Edmund konnte nicht mehr an sich halten, er heulte hemmungslos um die Person, die er war und die er immer versucht hatte zu sein, auch wenn er wusste, dass er dieses Ziel nie erreichen würde. Er weinte um den Teil seiner Seele, der ihm immer wieder sagte, dass er nicht gut genug war und dem er immer wieder Glauben geschenkt hatte. Er weinte um Caspian, der ihn und ihre Liebe trotz allem nie vergessen hatte.
ENGLAND – 4 JAHRE - EDMUND
„Entschuldigung, brauchst du das Buch noch?" Edmund zuckte leicht zusammen, als er eine Stimme hinter sich vernahm. Er hatte schon den ganzen Tag in der Ruhe der Bibliothek verbracht und sich in die Arbeit gestürzt und war nun erschrocken über den plötzlichen Einbruch in diese Stille. Ruckartig blickte er sich um und sah den fremden jungen Mann erstaunt an.
„Das Buch", sagte dieser erneut und deutete auf Edmunds Lateinwörterbuch, das vor ihm lag. „Brauchst du es noch? Die Bibliothekarin sagte, du hättest es."
„Sie hat mit dir geredet", fragte Edmund erstaunt. „Sie ist normalerweise nicht sehr gesprächig."
„Unter uns, ich hatte ein bisschen Angst, dass sie mich mit einem Buch erschlägt, statt meine Frage zu beantworten." Edmund lachte, klappte dann das Buch zu und reichte es dem Fremden.
„Hier, bitte."
„Wenn du noch nicht fertig bist, ist das auch kein Problem", sagte dieser schnell.
Edmund hob abwehrend die Hände: „Nimm es einfach. Ich habe heute sowieso schon zu viel Zeit mit Cäsar verbracht." Dankbar nahm er das Buch entgegen und beobachtete Edmund, der seine Sachen zusammenpackte.
„Ähm, ich weiß, das kommt etwas plötzlich, aber ich bin heute Abend im ‚Old Ship' auf ein Bier. Vielleicht…" Er sprach nicht weiter und als Edmund seinen Blick traf, wusste er auch warum. Er erkannte an den Augen und wie sie ihn musterten sofort, wieso der Fremde beschlossen hatte, besser zu schweigen. „Als Dank für Cäsar, sozusagen", fügte er hastig hinzu.
„Klar", sagte er schließlich mit einem freundlichen Lächeln. „Ich komme gerne. Etwas Ablenkung kann wahrlich nicht das Schlechteste sein."
Ein Lächeln breitete sich auf dem Gesicht des Fremden aus. „Schön. Dann bis heute Abend." Edmund nickte und war schon einige Schritte von dem Arbeitsplatz entfernt, als ihm der Fremde hinterher rief: „Ich bin übrigens Paul!"
