„Das war ein wirklich schöner Tag", zeigte Lisa ihre kindliche Begeisterung für New York. „Jep, das stimmt. Wir könnten ja morgen einfach blau machen und uns den Rest der Stadt ansehen", schlug Rokko vor. „Das können wir nicht machen", winkte Lisa ab, während sie durch die Tür ins Hotelzimmer trat. „Sehr nett, Herr Kowalski", kommentierte sie, wie Rokko ihr die Tür aufhielt. „Ich dachte, wir hätten die Förmlichkeitsphase hinter uns gelassen", seufzte Rokko enttäuscht. „Ich schon. Was mit dir ist, weiß ich aber nicht, Rokko", neckte Lisa ihn. „Boah", empörte dieser sich. „Das ist ja die Höhe." Er umfasste Lisas Taille und begann sie zu kitzeln. „Nimm das sofort zurück!", forderte er. „Nein", lachte Lisa ausgelassen. „Doch, nimm es zurück!" – „Nein!", wehrte Lisa sich heftig gegen die Kitzelattacke. „Okay, dann nicht", hob Rokko plötzlich die Arme. „Sicher?", fragte Lisa verwirrt. „Ja, sicher." – „Gut", erwiderte sie ahnungslos. Kaum hatte sie sich aber von Rokko weggedreht, umschloss dieser sie wieder mit seinen Armen, um sie erneut zu kitzeln.
„Ich liebe dich", gestand Rokko, als das infantile Intermezzo vorüber war. „Ich… ich liebe dich auch", gab Lisa ganz leise zu. „Klingt nicht sehr überzeugt", kritisierte Rokko. „Doch, doch… es ist nur… ich habe nicht damit gerechnet, dass das passieren würde." – „Was?" – „Dass ich mich tatsächlich in dich verlieben würde, wenn ich mir nur genug Zeit lasse." – „Oh", seufzte Rokko. „Bitte, du darfst jetzt nicht verletzt sein", flehte Lisa. „Bin ich nicht, fast nicht jedenfalls." – „Das heißt aber nicht, dass es nicht trotzdem die ganz große Liebe werden kann", versicherte Lisa ihm. „Dann ist ja gut", lächelte Rokko sie an. „Ich brauche einfach noch Zeit, okay? Einen Schritt nach dem anderen und ehe du dich versiehst, feiern wir goldene Hochzeit." – „War das gerade ein Antrag?", grinste Rokko plötzlich. „Ähm… nein", erwiderte Lisa erschrocken. „In dieser Angelegenheit bin ich sehr konservativ. Wenn du heiraten willst, musst du schon selbst fragen – möglichst mit Kniefall und allem", zog sie Rokko auf, als sie dessen Grinsen wahrnahm. „Okay, ich speichere das mal ab. Wenn du dann keine Zeit mehr brauchst, dann sagst du Bescheid, dann gehe ich vor dir in die Knie." – „Mache ich. Jetzt will ich aber erstmal ins Bett, egal was der Jetlag dazu sagt." – „Mach das. Ich bin auch müde."
„Lisa?", robbte Rokko an seine Freundin heran. „Ja?" – „Es gibt da etwas, das ich gerne tun würde", gestand er ihr mit rauer Stimme. „Und das wäre?", fragte Lisa verängstigt. „Das hier", erwiderte Rokko und legte seinen Arm um sie. „Ich würde dich gerne festhalten, wenn das okay ist." – „Ist es", lächelte Lisa in die Dunkelheit. Sie entspannte sichtlich in Rokkos Umarmung. Dieser streichelte ihr immer wieder über den Bauch. Langsam fanden seine Finger den Weg unter den Stoff ihres Schlafanzugoberteils. Langsam strich er über die darunterliegende Haut. „Entschuldige", murmelte Rokko, als er merkte, wie Lisa sich in seinem Arm verkrampfte. „Schon… schon gut", stotterte Lisa, der dieses Gefühl angenehmer war, als sie zugeben wollte. „Nein, ist es nicht. Ich habe dir ja versprochen, dass ich dich nicht drängen würde." – „Fällt dir das eigentlich sehr schwer?" – „Was?" – „Naja, das mit dir und mir hier… also, dass wir hier nur liegen und eigentlich nichts passiert." – „Naja, nichts passiert würde ich jetzt nicht sagen. Ich bin dir doch sehr nahe." – „Aber du wärst mir gerne noch näher, oder?" – „Ja, schon", seufzte Rokko. „Weißt du, ich hätte nicht dachte, dass mir das soooo schwer fallen würde. Andererseits sage ich mir die ganze Zeit, es geht nicht um primäre Befriedigung. Es geht um dich und mich und dass es unsere Beziehung auf ein ganz anderes Level heben würde." – „Würde es", seufzte Lisa. „Du wolltest mir von den Frauen in deinem Leben erzählen", erinnerte sie Rokko plötzlich. „Naja, da ist meine Oma – sie starb da war ich gerade 12. Ich habe sie sehr geliebt. Dann ist da meine Mutter…" – „Du weißt genau, was ich meine…" – „Du meinst, meine Betthäschen? Da gab es keine. In meinem Leben hat es bisher eine große Beziehung gegeben. Corinna und ich haben uns in der Schule kennengelernt – mit 16. Wir waren über zehn Jahre zusammen." – „Was ist passiert?", wollte Lisa wissen. „Wir haben uns einfach auseinander gelebt. Sie hatte plötzlich andere Interessen als ich… Sie wollte unbedingt einen Tanzkurs machen und weil ich nicht wollte, hat sie sich dann einen anderen Tanzpartner gesucht. Irgendwo zwischen Rumba und Walzer hat sie dann gemerkt, dass sie mich nicht mehr liebt." – „Oh", entfuhr es Lisa erstaunt. „Uns zu trennen war schon ein schmerzhafter Prozess. Ich meine, wir waren so lange zusammen… Aber heute glaube ich, es war gut so. Ich meine, sie hat mich nicht mehr geliebt und für mich war es größtenteils auch nur noch Routine… Wir sind auch immer noch allerbeste Freunde. Sollte ich jemals ein Leumundszeugnis brauchen, dann würde ich Corinna fragen. Niemand kennt mich so wie sie." – „Und warum hattest du keine Affären?" – „Warum hattest du keine?", stellte Rokko die Gegenfrage. „Ich bin dafür genauso wenig der Typ wie du. Ich habe halt eben gerne etwas Stabilität in meinem Leben und da ich die im Job nicht habe, habe ich sie gerne im Privatleben. Verstehst du?" – „Ja, ich verstehe", gab Lisa zu. Sie war verwundert, dass ausgerechnet Rokko, der ihr immer als Paradiesvogel vorgekommen war, diese Einstellung hatte – ihre Einstellung mit ihr teilte, wenn auch eher unwissend. „Gute Nacht, Rokko", wünschte sie ihm dann in der Hoffnung genügend Ruhe zu finden, sich all das Gehörte noch einmal durch den Kopf gehen lassen zu können.
