Dies wurde eine unruhige Nacht für mich. Immer wieder wälzte ich mich hin und her, bis ich endlich gegen Mitternacht in einen leichten Schlaf viel. In meinem Traum rannte ich einen langen Korridor entlang. Zu beiden Seiten waren Verliese mit dicken Eisenstangen davor. Aus jeder hörte ich leises ächzen und stöhnen. Ich rannte und rannte, bis ich schließlich vor einer großen Tür zu stehen kam. „Geh da nicht rein!", röchelte es neben mir. Es war Castiel. Angekettet, lag er schlaff auf der Seite. Unter ihm eine Blutlache. Er versuchte sich zum Gitter zu ziehen, war aber zu schwach. Seine Fingernägel kratzten auf dem Boden. „Wer hat dir das angetan?", fragte ich. „Sie!", war das letzte was er sagte, bevor er das Bewusstsein verlor. Ich konnte nicht zurück, also musste ich durch die Tür. Ich stemmte sie offen. Vor mir lag ein dunkler Raum, der nur von Kerzen schwach beleuchtet wurde. Langsam tastete ich mich vorwärts. Was ich dann sah, lies mir das Blut in den Adern gefrieren. Nathaniel war an einen Pfahl gebunden. An seinem Kopf war eine Wunde, aus der das Blut langsam raussickerte. Ich rannte zu ihm. „Bring dich in Sicherheit, bevor sie…". Das war das letzte was er sagte. Jemand hatte ihm von Hinten einen Speer in den Rücken gerammt. Die Spitze guckte aus seinem Bauch raus. Es tropfte Blut von ihr. Jemand lachte höhnisch. „Melody!". Langsam kam sie hinter Nathaniel hervor. „Er ist MEIN Nathaniel. Lass gefälligst deine Pfoten von Ihm!", zischte sie, ehe sie sich auf mich stürzte. Schreiend wachte ich auf. Ich war schweißgebadet. „Könntest du bitte aufhören so zu schreien? Ich versuche hier zu schlafen.", murmelte Rosa und drehte sich um. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es sechs Uhr morgens war. In einer Stunde würde Mr. Faraize oder Mr. Boris an die Tür klopfen. Es lohnte sich also nicht mehr sich nochmal hinzulegen! Ich schnappte mir meine Sachen und Schampoo und watschelte zu dem Toilettenhäuschen. Wenn ich schon mal wach war, konnte ich die Zeit auch zum Duschen nutzen, bevor der Rest der Horde sich wie die Aasgeier auf das Häuschen stürzte. Ich hatte Glück. Nur eine einzige andere Dusche war belegt. Wer duschte denn freiwillig so früh? Doch wohl nicht hoffentlich wieder Melody! Wer weiß, was sie dieses Mal nach mir werfen würde? Vielleicht den Duschkopf? Ich schauderte. Schnell zog ich mich in eine Kabine zurück und machte die Tür zu. Die Duschen waren so konzipiert, das es eine kleine Vornische gab, in der man sich aus- und anziehen konnte und welche von einer Art Duschvorhang von der richtigen Dusche getrennt war. Schlau, schlau! Ich streifte mir den Schlafanzug ab und stellte mich unter den Duschkopf. Das warme Wasser entspannte meine Muskeln und ich spürte, wie sich auch mein Herzschlag wieder normalisierte. Ich atmete einmal tief ein und aus, als würde ich versuchen wollen, den schrecklichen Albtraum mit raus zu pusten. Derjenige in der anderen Kabine begann, ein Lied zu pfeifen. Ich erkannte die Melodie. Es war „Almost Lover" von der Band „A Fine Frenzy". Leise begann ich mitzusingen. „ Goodbye my almost lover, goodbye my hopeless dream I'm trying not to think about you, can't you just let me be? So long, my luckless romance my back is turned on you, should've known you bring me heartache, almost lovers always do…". Ich war so in den Song vertieft das ich gar nicht bemerkte, wie das Pfeifen verstummte geschweige denn, wie meine Kabinentür geöffnet und der Vorhang zur Seite gezogen wurde. „Ne schöne Stimme hast du!". Ich fuhr zusammen. Castiel lehnte lässig an der Wand. „Wie bist du hier reingekommen, ich hab doch abgeschlossen?", fragte ich ihn entsetzt. Er lachte. „ Ach komm! Die Schlösser sind so alt und ausgenudelt, die lassen sich spielend leicht mit einem Geldstück wieder aufdrehen", grinste er. „Aber keine Sorge, ich hab hinter mir wieder abgeschlossen!". „Und das soll mich jetzt beruhigen, oder was?", fragte ich schnippisch. Er musterte mich grinsend, wobei sein Blick definitiv etwas zu tief wanderte. Instinktiv versuchte, ich alles so gut es ging mit meinen Händen zu verdecken. Mein Handtuch lag ja leider in der Nische hinter ihm! Sein Grinsen wurde nur noch breiter. „Wenigstens kann ich jetzt nicht mehr behaupten, du hättest nichts in der Bluse!". Mein Gesicht wurde wieder ganz heiß. Er machte ein paar Schritte auf mich zu und drückte mich gegen die Wand. Mein Puls wurde wieder schneller! Er umklammerte meine Hüften und begann, mich zu küssen. Erst vorsichtig, dann leidenschaftlicher. Es fühlte sich falsch und doch richtig an. Meine Hände tasteten sich vorsichtig von seinen Hüften bis zu seiner Brust hoch. Er war muskulös! Ich schlang meine Arme um seinen Hals und zog ihn noch näher an mich heran. Ich mochte diese ungewohnte Nähe. Castiel kicherte leise und ließ auch seine Hände meinen Bauch hochwandern. „Gib zu, ich habe einiges mehr zu bieten als der Streber!", versuchte er mich herauszufordern. „Du bist sehr von dir selbst überzeugt!", murmelte ich an seinem Hals. Er küsste mich wieder. Ich hielt ihm einen Finger auf die Lippen. „Ich habe nicht gesagt, dass ich nichts gegen Nathaniel gehabt hätte!", erwiderte ich seinen Versuch von vorhin, wobei ich mit meinen Nägeln über seine Rippen fuhr. Castiel lächelte verächtlich. Er umfasste meine Oberschenkel und hob mich hoch, sodass ich auf seinen Hüften saß. „Immer noch?", fragte er wieder herausfordernd. Ich quickte. „Geht doch!". Wieder küsste er mich, wobei er von meinem Mund, über meinen Hals zu meinem Schlüsselbein wanderte. Ich war wie elektrisiert! „Bum". Eine Tür viel ins Schloss und jemand lief an unserer Kabine vorbei zu einer anderen. Die anderen machten sich also auch so langsam auf den Weg zu den Duschen! „Du solltest gehen, bevor dich noch jemand sieht!", keuchte ich. Er gab mir einen letzten Kuss und verschwand dann. Erst jetzt realisierte ich, was soeben passiert war. Ach du Scheiße! Hastig zog ich mich an und rannte zurück zum Container. Rosa war gerade dabei sich anzuziehen. „ Ach da bist du. Ich wollte schon einen Suchtrupp losschicken!". Mein Puls raste immer noch wie der eines Rennpferdes. „Was ist passiert?", fragte Rosa besorgt. „Castiel!", sagte ich nur. Sie legte den Kopf schief. „Er ist zu mir unter die Dusche gekommen und wir sind etwas… intimer geworden!", grinste ich. Rosas Augen wurden groß. „Ihr hattet Sex unter der Dusche?", fragte sie ungläubig. „Nein, natürlich nicht! Wir haben nur rumgeknutscht". Ich begann mir die Haare zu föhnen. „Ernsthaft?". „Ernsthaft!". Sie quietschte. „Das erzählst du niemanden!", ermahnte ich sie. Sie tat so als würde sie sich den Mund zuschließen und den Schlüssel wegwerfen. „Gut!".
