Es tut mir sehr Leid, dass ich über ein halbes Jahr gebraucht habe um weiterzuschreiben, aber irgendwie haben mich die Schule und meine anderen FFs so sehr in anspruch genommen, dass ich irgendwie nicht zum Weiterschreiben gekommen bin (und meine Schreibblockade natürlich). Aber hier ist euer heiß ersehntes Kapitel. Es tut mir Leid, dass ich es in zwei Hälften teilen musste, aber es passiert doch mehr, als ich eigentlich vorhatte zu schreiben. Aber ich verspreche, dass der zweite Teil zu diesem Kapitel sehr bald folgen wird.

Vielen Dank an amelie030699, Danbo31 und sarah für die Reviews.

9. Ewige Feindschaft – Teil 1

Das Echo meiner Schritte hallte von den Steinwänden in den leeren Fluren Hogwarts wieder. Im Gegensatz zu Prof. McGonagalls leisen (fast unhörbaren) Schritten, kam ich mir wie ein Elefant vor. Ich war gerade eben aufgewacht und wollte in Ruhe ein Buch lesen, bevor Prof. Trelawney aufwachen würde, als Prof. McGonagall anklopfte und mir sagte, dass der Schulleiter mit mir reden wolle.

„Worüber denn?", hatte ich verwirrt gefragt, bis es mir wieder einfiel: „Er hat meinen neuen Stundenplan fertig, oder?" Professor McGonagall hatte genickt und wir beide hatten uns auf den Weg zum Büro des Schulleiters gemacht.

Die Flure waren wie ausgestorben. Kein Schüler war um diese Uhrzeit an einem Sonntag wach – und selbst wenn er es war, verließ er nicht seinen Gemeinschaftsraum, um durch die kühlen und leeren Gänge von Hogwarts zu laufen. Für Mitte Oktober war es ziemlich kalt und ich wettete, dass es ein sehr, sehr kalter Winter mit viel Schnee werden würde.

Plötzlich musste ich an Draco denken. Nach dem Kuss hatte er mich Händchen haltend zurück zum Schloss gebracht und wir waren auf dem Weg keiner Menschenseele begegnet. In der großen Halle, hatte er mir schüchtern einen Kuss auf die Wange gegeben und sich von mir verabschiedet. Ich war glücklich zurück in den Gryffindor Gemeinschaftsraum gegangen und hatte mich in einen Sessel vor dem Kamin fallen lassen. Ich hatte noch nie so gute Laune, wie an diesem Tag gehabt.

Als Harry, Hermine, Ron und seine jüngere Schwester aus Hogsmead zurückkamen, durchlöcherten sie mich gleich mit Fragen. „Und, haben sie etwas über deine Eltern herausgefunden?" „Hast du das Butterbier gekostet? Es schmeckt einfach unglaublich, oder?" „Hast du gut zurückgefunden?" „Hattest du einen schönen Tag?", fragte Harry und ich errötete und eine Horde von Schmetterlingen begann in meinem Bauch herumzufliegen. Ja, das hatte ich allerdings. Ich wollte gerade den Mund aufmachen, um ihnen von Draco und mir zu erzählen, als mir wieder einfiel, was sie von ihm hielten. Mit einem Mal verschwanden die Schmetterlinge aus meinem Bauch. Ich konnte es ihnen nicht sagen… „Ja… ja, ich hatte einen schönen Tag… aber Mrs. Cooper hat gesagt, dass sie nichts Neues über meine Eltern herausgefunden hätte." Ich zuckte mit meinen Schultern, als Hermine Anstalten machte, mir tröstend einen Arm um die Schulter zu legen. „Ist nicht so schlimm."

Zum Glück hörten sie dann auf mich weiter mit Fragen zu durchlöchern und verhinderten so, dass ich vielleicht doch noch in Tränen ausgebrochen wäre. Trotzdem drehten sich meine Gedanken immer wieder um meine Eltern, während Hermine, Harry, Ginny und Ron mir von dem Treffen erzählten, was anscheinend ganz schön gewesen war.

Prof. McGonagall blieb plötzlich stehen, murmelte etwas und der riesige Wasserspeier, der vor uns stand setzte sich in Bewegung und gab den Weg auf eine Treppe frei, die uns zum Büro des Schulleiters führte. Ich seufzte leise, als ich Dracos Gesicht in Gedanken wieder vor mir sah… wie er mich angelächelt hatte… wie er meine Hand gehalten hatte…. wie er mich geküsst hatte… Doch all das konnte ich keinem von meinen Freunden erzählen. Sie würden mich ausgrenzen und mich hassen oder mich auslachen. Ich konnte es ihnen nicht sagen – und dabei hätte ich jetzt wirklich jemanden zum Reden gebrauchen können.

Die Tür am Ende der Treppe öffnete sich und Prof. Dumbledore sah zu uns herunter. „Nur nicht so schüchtern, Miss Prince", sagte er und schloss die Tür hinter uns mit einem Schwenker seines Zauberstabs, als wir den Raum betreten hatten. „Setzen sie sich doch", sagte er und wies auf zwei Stühle, die vor seinem Schreibtisch standen.

Nachdem wir Platz genommen hatte, öffnete er eine Metallbüchse und hielt sie mir entgegen. „Zitronendrops?" Ich schüttelte meinen Kopf. „Nein danke." Er wandte sich Prof. McGonagall zu. „Minerva?" „Gerne", sagte sie und nahm sich einen Zitronendrop aus der Büchse. Ich versuchte nicht zu überrascht auszusehen, da ich eigentlich angenommen hatte, sie würde keinen nehmen.

„Nun, Miss Prince", sagte Prof. Dumbledore, nachdem auch er sich einen Zitronendrop genommen hatte. „Sie wissen sicher, weshalb ich sie hierher gebeten habe."

Ich nickte. „Wegen meinem neuen Stundenplan."

„Sehr wohl, Miss Prince", sagte er. „Ich habe mich lange mit ihrem Stundenplan beschäftigt. Sie müssen wissen, dass ich schon seit den Sommerferien an einem geeigneten Stundenplan für sie gearbeitet hatte. Zumindest, seitdem sie plötzlich auf einer der Listen aufgetaucht sind und uns das Ministerium über ihr ‚plötzliches Erscheinen in der magischen Welt' informiert hatte. Laut dem Ministerium wäre für sie ‚ein unveränderter Stundenplan mit genügend Extraunterricht und gegebenenfalls einem Zeitumkehrer' das richtige gewesen. Sie sollten auch, wenn es nach dem Ministerium gegangen wäre, in das sechste Jahr gekommen sein, da sie ‚schon bald volljährig' wären und es Hogwarts möglich sein sollte, ihnen das Wissen von sechs Jahren innerhalb von ‚einer Woche mit Berücksichtigung des neuen Schulstoffs' zu vermitteln. Natürlich wusste ich, dass selbst für äußerst begabte Zauberer und Hexen dies unmöglich wäre und entschied mich dazu, sie im fünften Jahr unterzubringen, da sie so eine Chance auf ein gerechtfertigtes ZAG Ergebnis haben. Außerdem sind ihre Mitschüler so nur ein bis zwei Jahre jünger als sie."

Er rückte seine halbmondförmige Brille auf seiner Nase zurecht.

„Ich erstellte zuerst einen ganz normalen Stundenplan für sie und überlegte mir, dass es für den Anfang gut wäre zu wissen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen, um sie dort individuell zu fördern. Nach einer Woche gab ich ihnen Zusatzstunden, da ich dachte, ich könnte ihre Stärken so schneller herausfinden. Allerdings bemerkte ich bald, wie schlecht es ihnen ging und, als Madam Pomfrey mich vor Wut fast überkochend besuchte, beschloss ich sofort mit ihrem neuen, individuellen Lehrplan zu beginnen. Bereits am Montagabend hatte ich ein klares Konzept im Kopf und am Dienstagmorgen war den Plan dann fertig. Ich hatte erfahren, dass sie in Zaubertränke, Verwandlung und Geschichte der Zauberei sehr gut sein – ganz zu schweigen von ihren außergewöhnlichen Visionen."

Er lächelte mich an und ich lächelte zurück, obwohl meine letzte (und erste) Vision nicht gerade schön gewesen war.

„Mit Hilfe von der besorgten und überaus wütenden Madam Pomfrey organisierte ich einen super Lehrplan für sie. Sie haben nicht nur weniger Stunden Unterricht, sondern auch viel mehr Pausen. Ihre Anzahl der Unterrichtsstunden ist von 34 auf 27 gesunken, allerdings haben sie dafür auch an den Wochenenden Unterricht."

„Keine Sorge", sagte er, als er meinen besorgten Blick sah. „Es ist nicht so schlimm, wie sie denken. An Hogsmead Wochenenden können sie ruhig mit ihren Lehrern reden und ihre Stunden auf einen spätere Uhrzeit verlegen."

„Danke", sagte ich.

„Keine Uhrsache", sagte der Schulleiter und fuhr fort: „Bei ihnen sind dreizehn Stunden gleich geblieben, elf haben sich verändert, sie haben vier komplett neue Stunden und zwei habe ich herausgenommen. In drei Zaubertränkestunden und einer Kräuterkundestunde, die eigentlich Einzelunterricht ist, haben sie sogar Gesellschaft von jemanden aus ihrem Haus, weil ich weiß, dass es sich gemeinsam besser lernen lässt, als alleine. Außerdem haben sie auch viel mehr Einzellunterricht, als vorher. Wie gesagt, ich hatte den Stundenplan schon am Dienstagmorgen fertig, doch dann musste ich noch einige Lehrer mit der Idee anfreunden, dass sie in ihren Freistunden und am Wochenende ‚Privatunterricht' geben müssen und einige waren… nun ja… eher nicht so begeistert davon. Deshalb kann ich ihnen auch erst heute den Stundenplan geben und nicht schon am Dienstag. Besonders Professor Snape ließ lange mit seiner Antwort auf sich warten. Letztendlich musste ich gestern meine gesamte Überredungskunst spielen lassen, um ihn dazu zu bewegen, ihnen am Wochenende mit Miss Granger Einzelunterricht zu geben. Aber um ehrlich zu sein, waren alle nicht so wirklich von meiner Idee begeistert, am Wochenende zu unterrichten. Professor Snape ist da schon eher ein etwas übertriebenes Beispiel… er hat auch so schon ziemlich viel um die Ohren."

Doch bevor ich nachfragen konnte, was das denn genau war, reichte er mir auch schon ein Blatt Papier und verabschiedete sich von mir. „Wie dem auch sei, ich wünsche ihnen noch ein schönes restliches Wochenende."

„Äh, Professor", sagte ich, bevor ich aufstand. „Darf ich… darf ich jetzt wieder im Gryffindorturm schlafen?"

Er sah mich nachdenklich an. „Leider nein. Professor Trelawney will noch ein wenig ein Auge auf dich und deine Visionen haben und sie ist diejenige von uns, die sich damit am Besten auskennt."

Ich nickte niedergeschlagen. „Vielen Dank, Professor", bedankte ich mich für den Stundenplan und verließ mit Prof. McGonagall das Schulleiterbüro.


Bevor ich mich an jenem Morgen auf den Weg zur Großen Halle machen wollte, blieb mein Blick an dem riesigen Zett hängen, der an der Falltür befestigt war. Es war eine „Anordnung der Großinquisitorin von Hogwarts" (Prof. Umbridge), die alle Schülerorganisationen, Klubs, etc. verbot. Das Ganze nannte sich auch noch Ausbildungserlass Nummer vierundzwanzig. Als hätte diese Schule nicht schon genug von diesen bekommen…

Harry und Ron waren ziemlich wortkarg beim Frühstück wohingegen sich Hermine (wenn auch zögerlicher als sonst) mit mir unterhielt.


Nach Geschichte der Zauberei hatte ich zwei Freistunden, die ich dazu verwendete meine Hausaufgaben für Geschichte zu machen und einen kleinen Spaziergang über die Ländereien von Hogwarts zu machen.

In Wahrsagen unterhielt ich mich kurz mit Ron (Harry hatte sehr, sehr schlechte Laune und Ron riet mir, ihn besser nicht danach zu fragen) und er sagte mir, dass Prof. Umbridge gerade eben bei Prof. Snape den Unterricht inspiziert hatte. Danach setzte ich mich neben Draco, der mich anlächelte.

„Und, wie geht es dir?", fragte er mich flüsternd, als ich mich hingesetzt hatte.

„Gut", sagte ich. „Und, wie geht es dir?"

Seine Antwort ging in einem lauten Knall unter, als Prof. Trelawney uns ein Exemplar des Orakels auf den Tisch klatschte.

„Warum hattest du mir nicht gesagt, dass du am Samstag Geburtstag hattest?", flüsterte er mir vorwurfsvoll zu.

„Ich… ich dachte das wäre nicht wichtig", flüsterte ich zurück.

„Wie alt bist du geworden?"

„Siebzehn."

„Siebzehn Jahre!", wiederholte er ungläubig. „Dann bist du ja schon volljährig!"

„Ja, ich weiß, Hermine hatte mir das schon gesagt", flüsterte ich zurück. „Und wo wir schon gerade über Geburtstage reden. Wie alt bist du eig–" Doch Prof. Trelawney unterbrach mich.

„Nun, fahren sie fort!", sagte Prof. Trelawney mit lauter, hoher und leicht hysterischer Stimme. „Sie wissen, was zu tun ist! Oder bin ich eine so miserable Lehrerin, dass sie nicht mal gelernt haben, wie man ein Buch aufschlägt?"

Die Klasse starrte sie an und warf sich dann gegenseitig ratlose Blicke zu. Ich wusste, was los war. Prof. Trelawney war schon sehr lange angespannt und nervös, wegen der Unterrichtsinspektion gewesen und anscheinend hatte sie gerade eben das Ergebnis bekommen. Obwohl ich sie nicht ganz so sympathisch fand, verspürte ich Mitleid für sie.

„Professor?", fragte Parvati Patil. „Professor, ist – ähm – etwas nicht in Ordnung?"

„Nicht in Ordnung!", rief Prof. Trelawney und ihre Stimme bebte vor Erregung. „Sicher ist alles in Ordnung! Ich wurde beleidigt, gewiss… man hat Verdächtigungen gegen mich lanciert… haltlose Anschuldigungen erhoben… aber nein, es ist selbstverständlich alles in Ordnung!"

Sie atmete tief und zitternd ein und wandte den Blick von Parvati ab. Zornestränen kullerten unter ihrer Brille hervor.

„Gar nicht zu reden, von sechzehn Jahren treuem Schuldienst… sie sind vergangen, offenbar von niemandem bemerkt… aber ich lasse mich nicht beleidigen, nein, das nicht!", schluchzte sie.

„Sie tut mir irgendwie leid", flüsterte ich Draco zu.

„Das braucht sie nicht", antwortete er etwas lauter, da die uneingeschränkte Aufmerksamkeit Prof. Trelawney galt. „Sie ist sowieso eine miserable Lehrerin."

„Ja, aber–", setzte ich an, doch Prof. Trelawney unterbrach mich. „Das Establishment!", sagte sie mit lauter, tiefer, dramatisch wabernder Stimme. „Ja, jene, deren Augen zu getrübt sind vom Alltäglichen, um zu sehen, wie ich sehe, zu wissen, was ich weiß… natürlich, wir Seher wurden immer schon gefürchtet, immer schon verfolgt… es ist – nun leider – unser Schicksal." Sie schnaubte laut in ein Taschentuch.

Ich zuckte mit den Schultern. „Vielleicht hast du recht", sagte ich und Draco musste sich ein Grinsen verkneifen.

„Professor, meinen sie damit… hat es etwas mit Professor Umbridge–?", fragte Parvati, doch auch sie wurde von Prof. Trelawney unterbrochen.

„Erwähnen sie den Namen dieser Person nicht!", rief Professor Trelawney. „Bitte fahren sie mit ihrer Arbeit fort!"

Die Stunde verging fast, wie im Flug. Draco und ich unterhielten uns über dies und das und am Ende der Stunde fragte ich ihn, ob wir uns nach meiner Doppelstunde Verteidigung gegen die Dunklen Künste wieder hier vor dem Raum treffen könnten. „Ich werde da sein", sagte er und sah mir vielleicht etwas zu lange in die Augen, was aber anscheinend niemandem außer mir auffiel. Beschwingt lief ich neben Harry und Ron zu Prof. Umbridges Unterricht.


Nach Verteidigung gegen die Dunklen Künste sprintete ich fast die große Treppe zum Wahrsageraum hoch und sagte Hermine nur etwas von „vielen Hausaufgaben" bevor ich verschwand.

Atemlos erreichte ich die Leiter, die durch eine Falltür nach oben zum Klassenraum für Wahrsagen führte, welches wiederum zu ihren (und meinen) privaten Räumen führte. Draco wartete schon auf mich. Er war nicht sonderlich erstaunt, dass wir uns hier trafen, da ich ihm erzählt hatte, dass ich hier wohnen ‚musste'.

„Komm mit mir", sagte ich mit leicht zitternder Stimme (was wahrscheinlich an meinem kurzen Sprint oder meiner Nervosität lag). Ich führte ihn zu einer kleinen Nische hinter der Leiter, von der außer mir und Prof. Trelawney keiner etwas wusste. Ich hatte ihr einmal hinterher spioniert, als sie den Wahrsageraum verlassen hatte und machte ihr jetzt nach. Mit meinem linken kleinen Finger klopfte ich fünf Mal gegen den dritten Stein von unten (hierbei war es egal, welcher der vielen Steine der dritten Reihe es war) und legte meine Flache Hand auf den Stein mit der rauen Oberfläche, der ungefähr auf Schulterhöhe lag. Ich streckte meinen Arm aus und sah, wie meine Hand hinter den Steinen verschwand, als könnte ich durch Wände gehen.

„Sollte ich jetzt fragen, wa–?"

„Nein, du solltest mir einfach vertrauen", sagte ich und drehte mich zu ihm um. Er nickte schwach und folgte mir durch die vorher sonst stabile Wand.

„Oh mein Gott", sagte er sprachlos, als wir den Raum hinter der Wand betraten. „Wie… was…?"

„Es ist schon komisch", neckte ich ihn. „Du bist schon seit deiner Geburt an mit der Magie vertraut, bist aber sprachlos, wenn wir einen versteckten Raum, durch eine Wand betreten."

Er grinste mich an. „Es ist nicht das", sagte er. „Es ist eigentlich der Inhalt des Raums. Oh mein Gott, ich hätte nie gedacht, dass–"

„Professor Trelawney einen Schrein für sich selbst errichtet hat?", fragte ich und musste lachen.

„Wie kommt man bloß auf so eine Idee?", fragte er, während er sich die Regale besah. In den Regalen lagen kleine Andenken (an einen Tag am Strand? Ihr erster ausgefallener Zahn? Ihr erster Haarschnitt? Ihre ersten Schuhe? Ihre erste Liebe?) und viele, viele Bilder von ihr. In der Mitte des Raums standen ein Sofa und ein kleiner Tisch, auf dem neben einer Kristallkugel auf einer Spitzentischdecke eine halbleere Sherryflasche stand.

„Ich weiß nicht", sagte ich und zuckte mit den Schultern. „Vielleicht ist sie ja etwas selbstverliebt."

Etwas?", fragte er und ich musste lachen. „Okay, vielleicht sehr selbstverliebt", gab ich zu. „Vielleicht braucht sie aber auch nur etwas, das sie aufbaut, wenn die anderen sie heruntermachen." Ich wies mit meinem linken Arm auf die Kiste voller Sherryflaschen. „Aber möglicherweise braucht sie auch einfach nur einen geschützten Raum, in dem sie sich in aller Ruhe betrinken kann, denn ich glaube nicht, dass es toleriert werden würde, wenn jeder wüsste, dass sie sich öfters haltlos vollaufen lässt. Allerdings weiß ich aber auch aus zuverlässiger Quelle, dass sie zwei wahre Prophezeiungen gemacht hat." Prof. Dumbledore hatte es mir selbst gesagt, als ich ihm in einem kleinen Anflug von Selbstmitleid am zweiten Tag nach meinem Umzug in ihre Räume wütend unterstellt hatte, dass sie genauso wenig eine Wahrsagerin sei, wie ich ein Muggel. Zwei Sekunden später, hatte ich mich dafür in Grund und Boden geschämt.

„Ach ja?", sagte er und sah mich fragend an. „Von wem?"

„Die Quelle möchte Anonym bleiben", sagte ich.

„Auch gut."

„Du kannst mir aber glauben", sagte ich.

„Bist du dir sicher, dass sie nicht jeden Augenblick hier hereinkommt? Immerhin wurde sie ziemlich ‚heruntergemacht' und braucht bestimmt noch den Rest des Sherrys…"

„Keine Sorge", erwiderte ich. „Sie schläft tief und fest. Das hier ist nicht ihre erste Sherryflasche."

Er lächelte mich an. „Dann haben wir ja viel Zeit für uns." Ich spürte, wie meine Wangen rot wurden und blickte auf den Boden.


Um ehrlich zu sein, war nichts zwischen uns passiert, wofür man rot werden müsste. Wir hatten uns auf das Sofa gesetzt und als das Schweigen zwischen uns zu unangenehm wurde, hielt ich es nicht mehr aus und redete mit ihm über das, was gestern in Hogsmead zwischen uns passiert war. Er schien nicht sonderlich nervös zu sein, als wir über den Kuss redeten, aber ich war es. Was war, wenn er es als einmalige Sache abtat, die ihm nichts weiter bedeutete? Aber würde er sich dann hier nach dem Unterricht mit mir Treffen. Er spürte meine Unsicherheit, nachdem ich ihn danach gefragt hatte und er nahm meine Hand in seine. Ich sah ihn an und er sagte mir, dass er es sehr schön gefunden hatte und es auf keinen Fall ein Fehler gewesen wäre.

‚Ich habe schon länger Gefühle für dich', hatte er gesagt. ‚Zuerst wollte ich nichts mit dir zu tun haben, weil du… na ja… eine Gryffindor bist, aber dann habe ich festgestellt, dass du anders bist.' Ich hatte ihn angelächelt. ‚Ich habe auch schon länger Gefühle für dich', sagte ich zögernd. Auch wenn ich ihn sehr mochte und wir alleine waren, konnte ich meine Nervosität nicht abstellen. Ich hatte noch nie gut über meine Gefühle reden können. Dann sagte ich ihm noch, wie glücklich ich war, wenn er in meiner Nähe war. Wenn ich in seiner Nähe war hatte ich das Gefühl, endlich dort zu sein, wo ihn hingehörte. Nicht das meine Freunde oder Hogwarts mir nicht dieses Gefühl gaben, aber bei ihm hatte ich dieses Gefühl schon von Anfang an gehabt. ‚Was passiert jetzt? Wie geht es mit uns weiter?', hatte ich ihn gefragt. ‚Was würdest du denn denken?' Er hatte sich vorgelehnt und mich geküsst. Es war ein kurzer Kuss, aber er war auf keinen Fall weniger schön, als mein erster Kuss mit ihm.

‚Ich möchte mit dir zusammen sein, Lucy. Das gestern war kein Fehler und… ich möchte, dass wir das immer haben und dass vielleicht sogar mehr aus uns wird. Für dich würde ich sogar den Vorurteilen der anderen trotzen.' Die bloße Erinnerung an seine Worte brachte mich zum Lächeln. Trotzdem hatten wir uns darauf geeinigt, es erst noch geheim zu halten, weil unsere Beziehung noch so schwach war, dass es von heute auf morgen passieren konnte, dass sie zerbrechen könnte. Er hatte das zwar nicht gesagt, aber mir war klar, dass er es gedacht hatte. Und mir war auch klar, dass wir wohl kaum schon von Liebe sprechen konnten, wo wir noch nicht einmal ein richtiges Date gehabt hatten. Doch das würde sich bestimmt bald ändern.


Am Dienstag konnte ich in Ruhe ausschlafen und musste mich nicht sonderlich beeilen, da mein Frühstück als ich aufwachte schon neben meinem Bett stand. Ein Blick aus dem Fenster ließ mich hoffen, dass sich das Wetter bis Pflege magischer Geschöpfe ändern würde, denn im Moment schüttete es draußen. Nachdem ich gefrühstückt und mich gewaschen hatte, ging ich in den Gemeinschaftsraum und begann den Schwebezauber (Wingardium Leviosa) an verschiedenen Dingen im Raum zu üben. Vor zwei Wochen hatte ich noch Probleme, wenn ich eine Feder schweben lassen wollte, doch jetzt konnte ich sogar schon dicke Bücher, Kissen und Vasen schweben lassen, wenn ich mich konzentrierte. Ich war mir sicher, dass ich heute den nächsten Zauberspruch (Colloportus) lernen würde.


In der Pause machte ich mich auf den Weg, um Harry, Ron und Hermine zu suchen und fand sie sogar fast auf anhieb. Wegen des heftigen Regens durften die Schüler im Schloss bleiben und gleich im ersten lauten und überfüllten Klassenzimmer hatte ich Glück, als ich Rons roten Haarschopf sah. Ich lief zielstrebig zu den drein und sah skeptisch zur Decke, wo Peeves der Poltergeist vom Kronleuchter aus den Schülern Tintenkügelchen auf den Kopf blies.

„Versteh ich dich richtig?", fragte Harry gerade, als ich unbemerkt zu der Gruppe stieß. Sie schienen so in ihr Gespräch vertieft zu sein, dass sie mich noch nicht bemerkt hatten. „Sirius ist unserer Meinung, und deshalb denkst du jetzt, dass wir es nicht mehr tun sollten?"

„Wer ist Sirius?", unterbrach ich die drei. Eigentlich interessierte es mich gar nicht so sehr, wer er war, ich wollte eher auf mich aufmerksam machen.

Alle drei drehten sich blitzartig um und sahen mich erschrocken an.

„Wie lange stehst du schon hier?", wollte Hermine von mir wissen und Harry fragte mich misstrauisch: „Wie viel hast du gehört?"

„Ich… ich bin gerade erst hier angekommen und dann habe ich nur gehört, dass dieser Sirius eurer Meinung ist und…"

Harry sah Hermine erschrocken an und wandte sich dann wieder mir zu. „Es tut mir Leid, aber ich kann dir das nicht…"

„Keine Sorge", sagte sie zu Harry und wandte sich dann an mich. „Ich…" Sie sah sich im Raum um, doch niemand anderes schien uns zuzuhören. „Harry und Ron werden dir alles in der Freistunde erklären."


Ich hatte mit dem Zauber recht gehabt. Prof. McGonagall war sehr erfreut über meine Fortschritte, ließ mich den Colloportuszauber lernen und gab mir als Hausaufgabe auf, einen Aufsatz über die zwei Zauber zu schreiben, die ich jetzt schon konnte. Danach hatte ich eine Freistunde mit Harry und Ron zusammen. Wir setzten uns vor den Kamin und Harry begann mir schnell alles zu erzählen, denn im Moment war der Gemeinschaftsraum noch leer. Er sagte, dass Sirius sein Patenonkel sei, aber niemand das weiß und auch keiner davon wisse, dass sie in Kontakt standen, da viele ihn immer noch für einen Massenmörder hielten.

„Und was unterstützt dein Patenonkel?", fragte ich Harry.

„Was?", fragte Harry.

„Na du hattest doch vorhin zu Hermine gesagt, dass er etwas unterstützt."

„Ach so", sagte Harry und er schien ein wenig nervös zu sein. „Ich weiß, wir haben dir eine Menge Sachen vorenthalten, aber das war nur… na ja, weil du…"

„Weil du neu warst", beendete Ron Harrys Satz. „Wir kannten dich noch nicht richtig und waren uns nicht sicher, auf welcher Seite du stehst."

Harry schien das ziemlich peinlich zu sein, obwohl mir nicht klar war, wieso. „Das ist doch nicht schlimm. Ich meine, ich hätte das bestimmt auch getan."

Jetzt sah Harry etwas erleichterter aus. „Wirklich?"

„Klar."

„Wir hatten doch mal von dem Orden gesprochen", sagte Ron und ich versuchte mich krampfhaft zu erinnern.

„Du meinst den Orden des Panthers?"

Ron prustete los.

„Nein", sagte Harry und selbst er musste lächeln. „Der Orden des Phönix ist eine Gruppe von Leuten, die gegen du-weißt-schon-wen kämpfen."

„Aber tun das nicht eigentlich fast alle?"

„Ja, sie sind gegen du-weißt-schon-wen, aber wirklich gegen ihn kämpfen, machen nur sehr wenige und sie tun das auch nur aus dem Untergrund. Und im Orden sind Dumbledore, Sirius, Lupin, Tonks und sogar…Snape", er sah nicht gerade glücklich darüber aus.

„Wow, das ist echt cool", sagte ich. „Aber das hört sich nicht wirklich nach vielen Leuten an."

„Ja, das stimmt", sagte Ron. „Aber im Orden sind auch noch einige andere. Und gerade weil es so wenige sind und diese blöde Umbridge uns nichts Wichtiges, was wir wirklich gebrauchen könnten, wenn wir gegen du-weißt-schon-wen kämpfen beibringt, hat Harry jetzt vor einer kleinen Gruppe von Leuten hier im Schloss heimlich all das beizubringen, was man braucht um sich gegen die dunklen Künste zu verteidigen."

„Das ist dann also euer eigener Orden des Phönix?", fragte ich beeindruckt.

„Ja, aber unsere Gruppe heißt Dumbledores Armee."

„Dumbledores Armee? Also weiß Professor Dumbledore etwas davon?"

„Nein", sagten Harry und Ron gleichzeitig.

Plötzlich fiel mir etwas ein, was ich gestern gelesen hatte. „Aber hat Prof. Umbridge jetzt nicht alle Schülerorganisationen verboten?"

„Ja", sagte Ron grimmig. „Und deshalb ist die DA auch geheim. Nicht jeder weiß etwas davon. Vor allem nicht die Slytherins oder die Lehrer. Und das soll auch so bleiben."

„Ich werde nichts weitersagen", versprach ich und Harry und Ron nickten erleichtert.

Im Rest der Freistunde begann ich schon mal mit meinem Aufsatz für Verwandlung und wurde sogar schon damit fertig. Es war einfach viel, viel einfacher über Zauber zu schreiben, die man schon beherrschte, anstatt über Zauber zu lesen und Informationen aus Büchern zu schreiben. Je näher das Ende der Freistunde rückte, desto aufgeregter wurde ich. Gleich hatte ich Pflege magischer Geschöpfe. Gleich würde ich Draco wieder sehen.