Hey, liebe Sirius-Fangirls!
Der
Zauberer mit dem sexy blauen Blick und der schönen Mähne
ist wieder da, und wie Ihr ja vielleicht noch wisst, hat er
„Babysitting-Schulden" bei der bezaubernden schwedischen Au-Pair
einzulösen. Auf dem Weg dorthin sind jedoch noch einige
technische Probleme zu klären (z.B. wie man sich als gesuchter
Massenmörder sicher in der Winklegasse bewegt), und genau darum
geht es in der heutigen Folge von „Frühlingserwachen". Eine Folge
übrigens, die Severus hoffentlich nie zu lesen kriegt, sonst bin ich
eine tote Slytherene...
Viel
Spaß!
10. Technische Probleme
Das Handy klingelt und ich muss erst einmal unter dem Haufen achtlos weggeworfener Klamotten neben dem Bett herumtasten, bis ich es in die Finger bekomme. Ich reiße die Augen weit auf, um die Nummer auf dem Display lesen zu können, aber schließe sie sofort wieder, weil das Tageslicht so unbarmherzig darin brennt. Vielleicht hätte ich gestern Nacht doch das vierte oder so Glas Feuerwhisky stehen lassen sollen? Ich verziehe mich mitsamt dem Mobiltelefon unter die Bettdecke. Hier ist es weniger grell. Das Handy klingelt unverdrossen weiter. Ich versuche etwas zu erkennen und blinzle – Mays Nummer!
Bis ich den grünen Knopf gedrückt habe, ist die Mailbox schon angesprungen, und alles „May, hörst du mich?"-Schreien in das Mikrofon und alle Flüche helfen nicht.
Ich war zu langsam.
Eine Stunde, unzählige wirklich schlimme und nicht kindergartentaugliche Flüche und eine verzweifelte Suchaktion später hocke ich ungewaschen und mit vermutlich wirrem Haar in der Küche, vor mir eine Tasse Kaffee, die durch die Dosierung 40 Nescafe, 50 Wasser, Rest Zucker für jeden normalen Menschen ungenießbar geworden ist, aber ich mag ihn so.
Auf meinen Knien liegt die Anleitung für das Mobiltelefon.
Seite zwölf: „So aktivieren Sie Ihre Mailbox". Ich kämpfe sich durch fremde Begriffe wie „Kurzwahltaste" und „Softkey" (was bei Merlin ist ein ‚weicher Schlüssel'?), nur um am Ende festzustellen, dass meine Mailbox ja längst aktiviert ist, und genau das ist mein Problem.
Ich knalle den Kopf auf die Tischplatte und jaule laut auf.
„Verdammtes Mistding!".
„Dein Grad der Verwahrlosung übertrifft den deines Haustieres noch um Längen, Black" schnarrt eine wohlbekannte, kalte Stimme von der Tür her.
Ich blicke
auf. Das darf nicht wahr sein! Warum, bei Merlin, taucht der
Fettschopf immer in den allerunpassendsten Momenten auf? Vielleicht
kann ich ihm mit unbändigem Willen einfach verschwinden lassen?
Ich
wünsche mir innig, dass der Dunkelgewandete in ein anderes
Universum katapultiert werden möge und blinzle.
Natürlich
funktioniert das nicht, es hat ja schon vor zwanzig Jahren bei Filch
nicht geklappt.
„Was soll das sein?" fragt der Tränkemeister, rümpft seine prominente Nase und weist mit spitzen Fingern auf den Inhalt meiner Kaffeetasse. „Willst du das in kleine Beutelchen abfüllen und damit Todesser bombardieren, damit sie sich auflösen? Dafür könnte es sich eignen." Hohn tröpfelt aus seiner Stimme.
„Halt still, Sniv, dann probiere ich es gleich einmal an Dir aus" knurre ich und hebe die Tasse drohend hoch.
Er hält abwehrend die Handflächen vor sich, so als könne der Kaffee ihn tatsächlich zu einem Klumpen Slytherinschleim zersetzen (man weiß ja nie), dann streifen seine dunklen Augen das Handy und die Bedienungsanleitung.
„Du
bedienst dich primitiver Muggelkommunikation? Wie weit willst du noch
sinken, Black?"
Seine rechte Augenbraue verschwindet unter der
schmierigen schwarzen Matte.
„Soweit,
bis ich meine Mailbox abhören kann" gebe ich genervt zurück
und wende mich Seite dreizehn zu.
„Wie sie Ihre Mailbox
deaktivieren können".
Merlin, ich will sie doch nur abhören,
nicht mich im Dschungel der Eklektrokommunikation verlieren.
„Unterhältst
du Muggelkontakte? Außerhalb des Ordens?"
Snapes Augen sind
schmal. „Du, weißt, was Dumbledore..."
„WAS DIESER ALTE … ZAUBERER DAVON HÄLT, INTERESSIERT MICH EINEN DRACHENDRECK" brülle ich laut, und Sniv betrachtet meinen Ausbruch mit gelassenem Interesse.
„Möchtest Du, dass ich ihm das ausrichte?" fragt er scheinheilig.
Ich starre ihn feindselig an.
„Was willst Du, Sniv?"
„Ich brauche eine Zutat für den Wolfsbanntrank, die sich hier für mich am einfachsten organisieren lässt – Werwolfshaare."
Ich blicke
verwundert auf. Banntrank? Aber Remus ist doch überhaupt nicht
da.
Für wen also stellt die alte Fledermaus Wolfsbann her?
„Wer
soll Deinen Banntrank denn bekommen?" frage ich. „Remus ist in
Montenegro, woran du alles andere als unbeteiligt bist, wenn ich mich
recht erinnere."
Ich habe ihn am Haken. Er windet sich. Aber noch nicht richtig.
„Es dient dem Orden" sagt er vage.
„Mhm" nicke ich. „Bleib hier, ich will meiner seligen Mutter Deinen Anblick ersparen."
Ich stapfe die Treppe hinauf, hoch in Remus' Schlafzimmer. Es gibt da eine Decke, die er bei seinen Wandlungen benutzt. Ich nehme ein paar der harten, grauen Grannen von dem alten Stofflappen ab und begebe mich wieder in das untere Stockwerk.
„Das ging aber schnell" sagt er und wiegt das Mobiltelefon in der schmalen Hand. Ich erstarre zum zweiten Mal. „Wie stellt man das an?" fragt er, doch bevor ich antworten kann, richtet er seinen Zauberstab auf das Handy.
„Energete!"
Eine Stichflamme schlägt aus dem kleinen Apparat und er lässt ihn hastig auf den Tisch fallen. Dann richtet er seinen Stab auf mich, schneller als ich den meinen gezogen habe.
„Lass stecken, Black. Sonst passiert hier was. Niemand wird bezweifeln, dass du mich angegriffen hast." Täusche ich mich, oder klingt seine Stimme etwas weniger selbstsicher als sonst?
„Bist du dir da ganz sicher, Snivellus?" frage ich grinsend.
„Sicher genug" antwortet er, ohne meine Stabhand aus den Augen zu lassen. „Ansonsten versuch's doch." Seine Augen blitzen gefährlich.
Ich zucke die Schultern. Er scheint zu allem bereit zu sein.
„Du
willst etwas von mir, Snape. Ich kann auch wieder verschwinden
und du organisierst dir dein Werwolfsfell woanders."
Ich mache
Anstalten, die Küche wieder zu verlassen.
Als ich
die Tür beinahe hinter mir geschlossen habe, kommt seine Stimme
mir nach.
„Warte!"
Hab ich's
mir doch gedacht. Sniv hat viel zu viel Schiss vor Wölfen, um
das Fell anderswo zu besorgen.
Ich drehe
mich langsam um und öffne die Tür wieder.
Er seufzt
und sein Stab zeigt wieder auf das unschuldige Handy.
„Reparo!"
Diesmal knallt es und schwarzer Rauch quillt zischend hervor.
„Tolle
Leistung, Sniv" höhne ich. „Wirklich, sehr professionell.
Man muss die Arbeitsweise von Muggelaparaten kennen, um sie mit einem
Reparo instand setzen zu können. Arithmantik, fünftes Schuljahr. Du als Hogwartslehrer solltest das eigentlich wissen."
Ich genieße es, ihn an einer schwachen Stelle zu treffen. Von
Muggeln hat er nämlich keine Ahnung.
„Dir ist klar, dass ich ein neues Handy von dir bekomme bevor Du auch nur ein einziges Werwolfshärchen in die Finger kriegst?"
Für den Bruchteil eines Wimpernschlags nimmt sein Gesicht diesen merkwürdig gehetzten Ausdruck an, den er früher manchmal hatte, wenn er alleine auf uns traf und wir Maurauder in der Überzahl waren.
„Ich habe keine Zeit, um in Muggellondon Spielzeug für einen unausgeglichenen Hund zu besorgen", faucht er.
„Okay – dann wirst du wohl Zeit erübrigen müssen, um deinem unausgeglichenen Freund Greyback das Fell zu streicheln und dabei unauffällig ein paar Haare mitgehen zu lassen."
Er wird
blass.
„Was willst du, Black?"
Ha! Gewonnen! Ein 3: 0 - Sieg! Mindestens.
„Zehn Galleonen, und ich besorg' mir mein Spielzeug selbst, und..." ich betone das ‚und", „eine Portion Vielsafttrank ausreichend für circa acht Stunden." Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Severus mein Winkelgassenproblem lösen würde?
Er zuckt mit keiner Wimper. „Der dauert Wochen, das solltest selbst du wissen" sagt er kühl.
„Nicht, wenn man welchen auf Vorrat angesetzt hat. Komm schon, ich kenn' Dich doch, Snape. Du hast immer einen Ansatz in deinem Kerker herum blubbern. Eine Phiole von deinem kostbaren Gepantsche und zehn Galleonen.Oder du gehst mit Greyback kuscheln. Such's Dir aus."
Er zögert.
Sollte ich mich verkalkuliert haben?
Ich weiß nicht, wie
dringend er den Wolfsbann wirklich brauen will. Doch nein, er funkelt
mich schließlich böse an.
„Also gut, Black. Aber falls Lupin nicht wieder hier ist nächsten Monat entfusselst du seine räudigen Klamotten ohne weitere Bedingungen. Ich will dann wieder Haare."
„Deal!" sage ich und halte ihm die Hand hin.
Er sieht mich konsterniert an, wischt sich ein paar imaginäre Fussel von der Robe und sagt kalt: „Um sieben, heute Abend."
Dann rauscht er mit wehendem Umhang hinaus. Lackaffe!
Ich werfe Handy und Bedienungsanleitung in den Müll. Die verschmorten Kunststoffteile stinken. Es stimmt also tatsächlich, dass ein Zauberer die Funktionsweise der Muggelelektonik kennen muss, um einen Reparierspruch anwenden zu können. Deswegen konnte ich auch früher stets mein Motorrad mit Magie reparieren. Ich hätte es auch manuell gekonnt, aber das war manchmal einfach zu zeitaufwändig. Obwohl ich lieber geschraubt habe, wenn ich Zeit dazu hatte.
oooOOOooo
Eine halbe Stunde später. Ich klaube
ein paar Muggelmünzen aus dem Glas in der Küche und mache
mich auf den Weg zum Park. Dort gibt es ein paar dieser roten
viereckigen Kisten, in denen die Muggel telefonieren. Das kann ja so
schwer nicht sein!
Das Haus
ohne Tarnung zu verlassen ist riskant, aber hier in Muggellondon sind
die Menschen höflich und unaufmerksam. Außerdem tut mir
die frische Luft gut, und ich kann nachher im Park ein paar Runden
drehen, im Hund.
Ich erreiche ohne Probleme die roten Kästen und öffne die Tür des ersten.
‚Wer
lesen kann ist im Vorteil', stelle ich fest. Die Muggel erklären
es ganz genau, wie man es machen muss: Den Hörer abheben, Geld
hinein werfen, die Nummer wählen. Ich zerre den zerknitterten
Zettel aus der Tasche meines Muggeltrenchcoats und entfalte ihn.
Wie
war das noch mit den Münzen? Zwei kleine kommen unten aus dem
Apparat wieder heraus gerollt, aber die silbernen passen.
Vorsichtig
drücke ich die Knöpfe mit den Ziffern. Es klappt beim
ersten Mal. Ein Tuten, und dann höre ich Mays Stimme.
„Springtime
Farm, Gestüt und Reitausbildung, mein Name ist May Springtime.
Kann ich Ihnen helfen?"
Ich
lausche hingerissen dem Glockenklang ihrer Stimme. Es sind mit rotem
Samt bespannte Glocken, die sanft und doch hell mein Inneres zum
Schwingen bringen, etwas tief in mir anstoßen.
Sagt sie noch
etwas? Ich lausche.
„Hallo, wer ist denn da?"
Ich räuspere mich. „Ich bin's, Sirius."
Stille am anderen Ende der Leitung. Offensichtlich hat es ihr die Sprache verschlagen, und ich befürchte, es ist nicht gerade Verzückung, die diesen Effekt auslöst.
„Wie geht es Dir?" frage ich. Ich weiß, bei meinem legendären Ruf als Womanizer sollte mir etwas Besseres einfallen, aber mein Kopf ist so leer gefegt wie die Winkelgasse sonntags morgens um sieben.
„Danke, es geht so" sagt sie eine Weile später. Es klingt verunsichert.
„Es tut
mir leid, wenn die Vorfälle gestern dich erschreckt haben. Ich
wollte auf den richtigen Moment warten um es dir zu sagen.
Das...dieses Zaubererding."
Ich stelle ernüchtert fest, dass
ich im Umgang mit Sniv souveräner bin als im Dialog mit einer
Frau. Das war bei weitem nicht immer so.
Aber die Zeiten ändern
sich, und May ist auch nicht irgendeine Frau. Sie ist...
„Es ist in Ordnung" höre ich sie sagen.
„Weißt du, es ist nicht so als ob ich dich bewusst angelogen hätte. Ich meine, naja, vielleicht bewusst, aber nicht willentlich, und das ist doch ein Unterschied. Ich habe versucht, ganz nah an der Wahrheit zu bleiben, was nicht immer so einfach war, schon weil Remus mich als etwas vorgestellt hat, was nicht ganz der Wahrheit entsprach, aber wir dachten..."
„Es ist in Ordnung" wiederholt sie, diesmal etwas schärfer. „Sirius, ich will nicht mehr darüber sprechen."
Das ist zumindest deutlich. Mein Herz sinkt eine Etage tiefer.
„Was
wollen Sie?"
Sie klingt definitiv nicht nach „Öhrchen
kraulen". Pads in meinem Inneren jault auf und flutet mein ohnehin
gerade strapaziertes Gehirn mit edlen Lederstiefeldüften und
„unter-dem-Minirock-Bildern".
Mein Herz
stürzt erst noch weiter ab und beginnt dann zu flattern. Ich
muss irgendetwas sagen, aber nicht irgendetwas, sondern etwas Cooles,
Tolles, etwas, dass Ihre Stimme so weich werden lässt wie ihren
Blick, sobald sie Sandy ansieht.
Oder wenigstens so sanft, wie sie
Padfoot angesehen hat, als sie gesagt hat: „Oh, Du bist ein
Schmuser" und ihre langen Fingernägel durch mein Fell hat
gleiten lassen.
„Mich
entschuldigen" entfährt es mir. "Ich wollte mich entschuldigen."
Merlin, das ist ein
Moony-Satz, und wie erfolgreich der bei Frauen ist, wissen wir ja –
gar nicht. Andererseits: Er hat es bei May doch deutlich weiter
gebracht als ich bisher, und das bei den äußeren
Handikaps.
Sie schweigt. Immerhin legt sie nicht auf. Ich versuche einen weiteren Moony-Satz.
„Es tut mir sehr leid, auch wegen unseres Essens gestern. Es hätte besser laufen können, weißt du?"
Ich
beharre auf der vertrauten Anrede, die sich gestern in der Hektik der
Ereignisse über meine Lippen geschlichen hat, und die ich jetzt
nicht mehr zurück nehmen will.
Weiter,
Sirius!
„Ich würde es gerne wieder gutmachen – ich schulde dir noch die Einladung zum Essen, immerhin haben wir es nur bis zum Aperitif geschafft, und ich würde gerne weiter gehen..."
Ein Ausruf des Erstaunens entfährt ihr. Oder ist es Entsetzen?
„Ich
meine, bis zum Hauptgang" setze ich meinen Satz schnell fort,
„oder eigentlich bis zum Dessert."
Ich wüsste auch noch
weiter, aber es wäre jetzt nicht schlau, das zu erwähnen.
„Sirius" sagt sie, und ihre Stimme klingt bedrohlich fest, „ich bin an weiteren Desastern nicht interessiert, zumal Sie doch zuerst einmal Selma einen gemeinsamen Abend versprochen haben. Sie hat den ganzen Vormittag versucht, Sie zu erreichen."
„Dann
möchte sie ausgehen heute abend?" frage ich nach.
Unterdessen
ist mein Herz auf Kniehöhe angekommen, und es hat auch aufgehört
zu schlagen.
Es beginnt bereits, zu versteinern.
„Das wollte sie zumindest heute Vormittag noch. Aber ich kann Ihnen sagen, dass sie mittlerweile deutlich weniger Lust dazu verspürt."
„Mein Handy hatte einen Zusammenstoss" sage ich. ‚Mit einem durchgeknallten Tränkebrauer' möchte ich am liebsten hinzufügen, wage aber nicht, Zauberei noch einmal zum Thema zu machen. „Mit einem technisch unbegabten Bekannten." Merlin, das klingt dermaßen bescheuert nach Ausrede.
„So?" sagt sie, und ich kann den Ärger über die lächerliche Ausrede, als die es ihr erscheinen muss, deutlich spüren.
„Er ist ein technisch sehr unbegabter Bekannter" füge ich hinzu.
Sie lacht nicht einmal.
Ich kapituliere zunächst. „Kann ich bitte mit Selma sprechen?"
„Ich hole sie" sagt May und ist vom Telefon verschwunden. Mit einem lauten Klack rutscht etwas in dem Apparat vernehmlich nach unten, und dann beginnt er hektisch zu tuten.
‚Oh
nein, jetzt ist auch noch das Geld alle' denke ich, denn ich werte
das Tuten als Schrei nach Muggelsickles. Ich krame hektisch in der
Jackentasche und tatsächlich, da ist noch einer.
Als ich ihn in
den Schlitz schiebe, ist die Leitung tot.
Ich fluche
furchtbar und natürlich nicht jugendfrei und wähle noch
einmal Mays Nummer, nachdem ich zwei Minuten lang den Zettel gesucht
habe, nur um ihn schließlich in meiner Hose zu entdecken, in
der Gesäßtasche.
„Springtime Farm,..." diesmal ist es Selmas Stimme.
„Merlin-sei-dank,
Selma, du bist es!"
Wer hätte gedacht, dass ich nur Minuten
nachdem sie mich in einen Höhenflug versetzt hat, froh sein
würde, nicht Mays, sondern Selmas Stimme zu hören.
„Hör' zu, dass mit dem Handy stimmt wirklich, es ist keine dumme Ausrede, ich kann dir das verschmorte Ding zeigen und..."
Gelächter.
Selma lacht mich aus.
Hohnlachen.
Aber nein...es ist einfach ihr
nettes, fröhliches Mädchenlachen.
„Schon gut, Siriüs, weiß ich doch, das hast du Probleme mit Technik. Hast du mich in Auto auf den Weg zu Sprachschulen erzählt, wie du mit deine Freund James die Musikbox in die Kneipe kaputt gezaubert hat." Sie lacht immer noch.
Das habe
ich ihr erzählt? Eine dermaßen unrühmliche
Geschichte? Immerhin ist die Vernichtung von alten Rolling
Stones-Singles nichts, worauf ich stolz bin.
Es war ein Unfall, und
zwar ein sehr bedauerlicher.
Fast so schlimm, als wenn Moony eine
Bibliothek angezündet hätte.
„Also,
wie sieht es aus, Selma? Hast Du noch Lust auf ein Desaster
heute abend? Meine Einladung steht."
Ich will nicht bitter klingen,
aber es passiert irgendwie trotzdem.
Doch Selma
überhört es, ob mit Absicht oder nicht ist mir im Moment
egal, denn sie sagt begeistert zu.
Wenigstens
sie will ich nicht enttäuschen.
„Ich hole Dich um acht ab, okay?"
„Oh ja" sagt sie. Um hinzuzufügen: „Siriüs, was tragt man in Zaubererdiskotheken?"
Es
überläuft mich heiß. Ich habe nicht daran gedacht,
dass Selma ja nicht in Muggelklamotten tanzen gehen kann im „Golden
Phoenix". Ich verschiebe die Panik auf später und hoffe, dass
Fleur mich retten wird. Immerhin ist Selma auch eine Blondine, da
wird es doch etwas Passendes in Fleurs Kleiderschrank geben.
Hoffentlich
sind die beiden nicht wie Feuer und Wasser, Fleur kann eine ziemliche
Zicke sein, wenn man Fred und George glauben kann.
„Mach dich einfach ein bisschen hübsch, wie du es gern hast" sage ich zu ihr.
Es beginnt zu tuten. „Meine Sickles sind alle" sage ich.
„Deine was?" fragt Selma, dann macht es wieder „klack", und die Leitung ist tot.
Ich verlasse das rote Häuschen und verschwinde unter dem kopfschüttelnden Blick einer älteren Lady hinter einem der hohen Hollunderbüsche. Sie sieht irritiert aus, als etwa fünf Minuten später ein großer schwarzer Hund hinter dem Busch hervor getrottet kommt. Ich beobachte, wie sie noch etwa drei Minuten auf den Mann wartet, der hinter das Gebüsch gegangen ist, aber dann gibt sie die Verfolgung des Sittenstrolches auf und schlurft davon.
Ich lasse Padfoot in raumgreifenden Galopp fallen, meide die große Wiese und wähle den ursprünglicheren Teil des Parks, den mit Bäumen und Bachlauf und wild wachsenden Pilzen. Leider ist er klein und man erreicht dahinter viel zu bald eine viel befahrene Straße. Pads dreht drei Runden, beschnüffelt eine süße Berner Sennerin und knurrt einen knochigen alten schwarzhaarigen Setter, der ihn an irgendwen erinnert, so sehr an, dass dessen Frauchen mit ihm das Weite sucht. Ich mache mich auf dem Heimweg, bevor am Ende noch Hundefänger auftauchen können.
oooOOOooo
Der
restliche Nachmittag vergeht ausreichend schnell, ich schicke wegen passender Klamotten
für Selma eine Eule an Fleur, bügle meine gute dunkelblaue
Robe (Kreacher ist wer weiß wo im Haus verschwunden, außerdem
würde er sie mir vermutlich verbrennen) mit einem
Hitze-Glättungszauber, der kompliziert ist und nur jeweils einen
schmalen Bereich des Kleidungsstücks erfasst.
Später
blättere ich durch den „Guide Marat", einen
Gastronomieführer durch Zaubererlondons Etablissements. Es ist
die Ausgabe von 1893, aber da die Restaurants vererbt werden, ändert
sich wenig. Die meisten Kneipen und Bars sind seit mehr als
vierhundert Jahren im Besitz derselben Zaubererfamilien.
Ich tippe mit dem Stab auf einen Namen, und sofort verblasst der Lageplan zugunsten der Speisekarte. Die Preise allerdings sind weniger konstant als die Restaurantbesitzerfamilien, das muss ich sagen. Wann in den letzten dreizehn Jahren wurde die Galeone so abgewertet?
Weder der „Singende Uhu" noch der „Walisische Drachen" erscheinen mir erschwinglich. Da Fleur darauf besteht, dass man vor Mitternacht „aber auf überaupt keinön Fall" ein Tanzlokal betreten kann, werde ich Selma erst einmal zum Essen ausführen. Dabei kann sie dann auch die anderen jungen Zauberer kennen lernen. Wen Fleur wohl mitbringt?
Ich entscheide mich für den „Dicken Kürbis", und studiere gerade mit großem Interesse die Karte, als jemand mich mit sarkastischer Stimme aus meiner Konzentration reißt.
„Gehen wir aus, Black? Und von welchem Geld? Du wirst doch sicher nicht die Finanzen des Ordens angreifen wollen, oder ist die Gelegenheit günstig, jetzt wo der räudige Wolf nicht mehr darüber wachen kann?"
„Du hattest offensichtlich einen schlechten Tag, Severus" sage ich kühl und mustere ihn. Vom Tränkebrauen ist sein Haar noch feucht und strähniger als heute Mittag, er riecht nach Kräutern, Artemisia absinthium und Eibenholzsud.
„Für wen braust du einen Dolorobliviatus?" frage ich.
Er sieht mich erstaunt an. „Woher...?"
„Hundenase" sage ich. „Eibenholzsud, Lavendel, Belladonna, Sternmaräne und Artemisia absinthium. Man würde es auf dem Dach noch riechen."
Er sieht mich mit funkelnden Augen an.
„Und, hast du die Galeonen?" frage ich heraus fordernd.
Er wirft
mit verächtlicher Miene einen Lederbeutel auf den Tisch. Es
klimpert darin. Ich öffne das Säckchen und zähle in
Ruhe nach.
„Das wird für ein neues Handy und ein Abendessen
reichen. Danke, Severus" sage ich provokant strahlend. „Du
ermöglichst es mir, den Orden nur partiell dort zu schröpfen,
wo es keinem weh tut – in deiner Brieftasche."
Ich kann sehen, wie es hinter seiner unbeteiligten Maske kocht. Ich kann es riechen, er hat Stress.
„Und der Vielsaft-Trank?"
„Er wird für eine andere Mission des Ordens benötigt" sagt Sniv kalt wie Eis. „Leider konnte ich für dich keinen mehr erübrigen. Du wirst also aus dem Hundenapf unter dem Tisch essen müssen heute abend, aber dafür hast du ja Geld für ein feines Restaurant, vielleicht haben sie sogar einen Silbernapf?"
Ich seufze laut und schwer. „Okay, wenn du es sagst. Du brauchst den Trank sicher, um dich in einen anderen Todesser zu verwandeln. Silbernapf für mich und eine romantische Kuschelstunde für dich und den lieben Fenrir. Aber glaube mir, er wird dein wahres Ich riechen, und vor allem deine Angst. Und soweit man hört, macht ihn das an. Remus hat mal erzählt, Fenrir habe eine Schwäche für ängstliche Jungs. Aber vielleicht gefällt dir das ja, hm?"
Während ich spreche, verfärbt sich Severus Gesicht von bleich nach kreideblass und zuletzt zu einem rosa, das man in seinem Fall als Zornesrot interpretieren muss. Sicherheitshalber habe ich meinen Stab schon in der Hand.
Langsam,
wie in Zeitlupe, greift er in seinen Umhang und holt eine
doppelwandige Phiole heraus. Die Farbe und dickliche Konsistenz ist
typisch – Vielsaft vor Zugabe der persönlichen Note. Der
Inhalt reicht für etwa acht Stunden, kalkuliere ich.
Das ist
eine ganze Nacht.
Er stellt das Gefäß auf den Tisch. Ich nicke, und hole Remus' Grannen hervor. Severus greift danach, ich jedoch ziehe die Hand im letzten Moment weg.
„Ah, ah, ah – nicht so voreilig, Sniv. Ich will mich ja nicht von Dir behexen lassen. Erst füllen wir einen winzigen Schluck für dich ab" – ich fülle zwei Finger hoch in ein Wasserglas, die Minimaldosis – „und sehen, ob er wirkt, und wie."
Sein Blick durchbohrt mich. „Und wessen Gestalt hast du mir zugedacht, Black?" faucht er.
„Lass dich überraschen" grinse ich.
„Oh nein" sagt er.
„Oh
doch" entgegne ich. „Das – oder der süße zottelige
Fenrir."
Ich warte.
Ich kann förmlich sehen, wie er sich
innerlich windet.
Schließlich
nimmt er das Glas in die Hand. Ich hole ein schmales Röhrchen
aus meiner Tasche, dass ein einziges dunkles Haar enthält.
„Es ist keines dieser scheußlichen Bälger, und weder der räudige Wolf noch eines deiner Haare" sagt Severus schließlich bestimmt. „Weil in diesem Fall würde ich Greyback bevorzugen."
Ich hebe die Hand zum Schwur. „Weder Remus, noch Harry und seine Freunde, noch meine Wenigkeit. Nicht auszudenken, was du mit meinem Gesicht anstellen könntest" entgegne ich feierlich. ‚Oder mit dem Rest' füge ich in Gedanken hinzu.
Er presst die Lippen aufeinander, bis sie nur noch ein schmaler weißer
Strich sind.
„Also schön. Aber ich warne dich, Black. Wenn es
doch der Köter ist…bringe ich dir persönlich einen
Dementor zum Frühstück mit."
Meine gute Laune ist mit einem Schlag verflogen.Ich bezweifle nicht, dass er diese Drohung wahrmachen könnte. Man kann ihn provozieren bis an die Grenze, aber man darf Snape nicht unterschätzen.
Ich öffne das Döschen und lasse das Haar in die graue Masse gleiten. Sie schäumt auf und färbt sich dunkelviolett.
Angewidert blickt Sniv auf das Glas, dann leert er es in einem Zug.
Mit
angehaltenem Atem beobachte ich, wie sein Gesicht jede Farbe
verliert, und der Tränkemeister vor mir in die Knie geht. Er
beginnt zu würgen und hält schützend die Hände
über seinen Leib.
Ich weiß, wie schmerzhaft die
Verwandlung ist, aber mit ihm habe ich null Mitleid.
Er krümmt
sich und es dauert fast eine halbe Minute, bis er sich verwandelt
hat. Seine Haare bleiben dunkel. Sein Kinn wird spitzer, energischer, seine Formen bleiben
drahtig, aber es ist eindeutig eine Frau, die sich nun erhebt. Sie
ist fast genau so groß wie Snape, doch ihre Nase ist gerade und
fein geschnitten, und statt in schwarze Tunnel blicke ich in die
blitzenden graugrünen Augen von Minerva Mc Gonagall. Vielleicht
hätte ich ihn doch in jemand Harmloseren verwandeln soll –
Minerva fand ich schon immer etwas beängstigend.
Sie – er
funkelt mich an, und starrt auf die Wölbung der Brüste
unter seiner Robe und die etwas faltigen, eindeutig alten Hände.
Ich bin so freundlich und reiche der Tränkemeisterin einen Spiegel. Sniv Mc Gonagall erbleicht.
„Gryffindorschal gefällig?" frage ich, ziehe den rotgelben Fanartikel unter dem Tisch hervor und unterdrücke ein Grinsen.
Severus flucht, und ich muss an mich halten. Niemals habe ich etwas derart Ordinäres aus Mc Gonagalls Mund gehört – aus Snapes übrigens auch nicht.
„Du bist ein toter Mann, Black" sagt Minerva Snape zu mir. Aus ihren Augen sieht der Snape-Blick mindestens so bedrohlich aus wie aus seinen eigenen.
„Vielleicht, aber erst morgen" antworte ich launig. „Ich werde heute erwartet. Mein Nichtauftauchen würde Fragen aufwerfen. Bis dahin solltest du nach Hogwarts zurückkehren und dafür Sorge tragen, dass Dich niemand so sieht. Es würde deinen und Minervas Ruf ungemein wandeln, wenn man die Leiterin des Hauses Gryffindor in den Roben des allseits so geschätzten Tränkemeisters durch die Flure schleichen sehen würde. Und soweit ich weiß, hast du doch Aufsicht heute abend, seit etwa fünfzehn Minuten, oder?"
Minerva schlägt sich gegen die Stirn. „Wir sprechen uns noch, Black" faucht sie, und ist ganz ihr eigentliches Selbst. Wer hätte gedacht, dass die Beiden sich so ähnlich sind, wenn man das Äußere beiseite lässt?
Severus dreht mit einer abgezirkelten Bewegung und verlässt die Küche. Ich höre Minervas Stimme: „Hogwarts, der Kamin in meinem Quartier" zischen, dann ist das unheimliche Wesen, welches von außen wie eine alte Löwin aussieht, innen drin jedoch eine Fledermaus beherbergt, verschwunden.
Jetzt habe ich doch glatt vergessen, Severus zu sagen, dass der Kamin des Hauptquartiers seit Moodys neuestem Sicherungszauber (den ich empfohlen habe, sehr zu Moodys Erstaunen; er war überrascht und erfreut, dass ich mich plötzlich für Sicherheitsfragen interessiere) von heute nachmittag nur mit dem zentralen Kamin in Hogwarts in der großen Halle in Verbindung steht…
Wie bedauernswert für Severus.
TBC
So,
ich hoffe, Ihr hattet beim Lesen so viel Spaß wie ich beim Schreiben.
Was wohl geschieht, wenn Mc Snape feststellt, dass man, egal welcher
Hogwartskamin angefordert wurde, immer in der Großen Halle heraus
kommt?
Und was wird Minerva davon halten, dass ihr geschätzer Kollege
offensichtlich ein abartiges Bedürfnis verspürt, in ihrem Körper herum
zu laufen?
Ich freue mich auf Eure Kommentare und Ideen dazu.
Eure Slytherene
