Es war einmal vor langer, langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis im Jahre 63 vor der Schlacht von Yavin. Sidious ist bereits seit vier Jahren Darth Plagueis' Schüler. Seit dieser Zeit nimmt ihn sein Muun-Meister auf viele Reisen mit, um den Horizont seines Schülers, der bis dahin die meiste Zeit seines jungen Lebens auf seinem Heimatplaneten Naboo verbracht hat, zu erweitern und seine Talente zu fördern. Aber auch, um ihn gegen die Gefahren, die in der Galaxis lauern, abzuhärten.
Sidious hatte bereits zehn der schwarzbraungestreiften Vierbeiner mit seiner Vibroklinge getötet. Jetzt stand er mitten in seinem und seines Meisters Jagdgrund, einer ausgedehnten Savanne auf dem schnell rotierenden Planeten Buoyant, während sein Meister neben ihm mit seinen langen ausgestreckten Beinen im Gras saß, den Oberkörper an einen großen Stein gelehnt.
„Nur die wenigsten meines Volkes wissen, wie wohlhabend ich wirklich bin", raunte Plagueis seinem jungen Schüler geheimnisvoll zu. „Da die meisten meiner Reichtümer Aktivitäten zu verdanken sind, die mit gewöhnlichern Finanzgeschäften nicht das Mindeste zu tun haben."
„Was sind denn das für Aktivitäten?", wollte Sidious wissen.
Plagueis gab ihm keine Antwort. Er schaute stattdessen schräg an Sidious vorbei hin zu dem kleinen Wäldchen, an dessen Rande die beiden Sith kampierten. Der Sith-Schüler versuchte, dem Blick Darth Plagueis' zu folgen. Irgendetwas fesselte seinen Meister und Sidious wollte wissen, was.
Da! Etwa fünf Standardmeter weiter weg hing eine gelbliche runde Frucht von einem Baum. Genau in diese Frucht hatten sich Plagueis' gelbe Augen gebohrt. Und jetzt wurde sie auch von den blassblauen Augen Sidious' fixiert.
„Hol sie mir!", befahl der Muun dem Menschen.
Noch erschöpft von der Jagd, trottete der rothaarige Naboo zu der Stelle, wo die Frucht hing. Er sondierte die Umgebung der gelben, beinahe perfekt geformten Kugel. Keine Schlange, keine bösartigen Insekten, die auf der Lauer liegen würden. Er streckte die Hand aus, um den langen grünen Stiel zu fassen, an welchem die Frucht vom Baum hing. Da berührte seine blassrosa Hand etwas Elastisches Klebriges. Einen dünnen gespannten Faden. Er hielt inne, dann zog er die Hand angewidert zurück. Er schaute noch einmal genau hin. Noch sah er nichts.
Er trat einen Schritt zur Seite. Jetzt konnte er im Schein der Sonne Buoyants das ganze Spinnennetz sehen, welches eine Spannweite von einem Standardmeter Durchmesser hatte. Und dieses Netz war genau vor der Frucht aufgespannt, welche Sidious für Plagueis holen sollte.
Jetzt kam die zum Netz gehörige Spinne von unteren Ende einer der strahlenförmig von der Mitte ausgehenden Speichen des riesigen Rades hoch gekrabbelt, um den Schaden, den der Sith-Schüler im Inneren des Netzes angerichtet hatte, zu begutachten. Sidious hatte nicht vor, ihr allzu lange dabei zuzusehen. Er hob einen Stock vom Boden auf, um mit ein, zwei Hieben das Spinnennetz zu zerstören. Dann knickte er den Stiel der gelben Frucht vor ihm kurz vor dessen Ende mit seiner Rechten ab, um seine Beute mit seiner Linken aufzufangen. Schließlich brachte er die gelbe Kugel zu Plagueis, der sie entgegennahm, ohne sich zu erheben.
„Was ist das für eine Frucht, Meister?"
„Das ist eine Sikan-Frucht. Sie enthält eine sehr nahrhafte Milch, die sowohl für Muun als auch für Menschen überaus wohlschmeckend und gesund ist", erklärte Plagueis und fuhr sich dabei mit seiner Zunge genießerisch über die schmalen Lippen.
Sidious wartete auf weitere Anweisungen. Plagueis holte ein Messer hervor, stach damit an einer dellenartigen Vertiefung dicht neben dem Stielansatz in die Frucht ein und ein Loch entstand. Dann holte der Dunkle Lord der Sith aus einer der vielen Taschen seines Reisegewandes einen argentumfarbenen Trinkhalm hervor, steckte diesen in das von ihm fabrizierte Loch und nahm einen tiefen Zug aus der Frucht. Dann ließ er den Trinkhalm fahren und atmete einmal tief ein und aus, wobei er einen wohligen Seufzer ausstieß.
Sidious konnte fühlen, dass es seinem Meister schmeckte. Er wartete darauf, seinen Anteil an dem wohlschmeckenden, ihm noch unbekannten Trunk zu erhalten.
„Warum hast du vorhin gezögert, bevor du die Frucht vom Baum geholt hast?", fragte ihn Plagueis stattdessen.
Sidious zuckte zusammen. Der indignierte Tonfall, in welchem sein Meister diese Frage gestellt hatte, ließ darauf schließen, dass Plagueis mit etwas unzufrieden war, wie er sich beim Holen der Frucht angestellt hatte.
„Da war ein Spinnennetz, Meister. Ich war überrascht davon, es zu fühlen, wenngleich ich es nicht in jenem Moment gesehen hatte. Das ist alles", versuchte Sidious, seinen Meister zu beschwichtigen.
„So? Ist das alles?", fragte Plagueis mit hochgezogenen Stirnwulstpartien, wo bei Menschen die Augenbrauen waren.
Sidious nickte.
„Du hast das Netz mit einem Stock zerstört", fuhr Plagueis in monotoner Stimmlage fort.
„Um an die Frucht zu gelangen", erwiderte Sidious.
„Überflüssig zu erwähnen!", maßregelte ihn Plagueis scharf. „Darauf zielte dieser Satz nicht ab!"
Sidious schwieg in Erwartung weiterer Tadel. Plagueis nahm einen weiteren Zug aus der Frucht und lächelte danach tückisch seinen Schüler an.
„Warum hast du Zeit verschwendet, um einen Stock vom Boden aufzuheben, wo du doch einfach durch das Netz hindurch greifen hättest können?"
„Es waren keine Feinde in der Nähe, was solch eine Eile erforderlich gemacht hätte. Ich wollte mir an dem Netz nicht die Hände beschmutzen, wo ich doch mit diesen meinen Händen die Frucht an mich nehmen wollte, um sie Euch zu überreichen, Meister", entgegnete Sidious wieder einmal in diesem nur leicht schmeichlerischen Tonfall, der Plagueis so gut an seinem Schüler gefiel. Allerdings war der Dunkle Lord der Sith viel zu gescheit, als dass er sich davon allzu sehr beeindrucken lassen würde.
Sicher, die Argumentation seines Schülers klang logisch. Wäre da nicht der spontane Ekel gewesen, den er durch die Macht auch auf dem von ihm abgewandten Gesicht Sidious' gespürt hatte.
„Das ist überaus fürsorglich von dir gewesen, Sidious. Allerdings frage ich mich, ob du für dieses dein umständliches Tun noch einen anderen Beweggrund hattest."
Er nahm einen weiteren herzhaften Schluck aus der Sikan-Frucht. Dann schaute er seinen Schüler an, welcher betreten schwieg und sich, statt eine Antwort zu geben, eine rote wellige Haarsträhne aus der verschwitzten Stirn strich.
„Ekel!", spie er Sidious entgegen.
Sidious schaute seinen Meister, der sich einen weiteren Zug aus der Frucht gönnte, ertappt an. Er sah ein, dass es keinen Zweck hatte, zu leugnen.
„Geh zu dem Netz!", befahl Plagueis.
Sidious ging zu dem Netz. Die Spinne war gerade dabei, es zu reparieren. Nur noch eine Querstrebe fehlte und das Netz wäre wieder, wie es vor Sidious' Auftauchen gewesen.
„Nimm die Spinne auf die Hand!"
Sidious tat auch das.
„Bring sie mir!"
Sidious kam mit der schwarzen Spinne auf der Handfläche zurück zu seinem Meister. Die Spinne versuchte währenddessen, seine Hand zu verlassen, aber der junge Sith fing sie stets wieder ein oder aber er wendete seine Hand, so dass die Spinne mal auf seinem Handrücken, mal auf seiner Handfläche entlanglief ohne eine reelle Chance, Sidious zu entkommen.
„Bitte, Meister", sagte er und hielt Plagueis die Spinne direkt vor die Augen. Etwas zu nah, denn Plagueis wich zurück und sah ihn indigniert an.
Sidious versuchte also, ihn zu ärgern als Vergeltung dafür, dass er in seinen Schüler gedrungen war, um der Ursache von dessen Ekel auf den Grund zu gehen! Aber es stand Sidious nicht zu, seinen Meister zu bestrafen. Noch nicht!
„Meine Augen sind besser als deine, Sidious. Ich konnte aus dieser Entfernung sowohl die Spinne als auch das Netz gut erkennen. Aber du bist nur ein Mensch und deine Augen sind viel schlechter", spottete der Muun und nahm einen weiteren wohligen Zug aus der Frucht.
„Aber darum geht es hier nicht", fuhr er härter fort, als Sidious ob dieser erneuten Demütigung in stillem Aufbegehren seinen rosafarbenen schmallippigen Mund verzog und die Augen zusammenkniff.
„Du kannst die Spinne fortwerfen … oder zerquetschen … sie essen … was immer du willst", säuselte Plagueis mit einem gekünstelt verheißungsvollen Lächeln.
Sidious erkannte, dass er seine Emotionen zügeln musste, um seinem Meister keinen weiteren Anlass dazu zu geben, sich an den Fehlern und Schwächen seines Schülers zu ergötzen. Also setzte er einen neutralen Gesichtsausdruck auf, ließ seinen Ärger über Plagueis' Hochmut verschwinden und zerquetschte die Spinne zwischen zweien seiner Finger. Dann schnippte er das getötete Tier mit einer graziösen Geste eines Fingers von der Innenfläche seiner rechten Hand hinaus in das Gras der Savanne.
Darth Plagueis erkannte, dass es nicht die Spinne gewesen war, die derartigen Ekel in Sidious verursacht hatte.
„Geh wieder zu dem Netz!", befahl er seinem Schüler, nachdem er einen erneuten langen Zug aus der gelben Frucht zu sich genommen hatte.
Etwas steif, aber gefasst ging Sidious erneut zu dem Platz, wo kurz zuvor noch die Frucht gehangen hatte, die Plagueis nun im Begriff war, alleine auszutrinken, wie der Sith-Schüler stark vermutete. Kurz vor dem Netz blieb er stehen. Seine blassblauen Augen schauten auf das nur an einer kleinen Stelle unvollkommene, im Wesentlichen jedoch intakte Netz.
„Warum bleibst du stehen, mein Schüler? So geh doch weiter", ermunterte Plagueis seinen Schüler in leutseligem Tonfall.
Sidious straffte sich. Sein Gesicht verzog sich in nun deutlich wahrnehmbarem Ekel. Er trat einen Schritt nach vorn. Er fühlte, wie das Spinnennetz an seinem Gesicht kleben blieb. Instinktiv lief er zwei weitere Schritte nach vorn, begierig, dieses klebrige Etwas so schnell wie möglich wieder aus seinem Gesicht zu entfernen, sobald das hier vorbei war. Er schloss die Augen, um nicht noch zu sehen, was er nun fühlte, nämlich, wie sich die Fäden des Netzes dehnten, wie sie plötzlich schlaffer wurden, als sie rissen, um sich nun um seinen Hals zu legen, sicherlich auch über seine knapp achsellangen welligen roten nach hinten gekämmten Haare. Die Fäden verursachten gerade durch ihre Feinheit und Elastizität ein kribbliges Gefühl auf seiner Haut. Die Ursache seines Ekels!
„Weiter, weiter!", hörte er Plagueis ihn von hinten anfeuern.
Sidious öffnete seine Augen. Er lief weiter. Um nun ein weiteres Spinnennetz ins Gesicht gedrückt zu bekommen. Er erschauderte. Offenbar befand sich hier eine ganze Kolonie von diesen Biestern, die an dieser Stelle ein weitläufiges Labyrinth bestehend aus riesigen Wagenrädern von Spinnennetzen gewebt hatten, um so viel Beute wie möglich einzusammeln. Sidious schüttelte sich. Er war keine Beute! Und ging weiter. Ein weiterer Schauder überfuhr ihn, als auch das zweite Netz riss, und sich auch dessen Fäden über sein Gesicht legten, um seinen Hals wanden.
„Es reicht. Kehre zurück!", hörte er die vergnügte Stimme seines Meisters. Seiner Erlösung.
Sidious suchte, während er zu Plagueis zurückkehrte, in seinen Taschen nach einem Tuch, mit welchem er die Spinnenwebfäden aus seinem Gesicht, von seinem Hals würde wischen können.
„Du wirst das mit deinen Händen machen, Sidious", zischte ihn Plagueis an.
Gehorsam brachte Sidious seine Hände ins Gesicht und an seinen Hals. Mit angewidertem Gesicht rieb er die Spinnenwebfäden von seiner Haut, welche sich nun an seinen Händen zu gräulichen Knäueln formten, die er in die Weiten der Savanne hinaus schnippte wie vorhin die Spinne.
„Gut, mein Schüler!", lobte ihn Plagueis.
Dann stülpte der Muun die Frucht um und ließ aus dem Loch den verbliebenen Rest der gelblichen Milch in seine linke Handfläche laufen.
„Trink, Sidious. Du hast es dir redlich verdient!", lud er seinen Schüler mit einem scheißfreundlichen Lächeln dazu ein, den kümmerlichen Rest der nahrhaften und wohlschmeckenden Fruchtmilch aus der Hand seines Meisters zu trinken.
Sidious kniete nieder und beugte sich über die graue, gegerbte und verwitterte Handfläche seines Meisters. Plagueis' Hände hatte dieselbe Farbe wie die Knäuele der ekligen Spinnenweben, die er gerade eben mit einem Schnips in das Gras der Savanne befördert hatte. Der junge Naboo musste zugeben, dass die Milch aus der gelben Frucht wirklich köstlich schmeckte. Er hätte gerne noch mehr davon getrunken. Aber am liebsten hätte er in die Hand gebissen, die ihn jetzt so ostentativ fürsorglich näherte, als wäre er eine junge Sim-Katze.
Da fiel ihm ein, dass sein Meister ihm die von ihm eingangs gestellte Frage nach der Quelle seines Reichtums noch nicht beantwortet hatte. Der junge Sith fand es in jenem Moment unpassend, Plagueis jetzt nach dieser Prüfung plus anschließender Demütigung weiter danach zu befragen.
Die beiden Sith blieben noch für einen Tag auf Buoyant, ohne dass Plagueis Anstalten machte, sich der Frage seines Schülers anzunehmen. Sidious war sich jedoch gewiss, dass sein Meister mit seinem ausgezeichneten Gedächtnis es nicht vergessen hatte. Und ihm später eine Antwort geben würde – wie auch immer, wann auch immer.
Zwei Wochen später.
Der Planet Vanqor bot Dschungel im Überfluss. Plagueis und Sidious hatten sich auf die Lauer gelegt, um Beute zu erjagen.
„Nimm dich vor den Gundarks in Acht, mein Schüler! Sie können ziemlich schnell sein", sagte Plagueis, als sie von weitem das Gebrüll der riesigen Wildtiere hörten.
Sidious zeigte auf ein affenähnliches Tier, welches über ihnen im Baum saß. Plagueis überlegte einen Moment. Sein Schüler könnte den Munki ganz bestimmt mit Hilfe seines Geistes heranlocken, um ihn dann mit seiner Vibroklinge zu töten. Der Munki würde ein schönes Mittagessen für sie beide abgeben. Er ließ den Blick seiner gelben Augen schweifen. Dann überlegte er es sich anders.
„Dort hat schon jemand die Beute für uns gefangen. Wir müssen sie nur noch holen", meinte Plagueis und wies mit weit ausladender Geste auf eine kleine Lichtung, wo Sidious ein hilflos in einem riesigen Spinnennetz zappelndes krokodilähnliches Tier gewahrte. Direkt in der riesigen Nabe in der Mitte, die einen Durchmesser von vielleicht fünfzig Standardzentimetern hatte, während das Netz insgesamt einen Durchmesser von etwa zehn Standardmetern aufwies. Dieses Netz nun bestand aus beinahe durchsichtigen Bändern, welche sich farblich dem jeweiligen braunen oder grünen Hintergrund des Dschungels anpassten und ungefähr die Breite von Sidious' Oberarmen hatten. Und es hing etwa in etwa zehn Metern Höhe zwischen zwei Bäumen über dem Boden.
Sidious machte sich auf den Weg. Er kletterte mit einem Seil, welches er um den rechten der beiden Bäume zu einer weiten Schlinge geknotet hatte, diesen bis zum Netz hinauf und prüfte dann die Speiche des Netzes, die davon abging. Sie war nicht klebrig. Also kletterte er daran hinauf, bis er einen Querfaden des Netzes erreicht hatte. Der junge Naboo hatte sich auf Anraten seines Meisters nach ihrem Ausflug nach Buoyant intensiv mit Spinnen und deren Netzen beschäftigt, um seines Ekels Herr zu werden. In den inhaltlich gut bestückten Archiven seines Meisters auf der Vulkaninsel Aborah hatte er gelesen, dass eine Spinne immer abwechselnd einen Faden mit klebrigem Sekret versah und den anderen nicht, so dass sie immer auf den nicht klebenden Fäden entlang krabbeln konnte, wohingegen ihre ahnungslose Beute diesen Trick nicht kannte.
Sidious prüfte den unteren querliegenden Faden. Er war klebrig. Der darüber liegende hingegen war trocken. Sidious ergriff ihn widerwillig, um nun in sanft nachgebende Masse zu greifen, die ihn jedoch durchaus trug. Er prüfte den rechten Speichenfaden, der klebrig war. Der linke war es nicht. Er überstieg peinlich genau den nächsten klebrigen Querfaden, sich dabei stützend am linken Speichenfaden festhaltend. Auf diese Art und Weise erklomm er das Spinnennetz, bis er an der Nabe angelangt war. Der kleine Kaiman darin zappelte immer noch. Sidious zückte seine Vibroklinge, um ihn zu töten, indem er ihm die Klinge ins geöffnete Maul stieß. Dann versuchte er, das tote Tier freizuschneiden. Die Vibroklinge versengte die Fäden des Netzes, welches schließlich die Beute freigab. Sidious schulterte das grüne schuppige Reptil und war im Begriff, wieder hinab zu steigen, da fühlte er etwas an seinem rechten Bein.
Er schaute kurz hinunter, um eine riesige schwarzgrüne Spinne zu sehen, die seinen rechten Fuß mit einem gerade gesponnenen klebrigen Faden am Netz befestigt hatte. Sie musste sich hinter einem der beiden Bäume verborgen haben, um ihre Beute durch ihre schiere Größe nicht zu verschrecken. Sidious zog, aber sein Fuß steckte fest. Er hieb mit seiner Vibroklinge nach der Spinne, um eines ihrer acht Beine in der Mitte zu durchtrennen, welches jetzt nur noch einen halben statt einen Standardmeter Länge hatte. Aber die Spinne spann unbeirrt weiter, auch während Sidious ihr noch zwei weitere Beine auf diese Art kürzte. Das Tier wusste offenbar, dass es nur diese eine Chance hatte, seine Beute zu behalten. Auf einmal krabbelte die Spinne von ihm weg. Offenbar hatte sie ihre Beute aufgegeben.
Sidious wandte sich nach unten, um mit seiner Vibroklinge die Füße freizubekommen, ohne das Netz zu zerstören, an welchem er noch zu dem Baum zurückklettern wollte, den er vorhin erklommen hatte. Auf einmal fiel etwas über ihn. Die Spinne zerstörte ihr eigenes Netz, um von oben einen Speichenfaden auf ihn zu werfen und ihn auf diese Weise einzuwickeln und fluchtunfähig zu machen. Sidious verzog den Mund und schüttelte sich. Er war jetzt von Kopf bis Fuß mit dem ekligen dehnbaren, unzerreißbar erscheinenden Glibber bedeckt, zusammen mit seiner Beute, von der er sich nun nicht mehr in seiner Situation unterschied. Die Spinne war währenddessen wieder herabgekrabbelt und hatte ihm ein frisch gesponnenes Band direkt über das Gesicht geworfen. Der junge Sith rang nach Luft und schaffte es, mit seinen Fingernägeln ein Loch zu bohren und zu reißen, durch welches er wieder klar sehen und atmen konnte.
Sidious orientierte sich, Er war jetzt fünf Querfäden über dem unteren Rand des Netzes. Er schaffte es, seine Rechte freizubekommen und hieb mit seiner Vibroklinge den Querstrang links neben sich entzwei. Er fiel ein Stück tiefer, auf einen klebrigen Faden. Auch egal. Er hieb weiter links von sich, immer einen Querfaden tiefer fallend. Im Netz klaffte nun ein senkrechter Riss. Er sah die Spinne wieder über sich. Sie ließ aus ihrem Leib wieder ihr Sekret auf ihn träufeln. Sidious - nun am letzten unteren Querfaden angelangt, hieb verzweifelt nach oben, um den Speichenstrang, an dem er hing, zu durchtrennen. Er sackte ein Stück nach rechts weg. Das frisch generierte Spinnensekret verfehlte ihn knapp. Er erachtete die über und um ihn zusammengeballten Bänder des Netzes als stark genug, um ihn zu halten, nachdem er auch einen weiteren Speichenfaden durchtrennt hatte, was ihn noch ein Stück weiter nach rechts driften ließ. Er war nur noch zwei Meter vom Baum entfernt, als die Spinne wieder über ihm war.
Sidious begann, hin und her zu schwingen. Die Spinne folgte ihm eine Weile in seinem Hin und Her, unschlüssig darüber, was ihre vermeintliche Beute vorhatte. Endlich blieb Sidious wie beabsichtigt am rechten Baum kleben. Er schaute zur Spinne hinüber, die ihn und ihre eigentliche Beute offenbar abgeschrieben hatte und nun wieder emsig dabei war, ihr riesiges Netz zu reparieren. Er prüfte das Sekret. Es ließ sich auseinander ziehen und am Baum verteilen. Er nahm einen Strang und ließ ihn nach unten gegen den Baumstamm segeln. Langsam rollte er sich am Baumstamm entlang in die Tiefe ab, dabei vom Sekret der Spinnenwebfäden immer sicher am Stamm gehalten. Endlich hatte Sidious mit seiner Beute den Boden erreicht. Er schaute zu seinem Meister hinüber, der sich am Rande der Lichtung niedergelassen hatte und seinen Schüler mit einem anerkennenden Blick bedachte.
Erschöpft ließ sich Sidious auf den Boden fallen und wälzte sich umher, dabei Erde, Gras und Blätter an das ihn umhüllende Spinnensekret ziehend, immer weiter in Plagueis' Richtung rollend. Als er sich schließlich vor seinem Meister wieder von der Erde Vasseks erhob, sah er aus wie ein urwüchsiger Waldschrat.
„Wie ich sehe, hat mein Schüler es genossen, in die Wildheit und Ursprünglichkeit dieses Planeten einzutauchen, um seinen Dunklen Triumph voll zu genießen", empfing ihn Plagueis mit einem dünnen Lächeln.
Daraufhin präsentierte sein Schüler seinem Meister die Beute.
„Ein Krokunt – äußerst selten", erklärte Plagueis feierlich, während er das grüngeschuppte Tier beinahe zärtlich in seinen langfingrigen Händen wiegte. „Seine Haut bringt einem bei den Hutts zweitausend Credits ein. Und nur bei den Hutts oder ähnlichen Gangstern. Denn offiziell sind diese Tiere galaxisweit sehr streng geschützt und die Jagd auf sie ist streng verboten!", setzte er mit erhobenem Zeigefinger vor den spöttisch glimmenden gelben Augen hinzu.
„Wollt Ihr mir etwa sagen, dass dies die Quelle Eures Wohlstandes ist, welche nicht im Geringsten etwas mit normalen Finanzgeschäften zu tun hat?", wagte Sidious zu spötteln, während er bereits dabei war, den Glibber und alles daran Befindliche von seinem schmalen, wenngleich athletischen Körper zu entfernen.
Plagueis lachte laut und spontan ob dieser Erwiderung seines jungen Schülers auf.
„Du hast es also genausowenig vergessen wie ich", erwiderte er. „Nein, die wichtigste Quelle meines Wohlstandes besteht darin, dass ich als Sith mit meinen ungewöhnlichen Gaben gewöhnlichen, aber für die Pläne der Sith überaus nützlichen Wesen Gefälligkeiten erweise, die sie anderswo niemals erhalten würden. Durch diese Gefälligkeiten werden diese ahnungslosen Wesen in einem Netz aus Dankbarkeit und Dienstbarkeit mir gegenüber verstrickt, aus welchem sie sich nie wieder befreien können."
Er machte eine Kunstpause, um seinen Schüler zu betrachten. Sidious' blaue Augen schauten ihn mit einem rätselhaften Ausdruck an, den er nicht deuten konnte. Sein Schüler schien für einen Moment mit seinen Gedanken woanders zu sein, dann schaute er seinen Meister wieder konzentriert und freundlich an.
„Ganz im Gegensatz zu dir, mein Schüler", setzte Plagueis nach einer Weile nachdenklich hinzu.
„Ich danke Euch, mein Meister", erwiderte Sidious und deutete eine Verbeugung an.
„Die Spinne war immerhin klug genug, dich in Ruhe zu lassen, als Du auf dem Rückweg warst. Du wirst später noch oft genug erfahren, dass die meisten intelligenten Wesen, mit denen du in der Zukunft zu tun haben wirst, in ihrer Ignoranz und Torheit weit weniger klug sein werden als es diese Spinne hier gewesen ist", erklärte Plagueis mit einem Blick in die Ferne.
„Wir werden sehen, Meister", erwiderte Sidious, während er die Haut des Krokunts mit einem Messer öffnete, um das Tier auszuweiden und für das Feuer vorzubereiten, welches die Beute zu einer schmackhaften Malzeit garen würde. Sidious war sich sicher, dass sein zumeist vegetarisch lebender Meister ihm dieses Mal den Löwenanteil an der Beute überlassen würde.
Note der Autorin: Plagueis macht im Roman sehr wohl diese Andeutung über die unkonventionelle Art, wie er seinen Reichtum erworben hat. Allerdings fragt weder Sidious weiter danach, noch erklärt Plagueis an jener Stelle näher, was genau es damit auf sich hat.
