Das erste, was Harry beim Erwachen spürte, war seine übervolle Blase. Das zweite, nach einem Blick unter die Decke, dass er Nackt war. Aber wenn er ehrlich zu sich war, die volle Blase sah er zurzeit als das grössere Problem an.

Poppy war wieder zurück in den Ferien, als klar war, dass Severus die Pflege von Harry übernehmen würde. Ihr war bewusst, dass Severus mehr für den Patienten empfand, aber darüber stand ihr kein Urteil zu.

„Ah, Mister Potter! Ich sehe sie sind wach. Es freut mich dass sie uns endlich wieder mit ihrer Anwesenheit beglücken. Wir waren ernsthaft in Sorge, nachdem sie uns ganze zwei Tage im Unklaren gelassen haben, ob sie wieder Aufwachen würden."

„Bitte Professor, ich flehe sie an, geben sie mir etwas zum Anziehen, wenn sie nicht wollen das ein Unglück passiert", krächzte Harry, verzweifelt bemüht nicht ins Bett zu urinieren. Lange konnte er seine Blase, nicht mehr unter Kontrolle halten.

Severus schien der Ernst der Lage zu erkennen, da er mit einem Schmunzeln die Decke zur Seite schob und meinte: „Sie sollten in nächster Zeit ihr Schamgefühl aufgeben Potter. Sie werden dieses Bett nur in meiner Begleitung verlassen. Das heisst, ich trage sie ins Bad, damit sie sich erleichtern können."

Trotz Harrys lautstarkem Protest trug der Professor seinen Schützling ins Bad und stützte ihn, als er in aufs Klosett setzte.

„Entweder so, oder ich zaubere einen Säuberungszauber auf ihr Bett und sie werden in nächster Zeit, ins Bett pinkeln müssen."

„Sie sind grausam Professor. Aber das wissen sie ja bereits, sonst würde ihnen meine Verlegenheit nicht solche Freude machen."

Harry versuchte sich abzulenken und zu vergessen, dass sein ehemaliger Lehrer da war, was sich als nicht ganz einfach herausstellte.

„Nun stellen sie sich nicht so an Potter. Ich versichere ihnen, sie besitzen nichts, was ich nicht schon gesehen habe und auch pinkeln werden sie gleich gut können, wie ihre anderen männlichen Kollegen."

Harry versuchte verzweifelt die Anwesenheit seines Professors auszuschalten, aber es wollte ihm einfach nicht gelingen.

Seine Blase drohte eher zu platzen, als das er den Urin laufen lassen konnte.

Severus, der dies bemerkte, drehte den Wasserhahn des Waschbeckens voll auf, bevor er sich zu einer Bemerkung hinreissen liess. „Ich weiss wirklich nicht, wie sie all die Jahre im Jungenschlafsaal des Gryffindorturms, überlebt haben."

Das Rauschen des Wassers gab Harrys Schamgefühl den Rest. Erleichtert, aber mit knallroten Wangen, wurde er einige Zeit später, von Severus zurück ins Bett getragen.

„Wären sie so gütig mir zu erklären, weshalb ich nackt im Bett liegen muss. Ich würde es vorziehen einen Pyjama anzulegen."

„Also wirklich Potter. Ich hätte sie für klüger gehalten. Madame Pomfrey hat etwas in dieser Richtung erwähnt, aber wie ich gestern schon sagte, entscheide ich in nächster Zeit, was gut für sie ist und was sie besser sein lassen."

Ärgerlich sah Harry zu Severus auf. „Ich nehme mal an, es gibt einen guten Grund, weshalb meine Genesung von meiner Nacktheit abhängig sein soll." Seine Wut war nun nicht mehr zu überhören.

„Den gibt es tatsächlich Potter."

„Ach ja! Da bin ich wirklich gespannt darauf, diesen von ihnen zu erfahren." Höhnte Harry.

Die Wut, zusammen mit seiner Verlegenheit, liessen ihn falsch atmen, was zu einer Reizung seiner Atemwege führte.

Den Husten, den Harry schüttelte, war trocken, schmerzhaft und wollte einfach nicht mehr aufhören.

„Sehen sie was ich meine Potter, sie können einfach nicht alleine auf sich Achten.

Und das ist mit ein Grund, weshalb sie keine Kleider bekommen. Nackt, da bin ich mir sicher, bleiben sie im Bett. Sie verlangen ihrem Körper, sobald es ihnen wieder besser geht, zu viel ab. Also zwinge ich sie, im Bett zu bleiben und sich auszuruhen."

„Sie denken wirklich, dass ich tagelang nackt in diesem Bett liegen werde?"

„Das war so gedacht Potter. Ausser zu bestimmten Zeiten natürlich!" Severus sah triumphierend zu seinem Patienten.

„Manchmal werde ich sie ins Bad tragen, damit ich sie waschen kann und sie ihren körperlichen Bedürfnissen nachgehen können. Sonst denke ich, haben sie ihre Lage vollkommen richtig eingeschätzt."

„Das können sie vergessen Professor. Ich denke nicht daran, mich wie ein hilfloser Pflegefall zu fühlen." Harry wurde wieder wütend, versuchte diesmal jedoch ruhig zu atmen, um nicht noch einen Hustenanfall zu riskieren.

Severus hörte sich den Ausbruch seines Patienten an, ohne zu intervenieren. Er verstand, wie schwer es Harry fiel, die Kontrolle abzugeben. Das war etwas, was niemand gerne tat. Und einem starken Zauberer wie Harry, fiel dies in der Tat nicht leicht. Trotzdem war es notwendig, dass Harry es einsah.

„Potter, sind sie jetzt fertig", schnauzte Severus, da er nicht wollte, dass Harry merkte, wie besorgt er war.

„Seit sie aufgewacht sind, jammern sie nur rum und erwarten, dass ich sie ernst nehme Potter. Daher hören sie mir einmal ganz genau zu. Sie lagen zwei Tage in einem Heil Koma, aus dem sie fast nicht mehr aufgewacht wären. Es sah eine Zeit lang nicht gut aus…"

„Das verstehe ich ja alles, und ich bin auch dankbar für ihre Hilfe, aber…."

„Nein, sie verstehen nicht Potter", wurde Harry vom Tränkemeister unterbrochen. „Sie wären fast gestorben.

Es brauchte die ganze Kunst von Madame Pomfrey und mir, damit sie den heutigen Tag erleben können und jetzt, da ich sie wieder soweit aufgepäppelt habe, dass sie keines schmerzhaften Todes sterben, lasse ich sie nicht mit ihren Mätzchen durchkommen."

Harry wollte etwas einwenden, wurde aber von Severus, mit dem erhobenen Zeigefinger, davon abgehalten.

„Sie schweigen jetzt und hören mir zu. Verstehen sie! Einfach nur zuhören, nichts sagen." Severus machte eine kleine Pause um zu sehen ob Harry widersprechen würde.

Harry machte jedoch keine Anstalten, seinem ehemaligen Professor ins Wort zu fallen. Zu perplex war er, dass der Professor so mit ihm redete.

„Mit ihrer Unterernährung ist nicht zu spassen", fuhr der Tränkemeister, mit seiner Triade fort.

„Die vielen Mangelerscheinungen in ihrem Körper, haben die Knochen sehr schlecht zusammen wachsen lassen, trotz der Tränke, die sie im Fuchsbau schon bekommen haben. Ihre Hirnerschütterung, oder ihr Husten, klingen nicht richtig ab, weil ihr Körper nicht mehr die Kraft hat zu heilen. Ihr Körper ist verbraucht und kann nur mit der richtigen Pflege stimuliert werden, die natürlichen Heilkräfte wieder zu aktivieren."

Lange Zeit sah ihn Harry nur an. „Das wusste ich nicht", meinte er leise. „Ich meine, ich habe immer geglaubt es braucht nur noch etwas Geduld…Diesmal war Onkel Vernon ja auch sehr einfallsreich…" Harry schwieg betreten. Es fiel ihm schwer, seine erlittenen Misshandlungen zuzugeben.

Entschlossen sah er nach einer Weile auf. „Was kann ich tun um wieder gesund zu werden."

„Wenn sie es wirklich schaffen wollen Potter, dann wäre Zuhören und Regeln befolgen schon mal nicht schlecht. Dazu kommen Bewegungstherapie, regelmässige Nahrungsaufnahme und viel Schlaf. Dies sollte ebenfalls viel zu ihrer Genesung beitragen."

„Und für wie lange, wollen sie mich hierbehalten?"

„Dies ist kein Gefängnis Potter. Ich halte sie nicht auf. Wenn sie wirklich gehen wollen, dann gehen sie."

Frustriert stöhnte Harry auf.

„Sie wollen mich absichtlich falsch verstehen Professor. Ich will bleiben, aber ich muss wissen, wie lange meine Rekonvaleszenz dauert. Ich habe Entscheidungen zu treffen, die nicht nur mich persönlich betreffen. Ich habe mich um die Waisen zu kümmern, und Jason. Sie wissen, ich habe ihm versprochen ihn zu besuchen. Ich will ihn nicht enttäuschen, nicht nach allem, was ihm angetan wurde."

Der Gedanke, dass Jason von ihm enttäuscht sein könnte, verursachte bei Harry eine leichte Panik. Er fing an falsch zu atmen, was ihn hyperventilieren liess.

„Er…ahh…soll…ahh…nicht….ahhahhahh… leiden!"

Severus war beim ersten Anzeichen des Anfalls an Harrys Seite und versuchte den widerspenstigen Patienten zu beruhigen.

„Nicht sprechen Potter. Sie machen alles nur noch schlimmer." Severus versuchte an Harry heranzukommen, ohne gleich zu Tränken greifen zu müssen.

„Sehen sie mich an Potter. Ja, so ist gut. Und nun versuchen sie mit mir zusammen zu Atmen. Einatmen, die Luft halten, ausatmen. Sie machen das gut Potter. Und gleich noch einmal. Einatmen, die Luft halten, ausatmen."

Langsam beruhigte sich Harry wieder und seine Atmung wurde regelmässig und ruhig.

Die Anstrengung liess ihn die Augen erschöpft zufallen und einschlafen.

Severus schien darauf gewartet zu haben. Er war schon mehrmals in seinem Leben, gezwungen gewesen, sich um einen Sturkopf als Patienten zu kümmern und Harry schlug sich in der Hinsicht ausgezeichnet.

Severus hätte es wissen müssen. Harry sorgte sich immer mehr um andere, als um sich selbst.

Snape wollte die gesamte Familie Weasley und Hermine Granger um ein Treffen bitten. Harry musste die Sorge um die Waisenkinder abgenommen werden. Die Verantwortung war zu viel für den geschwächten Patienten.

Um Jason hatte sich Severus selbst gekümmert. Die Geschichte des Jungen hatte ihn berührt, auch wenn er so etwas nie zugeben würde.

Jason hatte sich sehr gut eingelebt. Er war ein lieber Junge, der von Winky nach allen Regeln der Kunst verhätschelt wurde. Aber Jason hatte sich ein wenig Liebe und Geborgenheit verdient.

Bevor sich Severus wieder an die Arbeit machte, schaute er noch einmal nach dem schlafenden Patienten.

Harrys entspannte Gesichtszüge, liessen Severus Herz schneller schlagen. Er fand, sein Harry hatte noch nie so erotisch gewirkt, wie in diesem Augenblick.

Seufzend machte er sich an die Arbeit. Harry würde nie das gleiche für ihn empfinden wie er für Harry. Ausserdem war er zu alt für den Helden der Zauberwelt.

Einige Stunden später wachte Harry entspannt auf. Er war sich nicht sicher was ihn geweckt hatte, aber das Knurren, das aus seinem Magen kam, schien ihm ein ausreichender Grund zu sein.

Der Geruch von Essen liess Harry das Wasser im Munde zergehen und zeigte ihm, wie hungrig er war. Ungeduldig wartete er, mit knurrendem Magen, bis Professor Snape ihm sein Essen bringen würde.

Nicht lange nach seinem Erwachen, öffnete sich, wie durch Zauberhand, die Tür und der Zaubertrankprofessor kam herein. Mit dabei hatte er ein Tablett, darauf stand ein Teller, der verführerisch nach Essen roch.

Er stellte es vorsichtig auf den Beistelltisch und setzte sich in einen bequemen Armsessel, der neben dem Bett stand.

„Guten Appetit Potter!"

Gelangweilt schlug der Professor ein Buch auf um darin zu lesen, während er darauf wartete, dass sein Patient mit dem Essen fertig wurde.

Harry langte beherzt nach dem Löffel und machte sich über die schmackhafte Suppe her.

Es dauerte nicht lange und er musste den Löffel zurücklegen. Er spürte ein Völlegefühl, das ihn auch früher schon davon abgehalten hatte, mehr zu essen.

„Was denn Potter. Schon fertig?"

„Ja Professor Snape. Ich kann nicht mehr. Ich bin vollkommen satt."

Kritisch begutachtete Severus, Harrys Schüssel. „Das ist zu wenig Potter. Sie sollten versuchen die Hälfte der Suppe zu essen."

Harry sah bestürzt aus. „Unmöglich Professor. Ich bringe keinen Löffel mehr hinunter. Es geht einfach nicht."

„Wie lange ist es her, seit sie die letzte richtige Mahlzeit gegessen haben. Und seien sie jetzt bitte ehrlich, wenn ich ihnen helfen soll."

Nachdenkend schwieg Harry. „Das ist schon eine ganze Weile her", meinte er schliesslich.

„Ich denke, an der Hochzeit von Bill und Fleur. Da hatte ich noch Hunger auf ganze Portionen. Aber dann…! Sie müssen verstehen Professor…dass… ich mein… während unserer Suche nach den Horkruxen… oder auch danach im Ligusterweg…ich denke, ich habe das Essen verlernt."

Geschafft, von all den qualvollen Erinnerungen, hielt Harry den Mund. Er hatte so schon genug Albträume, über die lange Suche nach den Seelenteilen seines Feindes, oder die schlimme Zeit im Hause seines Onkels, da wollte er es nicht auch noch laut aussprechen müssen.

„In Ordnung Potter, für heute gebe ich mich damit zufrieden. Wir werden es langsam angehen lassen. Aber ich bestehe darauf, dass sie dreimal täglich einen Nährtrank, ergänzend zu ihren Malzeiten, zu sich nehmen. Mit der Zeit, sollten sie fähig sein, wieder grössere Portionen zu essen."

Seufzend stimmte Harry den Bedingungen des Professors zu. „Ich hätte keine Probleme damit, wenn die Tränke nur ein klein bisschen besser schmecken würden, aber man soll nicht klagen. Ich werde sie schon runter kriegen."

„Na Potter, sie sollen ja auch einen Ansporn haben, wieder richtig zu essen. Mit wohlschmeckenden Tränken ginge das bedeutend länger."

„Versuchen sie nun witzig zu sein Professor?"

„Nicht Witzig Potter, ehrlich. Ein kleiner, aber feiner Unterschied." Mit diesen Worten räumte Severus das Tablett, mit einem Schwenker seines Zauberstabes, ab und noch im Hinausgehen meinte er:

„Übrigens, kriegen sie bald Besuch von den Weasleys und Miss Granger. Wenn ich also sie wäre Potter, dann würde ich dafür sorgen, dass meine Decke richtig um meinen Körper gewickelt ist. Wir wollen den Damen doch solche Peinlichkeiten ersparen. Nicht wahr?"

Mit diesen Worten deutete er spöttisch auf Harrys verrutschte Decke, die seine Genitalien nur unvollständig bedeckt hielt.

Kopfschüttelnd deckte sich Harry richtig zu. Er verstand Snape nicht, musste sich aber eingestehen, dass dessen Blicke ihn erregt hatten. Sein kleiner Freund stand stramm und lechzte nach Aufmerksamkeit.

Die sich öffnende Tür, hielt Harry davon ab sich selber zu berühren und zu streicheln.