Selber Tag, neues Kapitel - hoffe, ihr habt den genausoviel Spaß, wie ich beim Schreiben hatte!

CaroloveSeverus: Unser lieber Professor lebt doch drogenfrei :D Immer noch hibblig? Was tun wir denn da? Nen Trank brauen? Hab da grad mit Severus drüber geredet, aber er weigert sich. Ich glaub, der ist immer noch sauer auf mich, wegen diesem und dem nächsten Kapitel ...

Tuniwell: Neeeeeein. Sowas würde ich nie tun (aber keine Sorge: Sie tuns demnächst ^^). So, damit ich nicht in Versuchung komme zu spoilern, stell ich doch gleich das nächste Kapitel rein (ja, soweit hast du mich schon gebracht *g*) :-*

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Kapitel neun – Das Leben liebt dich

Zermalmen! Zerquetschen! Auffressen!"

Oh nein! Ein Basilisk! Schon wieder! Ein ätzendes Leben! Immer diese Aufregungen, bald waren Abschlussprüfungen! Und überhaupt, nicht, dass sie nicht schon genug Probleme hätte – ihre Haare zum Beispiel sahen wieder furchtbar aus … Doch halt – Moment. Warum konnte sie das Zischen eines Basilisken verstehen? Im Gegensatz zu Harry konnte sie doch kein Parsel (nicht, dass sie nicht versucht hätte, es zu lernen)!

Vielleicht lag es daran, dass das, was da zischte, gar keine überdimensionale Schlange, sondern ein über die Maßen wütender Tränkemeister war?

Zermalmen! Zerquetschen! Auffressen!"

Snape stand direkt über ihr. Moment – lag sie etwa auf dem Kerkerboden? Angekettet noch dazu? Er beugte sich zu ihr und kam ihr immer näher. „Zermalmen! Zerquetschen! Auffressen!" Anscheinend hatte er sein Hirn ausgeschalten und konnte nur noch drei Wörter von sich geben, dachte sie, als wäre es das natürlichste von der Welt. Moment! Sein Gehirn konnte man nicht ausschalten. Zumindest konnte man dann nicht mehr sprechen, geschweige denn laufen oder bedrohlich gucken. Und warum verdammt war sie angekettet?

Vielleicht lag es daran, dass sie einfach nur einen ganz dämlichen Traum gehabt hatte, dachte Hermine Granger selbstironisch, als sie schweißgebadet am sonnigen Samstagmorgen aus dem Bett schrak.

Seit wann träumte sie von Snape? Gut, den einen oder anderen Traum hatte es da schon gegeben … Aber nie war er dermaßen bedrohlich über ihr erschienen. Nicht, dass sie noch nie angekettet vor ihm gelegen hätte, zumindest im Land der Träume … Aber tatsächlich hatte er nie so unheimlich gewirkt, wie sie sich errötend erinnerte.

Da hat wohl jemand ein schlechtes Gewissen! Wunderbar! Genau das, was man nach einem Albtraum vom Albtraum der Schüler gebrauchen konnte; eine innere, nervtötende Stimme! Allerdings – wenn sie so in sich hinein hörte, dann stimmte es. Sie hatte ein schlechtes Gewissen. Wenn Snape jemals hinter die Tagebuchidee kam, dann waren Ginny und sie sowas von dran. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, was Snape alles mit ihnen tun würde. Und auf einer Vergeltungsskala von null bis zehn bekam „auf dem Fußboden anketten" eindeutig eine 1,2.

Oh Götter! Sie warf sich verzweifelt zurück aufs Bett, mit dem Gesicht nach unten aufs Kissen. Was sie besser hätte lassen sollen. Irgendwas Hartes war da unter ihrer Nase. Knurrend schob sie die Hände unter ihr Kissen und zog ihr Tagebuch hervor. Sie hasste Ironie des Schicksals.

Aus irgendeinem Impuls heraus – vielleicht Langeweile – schlug sie das Buch auf irgendeiner Seite auf. Am auffallendsten waren aber seine Augen. Er schien ins Nirgendwo zu blicken, ohne irgendetwas um sich herum zu bemerken. Einfach ein starrer und trauriger Blick ins Nichts. Und dann … dann lief ihm eine Träne, eine ganz kleine, die ich wahrscheinlich nicht gesehen hätte, wenn sie nicht das einfallende Sonnenlicht reflektiert hätte.

Für einen Moment wirkte es, als würde er kraftlos in sich zusammensacken, aber im letzten Moment hielt er sich am Fensterbrett. Halten ist wahrscheinlich falsch, eher umklammerte er es, als wäre das Stück Holz der einzige Halt, den es für ihn auf dieser Welt gibt.

Götter! Sie erinnerte sich an diese Szene, als wäre es gestern gewesen. Sie hatte fast neben ihm gestanden, weil sie ihn eigentlich etwas fragen wollte. Der Anblick des weinenden Severus Snape hatte ihr Herz zerrissen. Nie hätte sie gedacht, dass ihr Tränkemeister zum Weinen fähig wäre.

Normalerweise fand sie weinende Männer sogar erbärmlich. Aber nicht ihn – Snape. Vielleicht, weil sie seine Geschichte kannte, wusste, was er – nur aus Schuldgefühlen gegenüber Lily –durchgemacht hatte. Rührte sie diese Liebe über den Tod hinaus?

Normalerweise stand sie nicht auf diese rührseligen Phrasen, aber auch hier war es wieder Snapes Persönlichkeit. Zu ihm passten keine Phrasen. Er war der zugeknöpfte Meister der Zaubertränke. Vielleicht lag es daran, niemals hätte sie diesem, dem äußeren Anschein nach – prüden Mann bis auf den Grund der Seele reichende Gefühle zugestanden …

Dieser Anblick des gebrochenen Snape hatte sie damals auch von Ginnys Idee überzeugt. Irgendwie wünschte sie Snape, dass er wieder glücklich würde. Endlich Lily in der Vergangenheit bewahrte und in der Gegenwart neue Liebe fand. Wollte sie Harrys Mutter ersetzen? Von Snape bedingungslos geliebt werden? Argh! Das klang schon wieder nach klischeehafter Kleinmädchenphantasie!

Anscheinend hatte sie zu viel Zeit damit verbracht, ihn zu beobachten und rührselige Texte über ihn zu verfassen! Kein Wunder, dass er sie schon in ihren Träumen besuchte! Genervt von dieser Erkenntnis schlug sie ihr Tagebuch zu und legte es auf ihren Nachttisch. Moment – da lag schon ein Buch. Verdammt! Ein Zaubertränkebuch aus Snapes Bibliothek!

Vor einem Monat hatte sie dieses von Snape ausgeliehen (und wie sie gebettelt hatte!), im Versprechen, es ihm zurückzugeben. Fieberhaft überlegte sie, wann er es hatte wiederhaben wollen. Verdammt! Ver-da-hammt! Gestern! Warum hatte er gestern nichts bezüglich des Buches gesagt? Wollte er ihre Vergesslichkeit ausnutzen, um ihr Punkte abzuziehen? War er vielleicht sogar schon hinter die „Tagebuchintrige" gekommen und wollte sie nun bluten lassen?

Über ihre Panik vergas sie die logischste, naheliegenste Vermutung, nämlich, dass Snape das Buch – ebenso wie sie – schlicht und einfach vergessen hatte.

Vielleicht, so überlegte sie, kam sie am besten, wenn sie sofort zu ihm ginge und ihm das Buch zurückgab. Samstagmorgen war doch fast noch Freitagabend, oder? Gesagt, getan. Nervös warf sie sich irgendwelche Klamotten über den Kopf, kämmte sich ihre Haarpracht wenigstens soweit, dass sie nicht ganz wie Urwald aussah und stürmte in den Kerker. Auf halbem Wege musste sie natürlich wieder umkehren, weil sie natürlich das Buch vergessen hatte.

Gut, dass es ihr wenigstens noch vor Snapes Kerker eingefallen war. Also, noch mal um 180 Grad gedreht und wieder in ihr Zimmer. Buch schnappen, in die Kerker rennen, vor Snapes Tür Vollbremsung, durchatmen, Hand zur Faust ballen und anklopfen.

Lange Zeit passierte nichts. Dann meinte sie, von innen ein genervtes Stöhnen zu hören und ein paar Minuten später öffnete die Tür einen Spalt breit.

„Guten Morgen, Sir.", begann sie zaghaft.

„Miss Granger! Hätten Sie die Freundlichkeit, mir zu sagen, was Sie zu dieser Unzeit von mir wollen?", Oh Götter! Der Stimme nach schien seine Laune irgendwo zwischen Keller und Erdgeschoss hängengeblieben zu sein.

„Ich … habe noch ein Buch von Ihnen, ‚Gegenstände verändern – ohne Zauberstab? Kein Problem!'"., sagte sie so freundlich wie möglich. In der Hoffnung, nicht zu rot zu werden (kannte er doch ihre sexuellen Vorlieben) und unauffällig zu erscheinen (der Titel des Buches schrie förmlich nach Verrat). Nicht zuletzt hoffte sie, er würde vergessen, sie irgendwie zu bestrafen.

***

„So …", Snape betrachtete durch den schmalen Türschlitz hindurch seine Schülerin, die betreten zu Boden blickte. An das Buch hatte er gar nicht mehr gedacht, fand er es doch sowieso unnütz. Aber irgendwie wirkte die Granger … schuldbewusst. Interessant! „Und wann sollten Sie es mir zurückgeben?" Wenn er ehrlich war, wusste er es selbst nicht mehr, aber vielleicht deutete er ihr Schuldbewusstsein richtig und dieses in Verbindung mit dem Gryffindormut - das versprach Unterhaltungswert.

„Ähm … Also eigentlich gestern. Aber ich hatte gestern soviel zu tun, dass ich es völlig vergessen haben muss. Außerdem haben Sie gestern nichts gesagt und darum dachte ich, es wäre vielleicht nicht so schlimm und außerdem habe ich mich ja jetzt wirklich beeilt.", er hatte sich nicht getäuscht. Während des Sprechens hatte sie stolz den Kopf erhoben und lächelte ihm nun aufrichtig entschuldigend entgegen.

Es war verlockend, in diesem Moment seinem ersten Impuls nachzugeben und ihr das Buch aus den Händen zu nehmen und sie wegzuschicken, als wäre nichts gewesen. Aber er war schließlich Severus Snape. Er hatte schließlich einen Ruf zu verlieren!

„Sie dachten also, es wäre nicht so schlimm …", es war für ihn faszinierend, wie schnell ihr Lächeln beim Klang seiner Stimme einfror. „Lassen Sie mich raten, heute Morgen sind Sie mit einem entsetzlich schlechten Gewissen aufgewacht und hoffen nun die ganze Zeit, ich würde einmal ein Auge zudrücken, nicht wahr?"

Sie schluckte. Herrlich! Er hatte absolut ins Schwarze getroffen – hundert Punkte für Slytherin! „Nun ja, in Anbetracht der Umstände werde ich Gerechtigkeit walten lassen und Ihnen keine Punkte abziehen ..." Er sah das hoffnungsvolle Aufblitzen in ihren Augen. Warte nur ab Mädchen, das Finale hat gerade erst begonnen!

„Dafür werden Sie bis heute Abend, neun Uhr einen Strafaufsatz schreiben, über die Wichtigkeit, Versprechen einzuhalten! Drei Pergamentrollen!"

Die Hoffnung in ihren Augen machte etwas anderem, was er auf die Schnelle nicht definieren konnte, Platz. Und dann brach alles aus ihr heraus, noch während sie sich vor ihm aufbaute.

„Professor Snape! Das ist mehr als ungerecht! Ich habe tatsächlich, wie Sie sagten, heute Morgen ein schlechtes Gewissen gehabt! Und ja, ich habe tatsächlich geglaubt, Sie würden einmal, wenigstens EINMAL in Ihrem Leben ein Auge zudrücken! Wie konnte ich mich nur so täuschen? SIE SIND JA DER UNFEHLBARE PROFESSOR SNAPE, DER NIE IRGENDETWAS VERGISST, GESCHWEIGE DENN IRGENDWELCHE ANDEREN MENSCHLICHEN SCHWÄCHEN KENNT! FÜR DEN GERECHTIGKEIT MIT PERGAMENTROLLEN AUFZUWIEGEN GEHT!"

Während sie ihn anbrüllte, war sie ihm immer näher gekommen und funkelte ihn zornig an.

„Was glauben Sie eigentlich Miss Granger? Haben Sie die Gerechtigkeit etwa für sie gepachtet? Denken Sie, Sie könnten alle Menschen perfekt einschätzen? Sind Sie eine so unerträgliche Besserwisserin, dass Sie meinen, Sie könnten sich über das Urteil eines Lehrers erheben?" Während er sprach, war seine Stimme leiser geworden. Er hatte seine Tür geöffnet und stand jetzt, barfüßig in seinem slytheringrünen Morgenmantel vor ihr. Hoffentlich hatte er seine Bedrohlichkeit durch die Beweglichkeit seiner Stimme erhalten können.

Aufgrund dieser Unsicherheit fügte er in seinem besten Einschüchterungston nach: „Ach ja. Bevor ich es vergesse: Zwanzig Punkte von Gryffindor, weil Sie sich zum wiederholten Mal nicht in Gegenwart einer Autorität beherrschen konnten!"

Sie sah ihn unbewegt an. Musterte ihn von oben bis unten. Legte ihm unendlich ruhig das Buch in seine Hände und sagte, ebenso leise, aber weit beherrschter: „Das Leben kann nicht nur aus Punktabzügen und Strafarbeiten bestehen. Nicht einmal Ihres! Das Leben liebt Sie, Professor Snape!"

Dann drehte sie sich um und schritt, einer Filmgröße gleich, den Kerkergang in Richtung Großer Halle entlang. Snape stand da, minutenlang, viel zu verblüfft und überfordert, um irgendetwas zu tun.

***

Und - Wie schauts aus? Ärger? Lob? Alles beides? Lasst es mich wissen :D