Teil 9
Sie mussten noch einen Moment vor dem Büro von Arthur Weasley warten, wurden dann aber sofort zu ihm durchgelassen.
Er kam ihnen entgegen und gab jedem die Hand.
"Arthur, wie konnte das geschehen?", fragte Minerva ihn auch gleich ziemlich aufgebracht.
"Ich kann es dir nicht genau sagen, Minerva. Irgendwie ist er an ein Seil gekommen und dann ..." weiter kam er nicht weil Draco da zwischen ging.
"Wie bitte!? Ein Seil? Das muss ihm doch jemand gegeben haben. Sagen Sie mal, wissen Sie denn gar nicht wie Ihre Gefangenen hier behandelt werden? Ich war der Meinung, dass Professor Snape hier unter besonderer Aufsicht steht und das nur geprüfte Auroren hier arbeiten. Sind denn hier nur Schwachmaten in diesem Laden beschäftigt?", schimpfte er nun.
"Mister Malfoy! Ich muss doch wohl bitten!", empörte sich Arthur.
"Er hat recht Arthur, ich dachte auch das Severus viel besser überwacht wird. Was ist hier los? Hast du diesen Verein nicht ihm Griff?", schimpfte Minerva und Draco rief aufgebracht.
"Sie sehen ja wie toll der Lakai von Potter beschützt wird. Nämlich gar nicht. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen. Ich dachte, Sie tun alles dafür das er frei kommt und jetzt so etwas. Ich glaube Professor, hier sind viele nicht der selben Meinung wie Sie. Glauben Sie wirklich, dass alle den Professor frei sehen wollen?", zeterte Draco und betrachtete Minerva wütend.
Minerva wunderte sich über das Muggelsprichwort welches er benutzt hatte, aber stimmte mit ihm vollkommen überein. Auch sie hatte gedacht, das Severus Snape nun gerechter behandelt wurde, da er hier im Ministerium untergebracht war.
Es würde ein hartes Stück Arbeit werden, um Severus frei zu bekommen.
"Mister Malfoy, mäßigen Sie Ihren Ton", grollte Arthur und sein Gesicht nahm eine leichte Röte an.
"Warum sollte ich? Ich habe nur die Wahrheit gesagt. Wo ist der Professor jetzt?", schnarrte Draco arrogant zurück.
"Im St.Mungos. Wir sind nicht die Unmenschen wie Sie von uns denken", fuhr er Draco an und ballte seine Hände zu Fäuste.
"Kann ich ihn dort besuchen? Ich hoffe doch sehr, dass er dort unter persönlichem Schutz des Ministeriums steht. Ich rate Dir Arthur, nur den loyalsten Auror dort zu stationieren und glaube mir, dies alles kommt bei der Verhandlung auf den Tisch."
Schritt Minerva nun ein, bevor Draco und Arthur sich gegenseitig an die Gurgel gingen.
"Ich stelle dir ein Passierschein aus", sagte Arthur schwer um Fassung bemüht.
"Für Mister Malfoy auch. Wir gehen dort zusammen hin", forderte Minerva und Arthurs Blick verriet ihr, dass er sie für vollkommen verrückt hielt. Aber er stellte für beide das Dokument aus und übergab es ihr.
"Danke. Wir treffen uns am Dienstag noch einmal, bevor am Mittwoch die Anhörung beginnt?", fragte sie nach und er nickte nur.
"Gut. Mister Malfoy, kommen Sie. Arthur, schönes Wochenende und meinen Gruß an Molly", verabschiedete sie sich und verließ mit Draco im Schlepptau das Büro.
Draco schimpfte vor sich her, als sie das Ministerium verließen. Er glaubte nicht wirklich daran, dass es der Professorin gelingen würde seinen ehemaligen Hauslehrer frei zu bekommen.
Er zuckte zusammen als Minerva ihn am Arm zurückhielt.
"Mister Malfoy!"
"Ja?"
"Ich kann Sie verstehen, aber es bringt nichts. Ich möchte Sie bitten, nachher alleine zu Severus zu gehen. Ich hege die Hoffnung, dass er vielleicht zur Vernunft kommt, wenn Sie mit ihm sprechen. Severus ist kein leichter Charakter, er vertraut keinem und ich bin ziemlich ratlos. Ich muss unbedingt mit Albus sprechen, er muss mir ein paar Tipps im Umgang mit Severus geben. Würden Sie das für mich tun?", fragte sie und Draco senkte beschämt den Kopf. Er atmete tief durch und nickte langsam mit dem Kopf.
"Ich werde es machen. Bitte, versuchen Sie alles was Sie können. Ich mache alles, damit er frei kommt, alles. Sagen Sie mir was ich tun soll und ich tue es", er sah sie jetzt schon fast flehend aus seinen sturmgrauen Augen an.
Sie legte ihre Hände auf seine Oberarme und drückte sie herzlich.
"Mister Malfoy ...! Ach was, Draco. Bitte nenne mich Minerva, ich versuche mein Möglichstes. Ich bitte dich darum Severus aufzubauen, rede ihm ins Gewissen und wenn es sein muss dann zahle es ihm mit gleicher Münze zurück. Du weißt was ich meine", sagte sie freundlich und zwinkerte ihm zu.
Draco musste grinsen, er wusste genau was sie meinte und es bereitete ihm Freude. Ja, er würde ihm eine Ohrfeige verpassen, wenn es denn sein musste.
"Ich werde mein bestes geben Pro..., Minerva", korrigierte er sich zum Schluss. Obwohl es sich noch ungewohnt anfühlte die Professorin bei ihrem Vornamen anzusprechen.
"Das wollte ich von dir hören. Nun lass uns ins St.-Mungos apparieren, wir haben noch viel Arbeit von uns, sehr viel Arbeit. Severus ist ein harter Brocken", sie reichte ihm einen Arm und zusammen verschwanden sie, um vor dem Zaubererkrankenhaus wieder aufzutauchen.
Severus Snape, war auf der geschlossenen Anstalt und Minerva verlangte nach dem behandelnden Arzt.
Hier erfuhren sie, wie es um den Professor stand.
Medi-Hexer Lauspeerting erzählte von dem allgemein psychisch und körperlich schlechten Zustand des Patienten bei seiner Einlieferung. Erklärte seine Genesung durch die Behandlung und seinen mürrischen Verhaltensweisen. Es schien, als sei der Selbstmordversuch keine Kurzschlusshandlung gewesen. Der Patient war mutlos und ihm fehlte wohl ein Grund zum weiterleben, er befürchtete eine Wiederholung.
Draco meinte:
"Ich werde ihm schon einen Grund zum Leben geben."
Minerva grinste und Mister Lauspeerting schien ein wenig irritiert.
Da Draco sich nicht weiter dazu äußerte, brachte er sie zum Zimmer von Severus Snape.
Vor der Tür stand Kingsley Shacklebold, fast wie eine Statue. Er nickte leicht, ließ sich die Bescheinigungen zeigen und ließ dann Draco alleine in den Raum.
Minerva unterhielt sich noch einen Moment mit Kingsley und setzte sich dann auf einen herbei gezauberten Stuhl um zu warten.
Draco betrat das abgedunkelte Zimmer. Eine stickige und aufgebrauchte Luft kam ihm entgegen.
Unwillkürlich schauderte es ihn. Ohne zögern ging er zu dem verhängten Fenster und riss die Vorhänge auf, ließ die gleißenden Sonnenstrahlen ins Zimmer. Als nächstes öffnete er das Fenster um frische Luft herein zu lassen.
Zur Sicherheit des Patienten waren Gitterstäbe an der Außenmauer angebracht.
Im selben Moment, schlug ein Glas neben ihm gegen die Wand und ein Wütendes Geschimpfe folgte.
Draco drehte sich um und Severus erstarrte in seiner Bewegung, als Draco seine Kapuze nach hinten fallen ließ. Er hatte sie aufgesetzt, weil er nicht sofort als Malfoy erkannt werden wollte.
Jetzt verzog Draco seine Lippen zu einem spöttischen Grinsen. Es sah lustig aus, seinen Zaubertränkelehrer mit wild abstehenden Haaren, hellgrauem Pyjama, im Bett stehend mit dem Wasserkrug in der Hand, zu sehen.
Er schien überrascht zu sein, auf jedenfall drückte sein Gesicht völliges Erstaunen aus.
"Guten Tag Professor. Wie es aussieht sind Sie wieder bei Kräften und wollen diesmal andere umbringen als sich selbst. Ich würde gerne noch ein wenig Leben, warum hätten Sie mich sonst versteckt, wenn Sie nicht auch den gleichen Gedanken hatten?!", begrüßte Draco ihn.
Severus ließ den Krug sinken und das Wasser, aus dem Krug, lief in sein Bett. Draco verkniff sich das Lachen.
"Sie verschütten Ihr Wasser. Wollen wir uns nicht setzen?", merkte Draco an und ging zum bereit stehenden Stuhl am Bett, um sich niederzulassen.
Severus reagierte und stellte den Krug weg und ließ sich an den Rand seines Bettes nieder.
Draco befand, dass sein ehemaliger Hauslehrer sehr schlecht aussah, viel zu dünn, dunkle Augenringe und stumpfes wildes Haar. Erschütterndeinfach. Wo war der strenge, scharfzüngige, fiese Mann, der er gewesen war, geblieben?
"Wie geht es dir? Was ist mit deinen Eltern? Was hast du gemacht, nachdem ich dich verlassen habe? Weshalb bist du hier?", brachen die Fragen aus Severus heraus.
"Meine Eltern sind tot. Ich habe den gesamten Krieg im Versteck verbracht und habe heute meine Verließe und das Familienanwesen vom Ministerium zurück erhalten. Mir geht es jetzt besser. Ich bin nur schockiert über Ihr Verhalten, deshalb bin ich hier", antwortete er ihm wahrheitsgemäß und erwähnte nicht das Wort Hilfe.
Severus betrachtete den Malfoyspross. Es erleichterte ihn zu hören, wie gut es ihm ging und es tat ihm leid, dass er seine Eltern verloren hatte, aber im Grunde war es besser so.
Er nickte nur und fixierte einen Punkt an der Wand.
"Professor, warum haben Sie das gemacht?", fragte Draco jetzt leise.
"Ich habe kein Recht zu leben, also kann ich es auch selbst beenden. Was soll das alles? Ich bin schuldig", knurrte Severus seinen ehemaligen Schüler an.
"Das ist Schwachsinn und das wissen Sie auch", schnarrte Draco kalt zurück.
Severus sah ihn wütend an.
"Du hast doch keine Ahnung. Ich bin ein Mörder, ich habe kein Recht auf ein weiteres Leben. Auf mich wartet eh der Tod, also kann ich mir mein Ende auch selbst bereiten!"
"So'n Quatsch! Dann hat Potter auch kein Recht mehr zu Leben, dann ist er auch ein Mörder. Ohne Sie hätte er es doch gar nicht geschafft diesen Irren zu besiegen", brauste Draco auf.
"Er ist der Held der Zaubererwelt, er darf tun und lassen was er will. Ich bin der Verräter und Dumbledores Mörder, das ist ein entschiedener Unterschied", giftete Severus zurück.
"Na und, es war Notwendig und der Professor hat dies selbst bestätigt", gab Draco zu bedenken und Severus verschränkte giftig die Arme vor der Brust.
"Verschwinde Draco, mach was aus deinem eigenen Leben und lass mich in Ruhe", kam es eisig zurück.
"Nein! Jetzt helfe ich Ihnen, ob Sie wollen oder nicht. Ich lasse nicht zu, dass die Zaubererwelt nicht erfährt, wem dieser verdammte Potter es zu verdanken hat, das er diesen Bastard töten konnte. Ob es Ihnen gefällt oder nicht, ich werde Sie mit allen Mitteln verteidigen und wagen Sie es ja nicht, sich noch mal umbringen zu wollen", schrie Draco ihn nun an.
Er war aufgesprungen und lief umher, er musste seine Wut unter Kontrolle bekommen.
"Sie spinnen total. Alle stehen hinter Ihnen, sogar Potter hat eingesehen, dass er es ohne Ihre Hilfe nicht geschafft hätte. Also reißen Sie sich zusammen, ansonsten lernen Sie mich kennen, Mister Snape!", meckerte er weiter.
Etwas verdutzt sah Severus den wütenden jungen Mann vor sich an.
"Was willst du denn tun? Mich zwingen? Mich? Das ich nicht lache!", schnarrte Severus hämisch.
Einen Moment wankte Dracos Standhaftigkeit, aber dann hatte er wieder die Kontrolle über sich.
"Ich werde genau das machen, was ich für nötig erachte. Wenn es sein muss werde ich Sie zwingen und Sie wissen, ich kann das. Ich bin der Sohn meines Vaters, auch wenn ich es verachte dieser zu sein, aber bei Ihnen würde ich glatt eine Ausnahme machen. Außerdem bin ich Ihnen noch etwas schuldig, vielmehr, habe ich bei Ihnen noch etwas gut. Also reißen Sie sich zusammen, Sie haben einen Job und ich brauche ein wenig Beistand, wenn ich zurück nach Hogwarts gehe und meinen Abschluss nachhole. Habe ich mich deutlich ausgedrückt?", zischte Draco gefährlich leise und trug zu Severus Erheiterung bei.
Er lachte jetzt hohl auf und schüttelte den Kopf, er konnte nicht glauben was er hörte.
Draco holte aus und schlug ihm seine flache Handfläche ins Gesicht.
-Klatsch-
Severus verstummte und griff sich an die getroffene Wange.
"Es reicht jetzt. Bis morgen. Dann komme ich wieder und kann hoffentlich anständig mit Ihnen reden. Wagen Sie es ja nicht, mich noch mal auszulachen. Es war mein voller ernst bei allem was ich sagte. Wenn Sie ganz artig sind dann bringe ich Ihnen morgen eine Überraschung mit", wies Draco ihn zurecht und ging zur Tür.
"DRACO MALFOY! WAG ES JA NICHT JETZT ZU GEHEN! DU BASTARD! ICH HÄTTE DICH BESSER VOR DEM LORD VERRECKEN LASSEN SOLLEN! DU WEICHLING EINES KRIECHENDEN SCHLEIMERS! DEIN VATER KANN FROH SEIN DAS ER SEINEN SOHN NICHT MEHR SO MUGGELHAFT REDEN HÖRT. ER WÜRDE DICH SOFORT TÖTEN! SOFORT! HÖRST DU!", schrie Severus ihm hinterher und als Draco die Tür schloss krachte der Wasserkrug innen gegen die Tür.
Minerva sah erschrocken auf. Kingsley schaute neugierig durch die kleine Sicherheitsscheibe in der Tür und sah Severus wütend sein Bett auseinander reißen.
"Wer noch soviel unbändige Kraft hat der wird wohl auch noch ein paar Jahre weiterleben", sagte er vergnügt und sah auf den erschöpft wirkenden Malfoy.
"Draco, geht es dir gut? Was ist geschehen?", fragte Minerva besorgt.
"Ich habe ihm mental in den Arsch getreten und ihm seine Ohrfeige zurück gegeben", antwortete er und lehnte sich gegen die Wand.
Die letzten Worte von Severus schmerzten doch ein wenig, auch wenn er sie in seiner Wut gesagt hatte.
"Auf jedenfall wütet er wie ein Irrer in seinem Raum herum. Das Fenster ist auch schon zu Bruch gegangen, ich werde mal einschreiten, nicht das er sich noch mit den Scherben verletzt", sagte Kingsley jetzt und trat zu Severus in den Raum.
Kurze Zeit später war es ruhig. Draco und Minerva traten auch ein und zusammen reparierten sie den Trümmerhaufen.
Kingsley hatte Severus erstarren lassen und legte ihn jetzt auf dem Bett ab. Zur Sicherheit, fesselte er ihn ans Bett bevor er den Zauber von ihm nahm.
"MINERVA MCGONAGALL, HÄTTE ICH MIR JA DENKEN KÖNNEN DAS DU DRACHEN DAHINTER STECKST! LASST MICH ENDLICH IN RUHE! ..."
"Silencio!", kam es leise von Minerva und unterbrach somit Severus Redeschwall.
"Mein liebster Severus, schön das es dir so gut geht. Ich bin sehr erfreut, dass du dich, vor Freude mich wieder zusehen, gar nicht zurückhalten kannst", säuselte Minerva jetzt latent und machte eine kreiselnde Bewegung mit ihrer Hand und deutete einen Hofknicks an.
Draco prustete vor lachen los und Kingsley tat sich schwer damit nicht los zu brüllen.
Severus hingegen tötete sie mit seinen Blicken.
"Aber, aber liebster Severus, mach doch nicht so ein Gesicht, das gibt nur unschöne Falten und wir wollen doch nicht das dein liebreizendes Gesicht entstellt wird", flötete sie jetzt und tätschelte seine Wange.
Wenn er gekonnt hätte, dann würde er sie jetzt mit seinen eigenen Händen erwürgen, aber leider konnte er sie nur mit giftigen Blicken versehen.
Draco und Kingsley kringelten sich nur noch vor Lachen und Severus schwor sich sie alle drei zu Töten, sollte er jemals hier raus kommen.
Minerva setzte sich zu ihm aufs Bett und sah ihn gespielt liebevoll an, eine Hand legte sie auf seiner Brust ab.
"Wo du gerade so handzahm bist", sagte sie und wurde vom Gebrüll im Hintergrund kurz unterbrochen, "da würde ich mich sehr darüber freuen, wenn du mir deine Zusage gibst, wieder als Lehrer für Zaubertränke in Hogwarts zu arbeiten", säuselte Minerva jetzt und malte Kreise auf seiner Brust.
Severus schüttelte heftig mit dem Kopf und man konnte ihm das "niemals" deutlich von den Lippen ablesen.
"Oh! Du freust dich ja wie verrückt. Draco, stell dir vor, Severus möchte sehr gerne wieder dein Lehrer sein. Ist das nicht toll?"
Severus zerrte an den Seilen, aber er kam nicht los. Minerva sah ihn mit einem mädchenhaften Augenaufschlag an und wartete auf Dracos Antwort.
Draco lehnte an der Wand und wischte sich die Lachtränen aus den Augen.
Er bekam nur, "Ja, echt klasse" heraus.
"Siehst du Severus, der Draco freut sich auch ganz dolle darüber", sagte sie nun als würde sie mit einem dreijährigen sprechen.
Die beiden Männer kicherten wie verrückt und Severus fluchte innerlich die dollsten Flüche die er kannte, aber es kam noch schlimmer.
Er dachte nicht im Traum daran Hogwarts zu betreten und zu unterrichten.
"Mein Lieber, wie sieht es aus möchtest du nicht gleich Deinen Vertrag unterzeichnen?", sprach sie und zog aus ihrem Umhang ein Stück Pergament.
Die beiden Männer im Hintergrund wurden jetzt still und warteten gespannt ab.
Severus gebärdete sich wild und verneinte heftig kopfschüttelnd.
"Also ich an deiner Stelle würde mir das ja sehr gut überlegen", sagte Minerva berechnend und bedachte ihn mit einem falschen Lächeln.
Entnervt schloss er die Augen, aber er wusste, jetzt würde sie die Katze aus dem Sack lassen.
"Ich würde ja zustimmen, weil du sonst nie mehr hier raus kommst und du keine Gelegenheit mehr haben wirst, dich umbringen zu können. Kommst du aber nach Hogwarts kannst du dir dein eigenes Giftchen brauen und ich werde viel zu spät merken das du tot im Kerker liegst. Was meinst du? Willigst du ein, wieder als Lehrer zu arbeiten? Oder willst du den Rest deines Lebens in dieser geschlossenen Abteilung verbringen? Gut behütet und umsorgt, dreimal am Tag Essen, ansonsten schlafen und spielen, möchtest du so ein Leben?" fragte sie ihn lieblich und streichelte seine Brust.
Ihm stand der Mund auf, wie gerissen diese Gryffindor doch sein konnte, dies hatte sie eindeutig von Albus, der hatte ihn auch immer so erpresst.
Er musste sich aber auch eingestehen, dass er keine Lust hatte hier zu versauern. Er war in der geschlossenen Anstalt, hier kam man sonst nicht so schnell wieder heraus.
Also nickte er jetzt und gab sich damit geschlagen, er schwor sich aber ihr das Leben zur Hölle zu machen.
Plötzlich lösten sich die Fesseln und er hatte das Gefühl auch seine Stimme wieder zu haben. Er räusperte sich kurz und setzte sich dann schnell auf, packte Minerva an den Oberarmen und bohrte seinen Dunklen Blick in ihre vor Schreck geweiteten Augen.
"Glaub ja nicht, dass du mir so einfach davon kommst und sei immer schön vorsichtig mit dem was du isst und trinkst, ich könnte vielleicht etwas untergemischt haben. Eventuell probiere ich das Gift an dir aus um sicher zu gehen, dass es auch wirklich wirkt", zischte er sie frostig an und Minerva schluckte hart.
"Also nehme ich deine Aussage jetzt als eine Zusage an?", fragte sie nach.
"Ja, bei Merlin. Gib mir den Wisch und ich unterzeichne", knurrte er wütend und ließ sie los.
Er unterzeichnete den Vertrag und lehnte sich auf seinem Bett mit verschränkten Armen zurück.
"Und jetzt würde ich mich freuen, wenn ihr mein Zimmer verlasst. Ihr seid mir lang genug auf meinen Nerven herum getrampelt.
"Wie der Herr wünschen", sagte Minerva und sprang schnell vom Bett herunter.
"Verschwindet!", brüllte er und alle drei beeilten sich aus dem Raum zu kommen.
"Minerva, das war eine Glanzleistung", sagte Draco nun amüsiert. "Man könnte meinen du warst in Slytherin."
"Wandlungsfähig nenne ich das", gab sie höchst zufrieden von sich.
"Ja Minerva, Mister Malfoy hat Recht. Du warst sehr gerissen. Habt Ihr gesehen wie es in seinem Kopf gearbeitet hat? Ich sage euch Severus Snape ist noch lange nicht Tod, mutlos vielleicht, aber nicht Tod", fügte Kingsley an und Draco nickte.
"Also bin ich doch nicht so blöd im Umgang mit Severus?", fragte sie nach.
"Absolut nicht, das war genial. Bin gespannt wie er sich morgen benimmt. Ich habe ihm gesagt, ich würde ihm eine Überraschung mitbringen, wenn er artig ist", erzählte Draco amüsiert.
"Aha, und wen oder was willst du mitnehmen?", kam es von Minerva.
"Ich dachte zuerst an Potter, aber ich glaube der Professor bringt den sofort um. Also nehme ich Blaise mit", sagte er und grinste dabei frech.
"Es heißt Harry, Draco. Mister Zabini willst du mitnehmen, keine schlechte Idee. Ärgert ihn nicht so doll", antwortete sie und Draco verzog sein Gesicht wegen ihrer Belehrung.
"Möchtest du noch mitkommen zu Albus?"
"Nein danke, ich habe genug für heute. Ich schau gleich noch mal bei Blaise vorbei und danach werde ich vielleicht aufs Manor zurückkehren und ein entspannendes Bad nehmen. Ein anderesmal gerne, Minerva", entschuldigte er sich.
"Gut ihr Zwei, ich habe noch ein paar Stunden bis meine Ablösung kommt. Mister Malfoy, bis morgen, bringen Sie Mister Zabini ruhig mit, es wird bestimmt wieder so lustig wie heute mit Severus. Minerva, wir sehen uns", verabschiedete sich der Auror belustigt von beiden und nahm wieder Haltung an.
"Bis bald Kingsley", antwortete Minerva. Draco nickte ihm freundlich zu und zog seine Kapuze über.
Vor dem St.-Mungos dankte er Minerva noch mal für ihre Hilfe und dann trennten sich ihre Wege.
Es war mittlerweile schon acht Uhr durch und eigentlich wollte Draco nur noch ein entspannendes Bad nehmen, aber er musste unbedingt Blaise fragen, ob er mit zu Severus kommen würde.
Ohne weiter nachzudenken betrat er Blaise Wohnung, wozu hatte er ihm die Schlüssel denn auch gegeben?
Er hörte gleich das fröhliche Lachen und gequietsche von Hermione.
Neugierig ging er zum Wohnzimmer und sah seinen Freund in Boxershorts hinter Hermione herlaufen. Zu seinem bedauern war sie noch vollständig angezogen, er hatte schon vermutet sie beide jetzt nackt anzutreffen.
Beide kicherten, lachten laut und alberten rum, ohne Draco wahrzunehmen.
Endlich hatte Blaise es geschafft und Hermione erwischt, er presste sie an sich und küsste sie wild.
Draco meinte es wäre besser sich jetzt bemerkbar zu mache, bevor es zu spät war.
Also räusperte er sich und betrat das Zimmer, um sich in einen Sessel zu schmeißen und das überrumpelte Paar anzusehen.
"Draco!?", rief Blaise erstaunt aus. "Gibt es etwas besonderes, oder weshalb bist du hier?"
"Ich hatte schon lange keinen Sex mehr und da dachte ich mir ich komme hier vorbei und schau euch zu, damit ich mir einen runterholen kann", meinte er todernst und Hermione drehte sich empört weg.
„Hey du brauchst nicht rot werden Hermione, sich einen runterholen ist etwas ganz natürliches", schnarrte Draco belustigt und sie warf ihm einen Todesblick zu.
"Malfoy, halt die Klappe", zischte sie ihn an und Draco grinste.
Blaise dagegen bedachte ihn mit einem eisigen Blick und Draco bereute sogleich seine Stichelei.
"Entschuldigt, aber was ich heute alles erlebt habe werdet ihr nicht glauben. Erst helfe ich diesem Schnösel von Auror die Räume und das Verließ zu öffnen, ein Verließ in dem meine Kindheit aufbewahrt wurde, dann bekomme ich mein Eigentum zurück, erhalte einen Brief meiner Mutter und hinterher hatte ich noch ein nettes Treffen mit Professor Snape. Heftig sag ich euch. Er ist so abgemagert, wilde Haare, dunkle Augenränder und auf der einen Seite so mutlos und dann wieder so kampfbereit. Der hat sein Zimmer verwüstet, als ich ging, so dass er vom Auror stillgelegt werden musste. Ich sag Euch, er ist immer noch so fies und sarkastisch wie früher, man hat der mir Sachen an den Kopf geworfen. Bei Merlin, war das krass. Aber, ihr hättet Minerva erleben sollen. Clever hat sie ihn dazu gebracht einen neuen Vertrag als Zaubertränkelehrer zu unterzeichnen. Ach, habe ich schon erzählt, dass ich meinen Abschluss nachholen werde? Nicht? Na dann wisst ihr es jetzt. Wow, ich fass es nicht. Ich bin eigentlich hergekommen weil ich dich, Blaise, fragen wollte ob du morgen Zeit hast?", sprudelte es nur so aus ihm heraus.
Blaise und Hermione hatte gar keine Zeit zu antworten, erstaunt hatten sie zugehört und Blaise fühlte sich überrumpelt.
"Zabini!? Alles klar bei dir?", fragte Draco nach.
"Ja, ja, warum willst du wissen ob ich morgen Zeit habe?"
"Ich wollte mit Dir zusammen den Professor besuchen. Kommst Du mit?"
"Zu Snape?", fragte er verwirrt.
"Ja, genau zu dem. Wir werden ihm so auf die Nerven gehen, dass er nicht mehr daran denken wird sich noch mal umzubringen", erzählte Draco grinsend.
"Was!", rief Blaise.
"Umbringen, wie das?", fragten Blaise und Hermione durcheinander.
"Oh, entschuldigt. Ich vergaß zu erwähnen warum wir zum Professor gegangen sind", antwortete er und erzählte von dem Selbstmordversuch.
Blaise und Hermione waren entsetzt und Blaise versprach morgen mit Draco zu Snape zu gehen.
Hermione fragte nach, ob Draco heute im Manor einziehen wollte. Er verneinte jetzt und holte den Brief, die Vermögensaufstellung von Gringotts und die Liste der gefundenen Schwarzmagischen Gegenstände aus dem Umhang.
"Blaise, ich wollte noch den Brief meiner Mutter lesen, darf ich so lange hier bleiben?", fragte er.
"Kein Problem, wenn Du magst dann kannst Du auch gerne über Nacht bleiben", bot Blaise ihm an.
"Nein, ich werde zurückgehen und meine paar Habseligkeiten packen und morgen ins Manor ziehen. Ich wollte zwar ein Bad nehmen, aber ich will nur noch schlafen. Wollt Ihr auch hören was meine Mutter geschrieben hat?", sagte er und beide nickten ihm zu.
Er entfaltete den Brief und fing an vorzulesen.
Mein geliebter Sohn,
ich vermisse dich sehr und es betrübt mich, das wir uns wohl nicht mehr wieder sehen werden.
Ich hoffe sehr, dass du diese Zeilen noch lesen kannst.
Verzeih mir, ich weiß, ich hätte mehr für dich tun müssen. Hätte Lucius aufhalten müssen, aber ich war unfähig.
Ich liebe deinen Vater sehr und dich natürlich auch, aber er ist ein sehr forscher und eiserner Mann. Manchmal fürchtete ich mich vor ihm und dann ist er wieder so liebevoll.
Ich weiß, du fühlst dich von mir vernachlässigt und du hast Recht, verzeih.
Ich hoffe mit meiner ganzen Liebe zu dir, dass wir uns wieder sehen werden, doch ich glaube nicht wirklich daran.
Seit Wochen wird unser Heim von den Schergen dieses...! Ja, wie nenne ich ihn nur. Mir fällt nur ein Wort ein. Wahnsinniger. Dieses Wesen, weil als Mensch mag ich ihn nicht bezeichnen, ist völlig irre. Wie kann einer so viel Angst vor einem siebzehnjährigen Jungen haben? Ich sehe den Sinn nicht und mit deinem Vater brauche ich darüber nicht sprechen, er toleriert keine andere Meinung mehr.
Lucius hat mich noch nie geschlagen oder misshandelt, doch vor drei Tagen hat er es getan.
Er wollte, dass ich dem Lord eine Freude bereite, er wollte das ich mich dem Lord schenke. Ich weigerte mich und sagte deinem Vater, dass er so etwas nicht von mir verlangen dürfte und da passierte es.
Er schlug mich zu Boden und quälte mich mit dem Cruciatus bis ich einwilligte.
Seit diesem Tag, empfinde ich nichts mehr.
Ich mag dir gar nicht schreiben wie ekelhaft es war, sich von diesem Widerling berühren zu lassen.
Draco hielt kurz inne und sah zu den beiden Zuhörern. Hermione hatte die Hände vor ihren Mund geschlagen, er sah Tränen in ihren Augen und Blaise stand das Entsetzen im Gesicht geschrieben.
Draco schaute wieder auf den Brief und sein Blick fiel auf die dunkelrote Schrift am Ende des Pergamentes.
Es war nachträglich hinzugefügt worden und war ihm vorher nicht aufgefallen, er überflog die wenigen Zeilen.
Ich tötete deine geliebte Mutter, ich hoffe auch die Ausgeburt des Verrates, der sich mein Sohn nennt, töten zu können. Du Familien- und Blutsverräter, deinetwegen starb meine Frau, du hast diese liederliche Person auf dem Gewissen.
Ich krieg dich, verlass dich drauf, du Sohn einer Hure.
Er sah wieder auf und schluckte, der Kloß schien aber zu groß, um ihn hinunter zu bekomme.
Er verfluchte sich, dass er noch heute diesen Brief lesen musste. Für heute hatte er eigentlich schon genug erlebt.
"Draco, was ist los?", fragte Blaise beunruhigt weil sein Freund leichenblass geworden war.
"Der letzte Absatz!", antwortete er leise und reichte Hermione den Brief.
Zögerlich fing sie an zu lesen und jetzt liefen ihr wirklich die Tränen an den Wangen entlang. Blaise umarmte sie liebevoll und nahm ihr den Brief aus den zittrigen Händen.
"Ich glaube wir sollten für heute Schluss machen", versuchte Blaise es, aber Draco schüttelte den Kopf.
"Nein, lies Du bitte weiter", wies Draco ihn an, lehnte sich zurück und schloss die Augen.
Hermione beruhigte sich und Blaise suchte die Stelle an der Draco aufgehört hatte.
Aber, dass aller Schlimmste war, das dein Vater dabei zu gesehen hat, wie ich mich von ihm benutzen ließ.
Ich schäme mich so unendlich, ich bin nur froh, dass du dies nur liest und nicht mit anschauen musstest.
Mein geliebter Sohn, ich würde dich so gerne in die Arme nehmen, dir sagen wie sehr ich dich liebe und doch bin ich froh dies nicht tun zu können.
Ich hoffe sehr, du bist in Sicherheit und dein Vater wird dich niemals finden, weil ich dich dann verlieren werde. Sei gewiss, er sucht nach dir. Er hat jeden Todesser angewiesen die Augen nach dir offen zu halten und dich sofort zu ihm zu bringen, wenn sie dich finden.
Ich beschwöre alle Geister und Götter die mir heilig sind, sie mögen dich beschützen.
Ich hoffe sehr du überlebst, verzeih mir meinen Fehler, jemals Lucius nicht widersprochen zu haben und ich wünsche dir mehr Glück in deinem neuen Leben.
Wünsche dir eine liebevolle Frau und Kinder.
In liebe deine Mutter
Und dann folgte der besagte Absatz von Lucius. Blaise faltete den Brief zusammen und betrachtete seinen Freund.
Hermione regte sich in seinen Armen.
Sie stand auf und ging zu Draco, hockte sich zu seinen Beinen und zog ihn in eine Umarmung.
Er ließ sich einfach in diese liebevolle und herzliche Berührung fallen und unbemerkt liefen ihm Tränen übers Gesicht.
Hermione streichelte ihm beruhigend über den Rücken und Blaise betrachtete mit einem mulmigen Gefühl das sich umarmende Pärchen.
Es dauerte eine Weile bis Draco sich beruhigte, beschämt setzte er sich zurück und betrachtete seine Hände.
"Draco, schau mich an", forderte Hermione und ergriff seine Hände.
"Nein, es tut mir leid, ich wollte mich nicht so gehen lassen. Verzeih mir Blaise", flüsterte er leise und Hermione sah irritiert zu ihrem Freund.
Ein gezwungenes Lächeln entstand auf seinem Gesicht und sie begann zu verstehen, was Draco gemeint hatte.
Sie hielt Blaise eine Hand hin und er kam zu ihr.
"Blaise!? Schau nicht so traurig. Du weißt ich liebe dich, oder?", fragte Hermione sanft und er nickte.
"Gut, ich konnte nicht anders, ich musste Draco umarmen. Er braucht das und jetzt bist du dran, umarme deinen Freund", sagte sie liebevoll und ihre Augen strahlten Blaise so verliebt an, das er alle Bedenken vergaß.
Sie stand auf und machte ihm platz, ein wenig kompliziert umarmte Blaise seinen Freund im Stehen. Draco erhob sich und sie konnten sich besser umarmen.
"Tut mir leid", flüsterte Draco leise.
"Ist schon gut", antwortete Blaise ebenso.
"Nein ist es nicht. Ich respektiere deine Liebe und ich habe gesehen wie glücklich sie dich macht. Sie ist eine tolle Frau, ich gönne sie dir von Herzen", sagte Draco sehr ernst.
"Danke. Willst du nicht doch hier bleiben?", erwiderte Blaise.
"Nein, es geht schon. Ich möchte noch ein wenig alleine sein. Kommst Du morgen um zwei Uhr nach Malfoy Manor?", antwortete er.
"Ja, gerne doch. Wie immer durch den Kamin?"
"Wie Du magst, kannst auch apparieren. Alle Schutzzauber meines Vaters sind aufgehoben, hat das Ministerium sicherlich viel Zeit gekostet." antwortete er grinsend.
"Okay Dray, dann bis morgen Nachmittag."
Blaise kassierte einen Schlag auf den nackten Oberarm von Draco, wegen dem Spitznamen.
Hermione grinste, ihr war aufgefallen das Blaise sich gar nichts angezogen hatte. Es sah lustig aus wie er Draco nur in Boxershorts umarmte, aber gut, sie beide kannten sich aus Kindertagen, da hatten sie sich öfter mal so gesehen.
Draco verabschiedete sich von Hermione mit einer Umarmung und ließ beide wieder alleine.
Blaise umarmte seine nachdenkliche Freundin und wollte von ihr wissen, ob sie über Nacht blieb.
Hermione lehnte ab, sie musste morgen früh zu einer Vorlesung.
Sie blieb auch nicht mehr lange und verabschiedete sich liebevoll von ihm.
Tbc
