Die Stille die in den Kerkern stetig herrschte wurde nur vom fallen einzelner Wassertropfen unterbrochen. Elendil schlief auf dem Stroh in seiner Zelle. Im schlaf ging er noch einmal genau durch was er geplant hatte und warum seine Gefährten mit ihm gekommen waren. Elendil hatte beschlossen den Süden der Welt zu verlassen und nach Arnor zu gehen um dort gegen die Übel vor zu gehen unter denen die Völker dort litten. Seine Gefährten, Amandil, Beleg und Sirinde, hatten sich aus freien Stücken ihm angeschlossen und nun schien ihre Fahrt in diesen dunklen Löchern zu Ende.

Es mussten bereits mehrere Tage vergangen sein. Tage voller Ungewissheit aber auch welche in denen die Wachen gekommen waren nur um sie zu verspotten. Doch dies war nicht anders zu gewesen, da die vier die ersten Südländer waren, die man seit hundert Jahren lebend gefangen genommen hatten.

Jedenfalls war sich Elendil sicher das jemand, leise seinen gerufen hatte. Als er sich aufrichtete sah er am Gitter seiner Zellen Tür jemanden stehen doch wegen dem schwachen Licht konnte er nichts Genaues erkennen. Doch schien es als wenn die gestallt ihn zu sich wies. War das nur ein Trick um ihn am ende ein weiteres Mal zu verhöhnen? Er wusste es nicht, doch Elendil stand auf und ging zum Gitter. Kaum war er dort wurde es, zu seiner völligen Verblüffung geöffnet und ein Mann in einen Mantel gehüllt trat herein. Auf sein Nicken verließ der Kerkermeister den Gang.

Als der Beorninger fort war nahm die Gestallt die Kapuze ab und Elendil erkannte Atanamir der einstiegen Truchsess des Südens. Atanamir war ein Mann von hohem Wuchs wie alle Menschen des Südens. Er hatte dazu graues Haar das ihm bis zu den Schultern reichte und fast so grau war wie seine Augen, hinzu kam das er Bartlos war. Elendil hatte den Freund seines Vaters seit vielen Jahren nicht mehr gesehen. Seit der Beisetzung Earendurs nicht mehr.

„Es tut gut dich lebend zu sehen Elendil. Es gibt Gerüchte die behaupten du seiest in den Totensümpfen umgekommen." Atanamir lächelte gütig, nahm Elendil am Oberarm und ging mit ihm weiter in die Zelle hinein wo sich Elendil auf das Stroh setzte.

„Auch ich freue mich euch wieder zusehen Truchsess. Verzeiht das ich nicht in wenn ich euch nur wenig Widersehensfreude entgegen bringe aber die Beorninger halten mich und meine Gefährten hier gefangen." Elendil klang nicht zornig oder verbittert, eher resigniert. Seine Situation war aussichtslos und er wusste nicht wer ihm und den drei anderen Helfen konnte. Atanamir würde es sicherlich nicht können. Auch wenn er nicht wirklich verzweifelt war, viel ihm kein Weg ein wie sie sich befreien konnten.

Atanamir zuckte kurz zusammen als Elendil ihn mit Truchsess ansprach. Er war schon seit geraumer Zeit kein Truchsess mehr. Doch betrachtete er sich den jungen Mann genau. Lange Zeit hatte auch er Elendil nicht mehr gesehen und konnte kaum glauben, dass dieser Wildaussehende Waldläufer wirklich Turambars Sohn war. Doch er war es, auch ohne Barahirs Ring hätte Atanamir, Elendil wieder erkannt. Es lag einfach an der Ähnlichkeit zu seinem Vater.

„Ich bin schon seit geraumer Zeit kein Truchsess mehr. Aber sag mir was tust du hier im Norden und wie geht es deinem Vater?" Hatte Turambar seinen eigen Sohn auf die gefahrvolle Reise nach Norden entsandt, nur mit vier Begleitern? Das konnte Atanamir sich beim besten Willen nicht vorstellen. Er kannte Turamabar und wusste dass er seinem Sohn mehr Männer, niemals eine Frau aus Rhun und bessere Ausrüstung mit gegeben hätte.

„Vater ist tot. Meneildirs Meuchelmörder haben ihn und meine Familie Heimgesucht. Gleich nach dem Bürgerkrieg. Mich hätten sie ihn Osgiliath auch fast ermordet. Doch habe ich auf den Rat von Amandil und Beleg zu hören." Nach dem Elendil dies gesagt hatte, starrte Atanamir ihn fassungslos an. Anschließend schluckte er hart. Die Nachricht vom Tot seines alten Freundes versetzte Atanamir einen harten schlag. Dann forderte er Elendil auf ihm alles zu berichten was sich ereignet hatte, seit dem Elendil Dol Amroth verlassen hatte. Und dieser Berichtete von seiner Wanderung nach Osgiliath, die ohne größere Schwierigkeiten verlaufen war, den Begegnungen in Osgiliath, der Wanderung durch Ithilien und den Totensümpfe, dem Anschluss Sirindes an die Gruppe und ihrer Gefangennahme in der Emyn Muil durch Ithils Soldaten. Als Elendil an dem Punkt kam wo Silmarien ins Geschehen trat war Atanmir erst verwundert. Doch als Elendil geendet hatte, lächelte er.

„Du weißt nicht wen du da vor einer Schändung bewahrt hast. Nicht war?" Als er das sagte lächelte er. Es war ein lächeln das Elendil nicht deuten konnte. Etwas wusste der ehemalige Truchsess, was Elendil nicht wusste. Und es gefiel Elendil nicht etwas nicht zu wissen. Besonders nicht wenn die Wahrheit über etwas oder jemanden so nah bei ihm gewesen war.

„Sie hat uns ihren Namen genannt und gebeten sie bis in diesen Wald zu begleiten. Doch hat sie uns, kurz nach dem wir den Grünwald erreicht hatten, verlassen. Ihr scheint mehr über Silmarien zu wissen als ich. Wer ist sie?" Atanamir grinste den jüngeren Mann an. Es war nun ein belustigtes grinsen was die Lippen des ehemaligen Truchsessen, obwohl dieser erst vor wenigen Momenten erfahren musste das sein Jugendfreund tot war.

„Nun Silmarien, hatte ihre gründe euch im Unklaren über ihre Herkunft zulassen, da sie nicht zu wissen schien ob sie euch vertrauen konnte. Doch werde ich ihr sagen das ihr Misstrauen dir gegen über unbegründet war. Sie ist nämlich das jüngste Kind von Halmir, König der Beoninger und des Herrscher des Grünwaldes." Elendil öffnete ungläubig den Mund. Silmarien war eine Prinzessin? Doch im selbem Moment hätte er am liebsten laut auf gelacht. Da hatte Silmarien sie aber schön genarrt.

„Nun Elendil sei so gut und kläre mich über den Zweck deines Unternehmens auf und ich werde versuchen dir und deinen drei Begleitern zu helfen." Elendil nickte und erklärte seine Absicht nach Arnor zu gehen und das er sich für die route über den Hohen Pass entschieden hatte. Atanamir sah ihn darauf hin durch dringend an und sagte ihm das was Silmarien Elendil auch gesagt hatte. Die Nördlichen Pässe sind alle gesperrt waren und das es Wahnsinn war sich jetzt im Hebst dort hinauf zu wagen.

„Aber es gibt keinen anderen Weg nach Arnor den du und deine Begleiter gibt wenn dein Bericht der Wahrheit entspricht. Ich werde jetzt gehen und tun was ich kann." Dieses Versprechen erleichterte Elendil sein Schicksal etwas.

Nach dem alles gesagt war verließ Atanamir die Zelle wieder. Denn Wort wechseln zwischen ihm und dem Kerkermeister verstand Elendil nicht, sondern versuchte weiter zu schlafen was sich allerdings als schwer erwies nach all dem was er erfahren hatte. Das Silmarien eine Prinzessin war, viel ihm schwer zu glauben doch wusste er das Atanamir keinen Grund hatte ihn zu täuschen. Irgendwann schlief er ein.

Die darauf folgenden Tage und Nächte geschah nichts und Elendil fragte sich ob er zu viel vertrauen in den ehemaligen Truchsessen gesetzt hatte, nur um nun festzustellen das er sich in Atanamir geirrt hatte. Doch nach dem geschätzte vier Nächte vergangen waren wurde Elendil von einer Wache aus der Zelle gezogen und mit geschleift. Handfesseln wurden ihm keine angelegt. Wie er feststellte wurden auch seine Gefährten aus ihren Zellen geholt. Wieder gingen sie den Gang hinauf bis in die Eingangshalle doch diesmal wurden sie in die große Haupthalle geführt. Sie schien wohl teils Natürlichenursprungs zu sein teils, aber auch in den Fels hinein gehauen zu sein.

In der Halle waren nun viele Beorninger versammelt und am anderen Ende der Halle, saßen auf erhöhten Sitzen, König Halmir und seine Gemahlin. Rechts vom König saßen seine Söhne, von denen Elendil einen als den Anführer der Gruppe Beorninger erkannte die ihn und seine drei Begleiter Gefangen genommen hatten. Seinen Bruder kannte Elendil nicht doch galt seine Aufmerksamkeit, Silmarien die links neben ihrer Mutter saß und wie ein jüngeres Abbild dieser Wirkte. König Halimr in des war ein großer stark gebauter Mann und sah mit mehr als misstrauischem Blick auf die Gruppe herab die vor ihm stand.

Elendil machte vor dem König der Beorninger eine angemessene Verbeugung. Seine Begleiter taten es ihm nach. Nun erhob der Beorninger die Stimme.

„Nun, wie ich höre soll der Sohn eines Fürsten aus dem Süden hier sein. Wer von euch es auch ist möge nun vor treten und sein eindringen in mein Reich erklären." Ein raunen ging durch den Saal. Niemand der versammelten konnte sich vorstellen dass unter diesen zerlumpten Wanderern der Sohn eines Fürsten sein sollte. Doch noch größer war es als Elendil vortrat und bis zur Stufe des Thrones ging, sich abermals verbeugte und Barahirs Ring, den er seit mehreren Monaten nicht abgenommen hatte, absteckte und ihm den König überreichte damit dieser ihn sich genauer betrachten konnte.

„Ich bin Elendil, Turambars Sohn welcher der Fürst von Dol Amroth war ehe er und meine Mutter von den Meuchelmördern unserer Verwandten auf dem Thron des Westreiches heimgesucht wurden. Dieser Ring den ihr nun in den Händen haltet ist der Beweis. Als Nienor, die Urenkelin des Königs Elessar I, mit dem Fürsten Galdor von Dol Amroth vermählt wurde ging dieser Ring, der lange ein Erbstück der Stammesoberhäupter der Dunedain war, in den Besitz meiner Familie über." Während Elendil sprach schien er zu wachsen und er sprach mit einem ernst der eine Gewisse Autorität in sich hatte. Nie hatte er so mit seinen Gefährten gesprochen, doch klang er auch nicht befehlshaberisch. Er sah zum König hinauf. Halmir sah sich den Ring genau an und reichte ihm seiner Gemahlin. Diese, nach dem sie den Ring selber gedreht und gewendet hatte nickte langsam. Dann reichte sie den Ring wieder ihrem Gehmahl der ihn Elendil zu warf. Dieser Fing den Ring auf und steckte ihn sich wieder an den Ringfinger seiner rechten Hand.

„Schau an, nun sind die Könige des Südens bereits so tief gesunken das sie sogar beginnen ihre eigenen Verwandten zu Meucheln, dann hätte es keinen Sinn, für euch Lösegeld zu verlangen denn ihr habt gewiss weder Meneldir oder Elessar, treue geschworen." Nach diesen Worten sah Halmir, Elendil scharf an, doch dieser hielt dem Blick mühelos stand. Der König wandte sich an seine Söhne und da erfuhren die vier Gefährten dass der Bär, der sie angegriffen hatte, niemand geringeres als Hurin, der jüngere der beiden Prinzen gewesen war. So stimmten die Legenden und Gerüchte also das die Nachfahren von Beorn, dem ersten Oberhaupt der Beorninger, wie ihr Ahnherr die gestallt von Bären annehmen konnten.

„Doch was führt euch nun in mein Reich? Seit Atanamir hat es kein Südländer mehr gewagt ihn zu betreten. Bis auf eine Schar Waldläufer Ithils, die meine Tochter entführten." Nun verstanden die vier warum Silmarien in einem Außenposten Ithils Gefangen gehalten worden war.

„Wir durch queren euer Reich um dann den Hohen Pass zu besteigen. Unser Ziel ist Arnor, das Nördliche Königreich, westlich des Nebelgebirges." Als Elendil dies gesagt hatte, ging ein Raunen durch den Saal. Es vielen die Worte: Wahnsinn, Narren und noch anderen unschöne Bezeichnungen. Doch als der König die rechte hand hob verstummten alle wieder. Nun hatte er sich, leicht nach vorne gebeugt und sah Elendil abschätzend an.

„Ihr seid also den weiten Weg von Osgiliath hier her gekommen weil ihr einen Weg nach Arnor sucht? Was wollt ihr dort? In euren Adern fließt das Blut der Könige des Südens und Westens, wollt ihr nach Arnor um dort den Thron zu besteigen?" Sirinde presste die Lippen auf einander, denn sie stand kurz davor etwas zu sagen was hier nicht angebracht war. Doch fand sie die Behauptung des Königs dreist. Denn zu keinem Zeitpunkt auf ihrer gemeinsamen Reise hatte Elendil angedeutet das er in Arnor König werden wollte. Hätte er ein solches Ziel gehabt hätte er gewiss versucht eine Armee zusammen zu stellen und wäre mit dieser dann nach Arnor gezogen und nicht mit einer ehemaligen Dirne aus Rhun und zwei Bürgerkriegsveteranen die den beiden neuen Reichen und ihren Herrschern den Gehorsam verweigerten. Auch den beiden anderen Gefährten Elendils, Amandil und Beleg, ging das durch den Kopf.

„Ich gedenke nicht den Thron zu besteigen. Mein einziges Ziel ist es den Menschen dort bei zustehen im Kampf gegen die Kreaturen die sie heimsuchen. Und jene die mir folgen tun dies aus freien Stücken. Weder Eid noch Verpflichtung bindet sie an mich oder diese Fahrt." Nach dem Elendil seine Absicht erklärt hatte ging wieder ein Raunen durch die versammelten und man wollte nicht glauben das dieser Mann tatsächlich mit den Häusern der König des Südens verwandt war. Er ging nach Arnor um dem leidenden Volk dort, das sich kaum noch aus eigener Kraft gegen die dunklen Kreaturen wehren konnte, zu helfen ohne aber eine Belohnung vor Augen zu haben. Alleine die Tatsache das es jemanden gab der ohne Hintergedanken sich auf eine derartige Fahrt begab war außergewöhnlich.

„Und obwohl eure Gefährten nicht an euch gebunden sind, währt ihr bereit einen Vorteil aufzugeben, wenn sie in Gefahr sind. Ich selber habe es ja erlebt als ich gegen euch kämpfte. Ihr habt euch mir ergeben, um eure Begleiter zu schützen." Nun hatte der ältere Sohn des Königs gesprochen der die ganze Zeit kaum etwas gesagt hatte. Silmarien in des sah Elendil an. Ihr Blick war nicht zu erklären, teils Bewunderung, teils aber auch Furcht und dann war da noch etwas was, was man aber nicht deuten konnte. Halmir nun hatte sich zurück gelehnt und sah nun Elendils Gefährten einzeln an. Dann nickte er langsam.

„Nun, wenn es wirklich euer Wunsch ist Arnor über den Hohen Pass zu erreichen dann sei es so. Mein Haushofmeister Atanamir hat mir das berichtet was er von euch erfahren hat. Danach hörte ich den Bericht meiner Tochter Silmarien an. Beide Berichte stimmen über ein. Da ihr meine Tochter davor bewahrt habt geschändet zu werden, muss ich euch Frei lassen. Doch darf kein Südländer der einmal den Weg zu meiner Festung gefunden hat sie wieder verlassen." Nach diesen Worten sahen sich Elendil und seine Gefährten an. Es ergab keinen Sinn wenn er sie frei ließ, ihnen aber verbot seine Festung zu verlassen. Doch da lächelte Sirinde, trat neben Elendil, verneigte sich und sah zum König hinauf.

„Herr, wir haben den Weg zu eurem Sitz nicht gefunden und wir wissen nicht einmal wo wir uns genau befinden. Denn als wir von euren Söhnen gefangen genommen wurden, verbannt man uns die Augen und man nahm die Augenbinden uns erst ab als wir bereits hier waren." Im stillen Dankte Elendil ihr das sie sich daran erinnerte. Doch sah er wie ein ganz bestimmter Krieger des Königs nun näher kam und Sirinde anfunkelte.

„Sprich erst wenn du dazu aufgefordert wirst Weib. Ich kann mich nicht entsinnen das der König euch aufgefordert hat ihn anzusprechen." Nach diesen Worten hatte Elendil, wie seine zwei anderen Gefährten angenommen das Sirinde nun selber zornig werden würde, da sie es nicht mochte wenn man sie so grob anfuhr, doch sie lächelte nur.

„Ich gebe euch einen Guten Rat. Kehrt zu eurem Posten zurück, oder ich trete euch von neuem in eure Kronjuwelen." Nun war es an Elendil nicht drauf los zu prusten, wie nicht wenige andere im Saal auch. Der Krieger in des lief Schamrot an, als er sich zurück auf seinen Posten begab. Sein Herrscher in des verzog keine Miene, er schien Sirindes Worte zu bedenken, die sie an ihn gerichtet hatte. Dann flüsterte ihm sein älterer Sohn etwas ins Ohr und Halmir nickte.

„Auf die gleiche Art wie ihr hier hergekommen seid, sollt ihr auch wieder abziehen. Bis zur alten Waldstraße werdet ihr gebracht und von dort sollt ihr eure Reise fortsetzen. Doch glaube ich nicht das wir uns je wieder sehen werden wenn ihr wirklich den Hohen Pass besteigen wollt. Bringt sie zu ihrer Habe und dann legt ihnen wieder Augenbinden an." Nach diesen Worten, traten erneut die Wachen vor und nach dem sich alle vier erneut verneigt hatten wurden sie fortgeführt. Endlich schien der Weg nach Arnor frei zu sein, doch mussten sie sich beeilen wenn sie noch vor dem Winter einen halbwegs geschützten Ort erreichen wollten um dort ein Winterlager zu errichten.