„Miss Hermine! Bitte aufwachen! Master Lucius erwartet Sie bereits zum Essen! Miss bitte aufwachen!"
Hermine schreckte hoch, ihre Hand glitt automatisch unter ihr Kopfkissen wo sie seit Beginn des Krieges ihren Zauberstab hinlegte wenn sie schlafen ging und tastete panisch nach dem glatten Holz als sie es an seinem üblichen Platz nicht finden konnte.
„Hermine? Geht es dir gut? Soll ich rein kommen? Brauchst du Hilfe?" Erst Harrys Stimme ließ sie ihren Weg zurück in die Wirklichkeit finden und sie sank mit klopfenden Herzen und schwer atmend zurück in ihr Kissen.
„Miss Hermine?", piepste es neben ihr.
„Hermine?!", kam es laut von draußen, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Hämmern in ihre Tür.
Die Hexe rappelte sich auf. „Schon gut! Schon gut!", rief sie mühsam und ging zur Tür um diese zu öffnen.
„Alles in Ordnung?" Harry stand mit gezücktem Zauberstab vor ihr und versuchte an ihr vorbei ins Zimmer zu spähen.
„Ja. Ja – alles in Ordnung. Ich war nur eingeschlafen." Sie streckte sich und gähnte laut.
„Miss wir müssen zum Essen. Master Malfoy wird sonst sehr wütend!"
„Ist gut Slobby. Ich zieh mir nur schnell meine Schuhe an." Sie nahm ihre Socken und Schuhe und dabei fiel ihr Blick auf ihr Spiegelbild. Ihre Sachen waren vom Liegen zerknittert, ihre Haare standen wirr um ihren Kopf und im Gesicht befanden sich Abdrücke des Kissens. Hermine stöhnte ergeben. Eigentlich hatte sie sich noch etwas frisch machen wollen aber dazu kam sie jetzt wohl nicht mehr. Vergeblich zupfte sie an ihren Locken um sie in Form zu bringen.
„Was hast du gemacht?", wollte sie von Harry auf dem Weg zum Salon wissen. „Gebadet.", grinste Harry und beobachtete wie der kleine Elf, der Dobby so ähnlich sah, behände vor ihnen die Treppen hinuntersprang. Hermine lächelte still. Ja – es war nicht von der Hand zu weisen, das der Aufenthalt in so einem Haus durchaus seine Vorteile hatte.
Das Zimmer in das Slobby sie führte war nicht der Salon wie Hermine erleichtert feststellte. Es war ebenso groß, mit riesigen Fenstern, vertäfelten Wänden und einem auf Hochglanz polierten Parkettboden. In der Mitte stand eine unüberschaubar lange Tafel, und Hermine fragte sich ob die Malfoys normalerweise auch immer an diesem Tisch saßen beim Essen. Ihr Blick glitt über die prunkvollen Kerzenständer und das teure Geschirr und Besteck bevor sie Malfoy entdeckte der bereits am anderen Ende der Tafel Platz genommen hatte und ihnen verärgert entgegen sah.
„Ich bin es gewohnt pünktlich zu essen. Es wäre angebracht wenn sie sich während ihres Aufenthaltes in diesem Haus meinen Regeln anpassen und ihre Muggelmanieren daheim lassen würden."
Hermines Kinn verhärtete sich. „Es ist meine Schuld. Ich war eingeschlafen.", informierte sie den blonden Zauberer mühsam beherrscht. „Sei still.", zischte sie zu Harry, als sie spürte wie dessen Körper sich neben ihr spannte. Dann trat sie näher zum Tisch.
Der blonde Aristokrat sah sie befremdet an. „Sind das die Sachen die sie üblicherweise tragen wenn sie zum Dinner eingeladen sind?"
„Wir werden üblicherweise nicht zum Dinner eingeladen.", stellte Hermine kühl klar und nahm auf einem der Stühle in der Mitte der Tafel Platz. Harry setzte sich neben sie. Lucius maß ihre Erscheinung mit einem angewiderten Blick, nickte dann Slobby, der etwas abseits der Tafel stand, kurz zu und ein paar Minuten später standen Teller gefüllt mit allerlei Leckereien vor ihnen. Stumm fingen alle drei an zu essen. Lucius selber aß mit großem Appetit, Harry stocherte misstrauisch mit der Gabel auf seinem Teller herum und Hermine fragte sich angesichts der riesigen Portion wie sie das jemals schaffen sollte und ob es überhaupt von ihr erwartet wurde alles aufzuessen. Wahrscheinlich nicht.
„Was ist mit Draco? Wo ist er?" versuchte Hermine ein Gespräch mit ihrem Gastgeber anzufangen.
„Seit wann interessieren Sie sich für meinen Sohn Miss Granger?", höhnte Malfoy und Hermine bereute sofort etwas gesagt zu haben. „Aber ich will es Ihnen gern sagen." Lucius lehnte sich zurück und verschränkte boshaft grinsend die Arme vor der Brust. „Draco ist zu seiner Großmutter gegangen. Er hatte keine Lust eine Woche mit Schl- eine Woche mit so etwas wie Ihnen unter einem Dach zu leben. Schlimm genug das er es in Hogwarts musste."
„Ach, aber Sie halten es aus?", platzte Harry dazwischen.
„Nein. Aber ob mir das gefällt oder nicht interessiert hier niemanden. Es war der letzte Wunsch meiner Frau und so abstoßend ich ihn auch finde, ist es letztendlich meine oberste Pflicht ihn zu erfüllen." Er schob seinen noch fast vollen Teller von sich. „Warum sind Sie eigentlich hier? Was versprechen Sie sich davon?"
„Nun", begann Hermine und schluckte schnell den Bissen herunter auf dem sie gerade kaute. „Ich dachte nach allem was ich hier erlebt habe ist es nur recht und billig, das Sie wieder etwas davon gutmachen. Ich dachte ich gebe Ihnen eine Chance zu beweisen, dass die Malfoys wirklich so gastfreundlich und umgänglich sind wie man überall von ihnen behauptet." Sie fixierte die eisgrauen Augen des Aristokraten und sah wie seine Kiefermuskeln arbeiteten. Er starrte zurück, hielt ihren Blick und räusperte sich bevor er sich wider scheinbar ungerührt seinen Teller zu sich zog und ein paar Bissen in den Mund beförderte.
„Bei Muggeln machen wir allerdings gern eine Ausnahme." Ein spöttisches Lächeln kräuselte seine Lippen.
„Ich bin kein Muggel Mr. Malfoy.", erwiderte Hermine scharf.
Der Blonde hob die Augenbrauen. „Doch, das sind Sie. Ein Muggel. Ein Muggel mit Fähigkeiten die ihm nicht zustehen!" Seine Stimme hatte einen scharfen Unterton angenommen und er schob erneut den Teller von sich. Ein winziger Fingerzeig von ihm holte Slobby an den Tisch, der emsig begann das Gedeck seines Herrn abzutragen.
Auch Harry hatte seinen Teller von sich geschoben und sah aus als wolle er gleich auf den verhassten Aristokraten losgehen.
Hermine legte ihm beruhigend eine Hand auf den Arm. „Ich glaube wir müssen uns alle erst einmal aneinander gewöhnen.", meinte sie mit einem breiten Lächeln.
„Ich glaube kaum, dass ich mich jemals an Sie gewöhnen kann." Mit diesen Worten stand Malfoy auf und verließ das Zimmer.
„Ich bring ihn um.", knurrte Harry und machte ebenfalls Anstalten sich zu erheben. Hermine verstärkte den Druck ihrer Hand auf seinem Arm. „Lass ihn Harry. Er spielt uns gerade in die Tasche. Er ist derjenige der sich beherrschen muss. Nicht wir. Und das werde ich ihn schmerzlich lernen lassen.", fügte sie mit einem boshaften Lächeln hinzu.
