Kapitel 10: Vergessene Welt der Verdammnis
James Westhouse hatte allen Grund zur Freude.
Als stellvertretender Leiter der obersten Zaubereibehörde konnte er bisher nicht viel Reden von sich machen.
Sein Ehrgeiz wurde von den klar umrissenen Anweisungen, die ihm der Amtsinhaber, Cornelius Fudge, bei Abwesenheit jeweils hinterließ, völlig eingeengt.
Seit zwei Jahren wartete er schon auf die Gelegenheit, zu zeigen, wie er die Krise in der Zaubererwelt lösen würde. Nun war seine Stunde gekommen.
Fudge weilte auf dieser unwichtigen Konferenz in Hogwarts.
Westhouse nutzte die Zeit und befahl in eigener Verantwortung , ohne das Wissen des Ministers , einen Angriff auf eine geheime Versammlung Voldemorts und seiner Todesser.
Wieder einmal machte sich bezahlt, dass er, James Westhouse, über eigene Informanten verfügte, die nur ihm persönlich berichteten.
Und jetzt war es gelungen, einen der Todesser, noch dazu einen Anführer, festzusetzen.
Fudges Stunden wären gezählt, wenn sein Stellvertreter die Kenntnis über den Aufenthaltsort des dunklen Lords präsentieren würde.
Selbstzufrieden lächelnd wartete Westhouse im Empfangsbüro von Askaban auf die zuständigen Spezialisten für Verhöre.
Das triste Zimmer mit den grauen schmucklosen Wänden konnte seine Hochstimmung nicht dämpfen.
Mit der flachen Hand wischte er einige Staubflocken von seinen polierten schwarzen Halbschuhen und schlug die Beine wieder übereinander.
Er hatte es abgelehnt, den Gefangenen selbst in Augenschein zu nehmen. Seine Welt waren die modernen Büros des Zaubereiministeriums und intrigante Dinergespräche in Sohos eleganten Restaurants .
Die Vorstellung, sich in die tiefen Verließe des heruntergekommenen Gefängnisses zu begeben, verursachte ihm Unbehagen.
Endlich hörte er den Klang schwerer Stiefel auf dem Korridor. Zwei Männer traten ins Zimmer und schauten ihn abschätzend an.
Der eine, ein bulliger Kerl Anfang fünfzig mit geschorenen Haaren und straffen Gesichtszügen mit tiefen Mimikfalten, stellte sich militärisch geschliffen, als Buck Ironfield vor.
Der zweite, ein schmalgesichtiger hagerer Endfünfziger mit wachen Augen, streckte seine Hand aus und begrüßte den stellvertretenden Minister:" Willkommen in Askaban, Sir. Meine Name ist Ethan Exeter. Sie haben sich extra wegen unserem neuen Gefangenen bemüht?"
Westhouse erhob sich und sah aus dem kleinen Fenster auf das tosende Meer unterhalb des Festungsfelsens.
"Ich betraue Sie mit dem Geheimauftrag, den Todesser zu verhören.".
Die beiden Wärter grinsten sich heimlich zu.
"Sie werden das Versteck Lord Voldemorts in Erfahrung bringen. Ich lasse Ihnen hierbei völlig freie Hand".
Seine Stimme nahm einen eindringlichen Ton an: "Und Sie werden ausschließlich mir Bericht erstatten, ist das klar!"
Er drehte sich um und blickte forschend in die Gesichter der beiden Männer.
Ihr Schweigen wertete er als Zustimmung und fuhr fort: "Ich brauche Ergebnisse! Spätestens in vier Tagen will ich alle Einzelheiten auf meinem Schreibtisch haben. Ihre Arbeit wird vorzüglich belohnt werden. Ich verlasse mich da ganz auf Ihre Fähigkeiten.
Enttäuschen sie mich nicht. Oder wollen Sie ewig hier in Askaban verrotten!".
"Was sollen wir tun, wenn er nicht redet! Es sollte mich wundern, wenn ein Todesser, und noch dazu ein hochrangiger, seinen Herrn verrät!
Es gibt klare Anweisungen über den Verlauf von Verhören vom obersten Rat!", wendete der hagere Wärter mit näselnder Stimme ein.
"Niemand von der Behörde, nur die hier im Raum befindlichen Personen, werden je von dem Sonderverhör erfahren. Also haben sie alle Freiheitren in Ihren Entscheidungen.
Hat Sie denn die völlig unsinnige Rücksichtnahme auf die Rechte von Kreaturen, wie diesen Todessern, nicht bisher auch bei Ihrer Arbeit behindert!
Lassen Sie Ihren Intuitionen freien Lauf!"
Er machte eine Pause und ließ seine Worten wirken, dann blickte er Buck scharf an: "Aber bringen Sie mir Ergebnisse! Egal wie!"
Buck feixte hämisch und schlug zustimmend seine Faust in die flache Hand. Ethan war nicht so leicht zu überzeugen: "Er wird beim Ministerium gegen uns aussagen, wenn wir uns nicht an die Konventionen für Gefangenenbefragungen halten. Sobald er dem Gerichtshof überstellt wird, kann er versuchen, eine Beschwerde durchzukriegen".
James Westhouse sah den hageren offensichtlich ängstlichen Mann milde lächelnd an und antwortete dann maliziös:" Es ist nicht erforderlich, dass der Bursche Askaban lebend verlässt.
Immerhin wurde er, wie man weiß, bei der Festnahme verwundet. Man hat die Verletzung eben unterschätzt und er erlag ihr bedauerlicherweise."
Bucks Mund verzog sich zu einem schiefen Grinsen.
Ethan sagte nichts mehr; er hatte nun den eindeutigen Auftrag, der ihm gefehlt hatte, um sich wieder sicher zu fühlen.
Der Meister der Tränke hatte keinen Schlaf gefunden.
Die Nacht auf dem blanken steinernen Fußboden der kahlen Zelle verging, in sich endlos hinziehenden Stunden.
Nur am allmählich durch die Türritzen dringenden matten Lichtschein konnte er ablesen, dass ein neuer Tag begann.
Er war nun seit mindestens 10 Stunden Gefangener des Ministeriums und noch immer konnte er keinerlei Nachricht an den Orden absetzen.
Nachdem man ihn gestern durch modrige feuchte Gänge in die Tiefe des berüchtigten Gefängnisses geschleppt hatte, waren alle Gegenstände aus seinem Umhang und seiner Kleidung genommen worden.
Neben einigen Phiolen, die er immer bei sich trug, wurde auch der Ring des Ordens von seiner Hand gerissen.
Benommen vom Schmerz des entzündeten Beines versuchte er, sich vorsichtig aufzurichten.
Seine Schultern waren steif und fühlten sich taub an.
Noch immer waren seine Hände straff auf dem Rücken zusammen gebunden. Er stützte sich seitlich auf seine Ellbogen und schwang sich mit einem Ruck auf die Knie.
Ein greller Schmerz von der dunkel verfärbten Wunde ließ ihn zusammenzucken.
Er kroch an die gegenüber liegende Wand und ließ sich an ihr nieder. Von hier aus hatte er die spärlich vom Tageslicht des Korridors umrahmte Tür im Blick.
Seine Lage war aussichtslos.
Er konnte nicht riskieren, seine Funktion als Spion für den Orden preiszugeben. Voldemort verfügte überall über Sympathisanten, die ihn verraten konnten.
Auch in Askaban durfte er sich nicht offenbaren.
Er besaß keine Verbindung mehr zum Orden. Aber Dumbledore musste erfahren, dass nun jederzeit mit einem Angriff Voldemorts gerechnet werden musste.
Die einzige Hoffnung war eine rasche Überstellung in die Gerichtsbarkeit des Ministeriums, wo die Möglichkeit bestand, Fudge zu treffen.
Der dumpfe Widerhall der Schritte von mindestens zwei Personen auf dem Gang, riss Snape aus seinen Überlegungen.
Die Tür wurde aufgestoßen und die Umrisse von zwei Männern zeichneten sich gegen das trübe Licht des Korridors ab.
"Lumos", gebot eine raue Stimme und der Kerker erstrahlte hell.
Snape war einen Augenblick geblendet.
Dann wurde eine Fackel in einer Wandhalterung entzündet. Im unruhigen Schein des Feuers sah Snape die fremden Gestalten.
Ein kräftiger, soldatisch wirkender Wärter in Stiefeln stapfte in den Raum und lächelte ihm grausam zu.
Hinter ihm betrat ein schmaler, gebeugt erscheinender Mann zaghaft die Zelle.
"Guten Morgen! Ich hoffe, wir hatten eine erholsame Nacht", spottete der bullige Uniformierte.
"Wir haben noch eine Menge vor und du wirst uns einiges zu erzählen haben",. Er zog einen Holzschläger aus derTasche seiner Cargohose und klatschte sich damit vielversprechend in die Hand.
Snape schob sich, ohne einen Laut von sich zu geben, an der Wand hoch, bis er sicheren Stand hatte und hinkte den übelgesonnenen Besuchern entgegen.
Buck machte zwei weitere Schritte auf ihn zu und blieb dicht vor ihm stehen. Auge in Auge hauchte er ihm seinen streng riechenden Atem ins Gesicht: "So mein Freundchen, jetzt verrätst du uns erst mal, wie du heißt und wie du dich bei Voldemort nützlich machst!"
Snape erwiderte fest den Blick aus den verkniffenen blauen Augen. "Ich bin Severus Snape, Oberlehrer für Zaubertränke an der Hogwarts-Schule für Magie ", gab er ungerührt Auskunft.
"Hört, hört, ein Professor von Hogwarts!", amüsierte sich Buck und sah sich augenzwinkernd zu Ethan um.
"So und jetzt hör sofort auf mit den Spielchen und raus damit, was ihr gestern zu beraten hattet.
Und vor allem: Wo versteckt sich euer Anführer, wo ist das Hauptquartier von Voldemort?", zischte Buck dicht vor dem gleich großen , gefesselten Zaubertränkelehrer.
"Ich spreche ausschließlich mit Albus Dumbledore oder Cornelius Fudge", erwiderte Snape trocken.
"Elende Todesser-Missgeburt!", kreischte Buck und riss sein Knie in den Unterleib des Gefangenen, "wage nicht noch einmal die Namen dieser Ehrenmänner in dein dreckiges Maul zu nehmen".
Der misshandelte Todesser brach in jäh aufbrausendem Schmerz auf die Knie. Gequält krümmte er sich vornüber.
"Also, hast du's kapiert! Wo ist Voldemort? Antworte!"
Snape ließ keine Silbe über seine Lippen kommen, auch keine Schmerzlaute waren ihm entronnen.
Noch immer hielt er sich gebückt; die schrille Pein verklang nur allmählich .
Buck wurde von einer Welle blindwütigen Hasses erfasst.
Dieser bleichhäutige überhebliche Kerl mit den undurchdringlichen Augen wollte es wohl auf die harte Tour. Aber da war er absolut an den Richtigen geraten.
Mit seinen schweren Lederstiefeln trat er dem vor ihm knieenden Todesser mitten ins Gesicht.
Mit einem hässlichen Knacken brach das Nasenbein des gefesselten Gefangenen.
Die Wucht des Trittes schleuderte ihn rückwärts auf den Steinboden.
Snape schlug hart mit dem Hinterkopf auf und schmeckte dann Blut, das ihm aus der Nase lief.
Schon war Buck breitbeinig über ihm und zog ihn am Kragen seiner Robe wieder auf die Beine.
Der wehrlose Tränkemeister wurde von einem Schwindelgefühl erfasst und lag für einen Moment schwer in den Händen seines Peinigers.
Als Buck das zunehmende Gewicht des Todessers spürte, versetzte er ihm einige Schläge ins Gesicht, damit er bei Bewusstsein blieb.
Unaufhörlich lief ein warmer Blutstrom aus der Nase durch Snapes Rachen die Kehle hinunter und nahm ihm die Luft.
Er hustete und ein Schleier feiner Blutstropfen wirbelte von seinen Lippen; Buck machte angewidert einen Schritt rückwärts.
Ethan trat jetzt vor und kam dicht an Snape heran.
Er setzte eine mitleidige Miene auf und sprach sanft: "Severus, so heißen Sie doch... Machen Sie es sich doch nicht so schwer.
Buck, mein Freund hier, kann so unbeherrscht sein. Sagen Sie uns lieber jetzt gleich, was wir wissen wollen und er wird Sie in Ruhe lassen".
Er zog ein sauberes Tuch aus dem Umhang und wischte vorsichtig über das blutverschmierte Gesicht des Todessers.
"Nennen Sie uns einfach den Aufenthaltsort des dunklen Lords. Dann tauschen Sie dieses böse kalte Verlies mit einem gemütlichen, warmen Bett auf einer Krankenstation und keiner tut Ihnen mehr etwas..
Sie müssen nur jetzt reden".
Der kleinere Ethan hatte seine Hände auf die knöchernen Schultern des Tränkemeisters gelegt und sah ihn eindringlich an.
Snapes Augen waren ausdruckslos ins Leere gerichtet.
Mit monotoner Stimme wiederholte er:" Ich muss Albus Dumbledore sprechen. Bringen Sie mich zu ihm oder zu Fudge".
Mit einem Wutschrei stieß Buck seinen Kollegen zur Seite.
"Du wagst es immer noch Forderungen zu stellen?", schrie er Snape an.
"Ich bringe dir bei, was du hier bist, du widerlicher Abschaum.
Du wirst noch um Gnade winseln!"
Mit diesen Worten schwang er den Knüppel beidhändig und schlug ihn so hart er konnte, in Snapes Magen.
Der dunkle Magier gab ein gurgelndes Geräusch von sich, dann wurde ihm schwarz vor Augen und er brach zusammen.
Buck trat dem heftig würgend vor ihm Liegenden Mann in die Rippen.
Snapes Magen rebellierte endgültig gegen das geschluckte Blut aus dem gebrochenen Nasenbein.
In einem Schwall schoss hellrotes Blut aus seinem Mund und ergoss sich über den Steinboden des Kerkers.
"Hör sofort auf, Buck", kreischte Ethan,"du bringst ihn ja um, bevor er uns nützlich sein kann!"
Snape hörte nur noch aus weiter Ferne, wie Buck grummelnd zustimmte, dann verließen ihn seine Sinne.
Er spürte auch nicht mehr, wie Ethan ihn an den gebundenen Armen aus der Blutlache zog.
Auf dem kalten Schieferboden dämmerte er ohnmächtig in die kommende Nacht.
Die schwere stahlbewehrte Holztür war wieder verriegelt, der Gefangene blieb allein.
Tief in der Nacht erwachte Snape aus einem traumlosen Delirium.
Sein Körper war steif, sein Bein zunehmend gefühllos.
Er konnte die Stichverletzung an seinem Oberschenkel nicht sehen.
Es herrschte vollkommene Dunkelheit in dem Verlies.
Durch die gebrochene Nase bekam er kaum noch Luft.
Aber im Moment quälte ihn vor allem großer Durst.
Erst allmählich wurde ihm bewusst, dass er trotz der Kälte im Kerker schweißgebadet war.
Als er seinen Kopf anhob, um sich aufzusetzen, verspürte er ein Stechen in der Stirn. Erschöpft legte er sich wieder ab und stierte in die Dunkelheit.
Seine Gedanken wurden nur noch von seinem Verlangen nach Wasser beherrscht.
Erst nach Stunden übermannte ihn wieder die Müdigkeit des beginnenden Wundfiebers.
Als später am Nachmittag die Tür wieder geöffnet wurde, lag Snape immer noch dort, wo man ihn Tags zuvor hingeschleift hatte.
Durch das entfachte helle Licht und die Stimmen der beiden Wärter kam er langsam zu sich.
Er blinzelte durch den Vorhang seiner schwarzen Haare und sah seinen gestrigen Folterer erneut über sich.
Doch nicht er, sondern Ethan fasste Snape sachte unter den Armen und half ihm vorsichtig auf.
Schweißperlen erschienen auf de Stirn des Gefesselten, während er unübersehbar leicht zitterte.
Ehtan schien überrascht zu sein, sagte aber nichts zu seinem Kollegen. Es war ihm nicht entgangen, dass der Todesser das verletzte Bein überhaupt nicht mehr belasten konnte. Bei näherer Betrachtung war die Wunde durch die zerrissenen Hose als hässliche aufgequollene Wulst zu erkennen. Das Fleisch hatte eine schwarzbläuliche Farbe angenommen und glänzte feucht.
Zweifellos hätte die schwere Verwundung schon vor zwei Tagen versorgt werden müssen.
Dagegen nahm sich das dunkel angelaufene Nasenbein für Ethan als bedeutungslos aus.
Der Todesser machte einen fiebrigen Eindruck auf den Wärter, gleichwohl sich der Mann immer noch abmühte, gerade zu stehen.
Ein Blick in die Augen über den eingefallenen Wangen bestätigte sein Gefühl. Das wache Funkeln der schwarzen Pupillen war einem stumpfen, aber immer noch abwehrenden Ausdruck gewichen.
Ethan wandte sich an Buck und flüsterte ihm zu: "Der Kerl ist in einem miserablen Zustand. Sein Bein hat sich entzündet. So wie es aussieht, hält er nicht mehr lange durch. Ich denke, du musst bald ans Ziel kommen, bevor er krepiert. Du verstehst?"
Buck nickte nur.
"Ich hole etwas Wasser für den Gefangenen", sagte er dann lauter und verschwand auf den Korridor.
Kaum war die Tür ins Schloss gefallen, trat Buck bösartig grinsend auf Snape zu.
"So, mein Freund, genug mit dem Geplänkel. Wo waren wir gestern stehen geblieben?"
Er tat so, als würde er nachdenken.
Snape fixierte ihn unbewegt und bemühte sich, die Schauer von Zittern, die ihn durchliefen, zu unterdrücken.
"Ach ja!", nahm Buck den Faden wieder auf, "du wolltest mir erzählen, wo Voldemort zu finden ist".
Der Meister der Tränke richtete sich auf und sprach mit furchtloser Stimme:" Ich habe keinerlei Kenntnis über den Schlupfwinkel des dunklen Lords. Sie können mich misshandeln, so viel Sie wollen, ich kann Ihnen dennoch nichts sagen".
Bucks breiter Mund verzog sich zu einem teuflischen Lächeln, Speichel spritzte von seiner Zunge, als er ausrief:" Das will ich gern ausprobieren, du elender Mörder!"
Blitzschnell hatte er den Schlagstock gezogen und versetzte Snape einen brutalen Hieb auf den entzündeten Oberschenkel.
Mit einem widerlichen Laut platzte die Wunde wieder auf und schwarzes Blut quoll dickflüssig hervor.
Snape öffnete den Mund vor Qual, bekam aber keinen Ton über seine Lippen. Seine Beine drohten unter ihm wegzubrechen, doch schon wurde er von dem breitschultrigen Wärter an der Kehle gepackt und an die Wand gedrängt.
Kaum in der Lage, noch zu gehen, taumelte er rückwärts, wurde jedoch von Buck mit hartem Griff am Hals gehalten.
Mit einer seiner Pranken fixierte der massige Wärter Snapes Kehle an der feuchten Kerkerwand, mit der anderen zog er seinen Zauberstab aus der Uniformjacke.
Er drückte Snape die Spitze des Stabs in den Bauch und presste ihn weiter an die Mauer.
"Jetzt mach endlich das Maul auf, Dreckskerl. Oder du erlebst den morgigen Tag nicht mehr!".
Seine Nase war dicht vor der Snapes, der nach Luft schnappte; sein Puls begann durch den Sauerstoffmangel zu rasen.
Buck lockerte den Griff etwas und der Gefangene zog die Luft rasselnd ein.
"Ich warte", drohte sein Folterer erneut.
"Es gibt nichts, was ich Ihnen sagen könnte", keuchte Snape, obwohl er wusste, dass ihm dies niemand glaubte.
Er spürte, wie der Zauberstab fester in seinen Bauch gebohrt wurde, dann hörte er die Worte "Ionium Pulsare" aus Bucks Mund und er schloss in Erwartung des Fluchs die Augen.
Schockwellen durchdrangen von seiner Mitte ausgehend seinen ganzen Leib; seine Muskeln spannten sich bis zum Bersten an. Arme und Beine zuckten unkontrollierbar in Krämpfen.
Snape biss die Zähne aufeinander, während Buck ihn weiter mit dem Ellbogen auf dem Kehlkopf an der Wand hielt.
Noch immer jagte der grausame Wärter den Energiestrom in den Körper des Gefangenen. Heftig zitternd und von ausschlagenden Reflexbewegungen heimgesucht, gab dieser unwillkürlich ächzende Laute von sich .
Schaumtropfen lösten sich von seinen verzerrten Lippen und fielen vermischt mit Schweiß zu Boden.
Nach unerträglichen, qualvollen Minuten, die Snape wie eine Ewigkeit vorkamen, zog Buck den Zauberstab zurück und ließ ihn los.
Kraftlos sank der Todesser an der schmutzigen Wand herab und glitt wie eine sandgefüllte Gliederpuppe auf den Zellenboden.
Er war nicht mehr fähig, einen Muskel zu bewegen.
Sein Herzschlag schlug unregelmäßig, so dass in seinem Kopf immer wieder ein alles übertönendes Rauschen anschwoll.
Die tiefen Einschnitte der dünnen Handfesseln, entstanden durch die heftigen Bewegungen seiner gefesselten Arme, spürte er nur noch dumpf.
Überhaupt nahm er kaum noch Schmerzen wahr, selbst seine eiternde Beinwunde, quälte ihn nicht mehr. Nur noch schwach nagte der Durst in seinem Bewusstsein.
Snape ahnte, dass er nicht mehr weit von den Pforten des Todes entfernt war, aber er konnte nicht mehr kämpfen.
Ethan kam mit einem gefüllten Wassereimer zurück in die Zelle und blieb wie angewurzelt stehen.
Er betrachtete den leblosen Zauberer, dessen gequälten Züge ein fahles Grau angenommen hatten.
Dann nahm er den wütend schnaubenden Buck ins Visier:
"Hat er geredet?"
Dieser schüttelte nur zornig den Kopf.
"Wir müssen zuschauen, dass er uns nicht zu früh wegstirbt. So wie er jetzt aussieht, wird er die Nacht wohl kaum überstehen!"
Er kniete sich neben den Gefangenen, dessen Geist in die Zwischenwelt von Leben und Tod abgedriftet war ,und strich nasse Haarsträhnen aus seiner Stirn. Dann befeuchtete er ein Stück Stoff und kühlte das geschundene Gesicht.
Er musste ihm dringend Wasser einflößen, daher drehte er den schlaffen Körper auf den Rücken und schob sein Knie in den Nacken des Todessers.
"Hören Sie mich, Severus Snape? Ich werde Ihnen jetzt Wasser geben. Versuchen Sie, zu schlucken. Verstehen Sie?"
Der Verletzte reagierte nicht.
Dennoch setzte Ethan eine gefüllte Kelle an seine ausgetrockneten Lippen.
Ohne die Augen zu öffnen, trank der Gefesselte mit letzter Kraft. "So ist es gut, mein Freund. Stillen Sie Ihren Durst und morgen wird es Ihnen schon besser gehen", flötete Ethan.
"Genug jetzt mit dem salbungsvollen Getue!", platzte Buck angewidert dazwischen und schlug die Kelle von den Lippen seines Opfers.
"Der kriegt erst wieder Wasser, wenn er mit der Sprache rausrückt. Jetzt reichts!".
Ethan ließ den Kopf des kranken Todessers von seinem Schoß gleiten und erhob sich:" Ja, wahrscheinlich hat du recht. Lass uns verschwinden."
Er wartete, bis Buck durch die Tür schritt und breitete dann rasch seinen Umhang über dem bleichen Mann aus.
"Nicht sterben, verstehst du", sprach er mehr zu sich selbst, dann schlüpfte er aus dem Kerker.
Snape erwachte irgendwann in der Nacht.
Noch immer war er am Leben.
Nach und nach setzte die Erinnerung wieder ein.
Warum hörte er nicht einfach auf zu atmen? Er hatte den eisigen Hauch des Todes schon so deutlich gefühlt.
Noch immer konnte er kein Körperteil rühren, alle Kraft war aus seinen Muskeln entronnen.
Seine Sinne waren vernebelt und nur unter äußerster Anstrengung konnte er seine Gedanken in eine klare Bahn lenken.
Um weiter zu überleben brauchte er Wasser; sein Rachen und seine Kehle waren ausgetrocknet, die Zunge lag pelzig im Mund.
Der gefüllte hölzerne Wassereimer stand unverrückt neben der Tür, doch der Strecke dorthin war unüberwindbar.
Snape konzentrierte sich darauf, sich auf die Seite zu drehen, um dem Eimer näher zu kommen.
Doch es war aussichtslos, er war zu schwach, um seine Position, liegend auf seinen Händen, zu verändern.
Resigniert seufzte er auf; der Laut hallte einsam von den Kerkerwänden wider.
Es war zwecklos, er war seinen Folterknechten hilflos ausgeliefert und auf die Hoffnung angewiesen, dass ihm der berechnende Ethan vielleicht noch einmal Wasser geben würde.
Wenn er einfach sterben könnte.
Wie lange würde man ihn hier noch quälen?
Würde er sich vielleicht doch noch im schwindenden Bewusstsein verraten und die Sache des Ordens gefährden?
Er wusste, dass man nicht vor hatte, ihn vor ein ordentliches Gericht im Ministerium zu stellen. Sein Tod war absolut vorgesehen in der Berechnung der beiden Wärter Askabans; entweder durch die Folter, oder aufgrund der nicht verheilenden Wunde, vielleicht aber würde man ihn schlussendlich einfach verrotten lassen.
Snape fühlte sich so einsam und verlassen, wie schon lange nicht mehr in seinem Leben.
Die Zeit, die er in seiner Jugend in Askaban verbracht hatte, war in seiner Erinnerung nur noch ein böser Alptraum gewesen.
Nun wusste er, dass die Vergangenheit ihn eingeholt hatte.: Niemand würde ihm helfen, keiner scherte sich darum, ob er leiden musste.
Er war allein und keiner vermisste den Todesser, den abstoßenden Halbvampir, der noch nie ehrliche Freundschaft genossen ahnte.
Im Dunkel starrte er an die Decke und bittere Tränen stiegen in seine Augen. Nein! Er biss seine Kiefer fest aufeinander und verscheuchte die mitleidigen Gedanken aus seinem Kopf.
Er würde sich nicht in Wehmut ergeben.; wenn er sterben sollte, dann ungebeugt bis zum Ende.
Vielleicht suchte der Orden ja doch nach ihm. Der Überfall der Auroren musste doch auch Dumbledore zu Ohren gekommen sein, immerhin befand sich Fudge mit dem Schulleiter zusammen bei der Versammlung in Hogwarts.
Wenn er nur eine Nachricht an den Orden geben könnte, sein Martyrium wäre dann sicher schnell beendet.
Er könnte versuchen, die ausgeprägten Fähigkeiten der Vampirseite in ihm einzusetzen; aber er fühlte sich zu ausgebrannt, um eine geistige Verbindung zu einem Ordensmitglied aufzubauen.
Bisher hatte er auch noch nie auf der Telepathieebene Kontakt zu einem Zauberer jenseits der dunklen Seite aufgenommen.
"Potter", fiel ihm plötzlich ein. In Potters Gedankenwelt war er im vorigen Jahr eingedrungen und der Junge hatte auch Teile seiner Erinnerungen in sich aufgenommen.
Aber der jugendliche Zauberer hasste ihn leidenschaftlich.
Würde er für einen Hilferuf seines einstigen Lehrers offen sein?
Snape sammelte alle seine inneren Kräfte und atmete tief und ruhig ein.
Er versenkte sich völlig in die Vorstellung des Sohnes seines Jugendfeindes; vor seinem inneren Auge tauchte der Junge mit der Brille und der Narbe unter dem Haarschopf auf.
Mit letzter Anstrengung spulte Snape in seinem Geist die Ereignisse der letzten Tage ab, während seine Augen sich in der Sequenz, der mit Willenskraft erzeugten Begegnung, in die Pupillen Potters bohrten.
Seine Energie war nun endgültig verbraucht und Snapes Bewusstsein versank in bodenloser Schwärze.
Harry Potter erwachte völlig durcheinander im Schlafraum der Gryffindors.
Es war nach Mitternacht und er Saal war angefüllt mit den Atemgeräuschen der schlafenden Jungen.
Harry fühlte seine Narbe. Sie bitzelte leicht und seine Stirn war feucht.
Er musste schlecht geträumt haben.
Harry versuchte krampfhaft, die Vision zurückzuholen.
Dunkel stieg wieder das Bild einer alten Ruine vor ihm auf. Wildes Geschrei hallte in seinen Ohren wieder.
Eine vermummte Gestalt, die weggeschleppt wurde.
Ein düsterer Kerker, in dem der dunkelhaarige Mann gefoltert wurde, das Gesicht blutverschmiert.
Harry wusste wieder, dass die Person krank gewirkt hatte; der Mann hatte gezittert .
Seltsamerweise hatte er Anteil an den verzweifelten Gefühlen der Traumerscheinung gehabt; irgendwie kam ihm der Mann unangenehm vertraut vor.
Harry mühte sich, das Gesicht des Mannes in sein Bewusstsein zurückzuzwingen. Hatte die Gestalt nicht etwas Markantes in ihren Zügen getragen...
Die Erkenntnis traf ihn überraschend: Ja, er erinnerte sich an eine lange Hakennase.
Severus Snape, der vermisste Spion des Phönixordens war die misshandelte Kreatur aus seinem Traum!
Lange lag Harry noch hellwach auf seinen Decken und sinnierte darüber, welche Bedeutung der aufwühlende Traum haben könnte.
Ob er sich überhaupt weiter damit auseinandersetzen sollte. Immerhin hatten ihn in den vergangenen Wochen immer wieder neue Erkenntnisse aus Snapes Leben ins Grübeln gebracht. War es da nicht erklärbar, dass sich sein Unterbewusstsein im Schlaf in einem Alpraum entlud?
Was aber, wenn der Spion des Ordens tatsächlich von Voldemort enttarnt worden war und nun in einem Verlies im Schlupfwinkel des dunklen Lords festgehalten wurde.
Wahrscheinlich brauchte Snape dann dringend Hilfe und es wäre keine Zeit mehr zu verlieren.
Im vergangenen Jahr hatte Harry auf diese Weise das Leben von Arthur Weasley retten können.
Der Tränkemeister war bereits seit mehreren Tagen nicht mehr in Hogwarts zu sehen gewesen. Und Dumbledore wirkte seitdem verschlossen und besorgt. Die Mahlzeiten nahm er ein, ohne wie üblich, Scherze zu machen oder ein paar aufmunternde Worte an die Schüler zu verlieren.
Aber es gab noch eine dritte Möglichkeit für die nächtliche Heimsuchung. Harrys Brust wurde eng, als die böse Ahnung in ihm aufkam.
Endlich brach die Morgensonne durch die geschlossenen Fensterläden und die ersten Schüler wurden unruhig.
Harry schlich zu Ron ans Himmelbett und verschwand hinter den zugezogenen Vorhängen. Er musste den noch selig eingerollt schlummernden Freund mehrmals schütteln, bis er die Augen aufschlug. Schlaftrunken blinzelte er verwirrt.
"Zieh dich rasch an, Ron! Ich muss dir und Hermine unbedingt etwas erzählen. Wir treffen und vor der großen Halle. Beeil dich".
Schon war Harry wieder aus dem Bett gesprungen und machte sich eilends fertig.
Hermine gehörte zu den ersten, die den Weg vom Gryffindorturm zum Frühstück nahmen. Um sie abzufangen, musste er schnell sein.
Zehn Minuten später trafen sich tatsächlich alle drei vor der bereits vorbereiteten Halle.
Harry gebot ihnen, ihm zu folgen und er führte die beiden Vertrauten in ein noch verwaistes Klassenzimmer.
"Was ist los, Harry? Warum kannst du uns seihe Neuigkeiten nicht beim Frühstück erzählen? Hast du noch etwas Geheimes aus dem schwarzen Buch herausgefunden?", platze Hermine ungeduldig heraus, kaum dass die Tür geschlossen war.
Harry winkte ab. "Nein, es hat nichts mit dem seltsamen Buch zu tun. Ich hatte heute Nacht einen fruchtbaren Traum!"
Hermine sah ihm besorgt in die Augen: "Hast du von deinem Patenonkel von Si..".
Harry unterbrach sie brüsk: "Nein, nicht von Sirius, ich habe lange nicht mehr von ihm geträumt. Er ist tot, das weiß ich nur allzu gut. Nein, mein Alptraum handelte von ..Snape!"
Ron machte ein entgeistertes Gesicht und meinte nur: "Armer Harry, jetzt verfolgt er dich auch noch im Schlaf. Kein Wunder, dass du Alpträume kriegst". Hermine warf Ron nur einen missbilligenden Seitenblick zu und bohrte weiter nach:" Harry erzähl mir genau, was du geträumt hast".
Harry berichtete alle Einzelheiten seiner Vision, die noch in seinem Gedächtnis waren und schaute Hermine dann lange mit unentschlossener Miene an.
"Verstehst du, Hermine, es ist wie im letzten Jahr. Irgendwie scheinen die Ereignisse sich zu wiederholen. Wieder scheint jemand in Not zu sein und ausgerechnet ich bin der Empfänger für diese grässlichen Bilder. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Du weißt, damals war eine der Visionen äußerst nützlich - dein Vater, Ron, konnte dadurch gerettet werden.
Aber der andere Traum führte uns in die Katastrophe. Sirius würde jetzt noch leben, hätte ich diese unheilvollen Eingebungen nur nie für bare Münze genommen!"
Harrys Züge wurden hart, sein Blick war schmerzvoll.
"Mach dir doch nicht immer wieder Vorwürfe Harry. Niemand konnte das ahnen", versuchte Hermine zu trösten.
Auch Ron pflichtete Ihr bei: "Durch dich konnte Dad gefunden werden. Mom und wir alle sind dir sehr dankbar dafür. Ich würde genauso reagieren wie du, wenn ich meinen einzigen Verwandten..."
Ron brach ab, er bemerkte zu spät, dass er Harry eigentlich hatte trösten wollen.
Harry legte seine Hand auf Rons Schulter: "Ist schon gut alter Kumpel, es ist nett von euch, dass ihr mich aufbauen wollt".
"Aber was soll ich jetzt tun? Abwarten und so tun, als wäre nicht geschehen? Das wäre für mich das am wenigsten Riskante, ich könnte niemanden in Gefahr bringen.
Außer Snape, wenn er wirklich in Schwierigkeiten ist".
Er ist jetzt schon seit einiger Zeit verschwunden", bestätigte Hermine, "und niemand hat dazu etwas Offizielles zu verlautbaren. Da stimmt irgendetwas nicht. Ich glaube, dass er von Voldemort festgehalten wird. Du solltest Dumbledore davon unterrichten, was du heute Nacht gesehen hast. Dann kann der Orden ihm zu Hilfe kommen".
"Und was ist, wenn alles nur wieder eine Falle von du-weißt-schon-wem ist, um den Phönixorden in einen Hinterhalt zu locken".
"Vielleicht ist Snape längst zurück vom Todessertreffen und wieder in geheimer Mission für den Orden unterwegs", zauderte Ron.
"Das wäre natürlich auch möglich. Und ehrlich gesagt, wäre es mir so lieber. Nur Dumbledore kann Klarheit schaffen", stellte Hermine mit entschlossener Miene klar, "Harry, du solltest schleunigst zu ihm gehen".
"Ja, ich denke, du hast Recht", stimmte Harry zu.
"Lasst uns jetzt in die große Halle gehen, damit wir nicht auffallen", beschloss er dann ihre Beratung, "ich werde anschließend Dumbledore in sein Büro folgen."
Als sie auf der Schwelle zur Halle standen, in der bereits kunterbunte Tische vollbesetzt und die Schüler mit gefüllten Tellern beschäftigt waren, fiel Harry sofort der leere Platz des Schulleiters auf. "
Ich hoffe, Dumbledore ist in seinen Räumen. Bis später!" Harry machte auf dem Absatz kehrt und rannte durch die morgendlich ruhigen Korridore bis zum Wasserspeier.
"Katzenzungen", keuchte er atemlos das derzeitige Passwort.
Kate musste sich heute auf kein Kampftraining vorbereiten.
Sie hatte noch eine Richtlinie des Ministeriums über den Einsatz neuer Waffen gegen Wesen der düsteren Nebelwelt, wie Vampire oder Trolle, durchzuarbeiten.
Aber sie mochte diese bürokratischen Abhandlungen nicht und würde das Buch nur überfliegen, sich ein paar Überschriften merken, für den Fall, dass ihr zuständiger Leiter im Ministerium einmal darauf zu sprechen kommen sollte.
Es war fast eine Woche vergangen seit dem überaus erfolgreichen Einsatz gegen Voldemort. Sie war von ihrem Vorgesetzten in den höchsten Tönen gelobt worden.
Doch eine Beförderung, wie üblich bei einer wichtigen Festnahme, war nicht ausgesprochen worden.
Diese konnte nur der Leiter des Zauberereiministeriums vornehmen.
Kate hatte erwartet, dass ihr auch von Fudge Anerkennung zuteil würde, aber er hatte sich bisher noch nicht blicken lassen.
Überhaupt drang keine Nachricht zu ihr, welche Informationen der Gefangene gebracht hatte.
War es möglich geworden, einen entscheidenden Schlag gegen Lord Voldemort zu führen?
Wieder ließ sie den Moment ihres Triumphes in ihrem Kopf Revue passieren. Wie der Todesser sich ergeben hatte.
Aber auch ein ungekanntes Gefühl bemächtigte sich ihr.
Sie sah wieder die schwarzen Augen des düsteren Mannes vor sich, in denen Verzweiflung und Einsamkeit gestanden hatten.
Wieder fühlte sie die Aura der Selbstaufgabe, des Lebensüberdrusses, der im Wald von dem Todesser ausgegangen war.
Sie genoss zwar die Aufmerksamkeit ihrer Kollegen, im Grunde aber wusste sie, dass nicht sie den Anführer der Kämpfer Voldemorts geschlagen hatte.
Und abermals empfand sie Abscheu über die Behandlung des Mannes , die ihm von ihren Mitstreitern zuteilgeworden war.
Sie fasste einen Entschluss: Sie musste etwas über das weitere Schicksal des Todessers herausbekommen.
Welche Erkenntnisse er den Auroren gebracht hatte.
Abermals sah sie die blutende Wunde, verursacht von ihrem eigenen Zauberstab vor sich.
Sicherlich befand der der Mann zur Behandlung noch immer in einem Krankenhaus.
Sie betupfte den großen Spiegel in ihrem Wohnzimmer zwei mal mit dem Zauberstab. Das mit eisernem Rosengeflecht umrankte Glas flackerte auf und das Antlitz eines älteren Zauberers mit Stirnglatze erschien.
"Hallo Kate, was gibt's?", lächelte ihr Vertrauensmann im Ministerium ihr zu.
"Hi Pete", begrüßte sie das Spiegelbild, "sag mal, was weißt du eigentlich über den Todesser, der uns letzte Woche in die Hände gefallen ist . Ich warte immer noch auf Neuigkeiten aus seiner Vernehmung".
Pete sah etwas verlegen drein: "Oh der.. Ja weißt du, der hatte ja eine ziemlich üble Verletzung".
Pete schien die Frage unangenehm zu sein.
"Wir konnten ihn nicht retten. Er ist nach zwei Tagen gestorben. Er hat uns nicht weitergeholfen. Tut mir leid, Kate".
Er zuckte die Schultern.
Kate war sprachlos. "Danke, Pete. Wir sehen uns ", verabschiedete sie sich rasch.
