Morgen in Fairy Hills
Die Sonnenstrahlen kitzelten an seiner Nase, worauf der Giftdragonslayer müde sein Auge auftat. Das Morgenrot schien durch das Fenster des Zimmers seiner Geliebten in Fairy Hills und kündigte den nächsten Morgen an.
Seufzend setzte sich Cobra auf. Heute würde der kurze Aufenthalt in Magnolia, den sich Crime Sorciere geleistet hatte, fertig sein. Und so wie er Jellal kannte, würde er so schnell wie möglich aufbrechen wollen. Da konnte Cobra nur hoffen, dass Erza den Abschied von Jellal so lange wie möglich dauern lassen wird. Nicht umsonst hatte sie den Blauhaarigen gestern Abend heimlich nach Fairy Hills gebracht, um endlich Mal eine ganze Nacht mit ihm zu verbringen. Der Dragonslayer war natürlich erleichtert, dass Jellal endlich Mal den Schritt gewagt hatte.
Seufzend betrachtete Cobra die hübsche Lilahaarige, die neben ihm lag und noch friedlich schlief. Er wollte nicht schon wieder weggehen, sich von Kinana verabschieden. Sie waren zwar seit längerer Zeit ein Paar (und im Gegensatz zu Jellal hatte Cobra nicht jahrelang gebracht um den nächsten Schritt zu wagen), doch es tat immer noch ziemlich weh sich jedesmal von ihr zu verabschieden sobald Crime Sorciere wieder aufbrechen musste.
Kinana hatte es akzeptiert mit der eher komplizierten Situation ihrer Beziehung zu leben. Manchmal schien es so, als ob sie besser damit umgehen konnte als der Dragonslayer. Cobra wusste nicht woher sie ihre Geduld und Ausdauer nahm, doch er bewunderte sie dafür. Nicht selten fragte er sich, warum Kinana ausgerechnet ihm ihr Herz geschenkt hatte. So liebevoll und hübsch wie sie war hätte sie irgendeinen anderen auswählen können. Stattdessen wählte sie einen ehemaligen Erzfeind ihrer Gilde.
Sie hatte noch keinem ihrer Kameraden etwas von ihrer Beziehung mit dem Giftdragonslayer erzählt. Nicht Mal Mirajane und Laki wussten davon. Beiden war klar, dass nicht alle von dieser Beziehung erfreut werden sein, obschon das Kriegsbeil zwischen Fairy Tail und den ehemaligen Oracion Seis schon lange begraben worden war.
Gerade Laki gefiel es gar nicht sobald Kinana mehr als drei Sekunden mit den Jungs von Crime Sorciere redete, mit Ausnahme von Jellal. Aus irgendeinem Grund schien die Holzmagierin sie alle als gefährliche Perverslinge zu betrachten, also schlecht für Kinana. Blöde Brillenhexe. Racer, Midnight, Hoteye und er selbst waren bei weitem weniger pervers als viele Jungs in Fairy Tail, ihrer eigenen Gilde.
Die Mitglieder von Crime Sorciere wussten es aber. Und Cobra verfluchte den Tag, an dem Meredy es zufällig rausgefunden hatte. Racer und sie zogen ihn immer wieder mit Kinana auf, wenn sie sich nicht über Jellal und seine Beziehung Erza lustig machten. Der Blauhaarige liess sie machen, zu sehr war er erleichtert nicht mehr der Einzige zu sein, über dessen Liebesleben man sich lustig machte. Hoteye schwärmte immer von Liebe zwischen Licht und Dunkelheit, während Sorano den Dragonslayer immer wieder damit bedrängte sie zur Patin seiner Kinder zu machen. Doch lieber wieder Natsu schreien hören statt diese Federtussi in der Nähe seiner Kinder zu lassen.
Nur Midnight nervte nicht damit. Meistens schwieg er, doch Cobra hatte so manche Gedanken erfasst, dass der Gothic gerne eine Beziehung mit Meldy haben würde. Da konnte er Midnight nur viel Glück wünschen, Meredy konnte manchmal noch nerviger sein als Angel.
Liebevoll streichelte Cobra Kinanas sanfte Haut und lauschte ihrem ruhigen, regelmässigen Atem. Er wollte so gerne ein Leben mit ihr aufbauen, doch im Moment ging es einfach nicht und das wusste er zu genau. Seine Vergangenheit war noch eine Last und er hatte keine Ahnung wann er seine Schuld abbezahlen konnte. Momentan begnügten sich Cobra und Kinana damit ihre gemeinsamen Momente zu geniessen. Was bei weitem mehr war als er eigentlich verdient hatte.
Während die Morgenröte heller wurde, regte sich Kinana endlich und öffnete langsam ihre wunderschönen smaragdgrünen Augen.
„Morgen", murmelte Cobra, während er einen zarten Kuss auf ihre Stirn hauchte. Die junge Frau lächelte ihn an und flüsterte: „Dir auch einen guten Morgen. Solltest du dich nicht vorbereiten? Die anderen warten sicher schon auf dich?"
Der Dragonslayer murrte. Er wollte lieber nicht daran denken, dass er bald sich von ihr verabschieden musste. Bis jetzt war er immer zu spät gekommen, wenn er wieder einmal die Nacht mit Kinana verbracht hatte. Jellal hatte ihn immer wieder deswegen die Leviten gelesen, aber so etwas liess den Giftdragonslayer immer kalt. Doch da Jellal gestern die ganze Nacht mit Erza verbrachte hatte (Cobra hörte die beiden immer noch leise im Schlaf atmen), würde sein Master sicher nichts zu sagen haben. Denn der Dragonslayer war sich sicher, dass der Blauhaarige ebenfalls ziemlich spät zum Treffpunkt kommen würde. Er konnte also vor dem Abschied mehr Zeit mit Kinana verbringen.
Das würde er sich nicht entgehen lassen. Mit einem anzüglichen Grinsen näherte er sich Kinana... doch ein lautes Klopfen an der Tür unterbrach sein Vorhaben. Mit einer Grimasse liess er sich zurück auf die Matratze fallen. Fast schämte er sich die Person an der Tür nicht gehört zu haben. Aber wenn es um Kinana ging hatte er die meiste Zeit Schwierigkeiten sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Merkwürdigerweise schämte er sich nicht dafür.
„Kinana, bist du wach? Alles in Ordnung mit dir?", erklang Mirajanes besorgte Stimme hinter der Tür. Cobra hörte, dass Kinanas Brillenfreundin mit ihr war. Was wollte diese Spassbremse schon wieder? Kinana zuliebe blieb er zumindest höflich mit ihr, doch in Gedanken verfluchte er sie ab und zu.
„Du hast mich gerade aufgeweckt Mira, was ist los?", nuschelte Kinana. Auch sie schien ein wenig genervt zu sein.
„Laki hat in der Nacht komische Geräusche bei dir gehört. Wir wollen nur sicher sein, dass alles in Ordnung bei dir ist", antwortete Mirajane. Kinana wurde etwas rot, als ihr klar wurde welche Geräusche Laki wohl gehört hatte, doch sie entgegnete mit klarer Stimme: „Ich habe letzte Nacht nur ziemlich lebhaft geträumt. Könnt ihr mich jetzt bitte in Ruhe lassen? Ich bin noch ziemlich müde und möchte noch etwas schlafen bevor ich zur Gilde gehe."
„Natürlich, Kinana", erwiderte Laki, sichtlich erleichtert. „Ich hatte nur befürchtet, dass irgendein Mitglied des anderen Geschlechts in der Nacht in dein Schlafgemach erreicht hat um dich zu verführen. Einer der Banditen aus Jellals Gilde..."
„Laki", unterbrach Kinana die Holzmagierin ruhig und bestimmt, „die ehemaligen Oracion Seis sind bei weitem weniger pervers als zum Beispiel Macao und Wakaba. Lass sie doch mal in Ruhe und versuch sie beim nächsten Mal ein wenig besser kennen zu lernen. Sie können wirklich nett sein. Ich geh jetzt wieder schlafen, wir sehen uns nachher in der Gilde."
„Bis nachher, Kinana", verabschiedeten sich Mira und Laki, wobei letztere von Kinanas Meinung über die Oracion Seis nicht gerade überzeugt schien.
Als die beiden endlich ausser Hörweite waren, drehte sich Kinana wieder zu Erik um und lächelte: „Ich weiss, dass Laki dich manchmal nervt, bei mir passiert es auch ab und zu. Aber ich bin sicher, dass ihr euch gut verstehen werdet, sobald sie dich etwas besser kennenlernen will."
Cobra glaubte kaum, dass es soweit kommen würde, aber dieser Gedanke behielt er für sich. Stattdessen richtete er sich etwas auf und sagte: „Hör mal, ich denke, dass ich heute Morgen etwas länger Zeit mit dir verbringen kann."
„Aber was ist mit Jellal und den anderen? Erik, ich möchte nicht, dass du wegen mir Schwierigkeiten mit ihnen bekommst."
„Halt die Klappe. Jellal liest mich zwar immer die Leviten wenn ich zu spät komme, aber das nehme ich gerne in Kauf um Zeit mit dir verbringen zu können. Ausserdem wird Jellal heute sicher auch zu spät kommen. Gestern Abend hat Erza ihn hierher geschleppt."
„Was? Jellal ist wirklich hier in Fairy Hills?", fragte Kinana überrascht nach. Nie hätte sie gedacht, dass er sich von Erza überzeugen lassen würde die Nacht mit ihm zu verbringen. Wo er doch immer noch überzeugt davon war sie nicht zu verhindern. Doch wenn Cobra die Wahrheit sagte, war dies nun vorbei. Sie ahnte, dass er nicht gelogen hatte. Doch es würde nicht das erste Mal sein, dass er eine Ausrede erfand nur um länger mit ihr zu bleiben.
„Dieses Mal stimmt die Ausrede, ich schwöre es", brummte Cobra. Kinana kicherte, manchmal konnte er wirklich kindisch sein. Der Dragonslayer straffte sich als er dieser Gedanke hörte. Schmollend protestierte er: „Kindisch? Du findest mir kindisch? Du... Dies kann ich nur schwer verzeihen."
„Manchmal bist du es, Erik, gib es doch zu", lachte Kinana, bevor sie sich langsam seinem Gesicht näherte. „Aber ich weiss einen Weg, damit du mir verzeihen kannst."
Mit diesen Worten küsste sie ihn sanft und leidenschaftlich zugleich. Zufrieden erwiderte Cobra den Kuss. Dieses Mal würde er längere Zeit mit Kinana verbringen und er hatte vor diese Zeit bis zum letzten Tropfen zu geniessen.
Eng umschlungen lagen sie im Bett, während die Sonnenstrahlen das Zimmer von Fairy Hills nun vollkommen beleuchteten. Dieser eine Moment gehörte nur ihnen.
