Dann fang ich auch mal mit Kapitel 10 an c:
Falls ihr immer noch die Fanfiction lesen solltet, sind meine Co.-Autorin und ich euch wirklich sehr dankbar!
Ich hoffe wie jedes Mal, dass es euch gefällt. Falls nicht, Kritik ist erwünscht :3

Warnung:Das Kapitel ist ein bisschen brutaler als die vorherigen.


Blut.

Es war überall im Raum verteilt. Lestrade sah zu Sherlock, welcher sich in dem Raum umblickte und schließlich über eine der drei Leichen hockte. „Diesmal sind es sogar drei. Werden es jetzt jedes Mal eine mehr?" „Das ist das vierte Mal, dass Sie zu einem Tatort dieser Mordserie gerufen worden sind. Wenn er sich wirklich jedes Mal eine Person mehr nehmen würde, dann hätte es beim zweiten Mord auch schon jemand zweites gegeben, nicht wahr?", sagte der junge Detektiv ohne von dem fast komplett ausgebluteten Körper aufzuschauen.

Weiblich. 24 Jahre alt. Natürliche Haarfarbe, unauffällige Kleidung. Kontaktlinsen statt einer Brille. Offenbar Studentin.

Sherlock wandte sich zu Lestrade. „Haben Sie diesmal Ausweise gefunden oder sind sie wieder mitgenommen worden?" „Keine Geldbörsen, keine Handys. Ihre Taschen waren leer. Hast du eine Vermutung, wieso es jetzt drei Opfer sind?" Der junge Mann sah wieder zu den Leichen und untersuchte sie kurz. „Wie beim letzten Mal, ist es nur ein Opfer, das das wirkliche Ziel war. Die Wunden unterscheiden sich wieder." Sherlock deutete auf die große Wunde in der rechten Brust. „Diese hier ist sauber zugetragen worden, er hat sich Mühe gegeben, dass sie nicht schnell gestorben ist – er hat das Messer etwas länger stecken lassen, um sie nicht so schnell ausbluten zu lassen. Wie eine Art Korken in der Flasche. Die anderen beiden wurden nahezu schlampig getötet." Kurz schwieg er, ehe er murmelte: „Als wäre er von ihnen angeekelt gewesen und wollte sie so schnell wie möglich loswerden." Kurz blickte er zu der männlichen Leiche. „Bei ihm ist noch etwas anderes."

Lestrade musterte die Körper und seufzte kurz. „Gibt es auffällige Unterschiede bei den Leichen? Irgendwas, was man verwenden kann?" „Die eigentlichen Hauptopfer waren bis jetzt immer weiblich und vom Alter her geschätzt höchstens 25 Jahre alt. Ich denke, dass sie wahrscheinlich alle Studentinnen waren. Vielleicht sollten Sie mal nachschauen, ob momentan welche vermisst werden. Die Mordserie dauert zwar gerade Mal fünf Tage an, aber wenn er so weitermacht, werden es noch mehr werden. Wie und weshalb er sich diese Mädchen aussucht kann ich noch nicht sagen. Ich muss wissen, wer sie waren und was sie gemeinsam hatten." Danach schloss Sherlock die Augen und begann die Tat vor seinem inneren Augen zu rekonstruieren. Lestrade wusste, dass der junge Mann jetzt nicht mehr ansprechbar war und verließ den Raum.

Der Detektiv atmete tief durch und konnte erkennen, wie sich alles nach und nach zurückspulte. Das Blut floss zurück in die Körper, ihre Hautfarbe wurde etwas lebendiger und alle drei Opfer saßen auf dem Boden. Sie unterhielten sich. Worüber, wusste Sherlock nicht. Ein Geräusch ließ sie zusammenzucken und leicht erzittern.

Er entführt seine Opfer. Sie wissen, dass etwas mit ihnen geschehen wird.

Sein Blick wanderte durch den Raum und blieb auf einer dunklen Holztür hängen. Diese öffnete sich mit leisem Quietschen und der immer noch schemenhafte Täter trat hinein. Größe und Gewicht aus den Abwehrverletzungen der Opfer und offenbar schlampig verwischten Fußspuren zu deduzieren waren kein Problem gewesen und so konnte Sherlock den Mann etwas anpassen. Der Mann ohne Gesicht bewegte sich auf die drei zu, sprach etwas, was sie verstummen ließ und zog eine junge Frau am Kragen zu sich hoch.

Sie war nicht das gewollte Opfer und so war ihr Tod qualvoll und schnell hinter sich gebracht. Er rammte ihr die lange Klinge in die Brust und zog sie so schnell wie sie drin war auch wieder raus. Ein Schrei entglitt ihr. Der Täter ließ den Kragen los und stieß die junge Frau weg, sodass sie nach hinten fiel. Mit blutverschmierten Händen fasste sie panisch an die Wand neben sich, in der Hoffnung etwas zu finden, das ihr Halt geben konnte, sodass sie fähig war sich wieder aufzusetzen. Als der Blutverlust zu hoch war, sank sie reglos in sich zusammen.

Unbeeindruckt von dem Geschehen schritt der Täter zum nächsten Opfer, diesmal war es ein Mann Anfang 30. Auch ihn zog er zu sich hoch, jedoch blickte er ihn für einige Zeit stumm an. Das Opfer wollte etwas sagen, aber der Täter stieß in diesem Moment mit dem Messer zu.

Warum ließ er ihn nicht sprechen?

Sherlock öffnete die Augen und sah die männliche Leiche an. Der Mund war geöffnet, die Augen genau auf die Tür gerichtet, durch welche der Täter in den Raum gelangt war. „Was wollten Sie ihm sagen?", murmelte der junge Mann und schloss die Augen wieder.

Das Bild war stehen geblieben, startete jedoch wieder bei der letzten Szene. Diesmal reagierte das Opfer und hielt die Hand seines Mörders fest, welcher gerade die Klinge wieder herausziehen wollte. Den Wortwechsel konnte Sherlock nur vermuten, jedoch gab es wahrscheinlich nicht viel, was gesagt worden war. Ein gezischtes „Lass los" der unbekannten Stimme des Täters schien nicht sehr abwegig zu sein. Aufgrund der Tatsache, dass sein Opfer nicht losließ, übte er noch mehr Druck auf Wunde und Tatwaffe aus und der Mann sank auf die Knie. Fast schon hektisch riss der Mörder die Klinge aus dessen Brust. Das Opfer drückte seine Hand auf die stark blutende Wunde und versuchte sich wieder aufzurichten.

Offenbar stark gereizt trat der Täter dem Mann gegen die Brust, welcher nach Luft schnappte, auf den Boden aufschlug und sich japsend zusammenkauerte. Die junge Frau, welche das alles ansehen musste, saß zitternd und schluchzend an der Wand und blickte den Mörder flehend an. Nicht davon beeinflusst zog dieser den Mann wieder hoch und drückte ihn gegen die Wand. Schweigend beobachtete er, wie langsam seine Kraft und somit auch sein Leben aus ihm schwand. Als er schließlich zu atmen aufhörte und in sich zusammensank, ließ er ihn los und der Leichnam viel schwer zu Boden.

Kein Wunder, dass der Raum voller Blut ist..

Der Mann wandte sich zu der jungen Frau, welche als einziges wirkliches Opfer galt. Schluchzend kauerte sie an der Wand. „Bitte.. Egal was Sie wollen.. Ich.. Ich werde es sicher organisieren. Nur lassen.. lassen Sie mich am leben!" Das Schluchzen wurde zu einem Heulen und der Mann grinste. Es gefiel ihm, wie sehr sie ihre Angst zeigte. Mit der Blutverschmierten Klinge in der Hand stand er vor ihr und zog sie wie die anderen beiden Opfer am Kragen zu sich hoch. Lange beobachtete er jede Regung, jede Träne, die sich ihren Weg über ihr Gesicht bahnte.

Er flüsterte ihr zu und blickte in ihre Augen. Starr vor Angst sah sie ihn an – unfähig etwas zu antworten. Langsam hob er die Hand mit der Klinge an und setzte die Spitze an ihre Brust. Sein Gesichtsausdruck zeigte, dass er es genießen würde und drückte langsam zu. Der immer stärker werdende Druck auf die Klinge ließ die junge Frau wimmern und schließlich schreien, als das Messer in ihr Fleisch drang. Trotz, dass sie sich heftig wehrte, vollführte der Mann seine Tat mit größter Präzision und Geduld. Mit seiner anderen Hand drückte er sie gegen die Wand, sodass sie unfähig war sich weiter zu wehren.

Was ist an ihr so besonders? Wieso lässt er sich bei ihr so viel Zeit?

Sherlock „beobachtete" das weitere Geschehen. Der Täter ließ die Klinge immer weiter in sie eindringen, bis sie schließlich fast ganz in ihr verschwunden war. Die Schreie waren verstummt – reglos vor Schmerz und Schock starrte sie ihn an. Das Blut lief aus ihrem Mundwinkel und der Mann ließ mit der anderen Hand an Druck nach. Ihre Knie wurden schwach und die junge Frau sank langsam zu Boden. Der Mann blieb immer auf Augenhöhe, hockte sich vor sie, als sie den Boden berührte und gegen der Wand lehnte. Wieder sagte er etwas, jedoch war Sherlock nicht in der Lage herauszufinden, was es gewesen sein könnte.

Ein letztes Mal sah er in ihre Augen, ehe er in kleinen, aber regelmäßigen Abständen die Klinge aus ihr herauszog. Das Blut floss unaufhörlich und ihr Gesicht wurde bleicher und bleicher. Der Mann beobachtete ihren Brustkorb, welcher sich immer langsamer anhob und wieder senkte. Wenige Sekunden später stoppte diese Bewegung und ihr Herz hatte aufgehört zu schlagen. Der Mann strich der jungen Frau eine Strähne aus dem Gesicht und verließ den Raum.

Sherlock öffnete seine Augen wieder. Alle drei Leichen lagen auf dem Boden – reglos, die Münder zu einem stummen Schrei oder letzten Atemzug geöffnet, die Augen vor Schock und Ungläubigkeit aufgerissen. Der junge Detektiv war einiges gewohnt, doch jedes Mal, wenn er einen Mord rekonstruiert hatte, fühlte er sich als wäre er der Mörder gewesen. Das Zuschauen und nicht handeln können war eine andere Situation als Leichen in der Pathologie zu begutachten und analysieren.

Kurz räusperte er sich und rief Lestrade wieder in den Raum. „Sie können wieder reinkommen.." Der Detective Inspector trat in das Zimmer und blickte Sherlock an. Er war kreidebleich und wirkte erschöpft. Immerhin hatte er einen langen Tag hinter sich. Diese Tatsache widerwillig ignorierend sah Lestrade zu den Leichen. „Und, was hast du herausgefunden?" „Der Mörder hat seine Opfer hierhergebracht. Sie wussten, dass etwas geschehen würde. Er ließ sie hier warten und tötete sie auch hier. Keine Anzeichen auf einen Raumwechsel oder dergleichen. Diese Frau dort.." Er deutete auf die junge Frau neben der Kommode. „Wurde als erste getötet. Es ging am schnellsten bei ihr. Der Mann war das zweite Opfer. Der Täter wollte es genauso schnell hinter sich bringen, jedoch lässt sich aus der Wunde und einigen anderen Indizien schließen, dass es länger gedauert hat."

Lestrade sah Sherlock kurz verwirrt an, als dieser zur männlichen Leiche blickte und eine Zeit lang schwieg. „Sherlock? Wieso hat es länger gedauert?" Der junge Mann fasste sich wieder. „Tut mir leid, kurz neben der Spur.. Er hat sich gegen den Täter gewehrt. Er wusste, dass er sterben würde, jedoch wollte er seinem Mörder nicht den Triumph lassen, so schnell über ihn gesiegt zu haben. Typisches Dominanzverhalten, wenn Sie mich fragen." Dass Sherlock allerdings noch andere Gründe im Verdacht hatte, ließ er aus. „Die Frau dort war das eigentliche Ziel. Sie war als einzige bestimmt hier zu sterben." „Und schon eine Idee, wieso es bis jetzt immer Frauen waren?" „Es kann sein, dass sich sein Beuteschema noch etwas verändern wird. Wenn ich alle Identitäten der bisherigen Hauptopfer habe, kann ich Ihnen mehr dazu sagen."

Der Blick des jungen Detektivs wurde wieder ausdruckslos und er blickte auf die Leichen hinab.

Was unterscheidet euch so sehr voneinander? Wieso seid ihr anderen nicht so getötet worden, wie die vier Frauen?

Das Fluchen Lestrades riss Sherlock wieder aus seinen Gedanken. „Was ist los?" „Die verdammte Presse ist bereits hier. Wie haben die das wieder so schnell mitbekommen?" Der junge Mann sah kurz zu Lestrade. „Das ist nicht mein Problem." Kurz sah er zu den Leichen am Boden. ,,Mehr werde ich heute auch nicht mehr herausfinden. Ich nehme den Hinterausgang." Mit diesen Worten verschwand der Detektiv aus dem Gebäude und in Richtung Baker Street.