Tanja: Danke schön, ich geb mir alle Mühe :)

Elfaire Luvar: Danke danke!

Liderphin: Weiter geht es im Plan ;) Danke für das (wie immer) ausführliche Review!

Kitiara: Joa, leidend ist er doch immer noch am Besten... hihi...


Kapitel 9

... bleiben noch vier

Als Frodo am nächsten Morgen erwachte, fiel ihm zuerst noch nichts auf. Alles schien so, wie es sein sollte, in einem Reich der Elben. Schön, hell, voller Wärme und Licht. Mit einem ausgiebigen Gähnen stand er auf und verließ das Zelt, in dem er geschlafen hatte.

Sam wartete bereits draußen. Er sah nicht ganz so ausgeschlafen und zufrieden aus wie Frodo.

„Fällt dir nichts auf?", fragte er und rührte in seinem Eintopf.

„Nein, wieso?", fragte Frodo zurück und sah ihn erstaunt an. Es war doch alles so, wie es sein sollte.

„Schau dich doch einmal um! Gestern standen hier noch an jeden zweiten Baum Soldaten und alle waren bedrückt. Irgend etwas ist heute Nacht passiert."

„Jetzt wo du es sagst..." Verwundert sah Frodo sich um. Von Soldaten keine Spur mehr. Das verhaltene Lachen einiger Elbenfrauen drang durch die Bäume. „Was ist passiert?"

„Ich weiß nicht. Ich bin nachts einmal kurz aufgewacht und habe Stimmen gehört... aber ich habe mich nicht getraut nachzusehen. Es klang nicht gerade freundlich, um es mal so auszudrücken. Elben waren es auf jeden Fall... was ja nicht weiter verwunderlich ist, wir sind ja in einem Elbenreich."

Wider Willen musste Frodo lächeln. „Allerdings, Sam. Du hast es erfasst."

„Mach dich nicht lustig über mich, Herr Frodo. Ich meine es ernst. Hier ist irgend etwas passiert."

„Das können wir nach dem Frühstück auch noch herausfinden."

„So klingt ein wahrer Hobbit.", gluckste Gandalf und setzte sich zu den beiden. „Ich denke, wir werden unsere Antworten bald bekommen. Lasst uns gleich aufbrechen, zurück in die Stadt, und nachfragen."

Elrond trat neben ihn und blickte in Richtung Stadt. „Seid Ihr Euch sicher, dass Ihr auch Antworten bekommen werdet? Legolas scheint mir nicht auf lange Gespräche aus zu sein. Überhaupt hält er stets für sich, was er denkt."

Gandalf nickte. „Früher war er schweigsam, heute ist er stumm. Aber wir werden Antworten bekommen, früher oder später."

„Nach dem Frühstück."

„Nach dem Frühstück, Samweis."

„Mein Herr..."

„Schick sie herein.", unterbrach Legolas den Elben und starrte weiterhin auf den Plan, der vor ihm auf dem Tisch lag. Er sah nicht einmal auf, als Gandalf mit den Hobbits und den Elbenfürsten eintrat. Gedankenverloren zog er mit den Fingern die Grenzen nach, die auf der Karte verzeichnet waren. Imladris, Lothlórien, Eryn Lasgalen, Ost-Lórien, Ithilien. Eines war wieder in seiner Hand, blieben noch vier.

Kaum war eine Nacht vergangen, und Legolas war bereits kaum wieder zu erkennen, stellte Gandalf fest. Ein graues Gewand ersetzte die zerrissene dunkle Kleidung; sein Haar war zwar immer noch sehr lang, aber sauber und schimmernd, so dass man wieder erahnen konnte, dass Legolas einmal sehr schön gewesen war.

Doch nichts konnte über die Narbe in seinen Gesicht hinweg täuschen. Nichts nahm dem harten Zug um seinen Mund die Schärfe und nichts milderte den kalten Blick seines Auges.

Gandalf wurde klar, dass er bis jetzt immer noch geglaubt hatte, dass er – nach einem ausgiebigen Bad – wieder den alten Legolas vor sich sehen würde, den alten Freund, das zuverlässige Auge und Ohr der Gemeinschaft.

Jetzt drängte sich ihm die Wahrheit auf: Legolas gab es nicht mehr. Irgendwo zwischen seiner Gefangennahme und seiner Flucht war Legolas verschwunden, vielleicht für immer. Doch selbst wenn er jemals zurückkehren sollte, würde es mehr brauchen als eine einzige Nacht.

„Was auch immer heute Nacht geschehen ist, es scheint dir gelungen zu sein.", begann er schließlich.

Legolas nickte. „Ja, das ist es. Ithilien ist wieder mein.", erwiderte er und bemühte sich darum, seiner Stimme den schadenfrohen Unterton zu nehmen. „Allerdings werden die Briefe nach Eryn Lasgalen weiterhin etwas anderes berichten.", fügte er dann hinzu. „Aryon war bereits so freundlich und schrieb Gildin, dass alles in bester Ordnung sei. Was es auch ist. Seine wenigen Gefolgsleute hier befinden sich in sicherem Gewahrsam."

Überrascht über die ausführliche Antwort des Elben nickte Gandalf nur und warf einen Blick auf die Karte. „Die Reiche sind viel größer als früher.", stellte er fest.

„Sie sind wieder so groß, wie sie ganz zu Anfang waren. Bevor sich ihre Bewohner immer weiter zurückzogen, als die Orks kamen.", korrigierte Legolas ihn. Er bemerkte den starren Blick, den Sam auf seine Hand geworfen hatte, oder besser auf den schwarzen Handschuh, und ließ sie rasch hinter seinem Rücken verschwinden. „Aber nun.", begann er wieder und sah die Elben durchdringend an.

„Warum seid ihr hier, Gandalf?", stellte er dann die Frage, die ihn schon so lange beschäftigte.

Der Zauberer seufzte. Diese Frage musste irgendwann kommen. „Um ehrlich zu sein, mein Freund... wir haben gehofft, dass du uns helfen könntest."

Sein Gegenüber zog eine Augenbraue hoch. „Ich euch helfen? Seid wann braucht ihr Hilfe?", kam es leicht spöttisch zurück.

Gandalf überhörte den Tonfall geflissentlich. „Wir sind auf der Suche nach etwas, das sich hier in Mittelerde befindet. Es ist unmöglich, es ohne Hilfe zu finden, denn es ist sehr klein."

„Was ist es?", fragte Legolas. „Und warum braucht ihr es so dringend?"

„Hast du dich nicht gefragt, woher die Nazgûl auf einmal kamen? Es ist nur ein weiteres Zeichen. Ein weiteres Zeichen für eine neue Bedrohung. Für Mittelerde, für Valinor, für uns alle. Saruman hat eine Möglichkeit gefunden, es zu besiegen, bevor er uns verriet. Doch niemand weiß genau, worin diese Möglichkeit besteht. Sicher ist nur, dass wir etwas ganz bestimmtes brauchen, um sie zu finden: einen Schlüssel."

Schweigen folgte seinen Worten. Legolas drehte sich langsam und ging in Richtung eines Fensters. Warme Sonnenstrahlen fielen dadurch in den Saal. Schließlich wandte er sich auf der Stelle um. „Ein Schlüssel also. Ist das wortwörtlich oder übertragen gemeint?"

Gandalf wiegte den Kopf. „Wahrscheinlich letzteres. Aber ich weiß es nicht. Sicher ist nur, dass sich dieser Schlüssel irgendwo hier in Mittelerde befindet. Und dass wir ihn finden müssen. Uns läuft die Zeit davon, Legolas. Weite Teile Valinors sind bereits ein oder mehrere Male angegriffen worden. Es wird bald auch in Mittelerde beginnen. Bis dahin müssen wir diesen Schlüssel gefunden und sein Rätsel gelöst haben."

Stirnrunzelnd sah Legolas in seine Richtung, aber durch ihn hindurch. Innerhalb von Sekundenbruchteilen gingen dem Elben alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Schließlich rief er sich zur Ordnung. Also gut, noch einmal von vorne.

Gandalf brauchte seine Hilfe, um diesen Schlüssel zu finden, mit dem eine Bedrohung für Valinor und Mittelerde abgewendet werden konnte.

Die Elben brauchten seine Hilfe, um sie von Gildin zu befreien, der das Land in den Ruin führte.

Was war wichtiger? Der Schlüssel oder sein Reich? Allerdings, erinnerte er sich, betraf die Bedrohung sowohl Valinor als auch Mittelerde. Das hieß, er musste sich so oder so mit dem Schlüssel auseinander setzen, früher oder später. Doch... er hatte gewartet, so lange auf diese Gelegenheit gewartet und nun sollte er sie einfach wieder verstreichen lassen? Gerade arbeitete er einen Plan aus, gerade begann er wieder zu hoffen, gerade begann er wieder zu leben... leben... am Leben... wäre er heute nicht mehr, wenn es Frodo, Sam und Gandalf nicht gegeben hätte. Gandalf, der immer Rat wusste. Frodo, der die Last des Einen Ringes auf sich genommen und bitter dafür bezahlt hatte. Samweis, der ihm in die Hölle gefolgt war.

Erinnerungen waren ausgelöscht worden, Gefühle daran, aber nicht diese eine. Diese eine Erinnerung an den Ringkrieg. Die wundervollen Freundschaften, die ihm widerfahren waren. Das Leid, das er gesehen hatte. Das sich wiederholen würde, wenn er jetzt nicht handelte.

Schlüssel... Schlüssel... Moment, war da nicht etwas gewesen...?

Gandalf sah seine Chancen mit jeder Sekunde sinken, in der Legolas schwieg. Schließlich richtete sich der Blick des Elben endlich wieder auf ihn.

„Also schön.", sagte er. „Und ich glaube, ich weiß sogar, wo wir zu suchen beginnen müssen."

Wird fortgesetzt...