Widersehen macht Freude?!
„Alice", meine Stimme klang deutlich nervös „Wo ist er? Sag mir wo ich hin muss!", schrie ich ins Telefon.
„Bella, ganz ruhig!", sie klang konzentriert, sie hatte mir vor wenigen Minuten erklärt, dass sie sowohl auf mich, als auch auf Edward achten musste, damit wir uns nicht verfehlen.
„ Er ist jetzt da wo eigentlich sein Auto stehen müsste. Mach dich bereit Bella, er ist echt sauer!"
„Alice, die Straße!", sagte ich ungeduldig.
„Achso, natürlich.", sie überlegte kurz, ich konnte mir bildlich richtig vorstellen, wie sie die Augen schloss um sich zu konzentrieren „Norwood Boulevard, Ecke 111 Avenue North-West Side und mach schnell. Er geht schon weiter."
„Ok, Alice. Ich melde mich, wenn ich ihn hab", sagte ich angespannt und legte auf.
Ich orientierte mich kurz.
Ich war ganz in der der Nähe, nur noch einmal rechts abbiegen.
Ich nahm die Kurve mit viel zu viel Geschwindigkeit, doch der Volvo schwenkte nicht einmal aus.
Und plötzlich sah ich ihn schon. Er ging mit dem Rücken zu mir, doch ich konnte eindeutig erkennen, dass er es war. Seine Statur war immer noch so perfekt, seine verwuschelten Haare hatten noch immer diesen wunderschönen Bronzeton und sein Gang war genauso grazil wie damals. Ich musste kurz lächeln.
MEIN EDWARD!
‚Bella, denk sowas nicht! Mach dir keine Hoffnungen, du wirst nur enttäuscht. Konzentrier dich auf das Ziel.', warnte mich mein Innerstes.
Ich beschleunigte ein letztes Mal, damit meine Reifen beim bremsen quietschten. Ich hatte Angst, er könnte mich sonst eventuell nicht bemerken.
Es funktionierte und er blickte zum Auto.
Ob er schon eine Ahnung hatte, was ihm sich gleich für ein Anblick bieten würde?
Er kam langsam auf das Auto zu, sein Gesichtsausdruck zeigte einen leicht genervten und dabei wütenden Edward.
‚Mach dich auf das schlimmste gefasst, Bella', warnte mich meine innere Stimme erneut.
Als er die Tür öffnete, sprach er schon „Alice, lass mich fahren!"
Seine Stimme klang noch viel wundervoller als ich sie in Erinnerung hatte, jedoch meinte ich eine leichte Unterkühlung zu vernehmen.
Das hatte er sich gedacht, ich werde fahren, ich wusste nicht wie sein Zustand sein würde, wenn er mich erstmal wahrgenommen hatte.
Ich beobachtete ihn ganz genau, ich konnte meinen Blick einfach nicht von ihm wenden. Er war noch tausendmal schöner, als in meinen Erinnerungen.
Er ließ sich in den Sitz sinken, in einer geschmeidigen Bewegung und schloss dann die Tür.
Erst jetzt sah er mich an und in dem Moment entglitten ihm sämtliche Gesichtszüge.
Seine Augen weiteten sich und der Schock stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben.
Bevor er irgendetwas sagen konnte, tat ich es „Das glaube ich nicht Edward!", sagte ich leise, aber doch bestimmt und trat das Gas voll durch.
Ich gab vor auf die Straße zu gucken, beobachtete ihn jedoch genau aus dem Augenwinkel.
Er war zu einer Salzsäule erstarrt, er rührte sich nicht.
Wenn Vampire einen Schock erleiden konnten, dann hatte Edward definitiv einen.
Ich griff nach dem Handy, was in meinem Schoß lag und wählte Alice Nummer, es klingelte nur einmal und sie war am Telefon.
„Ich hab schon gesehen, du hast ihn gefunden", das Lächeln war ihrer Stimme deutlich zu entnehmen.
„Ja, Alice habe ich.", sagte ich und verdrehte kurz die Augen, klar dass sie es schon wusste „Sag mal Alice, können Vampire einen Schock erleiden?"
Jetzt hörte ich es im Hintergrund laut lachen „Ach, doch so schlimm?", sagte Alice belustigt.
„Ich weiß nicht so genau.", sagte ich vorsichtig.
„Möchte er mit einem von uns reden?", fragte Esme, es hörte sich an als ob sie genau neben Alice stand.
Ich schaute zu Edward und warf ihm einen fragenden Blick zu.
Immer noch keine Reaktion.
„Ich glaube im Moment besser nicht.", ich hoffte, dass ich damit keinen verletzen würde.
„Ok.", es war wieder Alice die nun sprach „Wir sehen uns ja heute Abend. Tschüß Bella, und verschreck ihn nicht noch mehr.", sagte sie spöttisch.
„Ich versuch es.", sagte ich „Bis heute Abend, Alice.", ich legte auf.
Wir schwiegen uns an. Es war beängstigend still. Doch ich würde dieses Schweigen nicht als Erste brechen, nur ich war mir auch nicht sicher, ob er es tun würde.
Nach guten 2 Stunden, hatte ich genug von dieser Stille und machte mir langsam Sorgen um Edwards Wohlbefinden, sagte jedoch nichts.
Ich schaltete wieder meine CD an. Lieber Musik, als diese peinliche Stummheit und da ich mir sowieso nicht sicher war, ob er überhaupt etwas wahrnahm, drehte ich die Lautstärke voll auf.
Nach weiteren 100 Kilometern Fahrt und immer noch keinem Lebenszeichen von Edward, bemerkte ich das ich in der nächsten Stadt tanken müsste. Ich hatte das Auto zwar kurz vor Edmonton voll getankt, aber dennoch würde der Sprit nicht bis nach Ottawa reichen.
Die nächste größere Stadt war Winnipeg, dort suchte ich eine Tankstelle.
Ich schaute Edward noch ein letztes Mal an bevor ich ausstieg und spielte kurz mit dem Gedanken ihn zu zwingen mit auszusteigen, damit ich ihn im Auge behalten konnte, ließ aber von der Idee ab, als ich sah, dass er immer noch wie eine Statue auf dem Beifahrersitz saß.
Ich tankte das Auto voll - mich innerlich darüber aufregend, wie langsam die Zapfsäule das Benzin in das Auto pumpte - und ging dann rein um mit Alice Kreditkarte zu bezahlen.
Als ich die Tür zur Fahrerseite öffnete, erlitt ich einen kurzen Schreck, weil Edward auf dem Fahrersitz am Lenkrad saß.
Mist, jetzt musste ich wohl oder übel etwas sagen!
Ich kniff meine Augen leicht zusammen und sagte dann leise aber mit aller Autorität in der Stimme, die ich in dem Moment aufbringen konnte „Edward, rück rüber, ich fahre."
„Es ist immer noch mein Auto, hast du das etwa vergessen?", sagte er mit seiner samtig weichen Stimme und sein Mund formte dieses unwiderstehliche schiefe Lächeln.
Ich spielte kurz mit dem Gedanken nachzugeben, doch da brüllte es in mir schon ‚Bella, du gibst jetzt nicht nach. Du fährst und damit Basta!'.
„Das war es vielleicht mal, bis es seinen Besitzer gewechselt hat.", ich deute auf mich.
„Ach komm schon: Alter vor Schönheit!", sagte er, ihm schien diese Unterhaltung sichtlich Freude zu bereiten.
Ich zeigte mich gekonnt unbeeindruckt und erwiderte trocken „Ladys First."
Er schob sich zurück auf den Beifahrersitz. Ich hatte gewonnen. Edward gab einfach auf.
Ich setzte mich auf meinen alten Platz und ließ den Motor an.
Sein Duft war gerade ungewöhnlich stark, er strömte aus dem Sitzbezug. Ich schloss kurz die Augen, atmete tief ein und öffnete sie dann wieder.
Ich legte den Gang ein und drückte das Gas voll durch, so dass die Räder quietschten.
„Wenn du schon fährst", begann Edward „könntest du denn bitte versuchen mein Auto nicht so zu quälen!", wieder lächelte er.
„Bis jetzt hat das Auto sich noch nicht über meinen Fahrstil beschwert", sagte ich und funkelte ihn böse an.
„Es hat sich vielleicht nur nicht getraut.", er lachte nun leise auf und beobachtete mich ganz genau.
„Das glaube ich wohl kaum", sagte ich und zwang mich Ernst zu klingen, denn ich musste auch mit aller Macht ein Lachen hinunterschlucken „ wir sind echt gute Freunde geworden, der Volvo und ich. Ich glaube nicht, dass er irgendwann wieder zu dir zurück will. Er ist mit mir sehr viel glücklicher.", jetzt konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen.
„Das kann ich mir nicht vorstellen.", er grinste mich breit an, eindeutig war er stolz darüber, das er es doch geschafft hatte mich zum Lachen gebracht zu haben „Nicht wenn du immer so stinkende Viecher mit ihm rumtransportierst."
Mist, ich hoffte eigentlich er würde Jacobs Geruch nicht mehr so deutlich wahrnehmen, ich bin die ganze Strecke bis nach Edmonton mit offenen Fenstern gefahren, in der Hoffnung der Geruch würde wieder verfliegen.
Ich knurrte ihn an und er zuckte fast unmerklich leicht zusammen. Ha, ich hatte ihn erschreckt.
„Naja und ich habe vielleicht stinkende Sachen transportiert. Du hast es einfach allein zurückgelassen.", sprach ich mit einem trübsinnigen Gesichtsausdruck.
Die doppelte Bedeutung, meiner Worte war unmissverständlich.
Er schaute mich entsetzt an, es war eindeutig, dass er diesen Wink mit dem Betonpfeiler verstanden hatte.
„Bella, wir sprechen hier nicht mehr über den Volvo, oder?", sein Ton war nun betrübt.
„Vielleicht.", antwortete ich knapp.
„Ach, Bella, wenn du wüsstest wie Leid es mir alles tut.", sagte er entschuldigend „Ich dachte es wäre der richtige Weg, wenn ich gehen würde. Dir die Chance auf ein normales, sterbliches Leben geben würde."
„Edward!", unterbrach ich ihn „Du bist mir keinerlei Rechtfertigung schuldig. Du hast mich nicht mehr geliebt, dafür kann ich dich wohl kaum verklagen."
„Dich nicht mehr geliebt? Sag nicht, du hast mir das damals wirklich geglaubt.", sprach er trübsinnig „Wie konntest du mir das nur glauben. Hast du meinen Plan hinter diesem ganzen Gespräch nicht gesehen? Ich musste dir das weiß machen, ich musste dir sagen, dass ich dich nicht mehr liebte, sonst hättest du mich doch nie gehen lassen."
Was sollte das? Wollte er meine Nerven beruhigen? Er ist doch gegangen und hat mich im Wald allein zurückgelassen. Er hat mir eindeutig gesagt, dass er mich nicht mehr liebt. Wenn er mich geliebt hätte, warum hätte er mich dann verlassen sollen? Das ergibt doch alles keinen Sinn.
Was sollte ich denn nun dazu sagen?
„Bella, ich habe dich immer geliebt und ich werde dich immer lieben. Ich dachte das hättest du damals verstanden, ich hab es dir doch so oft gesagt! Wieso hast du mir das nur glauben können? Ich war mir nicht sicher als ich mich umdrehte und ging, ob du mir das wirklich geglaubt hast. Ich hatte mir ja nicht mal selbst geglaubt.", sprach er deprimiert und drückte sich den Daumen und Zeigefinger gegen den Nasenrücken. Es wirkte bald so, als würde ihm diese Erinnerung Schmerzen bereiten.
Es war still, er wartete nun anscheinend auf eine Reaktion meinerseits.
Ich atmete durch.
„Edward, lass das. Ich habe dir geglaubt, weil du das so meintest, wie du es sagtest.", sagte ich leise und versuchte das Zittern in meiner Stimme zu unterdrücken „Ich habe es doch in deinen Augen gesehen, dass du das alles ernst meintest. Außerdem war es doch immer klar, dass du MICH nicht richtig lieben konntest. Was war ich schon im Vergleich zu dir? Es ist nicht deine Schuld, dass ich mich da so reingesteigert habe. Ich hätte es von Anfang an besser wissen müssen. Aber wie war das…. Liebe macht halt blind!"
Nun schaute er mich entsetzt an. Es wirkte fast so, als würde er gleich wieder zur Statue erstarren.
Es dauerte einige Zeit, doch dann sprach er.
„Bella, hörst du nicht selbst wie absurd das klingt, was du da sagst?", sagte er nun mit einem wütenden Unterton.
„Wieso hast du mich denn verlassen, wenn du mich doch soooo sehr liebst?", sprach ich nun auch angriffslustig.
„Bella, das ist der springende Punkt.", er hatte seine Stimme jetzt wieder voll unter Kontrolle und sie klang weich wie eh und je „Ich habe dich nicht verlassen, weil ich dich nicht mehr liebe, sondern weil ich dich so sehr liebe. Du bist mein Leben, Bella!"
Ich zog die Handbremse an und wir kamen unter Protest des Volvos zum stehen.
„Ähm, Bella… das tut dem Auto nun wirklich nicht gut.", diesmal meinte er es ernst, es war kein lächeln, dass seine Lippen umspielte.
„Halt den Mund!", sagte ich scharf „Wie meinst du das: Ich habe dich nicht verlassen, weil ich dich nicht mehr liebe, sondern weil ich dich so sehr liebe. Wenn es so wäre, warum hast du das getan? Warum hast du mich so verletzt? Weißt du, dass ich lieber gestorben wäre, als ohne dich zu sein? Weißt du das ich am liebsten vor das nächstbeste Auto gesprungen wäre, nur um nicht allein zu sein und es nur nicht tat, weil ich dir dieses blöde Versprechen gegeben hatte? Ich war nichts mehr ohne dich, ich war innerlich tot! Und jetzt nach fast einem halben Jahr, in dem wir uns nicht gesehen haben und du dich nicht ein einziges Mal bei mir gemeldet hast, sagst du mir sowas? Du hast nicht das Recht mir sowas zu sagen, nicht mehr!"
Er schaute mich gequält an und schluckte.
„Es ist vielleicht besser, wenn ich ab hier laufe.", sagte ich leise „Ich habe meine Aufgabe so gut es ging erfüllt, ich habe dich in Edmonton aufgespürt und du weißt jetzt was ich bin. Das war mein Ziel. Fahr du ab hier zu deiner Familie, sie haben dich wirklich vermisst. Tschüß Edward!"
Ich öffnete die Tür, doch da umklammerte seine Hand auch schon mein Handgelenk.
„Nein Bella, ich lasse dich jetzt nicht allein gehen.", sagte er entschlossen.
Es war als würden tausende kleine Blitze auf dieser Stelle meiner Haut einschlagen.
„Edward, lass mich sofort los.", sagte ich gereizt.
„Nein, Bella!", sprach er standhaft.
Ich nahm meine freie Hand und löste seine von meinem Gelenk. Es war mir ein Leichtes, als Neugeborene, war ich viel stärker als er.
Ich stieg schnell aus und lief davon, doch ich hörte das er hinter mir war - und verdammt er war schneller als ich. Er stand bereits 3 Meter vor mir. Ich ging langsam zurück.
„Edward, komm mir nicht zu nahe!", sagte ich drohend.
„Bella, ich lass dich nicht gehen.", sagte er sanft „Ich werde dir überall hin folgen, egal wohin du jetzt gehst."
Während er sprach macht er einen Schritt auf mich zu, einen Schritt, den ich und mein Körper nicht wollten. Es geschah dasselbe wie zuvor mit Tanya und Alice. Edward flog einige Meter rückwärts durch die Luft.
Verdammter Mist, ich muss endlich lernen wie ich meine Gabe kontrollieren kann, denn das wollte ich wirklich nicht.
Er beugte sich auf die Ellenbogen und schaute mich verwirrt an „Sehr interessant!"
Ich flitzte zu ihm „Wenn ich nicht bald lerne wie ich das kontrolliere, dann werde ich noch irgendwann jemanden aus Versehen umbringen. Aber andererseits hatte ich dich auch gewarnt.", sagte ich geknickt „Oh Edward, das tut mir echt Leid. Hast du dich verletzt?"
Ich hielt ihm meine Hand hin, damit ich ihm aufhelfen konnte.
Er schaute mich skeptisch und dennoch ein wenig lächelnd an „Ist das eine Falle?"
Ich schaute ihn verwirrt an.
„Naja, ich meine, wenn ich jetzt nach deiner Hand greife, werde ich nicht wieder 10 Meter weit weggeschleudert.", sagte er grinsend.
„Versuch es doch mal.", sagte ich bitter.
Er griff nach meiner Hand und ich zog ihn mit Leichtigkeit auf die Beine. Auch dieses Mal löste die Berührung ein Feuerwerk auf meiner Haut aus.
„Komm, wir gehen zurück zum Auto, damit wir weiter können. Alice und der Rest warten bestimmt schon auf uns.", sagte er leichthin und wandte sich in Richtung Auto ab.
„Edward, ich werde laufen. Ich hole Jacob und Julia von dort ab und dann gehen wir wieder", sagte ich ernst.
„Bella, sei doch nicht so. Wenn du schon nicht wegen mir im Auto mitfährst und bei uns bleiben willst, dann wenigstens wegen meiner Familie", sprach er vorsichtig und drehte sich dabei wieder zu mir um „Sie lieben dich doch auch. Meinst du sie würden es so einfach verkraften, wenn du gehen würdest?"
„Edward, und was ist mit dem was du und ich wollen. Du hast mich verlassen und jetzt willst du mit mir unter einem Dach leben, nur damit wir deine Familie nicht verletzen. Was ist mit unseren Gefühlen. Mal ganz abgesehen davon, dass du mit jemanden zusammen wohnen würdest den du nicht mehr liebst und den du jetzt nach der Trennung andauernd sehen müsstest. Was ist mit dir? Ich kann das nicht. Mir würde jedes Mal das Herz aufs Neue zerspringen, wenn du mir über den Weg laufen würdest und ich wissen würde, dass da nichts mehr ist.", sagte ich betrübt.
Er seufzte einmal tief, fuhr sich durch sein wunderschönes bronzefarbenes Haar und legte den Kopf in den Nacken bevor er darauf etwas erwiderte.
„Bella, wie kann ich dir nur beweisen, dass das alles nur eine riesengroße Lüge war.", sagte bedrückt, schaute mir nun direkt in die Augen „Ich musste doch so überzeugend sein, sonst hättest du mich doch nie gehen lassen. Und glaub mir, ich hätte nie gedacht, dass ich dich so verletzen würde wenn ich gehe. Ich dachte du würdest mich in ein paar Wochen vergessen haben und vielleicht mit Mike oder Taylor zusammen sein. Ich konnte doch nicht ahnen, dass es dir so gehen würde. Und Bella es tut mir wirklich so unendlich doll Leid. Ich liebe dich, Bella, glaub mir. Egal, was ich damals gesagt habe, versuch es zu vergessen, denn es stimmte nichts von all dem."
Ich schaute ihn an und ich sah in seinen Augen, dass er all dies Ernst meinte, nur verstand ich es nicht.
„Edward, nehmen wir mal an, dass das alles voll und ganz der Wahrheit entspricht, was du gerade gesagt hast.", sagte ich ruhig „Warum bist du dann gegangen? Was war der Grund?"
„Bella, erst einmal, ich meine das alles tausend prozentig Ernst! Und um deine Frage zu beantworten: Nachdem was mit Jasper an deinem Geburtstag passiert ist, habe ich gesehen, egal wie sehr wir uns auch bemühen, wir können dir nie das bieten was du brauchst. Ich wollte dir die Chance zu einem normalen, unbeschwertem Leben geben, zum Beispiel mit Mike.", erklärte er mir leise und in seinen Augen lag so viel Trauer „Außerdem war ich ständig eine Gefahr für dich, ich hätte dich mit jeder noch so kleinen, unbedachten Bewegung umbringen können oder noch schlimmer, ich hätte meine Selbstbeherrschung nur für eine Sekunde vergessen müssen… und was wäre dann? Dann wärst du tot, wegen mir. Das wollte ich nicht, das hätte ich mir nie verzeihen können. Es tut mir so Leid, das diese Sache, die als Sicherheitsvorkehrung gedacht war, dir – und auch mir – nichts gebracht hat."
Ich schloss meine Augen und atmete tief durch „Du hast mich wegen der Sache mit Jasper verlassen?", ich ging langsam auf ihn zu „Nicht, weil du mich nicht mehr liebst? Und du wolltest, dass ich mit Mike Newton zusammenkomme? ", ich rümpfte gekonnt die Nase. Er nickte und versuchte mich anzulächeln, aber das Lächeln erreichte seine Augen nicht. „Wie konntest du nur denken, dass ich dich vergessen könnte, Edward. Auch wenn du alles mitgenommen hast, was mich erinnert hat, so konntest du mir eins nicht nehmen, die Erinnerungen. Ich sah dich in meinen Träumen und immer wenn ich mich an dich erinnern wollte und – halt mich für verrückt, aber – in manchen Situationen konnte ich sogar deine Stimme hören. Du hast mich nie ganz verlassen, Edward. Du warst immer hier drin", ich deutete auf meine Brust.
Einen kurzen Moment war ich glücklich, wenn er das wirklich alles ernst meinte, was er vorhin gesagt hatte und mich nicht belog, dann würde es heißen er liebt mich wirklich.
‚Ganz vorsichtig Bella, die Zeit wird zeigen, ob er das alles so meint wie er es sagt, immerhin ist er schon einmal gegangen, man weiß nicht ob er es vielleicht nochmal tun wird.', warnte mich die Stimme in meinem Kopf.
„Aber du hast mich schon einmal verlassen, warum solltest du es nicht nochmal tun, wenn ich dir vielleicht zu langweilig werde in der Unendlichkeit der Zukunft? Wer sagt mir, dass du mich jetzt nicht belügst und damals die Wahrheit gesagt hast?", fragte ich ihn vorsichtig und sprach dabei die Gedanken in meinem Kopf laut aus. Bei jedem anderen Wesen wäre das nicht nötig gewesen, aber da mein Gehirn anders funktionierte, war es notwendig, damit ich eine Antwort bekam.
Er lächelte mich sanft an „Ich werde es dir beweisen, Bella!", er kam mir einen Schritt entgegen „Wir haben jetzt eine Menge Zeit, in der ich dir demonstrieren kann, wie sehr ich dich liebe und das ich das bis in alle Ewigkeit tun werde."
„Das hört sich gut an. Einen Versuch ist es wert.", sagte ich, ich wollte ihm so gern glauben, also ging auf ihn zu.
Als ich bei ihm angekommen war, hatte ich das dringende Bedürfnis ihn zu umarmen.
Konnte ich das schon? Würde er das überhaupt wollen? Oder würde er mich vielleicht doch zurückweisen?
Ich entschied, dass ich es nie erfahren werde, wenn ich es nicht probieren würde. Ich öffnete meine Arme und umschloss ihn damit, er wirkte verblüfft, aber er erwiderte meine Umarmung liebevoll. Es war ein traumhaftes Gefühl, sein Geruch war überall und im Vergleich zu damals wirkte seine Haut auf mich nun überhaupt nicht mehr kalt. Ich schloss meine Augen und legte meinen Kopf an seine Brust. Er hingegen legte seinen auf meine Haare.
Ich weiß nicht wie lange wir einfach nur so dastanden. Ich wollte mich nicht von ihm lösen, diesen Augenblick hatte ich so sehr herbeigesehnt.
Auf einmal bewegte er sich, seine Hand wanderte zu meinem Kinn und lenkte meinen Kopf so, dass ich ihm direkt in seine wunderschönen Augen sehen konnte. Er nährte sich mit seinem Gesicht ganz langsam meinem und ich erkannte seine Absicht, doch dafür war ich noch nicht bereit.
„Edward, ich finde wir sollten es langsam angehen lassen.", flüsterte ich und wendete meinen Kopf ab „So ein Vertrauen, muss sich erst einmal wieder aufbauen."
Er musterte mein Gesicht ganz genau.
„Gut Bella, ich werde mir dein Vertrauen schon wieder erkämpfen. Und ich werde warten, ich würde immer und überall auf dich warten. Ich liebe dich, Bella.", erwiderte er einfühlsam und gab mir einen sanften Kuss direkt auf meinen Scheitel.
Hätte ich jetzt noch ein schlagendes Herz, so würde es wahrscheinlich vor Glück explodieren.
„Vielleicht sollten wir jetzt weiter fahren, sonst wird Alice noch ganz verrückt.", sagte er leise und lies mich langsam los. Ich war enttäuscht, dass er sich aus unserer Umarmung löste, dennoch hatte er recht.
„Na dann, wollen wir mal.", sagte ich lächelnd „Wer zuerst am Auto ist, darf fahren!", lachte ich und rannte auch schon los.
Ich hörte es hinter mir lachen und ihn rufen „Du hast keine Chance."
Ich merkte wie er immer dichter kam, es waren nur noch ein paar hundert Meter. Sollte ich es wagen und versuchen zu springen? Als Neugeborene hatte ich deutlich mehr Kraft, wenn ich es rein physikalisch betrachtete, hatte ich so die besseren Chancen. Ich machte noch zwei Schritte und setzte dann zum Sprung an. Es war unglaublich, fast so wie fliegen, nur irgendwie lustiger.
Ich landete direkt vor dem Auto und drehte mich in die Richtung aus der Edward kommen müsste. Einige Sekunden darauf kam Edward bei mir an.
„Bella, dass war unfair. Wärst du weiter gelaufen, hätte ich dich geschlagen.", sagte er beleidigt.
Ich musste lachen „Ich hatte keine Einschränkungen gemacht, was das WIE betrifft.", ich lächelte ihn breit an „Oder, kannst du einfach nicht verlieren?"
Ich wendete mich ab um zur Fahrertür zu gehen. Er hielt mich wieder am Handgelenk fest.
„Du hast geschummelt, das zählt nicht. Also werde ich fahren.", sagte er entschlossen.
„Nein Edward, ich fahre.", und boxte ihn spielerisch in die Seite, damit er mich losließ, was er auch gleich darauf tat.
„Aua!", seine Stimme durchzog ein leichter klang von Schmerz.
Ich musterte ihn verblüfft „Was ist?"
„Bella, du bist noch sehr jung. Hast du schon was davon gehört das du stärker bist, als wir Älteren?", sagte er mit einem leichten Lächeln.
„Du meinst doch nicht, dass ich dich mit diesem kleinen Stupser in die Rippen, wirklich verletzt habe.", lachte ich.
„Könnte ich noch blaue Flecken bekommen, hätte ich wahrscheinlich einen. Wenn nicht sogar ein paar gebrochene Rippen.", sagte er liebevoll „ Jetzt weißt du, wie sehr ich mich immer beherrschen musste, um dich nicht zu zerquetschen."
Ich dachte kurz darüber nach, ich hatte noch nicht einmal meine volle Kraft ausgeschöpft und hatte ihn schon „verletzt". Er hatte recht, wahrscheinlich war ich als Mensch noch zerbrechlicher, als ich immer annahm.
Aber jetzt hatte ich einen Trumpf in der Tasche.
„Tja, Edward, da du ja nicht willst, dass ich dir aus Versehen doch noch richtig wehtue, hast du ja bestimmt nichts dagegen, wenn ich fahre, richtig?", sagte ich mit leicht gespielt drohenden Unterton.
Er grinste höhnisch „Du bist ja jetzt ein richtig teuflisches Monster!"
„Oh ja, das bin ich.", mein Lachen konnte ich mir nicht verkneifen.
„Naja, dann will ich mich lieber nicht mit dir anlegen.", sagte er gütig.
Was? Er gab so einfach auf? Schon wieder!
Ich war verblüfft von mir und von ihm.
Sah ich wirklich so Angsteinflößend aus?
Ich ging zur Fahrertür, öffnete sie und stieg ein. Edward saß bereits neben mir.
Ich startete den Wagen, legte den Gang ein und gab Vollgas.
„Wieso bist du jetzt eigentlich so verrückt aufs Autofahren.", er wirkte interessiert.
Ich zuckte mit den Schultern „Ich glaube es liegt am Auto. Es ist echt toll."
„Oh ja, deswegen habe ich ihn gekauft und Rose hat wirklich beste Arbeit geleistet, als sie ihn ausgestattet hat", sagte er lächelnd.
„Das hat sie. Er ist unwahrscheinlich schnell und schön. Eben passend zum Besitzer.", ich grinste ihn an.
Er schenkte mir sein wunderschönes schiefes Lächeln „ Also, wie du?", ich sah ihn verwirrt an „Na, sagtest du nicht er ist in deinen Besitz übergegangen?"
„Naja, das war nur ein Vorwand, damit du mich fahren lässt. Wir wissen doch beide, dass du deinen Volvo für nichts in der Welt hergeben würdest.", ich schaute wieder nach vorne auf die Straße.
„Oh doch, es gibt da was, was mir viel mehr wert ist als dieses Auto.", ich schaute ihn fragend an, er verdrehte die Augen „Na du!"
Gut, dass ich nicht mehr rot anlaufen konnte, sonst hätte er wahrscheinlich gesehen, was diese kleine Aussage für eine riesige Wirkung auf mich hatte.
„Sagst du mir, wie du so geworden bist? Wer dich verwandelt hat und wie es danach weiterging? ", fragte er mich nun vorsichtig.
„Wenn du das unbedingt möchtest.", antwortete ich leise und er nickte nur.
Ich erzählte ihm die Geschichte, wie mir Laurent auf der Lichtung begegnet war, wie er sich auf mich gestürzt hatte, wie mich die Werwölfe gerettet haben und wie mich wiederrum Jake vor den Werwölfen gerettet hat, indem er mich bis nach Alaska getragen hat. Ich erzählte auch wie Julia und ich uns gefunden haben und wir dann zum Denali Clan gegangen sind, wie Eleazar mir meine Gabe erklärt hat und wie Tanya mich angreifen wollte. Er unterbrach mich nicht ein einziges Mal und hörte gespannt zu. Als ich ihm davon erzählte wie Julia mich zum einkaufen gezwungen hat, musste er leise auflachen, das verging ihm aber schnell, als ich erwähnte, das Julia in Edmonton sein Auto kurzgeschlossen hatte, damit wir weiter zu seiner Familie konnten. Dann erzählte ich von dem ersten Zusammentreffen mit den restlichen Cullens – er fand den Gedanken, dass Alice so durch die Luft geflogen ist, wie er anscheinend sehr lustig, denn er lachte wieder auf – und wie Alice ihre Vision bekommen hat, wie er nach Hause kommen würde. Ich schaute ihm ins Gesicht um ihm zu signalisieren, dass das alles war.
„Wow", sagte er leise „Jacob Black, ein Werwolf, hat dich, einen Vampir, gerettet? Tanya hat dich wegen mir angegriffen? Und Julia hat zufällig MEIN Auto in Edmonton geknackt, damit ihr zu meiner Familie könnt?", fragte er, anscheinend um sicher zu gehen, das er alles mitbekommen hatte. Ich nickte zustimmend.
„Bella, wie hältst du das aus? Ich meine du warst mit Julia in einem Einkaufszentrum voller Menschen unterwegs, ohne ihnen was zu tun. Dein Instinkt hätte dich zum Angriff verleiten müssen.", sagte er skeptisch „Du bist auch jetzt nicht wie eine typische Neugeborene. Eigentlich kann man mit denen kaum reden bzw. gar nicht, alles was sie beherrscht ist ihr Durst und das Brennen in der Kehle. Zu so einem Schritt wie du ihn in Edmonton gemacht hast, brauchen Vampire eigentlich mindestens 5 Jahre, wenn nicht sogar noch länger."
Schon wieder diese ganzen Fragen, auf die ich keine Antwort habe.
„Ich weiß es nicht Edward, ich kann dir nicht sagen, warum ich kein Verlangen nach Menschenblut habe. Ich weiß nicht warum ich so ein" ich formte mit meinen Fingern Anführungszeichen „Wunder bin und mich so beherrschen kann. Ich weiß es nicht. Wieso fragt ihr mich das immer alle? Ist das so schlimm, dass ich nicht gleich bei jeden Menschen in meiner Umgebung das Verlangen habe ihn abschlachten?"
„Nein Bella natürlich nicht", sagte er jetzt stolz „Es ist nur … ungewöhnlich. Ich finde es sehr faszinierend.", er lächelte bis über beide Ohren.
Es entstand eine Pause, nach einer gefühlten Ewigkeit, fiel mir eine wichtige Frage ein.
„Edward, darf ich dich etwas fragen?", sprach ich vorsichtig.
„Aber sicher Bella, alles was du willst!", sagte er freundlich.
„Was hast du in der Zeit ohne mich gemacht?"
Auf diese Frage war er sichtlich nicht gefasst gewesen. Sein Gesicht verzog sich und wurde traurig.
„Nicht viel.", begann er „Ich war innerlich leer. Es war als ob mir was fehlte. Ich konnte nicht mehr klar denken, meine Gedanken kreisten nur um dich.", er schaute mich eindringlich an „Ich bin mit meiner Familie fürs erste nach Ottawa gegangen. Ich saß jedoch die meiste Zeit in meinem Zimmer und habe gegrübelt, was du wohl, jetzt da ich weg war, ohne mich machst. Carlisle und die Anderen, mussten mich regelmäßig daran erinnern zu jagen, weil ich es sonst vergessen und eine Gefahr dargestellt hätte. Ich machte nichts, Bella, außer an dich zu denken. Ich kämpfte jeden Tag mit mir selbst, ob ich nicht doch zurück zu dir gehen sollte, egoistisch wie ich war. Aber ich wollte mein Versprechen dir gegenüber nicht brechen. Alice, besuchte mich ab und zu in meinem Zimmer und erzählte mir von ihren Visionen und dass sie losfahren würde um nach dir zu sehen, aber ich hielt sie jedesmal ab, weil ich nicht wollte, dass sich jemals wieder ein Vampir in dein Leben schleicht. Bis ich plötzlich den Drang danach hatte zu gehen, ich konnte nicht länger in diesen vier Wänden hocken und den anderen so viel Kummer bereiten. Also ging ich zu Esme und sagte ich würde im National Park jagen gehen. Ich verabschiedete mich nur kurz und knapp, damit sie keinen Verdacht schöpft, dass ich nie wieder nach Hause kommen würde. Sie dachte es würde wieder mit mir bergauf gehen, das sah ich in ihren Gedanken. Ich fuhr bis nach Edmonton um von da aus zu Fuß weiter zu laufen. Ich änderte immer mal wieder die Richtung, damit mich Alice nicht aufspüren konnte. Ich wollte ihnen allen nicht noch mehr Kummer bereiten. Ich war einige Wochen unterwegs, ich weiß gar nicht wie lange genau. Ich bin nur gelaufen und habe ab und an mal gejagt. Ich wollte die Gedanken an dich verdrängen, damit ich nicht doch zu dir zurückkehren würde. Aber es funktionierte nicht. Auf einmal war ich in Oregon und da konnte ich mich nicht mehr aufhalten, ich wollte zu dir. Ich wollte, während du schläfst einfach nur durch dein Fenster krabbeln und dich für ein paar Stunden beobachten um sicher zu gehen, dass es dir gut geht. Am nächsten Morgen wärst du aufgewacht und hättest nicht gewusst, dass ich dagewesen wäre. Also machte ich mich auf den Weg nach Forks.", er atmete einmal tief ein und schaute dann auf seine Hände „Als ich ankam, bin ich wie ich es geplant hatte, durch dein Fenster eingestiegen, doch du warst nicht da, dein Bett war gemacht. Das war nicht das was ich mir vorgestellt hatte. Erst dachte ich, du hättest einen neuen Freund, bei dem du eventuell übernachten würdest, aber deine ganzen Pflegeutensilien waren noch da. Also ging ich davon aus, dass du unterwegs warst und dir etwas zugestoßen sein musste, was ja wirklich nicht auszuschließen war, wir reden hier ja immerhin über Isabella Swan. Als ich die Treppe runterging, erblickte ich dann einen Trauerkranz, mit deinem Bild.", er schluckte und es kam ein leichtes schluchzen aus seiner Kehle, war das möglich, weinte er? „Ich konnte nicht glauben was ich da sah. Konntest du wirklich gestorben sein? War es vielleicht meine Schuld? Wenn ich da geblieben wäre, wärst du dann nicht tot? Das waren alles Fragen die sich mir in dem Augenblick stellten. Ich hab euer Haus verlassen und bin einfach gerannt, ich achtete nicht darauf wohin, doch plötzlich stand ich auf unserer Lichtung. Und es wurde zur traurigen Gewissheit, dass du tot warst. Überall war dein Blut, soviel Blut Bella. Ich ging in euer Haus zurück und wartete auf Charlie, damit ich aus seinen Gedanken erfahren konnte, woran du gestorben warst. Bella, sie denken du wurdest von ausgehungerten Bären gefressen. Ich saß noch lange in deinem Zimmer, und überlegte was ich nun machen würde. Ich wollte nicht auf einer Welt sein, auf der du nicht mehr warst. Doch bevor ich darüber nachdenken durfte, wie ich am besten sterbe, musste ich meiner Familie sagen, was mit dir geschehen war. Ich wusste das sie dich auch liebten und das sie auch ein Recht darauf hätten zu erfahren was passiert ist und das du nicht mehr da bist.", er schaute mich an und seine Augen waren glasig „Also machte ich mich auf nach Edmonton, um da mein Auto zu holen und denn weiter zu meine Familie zu fahren. Wenn ich ihnen Bescheid gegeben hatte, könnte ich danach überlegen, was ich dann tun würde. Mein Plan stand fest, nur als ich denn in Edmonton an ankam, war mein Auto weg. Ja und den Rest kennst du ja selbst. Ich war so geschockt dich in meinem Auto zu sehen, aber auch glücklich, das du nicht tot warst.", er lächelte sanft.
Ich hatte glaube ich noch nie zuvor eine so lange Rede von Edward gehört, ich hatte einige Fragen, aber ich wollte ihn nicht unterbrechen. Er war so vertieft in seine Geschichte, dass ich es nicht angebracht hielt ihn zum pausieren zu zwingen.
Ihm ging es in der Zeit ohne mich auch nicht gut, dass wusste ich jetzt. Er hatte auch unheimlich gelitten, wenn nicht sogar noch mehr als ich, wenn das denn überhaupt möglich war.
Ich holte kurz Luft und schluckte, dann stellte ich ihm eine Frage die mir auf der Seele brannte „Edward, du warst bei mir zu Haus? Wie geht es meinem Dad?", fragte ich betrübt.
Ich schämte mich etwas, denn an ihn hatte ich noch gar nicht gedacht, seid ich eine Neugeborene bin.
„Er ist traurig, was ja verständlich ist, du bist seine einzige Tochter. Er träumte in der Zeit, in der ich in deinem Zimmer saß oft von dir. Besonders von Augenblicken als du noch klein warst und Renee und er noch zusammen waren.", sagte er behutsam, er schien zu spüren, dass ich mir Vorwürfe machte „Seine Trauer sitzt tief, aber ich denke er kommt gut damit zu Recht. Er ist oft bei Billy, dass lenkt ihn ab und die Arbeit natürlich auch. Deine Mom ruft ihn jeden Abend an, es scheint beiden zu helfen, wenn sie darüber reden."
„Das ist gut. Ich hoffe, dass sie sich schnell mit meinem Tod abfinden können. Die Vorstellung, dass die beiden sich haben, finde ich beruhigend, ich weiß nicht warum.", meine Stimme klang leise und deprimiert.
„Mit der Zeit wird es einfacher. Irgendwann sind all diejenigen Tod die du kanntest.", sagte er besänftigend „Ich weiß das klingt hart, aber du wirst es verstehen wenn es soweit ist."
„ Ja, da hast du vielleicht recht.", bestätigte ich seine Aussage.
Es herrschte eine Weile Ruhe. Die Sonne ging langsam unter und ich wusste, wir würden bald da sein.
Edward beobachtete mich die ganze Fahrt über.
„Wir sind bald da.", sagte ich, damit diese peinliche Stille endlich vorbei ging „Möchtest du vielleicht zu Hause anrufen, damit sie Bescheid wissen?"
„Ich denke sie wissen, noch besser als wir selbst, wann wir ankommen werden.", er grinste.
Ich verstand nicht was er meinte und das war mir wohl auch anzusehen. Er lachte leise auf und verdreht dann die Augen „Hast du Alice etwa vergessen?"
Ich musste selbst darüber lachen, dass ich darauf nicht allein gekommen war.
„Freust du dich sie alle wieder zu sehen?", fragte ich gespannt.
„Als ich losgelaufen bin aus Forks nicht, denn ich wusste nicht wie ich ihnen das alles erklären sollte und wie sie reagieren würden, ob sie mir vielleicht die Schuld geben würden.", seine Stimme war wie ein samtweiches Flüstern „Jetzt weiß ich immer noch nicht ob ich mich freuen soll oder nicht. Denn ich habe jetzt zwar keine so schlechten Nachrichten mehr zu überbringen, aber ich habe trotzdem noch Angst wie sie auf mich reagieren. Ich kann mir denken, dass ich sie alle –vermutlich besonders Esme – sehr mit meinem Weggehen verletzt habe. Ich mache mich seelisch und moralisch schon auf eine Standpauke bereit. Ich hoffe sie lassen meinen Kopf dran.", sagte er spöttisch.
Ich lächelte ihm aufmunternd zu.
„Keine Sorge, zur Not werde ich dich beschützen.", er lachte auf „Du siehst ja wie gut das mit dem Vampiren durch die Luft schleudern schon klappt."
„Ja, allerdings. Also ist das der Grund warum ich deine Gedanken schon damals nicht hören konnte.", er lächelte mich an „Eine sehr interessante Gabe die du hast. Ich muss nur mal sehen, wie ich dir beibringen kann sie besser zu beherrschen, weil wenn du jeden der unerwartet auf dich zukommt fliegen lässt, dann könnte das vielleicht irgendwann einmal ein böses Ende nehmen. Vielleicht kannst du es ja sogar ausbreiten oder so ähnlich. Wir werden sehen. Wir haben ja jetzt viel Zeit.", sagte er freudig.
„Ja, das denke ich auch.", ich lächelte zurück.
Mein stummes Herz hätte beinahe wieder angefangen zu schlagen, als er immer wieder ‚Wir' sagte. Er meinte es anscheinend wirklich ernst. Er wollte, dass wir uns wieder vertragen und wieder ein Paar werden. Aber wir werden erst einmal sehen, ich hoffe das das mit genügend Zeit wieder alles wird wie vorher. Nur das ich jetzt keine menschliche Bella mehr bin, sondern eine Vampir-Bella, die mindestens genauso stark ist wie er. Ich musste bei dem Gedanken schmunzeln. Jetzt musste ich die nächste Zeit erst einmal aufpassen, dass ich ihn nicht verletze.
Wir waren nun schon wieder an dem Schild, das uns sagte noch 5 Meilen bis nach Ottawa.
Ich bog wieder rechts ab auf den Schotterweg. Edward neben mir wurde sichtlich nervös, er spielte mit seinen Fingern.
Keine 5 Minuten später standen wir vor dem Haus der Cullens, wie bei meiner Ankunft waren wieder alle auf der Veranda versammelt, nur diesmal standen noch 2 Personen mehr da: Julia und Jacob.
Ich nahm vor dem aussteigen kurz Edwards Hand, drückte sie und sagte sanftmütig lächelnd: „Keine Sorge, dass wird schon."
Wir stiegen beide aus und gingen auf unsere Familie zu.
Ja, unsere Familie, denn sie war jetzt genauso meine, wie auch Edwards.
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Anmerkung:
Sämtliche Inhalte und Personen gehören Stephenie Meyer. Mir macht es nur Spaß mit den Charakteren zu experimentieren und die Geschichte weiterzuschreiben.
Es tut mir unsagbar Leid, dass das mit diesem Kapitel so lange gedauert hat.
Ich hoffe, dass es euch trotzdem gefällt. Lasst es mich wissen! ;-)
Ich finde es ist jetzt auch mal an der Zeit jemanden zu danken:
Als erstes meiner besten Freundin Julia, die immer meine Kapitel vor allen anderen ließt und mir Verbesserungsvorschläge gibt und mich aufbaut, wenn ich mal beim Schreiben hänge. Danke Süße, lieb dich ganz doll! *knutschi*
Dann meiner VZ-Julia, die mir einen interessanten Einblick in ihr Biss-Verständnis gegeben hat und ohne die so manches Kapitel vielleicht anders ausgegangen wäre. DANKE! Hab dich lieb! *bussi*
Und ich danke auch den lieben Leuten die mir so liebe Reviews schreiben, ohne euch hätte ich wahrscheinlich schon längst den Mut zum weiterschreiben verloren.
DANKE
GLG
