Die Sonne stand tief; es würde bald dämmern, doch er ließ es sich nicht nehmen, das Haus zumindest von außen unverbindlich zu begutachten. Wilson hatte die Adresse auf dem Küchentisch abgelegt. Es war eine teure Gegend, beinahe so exklusiv wie der Standort der Jugendstilvilla, in die er vor wenigen Wochen einen Einzug geplant hatte, da Chase sich in der Enge des Apartments ständig Verletzungen zugezogen hatte.

Verschwenderisch große, gepflegte Rasenflächen mit Gartentrampolinen für die Kinder und Swimmingpools, die nun allmählich für die Wintersaison dicht gemacht wurden, säumten die Straße. Er bedauerte, dass sie den Bungalow ganz am Ende etwas abseits von den anderen Häusern nicht eher entdeckt hatten, denn Chase hatte ihm erzählt, dass er offenbar schon länger verwaist war. Im Sommer hätte er sich dort besser unterhalten als im düsteren Apartment. Er war gern im Freien und außerdem Ozeanier. Kein Wunder, dass ihn ein Garten mit Pool verlockte. Dass ausgerechnet Wilson ihm die Chance bot, erregte ein wenig seinen Argwohn. Vielleicht würde er versuchen, ihn ihm abspenstig zu machen. Das erste Mal wäre es nicht.

„Das ist es", sagte Chase und deutete auf das großzügig angelegte Grundstück, während er die Augen mit der Hand gegen die untergehende Sonne beschirmte. Er versuchte, den Gurt zu lösen und schaffte es diesmal nach einigen ungehaltenen Handgriffen von selbst. Irgendwie war das fast symbolisch.

House hatte das Gefühl, dass er ihm entglitt, sich selbst wieder zurecht finden würde in der Welt, die ihm viel zu kompliziert schien für seinen jetzt naiven Intellekt. Schwermütig beobachtete er ihn, wie er erfreut und ausgelassen zum Eingangstor lief, bevor er widerwillig ausstieg und ihm mit hoch gezogenen Schultern folgte. Sein Bein quälte ihn, obwohl Chase vor kurzem in unnachahmlicher Weise dafür gesorgt hatte, dass die Schmerzen praktisch verschwunden waren.

Doch er verfügte nicht mehr über seine Pillen – Wilson verschrieb ihm keine mehr, als eine Art kindische Rache dafür, dass er Chase nicht mehr behandeln lassen wollte. Doch er bemerkte selbst, dass die Motorik zu wünschen übrig ließ und er ihn früher oder später auf antikonvulsivische Mittel würde einstellen müssen. Zu epileptischen Anfällen neigte er seit der Kindheit. Durch die Hirnschädigung begünstigte sich das Risiko, weitere zu erleiden.

„Ist es nicht schön?" Erwartungsvoll hakte der Junge sich bei House unter, führte ihn hinter das Haus zur Terrasse. „Man kann ein Barbecue im Freien machen, selbst wenn es regnet", explizierte er, zum Vorbau hinaufschauend, der die Veranda ein wenig vor der Witterung schützte, bevor er House zum Grill zog. Widerwillig musste er angesichts Chase' Ausgelassenheit grinsen. „Oder einfach ein Feuer. Drinnen gibt es auch einen Kamin, viel größer als unserer."

„Vor dem ich Sie im Winter auf einem Bärenfell vernaschen kann."

Er lachte und sprang weiter. „Auch. Sehen Sie, da ist der Swimmingpool. Unserer in Australien war größer, glaube ich. Aber er ist in Ordnung. Und der Garten – gefällt er Ihnen? Wir haben gar keinen. Vermissen Sie nicht manchmal einen Garten? Wir können Sitzmöbel aufstellen, eine Schaukel, Lichterketten um den Vorbau anbringen und bis in die Nacht hinein bei einem Glas Wein hier sitzen."

Wie ein übermütiges Kind, das seinem Vater die Vorzüge eines Abenteuerspielplatzes schmackhaft zu machen versucht, tänzelte er um ihn herum, nahm seine freie Hand in beide, um ihn Richtung Pool und Gartenlaube zu lotsen.

„Es ist doch wirklich ein bisschen wie das Paradies, oder?"

„Ich weiß nicht, wie das aussieht, Chase."

Er bemühte sich, Zurückhaltung und Gleichmut zu wahren, wenngleich er zugeben musste, dass ein ungeheuerlicher Reiz von dem wild romantischen Flecken ausging, dem er nicht gewachsen war. Als Bub, der viel mit den Eltern unterwegs gewesen und nirgends richtig heimisch geworden war, hatte er sich einen solch mystisch wirkenden Ort immer gewünscht, der ihn an die Waldszenen aus Herr der Ringe erinnerte. Wen wunderte es, dass Chase aufgrund seiner traumatisch verlaufenen Kindheit tief in sich denselben Wunsch hegte. Ein Rückzugsort, in dem man tun und lassen durfte, wonach einem der Sinn stand und in dem einen die Eltern dank der unzähligen Verstecke nicht entdeckten, ersehnte wohl jeder einsame Teenager, der sich von Gott und der Welt missverstanden fühlte.

„Wenn Sie splitternackt darin lustwandeln, kommt es meiner Vorstellung davon näher. Und das konnten Sie auch in meiner Wohnung."

„Im Sommer können wir das tun", sprudelte er hervor. „Uns von der Sonne wärmen lassen. Nur Sie und ich. Dann gibt es sogar Kirschen und Beeren."

„Und wir ernähren uns wie die Neandertaler. Sie sind der Sammler, und ich der Jäger. - Obwohl ich hoffe, dass Sie sich ohne Speer erlegen lassen", fügte er anzüglich hinzu.

In schierer Unbekümmertheit wirbelte Chase mit ausgebreiteten Armen um die eigene Achse, legte den Kopf in den Nacken und dann die Hand an House' Taille, um den Schwindel zu bekämpfen, in den er sich manövriert hatte. Es schien ihm gar nichts auszumachen, dass er immer nur an das eine dachte.

„Ich mag Ihren Speer."

Es war schwer, ihm zu widerstehen, seiner schlichten Fröhlichkeit über eine mögliche Zukunft mit lauen Nächten am Wasser, Kerzenschein und Grillpartys und ärgerlichen Moskitos. Und er gestand sich ein, dass ihn der Gedanke erregte, Chase durch das grotesk winzige Schwimmbecken pflügen zu sehen, abperlendes Wasser auf zarter Haut, das Spiel seiner gut proportionierten Muskeln zu betrachten. Ihn nur mit einem Korb in den Garten zu schicken, um das zu ernten, was die Obstbäume und Sträucher abwarfen. Chase würde vielleicht sogar Marmelade einkochen, die sie im Herbst auf ihre Frühstückspfannkuchen strichen. Sesshaft werden mit ihm, endlich zuhause sein und trotzdem ein unterhaltsames, bequemes Leben abseits der Enge in der Baker Street führen. Auf einmal war der Gedanke nicht mehr so fern, sogar recht verlockend. Das Apartment würde er vorerst nicht aufgeben und sich eine kleine Bedenkzeit ausbedingen. Wohnen auf Probe.

„Vorne im Ahorn werden Sie mir ein Baumhaus bauen", neckte er ihn, und Chase trat übermütig an ihn heran und spielte mit seinen Lippen, bearbeitete sie sanft knabbernd und erschwerte ihm weitere Instruktionen. Verzückt nuschelte er in seinen Mund, packte seinen Po und zog ihn dicht an sich heran. Unterhalb der Gürtellinie spürte er ein verlangendes, wellenförmiges durch ihn ziehendes Pulsieren, das stärker wurde, als Chase hinunter fasste und die Hand auf der Innenseite seines Oberschenkels hin und herbewegte. „Ganz oben in den Wipfeln. Es sollte groß genug sein für uns beide und über den nötigen Komfort verfügen."

„Und einem Flaschenzug, an dem ich Sie hoch ziehe und wieder runterlasse", ergänzte er.

„Wir werden einen Nadelbaum an Weihnachten haben", spann House erheitert den Faden weiter, und bemerkte ein triumphierendes Funkeln in Chase' Augen. „Sogar mehrere. An Silvester machen wir ein Freudenfeuer aus dem Brennholz hier im Garten."

„Dann sind Sie einverstanden?" Bettelnd schaute er zu ihm auf, die kräftigen Finger in sein Hemd gekrümmt, nestelte er abwechselnd am Kragen herum und brachte ihn fast aus dem Gleichgewicht. Aber es war wundervoll, er genoss es, sich seiner Standfestigkeit zu überlassen, die trotz seiner geringeren Körpermasse größer war als seine. Fest verwurzelt mit der Erde, auf der er stand, der kleine Chase, wiegte er sich mit ihm und strich ihm dann das Haar übers Gesicht.

„Sie sind ein Filou. Nicht so fix. Ich habe noch nicht die Zimmer inspiziert, und da bin ich heikel. Lassen Sie uns morgen erst mal einen Termin mit Bonnie vereinbaren."

oOo

Sie kannte ihn. An ihrem verdutzten Gesicht hätte er es sich ausrechnen können, wenn House ihm nicht mitgeteilt hätte, dass sie auch die Vermittlerin der Villa gewesen war, die sie dann doch nicht gekauft hatten. Es war eigenartig, ihr gegenüberzutreten und zu wissen, dass sie ihn zuletzt als „Halbdebilen" erlebt hatte. Wenigstens reagierte sie nicht befremdet oder mit einem Lob über seinen seit der letzten Begegnung verbesserten Zustand, für den er nichts konnte und House zu verdanken hatte. Wahrscheinlich hatte Dr. Wilson sie von der erfolgreichen Operation in Kenntnis gesetzt.

„Greg. Dr. Chase."

Sie nannte ihn wirklich noch respektvoll oder aus Verlegenheit bei seinem Titel, den er nicht mehr innehielt. Die Approbation war ihm bis auf weiteres entzogen worden, doch er hatte nicht dagegen interveniert. Seine Stelle blieb vakant, bis er wieder arbeiten konnte, hatte Dr. Cuddy versprochen. Und solange er mit House zusammen war, gab es nichts, wogegen er aufbegehrte.

Als sie ihm die Hand hinhielt, zögerte er, wusste nicht, was von ihm verlangt wurde, und House griff an ihm vorbei und schüttelte energisch Bonnies Hand.

„Dürfen wir eintreten?"

Sie lachte zu laut und zu grell, während ihr Blick krampfhaft auf ihn gerichtet war. Er hatte noch nie jemanden mit aufgerissenen Augen lachen gesehen, war von ihrem gekünstelten Verhalten zunächst irritiert und drängte sich halb hinter House' hünenhafte Gestalt. Seine überdurchschnittliche Größe hatte etwas Beschützendes, das er gerne in Anspruch nahm.

„Das ist der Zweck eures Besuches, oder?"

„Eigentlich wollten wir nur in Wilsons Namen Blumen überreichen."

Wie aufs Stichwort hielt Chase Bonnie den kleinen Strauß aus gelben und orangefarbenen Astern entgegen, den er im Vorgarten gepflückt hatte. House stellte fest, dass er Pflanzen liebte. Vielleicht hatte ihn als Kind die Botanik interessiert.

„Oh, wie nett! Danke, Dr. Chase." Übertrieben theatralisch schlug sie die Handflächen aneinander und deutete einen Knicks an, um dann sein schnelles Mitbringsel entgegenzunehmen. „Das ist sehr aufmerksam von Ihnen."

„Von Wilson", berichtigte House und legte nachlässig den Arm um ihn. Chase fragte sich, ob er Kuppler zwischen ehemaligen Verheirateten spielen oder lediglich das Wohlwollen der verhärmten, ungeschminkten Mittdreißigerin erringen wollte, um einen Extrarabatt zu erfeilschen.

Merkwürdig, wo die Liebe hinfiel. Dr. Wilson und Bonnie schienen immer noch regelmäßigen Kontakt zu haben. Und sie pflegte einen sonderbar vertrauten Tenor mit House. Als verbände sie mehr als der gemeinsame Bekannte. Unterschwellig fühlte er Eifersucht aufkommen, schalt sich aber gleich darauf einen Idioten. Es sollte ihn freuen, dass House außer ihm und Wilson doch noch Menschen kannte, die ihn vertraulich mit dem Vornamen ansprachen. Er selbst tat es nur in ihren besonderen Momenten. Es war, als sei sein Vorname etwas, das man ungestraft nicht in den Mund nahm. Bonnie tat es trotzdem.

„Nun, Greg. Ich bin gespannt, ob du es diesmal über dich bringst und mich nicht wieder derart schmählich hängen lässt. James meinte gleich, dass ein Umzug für dich das Verlassen von Abrahams Schoß bedeuten würde und du zu festgefahren wärst, etwas Neues zu probieren. Er hatte recht, wie immer. Du solltest hier Quartier beziehen, nur um ihm das Gegenteil zu beweisen. Sonst wird er eines Tages ein arroganterer Mistkerl als du."

„Er ist es bereits", winkte House beiläufig ab, während sie ihren auf dem Parkett klappernden Absätzen folgten. Der Boden fand seine Zustimmung. „Fast wie daheim", erklärte er Chase und tippte mit der Stockspitze darauf. „Und ich dachte immer, Bungalows seien eine Art bessere Garage."

Den Kaufvertrag unterzeichnete er gegen seine Gewohnheit am selben Tag, unter der Bedingung, dass die alten, muffigen Möbel ohne für sie entstehende Unkosten entfernt wurden. Bonnie rieb sich die Hände und versprach einen Preisnachlass. Er hatte ein sonderbares Gefühl dabei, fühlte sich in der Tat ein wenig beklommen. Aber er hätte immer noch das alte Apartment. Chase' nicht gerade geringes Vermögen, das sich im Lauf der Jahre und besonders nach dem Verkauf des Lofts im Mai auf seinem Sparkonto angehäuft hatte, erlaubte es ihnen, vorläufig beides zu unterhalten, und die vereinbarte Teilzahlung schien ihm moderat.

„Wir haben viel mehr Platz", tröstete Chase ihn auf dem Heimweg, bei dem er nicht recht bei sich war.

Was hatte er nur getan? Ein zweites Mal ließ sich der Vertrag nicht stornieren; er würde es wieder tun, wenn der Junge sich im neuen Zuhause nicht wohl fühlte, doch an sich selbst wollte er nicht denken, zumal wenig Aussicht darauf bestand, dass Chase irgendwann vom Heimweh übermannt wurde. Bereits im Wagen schmiedete er Pläne, wie die Inneneinrichtung aussehen sollte, stellte sich die Wände in bunten Farben vor und taufte das neue Haus überschwenglich Klein-Polynesien. Er freute sich so sehr auf den Garten, dass er beschloss, sich die Trauer des Abschieds seiner vier Wände, die für sie beide einmal mehr bedeutet hatten als eine seelenlose Behausung, nicht anmerken zu lassen.

„Ich weiß, Chase", sagte er, langte hinüber und strich ihm durchs Haar, weil er beunruhigt wirkte, als er seinen Blick traf. „Ich freue mich auch. Ein Umzug war lange fällig."

oOo

„Ich will, dass Sie oder Foreman mich auf Neuroleptika einstellen", eröffnete Chase am Abend völlig unerwartet. Sie lagen im Bett und schauten sich eine Folge von „Die Straßen von San Francisco" an. Der alte Karl Malden zähmte den hitzköpfigen, damals noch jungen Michael Douglas.

Ein wenig verblüfft griff House in sein Haar, raffte es am Hinterkopf zusammen und brachte ihn dazu, den Kopf an seine Schulter zu legen. Weich schmiegte es sich an ihn, und Chase rieb sinnlich über seinen Bauch. Er würde es nicht wieder tun, doch nicht jeden Tag. Er musste sich und seinem jungen Geliebten nicht beweisen, wie scharf er auf ihn war. Je länger er sich beherrschte, desto schöner würde das nächste Mal werden. Unverkennbarer Druck ließ ihn dennoch kurz die Hüften bewegen.

„Warum?"

Er druckste herum, nahm eine Handvoll Chips und ließ sie unschlüssig in die Tüte zurückrieseln. „Ich werde viel zu tun haben im neuen Haus."

Behutsam drückte er den Mund an seine Schläfe und bewunderte die zarte Struktur des jugendlichen, rosigen Teints, über den er mit den Fingern strich, um sein Gesicht zu sich herzudrehen.

„Ich kann mir eine Woche frei nehmen oder die Maler holen. Sie müssen es nicht alleine machen. Die Medikamente sind keine harmlosen Hausmittel. Auf Dauer werden sie Sie verändern. Sie wissen, dass es nicht einfach ist, sie abzusetzen, wenn Sie sich erst einmal daran gewöhnt haben."

„Nur solange, bis alles fertig ist. Ich möchte es ohne Ihre Hilfe schaffen. Nützlich sein. Bitte."

„Nein. Sie haben das nicht nötig, Chase."

Fast ein wenig bockig entzog er sich ihm. „Ich möchte aber. Ich habe Angst, dass es schlimmer wird. Heute Nachmittag, auf der Fahrt durch die Allee – da war dieses rasch wechselnde Licht, und ich-... ich dachte, es fehlt nicht viel."

„Ich habe Sie bisher nur vor Wollust zucken sehen."

Er nahm ihn. Küsste seinen erwartungsvoll geöffneten Mund, schmeckte die Schärfe und verging darin, als er sich selbst nicht mehr kannte und sich über ihn zog. Die Nächte waren immer noch lau, und sie trugen nur ihre Boxers, was sein Vorhaben erleichterte.

Er fingerte an Chase' herum, die kein anderer als er wie männliche Reizwäsche trug und die er um ihren jetzigen Aufenthaltsort beneidete. Da, wo der Stoff sich wölbte, musste er erst hingelangen, sich vorantasten, und er wusste nicht, ob er das notwendige Zartgefühl jetzt noch aufbringen konnte. Strahlend weiß hob sich das Gewebe von seiner dunkleren Haut ab, und er glaubte, verrückt zu werden, massierte die kräftigen, gereizt zitternden Schenkel, die sich impulsiv anhoben, um sich über seine Schultern zu legen. Warm und weich, hemmungslos und verlangend. Er strich über seinen Mund hinab zum Kiefer, fuhr mit den Händen über seine schmale, knabenhafte Kontur und die angespannten Muskeln, die während seiner Massage von unnötigen Verspannungen entkrampften, bis auf den einen, der naturgemäß auf ihn reagierte.

Ein leises, heißes Stöhnen in sein Ohr hauchend, drückte er sich höher, und House streichelte sein Becken, ließ die Finger dann über die Wirbelsäule wandern, was den Effekt hatte, dass er den Rücken zu einem Hohlkreuz wölbte und es House möglich war, ihn nahezu auf Augenhöhe von den Shorts zu befreien. Einen Moment vibrierte er japsend; seine Arme zitterten unter der Anstrengung, sich mithilfe der Matratze und seinen Schultern hochzustemmen, bevor er die Arme um ihn warf und zu ihm hinglitt. Langsam, entdeckend, mit seiner Erregbarkeit spielend und ihr wieder ausweichend, wie um ihn hinzuhalten, erbat er sich Geduld. Er erfüllte ihm seine Bitte und ließ ihm Zeit, sich an ihn zu gewöhnen, küsste ihn auf den Mund, aus dem die erwünschten wundersamen, winselnden Töne kamen, die ihn wild machten. Sonderbar, dass es immer wie das erste Mal zwischen ihnen war. Immer neu und aufregend.

Sein gesamtes Nervensystem konzentrierte sich auf die Samtigkeit auf ihm, als er ihn erreichte und allmählich begann, ihn zu penetrieren, während Chase mutiger werdend mit den Beinen seine Mitte umschlang. Da er es mittlerweile kannte und derjenige war, der das Tempo angab, blieb er friedlich, soweit es ihm gelang, atmete zischend aus und suchte wieder seinen Mund, den er ihm verschloss. Währenddessen ging er dorthin, wohin Chase ihn allein durch die Bewegung seines Beckens führte, konsequent, fiebernd. Sein Atem beschleunigte sich, als er den Kopf zur Seite warf und die harten Bauchmuskeln zu beben anfingen. In der hektischen Bewegung streiften die Haarspitzen sein Gesicht wie Nadeln oder ein Hagelschauer, und seine Augen brannten. Ob vor Schmerz oder dem über sein Gesicht rinnenden Schweiß, konnte er nicht sagen, aber er achtete nicht weiter darauf, denn es gab Wichtigeres, Schöneres, dem er sich mit jeder Faser seines Körpers auslieferte. Selbst sein Bein machte mit, er spürte keinen Schmerz, nur ein angenehmes, stärker werdendes Prickeln. Der offensichtlichen Nervosität zum Trotz überraschte Chase ihn mit einer Gefügigkeit, die er selten an ihm konstatierte. Angenehm entspannt ließ er ihn ein in seinen persönlichen Himmel. So entspannt und leicht, dass er kaum fassen konnte, das Gleitgel noch nicht bemüht zu haben.

Es ging fast zu schnell, zu einfach. Weich und seidig und warm umringte ihn seine Glätte, die ihm allein gehörte, und Chase stieß gegen das Holz des Bettgestells und wand sich in neuen, überwältigenden Kontraktionen, als er mit beiden Händen sein Gesäß umfasste, ihn auf den Rücken legte und sich selbst kaum mehr bändigen konnte. Obwohl er nicht mehr in ihm war, hielt das Gefühl der Euphorie an, verstärkte sich in ihnen und ließ den Jüngeren sich aufbäumen, als House sich ihm abermals annäherte. In dem gequälten Ausdruck las er verzweifelte Lust, eine sonderbar zwiespältige Mischung, die ihn zusätzlich erregte. Frustration vielleicht, weil er ihn durch den nachhaltigen Schmerz automatisch abgewiesen hatte.

Seine großen, kaum noch aufnahmefähigen Augen tränten, die Wangen röteten sich, und die verführerisch vollen Lippen formten stumm seinen Namen.

„Ich will Sie lieben", flüsterte er rauh und benebelt von der von dem heißhungrigen Jungen ausgehenden würzigen Süße, griff nach dem unromantischen K-Y auf dem Nachtschrank, das für ein schmerzfreieres Eindringen sorgte. Wenngleich Chase tapfer die Zähne zusammengebissen hatte bisher, war er nicht einmal bis zum Ansatz seines Zieles fortgeschritten. Aber er wollte, er konnte nicht mehr auf seine Zustimmung warten, zumal es offensichtlich schien, dass er es ebenfalls anstrebte. Chase' undeutlicher Blick traf seinen, und er schwelgte in ihm, seinen stechend und doch milden hormonellen Ausschüttungen, nahm den Schweiß seiner Kehle auf, der in der Drosselgrube einen kleinen, glitzernden Stausee bildete.

„Ja."

Ausführlich und sanft erforschte er ihn, erhöhte leicht sein Becken, das genau die Bewegungen ausführte, die seine Leistenbänder akzentuierte, von deren bloßer Betrachtung er härter wurde. Begeistert und ein wenig zu stark übte er Druck auf den Damm aus, bereitete den Jungen vor und sah ihm ins Gesicht, bis sich die Züge nach einem heftigen, abgehackten Ausatmen lösten und Zufriedenheit verrieten. Vorsichtig drang er in ihn, atmete mit ihm und zwang ihm seinen ruhigen, bedachten Rhythmus auf. Traumhafte Sicherheit und das tiefe, tranceähnliche Eintauchen in seine Kostbarkeit und einer anderen Dimension senkten sich über ihn, und er schloss genießerisch die Augen, lauschte auf die sensationellen Laute, die er durch das Zwerchfell erspürte, bevor er sich abstützte, um tiefer zu gehen, ihn zu dem anzustiften, was der wundervolle Körper im Überfluss zu geben bereit war. Von jäher Ekstase ergriffen, schlängelte sich Chase über die Laken, fasste nach dem Bettüberwurf und knetete ihn in den unruhigen Fingern. Er kam ihm nach, holte ihn ohne Hast wieder zu sich, indem er sich seinen Schwingungen anpasste, derber, heftiger, was Chase vermutlich bezweckte, denn er forcierte buchstäblich abrupte Stöße, die House dennoch milderte, um ihm nicht wehzutun. Unerschütterlich und verwegen stritt der Australier um jeden Millimeter, der ihn ihm näher brachte, bewegte sich fahrig und fordernd. Alles, was er ohne bewusste Überlegung tat, erfüllte ihn mit einer zügellosen Lust.

Die kleinen, sich steigernden Geräusche in seiner pulsierenden Kehle schwollen zu einem Ächzen an, das in ein befriedigtes Lachen überging, dunkel, geheimnisvoll, anspornend, und er ließ sich nicht bitten, wollte ihm das zurückgeben, das Chase ihn seit ihrer Vereinigung fühlen ließ. In einem Maß, das er sich nie würde vorstellen können, riss Chase es an sich, erschauderte und versuchte ihn festzuhalten, glitt aber an seinen feuchten Oberarmen ab. Zu keiner Zeit war der Sex mit ihm eine einseitige Erfahrung. Vielleicht war das das Schönste daran. Bereitwillig gab er, aber ebenso bereitwillig, beinahe gierig und unersättlich nahm er.

„Komm", stöhnte House. „Komm her zu mir."

Nach wiederholter, intensiver Stimulierung begann er zu keuchen, warf sich hin und her und stöhnte dann auf. Es war ein exaltierter, wonnetrunkener und tiefer Laut, den er so noch nie von ihm gehört hatte und in den er von einem Freudentaumel erfasst mit einfiel, seine Schulterblätter packte und sie unwillkürlich zerkratzte, und er bog sich freudestrahlend, trieb ihn weiter in sich und stieß ein bizarres Geräusch zwischen hysterischem Lachen und einem Aufschluchzen aus. Sterne flimmerten vor seinen Augen, und er spürte Tränen der Glückseligkeit über seine Wangen laufen, als sie sich in einer Woge des höchsten Entzückens wieder fanden und er die vertraute Verflechtung von Chase' Fingern mit seinen wahrnahm, während herrlich fließende, glühende Ströme seinen Unterleib durchfluteten.

Den Schlussakt erlebte er in einem stürmischen, orgiastischen Rausch, als Chase sich ihm drängend entgegen wölbte und er in ihm unterging, die jetzt im resoluten Wechsel hart und weich werdenden Muskeln verspürte, wie sie ihn sehnsüchtig und intuitiv dorthin dirigierten, wo es für sie beide kein Halten mehr gab.

Er öffnete die Augen und sah keinen Schmerz mehr in Chase' flackerndem Blick. Sein Mund verzog sich zu einem überirdischen Lächeln, als er schließlich die ohnehin sachte Drehung seiner Hüften traumhaft verlangsamte, um ihre Gefühle zu vertiefen, und er griff dankbar in sein Haar, presste den Mund auf die Stelle unter dem Brustbein und atmete in den kaum auffälligen, schweißbedeckten Hohlraum, der sich im Liegen wunderbar ausprägte. Chase zuckte, wich seitwärts aus, fand ihn wieder und klammerte sich mit Armen und Beinen an ihn, während House einen Schrei an seinem Schlüsselbein erstickte, als er mit einer Macht kam, die nach dem eher kriegerisch gestalteten intimen Spiel eine Leichtigkeit und Erlösung in ihm freisetzte, für die sich der Kampf gelohnt hatte.

Erschöpft und glücklich schob er sich von ihm herunter. Chase rutschte zu ihm, um seine Glieder mit seinen zu verschlingen.

Nachts und auch nach dem Sex verlangte er nicht selten auf beinahe fanatische Weise Körperkontakt, und er ließ ihn auf seinem Oberarm ruhen, spielte mit seinem glatten, schweren Haar, das im herein scheinenden Mondlicht wie silbriges Gold schimmerte. Er war nass von seinem Samen zwischen den Schenkeln, die gebräunte junge Haut überall feucht und blühend und schön und sein fester Po der eines Cherubs aus feinstem Porzellan. Seine übermütig glänzenden Augen erinnerten ihn an das tiefe und dennoch klare Smaragdgrün einer karibischen Lagune. Durchdrungen von Endorphinen flüsterte er ihm seine Gedanken ins Ohr, und Chase lachte leise und ein wenig geschmeichelt, drückte den Kopf in seine Achselhöhle.

„Sie sollten Gedichte schreiben", sagte er. House zupfte an seinem Haar, koste die Rundung der noch heißen, von Schweißperlen bedeckten Schulter und küsste ihn kurz auf die Nasenspitze.

„Die verschlossene Schublade ist voll davon, seit Sie meine Muse sind. Auf dem Sterbebett verrate ich Ihnen, wo der Schlüssel dazu steckt."

„Reden Sie nicht so", bat er und schlang das Bein fester um seine Hüften, während er sich an ihn schmiegte. „Das macht mir Angst."

„Das braucht es nicht. So schnell werden Sie mich nicht los. Ich bin vielleicht alt, aber ein verdammt zäher Knochen."

„Sie sind nicht alt", widersprach er heftig an seiner Schulter, wobei sein süßer, breiter Mund so sachte über ihn fuhr, dass er Chase impulsiv am Nacken erwischte und ihm den Kopf zurück bog. Aus halbgeschlossenen Augen lächelte er ihn an und wirkte nicht im Geringsten irritiert. „Ich glaube, was Sie mit mir tun, würde ich nie… nie fertig bringen."

„Deshalb ergänzen wir uns", seufzte er zufrieden und ließ sich ins Kissen sinken.

Das Zimmer duftete nach Wald, Moos und Kastanien. Wenn er die Augen schloss, fehlte nur noch das Zwitschern der Nachtigall, um die Illusion eines Bettes aus Gras und Bodenflechte in freier, unberührter Natur komplett zu machen. Und irgendwann würde aus dem Schrank Bilbo Beutlin heraus kriechen, um ihnen ihre Aufwartung zu machen.