Stein wieder zu stehlen versuchen wird, und er muss nicht einmal eine Ablenkung wie an Halloween schaffen und woher soll Dumbledore oder einer der anderen Lehrer wissen, dass Hagrid sich verplappert hat?"
„Onkel Sev?", schlug Draco vor, bemüht Harrys schnellen Worten zu folgen.
„Aber wir wissen immer noch nicht, ob er nicht besessen sein könnte, oder so!", widersprach Hermine.
„Wen dann?", fragte Millicent.
„Nun, Dumbledore, oder nicht? Nicolas Flamel ist sein Freund und der Stein wurde in seine Obhut gegeben."
„Wir können es versuchen, aber wo finden wir ihn?", fragte Harry.
„Keine Ahnung.", meinten die anderen drei.
„Man müsste sein Büro doch finden können, wenn er der Schulleiter ist, denke ich.", meinte Draco.
„Fragen wir einen Lehrer.", schlug Millicent vor.

Es stellte sich heraus, dass dies einfacher gesagt als getan war. Es war als wären sämtliche Lehrer gemeinsam mit den meisten Schülern aus den üblichen Räumen verschwunden.
Schließlich liefen sie Professor McGonagall vor der Großen Halle über den Weg, den Arm beladen mit Büchern und in Richtung der Marmortreppen am Eingang eilend.
Draco stöhnte. „Doch nicht sie..."
Aber Hermine war bereits zur Hauslehrerin ihres Hauses gelaufen.
„Professor McGonagall? Wir müssen Professor Dumbledore sprechen, es ist wichtig. Aber wir wissen nicht, wo sein Büro liegt."
Die Lehrerin sah sie missbilligend an.
„Denken Sie, dass der Schulleiter Zeit für Kleinigkeiten hat? Ich glaube nicht, dass was auch immer Sie beunruhigt" und ihr Blick wanderte von der aufgelösten Hermine über den besorgten Harry, die desinteressiert wirkende Millicent und den wenig begeisterten Draco, „wichtig genug wäre, um seiner Aufmerksamkeit zu bedürfen. Professor Dumbledore ist ein wichtiger und vielbeschäftigter Mann."
„Professor, bitte. Es ist wirklich von äußerster Dringlichkeit.", fuhr Hermine fort.
Harry überlegte, ob es vielleicht besser wäre, jemand anders zu suchen.
„Wie gesagt, ich bezweifele, dass es so dringend ist, dass Sie sich an den Schulleiter wenden müssen."
„Ich bin sicher, das doch. Es geht um den Stein der Weisen!", platzte Hermine heraus.
Professor McGonagall ließ die Bücher, die sie getragen hatte fallen. Und beinahe auch ihre Kinnlade. Was wahrscheinlich einer der seltensten Anblicke gewesen wäre, die Lehrer oder Schüler Hogwarts zu Gesicht bekamen.
„Woher?", begann sie, dann schüttelte sie ihren Kopf, wie um sich zu Besinnung zu rufen und fasste sich wohl tatsächlich wieder ein wenig.
„Woher wissen Sie davon?"
Hermine machte sich nicht gut darin, ihre Lehrerin zu überzeugen, sie zu Dumbledore zu bringen. Dass sie nun rot anlief, half auch nicht sehr.
Schnell sprang Harry ein. „Professor, wir glauben, es ist möglich, dass jemand versuchen wird, den Stein zu stehlen und bereits weiß, wie er einige der Sicherheitsvorkehrungen umgehen kann, wenn nicht gar alle. Deswegen wollen wir mit Professor Dumbledore sprechen."
Sie sah ihn wenig herzlich an.
„Also ich weiß wirklich nicht, wie Sie von dem Stein wissen können, ich weiß auch nicht, ob ich wissen will, wie Sie von ihm erfahren haben, oder warum Sie glauben, jemand wolle und könne ihn stehlen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass er ausreichend bewacht wird und dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass jemand ihn stehlen kann."
„Aber...", begann Hermine erneut.
„Außerdem ist Professor Dumbledore derzeit nicht in Hogwarts und wird erst morgen wieder zurück sein. Wenn Sie darauf bestehen, werde ich dann mit ihm über Ihre unbegründeten Befürchtungen sprechen, falls Sie das beruhigt, aber jetzt ist kaum der richtige Zeitpunkt dafür."
Diesmal beschloss Draco sich einzumischen.
„Können Sie uns dann vielleicht sagen, wo wir Onkel Sev..."
„Professor Snape.", unterbrach ihn McGonagall, die immer aufgebrachter über die Schüler vor sich schien.
„...Professor Snape finden können?"
Die Lehrerin verzog das Gesicht noch weiter. „Professor Snape ist, meines Wissens, ebenfalls derzeit nicht auf dem Schulgelände. Auch er hat Verpflichtungen außerhalb Ihrer-selbst. Denn das gehört zum Leben eines Erwachsenen. Sie haben Pflichten. Professor Dumbledore, Professor Snape und auch alle Ihre anderen Lehrer. Dass Sie Ihre Prüfungen und den Großteil dieses Schuljahres hinter sich haben, heißt nicht, dass wir nicht immer noch mehr als genug zu tun haben. Also glauben Sie mir, wenn ich sage, dass Ihre Bedenken bezüglich des Steins unbegründet sind, lassen Sie mich und die anderen Lehrer ihre eigenen Arbeiten erledigen und nutzen Sie besser Ihre freien Tage und das gute Wetter, solange Sie noch jung sind und es sich leisten können."

„Manchmal glaube ich, sie hasst ihre Arbeit...", murmelte Draco, kaum das die Lehrerin fort war.
„Oder zumindest einen Teil davon."
„Naja.", meinte Hermine, ihre Lehrerin verteidigend, „Sie ist für mehrere hundert Schüler und deren Arbeiten verantwortlich und außerdem auch stellvertretende Schulleiterin. Ich wette, es ist nicht angenehm an schönen Tagen unsere Prüfungen durchsehen und Unterlagen ordnen zu müssen oder ähnliches zu erledigen, während wir bereits frei haben. Und wir haben nun nicht gerade den besten Eindruck bei ihr in diesem Jahr hinterlassen..."
Harry unterbrach sie. „Meint ihr nicht, dass es Dringlicheres gibt? Zum Beispiel die Tatsache, dass heute jeder Dieb, der bereits von Fluffy weiß weder von Sev, und ich bin mir jetzt fast sicher, dass er gegen einen oder mehrere Diebe gearbeitet hat, noch Professor Dumbledore davon abgehalten werden kann, den Stein zu stehlen zu versuchen, weil beide außerhalb der Schule sind? "
„Wir müssen versuchen, einen von beiden zu erreichen, oder einem anderem Lehrer Bescheid geben...", sagte Hermine.
„Weil dass ja eben schon so wunderbar funktioniert hat. Außerdem glaube ich nicht, dass beide heute zufällig gerade nicht da sind. Es kann gut sein, dass jemand dafür gesorgt hat, dass sie abwesend sind und auch dafür, dass sie nicht eben schnell zurück kommen werden.", murrte Harry.
„Wir wissen nicht, ob wirklich jemand heute etwas versuchen wird..."
„Ein weiterer Grund nicht noch einmal zu versuchen einen Lehrer zu fragen. Stellt euch vor, wir können doch jemanden überzeugen, nichts geschieht und falls dann wirklich doch noch etwas passiert, glaubt keiner daran."
„Was sollen wir dann tun?", fragte Draco und sah Harry an und zog eine Grimasse. „Nichts Gefährliches, Überstürztes, einigermaßen Dummes und Riskantes, oder?"
„Sind riskant und gefährlich nicht dasselbe?", fragte Millicent. „Und falls einer vorschlägt, dass wir entweder Wache halten oder selbst den Stein holen bzw. dem Dieb nachgehen, ich bin dabei."
Hermine zögerte, sagte dann jedoch: „Ich wäre zumindest dafür, heute Nacht nachzusehen, ob Fluffy noch da ist. Für den Fall der Fälle. Ich schätze, wenn ich der Dieb wäre, würde ich es zumindest heute Nacht vielleicht versuche, den Stein zu stehlen. Auch wenn es sicher eine Möglichkeit gäbe, bessere Umstände zu finden..."
„...du planst nicht gerade den Diebstahl des Steins auf eine möglichst sichere Art, oder?", fragte Harry. Hermine zwinkerte ihm zu.
„Merlin, ihr seid verrückt... Warum bin ich mit einem Haufen von Leuten befreundet, die zu mutig sind für ihr eigenes Wohl...", murmelte Draco.
„Wir nutzen am besten den Umhang, so weit es geht und ich schicke Sev auch schnell eine Eule für den Fall, dass wir ihn doch erreichen können, es ist nicht gesagt, dass wir irgendetwas machen werden. Außer nach Fluffy zu sehen."
Draco sah nicht begeistert aus, gab jedoch nach.

„Verdammt, dieser Umhang ist nicht wirklich für mehr als zwei Personen gedacht...", murrte Draco, während er, Harry und Millicent Richtung Gryffindorturm unter Harrys Tarnumhang verborgen vorsichtig durch die nächtlichen Gänge liefen. Nah beim Porträt der fetten Dame konnten sie bereits Hermine sehen, die in einer schattigen Nische auf sie wartete, wo vermutlich keiner, der nicht wusste, dass sie dort stand, sie entdeckt hätte. Harry vermutete, dass Dracos üble Laune wie sooft nur seine Art war mit Angst und Beunruhigung umzugehen. Es stimmte, dass zu viert den Umhang zu benutzen schwierig werden würde (auch mit Millicent, die weniger schmal gebaut war als die anderen drei), doch es war möglich.
Sie näherten sich ihrer Gryffindorfreundin. Etwas Albernes und leicht Gemeines in Harry überlegte, ob sie sich an sie heranschleichen und „Buh" rufen sollten, aber er schob den Gedanke sofort zur Seite. Dies war nicht der richtige Augenblick, sich kindisch zu benehmen.
„Hermine.", flüsterte er ihr zu.
Sie sah auf und die drei hoben den Tarnumhang an, so dass sie sie sehen konnten. Wie Draco schien auch Hermine ziemlich beunruhigt, aber gefasst. Sie war ein wenig weiß um ihre Nasenspitze herum.
„Gott, ich habe schon gedacht, euch wäre vielleicht etwas zugestoßen. Ich bin so froh, dass Filch weder euch noch mich gefunden hat."
Sie schlüpfte mit unter den Umhang und wie Harry bereits vermutet hatte, war es doch möglich zu viert darunter zu bleiben.
„Alles in Ordnung?", fragte Millicent das andere Mädchen.
Hermine schluckte leicht und flüsterte dann schnell und leise: „Neville hat mich am Porträtloch versucht abzufangen. Wollte mich aufhalten zu meinem eigenem Besten, obwohl er wohl nicht einmal weiß, was genau ich außerhalb des Turms zu dieser späten Stunde vorhabe.", gestand sie, „Er hat gesagt, er würde mit mir kämpfen, wenn es sein muss, um mich im Turm zu halten, damit mich nicht Filch oder sonst-wer erwischt und mir etwas passiert... Dabei weiß er, dass er gerade mal eine handvoll Sprüche ordentlich hinbekommt. Ich habe ihm einen Erstarrungsfluch auf den Hals gehetzt. Falls irgendetwas passiert, denke ich nicht, dass er mich oder euch verrät. Und er wird in paar Stunden sich wieder bewegen können. Ich weiß nicht, was ich sonst hätte tun sollen... Ich fasse es nicht, dass ich einen Freund verflucht habe..."
Keiner erwiderte etwas, doch Millicent drückte Hermines Arm ihr versichernd, dass alles gut werden würde. Oder dass sie Hermines Handlungen verstand. Egal was es war, oder was Hermine daraus ablas, es schien ihr zu helfen. Sie wurde etwas ruhiger und das Laufen wurde etwas einfacher.

Nun waren sie schon im 3. Stock. Sie liefen nicht schnell (zu viert war das unter dem Umhang einfach nicht möglich), jedoch zügig, bis sie zu der Tür kamen, hinter der Fluffy war. Keiner sprach einen Entriegelungszauber, dies war nicht nötig. Als Harry an dem Türgriff zog, war die Tür bereits geöffnet. Harry fluchte leise.
Hinter der Tür, nahmen sie den Umhang ab, nachdem sie einen schlafenden Fluffy zu Gesicht bekamen, neben dem eine Harfe auf dem Boden lag. Harry zog die Flöte von Hagrid, die er vorsichtshalber mitgenommen hatte, aus seiner Hosentasche. Die Ohren des Hundes und sein Schwaz zuckten leicht.
„Wir haben den Dieb nicht abfangen können.", sagte Harry zu den anderen, „Also werden wir ihm folgen. Ich bin mir nicht sicher, wie fest Fluffy schläft, also werde ich die hier", er nickte zur Flöte, „vorsichtshalber spielen." Dann sah er seine drei Freunde an. „Ihr müsst nicht mitkommen. Ich meine, ich bin sicher, das ganze könnte gefährlich sein und..."
Millicent unterbrach ihn rüde und erwiderte: „Natürlich kommen wir mit. Und wenn es gefährlich ist, gehst du ganz sicher nicht allein."
Hermine und Draco suchten Harrys Blick und nickten. Auch wenn der blonde Slytherin ein wenig aussah, als bereute er seine eigene Entscheidung, so würden auch diese beiden ihn nicht allein lassen. Harry war froh darüber, obwohl er sich auch sorgte. Aber dann war dies wohl etwas, was er einfach nicht abschütteln konnte. Sich Sorgen um andere zu machen.

„Okay.", sagte Harry und begann dann irgendetwas auf der Flöte zu spielen, dass sicher kein musikalischer Mensch besonders ansprechend gefunden hätte, jedoch Fluffy zu beruhigen schien, dessen Ohren etwas ruhiger wurden.
Millicent ging gefolgt von Hermine und Draco zur Falltür, die nun vor dem schlafendem Hund auf dem Boden gut sichtbar war und klappte sie hoch.
„Alles dunkel dort unten.", sagte sie, „Wir müssen springen."
„Ich weiß nicht...", meinte Draco, „sollten wir wirklich..."
Millicent ignorierte ihn und sprang in das Loch ohne zu zögern. Hermine fuhr erschrocken zusammen und Draco rief: „Milli!"
Harry hätte beinahe vor Schreck aufgehört zu spielen.
Doch dann kam die Stimme ihrer Mitschülerin aus einiger Entfernung zu ihnen. „Alles in Ordnung.", rief sie, „Hier ist eine Art Pflanze, auf der man weich landet."
Daraufhin folgte ihr Hermine und nach kurzem Zögern auch Draco. Harry steckte die Flöte ein, als er direkt vor dem Loch im Boden stand, verstärkte den Griff um seinen Umhang in seiner rechten Hand, den er während der ganzen Zeit nicht losgelassen hatte und sprang ihnen hinterher bevor der große Hund erwachen konnte.

Er landete neben den anderen dreien auf einer großen grünen Pflanze.
„Was ist das?", fragte er beunruhigt, als er bemerkte, dass Ranken seine Füße zu umschlingen begannen.
Draco bemerkte nun ebenfalls, dass etwas nicht stimmte und geriet in Panik. „Verdammt. Von wegen alles in Ordnung! Das Zeug wird uns umbringen."
Millicent wirkte als wolle sie sich entschuldigen, doch Hermines Gesicht hellte sich auf. „Oh, ich weiß! Wir hatten diese Pflanze in Kräuterkunde. Eine Teufelsschlinge. Professor Sprout hat erzählt, wie man mit ihr umgehen muss."
„Wie?", fragte Harry.
Hermines Stirn verzog sich, als sie begann nachzudenken.
„Feuer", sagte da Millicent. „Die Teufelsschlinge meidet das Feuer."
„Aber...", meinte Hermine, „...wie sollen wir hier ein Feuer machen, wir haben kein Holz oder so..."
Da zog Draco seinen Zauberstab und beschwor eines der tragbaren Feuer, die sie im Winter benutzt hatten. „Wir sind Zauberer!", rief er, „Verdammt nochmal."
„Oh. Stimmt.", sagte Hermine und folgte seinem Beispiel. Harry und Millicent ließen sie einfach machen, da sie beide mit Feuerzaubern immer noch selten Erfolg hatten.
Ach einem kurzen Moment lösten sich die Ranken etwas und sie konnten sich aus ihnen befreien und zu einer Wand springen, an der keine Schlingen der Pflanze sondern nur ein nackter grauer Steinboden zu sehen waren. In ihrer Nähe erspähte Harry einen dunklen Gang. Sie liefen hinein und waren außer Reichweite der Teufelsschlinge, die immer noch vor den Feuern Hermines und Dracos zurückwichen, die bereits wieder ausgingen.
„Also manchmal...", meinte Draco, „...frage ich mich, wie du gleichzeitig so genial und so wenig geistesgegenwärtig sein kannst, Hermine. Ich meine, ich weiß, du bist nicht mit Zauberei aufgewachsen, aber das du vergisst, dass du immer noch eine Hexe bist..."
Sie folgten dem steinernen Gang. Alle vier hatten die Zauberstäbe erhoben und einen Lichtzauber gewirkt und trübes bläuliches Schimmern ließ sie feuchte Wände aus Stein, unebene Böden und kleine unterirdische Pilze, die sie nicht kannten, die aber auch nicht gefährlich schienen, sehen. Es roch modrig jedoch nicht unangenehm und der Weg schien sie immer tief unter das Schloss zu führen. Vielleicht waren sie irgendwo unter dem See, überlegte Harry, während er die kleinen gelegentlichen Wasseransammlungen am Boden begutachtete.
Irgendetwas in ihrer Nähe raschelte und erinnerte ihn unangenehm an die Nacht im Verbotenen Wald. Doch da war auch ein leises Klimpern.
„Hört ihr das auch?", fragte Millicent leise.
Die drei anderen nickten.
Draco, der wohl an den gleichen Vorfall wie Harry gedacht hatte, tauschte mit dem anderen Jungen einen beunruhigten Blick. „Du glaubst nicht..."
„Nein. Es klingt anders."
„Ein Geist, vielleicht?", fragte Hermine.
„Es klingt ein wenig wie Flügel.", meinte Millicent und klang dabei irgendwie so, als hoffte sie, darauf, dass es Flügel waren nebst dem, was auch immer mit ihnen flog. Eine Reihe kleiner Norberts vielleicht?
Sie kamen einem hellerem und reinerem Licht entgegen als dem an den Spitzen ihrer Zauberstäbe.
„Nox.", flüsterten sie gemeinsam und ließen ihre Lichtzauber damit erlöschen.
Dann kamen sie in eine Art Grabkammer hinter dem Gang, die hell war und weit nach oben zu führen schien. Der Boden war trockener und alles schien irgendwie neuer und sauberer. Ihnen gegenüber war eine große Tür aus Holz in eine Wand aus Stein eingelassen. Über ihnen schienen eine Art kleiner, schneller und glänzender Vögel zu fliegen.
„Was sind sie?", fragte Hermine.
„Vielleicht Feen oder Kobolde, oder so?", schlug Draco vor. „Meint ihr, sie greifen uns an, falls wir versuchen die Tür zu öffnen?"
„Nun wir müssen es einfach herausfinden.", erwiderte Harry und rannte dann, bevor ihn einer der drei anderen aufhalten konnte zu der Tür hinüber und drückte ihre Klinke. Nichts geschah. Keiner der Vögel regte sich, genauso wenig die Tür selbst. „Verschlossen.", rief er den anderen zu.
„Du Idiot.", rief Draco zurück, „Rennst einfach los. Wir konnten nicht wissen, ob diese Dinger dich angreifen."
Dann kamen sie zu ihm herüber. „Alohomora", versuchte es Hermine, doch die Tür blieb verschlossen.
„Nun, wenn sie uns nicht angreifen und wir die Tür nicht aufbekommen, müssen sie uns irgendwie helfen, sie zu öffnen.", schlussfolgerte Hermine, während sie zu den fliegenden Wesen über ihnen zeigte.
Sie sahen sie genauer an. Dann lachte Millicent auf. „Es sind Schlüssel. Schlüssel mit Flügeln."
„Wir sollen sie fangen.", begriff Harry. „Hier irgendwo..." und er sah sich genauer in der Kammer um.
„Da drüben", sagte Draco, „Besen." Tatsächlich waren in einer Ecke mehrere Besen, die nur darauf warteten benutzt zu werden. Der Gedanke zu fliegen munterte den blonden Jungen offensichtlich auf, denn sein Gesicht nahm einen Ausdruck freudiger Erwartung an.
„Ja, aber welcher von ihnen ist der richtige? Welchen sollen wir fangen?", fragte Hermine.
„Nun, er passt sicher zum Schloss.", erwiderte Draco und beugte sich interessiert über selbiges. „Groß, silbern, eher altmodisch. Oh und von Herm&Rester. Ich erkenne die Hersteller, bei uns zu Hause gibt es auch zwei Türen mit Schlössern von ihnen. Wahrscheinlich ist der Schlüssel auch eher schlicht, vielleicht etwas klobig und schmucklos."
„Du erkennst die Hersteller von Schlössern bei deren Anblick?", fragte Harry, dann überlegte er kurz, „Nun, natürlich tust du das."
„Sind renommierte Zaubererschlosser.", meinte Draco einfach nur.

Sie gingen zu den Besen und jeder von ihnen nahm einen. Sie erkannten die Marke nicht, aber sie schienen den Schulbesen aus dem Flugunterricht nicht unähnlich. Obwohl Millicent in ihrer ersten und auch in weiteren Flugstunden mehrfach mit Neville nicht mit geflogen war, etwas von dem Hermine Draco (der aus dem Unterricht entlassen worden war, weil er bereits gut fliegen konnte) und Harry erzählt hatte, unter dem Vorwand, sie habe Angst vorm Fliegen, hielt sie sich nicht weniger schlecht als Harry und Draco. Nun es verwunderte wahrscheinlich keinen.
„Okay.", sagte Harry und dachte an sein Quidditchtraining, den Schlüssel zu finden und zu fangen war dem Spiel mit dem Quaffel oder der Suche nach dem Schnatz nicht unähnlich, „Wir müssen den Schlüssel finden und dann brauchen wir eine Strategie, um ihn zu fangen. Am besten schauen wir erst einmal, wie die Schlüssel auf uns reagieren und wie sie ausweichen."
„Gesprochen wie der junge Sucher von Slytherin.", meinte Draco amüsiert.
„Ach sei still.", rief Harry zurück.

Dann begannen sie durch die Gruft zu fliegen, die Bewegungen der Schlüssel zu verstehen und den passenden unter ihnen zu suchen. Tatsächlich waren sie einer Mischung aus dem schnellen Schnatz und dem größerem Quaffel nicht unähnlich. Sowohl Draco und Harry bekamen auch einen von ihnen zu packen, beide jedoch unpassend zum Schloss. Es war auch Harry, der den richtigen Schlüssel erspähte. Groß, silbern und altmodisch, aber vor allem leicht beschädigt an einem seiner Flügel, wie als hätte ihn bereits jemand grob gefangen und zum Öffnen der Tür unter ihnen verwendet.

„Der dort ist es.", rief er den anderen zu. „Mit dem blauen Flügeln, der auf der einen Seite leicht beschädigt ist."
Die anderen folgten seinem Blick und Draco pfiff leise. „Gut gesehen. Okay. Wie fangen wir ihn?"
„Wir kreisen ihn ein. Millicent, du fliegst über ihn, Hermine du gehst nach unten und Draco, du und ich bleiben mit ihm auf einer Ebene, fliegen einander gegenüber, Millicent und Hermine, ihr fliegt nach oben und nach unten auf ihn zu und versucht ihn dann zu fangen und Draco und ich übernehmen ihn, falls er ausweicht. In Ordnung?"
„Kein Problem."
„Gut. Jetzt!", rief Harry.
Sie flogen in ihre Postionen. Millicent und Hermine schnellten nach dem Schlüssel, er wich aus und auf Harry zu. Draco kam von der anderen Seite und er und Harry nahmen ihn in die Zange, dann kam letzterer ihm nahe genug, streckte die Hand aus und schaffte es, ihn an seinem zerzausten Flügel zu fangen.
Sie alle jubelten kurz und ließen sich dann zu Boden sinken. Harry nahm den Schlüssel etwas fester in die Hand, damit er nicht entkam und rannte, kaum, dass er unten ankam zur Tür, steckte ihn in sein passendes Schloss und drehte ihn um, bis es klickte.
Enttäuscht schaute Millicent ihm hinterher, als der Schlüssel sich gleich darauf löste und wieder davon flog.
„Ich glaube nicht, dass er ein gutes Haustier abgegeben hätte.", meinte Draco ihrem Blick folgend.
„Wahrscheinlich nicht. Außerdem wäre meine Mum vielleicht nicht unbedingt begeistert, wenn ich aus Hogwarts wiederkomme und einen geflügelten Schlüssel heimbringe, der ihre Lampen zerdeppern könnte... Aber interessant fand ich ihn schon. Manchmal frage ich mich wo die Grenze zwischen Lebewesen und sich bewegenden Gegenständen ist. Sind diese Schlüssel nur Dinge, oder sind sie schon mehr..."
„Nun in der Schule, auf die ich vor Hogwarts gegangen bin, hat man uns beigebracht, dass man Lebewesen anhand der Merkmale des Lebens definiert.", erwiderte Hermine, „Ich habe auch in ein paar Büchern darüber gelesen. Man sagt, dass Stoffwechsel, also der Austausch von Stoffen mit der Umgebung zum Beispiel Ernährung und Atmung, Wachstum und Entwicklung, Fortpflanzung und damit verbunden Vererbung, Reizbarkeit, Bewegung..."
„Interessant.", unterbrach sie Harry. „Wollen wir weiter?"
Hermine sah etwas vergrämt aus. Nickte jedoch. „Jedenfalls würden Muggel die Schlüssel wahrscheinlich nicht als lebendig klassifizieren.", meinte sie noch, „Obwohl „Lebendigkeit" im Zusammenhang mit Magie teilweise wahrscheinlich eine neue Definition oder zusätzliche Sparte bekommen müsste."
„Tauscht euch darüber aus, wenn wir nicht gerade meilenweit unter der Schule durch irgendwelche Gänge laufen, in denen wahrscheinlich mehr als nur eine Gefahr vor uns liegt...", murrte Draco. Sein Interesse war nicht ganz so groß, oder vielleicht musste er auch so tun, als ob es nicht groß wäre, schließlich sprach Hermine hier über Lehren für Muggelkinder. Er mochte Hermine zu akzeptieren lernen und vielleicht auch ein paar andere Muggelstämmig oder Muggelstämmigkeit an sich, aber seine Begeisterung für Muggel selbst war nicht sehr groß.

Harry öffnete die Tür und sie standen vor einer weiteren Art von Gruft, jedoch um vieles dunkler. Sobald sie einen Schritt in den Raum taten, erhellte er sich jedoch. Vor ihnen erstreckte sich ein großes Schachspiel durch die gesamte Kammer. Die schwarzen Figuren waren direkt vor ihnen, die weißen standen ihnen weit gegenüber. Hinter ihnen war eine weitere Tür aus Holz.
Jede der Spielfiguren war größer als selbst Hagrid und offenbar aus Stein gefertigt.
„Oh Prima", sagte Draco.
„Was sollen wir tun?", fragte Hermine.
„Uns durch den Raum spielen, schätze ich.", erwiderte Harry.
Währenddessen war Draco bereits zu einer der großen Figuren gelaufen und hatte sie berührt. Die Dame, die er gewählt hatte, begann sich zu bewegen und wandte dann ihren riesigen Kopf Draco zu. „Wie genau", fragte Draco, „wird das hier ablaufen? Spielen wir, indem wir euch einfach Befehle geben?" Sie neigte leicht den Kopf. „Müssen wir je einen eurer Plätze einnehmen?" Sie nickte. Draco runzelte die Stirn und sah wieder zu den drei anderen hinüber.
„Den König.", sagte er. „Ich weiß nicht, was geschieht, wenn wir als eine der Figuren geschlagen werden, aber wir sollten sichere Positionen haben. Ihn müssen wir so oder so beschützen, um zu gewinnen und ich schätze, wenn wir nicht gewinnen, kann es uns ohnehin übel ergehen. Wen noch..."
„Ein Springer, denke ich, wäre gut.", meinte Harry.
„Vielleicht beide? Kein Bauer auf jeden Fall. Es ist kaum vorhersehbar, wer von denen überlebt und sie schnell entwickeln oder opfern zu können, ist wichtig, denke ich. Vielleicht auch ein Turm, nicht beide."
„Ein Läufer, ein Turm, ein Springer und der König?"
„Okay. Aber nicht nebeneinander. Sagen wir Königturm, Damespringer und Königläufer."
Vier der Figuren gingen auf diese Worte hin vom Feld und machten ihnen Platz.
„Hermine du nimmst den König, Harry nimmt den Läufer, ich den Springer und du Millicent den Turm.", sagte Draco und sie folgten ebenfalls seiner Anweisung.
„Nun, ich denke, ich leite das Spiel.", meinte er dann, „Und Harry passt mit auf. Wir sind sicherlich beide nicht perfekte Spieler, aber wir verstehen das meiste davon, würde ich sagen."
„Du kannst ruhig zugeben, dass du nur einmal gegen sie spielen wolltest...", murmelte Harry, „Ich wette, du hast den selben Verdacht wie ich, wer von den Lehrern diese Idee gehabt hat."
„Was meinst du?", erwiderte Draco und versuchte unschuldig zu klingen.
Hermine und Millicent schauten sie neugierig an.
„Wahrscheinlich ist das der Schutz von McGonagall.", erklärte Harry, „Und wenn die Figuren auch nur etwas ähnlich spielen werden, wie sie es würde, wäre es fast als würde Draco gegen sie spielen."
„Onkel Sev verliert fast jedes mal gegen sie, hat er mir erzählt. Sie soll eine gute Taktikerin sein."

Weiß begann mit dem Bauern vor der Dame der zwei Felder vorrückte und Draco konterte mit ihrem eigenem Bauern gegenüber. Danach begannen beide Seiten rasch in die Mitte vorzugehen. Weiß spielte eher aggressiv und mehr als einmal bereit eine Figur zu opfern, um einen Vorteil zu bekommen. Doch sie erwiderten nicht jedes dieser Angebote und spielten etwas vorsichtiger, auch weil Harry und Draco auf die vier Figuren achten mussten, deren Plätze sie eingenommen hatten. Ein Vorteil für Weiß, jedoch einer, der ihnen auch etwas Einblick in mögliche Züge der weißen Figuren gaben, die manchmal vor allem gezielt Angriffe auf die vier Schüler zu machen schienen.
Draco ließ die Figuren hierhin und dorthin gehen, räumte den Weg zwischen Hermine und Millicent frei und ließ sie als König und Turm miteinander tauschen, um Hermine in eine sichere Ecke zu bringen und Millicent danach eine Reihe von Figuren schlagen und bedrohen zu lassen.
Wenn eine Figur geschlagen wurde, zeigten ihre Gegner keine große Gnade. Sie griffen die schwarzen Figuren an, warfen sie nieder und zogen sie nicht gerade sanft vom Schachbrett.
Draco hatte mit seinen Ideen bezüglich geschlagener Figuren durchaus recht gehabt.
Die beiden Damen wurden wie auch in einigen Spielen Harrys und Dracos kurz nacheinander geschlagen, jedoch hatten sie es geschafft hiernach den Vorteil zu gewinnen, den sie gebraucht hatten. Nach einem weiteren Zug lag der weiße König im Matt, was Draco die Möglichkeit gab Millicent den verbliebenen gegnerischen Turm zu schlagen, danach stellte sie ihn erneut ins Matt und Draco selbst nahm einen störenden Läufer vom Feld und behinderte den weißen König zusätzlich. Vor allem aber stand ihrem Gegner nun einer seiner eignen Bauern so im Weg, dass er keinen der nächsten Züge ihrer Seite aufhalten konnte.
Schließlich brachten sie durch Millicent, Harry unterstützt von Draco und dem zweiten Turm das Spiel mit Schachmatt zu Ende.

„Das", meinte Draco, „War interessant. Aber ich glaube nicht, dass ich Professor McGonagall in einem richtigen Spiel schlagen könnte. Einige Züge der weißen Figuren hätte ein menschlicher erfahrener Spieler sicher nicht gemacht."
„Erst einmal müsstest du es schaffen sie dazu zu bekommen, ein Spiel mit dir zu spielen.", meinte Hermine.
„Ah. Ich werde schon Mittel und Wege finden. Wenn ich sicher sein kann, dass ich eine Chance habe, sie zu schlagen, heißt das."
„Natürlich..."

Harry öffnete die nächste Tür und musste sich fast augenblicklich die Nase zuhalten, als ihm ein nicht unbekannter Gestank entgegenkam, der ihm sagte, dass ein Troll in der Nähe war.
Auch die anderen drei, erkannten den Geruch wieder und Hermine schien etwas beunruhigt, doch sie sahen sofort, dass der Troll in diesem Raum ihnen nichts mehr würde tun können. Er lag bereits mit einer blutigen Wunde am Boden und rührte sich nicht. Etwas an dem Anblick ließ in Harrys Hinterkopf einen nagenden Gedanken entstehen, den er aber nicht ganz einordnen konnte.
Wieder lag ihnen gegenüber eine weitere Tür und sie beeilten sich den Raum zu durchqueren und durch sie durch zu gehen.

„Langsam", sagte Harry, „Mache ich mir so meine Gedanken, ob Dumbledore den Stein wirklich schützen wollte. Ich meine, das alles war gefährlich ja, aber sollte es vier Erstklässlern möglich sein an mehreren Hindernissen einfach vorbeizukommen? Fluffy war zu einfach, nachdem wir das mit der Musik wussten, Teufelsschlingen wurden uns bereits dieses Jahr beigebracht, Schach zu spielen ist nun auch nichts, was keiner in dem Schloss beherrscht, genauso wenig den Schlüssel zu fangen und schön, den Troll mussten wir nicht beseitigen, aber wir haben einen geschafft, wir hätten auch einen zweiten schaffen können. Jeder von den älteren Schülern sollte also überhaupt keine Probleme gehabt haben..."
„Nun es ist nicht so, als ob jeder von dem Stein wüsste.", meinte Hermine nachdenklich.
„Oder dumm genug wäre, zu versuchen ihn zu bekommen...", brummte Draco.
„Aber Dumbledore hat sich sicher irgendetwas dabei gedacht. Oder?", fuhr Hermine fort.
„Ich hoffe es..."
„Wir können es nicht wissen, und wir sind bis hierher gekommen. Egal, was der Fall ist, wir können nichts daran ändern. Kommt gehen wir weiter.", sagte Millicent.
Kaum dass sie durch die Tür hindurch gekommen waren, loderte hinter ihnen ein Feuer hoch. Vor ihnen sahen sie einen Tisch mit sieben Flaschen darauf und einen Türbogen, hinter dem sie nichts erkennen konnten, um den gleichzeitig Flammen aufloderten, die schwarz waren und bedrohlich flackerten.
Hermine trat zu dem Tisch und nahm einen zusammengerollten Bogen Papier auf.
Sie las ein gereimtes Rätsel vor, das darauf stand. Offensichtlich mussten sie das Rätsel lösen und einen der sieben Tränke anhand der Lösung als den identifizieren, der sie durch den Türbogen vor ihnen führen konnte und einen weiteren als den, der sie zurückführte. Wählten sie den falschen Trank, konnte dieser entweder nur Wein sein oder aber Gift.

„Onkel Sev.", stellte Draco fest. „Typisch für ihn. Etwas herrlich Dramatisches, Rätselhaftes und Ungewöhnliches und gleichzeitig schlicht. Keine grobe Gewalt, keine seltsamen Verzauberungen. Aber subtile Drohung in Flaschen verkorkt."
„Du bewunderst das hier, oder?", fragte Millicent.
„Unbedingt... Unser Hauslehrer setzt auf Logik."
„Ehrlich, ich habe immer mehr das Gefühl, dass ganze hier ist mehr eine Art Prüfung...", murmelte Harry.
„Naja. Nun vielleicht um zu sehen, ob man es wert ist, den Stein zu bekommen?", meinte Hermine.
„Die Anforderungen sind bisher etwas gering... Und sollte nicht eigentlich dafür gesorgt werden, dass der Stein nicht erreicht wird?"
„Wer weiß, was Dumbledore und Flamel sich dabei gedacht haben."

Draco ging zu den Flaschen und öffnete sie, um ihren Inhalt zu begutachten.
„Augenscheinlich keine geruchlichen oder farblichen Unterschiede, die einen Hinweis auf das Gift geben könnten... Aber das wäre auch zu einfach...", murmelte er.
Währenddessen nahm sich Hermine des Papiers an und las sich still das Rätsel ein paar weitere male durch. Harry überlegte, was er verstand und schlussfolgern konnte, war sich jedoch bei seinem Ergebnis nicht ganz sicher.

Draco nahm die größte Flasche und nahm einen Schluck. Entsetzt sahen ihn die anderen drei an.
„Er hat geschrieben, die größte und die kleinste sind ungefährlich.", meinte der Junge bloß, „Wenn ich aus der hier etwas nehme, dachte ich mir, dass es dir vielleicht hilft die Lösung schneller zu finden."
„Und du wirfst uns vor dumm und mutig zu handeln...", meinte Harry.
„Nur dir, Harry, nur dir. Es ist nur Wein. Hilft dir das etwas?"
Hermine nickte.
„Ich habe die Lösung gefunden. Aber ich hätte sie auch gefunden, ohne dass du einfach so einen Trank ausprobierst."
„Vielleicht hättest du noch eine Weile gebraucht."

Hermine erwiderte nichts und nahm zwei der Flaschen aus der Reihe. Sie betrachtete sie kurz. „Die beiden sind die, die uns durch die Türen führen. Ziemlich sicher ist die kleinere für den Weg nach vorn und die bauchige für den Weg zurück."

„Ziemlich sicher?", fragte Harry zweifelnd.

„Die beiden sind die Lösung des Rätsels und in der kleinen fehlt bereits ein guter Teil, also denke ich, das aus ihr bereits getrunken wurde."

„Mh.", machte Draco. „Falls der Dieb einer der Lehrer ist, nimm es mir nicht übel, Hermine, dann hat er sicher gewusst, welche Flasche die richtige ist und schon einen Schluck genommen. Du hast wahrscheinlich recht."
„Ich glaube nicht", meinte da Harry, „Dass der Rest für mehr als einen von uns reicht."
Dann sah er seine drei Freunde an. „In der anderen Flasche ist mehr als genug für euch. Ihr könnt zurückgehen, einen der Besen aus der ersten Kammer gehen und sucht am besten noch einmal nach Dumbledore oder nach Sev oder schickt ihnen noch eine Eule. Vielleicht erreicht ihr sie. Oder ihr sprecht mit einem der Lehrer. Wir haben jetzt mehr als genug Hinweise darauf, dass jemand hier eingedrungen ist. Wir brauchen Hilfe. Und man wird euch glauben und diesmal auch etwas unternehmen. Hoffe ich."
„Harry...", sagte Draco leise, „Mir gefällt das nicht. Du solltest nicht alleine gehen."
„Ich habe den Tarnumhang und ich schätze der Dieb hat den Stein im Moment noch nicht, sicher wäre uns sonst auf seinem Rückweg entgegengekommen, aber wir können nicht wissen, wie lange es noch dauert, bis er ihn in die Finger bekommt. Ich kann ihn etwas aufhalten und Zeit gewinnen."
„Was ist, wenn Du-weißt-schon-wer auch hinter diesem Türbogen ist?", fragte Hermine besorgt.
„Nun. Einmal habe ich Glück gehabt. Vielleicht habe ich auch zweimal Glück."
„Du Idiot.", meinte sein blonder Freund. Und dann drückte er ihn plötzlich ganz fest und dann umarmten ihn auch Hermine und Millicent, die drei anderen fast zerquetschte.
„Stop, ich bekomme keine Luft mehr...", brachte Harry hervor. Doch obwohl er sich fühlte, als würde er ersticken war er glücklich und dankbar seine Freunde zu haben.

Schließlich ließen sie einander los. Danach nahm Hermine als erste einen Schluck aus der Flasche, die drei von ihnen zurückbringen würde. Kurz schüttelte sie sich. Dann nickte sie den anderen zu.
„Es ist in Ordnung, aber es fühlt sich an wie Eis."
„Passt.", erwiderte Draco, „Eis ist wahrscheinlich nicht das Schlechteste gegen Feuer." Dann nahm auch er einen Schluck und nach ihm auch Millicent.
„Schnell", sagte Harry, „Geht bevor es vielleicht nachlässt."
„Pass auf dich auf.", sagte Draco.
„Viel Glück.", sagte Hermine.
„Bis nachher.", sagte Millicent.
Dann waren sie durch den Bogen, der zum Zimmer mit dem Troll führte, verschwunden.

Harry atmete tief und sammelte sich. Dann nahm er selbst von dem zweiten Trank, stellte die Flasche zurück zu den anderen, warf seinen Umhang über und ging mit einem Gefühl von flüssigem Eis in seinem Körper durch den zweiten Durchgang. Er würde sie wiedersehen, oder nicht?