Hallo,

obwohl ich schon seid Jahren FFs verschiedener Genres lese, ist dies meine erste eigene Geschichte.

Über Rückmeldung jeder Art würde ich mich sehr freuen.

DISCLAIMER: Außer meiner alternativen Storyline und meinem OC gehört Alles dem bewundernswerten J. R. R. Tolkien. Ich schreibe nur zu meinem Privatvergnügen und verdiene kein Geld damit.

Und jetzt, viel Spaß beim Lesen!

KAPITEL 9

Danach folgte sie den beiden Weisen in Elronds Räumlichkeiten.

Dort angekommen, blieb Anar mit gesenktem Blick neben Gandalf stehen, während Elrond seine Rüstung ablegte und einer vorbeikommende Elbin etwas zuflüsterte.

Dann begann er auf elbisch zu sprechen. Erst als er Anar fragend ansah begriff diese, dass er mit ihr gesprochen hatte.

„Entschuldigt bitte, mein Lord Elrond. Meine Elbischkenntnisse beschränken sich leider auf die Begrüßung und die Verabschiedung. Wärt Ihr so freundlich, Eure Frage zu wiederholen?"

Elrond zog eine Augenbraue hoch, zuckte aber dann mit den Schultern und sagte erneut: „Gandalf hat vorhin angedeutet, dass wir einiges zu besprechen hätten. Worum genau geht es?"

Anar sah sich zunächst sehr genau in den Räumlichkeiten um und sah zum Balkon hinaus.

„Hier scheint es sehr offen zu sein. Ich vertraue grundsätzlich Eurem Volk. Aber wenn Ihr etwas Äußerst wichtiges zu besprechen hättet, etwas das das Schicksal Mittelerdes verändern könnte. Würdet ihr es hier tun?"

Gandalfs linke und Elronds rechte Augenbraue verschwanden im jeweiligen Haaransatz ihres Besitzers.

„Bitte, Olorin, das was ich Euch zu sagen habe, ist äußerst brisant. Wenn es nach mir ginge, würden neben den hier Anwesenden nur noch die Lady Galadriel und …" sie atmete tief durch, „Saruman eingeweiht werden, wenn sie in ein paar Tagen hier eintreffen."

Hatte sie Gandalf durch ihre bisherigen Aussagen erstaunt, wirkte er bei der Erwähnung seines Namens beinahe erschrocken. Auch ihr Zögern, Saruman einzuweihen, blieb ihm nicht verborgen.

Elrond und Gandalf blickten sich lange an.

Dann nickten sie und führten Anar in einen geschlossenen Raum. Dann war es für Anar so weit. Jetzt würde sie ihre Karten auf den Tisch legen.

~~oo°O°oo~~

In den vergangenen drei Stunden hatte Anar den Beiden viel Stoff zum Nachdenken gegeben.

Sie beschlossen, sich den Zwergen zum Abendessen anzuschließen und sich am nächsten Tag noch einmal zusammen zu setzen, wenn sie alle die Gelegenheit hatten, über die Informationen zu schlafen.

In der Tat wirkten Gandalf und Elrond mit ihren Gedanken woanders, während Anar das Zusammensein mit der Gemeinschaft sehr genoss. Sie hatte sich an ihre Anwesenheit gewöhnt und sie wollte so viel Zeit wie möglich mit Bilbo verbringen, bevor es ans Abschiednehmen ging. Ein Blick in den Abendhimmel bestätigte ihr, dass ihr bis zur Mittsommernacht nur noch etwas weniger als zwei Wochen blieben.

Dann würde Elrond die Mondrunen lesen können und die Zwerge würden sich in der Nacht, in der sich der Weiße Rat traf, davonschleichen.

Ja, sie würde die Zeit, die ihr noch blieb in vollen Zügen genießen.

Zunächst jedoch in Form des warmen Bades, das die Elben ihr in ihrem Schlafgemach vorbereitet hatte und anschließend in ihrem weichen Bett.

Nach ihrem Bad war sie in das weiche Nachtgewand geschlüpft, das ihr zur Verfügung gestellt worden war, während ihre eigene Kleidung gewaschen wurde.

Am nächsten Morgen fand sie neben ihrem eigenen Kleid ein weiteres vor, das im Stil der Elben geschnitten war, jedoch aus so fließendem lindgrünen Stoff bestand, dass Anar es einfach probieren musste.

Es war einfach nur wundervoll. Der Stoff war so leicht, dass er auf ihrer empfindlichen Haut wundervoll zu tragen war und umschmeichelte ihr Figur. Nur auf die langen Ärmel hatte man verzichtet, um ihren Armen nicht das zusätzliche und unnötige Gewicht zuzumuten.

Anar fühlte sich großartig. Sie war sauber und hatte keine Schmerzen.

‚Ein Haus mit heilender Wirkung,' dachte sie bei sich, als sie nur einen schmalen Streifen des dünnen Stoffes über ihren Augen befestigte und ihre roten Locken ansonsten ungehindert über ihren Rücken wallen ließ.

Sie tänzelte beinahe zu dem Balkon, auf dem die Zwerge ihr Frühstück einnehmen würden.

„Du strahlst ja heute so," wurde sie von freundlich von Bilbo begrüßt.

„Das würdest Du auch, wenn Du an meiner Stelle wärst. Ich habe heute den ersten Tag seit über zwei Jahren keine Schmerzen. Es ist einfach wundervoll!" strahlte sie, während sie über den Tisch griff und sich eine besonders toll aussehende unbekannte Frucht griff.

Einige der Zwerge schnappten bei ihrer Aussage nach Luft, andere reagierten lautstärker, was sie wiederum schmerzerfüllt zusammenzucken ließ.

„Mir war nicht bewusst, dass es so schlimm ist," entgegnete Bilbo geknickt.

„Mach Dir keine Gedanken. Weder ist es Deine Schuld, noch könntest Du irgendetwas dagegen tun, selbst wenn Du wolltest," redete Anar ihm gut zu.

„Was ist denn nur los mit Dir, mein Kind?" fragte Balin mitleidig.

Ein Blick in die Runde ließ Anar tief einatmen und ein Teil ihres Geheimnisses enthüllen.

„Als ich erfuhr, dass ich erblinden würde, ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Ich konnte mir nicht vorstellen, ohne mein Augenlicht existieren zu können, also suchte ich einen Heiler auf, der mir Besserung versprach. Nach der Heilung wurde es auch besser. Und besser. Und besser. Und noch viel besser. Alle meine Sinne sind so sehr geschärft, dass es einfach zu viel ist. Ich höre alles; jedes Geräusch im Umkreis eines Marsches von mehreren Stunden. Ich rieche alles; ich weiß, was es heute zum Mittagsmahl geben wird und wo der Abort ist, ohne danach fragen zu müssen. Ich schmecke jedes einzelne Gewürz aus allen Speisen, die ich zu mir nehme. Ich spüre den Windstoß, den eine Biene beim Fliegen erzeugt, auf meiner Haut. Und ich sehe… alles. Allein die Helligkeit des Tages ist für mich beinahe unerträglich. Deshalb hat Gandalf, als er von meinem Zustand erfuhr, darauf bestanden, mich dem besten Heiler Mittelerdes vorzustellen."

Nach dieser Aussage erhielt sie von allen Zwergen mitleidige aber auch verständnisvolle Blicke. Kili und Fili begannen miteinander zu tuscheln, Balin nickte verstehend und Thorin murmelte: „So ist das also."

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Die nächsten Tage vergingen wie im Fluge.

Anar traf sich hin und wieder mit Elrond und Gandalf, um ihre Gedanken auszutauschen, aber sie hatten beschlossen auf die Ankunft Galadriels und Sarumans zu warten, bevor sie irgendwelche Entscheidungen treffen würden.

Elrond konnte nichts gegen ihre geschärften Sinne unternehmen, denn die Änderungen waren in Ihrer DNA vorgenommen worden und bis dahin konnte die elbische Magie nicht vordringen. Jedoch zeigte er ihr einige Meditationstechniken, die die Auswirkungen ihrer Sinnesschärfe abmildern konnten.

So erleichtert verbrachte sie ihre Tage mit Bilbo; mal schlenderten sie zusammen durch die kunstvoll angelegten Gärten, mal durchstöberten sie Elronds umfangreiche Bibliothek, dann sahen sie den Zwergen bei ihrem Waffentraining zu.

Die Abende verbachten die beiden mit den Zwergen und Anar taute in ihrer Gegenwart immer mehr auf.

Nachdem ihr nun die größte Last von ihren Schultern genommen war, konnte sie es sich leisten, in ihrer Reserviertheit ein wenig nachzugeben. Mit jeder gemeinsam verbrachten Stunde gewöhnten sich die Zwerge mehr an sie und Anar sich an die Gemeinschaft.

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Dann kam die Mittsommernacht.

Thorin war mit Balin und Bilbo zu Elrond gegangen, um die Karte zu entziffern, während Anar mit den anderen Zwergen die Sommersonnenwende feierte. Nach einem üppigen Mahl, bei dem nach einem Gespräch zwischen Anar und Elrond sogar Fleisch serviert worden war, wurde viel gelacht, gesungen und getanzt. Zu Beginn hatte Anar nur am Rand sitzend mitgesungen und mit den Füßen im Takt getappt. Dann hatte sie sich aber von der Stimmung mitreißen lassen und machte nun mit Kili, Fili und Bofur die Tanzfläche unsicher.

Als Thorin, Balin und Bilbo von der Besprechung wieder zurückkehrten, fiel dies den anderen zunächst nicht einmal auf. Erst als sich Anar Bilbo schnappte und mit ihm über die Tanzfläche wirbelte.

Wie sehr sich Anar Verhalten geändert hatte, wurde den Zwergen erst richtig bewusst, als Gandalf Anar zu sich winkte und ankündigte: „Es ist so weit!"

Binnen eines Atemzuges verschwand das Lachen aus ihrem Gesicht, ihre lockere Haltung verließ ihren Körper, der sich völlig anspannte. Dann nickte sie ihm mit ernstem Gesicht zu und drehte sich noch einmal zu den Zwergen um.

Sie verbeugte sich steif vor Thorin und der Gemeinschaft und sagte ernst: „So entscheidet es sich nun. Ich verabschiede mich."

Dann knickste sie ein letztes Mal und folgte Gandalf zum Treffen des Weißen Rates.