Als die Türen der Krankenstation aufglitten schaute das MHN herüber. Sein Herz verkrampfte sich, als er Seven kommen sah. Doch er setzte eine neutrale Miene auf, trat auf sie zu und fragte: "Kann ich Ihnen helfen?"
Seven blickte ihn unschlüssig an während sich die Türen hinter ihr schlossen. Schon wieder wußte sie nicht, wie sie anfangen sollte. Das MHN wartete geduldig und Seven entschied sich für eine defensive Taktik.
"Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen, Doktor. Scheinbar habe ich etwas getan, was Sie gekränkt hat. Das lag nicht in meiner Absicht. Allerdings wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir erläutern würden, was ich falsch gemacht habe." Sie blickte ihn an und wartete.
Das MHN seufzte. Was sollte er ihr jetzt sagen?
"Seven, Sie brauchen sich für nichts zu entschuldigen. Und Sie haben auch nichts falsch gemacht. Sie haben mich nur etwas... überrumpelt. Ich kann nicht einfach meinen Dienst sausen lassen und frühstücken gehen." Ich lüge schlecht, dachte das MHN, denn seine Worte klangen nicht überzeugt.
Seven trat einen Schritt näher. "Das entspricht nicht der Wahrheit", sagte sie einfach nur und blickte ihn wieder wartend an.
Das MHN ließ die Schultern etwas sinken und war unfähig, in Sevens Augen zu blicken. "Ich konnte es nicht ertragen wieder als Testperson herzuhalten", sagte er nach einem Moment.
Seven zog die Augenbrauen zusammen und fragte: "Bitte erklären Sie das. Was meinen Sie mit Testperson?"
Jetzt schaute er Seven an und sagte etwas aufgebracht: "Sie wollten mich doch sicher nur zum Frühstück dabehalten, damit Sie hinterher fragen können, ob Sie alles richtig gemacht haben. Als Übung für Ihr nächstes Date. Ich weiß, daß Sie alles perfekt machen wollen, aber bitte suchen Sie sich dafür jemand anderen zum Üben. Ich... kann das nicht mehr, es tut mir leid."
Seven war überrascht. "Doktor, ich versichere Ihnen, daß ich keine Absicht hatte Sie als Testperson zu benutzen. Diese Einladung war nur für Sie bestimmt."
Das MHN schaute sie jetzt völlig überrascht an. "Ist das Ihr Ernst?" fragte er ungläubig.
Die Borg nickte. "Doktor, ich würde gerne wissen, ob Sie etwas für mich empfinden außer Freundschaft", fragte sie geradeheraus. Dem MHN blieb der Mund offen. Was sollte er jetzt darauf erwidern? Er entschied sich für die Wahrheit. "In der Tat empfinde ich tatsächlich mehr für Sie, Seven. Ich habe Sie schon immer bewundert und geachtet, aber ich hätte mich Ihnen nie aufgedrängt. Schließlich bin ich nur eine Projektion aus Licht und Photonen..." Seine Stimme verstummte und beschämt sah er zu Boden. Jetzt war es also raus.
Seven kam noch näher, bis sie direkt vor ihm stand. Sie lächelte. "Seltsam, ich hätte nie gedacht, daß Sie eine Borg in Betracht ziehen könnten..." konterte sie. Das MHN sah verblüfft auf und dann tat Seven das einzig Richtige seit langer Zeit. Sie küßte ihn higebungsvoll und er erwiderte den Kuß.
Die Borg erkannte in dem Moment, daß das MHN der Richtige für sie war, denn sie fühlte Schmetterlinge im Bauch und ein Glücksgefühl druchströmte sie.
"Ich liebe Dich", flüsterte sie.
"Ich Dich auch, Seven", sagte das Hologramm überglücklich und küßte sie erneut.
Als sie den Kuß gelöst hatten meinte Seven: "Aber ein Problem gibt es da noch."
Das MHN schaute sie fragend an. "Und das wäre?"
"Wie soll ich Dich anreden? Du brauchst dringend einen Namen, Doktor!"
Das MHN lachte und sagte nur: "Ich habe da schon einen auf der Favoritenliste, aber vielleicht sollten wir das lieber bei einem privaten Abendessen diskutieren?"
"Um 18 Uhr in meinem Quartier. Widerstand... ist zwecklos." Damit drückte sie ihm noch einen Kuß auf die Lippen und verließ dann die Krankenstation. Sie war kaum eine Minute weg als sie sich noch einmal über das Comsystem meldete.
"Krankenstation hier", sagte der Doktor.
"Vergiß den Kortikalmonitor nicht."
Das MHN riß die Augen auf und meinte, daß er sich verhört hätte. Dann huschte ein Lächeln über sein Gesicht. "Wenn ich dabei bin, brauchst Du den nicht."
"Verstanden", sagte sie nur.
Gegen 22 Uhr an dem Abend hatte der Doktor seine medizinische Datenbank um einige Informationen erweitern können. Sollte ihn jemals noch eine befreite Borgdrohne danach fragen, ob es Nebenwirkungen beim Geschlechtsverkehr gab, so konnte er das mit gutem Gewissen verneinen.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß jemand gerade glücklicher ist als ich, dachte das MHN und strich Seven, die nebem ihm eingeschlafen war, vorsichtig eine Haarsträhne aus den Augen.
Hätte er in das Quartier von Chakotay blicken können, dann wüßte er jetzt doch jemanden, der mindestens genauso glücklich wie er war.
Die beiden Offiziere lagen in Chakotays Bett, wo der erste Offizier gerade seinen Captain sehr verwöhnte.
"Ich liebe Dich, Kathryn", sagte er zärtlich.
"Ich Dich noch mehr", erwiderte Kathryn.
