So, Hermine hat nun lange genug die Luft angehalten... Hier ist das neue Kapitel
Kapitel 9 – Es geht aufwärts
Dr. Brown zog einen kleinen Hammer aus seinem Kittel und drehte die spitze Seite zum Patienten hin. Er drückte diese Seite mit sanfter Gewalt gegen das rechte Schienbein des Patienten.
„Spüren Sie etwas, Mister Snape?" fragte er Severus.
Hermine hielt den Atem an.
„Ja, irgend etwas zwickt in mein linkes Bein." Gab Severus unsicher von sich.
Dr. Brown sah Hermine an. Wie konnte das sein? Das war das falsche Bein. Hermine bekam einen panischen Ausdruck in Ihren Augen. Tränen liefen ihre Wangen hinab. Alles umsonst. Es hat nicht geklappt. Wie durch Watte hörte sie Severus sprechen.
„Hermine"
Doch sie reagierte nicht. Sie sah immer noch den Arzt an. Sie konnte ihm nicht in die Augen sehen.
„MISS GRANGER!"
Nun schaute sie ihn doch an.
„Würdest du mich bitte loslassen, es tut weh." Sagte er mit einem leichten Grinsen im Gesicht.
Loslassen? Wie loslassen? Ihr Blick glitt an ihrem Armen hinunter zu ihren Händen. Sie lachte. Ein befreiendes Lachen. Sie zog ihre Fingernägel aus Severus' Oberschenkel und fiel ihm übermütig und glücklich um den Hals. Severus versteifte sich sofort. Er wusste, dass sie sonst nie Nähe zuließ und war mit der Situation vollkommen überfordert. Warum war er es gerade, den sie an sich heranließ? Warum gerade er?
Erst Sekunden später bemerkte sie, wem sie gerade um den Hals gefallen ist.
„Es tut mir leid, das wollte ich nicht" murmelte sie verlegen.
Severus war viel zu perplex um darauf zu antworten. Dr. Brown beendete dieses peinliche Schweigen.
„Sehr schön. Mister Snape, so wie es aussieht haben Sie wieder Gefühl in ihren Beinen. Wir werden Ihnen jetzt regelmäßig Muskelaufbautränke verabreichen, damit Sie Ihre Beine bald wieder voll und ganz bewegen können. Ich denke nach 2 bis 3 Wochen Rehabilitation und einigen Tränken, sind sie wieder ganz der Alte."
„Gut Severus. Ich muss dann langsam wieder los. Ginny wartet vorne auf mich."
Severus nickte.
„Dann bis morgen" sagte sie. Sie war schon auf dem Weg zur Tür, als sie seine Stimme vernahm.
„Hast du nicht was vergessen?"
Verwirrt sah sie ihn an.
„Solltest du nicht in der selben Gestalt rauskommen in der du auch reingekommen bist?"
Hermine hätte sich am liebsten mit der flachen Hand auf die Stirn geschlagen. Wie konnte sie das vergessen? Es hätte bestimmt einige Verwirrung gegeben, wenn sie nun als Mensch dieses Zimmer verließe.
„Danke" murmelte sie, bevor sie sich wieder vollständig verwandelte.
Dr. Brown und Severus sahen ihr hinterher.
„Ein schönes Tier" murmelte der Arzt.
‚und eine tolle Frau' dachte Severus. Aber er konnte es nicht aussprechen, denn das hieße zuzugeben, dass er Interesse für sie hegte. Und das würde er nicht tun.
„Wollen wie ihr rechtes Bein noch einmal prüfen." Unterbrach Dr. Brown seine Gedanken.
Severus nickte.
Hermine trabte durch die Gänge des Hospitals. Sie war beschwingt. Es hatte geklappt. Severus hatte wieder Gefühl in seinen Beinen. Jetzt war es nur noch eine Frage der Zeit, bis er wieder vollständig genesen war. Und darüber war sie mehr als froh. Denn die Doppelstunden zehrten immer mehr an ihren Nerven. Klar, sie konnte Verwandlung und Zaubertränke unterrichten, aber beides an einem Tag, und immer mit dem Zeitumkehrer zurück. Dann noch die Reisen nach Amerika. Doppelte Hausaufgaben und Arbeiten zu kontrollieren. Das war alles zu anstrengend für die junge Frau. Sie spürte immer mehr, dass ihr Kreislauf verrückt spielte. Abgenommen hatte sie auch wieder.
Ginny wartete bereits ungeduldig auf ihre Freundin. Bereits über 3 Stunden musste sie nun hier vorne sitzen und warten, dass Hermine zurückkam. Sie verstand immer noch nicht, warum Hermine ihrem ehemaligen Lehrer so dringend helfen musste. Sie kannte Hermines „Helfersyndrom" zwar, aber das war ja nun mehr als übertrieben. Schließlich war er als Lehrer immer verhasst gewesen und er war Schuld an Dumbledores Tod. Aber sie würde noch herausfinden, was ihre Beweggründe waren.
Hermine setzte sich neben Ginny und beobachtete ihre Freundin. Sie war so in Gedanken versunken, dass sie den Wolf nicht einmal bemerkte. Sanft legte sie ihren weißen Kopf auf Ginnys Schoß, die sofort zusammenzuckte.
„Da bist du ja wieder. Komm lass uns gehen."
Ginny stand auf und Hermine folgte ihr aus dem Hospital hinaus. Kaum waren sie außer Sichtweite, da verwandelte Hermine sich zurück.
„Wie war es?" fragte die Rothaarige sofort.
„Gut, er ist wieder aufgewacht und hat sogar schon wieder Gefühl in seinen Beinen" erzählte Hermine übermütig. „Lass uns doch noch einen Kaffee trinken gehen."
Ginny nickte und so zogen sie los um ein kleines Café zu finden.
„Willst du mir nicht erzählen, warum du ihm unbedingt helfen willst?" Ginny hatte mit dieser kurzen Frage sofort einen Nerv an Hermine gefunden, über den die Ältere ungern nachdachte.
„Er wollte sich meinetwegen umbringen. Ich bin es ihm schuldig." Sagte sie traurig.
„Aber warum sollte er sich denn deinetwegen umbringen?" hakte Ginny nach.
Hermine seufzte. Es tat weh, darüber zu sprechen, aber sie war es Ginny schuldig.
„Kannst du dich daran erinnern, wie ich vor 8 Jahren im Krankenhaus lag, nach dem Angriff auf mich und meine Eltern?"
Ginny nickte. Wie hätte sie das jemals vergessen können. Danach war Hermine nicht mehr die Selbe gewesen. Sie war zurückgezogen, immer traurig und ängstlich und hat sich noch mehr hinter ihren Büchern versteckt. Nur Harry konnte noch mit ihr reden.
„Ich wurde unter den Imperius gesetzt und vergewaltigt." Sagte die Ältere leise.
„WAS?"
„Ja. Ich konnte mich aber wegen des Fluches nicht mehr daran erinnern. Aber daher kam meine Veränderung. Nur Minerva und Harry wussten davon."
„Oh beim Merlin, das tut mir leid" Ginny nahm Hermines Hand in die ihre und drückte sie leicht. Hermine lächelte gequält. Nun musste sie alles erzählen.
„Ron, hat nie verstanden, dass ich es ihm nicht sagen konnte. Ich konnte doch aber noch nicht einmal mit Harry darüber reden, obwohl er es wusste. Wie hätte ich es dann dir oder sogar deinem Bruder sagen sollen?"
Ginny nickte verstehend.
„Jedenfalls. Harry hat nach 8 Jahren, also kurz vor Beginn dieses Schuljahres herausgefunden, wer mir das angetan hat. Er kam zurück und wollte es mir erzählen. Doch ich hatte nicht den Mut. Ich weigerte mich, es zu hören. Doch ich ahnte es bereits. Welcher Todesser würde ein Schlammblut vergewaltigen und sie es noch nicht einmal wissen lassen. Doch nur einer, der eigentlich kein echter Todesser war."
„SNAPE"
Hermine nickte.
„Er musste es tun, er hatte keine Wahl gehabt. Wenn er es nicht getan hätte, dann wäre es Malfoy gewesen."
„Sagt er das? Du kannst ihm so was doch nicht glauben!" Ginny war ausser sich.
„Er hat es mir nie gesagt. Ich habe es gesehen" Hermine Stimme wurde immer brüchiger. Es tat so weh, darüber zu sprechen.
„Wie gesehen?"
„Er hat seine Erinnerungen in ein Denkarium gegeben und ich habe es mir angesehen."
„DU HAST WAS?"
„Ich musste es wissen. Ich konnte mit dieser Unwissenheit nicht leben. Also bin ich mit Harry ins Denkarium abgetaucht und habe den Angriff noch einmal erlebt. Diesmal aus Sicht von Severus."
„Konnte er seine Erinnerungen nicht fälschen?"
„Das hätten wir bemerkt. Man kann Erinnerungen nicht ohne Einschnitte ändern."
„Also musstest du dir deine eigene Vergewaltigung ansehen?" fragte Ginny betroffen.
„Ich wollte, nein ich musste es einfach sehen. Ich musste wissen, was passiert war. Du kannst dir nicht vorstellen, wie es ist, wenn man weiß, dass einem etwas angetan wurde, aber nicht was! Und ich habe auch gesehen, dass er keine Wahl gehabt hatte."
„Aber das erklärt nicht seinen Selbstmordversuch."
„Ja, das verstehe ich auch noch nicht ganz. Wahrscheinlich hat er Harry und mich belauscht. Denn es passierte direkt nach unserem Besuch in Hogsmaede. Harry wollte mal wieder, dass ich endlich anfange zu leben. Und du weißt, wie ich darüber denke. Vielleicht hat Severus das gehört. Als ich nach dem Besuch noch einen Rundgang durch das Schloss gemacht habe, hörte ich ein unnatürliches Poltern in Severus' Räumen. Also habe ich Minerva Bescheid gegeben und dies gerade noch rechtzeitig. Er hat versucht, sich zu vergiften und ist dann mit dem Rücken auf den Tisch geknallt, daher die Lähmung. Wochenlang gab es keinerlei Lebenszeichen von ihm und irgendwann ist er in ein Wachkoma gefallen. Wie er da rauskam, weiß ich nicht, aber als wir aus dem Denkarium zurückkamen war er wieder wach."
„Wie hat Harry reagiert?"
„Erst wollte er Severus umbringen, aber er hat verstanden, dass Severus keine Wahl hatte. Nun haben sie sich sogar miteinander arrangiert."
„Oh Mine, es tut mir alles so leid!" Ginny musste ihre Freundin einfach umarmen. Beide hatten Tränen in den Augen.
„Mir tut es leid. Ich habe es nicht geschafft, mit dir zu reden, dabei bist du doch meine beste Freundin!" schluchzte Hermine.
„Das braucht es nicht. Ich kann es nicht glauben, dass dir das alles passiert ist und du trotzdem noch die Kraft hast, weiter zu machen. Ich wüsste nicht, ob ich es hätte."
„Ich kann nur hoffen, dass du es nie herausfinden musst. Das wünsche ich niemanden."
„Wirst du es Ron irgendwann einmal sagen?"
„Nein. Ich habe keinerlei Kontakt mehr zu ihm. Ich will es auch nicht, denn ich glaube ich kann ihm heute noch nicht in die Augen sehen. Er war so eifersüchtig auf Harry. Dabei hat Harry mir über die schlimmste Zeit meines Lebens geholfen. Ohne ihn hätte ich es nicht geschafft."
„Er hat dich geliebt."
„Nein, Ginny. Er hat mich nicht geliebt. Wenn er mich geliebt hätte, dann hätte er es verstanden, dass ich mit ihm nicht reden konnte. Nein, er war vielleicht in mich verliebt, aber geliebt hat er mich nie!"
„Er wird es auch nicht von mir erfahren, niemand, wenn du es nichts willst."
„Danke Ginny."
Wieder umarmten sich beide. Ginny verstand nun, warum Hermine der Mensch geworden ist, der sie heute war. Es tat weh, zu wissen, was sie alles durchmachen musste. Aber wenigstens gab es nun keine Geheimnisse mehr zwischen ihnen.
„Danke für deine Hilfe Ginny. Aber ich muss nun langsam wieder zurück. Minerva, Harry und Albus wollen bestimmt wissen, wie es unserem Griesgram geht."
Die Rothaarige schmunzelte.
„Ja, ich muss auch langsam wieder los. Wir sehen uns ja bald wieder."
Beide drückten sich noch einmal, bevor jede von ihnen auf einen anderen Kontinent apparierte.
-TBC-
Ich hoffe, es hat euch gefallen. Wenn ja, dann hätte ich gern ein Review. Wenn nicht, dann hätte ich auch gern ein Review.
