Die Hochzeitsnacht

***Severus***

„Soll ich jetzt?", fragte ich Hermine und sie nickte bloß.

Ich hob sie hoch und sie verkrampfte sich kurz, wahrscheinlich hätte sie kurz aufgeschrien, doch sie beherrschte sich gut genug um das nicht vor dem Schulleiter zu tun.

„Dann wünschen wir euch noch eine schöne erste Nacht als frisch verheiratetes Paar und dir Mrs. Snape, eine schöne erste Nacht in deinem neuen Zuhause", sagte Dumbledore.

„Danke", sagte Hermine und ich trug sie in Richtung Tür.

„Wartet noch", hielt uns Prof. McGonagall zurück. „Ich weiß, dass eigentlich alle Schüler in ihren Betten liegen sollten, doch man kann sich nie sicher genug sein."

Sie griff in einen Schrank und holte einen Tarnumhang heraus.

„Er wird nicht besonders lange halten, aber bis zu eurer Wohnung wird es reichen", sagte sie und war den Umhang über uns.

Dumbledore und sie winkten uns noch zum Abschied und schlossen dann die Tür hinter uns.

Schweigend trug ich Hermine durch die Flure. Es war eine ziemlich unangenehme Stille.

„Was ist, wenn uns Mrs. Norris entdeckt?", flüsterte Hermine mir zu.

„Filch weiß davon", antwortete ich knapp und trug sie jetzt die Treppe zu den Kerkern hinunter.

„Ich hätte gar nicht gedacht, dass du so stark bist um mich durch die halbe Schule zu tragen", bemerkte sie, als wir das Ende der Treppe erreicht hatten.

„Das hätte ich auch nicht gedacht, aber anscheinend scheint es zu funktionieren", sagte ich und trug sie schweigend weiter.

Nach ein paar weiteren Minuten hatten wir dann meinen – oder besser gesagt – unseren Wohnbereich erreicht.

Ich öffnete mit meinem Ellenbogen die Tür und trug meine Braut traditionell über die Schwelle in unser „neues" Zuhause.

***Hermine***

„Wow", war das Einzige was ich in diesem Moment herausbekommen konnte, als Severus mich absetzte. Ich wollte gerade weiterlaufen, als ich von meinem Kleid zurückgehalten wurde.

Ich drehte mich um und sah, dass sich ein Teil meines Rockes an Severus Knopf gehangen hatte und mich nicht weitergehen ließ.

„Oh", sagte ich und versuchte mein Kleid von seinem Knopf zu lösen. Dabei steig mir mein Blut in den Kopf, als ich erstens den Rock nicht freibekam und zweitens merkte, dass es ein Bauchknopf war.

„Ich krieg das nicht ab", sagte ich ein wenig verzweifelt zu Severus und auch er probierte es vergeblich mit den Händen.

„Da hilft nur noch abschneiden", meinte er nach ein paar Minuten.

„Nein!", sagte ich entschieden. „Nicht das schöne Kleid!"

„Was sollen wir dann machen?", fragte Severus.

„Warte", sagte ich. „Ich ziehe einfach das Kleid aus."

Severus schien total geschockt zu sein, durch das was ich gerade gesagt hatte, dass ihm der Mund offen stehen blieb. Ein Gesichtsausdruck, den ich ihm nie zugetraut hätte. Ich ignorierte das tapfer und zog das Kleid aus, bis ich nur noch im Korsett und Unterröcken vor ihm stand.

Er schien erleichtert zu sein.

„Was hättest du denn gedacht?", fragte ich ihn verwundert, doch eigentlich erwartete ich keine Antwort.

So standen wir dann ein paar Minuten, bis ich das Schweigen einfach nicht mehr aushielt.

„Willst du mir nicht die Wohnung zeigen?"

„Oh…natürlich", sagte er und lief nach links in einen großen Raum mit Kamin, Sofa, Sesseln, Bücherregalen und … sogar Fenstern!

„Es gibt in den Kerkern Fenster?", fragte ich verwundert.

„Ja. Vielleicht kennst du die magischen Fenster im Zaubereiministerium?", fragte er.

Ich nickte.

„Das sind auch so welche, bloß das diese hier dir wirklich das echte Wetter zeigen, dass heißt, wenn es draußen dunkel ist, zeigt dir das das Fenster auch oder wenn es regnet siehst du das auch."

„Cool", sagte ich und zog den Vorhang von einem Fenster zurück.

„Das zeigt ja die Peitschende Weide!"

„Ja, das Fenster steht in der Richtung zur Peitschenden Weide", antwortete er.

„Und welcher Raum ist das hier? Das Wohnzimmer oder?", fragte ich, als ich mich vom Fenster wieder weggedreht hatte.

„Ja", sagte er. „Hier halte ich mich am liebsten auf."

Ich nickte. Severus führte mich durch eine Tür, die ich vorher gar nicht wahrgenommen hatte in einen kleinen Raum, der – ich staunte – nur aus Bücherregalen voller Bücher bestand.

„Meine kleine Bibliothek", sagte er stolz.

Begeistert strich ich über die Bücher.

„Hermine! Bitte lass die Finger davon! Sie sind sehr wertvoll und ich möchte nicht dass sie kaputtgehen!"

„Aber so etwas würde ich doch nie…", widersprach ich.

„Lass sie einfach in Ruhe und betrete, wenn es geht, diesen Raum nicht", sagte er barsch und drehte sich um, um mir den nächsten Raum zu zeigen.

***Severus***

Ich führte sie durchs Wohnzimmer wieder in den kleinen Eingangsraum und von dort in den Raum, in dem ich gerne Zaubertränke braute.

„Und hier sind wir bei meinen Zaubertränken und ihren Zutaten", sagte ich. „Es wäre auch schön, wenn du hier alles so lassen würdest, wie es ist."

Sie nickte niedergeschlagen und folgte mir in mein Schlafzimmer. Na ja, jetzt war es ja nicht mehr mein Schlafzimmer sondern eher unser Schlafzimmer…

Hermines Atem stockte, als sie den „wunderschönen" Frisiertisch erkannte. Er passte, wie meine anderen Möbel perfekt in den Raum, doch ich konnte einfach nicht verstehen, warum meine Frau unbedingt einen Frisiertisch brauchte und warum Albus darauf bestanden hatte, dass sie einen bekam.

„Und das hier ist das Schlafzimmer", sagte ich und hätte mir diesen Satz auch verkneifen können, da es so was von klar war, dass es auch ein Blinder gewusst hätte.

Doch Hermine schien sich weniger für den Frisiertisch an sich zu interessieren, sondern eher für das Packet, dass darauf stand.

Komisch… vorhin war mir das noch gar nicht aufgefallen.

„Was ist denn da drin?", fragte ich skeptisch.

„Oh…", sie wurde rot. „D-Das ist nur…äh, du weißt doch bestimmt was da drinnen ist?"

Ich war verwirrt.

„Nein", sagte ich und sie blickte beschämt zu Boden.

„Hochzeitsnacht", gab sie mir als kleinen Tipp.

Ich war immer noch verwirrt, doch plötzlich ging mir ein Licht auf.

‚Oh nein! Nein!', dachte ich. ‚Das kann der Dunkle Lord doch nicht wirklich jetzt von uns verlangen?'

„Und das hier ist dein Kleiderschrank", versuchte ich vom Thema abzulenken.

Ich wieß auf eine hübsch geschwungene Tür, die in einen begehbaren Kleiderschrank führte, der nur zu einem viertel mit Hermines wenigen Anziehsachen gefüllt war.

„Ich habe einen begehbaren Kleiderschrank?", fragte sie verwundert und erstaunt zugleich.

„Natürlich", antwortete ich, als wäre es das normalste der Welt.

Sie betrachtete noch ein paar weitere Minuten den Schrank und dann führte ich sie durch eine kleine Tür ins Badezimmer.

Es war groß und bestand aus einer großen Badewanne, die (wie mir erst damals auffiel) groß genug für zwei Personen war, aus zwei Waschbecken, einer Toilette und noch weiteren Badezimmersachen.

„Schön", sagte sie und dann gingen wir wieder zurück in den „Eingangsbereich" unserer Wohnung.

„Und wohin führt diese Tür?", fragte Hermine und machte sie einfach auf.

Sie blieb wie angewurzelt in dem leeren Zimmer stehen und fragte verwundert wofür dieser Raum den wohl sei.

„Der Raum… nun ja… der ist für unseren… Sohn", sagte ich.

„Oh…", sie trat schnell aus dem Raum heraus und schloss die Tür.

„Was sollen wie jetzt machen?", fragte sie und lief ohne auf meine Antwort zu warten ins Wohnzimmer und setzte sich in einen Sessel.

Ich setzte mich auch und so saßen wir dann ein paar Minuten und lauschten dem Ticken der großen Standuhr.

„Jetzt sind wir also verheiratet", sagte ich und musste zugeben, dass es mir so ganz allein mit Miss Gran… äh Mrs. Snape unwohl war. Was sollte ich sagen? Wie sollte ich mich verhalten?

„Ja", sagte sie genauso gesprächig wie ich.

„Hättest du das eigentlich jemals gedacht?", fragte ich sie.

„Nein."

Wir schwiegen wieder, doch ich wollte irgendwas sagen oder machen.

„Ich hole uns einen Wein", sagte ich und ging zur „Bar".

***Hermine***

Er kramte ein wenig in einem Schrank herum, der wie eine Anrichte aussah und kam dann mit zwei schönen Weingläsern und einer Flasche Rotwein zurück.

Er stellte sie auf den Tisch und schenkte uns beiden ein Glas ein.

„Eigentlich ist mir gar nicht nach trinken zumute", sagte ich.

„Mir eigentlich auch nicht", sagte Severus und reichte mir mein Glas rüber.

Ich nahm das Glas in die Hand und schwor mir nicht zu viel von diesem Zeug zu trinken.

„Auf uns", sagte Severus und wir stießen unsere Gläser aneinander und leerten sie in einem Zug aus.

Ich verzog das Gesicht. Der Wein schmeckte echt bitter. Noch ein Glas würde ich bestimmt nicht hinunter bekommen.

„Wie fandest du eigentlich die Hochzeitstorte?", fragte ich Severus.

„Ganz gut. Sie sah sehr schön aus, so zur hälfte aus dunkler Schokolade und zur hälfte aus weißer Schokolade. Es ist nur sehr schade, dass ich nur ein Stück abbekommen habe", sagte er und verzog das Gesicht ein wenig.

Ich lachte. ‚Warum lache ich eigentlich?', fragte ich mich.

„Ich habe noch zwei Stücke abbekommen", sagte ich.

„Die Gäste waren echt gierig", sagte er.

„Die Torte war aber auch unbeschreiblich lecker!"

„Ja, das war sie…", sagt er. „Willst du noch ein Glas?"

Ich wollte eigentlich keins, doch ich wollte nicht unhöflich sein und außerdem brauchte ich irgendwas, das ich in den Händen halten konnte.

„Besonders Lucius war sehr von der Torte begeistert", sagte er und reichte mir mein Glas.

Ich lachte wieder und stürzte das zweite Glas in einem Zug hinunter. Es schmeckte gar nicht mehr so bitter…

„Meine Eltern waren gar nicht bei der Trauung dabei", bemerkte ich traurig.

„Wahrscheinlich dachten sie, dass sich so eine weite Reise für ein Mädchen, dass sie gar nicht kennen nicht lohnt", sagte er nicht besonders feinfühlig.

Ich drehte an meinem Ehering. Er war aus Gold und hatte einen großen Smaragd.

Er war genauso schön, wie mein Verlobungsring, nur dass der Smaragd noch größer war.

Ich nahm ihn ab und sah mir seine Innenseite an. Dort stand wieder etwas eingraviert. HERMINE & SEVERUS IN PERPETUUM.

„Was heißt das?", fragte ich Severus.

In perpetuum heißt für immer", sagte er.

„Oh… wie schön", sagte ich und erinnerte mich an meinen Verlobungsring.

„Und was hieß das auf dem Verlobungsring?", fragte ich neugierig.

Plena spei heißt so viel, wie hoffungsvoll", sagte er.

„Aha", sagte ich und drehte den Ring ein wenig in meiner Hand.

‚Ein Smaragd', dachte ich.

„Smaragde sollen doch dem Träger übernatürliche Kräfte verleihen?", fragte ich.

„Ja und sie sollen zur …Fruchtbarkeit verhelfen und das Sehvermögen verbessern. Außerdem wird dem Stein noch hinterher gesagt, dass er Schlaflosigkeit und Depressionen lindert und er soll auch noch die Selbsterkenntnis fördern", erklärte er.

„Wow, du weißt aber viel", sagte ich.

„Willst du noch ein Glas?", fragte er und goss ohne auf meine Antwort zu warten uns beiden noch ein Glas ein.

Ich nahm es mir wieder und nippte ein wenig daran, denn ich fühlte schon seit dem ersten Glas ein drücken auf den Schläfen, dass relativ unangenehm war.

„Auf eine glückliche Ehe", sagte Severus und wir stießen wieder an.

Als ich das dritte Glas gelehrt hatte hörte das Drücken plötzlich auf und ließ einem wunderbaren anderem Gefühl platz.

Nach dem vierten Glas („auf unsere Wohnung") schien der Raum leicht zu schwanken und ich musste einfach jeden Satz mit einem leisen Kichern beantworten.

Severus wollte uns gerade noch ein fünftes Glas einschenken, als er merkte, dass die Flasche schon fast leer war. Trotzdem bekam er immer noch genug Wein heraus, um unsere Gläser noch ein fünftes Mal zu füllen („auf unser Leben"). Später überlegte ich, ob da vielleicht nicht ein wenig Magie im Spiel gewesen war.

„Oh… jetzt ist die Flasche leer", sagte Severus und verzog theatralisch das Gesicht. Anscheinend war er auch nicht weniger betrunken, als ich.

Eigentlich hätte mir das seltsam vorkommen sollen, doch auch ich war schon zu betrunken um noch etwas dagegen tun zu können.

„Ich h-hole uns noch eine Flasche", sagte er und hickste einmal.

„Warte auf misch", sagte ich ein wenig undeutlich, als ich aufstand und der Boden unter mir ganz schön zu schwanken anfing.

Etwas unbeholfen wankte ich ins Schlafzimmer und zog kichernd meine Sachen aus, um mir das seltsame Nachthemd anzuziehen. Ich fand, dass es mir ziemlich gut stand und meine dünne Figur recht gut betonte. Schnell zog ich mir noch dieses „Diadem" aus den Haaren und schwankte zurück in meinen Sessel.

„Hübsches Hemdchen", sagte Severus und ich wurde rot.

Schnell nahm ich mir das sechste Weinglas und sprach diesmal einen Tost auf „unser Glück" aus.

Nach dem siebenten Glas konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen und es wunderte mich auch später nicht mehr, dass ich zwischen dem siebten und achten Glas irgendwann auf Severus Schoß gelandet war.

„Du bischt sooo wunderschön…", nuschelte mir Severus ins Ohr und ich spielte am Kragen seines Hemdes herum.

„Du aber auch", flüsterte ich.

„Oh… Hermine… isch lübe disch", sagte Severus und zog an den Bändern meines Nachthemdes.

„Isch düsch auch", nuschelte ich zurück und dann küssten wir uns.

Auf dem Sessel, dem Sofa, auf dem Weg ins Schlafzimmer und auf dem Bett.

Später wunderte es mich nicht, dass wir beide dort gelandet waren und dass das Eine zum Anderen geführt hatte. Ich war sogar froh darüber und bereute nichts…