Judy und Connor in Action!! Viel Spaß.. und entschuldigt die lange Wartezeit ;)

How to get your personal Saint

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„Das ist doch total hirnrissig, so eine ausgemachte Scheiße…"

„Smecker hat's aber erlaubt"

„Smecker hat's erlaubt, oh man, ich weiß gar nicht unter was für Drogen er in dem Moment gestanden haben muss. Schließlich muss ich die nächste Zeit in deiner Gesellschaft verbringen – nicht er."

„HAHA, ja, nimm dich in Acht!", und damit drehte Judy sich um und ging auf den gutaussehenden Officer zu, den Smecker ihr genannt hatte.

Connor schüttelte nur noch den Kopf.

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„Hi, ich bin Judy. Agent Smecker hat mich zu Ihnen geschickt, wegen den Schießübungen.", sie lächelte ihn an.

„Ah, genau, er hat mir schon gesagt, dass du kommen würdest. Du möchtest also schießen lernen?", erwiderte dieser.

„Ja, naja, wollen, ich muss, ähm.."

"Achja, Colin Chase heiß ich, für dich natürlich nur Colin, wir nehmen das hier in Boston nicht so eng. Dann komm mal mit".

„…nehmen das hier nicht so eng, pff", Connor hatte mit einigem Abstand gewartet und hatte auch jetzt eigentlich keine Lust sich weitere flache Anmachsprüche von Colin anzuhören oder sich Judys klägliche Schießversuche anzusehen, also beschloss er Mittagessen zu gehen.

Lies diese Judy sich eigentlich von jedem anbaggern? Und wieso gefiel sie ihm trotzdem so gut? Scheiße, wenn Murphy wenigstens hier wäre. Was der jetzt wohl machte? Gedankenverloren starrte Connor auf die Karte und zwischendurch immer wieder auf die Uhr. Er wollte Judy rechtzeitig wieder am Präsidium abholen.

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„Genau, so…", Colin stellte sich vielleicht etwas zu nah hinter Judy und führte ihr die Hand, um ihre Schießstellung etwas zu korrigieren. „Na, also, das klappt doch schon ganz gut."

Er wendete sein Gesicht Judy zu und lächelte sie an.

Judy lief ein leichter Schauer über den Rücken und einen Moment lang hätte sie sich am liebsten von ihm Küssen lassen, doch dann fiel ihr wieder Hanna ein und als sie sagte „Lass es mich noch mal alleine probieren, okay?", und von ihm zurückwich, kam gerade Connor um die Ecke in ihre Schießkabine hinein.

„Na, sag bloß, ihr habt es bis jetzt beide überlebt?", er hatte wieder sein Pokerface aufgesetzt und Judy konnte nur raten, wie viel er gesehen hatte.

„Noch so'n Satz und wir müssen Smecker erklären warum du es nicht überlebt hast!", schmetterte sie Connor entgegen und setzte dann erneut zu Übungsschüssen an, die auch ohne Colins Hilfe erstaunlich gut gelangen.

„So, ich muss jetzt noch ne Runde fahren. Von mir aus üben wir morgen noch mal? So gegen 11?", beendete Colin ihre erste Schießstunde.

„Okay, noch mal, vielen Dank", sie lächelte ihn an, „dann bis morgen!" und ohne einen Blick auf Connor zu werfen, wendete Judy sich zum Gehen.

Als dieser jedoch stehen blieb, wandte sie sich doch noch einmal um „Kommst du? Wir haben nicht ewig Zeit und müssen schließlich noch einiges regeln."

Grr, und wie er sie hasste! Was bildete sie sich eigentlich ein, wie sie mit ihm umgehen könnte? Das hätte er ihr am liebsten ins Gesicht geschmettert, doch heraus kam stattdessen nur ein zaghaftes „Bin schon auf dem Weg…".

Judy guckte ihn verwirrt an, was war denn mit dem los? Tat es dann aber als unwichtig ab und verließ mit ihm gemeinsam das Präsidium.

„Mit welchem Auto wollen wir eigentlich fahren? Wieder mit Hamiltons?", fragte Judy ihn auf dem Weg zurück zu dem Apartment der MacManus Brüder.

„Nein, ich werde Smecker bitten uns einen Geländewagen zu besorgen. Erstens ist es mir doch zu heiß immer noch mit dem Wagen von diesem toten Scheißer rumzufahren und zweitens liegt diese Plantage ja wohl nicht gerade neben einer Autobahnausfahrt, oder", Connor warf ihr einen Blick zu, der zu sagen schien „hättest du ja auch selbst mal drauf kommen können".

Judy ignorierte den Blick. „Klingt vernünftig. Ich hatte auf der Hinfahrt zwar die Augen verbunden und auf dem Ritt zurück war es stockduster, aber ich weiß noch, dass es ein ganzes Stück von der nächsten Stadt aus war. Mit dem Pferd hab ich damals irgendwas zwischen 2 und 3 Stunden gebraucht. Weißt du denn wie man nach Cornut City kommt?"

„Cornut City? Was'n das für ein Kaff?", er schnaubte, „ich werd Smecker bitten uns ein Auto mit Navi zu geben. Ich geh einfach mal davon aus, dass du keine Karten lesen kannst.", er schloss die Tür auf, „ich versuch noch mal die Handys anzurufen und sprech mit Smecker. Geh du Getränke und Essen für die Fahrt einkaufen."

Ruhig bleiben, ruhig bleiben, ruhig bleiben, murmelte Judy wie eine Art Mantra vor sich hin. Jetzt nur nicht ausflippen. Sie schnappte sich ein paar Tragetaschen, ihren Geldbeutel und verließ die Wohnung, allerdings nicht ohne ein „Du kannst mich mal", im Raum stehen zu lassen.

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„Ach, scheiße.", dachte sich Connor. Wahrscheinlich hatte er es mal wieder zu weit getrieben. Wo war seine witzige und gelassene Art hin? Seit Murphy verschwunden war, stand er permanent unter einer grässlichen inneren Anspannung. Ein bisschen so wie damals, als er an das Klo gefesselt gewesen war, während die Mafia-Penner Murphy mit nach draußen genommen hatten um ihn zu erschießen.

Sein Bruder war ihm eben das allerwichtigste im Leben, trotz oder vielleicht gerade wegen ihren ständigen gegenseitigen Neckereien und Prügeleien.

Allerdings hatte er keine Ahnung, wie er dagegen zu Judy stand. Anfangs hatte er sich noch gedacht, boah, da haben wir uns aber zwei hübsche Mädchen an Land gezogen. Doch dann hatte diese Zigarren-Geschichte viel größere Ausmaße angenommen als er erwartet hatte, denn das plötzliche Verschwinden von Murphy und Hanna war keine Lappalie.

Trotzdem, sie hatten Hanna anfangs versprochen, dass sie beide ihr helfen würden und das würde er auch.

Aber einfach war das gewiss nicht, warum musste ihm bei dieser Judy auch ständig der Kragen platzen? Er wusste selbst nicht warum, denn eigentlich war sie eine tolle Frau. Selbstsicher, klug, aufgeschlossen, witzig, mutig und so was alles, vielleicht waren sie einfach beide zu starke Charaktere, die gar nicht anders konnten als aufeinander zu prallen und sich gegenseitig abzustoßen?

Oder, was er sich eigentlich gar nicht eingestehen wollte, hatte es nur den simplen Grund, dass sie ihm gefiel? Nein, das wohl kaum.

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„Und, erkennst du schon etwas wieder?"

„Ähm, Connor, hier sieht immer noch alles gleich aus, noch genauso, wie schon vor etwa einer Viertelstunde.. überrascht es dich also, wenn ich jetzt nein sage?!"

„Na toll.. ein Navi, das hier völlig nutzlos ist, eine Beifahrerin, die auch keine Ahnung hat.. das sind ja heitere Aussichten", grummelte Connor in sich hinein.

Sie waren schon vor über zwei Stunden aus Cornut City aufgebrochen und sahen überall um sich herum nichts anderes als staubige Straßen, Felder und vereinzelte Tabakfelder, welches, wie Judy feststellte, allerdings die waren, die ein ganzes Stück vom Haupthaus entfernt lagen.

„Ey, jetzt mach aber mal halblang! Wer sitzt denn hier am Steuer?", antwortete Judy schnippisch.

Jetzt reicht's, Connor lies seine Wut am Bremspedal aus und sie legten eine filmreife Vollbremsung hin. Er stieg aus, lies den Schlüssel aber stecken und riss die Beifahrertür auf.

„Bitte, dann fahr du. Ich hab die Nase gestrichen voll von dir und dieser Einöde."

Etwas verdutzt stieg Judy aus, diese Reaktion hatte sie nicht provozieren wollen, aber nun gut, sie setzte sich wortlos auf den Fahrersitz und fuhr los. Währenddessen drehte sie weiter an den Radioknöpfen herum, bis (endlich!!!) Musik aus den Lautsprechern hallte.

Connor hatte darauf bestanden die Musik auszumachen, während sie nicht wussten, wo sie lang mussten. Nun, jetzt saß sie am Steuer und konnte das entscheiden, haha.

Aus dem Radio schallte „If it makes you happy" von Sheryl Crow, Judy drehte auf, sang mit (sah, wie Connor das Gesicht verzog und die Augen schloss, um ruhig zu bleiben), und zu allem Überfluss erblickte sie bald am Ende der Straße einige Ausläufer der Plantage, es war also nicht mehr weit.

Als sie näher an die Farmgebäude heran kamen stellte sie das Radio wieder aus, sie wollte die Aufmerksamkeit nicht allzu sehr auf sich ziehen.

Sie fuhr rechts ran, stellte den Motor aus und drehte sich zu Connor, der weiterhin schwieg.

„Okay, wir sind fast da. Am besten überlegen wir uns so langsam mal, wie wir die Sache dort angehen.", brach Judy das Schweigen.

Die Antwort von Connor blieb aus, also erklärte sie, wie sie sich das Ganze vorgestellt hatte.

„Ich denke, wir werden es einfach auf die direkte Art versuchen. Wir gehen rein, ich suche Luke und wenn wir Glück haben, sind außer ihm nur noch ein paar der Arbeiter da, die um diese Zeit wahrscheinlich eh am arbeiten sind und uns nicht in die Quere kommen können.

Sollte Warren allerdings da sein.. dann hab ich keine Ahnung, wie wir die Sache angehen sollen. Vielleicht sollten wir ihn festhalten und fesseln und dann befragen?

Jetzt sag du doch auch mal was! Du bist hier schließlich derjenige, mit der kriminellen Erfahrung!"

Ähm ja.. was sollte er darauf sagen? Dass Murphy und er nie etwas wirklich geplant hatten, ihnen eher alles quasi in den Schoß gefallen war? Nein, auf keinen Fall konnte er das so sagen.

„Tja, ich würd' sagen, wir lassen das mal auf uns zu kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Warren überhaupt da ist, ist ja auch relativ gering, wie du sagst.. und dieser Luke ist ja anscheinend recht umgänglich. Wenn dann doch etwas anders läuft als geplant, lass ich mir schon was einfallen, okay? … und nun fahr schon weiter!"

„Pff, okay. Ohne einen Plan und mit einem Einfaltspinsel an meiner Seite, na das kann ja heiter werden.", antwortete Judy mit sarkastischem Unterton, startete aber zügig den Motor, da sie Connor ansah, dass dieser sie am liebsten auf der Stelle erwürgen würde.

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Die Farm lag ruhig da, für einen Moment dachte Judy sie wäre vielleicht komplett verlassen, doch in dem Moment trat schon Luke aus dem Haupthaus. Natürlich, ihm entging schließlich nichts von dem, was hier auf der Farm vor sich ging und so hatte er die Neuankömmlinge schon gesehen, bevor diese überhaupt die Einfahrt passiert hatten.

Judy stieg aus und sah Luke an, der stehen blieb und wegen der späten Nachmittagssonne die Hand abschirmend über die Augen gelegt hatte.

Oh man, war das merkwürdig wieder hier zu sein. Irgendwas in Judy drin schien sie zu zwingen, wieder ins Auto zu steigen und so schnell wie möglich von hier zu verschwinden.

Okay, ruhig bleiben, durchatmen.

„Luke, Hi.", sagte Judy zu Luke, der gerade auf sie zugetreten war und sie fassungslos anschaute.

Connor hatte er ganz übersehen, denn er stand ruhig hinter dem Auto und beäugte Luke erst einmal aus ein wenig Entfernung. Er wusste nicht ganz warum, aber aus unerklärlichen Gründen hegte er sofort einen gewissen Groll gegen diesen Luke. Ob die beiden wohl etwas miteinander gehabt hatten? Es war schließlich wirklich ziemlich einsam hier draußen…

„Judy? Was willst du denn schon wieder hier? Du hast es doch gerade erst geschafft von ihr abzuhauen!", Luke war entsetzt Judy schon wieder hier zu sehen. Wie konnte man so leichtsinnig sein? „Warren kann jede Minute wieder hier auftauchen und dann? Hat es dir so gut bei uns gefallen?", er war wirklich wütend.

„Warren ist also noch nicht wieder da..", Judy war fast ein wenig enttäuscht, sie hatte sich schon darauf vorbereitet Warren von Connor ruhig stellen zu lassen und ihm dann ein paar Fragen zu stellen. „Luke, ich weiß, du verstehst mich nicht, aber die ganze Sache ist noch lange nicht ausgestanden. Hanna ist verschwunden und die Plantage war ein Ansatzpunkt, um Informationen zu bekommen. Nur deshalb sind wir noch mal hier und auch so schnell wie möglich wieder weg."

„Auf deine eigene Gefahr hin.. und wer ist er? Ich dachte es gäbe nur dich und Hanna?", fragte Luke und nickte in Connor's Richtung.

„Er? Oh, Rückendeckung. Man weiß schließlich nie.", Judy wollte Luke nicht gerade auf die Nase binden, dass Hanna und sie sich einfach mit wildfremden Typen einließen, die versprochen hatten, ihnen zu helfen.

Connor war wenig begeistert von seiner Beschreibung, murmelte ein „Pfft" und fragte dann genervt, ob man das „hübsche Pläuschchen" der Beiden vielleicht ein wenig beschleunigen könnte.

Luke tat als hätte er Connor nicht gehört. „Komm Judy, ich schließ dir Warrens Büro auf. Du musst nur schnell machen und alles so hinterlassen, wie du es vorgefunden hast."

Judy war erleichtert, „Danke Luke, echt, ich wüsste gar nicht, was ich ohne dich machen sollte." Und damit folgte sie Luke ins Haus.

Missmutig trottete Connor hinterher Wüsste gar nicht, was ich ohne dich machen soll, äffte er Judy nach. Dann hätte sie doch einfach hier auf der Plantage bleiben sollen!

Um seine Missgestimmtheit noch zu unterstreichen lehnte sich Connor in Warren's Büro lässig an eine Wand und zündete sich erst mal eine Zigarette an. Ein Hoch auf den Tabakgenuss, der dafür sorgte, dass diese bestfriend Typen hier schön in der Pampa versauerten. Ob er mit dieser Masche wohl bei Judy gelandet war? Hier hatte er ja auch keine Konkurrenz.. aber ob er dann wohl einen hoch bekommen hatte? Und wenn dann war das sicherlich nur.. er begutachtete seinen Zigarettenstummel.. ja.. das kam bestimmt hin… hämisch lachte er vor sich hin.

„Erzählst du dir wieder selbst schlechte Witze, Connor? Mach dich doch endlich mal nützlich, geh nach draußen und halt Ausschau, ob sich irgendjemand der Plantage nähert.", Judy war leicht genervt von Connors Rumgestehe. Das hier ging doch schließlich auch ihn etwas an!

„Zu Befehl, Ma'am", Connor rauschte nach draußen ab, natürlich immer noch mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht.

„Na, zu mehr als dir Rückendeckung zu geben ist er nicht nutze, oder?", bemerkte Luke skeptisch. Und als Judy vertieft in den Inhalt von Warren's Schreibtisch nicht antwortete, „Hast du schon was sinnvolles gefunden?", er begutachtete die verschiedenen Stapel, die Judy auf dem Schreibtisch gebildet hatte.

Judy murmelte ein „Vielleicht" und dann, „sag mal, funktioniert der Kopierer?" Luke nickte. „Gut, dann brauche ich von allen Papieren auf diesem Stapel Kopien", sie zeigte auf den höchsten der drei Stapel.

Luke seufzte, machte sich aber an die Arbeit. Er würde wahrscheinlich so gut wie alles tun, um diese kleine Schönheit wieder sicher außerhalb der Plantage zu wissen. Obwohl er sich eingestehen musste, dass er, in dem Moment in dem er Judy aus dem Auto steigen sah, gehofft hatte, sie wäre nur wegen ihm noch einmal zurück gekehrt. Ach na ja, das waren doch müßige Gedanken.. er widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Kopierer.

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Judy fuhr hoch. Was war das denn? Dieses Dokument passte hier nicht so ganz rein. Auch davon machte sie noch eine Kopie, allerdings ohne Luke zusehen zu lassen. Besser sie beunruhigte ihn nicht noch mehr. Dieses Rumgesuche in Warren's Büro musste ihn schon nervös genug machen.

„So, ich glaube, mehr ist hier nicht zu finden. Besser wir verschwinden wieder schnell, bevor noch jemand was bemerkt. Du sollst nicht darunter zu Leiden haben, Luke.", sie lächelte ihn entschuldigend an und begutachtete noch einmal den Schreibtisch. Sie hatte gut aufgepasst, Warren würde sicherlich nichts bemerken.

„Wann Warren wohl wieder auftaucht?", fragte sie Luke beim hinaus gehen.

„Tja, keine Ahnung.", Luke schloss das Büro wieder ab und sie machten sich auf den Weg nach draußen, wo Connor auf sie warten sollte. „Die Männer sind jedenfalls nicht traurig, dass er mal ein paar Tage weg ist. Ich mach mir aber schon ein paar Gedanken darüber. Das Einzige, was wir seitdem gehört haben, ist, dass Damien Jules nun an Hamiltons Stelle steht. Das hat mich ziemlich überrascht, muss ich zugeben."

„Wie?", fragte Judy erstaunt, „Du kennst diesen Jules?" Das lies selbst Connor wieder aufmerksam werden, den sie nun erreicht hatten.

„Ja, aber nur flüchtig.", gab Luke Auskunft. „Vor einigen Jahren war er mal eine Zeit lang hier auf der Plantage. Ich schätze, er musste wegen irgendwas untertauchen. Dazu bietet sich die Plantage ja geradezu an. Ich war damals noch normaler Arbeiter und hab nicht so viel mitbekommen.. aber er war ziemlich lange hier. Bestimmt ein halbes Jahr, bevor er wieder in die Öffentlichkeit zurück konnte."

Connor löste sich aus seiner abwesenden Haltung und schien nun sogar leicht interessiert. „Was war er denn für ein Typ?"

Luke antwortete Judy und würdigte Connor nur eines kurzen Blickes. „Ziemlich aufgeblasen, wenn du mich fragst. Hat immer viel geredet, aber da war wohl nicht wirklich viel dahinter. Denke, er passt gut in Hamilton's Rolle. Er soll den Konzern ja nur repräsentieren, er hat keinerlei Entscheidungsgewalt. Und wenn dem Vorstand Jules' Gesicht nicht mehr passt, wird er ausgetauscht."

„Und du glaubst, das Gleiche haben sie mit Hamilton gemacht? Dem Vorstand hat sein Gesicht nicht mehr gepasst? Ist Hamilton auch durch irgendeine Sache in Ungunst geraten?", bohrte Judy nach.

„Nein, keine Ahnung. Von Hamilton hab ich nie viel mitbekommen. Warren hat mal gesagt, er würde sich gern so viele Nutten leisten können wie Hamilton, aber das war es auch schon. Naja, vielleicht ist sein Drogenkonsum in unhaltbare Maße ausgewachsen. Das geht Typen mit zuviel Geld ja schnell so.. aber das ist nur eine Vermutung."

„Okay, danke, das hilft auch schon… echt, Luke, ich weiß gar nicht, wie ich dir genug danken soll.", sagte Judy.

„Am besten, du setzt dich jetzt einfach schnell wieder ins Auto und du", er richtete das Wort erstmals an Connor, „bringst sie in Sicherheit. Das würde mir schon reichen.", er nahm Judy in den Arm. „Pass gut auf dich auf, Kleines.", flüsterte er Judy ins Ohr, allerdings noch laut genug, dass Connor es mitbekam. „Du auch, bis bald.", und damit ließen Judy und Connor die Plantage hinter sich. Judy fand es zwar schade Luke jetzt wohl nie wieder zu sehen, insgeheim war sie jedoch unheimlich froh der Plantage nun endgültig den Rücken zu kehren.

Hoffentlich würde sie nie wieder hier hin müssen… sie ließ sich tiefer in den Beifahrersitz sinken und schloss die Augen.

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„Judy! Hey! Wach mal auf!", unsanft rüttelte jemand an ihrer Schulter.

„Mhm…? Was..was ist? Ich schlafe…", murmelte Judy und öffnete nicht einmal die Augen.

Klasse, dieses Mädel wurde von Minute zu Minute nerviger. Warum ließ er sich eigentlich auf den ganzen Scheiß ein? Achja, Murphy. Man, das würde er büßen müssen, wenn er ihn endlich in die Finger bekam! Grummelig packte er Judy in der Kniebeuge und unter den Armen und trug sie in das Motel, das er für die Nacht ausgesucht hatte.

Er und Judy hatten noch nicht besprochen, wie es jetzt weitergehen sollte und so hatte er entschieden, dass es ausreichte sich erst mal weit genug von der Plantage zu entfernen, eine Nacht durch zu schlafen und dann weiter zu sehen.

Connor legte Judy auf dem Bett ab. So spät wie sie eingecheckt hatten, war natürlich nur noch ein Doppelzimmer zu bekommen gewesen. Er war echt genervt, vor allem, als er die mottenzerfressene Couch entdeckt hatte, die die einzige Ausweichmöglichkeit war, um nicht mit Judy in einem Bett schlafen zu müssen. Einen kurzen Moment hatte er überlegt einfach das Mädchen auf der Couch abzulegen und es sich dann alleine in dem großen Bett gemütlich zu machen, aber dafür war er leider zu sehr Gentleman. Ja, denkt man nicht von mir, was? Die gute Erziehung unserer Mutter!

Er machte sich kurz im Bad ein wenig frisch und legte sich dann auch ins Bett. Möglichst weit weg von Judy. Aber.. Pustekuchen! „Die Kissen sind so unbequem….", nuschelte Judy schlaftrunken vor sich hin – war sie überhaupt aufgewacht? – und legte ihren Kopf auf Connor's Brust.

Toll! Was sollte er denn damit anfangen? Die wurd' ja immer anstrengender! Aber ihre Wärme war schon angenehm, musste er sich eingestehen… Zögerlich legte er einen Arm um sie und blieb unbewegt liegen… Ach, Scheiß drauf. Er zog sie noch ein bisschen näher an sich, schloss die Augen und fragte sich, wie er ruhig einschlafen können sollte, wo doch seine Gedanken die ganze Zeit nur um dieses Mädchen kreisten, dass sich da so angenehm an ihn schmiegte…

Judy legte einen Arm um dieses wunderbar gemütliche und vor allem warme Kissen, das sich unter ihrem Kopf befand und seufzte zufrieden. Dann schlug sie die Augen auf und.. Uäh! Was war das denn? Das Kissen war Connor's Oberkörper und sie hatte sich gerade daran gekuschelt!

Mit einem Mal war Judy hellwach und machte einen Satz vom Bett. Connor wachte just in diesem Moment auf, er war noch leicht schlaftrunken. „Was ist los..? Tarantel?"

„Nee, alles ok. Es ist nur schon 8h, wir sollten langsam mal los.", schnell schloss sie die Badezimmertür hinter sich, um sich anzuziehen. Hoffentlich hatte Connor nicht bemerkt wie rot sie geworden war!

„Oh, was riecht hier denn so verführerisch?", fragte Judy als sie aus dem Bad kam. „Ich hab mir Kaffee und was zum Frühstück geholt. Wusste nicht ob du auch was wolltest, deshalb hab ich vorsichtshalber mal Nichts für dich mitgebracht..!", Connor konnte sich bei Judys empörtem Blick das Lachen nicht verkneifen und zauberte im selben Moment noch einen zweiten Becher Kaffee und ein paar Muffins hervor.

„Ich weiß doch, dass du ohne regelmäßige Fütterung und die nötige Dosis Koffein unausstehlich bist!", lachte er sie an. „Pff", machte Judy, nahm dann aber einen gierigen Schluck Kaffee und verbrannte sich prompt, was bei Connor nur zu noch mehr Heiterkeit führte.

Das reichte! Judy stürzte sich auf ihn, sodass Connor rückwärts aufs Bett fiel, während Judy ihn mit Fäusten bearbeitete. Er konnte gar nicht mehr aufhören zu lachen, was sie nur noch mehr aufbrachte.

„So, jetzt reicht's aber mal!", Connor versuchte es mit einem ernsten Gesicht und drehte den Spieß um, er warf Judy von sich runter und neben sich aufs Bett, drehte sich über sie und – Stille. „So bekommt man dich also zum Schweigen, was?", er grinste sie süffisant an.

Oh man, los, schlag mich ins Gesicht oder küss mich, aber beende die unangenehme Stille! Los jetzt! – Leider konnte Connor Judy's Gedanken nicht hören.

„Ähm, ja. Danke für den Kaffee. Zum Zeichen meiner Dankbarkeit dachte ich, ich stelle eine deiner Schlägereien mit Murphy nach, die vermisst du doch, oder? Und, ähm, ich denke, jetzt ist es genug und, ich finde du solltest mich jetzt wieder aufstehen lassen."

Connor bewegte sich keinen Zentimeter und stützte sich über ihr mit beiden Armen ab. Wie muskulös die waren und was er damit wohl alles anstellen konnte… „Ja, ich wollte jetzt eh duschen gehen.", und damit stand Connor auf und verschwand ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen im Bad.

Judy ließ ihren Kopf zurück aufs Bett fallen und seufzte. Das wurde ja immer komplizierter! Aber mal wieder das Gewicht eines Mannes über sich zu spüren.. sie seufzte noch einmal. Wie gern hätte sie sich zu mehr hinreißen lassen.

Aber dafür hatten sie eigentlich absolut keine Zeit. Viel mehr sollten sie sich überlegen, wie es nun weitergehen sollte. Sie setzte sich an den Tisch und trank erstmal den, nun genießbaren, Kaffee, dabei konnte sie immer am besten denken.

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„Was machst du eigentlich noch so alles, während ich im Bad bin?! Das waren doch gerade mal 15 Minuten oder so! Und währenddessen wertest du unseren Besuch auf der Farm aus, sprichst dich mit Smecker ab, planst unsere weitere Route, bezahlst das Motel und packst unsere Sachen ins Auto. Ein für alle Mal: Du Freak!"

Judy lächelte, „Da siehst du mal, was du an mir hast. Und außerdem hast du mir schließlich einen Kaffee besorgt, der sich tatsächlich auch Kaffee nennen durfte, nicht diese Brühe, die es sonst überall gibt. Das hat mich eben auf Touren gebracht."

„So, auf Touren gebracht..?", er schmunzelte und dachte sich insgeheim, dass es bestimmt auch noch andere Wege gab um sie ein wenig „auf Touren zu bringen", die er gern mal ausprobieren würde.

Früh am Morgen war Judy nochmal ein paar Kopien durch gegangen, dabei war ihr wieder das eine unscheinbare Blatt in die Finger gekommen, das so gar nicht zu den anderen passen wollte. Es war eine kleine Nachricht und ein Kontoauszug. Adressiert an Warren, aber der Absender „2. Partei", sollte das eine Firma sein? Sie konnte sich nichts darunter vorstellen. Auf der Notiz stand eine Flugnummer und der Kontoauszug zeigte den Eingang einer Geldsumme im 5-stelligen Bereich an.

Hieß das, dass Warren gar nicht vorranging für Hamilton gearbeitet hatte sondern vielleicht für die 2. Partei? Und waren die 2. Partei vielleicht diejenigen, die über Hamilton gestanden hatten und schließlich dafür sorgten, dass er erschossen wurde? Aber wieso sollten die sich an jemand Unbedeutendes wie Warren halten?

Fragen über Fragen. Kurz um hatte Judy direkt mal Agent Smecker angerufen, um ihn über ihre neuesten Entdeckungen in Kenntnis zu setzen. Von der „2. Partei" hatte er noch nie etwas gehört, er würde sich aber mal schlau machen und versuchen einige Informationen für sie zu sammeln.

Bis dahin wollte Judy erst einmal nach New York zurückkehren, sie hielt das für nicht besonders gefährlich und im Prinzip war dieser Damien Jules der einzige Punkt, an den sie nun noch anknüpfen konnte. Viel hatten sie leider noch nicht erreicht.

So kam es, dass Judy und Connor einmal still und ohne Streit nebeneinander im Auto saßen. Beide waren zu sehr in Gedanken vertieft und zermarterten sich das Gehirn, wo sie ansetzen sollten um Hanna und Murphy einen Schritt näher zu kommen.