MIZUUMI水海STORY I

GRAND. L I N E

10

Kokosinsel

ODER

Der Verrat


Sanft prasselte das warme Wasser Laws nackten Körper hinab während er sich mit Shampoo die dunklen Haare wusch. Nachdenklich betrachtete er wie vereinzelte Tropfen die weiße Fliesenwand hinab flossen. Er und seine Crew waren wieder zurück auf seinem U-Boot und obwohl er erst vor kurzem in einer heißen Quelle gebadet hatte, brauchte er doch noch eine warme Dusche. So hatte er schon immer besser nachdenken können.

Was ihn momentan belastete, war ohne Zweifel sein neustes Mitglied: Mizuumi. Sie war ein Rätsel. Die Art und Weise wie sie sich benahm, wie sie sprach war so… Weltfremd. Erst vor wenigen Stunden, hatte er ihr eine mobile Teleschnecke gegeben – mit welcher er immer mit seiner Crew in Kontakt bleiben konnte. Das erste was sie getan hatte, war ein paar Schritte zurück zu gehen und ihn entgeistert anzublicken. Als sie seinen fragenden Blick bemerkt hatte, hatte sie nervös gelacht und so getan als wäre sie nicht vor einer einfachen Teleschnecke zurückgewichen, oder hätte es nicht so angesehen als sei es das erste Mal gewesen, dass sie eine Teleschnecke zu Gesicht bekommen hatte. Es war kurios.

Und dann war da noch…. Law hob seine rechte Hand und betrachtete sie gedankenverloren. Jedesmal wenn er ihre Hand gepackt hatte, hatte sie ihn intensiv studiert. Es war fast so, als ob sie auf eine Reaktion seinerseits wartete und wenn er dann nicht so reagierte wie sie es wohl erwartete legte sie die Stirn in Falten und überlegte angestrengt. Manchmal blickte sie fast ängstlich drein, als habe sie etwas falsch gemacht – nein. Das war nicht richtig…. Es war eine andere Art von Angst….

Woher kam sie? Wer war sie? Was für Fähigkeiten besaß sie? Dieses Mädchen war das bisher spannendste was ihm auf der Grand Line begegnet war und somit ein perfektes Beobachtungssubjekt.

Law schloss die Augen und ließ das Wasser über seinen Kopf fließen. Vielleicht hatten ja seine Männer etwas herausfinden können. So wie er Shachi und Penguin kannte, hatten sie Mizuumi bestimmt schon längst mit Fragen durchlöchert.

Er würde sie fragen sobald er mit duschen fertig war.


„Ich kann es nicht fassen! Ich meine, was fällt denen ein! Mich beim Baden zu beobachten!", beschwerte sich Mizuumi laut.

Bepo, der unsicher in ihrer Kajüte auf ihrem Bett saß und Mizuumis Blick mied, bemerkte wie Mizuumis Kopf rot angelaufen war. Eingeschüchtert versuchte er die junge Frau nicht daran zu erinnern, dass ER auch dabei gewesen war und sie nackt gesehen hatte. Aber vielleicht machte es ihr auch nichts aus weil er ein Bär war?

„Bepo!", rief sie plötzlich in seine Richtung und erschrocken fuhr er hoch.

„JA!" Bepo spannte den Körper an und blickte stur geradeaus, beinahe wie man es von einem Soldaten erwarten würde.

Mizuumi hob eine Augenbraue. „Entspann dich, Bepo. Ich wollte dich nicht anschreien. Ich entschuldige mich dafür."

„Tut mir Leid.", antwortete der Polar Bär nur und senkte den Kopf.

Sie seufzte und setzte sich neben ihm. „Ich bin sowas nicht gewöhnt, weißt Du? Der einzige Mann mit dem ich in meinem Leben zusammen gelebt hatte war mein Meister."

Verwirrt sah Bepo sie an. „Dein Meister? Was meinst Du damit?"

„Mh?", entgegnete Mizuumi. „Oh. Mein Meister, Isamu-kensei, war einst ein großer Schwertkämpfer. Jetzt ist er allerdings nur noch ein einfacher Schwertschmied. Er zog mich auf und ist wie ein Vater für mich gewesen." Melancholisch senkte Mizuumi den Blick und ein kleines trauriges Lächeln bildete sich in ihren Mundwinkeln.

Bepo beobachtete das alles interessiert. Das war das erste Mal das er mehr über die Vergangenheit des neusten Mitgliedes erfuhr. Sie schien eine äußerst komplizierte Vergangenheit zu haben. „Weißt Du…", begann er vorsichtig. „als neustes Mitglied stehst Du unter mir. Das heißt Du musst meinen Befehlen folgen."

Überrascht blinzelte Mizuumi zweimal, bevor sie in schallendes Gelächter ausbrach. Nachdem sie sich beruhigt hatte sagte sie zu ihm: „Klar, Bepo! Was immer Du befiehlst!"

Der große Bär wusste nicht genau ob sie sich über ihn lustig machte oder es ernst meinte. Doch ein kleines funkeln im Augenwinkel sagte ihm, dass sie ihn nur ärgern wollte – also lachte er auch.

„Okay. Ich denke ich sollte etwas Essen. Ich hab nicht einmal was gefrühstückt.", informierte Mizuumi ihn und stand auf. „Kommst Du mit?"

Bepo nickte und folgte ihr die Tür hinaus und den Gang zur Kombüse hinunter. Doch nur wenige Schritte von Mizuumis Kajüte entfernt, öffnete sich plötzlich eine Tür zu ihrer rechten und Law trat heraus.

Ein halbnackter Law, wohl bemerkt. Das Zimmer aus welchen er gerade getreten war, war das Badezimmer und der Kapitän des Schiffes hatte wohl gerade eine Dusche genommen. Seine Haare waren noch nass und kleine Wassertropfen flossen ihm den Hals hinab, über seine nackte Brust. Er trug nur ein weißes Handtuch, das er um seinen Unterkörper gewickelte hatte. Ein wenig überrascht blickte er die Beiden an, bevor ihm Mizuumis roter Kopf auffiel. Er grinste.

Mizuumi wandte so schnell es ihr möglich war, den Kopf zur Seite und blickte entsetzt den Boden an. Doch das einzige Bild was ihr vor Augen schwamm, war Laws Körper. Er hatte einen wirklich gut gebauten Körper.

„Gefällt dir was Du siehst, Mizuumi?", fragte Law sie grinsend und beugte sich spielerisch ein wenig zu ihr rüber. „Ich denke es ist einzig und alleine fair wenn Du ein wenig mehr von mir siehst, wo ich doch einen Blick auf deinen Körper werfen durfte…."

Mizuumi ließ ein quietsche-ähnlichen Laut von sich und sprang hinter den verdutzt dreinblickenden Bepo. „D-D-D-Du Idiot! Ich hab dir überhaupt nicht erlaubt mich n-n-nackt zu sehen!", stotterte sie vollkommen verlegen.

Law gluckste nur und ging den Gang hinab zu seiner Kajüte. Bald darauf wurde er nachdenklich und hielt inne. Hoffentlich würde sie weiterhin so interessant bleiben…. Mit einem langweiligen Spielzeug konnte er nicht viel anfangen.


Nach der – für Mizuumi – peinlichen Begegnung im Gang, saßen sie, Bepo und Law nur wenig später in der Kombüse und aßen zu Mittag. Mizuumi tat alles um Laws Blick zu meiden, während dieser das breite Grinsen nicht von seinem Gesicht nehmen konnte.

Die angespannte, wenn auch friedlich Stille wurde erst gebrochen, als ein aufgeregter Shachi in die Kombüse gelaufen kam. In seiner rechten Hand hielt er ein Stück Papier, das er Law sogleich vors Gesicht hielt.

Law nahm das Objekt entgegen und betrachtete es neugierig. Dann hob sich seine rechte Augenbraue, bevor sich seine Stirn in Falten legte.

„Was ist das?", fragte Mizuumi die – weil sie am weitesten weg von Law saß – nicht erkennen konnte worum es sich bei dem Objekt handelte.

„Ein Steckbrief.", antwortete ihr Penguin der sich ebenfalls verdutzt das Papier ansah. „Vom Käpt'n."

„Und wieso sind alle so verwirrt darüber?", erwiderte Mizuumi. Wieso waren alle über einen Steckbrief von Law so aufgelöst?

„Es ist so verwirrend, Mizuumi", sprach Law der seine Augen auf sie richtete und sie intensiv betrachtete. „weil mein Kopfgeld sich beinahe verdoppelt hat, ohne das ich in letzter Zeit etwas großes getan habe."

Er zeigte ihr den Zettel und neugierig las Mizuumi das Kopfgeld. „110 Millionen? Wow. Es hat sich ja wirklich beinahe verdoppelt…. Wieso seht ihr mich alle so seltsam an?"

Law legte den Kopf zur Seite bevor er ihn auf eine Hand abstützte und sie herausfordernd studierte. „Vielleicht weil das einzige was sich in letzter Zeit geändert hat Du bist, Mizuumi."

Mizuumi schluckte einmal heftig. „Was meinst Du damit?", sagte sie kleinlaut.

Mist, dachte sie. Liegt das jetzt etwa tatsächlich an mir? Es kann doch nicht sein, dass die Marine wirklich an einem kleinen Wurm wie mir interessiert ist, oder? Ich dachte eigentlich nur Doflamingo würde versuchen mich zu schnappen, da ich ihn in einer ziemlich gedemütigten Art und Weise zurück gelassen habe…. Naja. Wenn er es gewollt hätte, hätte er mich wahrscheinlich an Ort und Stelle getötet. Als ob ich wirklich jemals eine Bedrohung für ihn sein könnte. Schließlich ist er ein Shichibukai. Aber trotzdem, die Heart Bande in die Sache mit reinzuziehen ist doch nicht wirklich nö-.

„Was hast Du getan?", unterbrach Law ihre Gedanken.

Eine kleine Menge hatte sich um die Beiden versammelt und neugierig beobachtete der Rest der Crew das Geschehen. Sie alle waren erpicht darauf Antworten zu bekommen.

„Ich erinnere mich daran von einem Marineleutnant gehört zu haben, dass Du dich gegen die Weltregierung aufgelehnt hast.", fuhr Law fort.

„Bullshit.", stoß Mizuumi plötzlich aus und eine hässliche Grimasse breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Die Wut kochte in ihr, wenn sie an die Tage zurück denken musste, an denen sie sich in der Gesellschaft des widerlichen Shichibukai befunden hatte.

Als Law bemerkte das sie nicht weiter zu sprechen schien, setzte er erneut an: „Mizuumi, was hat-."

Er wurde unterbrochen, als plötzlich rotes Licht in der Kombüse auf flimmerte und eine laute Sirene durch die Gänge hallte, gefolgt von einer Stimme die rief: „DIE MARINE!"

Normalerweise hätte das die Crew kaum gekümmert, da sich das Schiff in der meisten Zeit Unterwasser befand, doch da sie noch nicht weit von der letzten Insel entfernt waren, waren sie noch über dem Wasser und somit in voller Sichtweite feindlicher Schiffe. Law warf Mizuumi einen Blick zu der ihr bedeuteten sollte, dass ihr Gespräch noch nicht beendet war und lief schließlich die Tür hinaus aufs Deck.

Die anderen Mitglieder folgten ihnen, unter ihnen auch Mizuumi.

Was ihnen außerhalb des U-Bootes entgegnete, war ein großes Kriegsschiff, dessen Segel mit dem Schriftzug „MARINE" bemalt waren. Deutlich darauf zu erkennen waren die Soldaten der Regierung an dessen vorderster Front ihnen zugerichtet ein höherer Offizier stand.

„Niederes Piratenpack! Ergebt euch!", rief der bullige Mann und hob seine rechte Hand, in welcher er ein Schwert hielt.

„Na toll.", sagte Lee, der neben Mizuumi stand und die Marine genervt ansah. „Wie konnten die uns so schnell finden?"

„Das tut nichts zur Sache.", meinte Law und zog seine Klinge.

Der Rest der Crew nahm dies als Zeichen, sich auf den bevorstehenden Kampf vorzubereiten. Doch anstatt sich diesem Treiben anzuschließen, konnte Mizuumi nicht umhin einfach nur zurück zu bleiben und zuzusehen. Es war das Erste mal, das sie ihre neuen Kameraden kämpfen sah. Beeindruckt stellte sie fest, dass wirklich jeder, der Crew sich zu verteidigen wusste. Ein wenig neidisch beobachtete sie, wie die Männer mit Leichtigkeit Techniken anwendeten, für die Mizuumi wahrscheinlich Monate brauchen würde, wöllte sie diese erlernen.

Mit Leichtigkeit schlugen Shachi und Penguin die auf sie zukommenden Marinesoldaten über Bord, als wären sie nicht minder schwer als ein Kissen. Sogar Beck – den Mizuumi unbedingt auch noch eine reinhauen musste, nachdem sie von Bepo erfahren hatte, dass er derjenige war der auf die dumme Idee gekommen war, sie zu bespannen – konnte mit einigen gezielten Tritten drei Männer auf einmal niedermetzeln.

Es war wirklich zum verrückt werden. Wenn sie nur genau wüsste, was ihre Kräfte alles beinhalteten, dann könnte sie wahrscheinlich (Wunschdenken) ganz schnell super stark werden! Doch so wie sie jetzt war, würde sie der Crew wohl eher irgendwann noch zu Last fallen. Nicht das in einem Komatösen Zustand ans Bett gefesselt zu sein, der Crew vorher besonders geholfen hatte.

In diesem Tempo, so dachte Mizuumi sich, würden sie die Marine sehr schnell wieder los sein.

Ein klirrendes Geräusch brachte Mizuumi wieder auf die Erde zurück. Auf dem unteren Teil des Decks, erblickte sie Law und den Kapitän der Marine, die beide in einen Kampf verwickelt waren. Überrascht stellte sie fest, dass das klirrende Geräusch von Laws Katana herrührte, welches sich gerade schlitternd über das Deck hinab in die Tiefe See verabschiedete. Neugierig fragte sie sich, wie Law jetzt ohne seine Waffe den Kampf noch gewinnen wollte.

Kurz davor einzugreifen – welches sie wahrscheinlich in eine ziemlich unangenehme Situation gebracht hätte – bemerkte sie gerade noch rechtzeitig, wie Law grinste. Als er seine Hand hob und sich eine blaue Kuppel um sie herum formte, wusste Mizuumi, das Law sehr wohl auch ohne seine Waffe diesen Kampf gewinnen konnte.

Wieder gelangweilt erhob sie sich und drehte sich zu den anderen. Diese hatten gerade den letzten Marinesoldaten ins Meer geworfen und warteten nur noch auf ihren Käpt'n. Sobald sie das Geräusch, wie etwas ins Wasser fiel vernahmen, dauerte es auch nicht mehr lange, da tauchte Law neben ihnen auf.

„Verdammt.", bemerkte er. „Schon wieder ein Schwert weg."

Neugierig legte Mizuumi den Kopf schief, sagte jedoch nichts, sondern lauschte aufmerksam.

„Schon wieder?", fragte Ōgata und seufzte.

Shachi und Penguin hingegen lachten leicht auf.

„Ehrlich Käpt'n. Du hast echt die schlechte Angewohnheit, all deine Schwerter zu versieben.", meinte Shachi und schüttelte belustigt den Kopf.

„Das wievielte war das jetzt? Zum Glück ist keins von diesen Schwertern bisher besonders kostbar gewesen. Stell dir vor, der Käpt'n würde Geld für ein teures Ding ausgeben nur um es dann wenige Tage später erneut zu verlieren!", stimmte Penguin ein.

Nachdenklich runzelte Mizuumi die Stirn. Law brauchte doch jetzt ein neues Schwert, oder? Unwillkürlich musste sie an den Schwertgriff denken, der sich in ihrer Kajüte befand. Vielleicht wurde es ja Zeit, einer alten Beschäftigung nachzugehen?

„Haltet die Klappe und macht euch an die Arbeit.", befahl Law genervt. „Und bevor ich es vergesse; heute Abend wird Mizuumi das Essen vorbereiten, also greift ihr ein wenig unter die Arme, verstanden?"

Ein freudiges ‚Ja! ' entgegnete ihm die Crew, bevor sie sich auf dem Weg ins U-Boot machten.

„Warte, was?", sagte Mizuumi verwirrt und blickte Law blinzelnd an.

Dieser grinste nur. „Ich hatte es doch gesagt, oder? Du wirst kochen, damit Du ein paar der Männer kennen lernst. Übrigens. Es dauert seine Zeit eine ganze Mahlzeit für zwanzig Männer vorzubereiten. Also beeil dich."

Mizuumi klappte der Mund auf, als sie sein das-war-für-die-nicht-beantwortete-Frage-lächeln sah. Dieser gottverdammte…!


Auf dieses Ereignis hin, folgten mehrere Tage der Langeweile. Zu mindestens für den Teil der Crew die nicht im Geheimen in einen der unteren Level des U-Bootes, umgeben vom lauten schnarren mehrerer Maschinen, mit wenig verfügbaren Mitteln, dabei waren ein Schwert zu schmieden. Mizuumi gab sich äußerste Mühe, bei der Herstellung dieses Nodachis, da sie wusste, das Law es für eine sehr lange Zeit bei sich tragen würde und Mizuumi wollte nicht, dass er es einfach achtlos verlor oder zerbrach.

Dieses Schwert sollte ihn helfen, unterstützen und stärken. Sie floss all ihr Wissen und Herz in den Prozess der Herstellung und versuchte nicht einen Fehler zu machen.

Eigentlich wollte sie ihr Vorhaben vor der gesamten Crew Geheim halten und niemanden davon wissen lassen. Doch es kam wie es kommen musste. Bereits beim zweiten Tag, spürte Bepo sie auf und überraschte sie so sehr, dass sie lauthals anfing zu fluchen. Der arme Bär entschuldigte sich mehrere Male, bevor der Teenager sich endlich beruhigt hatte.

„Gottverdammt, Bepo! Erschreck mich nicht so!", rief sie und atmete einmal tief ein und aus.

„Tut mir Leid.", sagte er und senkte den Kopf. Im nächsten Moment hob er ihn jedoch wieder und blickte sie fragend an. „Ich habe dich gesucht. Du warst nicht in deiner Kajüte, nicht in der Küche oder dem Krankenzimmer. Niemand hatte dich gesehen. Als ich den Gang hier runter ging, konnte ich deinen Geruch wahrnehmen."

Das neuste Mitglied der Bande seufzte und gab den Versuch auf, ihre Werkzeuge hinter ihrem Rücken zu verstecken. Logischerweise hatte Bepo sie beim eintreten schon längst entdeckt gehabt.

„Was machst Du hier?", fragte der Eisbär neugierig und spähte auf die Objekte die sie umgaben. Das einzige Objekt das er wirklich erkannte, war der Griff eines Schwertes, welches auf einem Tuch abseits vom ganzen Chaos lag.

„Ah." Verlegen rieb sich Mizuumi mit einer Hand am Hinterkopf. „…okay ich sag es dir. Aber Du musst mir eines versprechen, Bepo. Du darfst es niemanden weitersagen, vor allen Dingen nicht dem Käpt'n!"

Bepo blickte sie einige Sekunden ausdruckslos an. Law nichts sagen? Das würde nicht lange gut gehen. Bepo wusste, das Law es absolut nicht ausstehen konnte, wenn jemand Geheimnisse vor ihm hatte. Vor allem wenn es sich dabei um eines seiner eigenen Crewmitglieder handelte. Aber Bepo musste ja nichts sagen, so lange es nichts Gefährliches war. Und wenn sein Käpt'n fragen würde… nun dann würde er ihm auch antworten. Mizuumi wusste schließlich noch nicht, wie bissig der junge Mann sein konnte.

Er nickte daher nur und wartete darauf das Mizuumi ihm die Situation erklärte.

„Also. Du weißt ja, dass Law sein Katana verloren hat." Bepo glaubte es würde eher auffallen, würde Law ein Katana mal nicht verlieren. „Daher habe ich mir gedacht… nun ja. Du weißt… ich bin ja eigentlich eine Schwertschmiedin, daher wollte ich… ihm ein neues Schwert schmieden. Eins das besser ist als all seine Vorgänger und das er auch nicht so einfach verlieren wird… wenn er weiß was gut für ihn ist."

Überrascht blinzelte Bepo.

„Aber Du darfst es wirklich niemanden sagen, Bepo!", rief Mizuumi verlegen und blickte ihn stur auf Zehenspitzen stehend und mit den Händen vor der Brust zu Fäusten ballend an.

Bepo nickte. „Okay."

Jetzt war es Mizuumi die überrascht blinzelte. „Echt jetzt? Das war alles? Ein einfaches ‚Okay'?"

„Willst Du etwa, dass ich es Law sage?", entgegnete der Eisbär und wollte sich schon zum gehen bewegen, da hielt Mizuumi ihm am Arm fest.

„Nein! Nein, nein, nein, nein, nein. Alles in Ordnung. Wir belassen es beim einfachen ‚Okay'!" Mizuumi lachte nervös und ließ Bepo wieder los. „Danke."

Bepo sah sie einige Sekunden schweigend an. Ihr Blick war zum Boden gerichtet und eine leicht depressive Aura machte sich um sie herum breit. Verwirrt darüber, warum sie Law überhaupt einen Gefallen tun wollte, fragte er: „Aber warum?"

„Hm?", entgegnete Mizuumi intelligent und zog eine Augenbraue hoch. „Warum was?"

„Warum willst Du dem Käpt'n ein Schwert schmieden?", definierte er.

Das Mädchen blickte wieder zu Boden. „Ah. Das. …naja… ich habe das Gefühl, dass ich in letzter Zeit – wenn überhaupt – nicht gerade nützlich für die Crew war. Außerdem muss ich mir ja noch einen Platz in der Crew erarbeiten, daher… dachte ich mir ich tu das was ich am besten kann." Sie zuckte mit den Schultern. „Alle sind so stark. Ich hingegen… nicht."

„Hm." Bepo packte sie plötzlich am Handgelenk und zog sie hinter sich her. „Komm mit."

„W-was!? Wart– ah, Bepo!", stieß Mizuumi von sich und versuchte sich dem starken Griff des Eisbären zu entziehen. Ohne Erfolg.

Der Erste Maat schleppte sie mit Leichtigkeit hinter sich her und leitete sie zu einem der hinteren Räume im gelben U-Boot. In diesem Teil – das wusste Bepo – war Mizuumi noch nie gewesen, und er fand, dass es Zeit wurde sie ein wenig in ihrem neuen Zuhause rum zu führen. Wieso also sollte er nicht im Trainingsraum anfangen?

Sobald er die Tür öffnete verstummten nicht nur das Mädchen hinter ihm, sondern auch die Männer die kurz zuvor in ein intensives Training verwickelt waren.

„Ähm….", sagte Mizuumi unwohl und versuchte sich wieder aus seinem festen Griff zu lösen.

„Das hier ist der Trainingsraum. Hier trainieren die meisten Tag und Nacht um fit zu bleiben.", erklärte Bepo unbekümmert und achtete nicht auf die bedrückende Stille. „Siehst Du? Wenn Du dich genauso anstrengst wirst Du ebenfalls stärker werden. Nur faul auf der Haut zu liegen wird nicht fiel an deiner Situation ändern. Das musst Du schon selbst machen."

Mizuumi blickte ihn daraufhin verwundert an. Hatte der große knuffige Bär das etwa gerade tatsächlich gesagt? „…Du hast recht." Sie lachte leicht. „Ich bin echt dumm, oder?" Dann blickte sie zu den anderen im Raum – die sie immer noch neugierig beobachteten – und sagte zu ihnen: „Macht es euch was aus, wenn ich mitmache?"

Bepo grinste zufrieden, als ihr direkt ein paar der Männer entgegen kamen und sie in ein paar einfache Übungen einweihten. Das erste, das Mizuumi ändern musste war ihre Ausdauer. Erst dann würden ihr die Jungs ein paar Kampftechniken beibringen. Doch damit schien das Mädchen mehr als zufrieden.

Der erste Maat der Heart-Piraten, wusste mehr als sonst wer aus der Crew, wie Law tickte. Er wusste, sollte Mizuumi zeigen, dass sie die Mühe nicht wert war, dann würde sie wahrscheinlich nicht mehr lange auf dem Schiff bleiben. Und das würde Bepo traurig stimmen. Er mochte dieses Menschenmädchen irgendwie. Sie war nicht so fokussiert auf Kleidung und Schmuck wie er es schon bei anderen menschlichen Weibchen gesehen hatte. Und sie roch auch nicht so stark nach diesem widerlichen Parfüm. Sie wollte wenigstens helfen und von Nutzen für die Crew – für Law sein. Genau solche Menschen brauchte der zukünftige König der Piraten.

Bepo war gespannt, was die kommenden Tage alles bringen würden.


Die nächste Insel die sie ansteuerten, wurde Kokosinsel genannt. Unter den meisten Piraten jedoch, war sie einfach nur als „Schatzinsel" bekannt. Soweit Mizuumi es von ihren Crewmitgliedern erklärt bekommen hatte, befanden sich auf dieser Insel wertvolle Schätze.

Früher glaubte man, dass es sich dabei um Gold und Juwelen handelte, und jeder Pirat in der Umgebung machte sich auf die Suche nach diesen Schätzen. Jedoch fanden diese Abenteurer schnell heraus, dass es sich dabei um reines Seemannsgarn handelte. Was die Einwohner der Insel als Schatz bezeichneten, war nichts anderes als der Import einiger seltenen neuen Kokosnussbäumen. Die Einwohner sahen dies als einen Schatz an, da die Früchte dieser Bäume einmal im Jahr rote Kokosnüsse hervorbrachten und somit den Beginn des sogenannten „Blue-Moon-Festivals" einläuteten.

Mizuumi fand es zwar etwas albern wegen einer Frucht soviel Aufwand zu betreiben, verstand aber das die Menschen aus dieser Welt anders dachten als in ihrer eigenen. Zwar gab es auch in ihrer Welt verrückte und meist sinnlose Traditionen, doch jede Tradition war ein Bestandteil eines Volkes und zeigte wohl auch in diesem Fall den Stolz der Inselbewohner.

Dennoch gab es einige Unstimmigkeiten, wie Mizuumi fand. Warum wurde die Insel immer noch „Schatzinsel" genannt, obwohl alle wussten, dass es dort keine Schätze gab? Oder warum wurde das Fest „Blue Moon" genannt? Dies passte doch – wenn man jetzt von der Farbe her aus ging – überhaupt nicht mit den roten Früchten zusammen.

Aber sie wollte sich nicht weiter beschweren. Schließlich dauerte es noch ein paar Stunden, bevor sie anlegen würden und sie war noch nicht mit dem letzten Schliff des Schwertes fertig.

Mizuumi konnte wirklich stolz auf ihre Arbeit sein. Nach acht langen Tagen hatte sie es geschafft, ein Nodachi zu schmieden, das genauso aussah, wie sie es aus der Serie kannte. Obwohl sie nicht genau wusste, wie der Wellenschliff in der Klinge aussah, so ließ sie eben ein wenig ihrer gewohnten Arbeit einfließen und machte daraus ihren persönlichen Wellenschliff. So wie sie es von Isamu-kensei gelernt hatte.

„Bist Du fast fertig?", fragte Bepo sie, der wenige Meter entfernt von ihr saß und sie beobachtete.

Der erste Maat hatte die vergangenen Tage zusammen mit Mizuumi verbracht um, wie er meinte, auf sie „aufzupassen". Er war die meiste Zeit sehr ruhig gewesen, hatte nicht viel gesagt und nur dann gesprochen um sie daran zu erinnern, dass es Essen gab oder das sie endlich schlafen sollte. Ab und an brachte er sie hoch zum Trainingsraum und überließ sie dort Beck, der sie weiterhin unterrichtete. (Die blauen Flecken würden wohl noch eine Weile sichtbar sein.)

„Ja.", entgegnete sie außer Atem und betrachtete Stolz das fertige Nodachi.

Mizuumi hatte Law während dieser Zeit kaum gesehen. Sie versuchte ihn allerdings auch nicht gerade über den Weg zu laufen, aus Angst er könnte sie mit weiteren Fragen durchlöchern, auf die sie keine Antwort wusste oder gar nicht Antworten wollte.

„Ist es nicht zu groß?" Bepo sah das Schwert neugierig an.

„Nope.", erwiderte Mizuumi. „Das ist ein Nodachi. Ich weiß zwar nicht ob es funktioniert, aber ich hoffe, dass es Laws Kräfte etwas unterstützt. Du weißt. Vielleicht eine weitere Reichweite oder so."

Bepo nickte verstehend. Dann stellten sich seine Ohren etwas weiter auf und er blickte zur Decke. „Ich glaub wir legen gleich an."

„Oh.", war alles was Mizuumi daraufhin sagte. „Ich bin also gerade noch rechtzeitig fertig geworden." Sie grinste fröhlich.

„Wann gibst Du es ihm?"

Mizuumi blinzelte und blickte Bepo dann verlegen an. „Ich… weiß nicht. Vielleicht später…?"

Der Eisbär schwieg, starrte sie stattdessen nur an.

Daraufhin sah Mizuumi an sich herunter und schrie beinahe auf. „Oh mein-! Wie seh' ich denn aus!" Ihre blaue Jeans und ihr rotes T-Shirt waren mit schwarzen Flecken bedeckt. „Verdammt. Ich muss mich umziehen. Wenn ich so da raus gehe, werden noch dumme Fragen gestellt. Bepo. Wartest Du oben auf mich? Ich geh mir kurz frische Sachen anziehen."

Bepo nickte und sah zu, wie Mizuumi ihre Sachen zusammen packte, das Nodachi in ein Tuch einwickelte und festband, und dann die Treppen hoch verschwand.

Er konnte es kaum erwarten Laws Gesicht zu sehen, wenn Mizuumi ihm sein Geschenk überreichte.


Port Phillip Bay war der Anlegeplatz an welchen sie ihr Schiff ankerten. Auf der Insel gab es keine Marine, daher konnten sie ihr Schiff getrost im offenen schwimmen lassen.

Sowie sie die Hafenstadt durchstreiften, bemerkten sie sofort das Getümmel der Leute und gehetztes Treiben, als die Inselbewohner alles für das Fest vorbereiteten, welches am darauffolgenden Tag stattfinden sollte.

Law der vor Mizuumi ging hatte die Hände in die Tasche gesteckt, sichtlich genervt vom Verlust seines Katanas. Einen Seitenblick zu dem Mädchen hinter ihm ließ ihn kurz die Stirn runzeln. „Was ist das?", fragte er und deutete auf das längliche Paket, welches Mizuumi in ihren Händen hielt.

Diese hielt kurz inne und versuchte dann, recht ungeschickt, das Paket hinter ihrem Rücken zu verstecken. „N-nichts. Es ist nicht wichtig!"

Law ließ ein „huuuh~" verlauten und beließ es dabei. Er hatte das Gefühl, dass er noch eine Menge dafür tun musste, um Antworten von dem Mädchen zu erhalten.

Die Piraten beschlossen, obwohl der Log Pose nur wenige Stunden zum aufladen brauchte, bis zum Blue-Moon-Festival auf der Insel zu bleiben um sich ein wenig zu entspannen. So kam es das Mizuumi alleine durch die gepflasterten Gassen ging, während ihre Crewmitglieder sich um das aufstocken der Vorräte kümmerten und somit alle noch auf dem Schiff waren. Selbst Law hatte sich irgendwohin verabschiedet und nur gemeint er bräuchte noch ein paar Medizinische Utensilien.

Mizuumi hatte es gerade noch so geschafft seinen befehlenden Blick ihm zu folgen zu entkommen. Der Teenager wusste zwar immer noch nicht, was genau der Piratenkapitän genau wissen wollte, doch alleine mit ihm durch die Stadt zu schlendern um dieses herauszufinden, war garantiert nicht auf ihrer To-Do-Liste.

Leise vor sich hin summend – das eingepackte Schwert immer noch mit sich führend –, betrachtete sie in der belebten Straße an einem Schaufenster einige Esswaren, als sie neben sich ein paar Stimmen vernehmen konnte. Beim kurzen zur Seite spähen, erblickte sie zwei schäbig aussehende Männer, die beide ein rot-weißes Tuch um den Hals trugen. Sie unterhielten sich lautstark und Mizuumi wollte sich schon abwenden, da hörte sie etwas, was sie ruckartig aufhorchen ließ.

„Ernsthaft, Mann.", meinte der kleinere Mann mit einem Ziegenbart zum anderen. „Die Sache wird so einfach werden! Die Leute hier sind viel zu beschäftigt damit, für ihr blödes Festival Vorbereitungen zu treffen, das die nie merken werden wenn ihre schönen roten Kokosnüsse plötzlich verschwunden sind!"

„Da haste recht.", erwiderte der andere mit leichtem Akzent und zuckte ein Blatt hervor. „Dat die uns auch noch einfach ´ne Karte mitgeben. Haha! Solch dummen Leut´!"

„Der Käpt'n wird zufrieden sein. Und mit der Information die wir erhalten haben, werden wir sogar bald das echte Diary in Händen halten!" Ziegenbart lachte und spähte gierig in die Menge.

Der andere gluckste, blickte seinen Kameraden dann jedoch ernst an. „Glaubste wirklich, dat it echt ist?"

„Was meinst Du?"

Der größere lehnte sich leicht zum anderen und hauchte kaum hörbar: „Na, ob Yokaichū wirklich existiert."

Und obwohl der Mann es so leise gesagt hatte, dass eigentlich nur sein Kamerad ihn hätte hören sollen, bekam Mizuumi jedes Wort mit. Es war fast wie mit dem eigenen Namen. Egal wie tief Du auch in Gedanken warst oder wie weit weg die Personen standen, sobald dein Name fiel, wurdest Du hellhörig und bekamst jedes Wort mit.

Diese Männer, wussten etwas über das Buch. Das Buch das Antworten auf ihre Fragen hatte, das Buch welches sie in beinahe zerstörter Form im Arlong Park bereits einmal in Händen gehalten hatte.

Sie musste mehr wissen. Sie musste.

„Entschuldigen Sie.", sagte sie mit bittersüßer Stimme, schloss die Augen zur Hälfte und versuchte einen verführerischen Ausdruck aufzusetzen.

Zwar hatte Mizuumi wirklich nicht erwartet das es funktionieren würde, doch als ob das Glück sie mal belohnen wollte, bekamen die Männer einen leicht dümmlichen Gesichtsausdruck und lächelten sie an.

„Wie können wir dir behilflich sein, junges Fräulein?", fragte Ziegenbart.

Mizuumi erkannte erst dann, das es sich sehr wahrscheinlich bei den beiden um Piraten handelte. Auch ihre vorherigen Worte machten nun mehr Sinn. Wie es schien, wollte diese Piratenbande das Fest ruinieren und die wertvollen Kokosnüsse stehlen.

An jedem anderen Tag hätte Mizuumi dies zumindest mit einem Stirnrunzeln quittiert, doch nicht an diesem. Das einzige was sie gerade interessierte waren die Informationen darüber, wo sie das Buch finden konnte.

„Ich konnte nicht umhin, euer Gespräch mit zu bekommen. Es würde mich sehr interessieren, welche Informationen ihr über dieses „Buch" habt.", entgegnete sie und lächelte unschuldig. Die Männer wurden zu Wackelpudding und kein Wort fiel über ihr belauschen der Beiden. „Also. Könnt ihr mir diese Informationen geben?"

„HAI~!", riefen sie, doch Ziegenbart hielt plötzlich inne. „Ah. Nein. Tut mir Leid, junges Fräulein. Einzig und alleine der Käpt'n weiß darüber Bescheid."

Mizuumi seufzte enttäuscht, doch aufgeben wollte sie noch lange nicht. Dann musste sie eben in die Höhle des Löwen. „Könnt ihr mich zu ihm führen?"

Daraufhin nickten die Piraten und gingen voran. Mizuumi folgte ihnen ohne auch nur einmal daran zu denken sich bei ihrem Kapitän zu melden.


Zuerst hatte Shachi nicht verstanden, warum Law nach nur wenigen Minuten, nachdem er sich verabschiedet hatte – und Mizuumi in der Stadt verschwunden war – wieder zurück an Bord kam. Obwohl er es selbst dann nicht verstand als Law auf ihn zu kam und ihm einen ungewöhnlichen Befehl erteilte. „Folg Mizuumi.", hatte er gesagt und war dann im Inneren des U-Bootes verschwunden.

Shachi hatte noch einen verständnislosen Blick mit Penguin ausgetauscht, dann jedoch bestätigend genickt, bevor er sich daran machte das neuste Mitglied zu finden. Der Arzthelfer brauchte nicht lange um das Mädchen zu finden – sie schlenderte durch die Gassen und sah sich hier und da einige Schaufenster an.

Das letze Mal, dass Law ihm befohlen hatte Mizuumi zu folgen, war auf der letzten Insel gewesen. Das er eine lange Shopping-Tour ertragen musste, hatte er nur für seinen Käpt'n getan. Doch damals war ein weiterer Befehl gewesen, sich nicht anmerken zu lassen, dass er sie beobachten sollte. Demnach hatte er sie auch in dem Glauben gelassen, dass sie sich trennen würden um sich später in einem Restaurant wieder zu treffen. Shachi war sich sicher, dass sie nicht bemerkt hatte, wie er ihr selbst dann gefolgt war.

Shachi fand es ein wenig Magengrummelnd, dass Law Mizuumi zwar in die Mannschaft aufgenommen hatte, ihr aber anscheinend dennoch nicht vertraute. Reichte es denn nicht, dass sie ihm das Leben gerettet hatte? Nachdem wie Law reagiert hatte, als Mizuumi im Koma lag, hatten Shachi und der Rest der Crew geglaubt, das Mädchen müsste nicht den Vertrauenstest durchgehen. Da hatten sie sich anscheinend gewaltig geirrt. Die Grand Line ließ Law scheinbar noch misstrauischer werden als er ohnehin schon war.

„Huh?" Unsanft wurde der Arzthelfer aus seinen Gedanken gerissen, als er bemerkte wie Mizuumi sich mit zwei schäbig aussehenden Männern unterhielt.

Wenige Sekunden darauf, gingen die Männer die Straße hinunter – Mizuumi ihnen folgend.

Stirnrunzelnd schlich Shachi ihnen hinterher. Wer zum Teufel waren diese Männer und was hatte Mizuumi mit denen zu tun?


„IHR GOTTVERDAMMTEN VOLLIDIOTEN!"

Mizuumi hielt sich die Ohren zu. Sie befand sich in einer kleinen Lichtung, die eine große Felsmauer umgab, und sah dabei zu, wie ihre Beiden Begleiter von einem anderen der Piraten zusammen geschrien wurden.

Sie hatte nicht genau aufgepasst, doch glaubte irgendetwas von wegen „ihr könnt doch kein fremdes Weib mit zu unserem Versteck bringen" verstanden zu haben. Doch das kümmerte sie nicht, denn sie hatte den Kapitän der Bande erspäht.

Der Kapitän saß an die Felswand gelehnt auf einer kleinen Kiste und nippte kurz an einer lila farbigen Flasche. Hätte er sich aufgestellt, würde er glatte drei Köpfe größer sein als die magere junge Frau, und mit seinem großen Schwert hätte er sie mit Leichtigkeit in Stücke zerteilt. Der Mann trug außerdem eine große Rote Jacke, darunter ein schwarzes Hemd und eine rote Leinenhose. Ein Kapitänshut schmückte sein Haupt und verdeckte beinahe ganz seine kurzen blonden gelockten Haare. Mit einer großen schiefen Nase im Gesicht, wirkte der Mann alles im allen nicht gerade attraktiv.

Einmal tief Luft holend, ging Mizuumi auf den Mann zu und blickte ihn stur an. Erst als sie vor dem Mann stehen blieb, bemerkte sie einen anderen Mann, nur einen Kopf größer als sie – scheinbar der erste Maat – neben dem Kapitän sitzen, der sie neugierig betrachtete. Dieser junge Pirat hatte kurze abstehende dunkelbraune Haare und trug ein senffarbiges Oberteil mit einer Ockerfarbigen Hose. Ein schwarzer Gürtel hielt die Hose wo sie hingehörte und ein paar Ketten schmückten seinen Hals.

Beinahe wäre Mizuumi der Mut entgangen, als sich dessen hellblauen Augen auf sie richteten und sie durchstechend beobachteten.

„Und wer bist Du dreikäsehoch?", wollte der Kapitän wissen und musterte sie.

Mizuumi entgegnete forsch: „Ihre Männer sprachen von einem Buch über Yokaichū. Ich wollte mich nur bei Ihnen darüber informieren, ob Sie wissen wo sich dieses Buch befindet."

Der Mann lachte. „Und für diese kleine Information riskierst Du dein Leben?"

Ein stechendes Gefühl breitete sich in Mizuumi aus, als die Sonne bereits hinter dem Horizont zu verschwinden drohte und die Totenstille der sie umgebenen Piraten sie erreichte. Aber zurückweichen würde sie nicht. Auf keinen Fall jetzt. Nicht, wenn das Buch in so greifbarer Nähe erscheint. Nicht, wenn ich so knapp davor bin herauszufinden wie ich wieder zurückkomme.

„Krahahahaha!", lachte der Kapitän plötzlich und deutete ihr an, sich neben den jungen Mann zu setzten.

Der falkengleiche Blick des ersten Maats wisch nicht von ihr, selbst dann nicht als sie sich auf eine der Kisten gesetzt und das längliche Packet neben sich gelegt hatte.

„Du hast Mumm, kleine.", meinte der Piratenkapitän. „Was meinst Du, Takeru?"

Der junge Mann neben ihr murrte auf, sagte jedoch nichts. Stattdessen nahm er einen großen Schluck aus seinem Krug und wischte sich danach mit dem Ärmel den Mund ab.

„Und?", fragte Mizuumi. „Wo befindet sich dieses Buch?"

„Ah. Das Buch." Der Kapitän nahm einen Schluck. „Wenn ich mich recht erinnere befindet es sich zurzeit auf-."

„OI!", unterbrach ein lautes Rufen den Kapitän.

Zähne knirschend wandte sich die Heart Piratin zu dem Blödmann der das Gespräch unterbrochen hatte. Doch sogleich hielt sie die Luft an. Was… was macht der den hier?, dachte sie entsetzt.

Von zwei muskulösen Männern an den Armen gepackt, wurde ein wütend aussehender Shachi in die Lichtung geschleppt. Die Sonne war mittlerweile vollkommen verschwunden und nur ein paar Laternen der Piraten erhellten neben dem Mond die Nacht.

„Ho~. Was haben wir denn hier?", raunte der Anführer der Piraten und zog die Augenbrauen zusammen.

„Tch. Lasst mich los!", beschwerte sich Shachi laut und versuchte sich aus den Klauen der Piraten zu winden. Jedoch ohne Erfolg. Hilfesuchend wandte er seinen Blick zu Mizuumi, die ihn weiterhin mit leicht geweiteten Augen ansah.

Nein. Nicht jetzt. Verdammt, Shachi! Wieso bist Du hier? Du ruinierst alles!

Der Kapitän, sowie der erste Maat, verfolgten den kurzen Austausch interessiert. Die Augen des ersten Maats – Takeru – verengten sich misstrauisch.

„Ihr Schwachköpfe!" Der Mann, der noch vor wenigen Minuten Mizuumis Begleiter angeschrien hatte, schlug erwähnten auf die Hinterköpfe, sodass diese mit einem Schmerzensschrei zu Boden gingen. „Ihr wurdet verfolgt!"

„So. Ihr beiden kennt euch also?", fragte der Käpt'n – den Austausch seiner Crew vollkommen ignorierend.

Für Mizuumi und Shachi war es beinahe so, als ob die verstreichenden Sekunden zu Stunden wurden.

Für Shachi, war alleine Mizuumis zögern, ein Grund zur intensiven Sorge. Schließlich war es seltsam. Wieso war sie diesen Männern gefolgt? Wieso gesellte sie sich zu dessen Kapitän – ein Kapitän einer Piratencrew – und plauderte mit diesem?

Wieso zögerte sie nur? Sie waren gottverdammt nochmal Nakama! Wollte das Mädchen ihn etwa tatsächlich verraten?

Doch Shachi wollte nicht daran glauben. Er wollte nicht glauben, dass Mizuumi sie so einfach verraten würde. Sie würde nicht-.

„Nein. Ich kenne diesen Mann nicht."

Nach der langen Zeit der Stille, schnitten Mizuumis kalte Worte durch die eisige Nacht wie ein Messer durch Butter. Nur das es weniger schmerzfrei war.

Für einen kurzen Augenblick glaubte Shachi, er habe sich verhört. Dann dachte er sie würde scherzen. Doch als er die junge Frau vor sich entsetzt ansah, trafen seinen ungläubigen Blick nur eisigkalte Augen, in dessen reine Entschlossenheit das einzige war, das er erhaschen konnte. Ansonsten wirkte das Mädchen so, als ob sich die beiden tatsächlich noch nie zuvor im Leben begegnet waren.

Shachi vernahm nicht mal das laute gehässige Lachen des Piratenkapitäns oder den ersten Schlag in sein Gesicht. Er wusste auch nicht warum, aber dieser eine Satz – diese eine bedeutungsvolle Geste – traf ihn härter als es hätte tun sollen.

Er weiß auch nicht mehr genau, was danach alles geschah. Das nächste woran er sich erinnerte, war wie er die Straßen zum U-Boot entlang humpelte – mit ein paar Schrammen und blauen Flecken übersät. Es waren keine ernsten Verletzungen. Dennoch hatte er Schwierigkeiten sich zu konzentrieren.

Es war ihm noch nie vorgekommen, dass er von jemand verraten wurde. Seien es erst kürzlich eingetretene Crewmitglieder oder kurzzeitige Verbündete.

Schweiß lief ihm über die Stirn. Law wird diese Neuigkeit gar nicht freuen.


„Käpt'n!"

Law wandte seine Aufmerksamkeit aufs Unterdeck, wo Penguin ihm zu winkte. „Was ist?", fragte er gelangweilt.

Penguin gestikulierte erneut, bevor Law verstand was er wollte. Sein erster Maat zog gerade einen benommenen und verletzten Shachi an Bord und half ihm aufrecht stehen zu bleiben. Sofort lief Law zu ihnen runter und zog eine ernste Miene auf. „Was ist passiert?", war seine erste Frage. Dann sah er sich um und fragte: „Und wo ist Mizuumi?"

Shachi keuchte etwas, bevor er seinen Kapitän mit einem ungewöhnlich ernsten Ausdruck im Gesicht ansah. „Es gab… Probleme."

Ein paar der anderen Crewmitglieder hatten sich um die vier versammelte und Beck begann vorsichtig ein paar von Shachis sichtbaren Wunden zu verarzten.

„Was meinst Du?", mischte sich jetzt Penguin ein.

Shachi wich seinen Blick aus und sah zu Boden. Mehrere Male öffnete er den Mund um etwas zu sagen, schloss ihn dann aber wieder und blieb schlussendlich still.

„Shachi.", stieß Law hervor und ballte seine Fäuste. „Beantwortete meine Frage."

Der Arzthelfer zuckte nicht einmal zusammen, sondern studierte weiterhin stur den Boden. Langsam jedoch begann er zu erzählen. „Ich bin Mizuumi gefolgt. Nach einer kurzen Zeit sah ich wie sie zwei Männer ansprach. Ich konnte nicht hören worüber sie sprachen, aber es war ein kurzes Gespräch. Dann gingen die Männer weg und Mizuumi folgte ihnen. Natürlich bin ich ebenfalls hinterher." Er schwieg kurz.

„Und dann?", fragte Penguin und reichte Beck einen Verband, den dieser um Shachis rechtes Handgelenk band.

„Ich hatte zu erst keine Ahnung wo sie hin wollten. Aber es dauerte nicht lang, da konnte ich einige der Steinfelsen sehen, die sich an der Nordküste befinden. Die beiden Männer…, wie ich herausfand, handelt es sich bei denen um eine ganze Piratenbande. Mindestens dreißig Stück. Ich hab mich zwischen den Bäumen versteckt, während Mizuumi sich mit dem Kapitän unterhielt." Shachi ballte die Fäuste. „Ich habe nicht aufgepasst und die beiden Männer hinter mir nicht bemerkt. Tch. Wäre ich vorsichtiger gewesen…."

Law hörte ihm aufmerksam zu. Noch ließ er nicht einen Hauch von dem was er wirklich empfand auf seinem Gesicht zeigen. Nicht ein Muskel rührte sich. Er stand nur da in einer lockeren Haltung mit den Händen in den Taschen vergraben.

Bepo, der bisher noch nichts gesagt hatte, legte verwirrt den Kopf schief und betrachtete seinen Freund unwohl. Er war wohl der einzige der sah, wie angespannt sein Kapitän in Wahrheit doch war.

Shachi erzählte was dann geschah und keiner der Crew verlor danach ein Wort. Alle verstummten. Bis Penguin endlich seine Stimme wieder fand.

„Du willst also sagen,… dass sie uns verraten hat?", hauchte er unsicher.

Ein Gemurmel ging durch die angesammelte Menge und vereinzelte Wortfetzen erreichten Laws Gehör.

„Heißt das wirklich, dass sie uns verraten hat?", fragte einer der kleineren Männer.

„Könnten wir nicht vielleicht einfach zu viel hineininterpretieren?", meinte ein anderer und wurde sofort von anderen lauteren Stimmen angeschnauzt.

„Sie hat ihn geleugnet, Mann!" Das war Ōgata, dem eine große Pulsader an der Stirn pulsierte, aber dessen Gesichtsausdruck nur weniger wütend aussah, als es seine Stimme zu vermuten ließ.

„Was ist mit dieser anderen Piratenbande? Wer sind die überhaupt?", wollte Beck ein etwas ungefährlicheres Thema ansprechen, wurde jedoch ignoriert.

„Was wissen wir eigentlich über das Mädchen, hä?", bemerkte einer der Männer, die bisher noch nie zuvor ein Wort mit Mizuumi gewechselt hatten. „Sie könnte genauso gut von Anfang an für ein anderes Team gespielt haben."

Unwohl, wenn nicht sogar beunruhigt beobachtete Bepo den jungen Kapitän des Schiffes. Dessen ganzer Körper war angespannt und zitterte vor unterdrückter Wut.

Law hatte genug. Wie kann sie es wagen. Zähneknirschend wand er sich um, packte eines der unscheinbaren Schwerter aus ihrer letzten Beute und verließ das Schiff. Niemand verrät mich. Zu seiner verstummten Bande rief er nur: „Wir gehen."

Shachi war der erste der sofort aufsprang und ihm nachlief. Ihm folgten Penguin, Bepo und Beck. Die meisten Crewmitglieder blieben zurück um das Schiff zu bewachen, aus welchem Grund den vorangegangenen nur noch acht weitere Männer folgten.


Mizuumi kaute auf ihrer Unterlippe. Sorge um den Heart Pirat war der prominenteste Gedankengang, der sich in ihr ausbreitete – an zweiter Stelle war die Hoffnung darauf, dass es Shachi gut ging. Sie hatte sich kaum zurückhalten können, als die Männer vom Käpt'n, dessen Name wie sie herausfand Toru war, den armen jungen Mann einer nach dem anderen eine verpasst hatte.

Doch sie blieb still auf ihrem Platz sitzen und sagte nichts.

Ein Krug tauchte plötzlich vor ihr auf und überrascht blickte Mizuumi auf.

„Hier." Es war Takeru – der erste Maat der Piratenbande. Ein passiver Ausdruck hatte sich auf seinem Gesicht ausgebreitet und mit kalkulierendem Blick beobachtete er sie aus dem Augenwinkel.

Mizuumi hatte immer mehr das Gefühl, das dieser junge Mann der gefährlichste aus der gesamten Bande war. „Was ist das?", fragte sie und nahm den Krug entgegen. Sie roch einmal daran, da sie im schwachen Licht der Laternen, nicht genau erkennen konnte um was es sich bei der Flüssigkeit handelte. Sie erkannte den Geruch nicht.

Als sie wieder zu Takeru blickte, grinste dieser überraschend. „Es ist Saft aus den Kokosnüssen, die hier wachsen."

Mizuumis Augenbrauen kräuselten sich. Sie wollte langsam am Krug nippen, da schob ihr der Pirat auch schon den Krug nach oben, sodass sie größere Schlucke nehmen musste um den Saft nicht in den falschen Hals zu bekommen. Mit kleinen Tränen des Schmerzes in den Augen schob sie den Krug von sich, hustete und funkelte den ersten Maat beleidigt an.

„Was sollte das!?", fragte sie gehetzt und hustete erneut.

Er zwinkerte und Mizuumi fragte sich kurz wo der kalkulierende Stratege von vor wenigen Minuten abgeblieben war. „Du solltest dich etwas entspannen, Mädchen."

Mizuumi stellte den Krug soweit wie möglich außerhalb Takerus Reichweite und erwiderte: „Ich würde immer noch gerne wissen, wo sich das Buch befindet." Sie zog die Nase nach oben – wahrscheinlich in einem verzweifelten Versuch sich größer erscheinen zu lassen.

Takeru lachte einmal auf. Er schien leicht angetrunken zu sein, war aber noch vollkommen im Stande eine vernünftige Konversation mit der jungen Piratin zu führen. „Warum interessiert dich dieses Buch überhaupt so sehr? Ich habe gehört, dass kein Mensch jemals dazu in der Lage gewesen sein soll, herauszufinden was in dem Buch einmal stand. Keiner kann es lesen."

„Ich weiß.", entgegnete Mizuumi knapp und presste die Lippen zu einer harten Linie zusammen.

Ich muss einen Weg finden, wie ich hier wieder weg komme, dachte sie. Am besten mit den gewollten Informationen, dann schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Bedauerlicherweise ist es jetzt unmöglich diesen Zwischenfall vor Law geheim zu halten. Was soll ich nur tun? Gedankenverloren starrte sie in die Mitte der Lichtung, als ihr plötzlich der Groschen fiel. Dort, genau wo ihr Blick eben umher gewandert war, befand sich ein riesiger Haufen an roten Kokosnüssen. Es waren bei weiten nicht genug um behaupten zu können, die Piratenbande hätte die Stadt schon überfallen. Nein. Diese Früchte hatten die Piraten höchst persönlich von den Bäumen geschüttelt.

Die roten Kokosnüsse.

Mizuumi erinnerte sich daran wie sie Law dazu gefragt hatte. „Was ist eigentlich so besonders an diesen Früchten?"

Er hatte nur gelacht. „Der Saft dieser Kokosnuss ist stärker als jeder Rum es jemals sein könnte. Der haut jeden um."

Das war es. Die Lösung. Sie musste nur dafür sorgen, dass Jeder aus der Crew einen Krug voll von diesem Saft verdrückte, dann könnte sie sich vom Acker machen während alle betrunken durch die Gegend tanzten. Nice!

Irgendwie bewerkstelligte Mizuumi es, den Kapitän davon zu überzeugen eine kleine Feier zu veranstalten. Es war relativ einfach einen Piraten dazu zu überreden zu feiern. Sie hatte es nur andeuten müssen, da hatte Käpt'n Toru schon von sich aus seinen Männern zugerufen, sie sollen ein paar der Kokosnüsse knacken. Wie gesagt. Relativ einfach.

Aber wie lautete Murphys Gesetzt nochmal: Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.

Die junge Piratin hatte nicht mit einkalkuliert, das die Piratenbande Käpt'n Torus, größer sein könnte als nur die dreißig Mann die sich in dieser Lichtung befanden. Aus diesem Grund saß sie nun vollkommen schockiert da, als sie plötzlich lautes Männergebrüll vernahm.

Eine riesige Scharr an Piraten kam lachend aus dem Wald – einen großen Wagon hinter sich her ziehend. Im dunklen Mondlicht konnte Mizuumi nicht genau erkennen um was es sich bei der Fracht handelte, aber darauf lag auch nicht ihre Aufmerksamkeit.

Fassungslos sah sie dabei zu, wie Käpt'n Toru die Männer herzlichst begrüßte.

„Da seid ihr ja endlich!", rief er laut und ein paar der Männer stellten sich vor ihm.

„Wir haben eine Menge an Früchten stehlen können, Käpt'n. Diese dummen Stadtbewohner hatten ja nicht einmal ein Schloss am Lagerraum angebracht!", berichtete einer von ihnen grinsend.

Mizuumi lief der Schweiß die Stirn hinab. Mist, dachte sie verbissen. Nur noch ein bisschen!

Viele der Piraten die mit dem feiern längst begonnen hatten, waren betrunken und taumelten durch die Gegend. Einige hatten angefangen zu singen, andere wiederrum nahmen an einem Trinkspiel teil und fielen daraufhin bewusstlos zu Boden. Es hätte nicht mehr lange gedauert und der Kapitän und sein erster Maat, wären die einzigen gewesen, die noch ansprechbar gewesen wären.

„So. Hier bist Du also.", erklang plötzlich eine dunkle Stimme.

Sofort verstummten alle und richteten ihre Blicke zu mehreren Figuren die aus der Waldgrenze schritten. Es waren die Heart-Piraten, angeführt von Law.

Mizuumi sah dessen Gesichtsausdruck forschend an. Gefühlslos und passiv. Nicht einmal ein leichtes kräuseln der Lippen zierte Laws Gesicht. Er war wütend. Wenn nicht sogar fuchsteufelswild.

„Huh?", war die kluge Reaktion Käpt 'n Torus. „Wer zum Teufel seid ihr?"

Law beachtete ihn nicht. Er starrte Mizuumi an und durchsuchte ihre Augen nach einer Antwort auf eine Frage, die nicht gestellt werden musste.

Hinter dem jungen Chirurg, standen Penguin und Shachi Seite an Seite und blickten die unteren Mitglieder ihrer Feinde an. Es war vor allen Dingen Shachi, der Mizuumis Blick mied und nicht einmal in ihre Richtung schaute. Bepo hingegen, sah das Mädchen genauso forschend an wie Law, nur weniger bedrohlich. Oberchefkoch Lee, der ebenfalls Law gefolgt war, biss sich auf die Unterlippe. Bald schon würde ein Kampf ausbrechen. Er hoffte inständig, dass Mizuumi dabei nicht zu Schaden kommen würde.

Während eine schweigende Minute niemand auf der Lichtung etwas sagte, flüsterte Mizuumi plötzlich kaum hörbar: „Law…. Minna."

Takeru neben ihr hörte sie. „Du kennst sie?", fragte er, wieder der ernste Stratege.

Das Mädchen schwieg. Noch einmal würde sie die Heart-Piraten nicht leugnen.

Doch sie musste nichts sagen, denn Käpt'n Toru fing auf einmal laut an zu lachen. „Krahahaha! Jetzt versteh' ich!", rief er kaum überhörbar. Gehässig grinste er erst Mizuumi und dann Law an. „So ist das also. Du bist wohl ein Mitglied seiner Crew, was? Krahahaha! Und jetzt da Du ihn verraten hast, kommt er angelaufen wie ein wehleidiges Hündchen!"

Seine Mannschaft stimmte in sein Gelächter ein.

Mizuumi hingegen, fand nichts an der Situation zum Lachen. Denn Law hatte immer noch diesen ernsten Gesichtsausdruck und zum ersten Mal seit sie sich begegnet waren, hatte Mizuumi Angst vor diesem Mann. Sie hatte beinahe vergessen, dass er nicht umsonst Chirurg des Todes genannt wurde.

„Mizuumi. Was machst Du hier?" Laws Stimme war eisig und kalt. So scharf wie die Klinge die er in Händen hielt.

Bevor Mizuumi auch nur die Zeit hatte, sich zu rechtfertigen, etwas zu sagen oder sich irgendwie zur Wehr zu setzten, schnitt der Lockenschopf ihr das Wort ab.

„Das siehst Du doch, oder? Dieses Mädchen gehört jetzt zu uns." Käpt'n Torus Grinsen war breit und glich beinahe einem Wahnsinnigen.

„W-was?!", entkam es Penguin gleichzeitig mit Mizuumi.

Die Stille war erdrückend. Die Piraten, die noch nüchtern waren zogen ihre Waffen und begaben sich in Kampfstellung. Nur der Kapitän und Takeru blieben auf ihren Plätzen sitzen und beobachten das Treiben belustigt.

„Ich verstehe.", meinte Law und hob seine Hand.

Die feindlichen Piraten dachten er würde sein Schwert ziehen, doch stattdessen packte er sich an seinen Hut und zog ihn weiter in sein Gesicht, sodass seine Augen vollkommen in der Dunkelheit verschwanden.

Danach ging alles ganz schnell. Kaum hatten die Feinde einen Muskel bewegt, da griffen die Heart-Piraten auch schon an. Im Nu hatten sie die Feinde geschlagen und ein paar mehr Widerspenstige aneinander gefesselt. Und das obwohl sie in der Unterzahl waren.

Käpt'n Toru wurde wütend. Vollkommen rot im Gesicht richtete er sich zu seiner vollen Größe auf und starrte die Heart-Piraten mit zusammen gekniffenen Augen an. „Takeru!", rief er zu seinem ersten Maat.

Dieser verstand sofort und erhob sich ebenfalls. Er nahm eine Kampfposition ein und sah seine Feinde auffordernd an. Mizuumi wollte schon zum eingehüllten Schwert greifen, doch überlegte es sich anders. Sie wollte schließlich nicht, dass es frühzeitig zu Schaden kam.

Bevor sie noch etwas anderes tun konnte griff Shachi Käpt'n Toru an. Darauf folgte eine Kurzschlussreaktion. Nein!, rief das Mädchen in Gedanken. Ich weiß immer noch nicht wo sich das Buch befindet!

Schneller als sie es je zuvor für möglich gehalten hätte sprang Mizuumi auf und stellte sich vor den blonden Mann. Irgendwie konnte sie Shachis Tritt abhalten und so einen Angriff auf den Kapitän verhindern. Doch Mizuumi wusste, dass sie dies nicht ihren Fähigkeiten zu verdanken hatte, sondern der Tatsache das Shachi nicht nur gezögert hatte sobald er sie erblickte, sondern sogar versucht hatte den Tritt zu verlangsamen.

„Mizuumi.", sagte er fassungslos und sah sie unsicher an.

„Sorry, Shachi.", entgegnete sie leise, sodass nur er sie hören konnte. Dann hob sie ihre Hand, konzentrierte sich und ließ einen kleinen Wasserball in ihrer Hand erscheinen. Diesen drückte sie Shachi gegen die Brust und dieser flog ein paar Meter keuchend zurück.

„Shachi!", rief Penguin und stellte sich an seine Seite.

Der Kapitän lachte. Siegessicher zog er einen großen Degen und griff ohne lange zu überlegen den schweigenden Law an.

Und dann begann das Kämpfen. Law gegen den aufbrausenden Käpt'n Toru, Bepo gegen den ersten Maat Takeru und Mizuumi gegen Shachi und Penguin. Die anderen der Heart-Piraten standen zurück und beobachteten das Spektakel aufmerksam – bereit jeden Moment einzugreifen, wenn die Situation es forderte.

Mizuumi wusste nicht wie sie noch aus dieser Situation rauskommen sollte. Wenn sie ehrlich mit sich selbst war, hätte sie sich am liebsten umgebracht. Wie konnte sie auch erwarten, dass solch eine Aktion keine Folgen haben würde? Jemanden zu leugnen war wie Verrat. Law und die anderen dachten wohl ernsthaft, dass sie sie verraten hatte. Wäre es nicht so ernst gewesen, hätte Mizuumi das alles noch äußerst kindisch gefunden.

Aber wen machte sie etwas vor. Sie hatte nie wirklich viele Freunde gehabt und es waren auch nicht die Art von Freunden gewesen, für die man bereit gewesen wäre sein Leben aufs Spiel zu setzen. So eine Loyalität kannte sie doch gar nicht.

Diese Welt setzte Loyalität und Freundschaft über alles andere. Verrat war eine große Sache, die mit dem Tod bestraft wurde. Sie war hier nicht im einundzwanzigsten Jahrhundert. Kameradschaft hatte hier mehr Bedeutung – es war nicht nur eine Sache von zwei drei Jahren gemeinsam eine Schule besuchen oder zusammen im Berufsleben zu arbeiten – es war eine Sache von Jahrzehnten.

„Mizuumi."

Gewaltsam wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Penguin und Shachi standen vor ihr und sahen sie einfach nur an. Es war Penguin der ihren Namen gesagt hatte und dessen Augen sie unter dem Schirm seiner Mütze nicht lesen konnte.

„Was auch immer das hier zu bedeuten hat", fuhr er fort. „ich hoffe Du weißt was Du da tust."

Mizuumi hatte das Gefühl ein Einfaches es-ist-nicht-so-wie-es-aussieht hätte nicht ausgenügt um die Situation erklären zu können – also lächelte sie nur sanft. „Das tue ich Penguin. Es ist mir sehr wichtig."

Dabei verriet sie nicht, was ihr so wichtig war. Sie hoffte nur, die beiden würden sie verstehen.

Und ihr verzeihen.

Penguin und Shachi waren wirklich gute Kämpfer. Mizuumi, mit ihrem geringen Wissen über Kung-Fu dass ihr die Jungs beigebracht hatten und das wenige Fischmenschen-Karate das sie von Kuroobi gelernt hatte, reichten gerade so aus, dass sie sich eine gewisse Zeit lang gar nicht mal so dumm anstellte.

Dies bemerkte auch Bepo der, obwohl er selbst einen äußerst guten Gegner hatte, immer ein Auge auf Mizuumi warf. Er wusste, irgendwas stimmte hier nicht. Was für einen Sinn hatte es sie zu verraten? Nach allem was Mizuumi mit ihnen durchgemacht hatte, glaubte der Eisbär nicht, dass sie den Heart-Piraten den Rücken zu wenden würde. Bedauerlicherweise, hatte er in den letzten paar Tagen, in welchen er Mizuumi beim Schwert schmieden Gesellschaft geleistet hatte, nicht viele Worte mit ihr ausgetauscht. Ein paar mal hatte sie über ihren Lehrmeister gesprochen – doch das war es dann auch. Bepo hatte immer noch keine Ahnung woher sie kam, oder wer sie wirklich war.

Es dauerte nicht lange, da hatte Bepo Takeru soweit in die Enge getrieben, dass dieser genervt mit den Zähnen knirschte. Der junge Mann zog einen drei geteilten Stock, der an seinem Gürtel befestigt gewesen war, steckte ihn zusammen und drehte ihn mehrere Male mit dem Handgelenk.

„Jetzt bist Du fällig.", sagte er und griff an.

Bepo sprang zurück, ging in die Hocke und traf Takeru mit einem heftigen Tritt in den Magen. „AYE!", rief Bepo dabei und trat ihn noch einmal in den Rücken, sodass sein Gegner gezwungen war in die Knie zu gehen.

Bepo wollte bereits erneut zum Schlag ausholen, da fiel ihm etwas ins Auge. Neben ihn landete ein in Stücke zerteiltes Schwert; schnell suchte sein Blick seinen Käpt'n.

Law stand vollkommen ruhig da; ihm gegenüber der lachende Käpt'n Toru. Die rechte Hand des Chirurg des Todes blutete, doch es schien ihm nichts auszumachen. Wohl weil Käpt'n Torus Schwert ebenfalls in Trümmern neben ihm lag.

„Wie es aussieht, steht es Gleichstand.", konnte Bepo Law belustigt sagen hören.

Doch Käpt'n Toru lachte immer noch. „Wohl kaum, Jüngling!" Sein Blick fiel auf ein längliches Packet hinter ihm, welches an einer der Kisten angelehnt war.

Bepo erkannte es sofort. Abwesend stellte er einen Fuß auf Takeru, sodass dieser nicht mehr aufstehen konnte, während er weiterhin das Geschehen beobachtete.

Käpt'n Toru hatte das Packet an sich genommen und betrachtete es nun interessiert. „OI, Mädchen!", rief er zu Mizuumi. „Für wen ist dieses Packet?"

Bepo hatte das Gefühl, dass der Kapitän ganz genau wusste, um was es sich bei dem eingewickelten Packet handelt und nur eine Bestätigung von der jungen Frau verlangte.

Eben diese, war immer noch in einen Kampf mit Penguin und Shachi verwickelt, denn sie zu verlieren schien. Der Eisbär stellte verwirrt fest, das die beiden Männer von oben bis unten nass waren, und das obwohl sich nirgendwo eine Wasserquelle befand.

Auf die Frage des blonden Mannes hin, antwortete Mizuumi nur abwesend: „Es ist für meinen Käpt'n."

Also. Du weißt ja, dass Law sein Katana verloren hat. Daher habe ich mir gedacht… nun ja. Du weißt… ich bin ja eigentlich eine Schwertschmiedin, daher wollte ich… ihm ein neues Schwert schmieden. Eins das besser ist als all seine Vorgänger und das er auch nicht so einfach verlieren wird… wenn er weiß was gut für ihn ist."

Bepo blinzelte mehrere male, als er anfing zu begreifen.

Das ist ein Nodachi. Ich weiß zwar nicht ob es funktioniert, aber ich hoffe, dass es Laws Kräfte etwas unterstützt. Du weißt. Vielleicht eine weitere Reichweite oder so."

Was auch immer hier los war….

Wann gibst Du es ihm?"

Mizuumi blinzelte und blickte Bepo dann verlegen an. „Ich… weiß nicht. Vielleicht später…?"

… Mizuumi hatte sie auf keinen Fall verraten. Denn dieses Schwert, war einzig und alleine für Law bestimmt.

Bepo grinste fröhlich. Doch als er sah, dass der feindliche Kapitän dabei war, das Tuch abzubinden, reagierte er sofort. Er ließ den mittlerweile bewusstlosen Takeru auf dem Boden liegen und lief auf die kämpfenden Mizuumi, Shachi und Penguin zu.


„Argh!" Penguin wich zurück, als ihn erneut ein Schwall Wasser im Gesicht traf. „Was zum-!?"

Mizuumi verkniff sich ein Lachen. Es kam ihr so vor, als würde sie mit den beiden Männern eine Wasserschlacht führen, anstatt ernsthaft zu versuchen sie zu verletzten. Shachi hatte sie bereits von oben bis unten in Wasser getaucht – sie konnte ihn laut fluchen hören, als seine Kleidung immer schwerer wurde.

„Gott verdammt, Mizuumi! Wie machst Du das!?", rief Penguin genervt und schüttelte seine Arme.

Jetzt musste Mizuumi schmunzeln. „Nun ja… weißt Du… ich hab keine Ahnung…."

Penguin schüttelte sich noch einmal, dann holte er zum erneuten Tritt aus. Doch bevor er auch nur in Mizuumis Nähe kommen konnte, stand plötzlich Bepo vor ihnen und packte Penguin am Bein. Dieser geriet aus dem Gleichgewicht – mit einem Bein in der Höhe und dem anderen kaum den Boden berührend, wunderte es Mizuumi nicht – und fiel in den Dreck.

„Was soll das Bepo!?", rief er und auch Shachi hinter ihm blickte den ersten Maat verwirrt an.

Sie erwarteten, dass dieser sich entschuldigte, doch stattdessen wandte er sich nur zu Mizuumi um und zeigte auf Käpt'n Toru. „Er hat vor das Schwert zu benutzen."

Es brauchte einige Sekunden, bevor Mizuumi begriff was Bepo ihr gerade gesagt hatte. Wer hat vor das Schwert zu benutzen? Ihr Blick ging zu Law und Käpt'n Toru. Dort entdeckte sie das eingewickelte Schwert in den Händen des Blonden und auch wie dieser gerade dabei war es zu öffnen.

Vollkommen wütend darüber, wie es ein einfacher Mann wie es Käpt'n Toru war es wagen konnte, eines ihrer Kreationen anzufassen – das nicht einmal für diesen bestimmt war – rannte sie auf ihn zu.

„Du elender BASTARD!", rief sie aufgebracht und verpasste dem blonden einen heftigen Kinnhaken.

Völlig überrumpelt von der Tatsache das er es nicht erwartet hatte, bekam Käpt'n Toru die volle Power des Schlages ab und fiel zu Boden. Blut floss ihm aus der Nase und das Kinn hinab. Mal wieder hatte Mizuumi jemanden die Nase gebrochen.

Während Mizuumi fluchend das Paket vom Boden hob, stand Law nur da und starrte sie mit offenem Mund an. Was zum…?! , ging es ihm durch den Kopf. Sichtlich verwirrt beobachtete er Mizuumi, wie sie auf den gefallenen Piraten zu ging, ihm am Kragen packte und anbrüllte.

„Wer hat dir erlaubt anzufassen, was nicht dir gehört, HUH?!" Rasend schüttelte sie den armen Mann. „Und wenn wir schon mal dabei sind, kannst Du mir ja ENDLICH sagen, wo ich das Buch finde!" Als Käpt'n Toru etwas unverständliches nuschelte, schüttelte sie ihn erneut. „Was war das!?"

„Auf den… In-Inseln über dem Wi-Winde.", keuchte der Pirat und fiel mit einem Schmerzensschrei zu Boden als Mizuumi ihn losließ.

Law bemerkte wie er immer noch die Hand in einer Kampfhaltung gehoben hatte und lockerte schnell – und leicht verlegen – seinen Arm. Der Hauch von rot auf seinen Wangen blieb glücklicherweise unbemerkt, da alle Aufmerksamkeit nun auf Mizuumi lag.

Bepo war der erste der zu dem Mädchen ging. Sie hatte noch Zeit verwirrt zu ihm aufzusehen, bevor er sie in eine kräftige Bärenumarmung schloss.

„Ich bin ja so froh!", rief er und lachte laut. Als er merkte wie Mizuumi verzweifelt hin und her zappelte ließ er sie schnell los. „Ah. Entschuldigung."

Mizuumi schnappte nach Luft, grinste aber. „Schon okay, Bepo. Danke für die Warnung." Sie zeigte erklärend auf das längliche Packet.

„So…. Was hat das jetzt zu bedeuten?", fragte Penguin der sich zusammen mit Shachi unsicher neben Bepo stellte.

Shachi trat nervös von einem Bein aufs andere, während Oberchefkoch Lee, sowie Beck und die anderen Heart-Piraten sich langsam zu ihnen gesellten. Die leicht angespannte Stimmung wurde je unterbrochen, als Law näher trat. „Mizuumi. Ich denke Du bist mir eine Erklärung schuld-."

„Ah!", unterbrach ihn die Schwertschmiedin grob und hielt ihm das eingewickelte Packet hin. Eine leichte Röte umgab ihre Wangen als sie zu Boden sah. „Das ist für dich."

Doch Law knirschte mit den Zähnen und wollte das Packet wütend zur Seite schieben, da mischte sich Bepo plötzlich ein.

„Käpt'n. Nimm es bitte. Es erklärt alles.", sagte er und konnte sich ein grinsen nicht verkneifen. Das war zwar nicht wie er sich die Übergabe vorgestellt hatte, aber dennoch freute er sich schon auf Laws Gesichtsausdruck.

Murrend nahm Law das Packet an sich und wickelte das Tuch ab. Was zum Vorschein kam, ließen nicht nur seine Augen größer werden, sondern auch die der anderen Heart-Piraten. Es war ein wunderschönes längliches Schwert. Ein Nodachi, wenn Law sich nicht irrte. Der Schwertgriff, war eingehüllt in ein lila farbiges Band. Die Tsuba – das Stichblatt – war mit einem pelzigen Rand umgeben, welches es größer erscheinen ließ und mehr Schutz bot. Um die leicht dunkel grünlich schimmernde Saya (Schwertscheide), die mit mehreren weißen Kreuzen verziert war, war ein langes rötliches Band gebunden.

„Woher…." Law wollte fragen woher sie dieses Schwert hatte – schließen waren sie lange nicht mehr an Land gewesen und er konnte kaum glauben dass sie es sich auf dieser Insel gekauft hatte – doch die Worte wollten einfach nicht über seine Lippen.

„Ich habe es gemacht.", verkündete Mizuumi und verschränkte die Arme vor der Brust. „Und ich will, dass Du nicht einmal daran denkst es zu verlieren oder kaputt zu machen! Ich habe sehr viel Zeit darin investiert! Und das ohne eine richtige Schmiede und knappen Material!"

Ungläubig sah Law das Mädchen vor sich an. Er hob eine Augenbraue und sprach aus, was alle außer Bepo dachten. „Du bist eine Schwertschmiedin?"

Mizuumi nickte.

„Sie hat die letzten Tage mit der Herstellung verbracht.", warf Bepo ein und grinste. „Deshalb kann Mizuumi uns gar nicht verraten haben! Ne, Mizuumi?"

Es wurde still, als sich alle wieder der eigentlichen Situation bewusst wurden, in der sie sich befanden. Auch Law hatte wieder einen ernsten Ausdruck in den Augen und starrte Löcher in Mizuumi.

Diese seufzte laut und entgegnete: „Ihr habt also tatsächlich gedacht, ich hätte euch verraten?"

„Das hast Du nicht?", war Shachis sofortige Antwort und blickte sie forschend an.

„Natürlich nicht!", schnaubte sie. „Die Kerle hatten nur Informationen über etwas, das ich bereits einige Zeit lang suche. Das ist alles. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet…. Warum bist Du mir überhaupt gefolgt, Shachi?" Misstrauisch sah sie den jungen Arzthelfer an.

„Ah, das!" Verlegen rieb sich dieser am Hinterkopf. „Naja… weißt Du… es war ein Befehl…."

Mizuumis rechtes Auge zuckte. „So…. Ihr vertraut mir also nicht?"

„Zu Recht.", sagte Law und es wurde wieder still. „Wie war das, Mizuumi? Du wirst mir und meiner Crew treu bleiben und sie nicht für dein Ziel verraten?"

Sie zuckte zusammen, als sie sich an das unausgesprochene Versprechen erinnerte. Sie senkte den Kopf und ein Schatten fiel ihr über die Augen. „Das hier… ist eine Sache die nur mich was angeht…. Doch wenn Du willst werde ich es noch einmal sagen: Ich werde weder dich noch die Crew verraten."

„…welches ist es?", fragte er daraufhin nur.

Die versammelten Heart-Piraten standen verwirrt um die beiden herum und verstanden kein Wort von dem, was ihr Kapitän und neustes Mitglied besprachen. Das einzige was sie bemerkten waren die ernsten Gesichtszüge und die angespannten Haltungen der Beiden, als sie sich über eine anscheinend wichtige Sache unterhielten.

„Was meinst Du…?", erwiderte Mizuumi verwirrt und wagte für einen kurzen Augenblick Law anzusehen.

„Ist es die Sache, bei der Du mich um Hilfe gebeten hast? Dein Traum oder dein Ziel, das Du alleine nicht erreichen kannst?"

Es war seltsam wie schnell die Nacht vorbei war. Das matte Licht der aufgehenden Sonne erhellte Laws Gesicht und gab seiner Aussage umso mehr Bedeutung. Als ob das aufgehen der Sonne auch ein neues Kapitel ankündigen würde.

Und so antwortete Mizuumi mit Ehrlichkeit. „Es ist mein Ziel, das ich alleine nicht erreichen kann und bei welchen ich um deine Hilfe bat."

„Dann versuch es verdammt nochmal auch nicht alleine!", brüllte Law plötzlich und alle Anwesenden zuckten zusammen. Wütend ballte sich Laws Hand um sein neues Schwert und aus zusammen gekniffenen Augen funkelte er die junge Frau vor sich an. „Wozu hast Du mich als deinen Käpt'n akzeptiert, wenn Du mir nicht einmal vertraust? Ich sagte ich helfe dir, also tue ich das auch."

Anschuldigend musterte er Mizuumi. Law hatte seine Entscheidung gefällt – ganz egal was sie von nun an anstellen würde; so einfach würde er sie nicht entkommen lassen. Ob es Verrat war oder sie nicht länger von nützen zu sein schien; sie würde seine Crew nicht verlassen.

„Das nächste Mal, sollte sich dir eine Chance bieten, deinem Ziel einen Schritt näher zu kommen, dann hast Du dich als aller erstes an mich zu wenden. Hast Du verstanden, Mizuumi?"

„Aye, Käpt'n.", erwiderte Mizuumi und trotz ihrer kleinlauten Stimme, lächelte sie sanft.

War es falsch sich so gut zu fühlen, obwohl ihr gerade eine Standpauke gehalten wurde?


„Wie bitte?! Ich soll bitte was tun!?"

Laut schallte das Geschrei des einzigen weiblichen Mitgliedes der Heart-Piratenbande durch die Gänge des U-Bootes. Penguin zuckte zusammen und ließ seinen Löffel zurück in die Schüssel fallen.

Bereits seit einigen Stunden waren sie wieder zurück auf ihrem Schiff und die meisten Crewmitglieder saßen zusammen in der Kombüse um zu Abend zu essen. Oder wie Lee meinte: zu Frühstück. Schließlich war es bereits hell draußen und beinahe keiner der Crewmitglieder hatte sich bis jetzt schlafen gelegt. Sie wussten zwar, dass sie den Schlaf für ihre morgige Abreise gebrauchen würden, waren aber viel zu aufgeregt als dass sie sich einfach gemütlich ins Bett hätten legen können.

Die Inselbewohner der Kokosinsel, hatten fälschlicherweise angenommen, dass die Heart-Piraten sie gerettet hatten. So wurden sie von den Inselbewohnern gefeiert und mit ausreichend Proviant für mehrere Monate ausgestattet, die Law und die Männer ohne zu zögern annahmen. Auch einige ihrer heißgeliebten roten Kokosnüsse gaben die Bewohner an die Piraten ab. Das Blue-Moon-Festival konnte dank ihrer Hilfe stattfinden und alle waren glücklich.

Doch während die meisten in der Kombüse dieser Meinung waren, befanden sich zwei der Piraten im Krankenzimmer des Schiffes – aus dem vor wenigen Sekunden der laute Schrei gekommen war – die dies wenig interessierte.

„Du hast mich schon richtig verstanden, Mizuumi.", meinte Law schmunzelnd und zog sich ein paar Gummihandschuhe an.

Der Schiffsarzt saß auf einen kleinen grünen Drehstuhl, welcher neben einen der Betten stand. Auf dieses Bett hatte sich Mizuumi gesetzt, die jedoch so aussah als würde sie jeden Moment aufspringen und das Weite suchen.

„Aber….", versuchte sie zu argumentieren. „…warum muss ich das machen?"

Law seufzte und nahm eine Handgroße Maschine von einem kleinen Arbeitstisch, der zu seiner rechten stand. „Du hast Glück, Mizuumi, das die ganze Sache nur eine kleine Angelegenheit war, die wir schnell und mit Leichtigkeit lösen konnten. Doch trotzdem" Er blickte sie warnend an. „will ich nur auf Nummer sicher gehen, dass Du verstanden hast welcher Piratenbande Du angehörst."

Mizuumi schluckte und betrachtete dabei nervös das Werkzeug in Laws Händen.

„Los. Ärmel hoch.", befahl Law.

Widerwillig, aber dennoch nicht vollkommen sträubend, krempelte sie sich den Ärmel hoch und hielt dem Chirurg ihren linken Arm hin.

Es dauerte nicht lange da legte Law die Maschine wieder beiseite und betrachtete zufrieden sein Kunstwerk. Mizuumis linker Oberarm, wies nun in schwarzer Tinte den Jolly Roger der Heart-Piraten auf. Sein Zeichen.

Obwohl sich Mizuumi anfangs so gesträubt hatte, so war sie auch ein wenig stolz. Nun hatte sie einen Beweis für ihre Zugehörig zu den Heart-Piraten. Und auch wenn sie es eines Tages schaffen sollte nach Hause zurück zu kehren, so würde ihr immer dieses Zeichen als eine Erinnerung bleiben.

„Deine Uniform liegt übrigens bereits in deiner Kajüte.", sagte Law und legte eine Unschuldsmiene auf.

„B-bitte was?!"


Disclaimer: Don't own One Piece. Mir gehören lediglich meine OCs! Und die Namen von Orten oder Städten oder Inseln oder allem anderen welches Du nicht erkennst oder anderweitig gesehen hast.

OMG. Ich hab es geschafft. Nach so vielen Monaten hab ich es endlich geschafft das Kapitel fertig zu schreiben. Hatte ja die ersten 1.000 Wörter bereits nach Fertigstellung des letzten Kapitels, aber hab es dann einfach „liegen" gelassen. Mit viel Liebe und Anstrengung hab ich dieses Kapitel in der letzten Woche zu Ende geschrieben. Und verdammt ist es lang. Über 11.000 Wörter! Mein bisher längstes.

Aber jetzt mal zu ein paar wichtigeren Dingen:

RyukaIch hätte dir SO gerne früher geantwortet, aber da Du als Gast geschrieben hast, konnte ich es halt nicht! Was ich eigentlich sagen will: DANKE! XD Danke für die tolle Review und die aufmunternden Worte. Es hat mich so gefreut einen solch ausführlichen Kommentar zu lesen! Sowas gibt mir schließlich mehr Einblick darin, ob ich Fehler mache oder etwas verändern sollte.

So und jetzt um auf ein paar deiner angesprochenen Dinge zu antworten:

das einzige was mich ein bisschen störte war das quasi 'sofortige' interesse Law's in Mizu' - Ich hoffe ich hab dir in diesen Kapitel ein wenig Antwort darauf gegeben. Da ich nicht viel aus seiner Sicht geschrieben habe, sondern mehr ÜBER ihn aus der Sicht von anderen (z.B. Mizuumi, Bepo, Penguin oder Shachi), war es etwas schwer seine Beweggründe zu erklären. Hoffe also das ich hier ein wenig seiner ‚tiefen Gefühle' preisgegeben habe.

Überhaupt hab ich gemerkt, dass ich nie viel über seine Gefühle aus SEINER Sicht geschrieben habe. Wird sich wohl in Zukunft ändern. :D

Ich weiß ja nicht, bis wohin Du den manga kennst und der anime ist noch garnicht soweit…' - Ich gehöre zu denjenigen, die an einem Mittwoch jede halbe Minute auf den Aktualisierung-Button einer Mangaseite klickt, und darauf wartet dass das neuste Kapitel ENDLICH erscheint. \(^.^)/ Also ja – ich kenne den Manga wirklich gut :)

Was meinst Du wohl wie ich mich gefreut habe, als ich herausfand das es TASÄCHLICH eine Canon-Verbindung zwischen Doflamingo und Law gab? Ich war sowas von am auf und abspringen und hoffte das die nächsten Chapter auch mehr über Laws Vergangenheit zeigen würden. Leider muss ich da wohl noch etwas warten. :(

Mit der Sache mit Smoker – da sprichst Du übrigens einen ziemlich verlegenen Punkt von mir an! ^/^ Ich hatte eigentlich gedacht, keiner bemerkt dieses kleine Malheur von mir. Nachdem ich dieses Kapitel geschrieben hatte, und es Tage darauf noch mal durchlas, war es wirklich eine ziemliche OOC Sache. Schließlich HASST Smoker es ja auch in der Schuld von Piraten zu sein – und das so sehr, dass er sich sogar für einen kurzen Zeitraum mit eben diesen verbündet. Wieso sollte ihn also so eine „kleine" Angelegenheit aus der Fassung bringen?

Es freut mich wirklich, dass dir Mizuumi und vor allem ihr Charakter so gefällt (ich bin auch ganz stolz auf sie :D). Ich glaube in diesem Kapitel hat sie es oft genug geschafft Law aus der Fassung zu bringen! Aber wenn das immer noch nicht reicht, schreib mir bitte wie ich es besser anstellen kann! Ich hab zwar Story-weise alles bereits geplant und ausgelegt – hab aber leider keine Ahnung wie ich die Romanze voranschreiten lassen soll. So ein „aus der Fassung bringen" wäre nämlich eine gute Einleitung in eine Romanze. Zumindest meiner Meinung nach.

(Wichtig auch für andere Leser!)

Was Mizuumis Kräfte angeht… keine Sorge, dass alles wird sich noch klären. Auch warum Law überhaupt keine Reaktion zeigt, warum es einige gibt die so reagieren und andere die anders reagieren.

Soviel kann ich aber schon mal verraten: Meine Absicht ist es, die Teufelskräfte und deren Benutzer in Kategorien zu teilen. Es gibt diejenigen die die Teufelskraft nicht aßen um Macht zu erlangen – vielleicht um zu überleben oder um jemand anderen nützlich zu sein oder so was. Das sind diejenigen die das Meer vermissen. Die es vermissen darin schwimmen zu können oder einfach sich in ihrer Freiheit als Seefahrer beraubt fühlen. Sie verlangen nach dem Meer.

Und dann gibt es noch diejenigen, die quasi das „Meer verrieten" um an Macht zu gelangen. Diese Teufelsfruchtnutzer stößt das Meer von sich und untergräbt ihre Kräfte. Sie verlangen nach Macht.

Hoffe das erklärt schon mal ein paar Punkte. Aber Du kannst meinetwegen gerne raten, warum Law nicht auf Mizuumis Kräfte reagiert. ^^

Ein allgemeines Dankeschön an: didine22 und Kathi01412 für die netten Kommentare zum letzten Kapitel! :D

Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen." – Murphys Gesetz

Das Verleugnen
ist eine unscheinbare Variante des Verrats.
Von außen ist nicht zu sehen,
ob einer verleugnet oder nur Diskretion übt,
Rücksicht nimmt,
Peinlichkeiten und Ärger meidet.

Aber der, der sich nicht bekennt, weiß es genau.
Und der Beziehung entzieht das

Verleugnen ebenso den Boden,
wie die spektakuläre Variante des Verrats.
" – in einem Forum entdeckt