Kapitel 10

-Versöhnungen-

Sirius Hände zitterten, als er versuchte, seine Krawatte zu binden. Heute war der Tag von Harrys Taufe und das Ende seines Ultimatums. Die Sonne schien von einem strahlend blauen Augusthimmel. Er war jetzt schon seit ein paar Tagen in Godric's Hallow, um sich etwas auszuruhen und James beim Haushalt zur Hand zu gehen- was im weitesten Sinne auf dasselbe hinauslief.

Er hatte viel über Sadra nachgedacht. Heute würde nicht nur sein Ultimatum auslaufen- sein Schicksal würde sich entscheiden. Sie und Lily hatten sich ständig Eulen geschickt, dabei war es wohl um die Planung und Organisation des Festes heute gegangen, soweit er aus Lily herausbekommen hatte. Lily war immer noch ziemlich mitgenommen, so hatte Sadra viel von der Organisation übernommen, vor allem alles, was außerhalb des Hauses so angefallen war an Einkäufen. Seine Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Sie sollte eine Entscheidung treffen und keine Partys planen! Und wenn sie nicht zu ihm stehen würde, würde er sie vergessen müssen. Er würde sein Wort halten. Er wusste genau, was er da verlangte, aber die Zeiten waren nicht solche, in denen man lange Reden und Kompromisse finden konnte. Was für Kompromisse sollten das auch sein? Er brauchte eine starke, loyale und kämpferische Frau an seiner Seite. Nicht eine wunderschöne, deren Schenkel sich so unglaublich anfühlten, wenn sie sich um seine Hüften schlangen, deren sanftes Stöhnen ihn in den Wahnsinn trieben konnte….Merlin, er musste schnell an etwas anderes denken.

Dorcas war auch nicht entgangen, dass da irgendwas in der seiner Beziehung zu Sadra schief gelaufen war und hatte angefangen, ihn anzugraben, aber es hätte ihn nichts weniger interessieren können. Sie war so unspektakulär, so wenig schillernd und verlockend, nicht temperamentvoll und leidenschaftlich…bald würde einen Sektkühler voller Eis brauchen, um sich abzukühlen. Er schüttelte sich wie ein junger Hund. Jetzt saß wenigstens sein Haar perfekt.

Rasch lief er Treppe hinunter, um nach James Ausschau zu halten. Lily war gerade im Haus ihrer Eltern, wo sie versuchte, ihre Schwester Petunia, die sich einfach geweigert hatte zu kommen, davon zu überzeugen, dass sie zu der Taufe ihres Neffen kommen solle. Diese Petunia schien schon eine ziemlich fiese Person zu sein.

James rannte im Wohnzimmer auf und ab,

„Nervös, Krone?" grinste Sirius.

„Kein Stück." James zündete sich eine Muggel-Zigarette an. „Und selbst?"

„Kaum." Sirius zündete sich ebenfalls eine an.

„Sieh mal, wer da kommt! Wow, wow, wow, Tatze. Wenn ich nicht so hoffnungslos in Lily verleibt wäre, würde ich dich ja beneiden."

Ich trug an diesem Tag ein bezauberndes leichtes Sommerkleid in mitternachtsblau mit passenden Stilettos, jeder Menge glitzernder Steine und einem blauen Haarband. Sirius konnte fast nicht mehr atmen.

„Meine Güte!" presste er hervor.

James lachte. „Tatze- ich brauche dich heute noch. Ja? Denk bitte dran, dass Lily um zwölf wieder hier ist und um drei wollen wir meinen Sohn taufen. Mit dir als seinem Paten!"

Sirius nickte abwesend und kam auf mich zu.


Ich war extra früh gekommen, ich hatte mit ihm sprechen wollen, bevor es zu knapp vor der Taufe werden würde. Ich lächelte ihn schüchtern an. Ich denke, er wusste, dass ich keine schlechten Nachrichten bringen würde, sein Gang war zu selbstsicher.

Er war so wunderschön. Die starken Arme, die er vor der Brust verschränkt hielt, als er vor mir stand, die beiläufige Eleganz in seinem Gesicht und die schlecht versteckte Sehnsucht in seinem festen Blick aus den stahlgrauen Augen.

Ob man es glaubt oder nicht, ich hatte schwere Wochen hinter mir. Ich hatte viel über seine Worte nachgedacht, ich wusste auch, dass sie wahr waren und ich hatte Angst. Ich war noch nie der rebellische Typ gewesen, höchstens mal etwas ungehorsam. Und ich konnte nie begreifen, wie Sirius zu dem Mann geworden war, der er war. Er hätte doch alles haben können. Stattdessen musste er immer den dornigen Pfad wählen und sich gegen alles auflehnen, was jemals von ihm erwartet wurde. Natürlich war er selbstverliebt in seine rebellische Seite, aber wie konnte man in diesen Mann nicht verliebt sein? Ich liebte ihn und das musste in meinen Augen damals Grund genug sein, um ihn zu unterstützen. Alle Menschen, die mir damals etwas bedeuteten, waren auf die ein oder andere Art in den Kampf gegen Voldemort verwickelt. Lily, das Schlammblut, Clot, das Halbblut- wer wusste schon, ob es sie nicht als nächstes treffen würde?

Alles in allem- ich tat es aus den falschen Gründen. Es war nicht meine Überzeugung, die mich handeln ließ, sondern Liebe zu diesem Mann und vielleicht ein bisschen Sorge um meine Freunde, aber damit hätte ich umgehen können. Heute hätte ich wohl anders entschieden. Heute weiß ich, dass Undank der Welten Lohn ist.

An diesem Tag im August, als er so vor mir stand und versuchte, die Antwort in meinen Augen zu lesen, konnte ich nicht anders. Er fand, was er suchte. Und als er mich an sich zog und mit all seiner Leidenschaft küsste, dachte ich, dass ich richtig gehandelt hätte. Für mich war das alles, was ich brauchte.


Die Zeremonie war wunderschön. Lily und James grinsten beide wie Honigkuchenpferde und Sirius strahlte mit ihnen um die Wette, als er Harry über das Taufbecken hielt. Der Kleine verschlief die ganze Aufregung um seine Person komplett. Als sich die laue Neumondnacht über den Garten des Anwesens senkte, wurde überall in den Bäumen Laternen angezündet und der Geruch von gegrilltem Fleisch mischte sich den Klängen der Band, die an diesem Abend für die Gäste spielte.

Ich tanzte gerade mit einem ausnahmsweise mal fast frisch aussehenden Remus, als ich bemerkte, dass Sirius ziemlich energisch auf Dumbledore einredete. Ich sah seine herausfordernde Haltung und die Gesten, mit denen der alte Mann augenscheinlich versuchte, ihn zu beruhigen. Nach einigen Augenblicken machte Sirius schließlich auf dem Absatz kehrt und marschierte ins Haus- man brauchte kein Fernglas, um erkennen zu können, dass er vor Wut schäumte.

Ich hatte nicht die geringste Idee, worum sich diese Szene gerade gedreht haben mochte und wollte Sirius gerade nachlaufen als Hagrid vor mich trat und mich um den nächsten Tanz bat. Nun, wer konnte einer solchen Aufforderung schon wiederstehen? Sirius ließ man besten sowieso allein, wenn er in dieser Stimmung war und es war pures Vergnügen mit Hagrid zu tanzen. Er konnte einen herumwirbeln und durch die Gegend schleudern, als sei man eine leichte Feder und welche Frau mochte dieses Gefühl nicht?

Erst sehr viel später sah ich Sirius wieder. Er saß auf der Schaukel im hinteren Teil des Gartens, seine Krawatte hing ihm lose um den Hals, in der einen Hand ein Glas Feuerwhisky, in der anderen eine Zigarette.

„Hey." Ich versuchte es mit einem Lächeln.

„Hey." Ganz glücklich klang er immer noch nicht.

„Worüber hattest du denn eben mit Dumbledore Streit?"

Er ließ mich abblitzen. „Ach, das war nichts."

„Für nichts hast du aber ganz schön miese Laune."

„Ich habe nur schlechte Laune, weil die schönste Frau, die heute Abend hier ist, mich nicht mal anguckt." Er warf mir einen seiner unwiderstehlichen Hundeblicke zu.

Ich zog eine Augenbraue hoch. „Wirklich? Wer ist Schlampe? Der werd ich was husten!"

„Ja, das wäre wirklich nett von dir." Er lachte und griff nach meiner Hand. „Ich fürchte nur, dass ich so lang nicht warten kann. In der Zwischenzeit werde ich dann wohl mit dir vorlieb nehmen müssen."

Er sehnte sich nach mir. Sein ganzer Körper schien in Aufruhr, als er anfing, mich zu küssen. Viel später fand ich heraus, dass Sirius Dumbledore gefragt hatte, ob ich nun in den Orden aufgenommen werden könnte. Dumbledore hatte ihm an diesem Abend geantwortet, dass sich erst herausstellen müsste, ob ich tatsächlich Informationen von Wert liefern könne und ob ich mehr als Lippenbekenntnisse zu bieten hätte. So lange sei es ihm weiterhin verboten, mir gegenüber den Orden zu erwähnen.

„Du hast mir so schrecklich gefehlt," murmelte Sirius zwischen zwei Küssen.

„Sirius, ich dich doch auch. Aber denk daran, was das letzte Mal passiert ist, als du mich so schrecklich vermisst hast," kicherte ich und dachte an die Sylvesterfeier.

Er lächelte. „Ich werde warten, bis sie alle gegangen sind, aber dann werde ich Wiedergutmachung für einen ganzen verlorenen Monat von dir fordern."

Sexy und selbstbewusst wie immer, voller Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten. Er war einfach unwiderstehlich.

„Das werde ich. Glaub mir." Dieses Mal war seine Stimme schon heiser vor Lust und ich wand mich rasch aus seinen Armen. „Komm, lass uns tanzen. Vielleicht sieht uns die schönste Frau auf der Party ja und wird eifersüchtig."

Die Party ging bis in die frühen Morgenstunden- wir tanzten, tranken und lachten. Mir fielen weder die gierigen Blicke von Peter auf noch der Kummer in Dorcas Gesicht.

Ich schlief in dieser Nacht nicht, Sirius hielt sein Versprechen und ließ mich alles wiedergutmachen bis es Zeit war zum Mittagessen.


Als der Herbst Einzug ins Land hielt, stieg die Zahl der Übergriffe durch Todesser plötzlich auf ein alarmierendes Niveau. Sirius und James ließen sich zu dem Scherz herab, dass auch die Todesser wohl in den Sommerferien gewesen sein, aber das änderte nichts daran, dass Angst in der Bevölkerung um sich griff wie eine Seuche. Die Informationen, die ich von Gringott's beschaffen konnte, schienen sehr nützlich zu sein, zumindest war Sirius sehr zufrieden mit dem, was ich ihm erzählen konnte. Dabei kam es mir natürlich auch zu Gute, dass ich überall Leute kannte (auch noch über meine Familie) und viele Dinge hörte, die nicht zwingend öffentlich gemacht wurden; und da war natürlich auch noch Clot, die jede Art von Klatsch und Tratsch aufsaugen konnte wie ein Schwamm und bei Bedarf komplette Lebensläufe runterspulen konnte.

Es war ein früher Samstagmorgen Ende Oktober, als ich hörte, wie Sirius meine Wohnung betrat. Er hatte wieder eine Nachtschicht gehabt. Ich lag in meinem Bett, völlig nackt. Obwohl ich wusste, dass er seit zwei Nächten kein Auge zugetan hatte, wusste ich genauso gut, dass er meinem nackten Körper nicht würde widerstehen können. Nach wie vor reichte mein bloßer Anblick aus, um ihm den Kopf zu verdrehen- und das nach immerhin einem Jahr Beziehung. Ich hörte ihn im Flur gähnen und dann leise Schritte. Ich spürte seine körperliche Anwesenheit in meinem Schlafzimmer in der Sekunde als er eintrat und auch seine Erregung bei meinem Anblick. Ich weiß nicht, warum ich so tat, als schliefe ich noch- ich war noch ein wenig betrunken vom Vorabend, den ich mit Clot hier verbracht hatte, und irgendwie war es auch ein interessantes Spielchen. Ich hörte ihn seine Kleider abstreifen, fühlte sein Gewicht auf meinem Bett und könnte seinen Duft riechen als er sich schließlich über mich kniete.

Seine Hände glitten mit kräftigen und fordernden Bewegungen über meine Haut. Mein Körper reagiert sofort und straffte sich, aber ich tat immer noch so, als schliefe ich. Ich fühlte seine aufgerichtete Männlichkeit und wusste, dass auch er diesem Spiel nicht abgeneigt wäre. Seine Zunge spielte an meinem Ohr, während seine Hände nach meinen Brüsten suchten. Ich tat so, als sei ich schlaftrunken, drehte mich und flüsterte seinen Namen. Seine Haut wurde noch eine Nuance wärmer.

Seine Fingerspitzen liefen jetzt an meinem Bauch hinunter und öffneten sanft meine Schenkel. Was er tat, fühlte sich seltsam an, aber gleichzeitig aufregend, verboten und einzigartig. Er erregte meinen intensivsten Lustpunkt mit sicheren Berührungen, ich war bereit für ihn, weich und entspannt.

„Du willst es," wisperte er und ließ einen Finger in mich gleiten. Ich stöhnte leise auf. Er kniete zwischen meinen gespreizten Schenkeln und streichelte meinen Lustpunkt mit seiner Erektion. Es fühlte sich unglaublich an. Meine Hüften begannen automatisch sich zu bewegen, langsam und sinnlich. Er drang sanft in mich ein, ich war noch eng um ihn. Die Erregung lief mir wie ein kalter Schauer über den Rücken, er bewegte sich so langsam, dass es mich in den Wahnsinn trieb. Ich öffnete die Augen und stöhnte wieder seinen Namen.

Er lächelte mich schelmisch an „Du konntest wohl nicht ewig so tun als würdest du schlafen, hm?" Ich sah ihm in die Augen, genauso wie er es liebte. Seine Stöße waren immer noch langsam und tief.

"Sirius."

„Was denn?" Er wollte mit mir schlafen und nicht reden.

"Sirius, ich habe keinen Verhütungstrank mehr, du musst vorsichtig sein."

"Muss ich das wirklich?" flüsterte er und stieß wieder sanft in mich.

Seine Reaktion überraschte mich, aber der Gedanke, hier und jetzt ein Kind zu machen, schien ihn zu erregen. Er spürte meine Zögerlichkeit und flüsterte: „ Ich liebe dich und wenn es hier und jetzt passieren soll, werde ich es passieren lassen."

Ich weiß nicht, warum, aber bei seinen Worten schien meine eigene Lust sich zu verdreifachen. Er liebte mich so sehr, dass er bereit wäre, mit mir ein Kind zu machen. Ich wollte gar keins, aber in dem Moment, als er es sagte, während er in mir war, der Mann, den ich über alles liebte, spürte ich eine völlig neue Art von Gefühl; er bewegte sich jetzt schneller und versicherte mir durch seinen Körper, dass wir das Richtige taten. Was passierte bloß mit uns?

Seine Stöße wurden immer schneller und heftiger, ich antwortete ihm, indem ich meine Nägel in seinen Po krallte, um ihn noch fester an mich pressen zu können. Wir kamen in derselben Sekunde, beide mit einem lauten Schrei. Ich fühlte mich sekundenlang wie bewusstlos, es war der intensivste Orgasmus, den ich je hatte.


Im November wollten wir am Wochenende mit James, Lily, Remus, Clot, Peter und vielleicht auch Dorcas ausgehen. Die gute, alte Bathilda Bagshot hatte sich bereit erklärt, auf Harry aufzupassen.

Unser kleines Abenteuer hatte glücklicherweise nicht zu einer Schwangerschaft geführt. Ich war erleichtert. So leidenschaftlich dieser Morgen auch gewesen sein mochte- es war hochgradig leichtsinnig gewesen, was wir da getrieben hatten. Was in aller Welt hatte ich mir dabei nur gedacht? Was sollte ich denn mit einem Kind? Noch dazu jetzt? Im Gegensatz zu mir war Sirius enttäuscht gewesen. Ich würde also in Zukunft sehr vorsichtig sein müssen und immer genug Verhütungstrank in meiner Wohnung haben. Er würde das Risiko jederzeit wieder eingehen. Er liebte Kinder und seit er Harry kannte, schien sich seine gesamte Einstellung diesem Thema gegenüber geändert zu haben.

Das änderte aber nicht daran, dass die Dinge um uns herum immer schlimmer zu werden schienen. In der vergangenen Woche hatte Voldemort einen Überfall auf Frank und Alice Longbottom verübt und sie waren ihm erst in allerletzter Sekunde entkommen. Es hatte auch Angriffe der Todesser auf James und Sirius gegeben, aber sie konnten sich jedes Mal einen Ausweg aus der Situation erkämpfen.

Ich stand vor meinem Spiegel und schloss die Kette, die ich heute Abend tragen wollte. Sirius stand auf einmal hinter mir und schloss mich in die Arme, während er seinen Kopf auf meine Schulter legte und mich traurig durch den Spiegel ansah. Seine rechte Hand glitt meinen Bauch hinab und hielt dort inne, wo jetzt sein Kind liegen würde. Ich erwiderte seinen Blick und versuchte, neutral zu gucken. Was war bloß in letzter Zeit in ihn gefahren? Seine Augen waren so voller Liebe und Zärtlichkeit, dass ich mich meiner Erleichterung fast schämte.

„Du bist so wunderschön, unser Baby wäre perfekt geworden."

„Sirius, wir können später hunderte von Kindern haben. Wir sind jung. Was ist denn los mit dir? Der berühmt-berüchtigte Sirius Black, Albtraum wachsamer Mütter und wohlgesitteter Frauen möchte unbedingt ein Kind?"

„Mit dir." Es war nur ein Flüstern. „Schau mal, wenn ich jetzt sterben würde, was bliebe dann noch von mir? James hat Harry, Frank hat Neville. Sogar meine grauenhaften Eltern haben zwei Kinder."

„Das sagst du so? Dabei lebt auch Franks Mutter noch und möchte ihren Sohn sicher auch nicht missen. Auch deine Mutter nicht."

„Du weiß genau, was ich meine." Verärgert ließ er mich los.

Ich musste unweigerlich seufzen. Nach allem, was er durchgemacht hatte, konnte ich ihn sogar ein Stück weit verstehen. Aber was, wenn sich dieses Projekt als ähnlich kurzlebig erweisen würde, wie so viele andere seiner Ideen? Man könnte schließlich mit dem Kinder haben nicht aufhören wie mit einer Partie Poker.

Sirius dagegen war wütend. Verstand sie denn nicht, wie sehr er sie liebte? Ja, natürlich war er schnell zu begeistern und verlor oftmals genauso schnell wieder das Interesse. So war er nun mal. So war es ja auch mit den Frauen vor ihr gewesen, aber das hier war etwas ganz anderes. Er wollte ihre Liebe besiegeln, etwas erschaffen, was nur er und sie würden erschaffen können. Aber sie wollte es einfach nicht verstehen.

Der Abend war deutlich weniger witzig als ich es erwartet hatte. Lily trank nur Kürbissaft, weil sie Harry noch stillte, James und Sirius tranken dafür viel zu viel und rissen nur noch dämliche Witzchen, die man nur volltrunken ertragen konnte. Remus sagte kaum und Wort und Peter wirkte völlig überdreht und schien einen fiebrigen Glanz in seinen Augen zu haben. Clot and Dorcas waren gar nicht erst gekommen. Die ganze Atmosphäre war bestenfalls angespannt und ich fühlte mich einmal mehr irgendwie ausgeschlossen.

Weihnachten und Neujahr verbrachten wir bei Lily, James und Harry in Godric's Hallow. Es war eine wundervolle Zeit. Die kleine Familie lebte in perfekter Harmonie und wir fühlten uns als dazu gehörig. Ich liebte es, mit Lily einen Tee oder Kaffe zu trinken, während die großen Jungs mit Harry spielten oder wenn wir alle zusammen durch den Schnee spazierten. Es hätte nicht schöner sein können.

Diese friedliche Zeit war sicher das Kostbarste und Schönste seit Langem. All diese Gemütlichkeit, alles war so warm und kuschelig und weich und heimelig. Besonders, wenn Harry mich dazu noch anstrahlte. Ich beneidete Lily wirklich. Wie schaffte sie es nur, so eine liebevolle Atmosphäre in ihrem Heim zu schaffen? Mein Zuhause war bestenfalls durchgestylt und mit Schuhen überfüllt. Vielleicht sollte ich die Idee doch noch mal überdenken, und mit Sirius auch eine Familie gründen? Bei diesem Gedanken musste ich über mich selber lachen. Als ob das was ändern würde. Ich war kein Familienmensch wie Lily und wäre wohl gar nicht imstande, so ein gemütliches Heim zu erschaffen.