10. Kapitel - Ich bin verrückt, wäre ich normal, würde ich wahnsinnig werden
Die wahre Liebe ist es, die jedes Wesen läutert, jeden
schlummernden Keim des Edlen und Guten aus ihm hervorlockt, zur
herrlichen Blüte bringt; sie allein ist es auch, die dem Leben
trotzt und standhält, die in Wahrheit alles trägt und
glaubt und hofft und des Gesetzes Erfüllung ist - des Gesetzes
des Lebens.
Louise Otto
Die junge Hexe lächelte überlegen und lehnte sich zurück. Dabei sah sie ihn so verführerisch an, dass Snape schlucken musste. Er war sich darüber im Klaren, dass sie es niemals schaffen würde ihn zu besiegen, darüber nachzudenken war mühselig, aber er vermutete, dass es sie es ihm nicht so einfach machen würde. Er lehnte sich leicht vor und verlieh seiner Stimme eben jenes Timbre, das sie wohlig einzuhüllen schien und wie samt umgab. Doch sie wusste genau, die Schlange konnte jederzeit zu beißen. „So, Prinzessin, trink aus wir haben noch etwas vor."
Hermine sah ihn erwartungsvoll an. Mittlerweile wusste sie, dass man bei ihm mit allem rechnen musste. Und im Moment hatte absolut keine Vorstellung davon, was er vorhaben konnte. Aber sie vertraute ihm ja. Das tat sie wirklich. Ganz sicher.
Snape lehnte sich zurück und sah die Hexe vor sich süffisant an. Er wusste genau, was in ihr vorging und er genoss ihre Unsicherheit. Nie hatte er behauptet ein netter Mann zu sein, aber das war Hermine klar. Also durfte sie sich hinterher nicht beschweren.
Als sie schließlich aus dem Restaurant in der Nockturngasse traten, bot Snape ihr seinen Arm. Mit einer Selbstverständlichkeit, die beide überraschte, ergriff sie ihn und Sekunden später standen sie an dem entgegengesetzten Ende der Nockturngasse, direkt an einer weiteren kleinen Gasse. Hermine kam die Gegend wage bekannt vor und als Snape schließlich vor einem nur zu gut bekannten Etablissement anhielt, war Hermine doch nicht mehr von seiner Vertrauenswürdigkeit überzeugt. „Ich geh da nicht rein", machte sie ihren Standpunkt klar und unterstrich es, indem sie die Arme verschränkte.
Um Snapes Mundwinkel zuckte es. Er ließ sie los und trat hinter sie. „Ich habe dir versprochen, auf dich aufzupassen, Prinzessin. Vertrau mir." Er gab ihr einen Kuss in den Nacken und wandte sich der Tür zu.
Er war gerade im Begriff, die Lokalität zu betreten, als sich Hermine fassungslos zu ihm umdrehte. „Du willst mich doch hier nicht so stehen lassen?"
Er lächelte. „Du kannst einfach mitkommen."
„Und wenn ich nicht will? Ich mein, nur falls du das bereits vergessen haben solltest, hier wollte mich Anthony-" Sie brach ab.
Er zog eine Augenbraue hoch. „Aber gerade deswegen, Prinzessin." Dann streckte er eine Hand zu ihr aus und wartete geduldig, dass sie sie nahm. „Du wirst sehen, eigentlich ist es hier ganz amüsant."
Hermine war davon nicht wirklich überzeugt, doch sie sagte sich immer wieder, dass ihr nichts passieren würde. Es konnte ihr nichts passieren, schließlich war Snape dabei. Die vielen anderen hatten absolut keine Chance gegen ihn.
Mit einer gewissen Befriedigung spürte Snape, wie sie sich von ihm mitziehen ließ. Ihm war das Etablissement herzlich egal, doch er wusste, dass Hermine hiervor Angst hatte und er wollte ihr die Angst nehmen. Vielleicht war das nicht der sensibelste Weg, aber er hatte in einem Muggelbuch gelesen, dass Angstpatienten mit ihrer Angst konfrontiert werden müssen. Und da Hermine keine Arachnophobikerin war, musste es halt auf diesem Wege funktionieren.
Tess, die Besitzerin dieser Lokalität, stand auch diesmal wieder am Eingang und begrüßte Snape stürmisch. „Oh, mein liebster Zaubertrankmeister ist wieder da", gurrte sie und schmiss sich ihm an den Hals. Hermine beachtete sie gar nicht. Tess hob die Hand und sofort standen fünf Mädchen, mehr als leicht bekleidet, vor ihr.
Snape zog eine Augenbraue hoch und sah missbilligend auf die jungen Frauen. „Tess, du weißt doch, ich nehm nie eins von deinen Mädchen." Dann zog er Hermine zu sich heran und legte den Arm um sie, so dass jeder sehen konnte, wie die beiden zueinander standen. „Ich hab schon mein Mädchen", lächelte er und küsste Hermine sanft.
Eben jene war von der öffentlichen Zuneigungsbekundung mehr als überrascht. Sie verstand in dem Moment nicht, dass er sie in dem Moment als ‚sein' kennzeichnete und sie somit vor der Zudringlichkeit der anderen schützte. Seine Vergangenheit als Todesser war noch lange nicht vergessen und sein einschüchterndes Auftreten tat sein übriges, damit niemand auch nur im Entferntesten daran dachte, ihn zu verärgern.
Tess sah Hermine von oben bis unten an. „Kennen wir uns nicht irgendwoher?" Schon hatte sie sich beleidigt umgedreht. Sie mochte es nicht, von Männern links liegen gelassen zu werden. Doch Hermine war das egal, sie schmiegte sich an ihren mysteriös wirkenden Begleiter.
Kurz strich er ihr über die Haare, dann löste er sich von ihr und zog sie mit sich. Zielstrebig zu einem bestimmten Zimmer. Als Hermine das Streckbankähnliche Brett wieder sah, wollte sie nur eins: Flüchten. Doch Snape hielt sie fest. Und tatsächlich, irgendwann beruhigte sie sich.
„Der Raum tut dir nichts, Prinzessin. Der Mann in dem Raum, vor dem solltest du vorsichtig sein." Als er ihre großen Augen sah, lachte er leise. „Ich meine nicht mich, ich meine es allgemein. Weder ein Raum, noch ein Instrument wie z.B. die Ketten, die dort hängen, tun dir etwas. Du brauchst keine Angst davor zu haben. Derjenige, der sie gebraucht, der kann dir wehtun. Und daher solltest du ganz genau darauf achten, dass du nicht einfach mit Wildfremden mitgehst, sondern nur mit jemandem, den du kennst und bei dem du dir sicher sein kannst, dass er dir nichts tun wird."
Hermine sah ihn an. „Kann ich das denn?"
„Nein, nicht zu Einhundertprozent. Aber vertraue deinem Bauchgefühl und vergiss niemals deinen Kopf. Denk darüber nach. Teste ihn vorher. Sollte er auch nur im Entferntesten etwas sagen wie „Wenn du das nicht machst, dann gehe ich", dann lass ihn gehen, denn dann hat er nichts Gutes im Sinn."
Hermine nickte. „Ich war ein bisschen naiv oder?"
Er lächelte. „Ein wenig ja, aber du bist noch jung."
Sie stieß ihn spielerisch in die Seite. Dann drehte sie sich um und besah sich den Raum näher. „Eigentlich find ich das hier ja schon alles irgendwie spannend."
Snape stöhnte, doch Hermine lachte nur, dann ging sie zurück zu ihm und umarmte ihn. „Dank", hauchte sie.
„Wie niedlich", kam es sarkastisch von der Tür. „Severus Snape und seine ehemalige Schülerin Hermine Granger."
Die beiden drehten sich in Richtung der Stimme und als Hermine Anthony im Türrahmen lehnen sah, machte sie unbewusst einen Schritt zurück. Doch Snape hielt sie fest und drängte sie mit sich. „Mr….?" Fragend ob er eine Augenbraue.
„Callow, Anthony Callow." Er streckte seine Hand aus.
Snape sah auf die Hand und nahm sie dann zögernd. Als Callow sie ihm entziehen wollte, ließ er sie nicht los, sondern drückte noch fester. Schließlich keuchte Callow auf. Der dunkle Professor erlöste den Mann vor ihm von dessen Schmerz und zog Hermine noch näher an sich. „Was Sie für Praktiken bevorzugen, geht mich nichts an", sagte er mit einer eisigen Stimme. „Doch Hermine lassen Sie in Zukunft in Ruhe. Ansonsten könnten wir uns unter … ungünstigeren Umständen wieder sehen."
Callow verstand die unterdrückte Warnung, dennoch konnte er sich einen Kommentar nicht verkneifen. „Was kann ich dafür, wenn die Kleine mich anlügt?"
Snape baute sich drohend vor ihm auf. „Sie hat lediglich ihre Erfahrung falsch eingeschätzt. Sie als Professor hätten drauf kommen können. Kaum eine Frau in ihrem alter kann die Erfahrung vorweisen, die SIE brauchen. Und jetzt verschwinden Sie." Callow nickte knapp und drehte sich um.
Snape donnerte die Tür zu. Er brauchte ein Ventil, um seinem Ärger über diese Person Luft zu machen. Als er Hermines Hand an seinem Arm spürte, wirbelte er zu ihr herum und riss sie an sich. Hungrig suchten ihren Lippen einander und in einem Moment des Luftholens, sah Hermine in dankbar an. „Danke für alles, Severus", hauchte sie. Als Antwort küsste er sie erneut.
Hermine ging ein paar Schritte zurück und zog ihn dabei mit sich. „Zeig es mir, Severus", bat sie und deutete auf die in die Wände eingelassenen Ketten.
Er sah sie lange an. „Willst du das wirklich?"
Hermine nickte. „Ich vertraue dir."
Wieder schloss er sie in seine Arme und küsste sie gierig. „Ich liebe dich, Prinzessin…"
Ende
Begriffe:
- Arachnophobie: Angst vor Spinnen
Anmerkung:
An
dieser Stelle muss ich mich bei euch entschuldigen. Zum einen, weil
es mit dem Update gedauert hat. Zum anderen, weil dies das letzte
Kapitel der Dominus-Trilogie ist. Ideen habe ich genug, aber man soll
aufhören, wenn es am Schönsten ist. Ursprünglich
sollte es ja gar keine Trilogie geben und dann, als sich das
rauskristallisierte, nahm ich mir vor: fünf Kapitel. Eigentlich
hatte ich sowieso gedacht, dass es nur noch zwei oder drei geben
sollte, doch als ich vorhin mit meinem Hund Gassi gehen war und über
den Dominus nachdachte, habe ich beschlossen, ihn jetzt zu beenden.
Jedes weitere Kapitel wäre irgendwie nur blabla und würde
die Trilogie kaputt machen. Am Anfang war es Humor/Erotik. Jetzt, bei
DA03, ist es ernst und belehrend geworden. Das war nicht mehr die
Ursprungsabsicht von mir. Versteht ihr was ich meine? Man kann eine
Geschichte kaputt / langweilig schreiben. Irgendwie hab ich das
Gefühl, dass das mit DA passieren würde. Darum hier mein
letztes Kapitel.
Könnt ihr nachvollziehen, was ich
meine?
Natürlich werde ich die vielen Ideen, die mir im Kopf herumschwirren, verarbeiten. Einige in dem Pairing SS/HG, andere im Pairing LM/HG. Aber ich habe das Gefühl es ist Zeit für etwas Neues. Ich finde langsam meinen eigenen Stil und, obwohl ich zu variieren versuche, ich denke, mein Stil bleibt der Gleiche. Bei mir wird sich Sev nie in einen devoten Sklaven verwandeln oder Hermine in die aufgeblasene Barbiepuppe. Egal woran ich schreiben werde, ihr seid alle eingeladen mitzukommen auf eine erneute Phantasiereise.
Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich mit ihren Reviews so unglaublich toll unterstützt haben. Ihr seid der absolute Wahnsinn. DANKE verbeug
Wer mehr möchte, dem empfehle ich QED, mein Baby, mein Ein und Alles. Vorher habe ich noch nie geschrieben und mit QED habe ich angefangen. Es ist am Anfang LM/HG, aber unser geliebter Zaubertrankmeister wird seinen Platz finden, versprochen….
Danke an:
- Bubble: lieben Dank für dein Review lächel
- Sepsis: dir auch ein liebes Danke lach ja, ich hab auch gegrinst. In jeder FF wird sie von ihm in so einen Nobelschuppen geschleppt. Ich dachte mir, die Nockturngasse ist mal was anderes ggg
