Titel: Airplane! – Über den Wolken
Autor: LilyPrincess
Übersetzerin: etuaip
Altersbeschränkung:T
Wörter:17.324
Kapitel: 10/17
Genre: Romanze
Hauptcharakter: Lily Evans, James Potter, die restlichen Marauder
Pairings: LE/JP
Inhaltsangabe:Wegen einer dummen Muggelpanne hat Lily Evans das Konzert ihrer Lieblingsband ‚Black Magic' verpasst. Um ein paar Wochen mit ihrem Vater zu verbringen nimmt sie den nächsten Flug nach Chicago und trifft dort in Form ihres Sitznachbarn einen attraktiven Unbekannten. Auf dem ungeplanten Zwischenstopp des Flugzeuges in New York gibt der Leadsänger der sonst anonym bleibenden Band Black Magic, Sirius Black, Lily seine Identität preis und lädt sie ein den Zwischenstopp mit der Band sowie ihrem attraktiven Sitznachbarn aus dem Flugzeug zu verbringen. Doch auf dem Weg zu der Bleibe verirrt Lily sich im Kamin…
Anmerkungen: AU, Übersetzung

Kapitel 10 – Die neunte Stunde alias: Überstunden

Ich brachte meine wirren Haare in Ordnung und sah mich um. Der winzige Pub bekam durch die paar kleinen Fenstern nur spärlich Sonnenlicht. Die Luft war eine große Rauchwolke und umgab die plumpen schweren Körper auf den modrigen Holzstühlen.

The Great Swine…

Das war es sicherlich.

Schluckend fing ich mich und fasste nach meiner Tasche. Ich tat mein Bestes um die wütenden Blicke, die mir zugeworfen wurden, zu ignorieren. So wie die Leute mich gefährlich anstarrten könnte man meinen ich hätte ihre Familien umgebracht. Ich drückte mich in eine Ecke um meine Tasche zu öffnen. Fünf Magazine, ein Buch, ein Pulli, eine Bürste, ein paar Zauberfotos und Kaugummi. Oh ja, mit diesen schlauen Nötigkeiten war ich ziemlich bereit die Lewis und Clark Pfade zu bewandern. Vielleicht könnte ich sogar die Rocky Mountains besteigen wenn ich schon mal dabei war.

Unter Druck zu überlegen ist nie meine Stärke gewesen. Ehrlich, jetzt denke ich, dass ich am Flughafen hätte bleiben sollen. Da hatte ich zumindest noch mein ganzes Gepäck. Das war jetzt auf ein Minimum geschrumpft. Kein Geld, keine Klamotten und ich war irgendwo in Amerika. Ehrlich, ich denke, dafür nahm ich das alles ziemlich gut auf.

„Wo zur Hölle bin ich?", wisperte ich, fasste die Tasche gegen meine Brust, drückte meine Schultern durch und räusperte mich leicht. Nur weil ich im Moment keine Würde übrig hatte, hieß das nicht, dass das alle anderen wissen mussten. Ein Mann ohne Vorderzähne blickte noch kälter als ich an ihm vorbei ging, spuckte auf den Boden und wandte sich wieder seinem Drink zu. Ich hatte keine Zweifel, dass die Säufer mich bei jeder kleinsten falschen Bewegung verhexen würden.

Verhexen… meine Hand flog zu meiner Pullitasche. Ich hätte vor Erleichterung ohnmächtig werden können, wenn ich nicht damit rechnen müsste während meiner Ohnmacht meiner fünf Magazine und meiner Bürste bestohlen zu werden. Zumindest habe ich immer noch meinen Zauberstab. Vielleicht brauche ich ihn noch.

Da ich dachte dass zumindest der Barkeeper eine humane Persönlichkeit haben müsste, setzte ich mich mit ungefähr fünf Sitzen Abstand von allen anderen auf die splittrige Bank am Ende der Bar. Während ich mich mit den Ellebogen auf die Theke lehnte und mein Kinn auf die Handflächen legte, hielt ich meine Tasche auf meinem Schoß. Mental rezitierte ich ein Gebet. Die bösen Blicke der anderen taten fast körperlich weh als sie meinen Rücken trafen. Ihr Gemurmel schrie praktisch in meinen Ohren. ‚Ein Mädchen wie die gehört nicht hier her.'

Ja, das tat ich sicher nicht.

„Entschuldigen Sie", sagte ich angespannt, versuchte mein Bestes um laut genug zu reden, um die Aufmerksamkeit des jungen Barkeepers zu erhalten. Der Mann lächelte zahnlos in meine Richtung und wischte weiter die Gläser neben ihm mit einem dreckigen Geschirrtuch ab.

„Kann ich ihnen etwas bringen, Miss?", fragte er in einem überraschend höflichen Tonfall.

„Ähm", sagte ich immer noch verwirrt und fasste meine Tasche fester, „Könnten sie mir sagen… wo ich bin?"

„The Great Swine, Miss.", antwortete er in einem leicht amerikanischen Akzent und stellte sich vor mich.

Ich lächelte schwach und fragte, „Staat?" Wie weit war ich von Black Magic weggereist?

„New York, Miss.", antwortete er geduldig und legte eine Hand auf die Bar als er sich vorlehnte um mich neugierig anzustarren. Nun, New York… Zumindest war ich noch im selben Staat. Aber half mir das wirklich? Schließlich hatte ich keine Ahnung was unser Ziel war, bevor ich hier endete. Alles was ich wusste war, dass das kleine Gebäude, das ich vor zehn Minuten verlassen hatte nicht unser Ziel war – zu der Zeit war ich dankbar gewesen. Jetzt aber hätte ich die Chance erfleht, in dieser staubigen Hütte zu bleiben, wenn ich wüsste, dass mein Gepäck wieder bei mir wäre.

„Fantastisch.", murmelte ich bedrückt und starrte auf das gebrechliche Holz vor mir.

Ich fühlte einen Arm um meine Schultern. Mit wild donnerndem Herzen riss ich entsetzt meine Augen auf und während ich spürte wie die Person sich näher lehnte hörte ich seine heisere Stimme mein Ohr kitzeln, „Hast du noch Kleingeld über, Süße?"

Ich manövrierte mich mit blassem Gesicht von ihm weg. „Sorry.", zwang ich zittrig hervor, „pleite."

„Gary.", sagte der Barkeeper leicht warnend und schüttelte den Kopf. „Ich habe dir schon oft gesagt, dass du nicht meine Kunden belästigen sollst."

Ich fühlte wie Garys Präsenz auf Distanz ging als besagter Mann den Barkeeper böse anblickte. „Fein.", grummelte er und ging davon.

Der Barkeeper wischte weiter die Gläser und verließ mich, damit ich mich allein in meinem Elend suhlen konnte. Das war nicht wie ich meinen Urlaub hatte verbringen wollte. Ich war in New York – wie ich gehört hatte kamen die Leute in Tausenden in diese Umgebung um Urlaub zu machen – und ich kam echt nicht alleine klar. Das letzte Mal als ich wie ein richtiger Muggel gelebt hatte war vor meiner Hogwarts Zeit. Es war so lange her, dass ich nicht dachte, dass ich tatsächlich in dieser Welt überleben könnte.

Die Welt? Welche Welt? Ich war nicht in der Muggelwelt, nicht wirklich. Hier war ich und saß in einem Zaubererpub. Sie waren offensichtlich ans Flohnetzwerk angeschlossen. Vielleicht könnte ich –

Nein, nein könnte ich nicht. Ich könnte nicht zu Black Magics Ziel flohen, weil ich ihr Ziel nicht kannte. The Great Swine? Nun, das war definitiv nicht der richtige Platz. Was hatte Jim gesagt? Merlin, wieso war ich nicht aufmerksam gewesen?

„Möchtest du einen Drink, Sweetheart?", fragte mich jemand hinter mir.

Meine Schultern versteiften sich, als ich langsam meinen Kopf drehte um den Neuankömmling anzusehen. Alle Hoffnungen, die schleimige Stimme könnte einem bekannten Gesicht gehören, rasten schnell aus diesem Pub – genau wie ich es tun wollte. Eine dicke Schicht Dreck lag auf dem Gesicht des Mannes als ob er in der Mitte eines Säufer Traumlandes gerne schlammig rumlief. Ein aalglattes Lächeln von ihm in meine Richtung bewies, dass er tatsächlich noch all seine Zähne hatte – mochten sie auch gelb sein. Er trug einen Umhang, zerlumpt und voller Löcher und, seltsamerweise, ein blaues Halstuch um sein rechtes Auge.

„Nein, danke.", sagte ich gelassen und hoffte, dass er den Hinweise verstehen und mich alleine lassen würde.

Meinen Ton nicht verstehend – oder ihn einfach ignorierend – setzte sich der Mann frech rechts neben mich. Ich fasste meine Tasche fester, meine Knöchel wurden weiß von der Anspannung.

Der Barkeeper wandte sich wieder seinem Job zu und bat somit keine Hilfe, sollte ich welche brauchen.

„Bist du sicher, Funkelauge?", behaarte der Mann und gab dem Barkeeper ein Zeichen, der daraufhin nickte und ein dreckiges Glas, das Bier enthalten zu schien vor den Mann stellte. Der Mann zwinkerte mir zu und fuhr fort, „Ein hübschen Ding wie du sollte nicht durstig bleiben."

Ich hielt mich davon ab die Lippen zu verziehen, sah den Mann böse an und starrte stumm runter auf meine Tasche. Mir musste ein Plan einfallen. Irgendwas. Ich könnte meinen Vater noch mal anrufen. Das wars! Meine Augen wurden deutlich strahlender als ich schnell in meinen Taschen nach Kleingeld suchte. Schnell wurde meine Stimmung schlechter als ich realisierte, dass ich kein Geld hatte.

Stirnrunzelnd verengte ich meine Augen. Ich hätte schwören können, dass ich noch Muggelgeld bei mir hatte. Ich war sicher, dass ich es am Flughafen noch hatte. Ich wusste, dass ich es auf meinem Weg in die staubige Hütte mit der Band noch hatte.

Mein Gesicht verdunkelte sich noch mehr. Ohne ein weiteres Wort zum Mann neben mir stand ich auf und schlang mein Taschenband beschützerisch um meine Schulter. Mehr böse Blicke wurden mir zugeworfen als ich zurück zu meinem anfänglichen Eingang ging. Ich schauderte fast bei der Menge Asche und Staub, die im Kamin lagen – ohne Zweifel war ich jetzt auch voll mit diesem Schmutz. Bevor ich einen weiteren Schritt ging sah ich herunter und klopfte meinen Pulli ab, suchte nach Flecken. Ja, ich hatte Recht. Ich zählte neun erhebliche Schmutzflecken auf meinem einst wunderschön weißen Oberteil.

Ich wandte mich wieder meiner Aufgabe zu und begann den Kamin diskret nach meinem verlorenen Geld zu durchsuchen. Ich konnte die mir zugeworfenen Blicke fast fühlen. Einer von ihnen, so war ich sicher, hatte mein Geld genommen, da es immer offensichtlicher wurde, dass mein Geld nicht am Kamin war. Großartig. Jetzt war ich total ohne Hoffnung.

Ich rannte aus dem Pub und stieß in ein paar schreiende Männer. Die Welt außerhalb des Gebäudes war nicht viel anders als innen. Die gleiche Art dubioser Residenzen stand an der Zaubererstraße. Ich sah eine Frau in der Nähe ein paar Männern qualmige düstere Getränke verkaufen. Alle schienen in Schwarz gekleidet zu sein, als Gegenteil zu meinem jetzt nicht mehr weißen Pulli. Ich wusste, hier stand ich schlimmer hervor als ich Aufmerksamkeit im Great Swine auf mich gezogen hatte.

In meiner Vergangenheit hatte ich der Winkelgasse viele Besuche abgestattet. In all diesen Malen hatte ich die Nokturngasse gemieden. Bodderick Bode, der Junge, der mir die Winkelgasse das erste Mal gezeigt hatte, hatte mir geradeheraus gesagt, dass die Nockturngasse kein Ort war wo ich gesehen werden wollte.

‚Gerissene Kerle sind das, Lily. Der Typ der deine Haut zum kribbeln bringt, dein Rückgrat vor Terror zum erschaudern.' hatte Bodderick mir gesagt als ich fragte, ‚Ich möchte nicht, dass die Leute dich dorthin gehen sehen. Schrecklich. Ich war einmal dort. Glücklicherweise ist der alte Dumbledore aufgetaucht bevor etwas Schlimmes passieren konnte.'

Schweigend herumstarrend wusste ich, logischerweise, dass ich nicht in der Nokturngasse war, aber ich fühlte mich sicher so. Hatte Bodderick sich auch so gefühlt als er in der Nokturngasse war? Als würden alle ihn anstarren. Auf die unvermeidliche Hand wartend, die ihn mit sich ziehen, entführen würde. Und ich konnte die verletzende Hand fast meinen Arm fassen fühlen. Nur um sicher zu sein, schossen meine Augen herunter um nachzusehen. Keine Hand. Nur eine Menge anzügliche Grinsen und böse Blicke.

Wahrlich hatte keine Person in der Menge ein Lächeln auf dem Gesicht. Man könnte meinen sie würden alle in ihrem Tod laufen.

Schluckend ging ich weiter. In der Menge eingeschlossen zu sein war tatsächlich ein bisschen weniger stressig. Zumindest starrten mich nicht alle an.

Meine Gedanken waren durcheinander. So durcheinander wie die große Menge Leute die mich umringten. Ein Teil von mir konnte nicht anders als mich zu fragen, was die Band wohl tat. Machten sie sich Sorgen? Sobald die Frage aufkam, schob ich sie wieder weg. Sie waren viel zu wichtig um sich über irgendeine verliebte verrückte Verehrerin zu sorgen. Genauer gesagt hatte Remus vermutlich bereits die Residenz meines Vaters ausfindig gemacht und sichergestellt, dass sie sich nicht mehr um den Rest meines Gepäckes kümmern mussten. Ich fand, dass es mein Gottgegebenes Recht war bei dem Gedanken einen traurigen Seufzer auszustoßen.

Der Gedanke keinen von ihnen je wieder zu sehen. Der Gedanke Jim nicht wieder zu sehen im Besonderen. Jim, meinen Flugzeugnachbar, meinen wachsender Liebesinteressent, nie wieder zu sehen. Nun, es war schließlich meine eigene Schuld. Ich hätte aufpassen können. Wieso war ich nicht aufmerksam gewesen?

Wieso hörte ich nicht auf darüber nachzugrübeln?

Denn traurige, pathetische gebrochene Teenagermädchen neigen dazu, über besagt traurige Enttäuschungen zu grübeln. Es ist ihr Gottgegebenes Recht. Ich stieß einen weiteren traurigen Seufzer aus – vertiefte mich wieder in meine Enttäuschung.

Plötzlich ohne Warnung kamen zwei große braune Augen in mein Sichtfeld. Ich stoppte; Leute knallten in mich. Unhöfliches Gemurmel war zu hören als die Leute mich und die alte Lady vor mir, lästig wie wir waren, umgingen. Bevor ich ein Wort sagen konnte hatte die Silberhaarige Frau ihre faltigen Hände an meiner Tasche.

„Meine Tasche.", zischte sie mich wütend an, mit blitzenden Augen, schmalen Lippen. „Du hast meine Tasche gestohlen, du kleiner Hooligan!"

Ein Hooligan? Ich denke, das war das erste Mal, dass ich so genannt wurde.

„Deine Tasche?", sagte ich erstaunt und fasste meine Tasche noch fester. „Das habe ich nicht getan!"

„Hast du wohl!", kreischte sie, „Ich habs gesehen! Gib mir meine Tasche zurück!"

Wir begannen Aufmerksamkeit auf uns zu ziehen. Ich war gedemütigt, denn in dem Moment, da die Menge begann, sich um uns zu stellen, begannen Kommentare wie „Gib der alten Lady ihre Tasche zurück."

„Das ist nicht ihre Tasche.", schrie ich verzweifelt, meine Augen sprangen hin und her und trafen überall auf unangenehme, unfreundliche Gesichter. „Das ist meine. Ich habe dir nichts gestohlen. Das ist meine Tasche!"

„Ich hab gesehen, wie du sie genommen hast!", spottete sie teuflisch.

„Das können Sie nicht, weil ich sie nicht genommen habe!", konterte ich zittrig. Die Menge hatte begonnen für die alte Lady zu grölen.

„Gib ihr die Tasche!", schrie mich jemand an. Meine Nerven waren am Ende. Tränen schossen mir in die Augen. Und mein Arm tat weh. Die alte Lady war stärker als sie aussah.

„Das ist meine!", schrie ich zurück. Ich sah vermutlich verrückt aus. Meine Haare flogen um mein Gesicht und ich hatte meine linke Sandale irgendwo während des Kampfes verloren. Die Lady zog in ihrem Versuch einen sicheren Griff an meiner Tasche zu bekommen an meinem Pulloversaum und zerriss ihn. Ein langer Schnitt begleitete jetzt den Schmutz und die Asche.

„Du kleiner Dieb, hast du nichts Besseres zu tun als einer alten Frau etwas zu stehlen?", schrie eine Frau aus der Menge.

„Habe ich nicht, verdammt!", schrie ich und zog fester. Die Tränen, die an meinem Gesicht herabströmten schirmten den meisten Teil meines Sichtfeldes ab.

„Werfen wir einen Blick in die Tasche.", mischte sich eine vernünftige Stimme ein.

Ich atmete erleichtert aus, kämpfte immer noch um meine Tasche. Jemand näherte sich uns beiden und fasste nach der Tasche. Wir beide versteiften uns und fassten das Leder fester.

„Beruhigt euch, Ladies.", sagte die gleiche Stimme ruhig. Mit einer Kopfbewegung versuchte ich meine Haare aus den Augen zu kriegen. Der Kerl, der zu uns gekommen war, sah nur ein paar Jahre älter aus als ich. Er kam mir bekannt vor, aber ich konnte sein Gesicht keinem Namen zuordnen.

Vorsichtig, so als wollte er keine von uns beiden aufregen öffnete der Kerl die Tasche. Ich sah aus meinen Augenwinkeln wie die alte Lady sich verspannte und bekämpfte den Drang triumphierend zu lächeln. So viel zum Thema zu versuchen mir etwas zu stehlen.

„Sie lesen Teenager-Magazine?", fragte der Kerl und Amüsement lag in seiner Stimme als er die ältere Lady ansprach. Sie sah einen Moment verwirrt aus bevor sich ihre Augen wieder verhärteten.

„Das ist für meine Enkeltochter.", verteidigte sie sich.

„Ah", antwortete er und verlor dabei nie sein selbstsicheres Lächeln. Sich wieder der Tasche zuwendend wühlte er in ihr rum. Ich errötete als er die Fotos herausnahm, die ich mitgenommen hatte. Es waren um es milde auszudrücken ziemlich peinliche Fotos. „Und ich schätze, das ist auch ihre Enkelin, die hier in Entenpyjamas herumtanzt und in eine Haarbürste singt… diese Haarbürste um genau zu sein." Er zog meine grüne Bürste hervor.

Mit einer Hand immer noch meine Tasche beschützend fassen, schnappte ich ihm die anstößigen Fotos weg bevor jemand anders mich Black Magics ‚I'm lost in your Magic' singen sehen konnte, in meinen nicht gerade sittsamen Schlafanzug. „Es war eine Pflicht.", murmelte ich ihm gedemütigt zu.

So demütigend die Erfahrung war, brachte es die Frau und die Menge dazu wegzugehen. Ohne überhaupt ein Anzeichen einer Entschuldigung zu zeigen, sah die alte Frau mich böse an, dann den Kerl, bevor sie endlich ihren Griff komplett löste und wegging – vermutlich um eine andere arme Seele zu finden, der sie etwas stehlen konnte. Die Menge zerstreute sich, nur ein paar warfen mir entschuldigende Blicke zu.

Der Mann und ich wurden endlich alleine gelassen. Ich sah auf, während ich meine Tasche immer noch panisch festhielt und unter gelegentlichem Schniefen die Tränen stoppten.

„Danke.", sagte ich und sah wieder einmal zu ihm hoch.

„Mach dir keine Sorgen deswegen.", sagte er und lächelte mir beruhigend zu. Er kam mir wirklich bekannt vor.

„Nein, wirklich.", beharrte ich, „Diese Tasche… naja, sie ist… Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn ich sie verloren hätte.", gestand ich immer noch gestresst.

„Lily, mach dir keine Sorgen deswegen, wirklich.", sagte der Kerl ruhig.

Ich blinzelte, „Kenne ich dich?", fragte ich und zerbrach mir den Kopf nach einem Namen.

Er lachte, „Ich denke schon…", er nahm eins der Bilder aus meiner Hand und tippte drauf, „Meine Frau hat schließlich einen Abzug dieses Bildes gerahmt im Wohnzimmer aufgehängt." Ich blickte auf das Foto. Es war in meinem sechsten Jahr entstanden. Die Schulsprecherin, Gretchen Ambroseia, eine Gryffindor wie ich, hatte an einem sonnigen Tag im April alle Gryffindor Mädchen zusammengetrommelt um ein Foto zu machen. Da war ich, in der dritten Reihe. Meine Nase war grün wegen eines unglücklichen Vorfall in der Großen Halle die Woche bevor es aufgenommen wurde. Darren Klimas waren zwei Köpfe gewachsen als ein Erstklässler mich über meine grüne Nase informiert hatte. Der Trottel hatte grottenschlecht gezielt und eigentlich versucht Maria Fwentine, die vier Plätze entfernt saß, zu treffen.

„Deine Frau?", murmelte ich und starrte immer noch auf das Bild. Dann wanderten meine Augen über Alice Glaze, eine Siebtklässlerin zu der Zeit. „Frank Longbottom!", rief ich und überraschte ihn vermutlich damit, dass ich unerwarteterweise meine Arme um ihn warf und ihn fest umarmte. Ich hatte ihn nur bei ein paar Gelegenheiten getroffen, als er nach Hogwarts gekommen war um Alice zu besuchen. Aber sie waren mir nach nur ein paar Unterhaltungen wichtig geworden. Die Longbottoms hatten mich zu ihrer Hochzeit eingeladen, aber die Hochzeit meiner Schwester hatte es verhindert, dass ich ihre besuchen konnte – doch ich bin sicher Frank und Alice's wäre sehr viel erfreulicher für mich gewesen.

Frank lachte laut, „Es ist auch gut dich zu sehen, Lily Evans. Hab dich schon eine Weile nicht mehr gesehen. Alles in Ordnung?"

Ich nickte, „Ja, ich bin okay. Du hast keine Ahnung wie toll es ist dich zu sehen."

„Das glaube ich.", sagte er und zog sich zurück. „Eigentlich habe ich seit…", er blickte kurz auf die Sonne, „Ich schätze ungefähr drei Stunden hier nach dir gesucht. Hab hoch und runter gesucht. Sirius sagte du könntest hier irgendwo sein."

„Sirius hat dich geschickt?", rief ich und meine Erleichterung wurde größer. Zumindest wusste ich jetzt, dass sie etwas getan hatten um mich zu finden.

„Natürlich hat er das. Naja, eigentlich haben sie das alle. Haben mir die ganze Geschichte erzählt, sie alle." Frank schüttelte den Kopf, „Ich habe ihnen gesagt, dass das nicht nach der Lily Evans klang, die ich kenne… einen dummen Fehler wie den zu machen und so."

„Ich war abgelenkt", verteidigte ich mich matt und ein leichtes Erröten zierte meine Wangen.

Frank stupste mich spielerisch gegen die Schulter, als wir begannen durch die Menge zu gehen. „Wie ich sagte, das klang überhaupt nicht nach dir. Tut, tut, Lily, sie so zu erschrecken. Jim was panisch, Remus schrie Sirius an, James… nun, er war derjenige der mich benachrichtigt hat. Peter, der arme Kerl, ist fast in Tränen ausgebrochen. Der arme Kerl ist fragil, weißt du." Frank zog mich mit sich.

Ich erzwang ein angespanntes Lachen. Noch nie in meinem Leben hatte ich so viel Stress in so wenig Zeit ertragen müssen.

„Bist du okay?", fragte Frank und sah mich leicht besorgt an als er endlich die Überbleibsel meiner Tränen bemerkte.

„Ja, ja, mir geht's gut.", sagte ich und fasste wieder meine Tasche. „Es ist nur… ich habe nie… erst treffe ich Black Magic, dann verliere ich mein Gepäck, mein Gld. Ich tauche in einem verwüsteten alten Pub mit sehr gemeinen Leuten die mich böse anblicken auf. Und eine alte Lady versucht mir etwas zu stehlen." Ich fuhr mit der Hand durch meine Haare. „Ich bin einfach nur wirklich gestresst." Ich sah leicht schmollend runter. „Und ich muss mir ein neues Paar Sandalen kaufen."

„Du wirst dich umziehen können sobald wir da sind." Frank drückte besänftigend meine Schulter, mit besorgt verengten Augen. „Wir werden bald im ‚The Grape Vine' sein. Mach dir keine Sorgen."

„The Grape Vine!", rief ich. „Das war es." Ich schnippte mit den Fingern, bevor ich frustriert meine zittrige Hand auf meine Stirn legte. „Manchmal steh ich mir einfach selbst im Weg." Ich verdrehte die Augen.

Frank lächelte wieder, „Naja jedenfalls werden wir bald da sein."

Er führte mich in ein Süßigkeitengeschäft und zog mich durch die Menge in ein Hinterzimmer. Das kleine, dunkle Zimmer war Fensterlos, Farblos und ohne etwas Fröhliches. Die einzige Sache im Raum war ein Kamin und eine kleine cremefarbene Urne neben ihm auf dem Boden.

„Was hältst du davon nur einmal noch zu flohen?", fragte er und drehte sich mir zu.

Ich fasste mein Taschenband fester und sah den Kamin wortlos an. Einen Moment bedachte ich all meine Optionen. Endlich drehte ich mich wieder zu Frank und zwang ein Lächeln auf mein Gesicht.