Alexander Agnew
„CONTREMESCIMUR!"
RUMMS
Das Bootshaus hob sich von seinem Fundament – BUUUMMMMM – Bodenplatten zerbarsten, Wasser schwappte über die Stufen – nicht wenige Kämpfende verloren das Gleichgewicht –
„VENI CLUNACULUM!" – vom Boden aus wurde der nächste Kanzleramtsauror getroffen – der Fluchurheber sprang auf –
Weder der Hagel aus Dolchen von der Seite, noch der nasse Stein unter ihm vermochten Amirauté Eric Johnson aufzuhalten und nicht nur ihm waren Horror und Verzweiflung ins Gesicht geschrieben, als er an die Seite des Senators sprang. Marcus Jones liefen Tränen über die Wangen, er biss durch echten Schmerz, und McKean sah aus, als gingen seine Hände gleich in Flammen auf.
„Ich will ohne dich nicht leben!", brüllte er gerade. „Hör mich, Jay – bitte – bei allem, was – verlass mich nicht – uns nicht! DEIN KIND NICHT!"
Lex Agnew schien kurz vor dem Erstickungstod, als er sich von James löste, das Gesicht blutverschmiert und McKean reagierte trotz – oder gerade wegen seiner Panik als erster. Er sprang über James hinweg und nahm ohne zu Zögern Agnews Platz ein, während der, um die Klinge herumbalancierend, die Hände direkt über dessen Brust ausstreckte.
„Die Muskulatur hört nicht auf zu bluten!", presste er atemlos hervor. „Es muss die Klinge sein – da ist irgendein Fluch drauf!"
„Warum ziehen wir sie nicht?!"
„Sie verschließt die Wunde – trotzdem! Er würde verbluten!"
„Wir machen erst mal so weiter!", beschloss Agnew energisch und fetzte James die Krawatte vom Hals. „Wir haben keine Wahl! Wir warten auf Porter – wir haben keine Chance ohne Transfusion!"
Die Amirauté hatten keinerlei Farbe mehr im Gesicht – mit jeder Sekunde wurde es enger. Bald würden sie ihn nicht mehr am Leben halten können – sie würden erschöpft sein.
„Jay, du musst uns helfen, wir schaffen dich sonst nicht!" – „James, hol Luft!" – „Wir sind bei dir – wir lieben dich! WIR ALLE!" – „Komm schon!" – „Wenn du uns hörst, hilf uns – hörst du?!" – Sie redeten wie im Fieber auf ihn ein und hatten genauso wenig Angst um ihr eigenes Leben, wie die schöne Grace Walters den Senator anbrüllte:
„JAMES! Ich weiß, du willst nicht sterben – du darfst nicht sterben!", kreischte sie, während Agnew James soweit es ging den Stoff vom Oberkörper fetzte. „Nicht nach all den Jahren – nicht nachdem wir bis hierher gekommen sind! UM HARRYS WILLEN, MACH DIE AUGEN AUF!"
„James, komm zu dir! Ich kann nicht mehr Magie zur Wunde leiten, als du sel– MATT!"
Die absolut zufällige Warnung des Medimagiers rettete Amirauté Matthew Letchfords Leben. Im allerletzten Moment blockte er den hinterhältigen Fluch eines der Kanzleramtsauroren ab – sie waren mittlerweile in der Unterzahl und sahen keinen anderen, fairen Ausweg mehr – und gruben sich so eine tiefe Grube: Letchfords eigentlicher Gegner war durch den Fluch seines Kollegen so überrascht, dass der Amirauté ihn endlich an der Gurgel erwischte. Wie ein Brett kippte der Agent um, just als Letchford sich nur vier Meter vor James – an McMenamin vorbei, der in dem Moment ausholte – in einer Rolle über den blutverschmierten Boden warf, um dem letzten, erbosten Fluch des Sterbenden zu entgehen.
„Heilige Mutter Gottes!", entfuhr es ihm. „Lex, was" –
„DENK ES NICHT MAL, MATT!", donnerte der Unfallchirurg. „Wir haben eine Chance! Er ist Schwimmer – er hat ein gutes Lungenvol" –
„NEEEEIN!"
McMenamin hatte getroffen. Der Kanzleramtsauror wurde von den Füßen geworfen – plötzlich – sein Kopf schoss herum – ein würgendes Husten –
Blut pflatschte in McKeans Gesicht – „JAY!"
„GOTT SEI DANK!"
Die Amirauté stöhnten auf vor Erleichterung – aber nur kurz.
„Schlucken, Junge – nicht das Blut hochwürgen!", rief Agnew hektisch und packte James – aus dessen Gesicht in qualerfülltem Grauen weit aufgesperrte braune Augen hervorstarrten. „Jay, sieh mich an! SIEH MICH AN! Versuch, ruhig zu atmen – Jay, es tut mir Leid – es tut mir so Leid! Ich hätte es gern anders gehabt – aber ich schaff dich nicht anders! Du musst mithelfen – hörst du? Konzentrier dich – hörst du!?"
James konnte keinen klaren Gedanken fassen, seine Brust brannte wie Feuer – und sein Schrei durchschnitt die Luft schärfer als alle tausend Dolche, die in den letzten Momenten herumgeflogen waren.
„Schon gut, Jay – alles wird gut!" Blakes Stimme erreichte James' Kopf – sie war stark, aber er konnte seine Panik und sein Entsetzen nicht aus ihr verbannen. „Alles wird gut – Jay, sieh mich an! Alles wird gut, glaub mir! Halt durch, wir sind bei dir! Wir alle!"
James´ Körper krampfte vor Schmerz – es machte alles nur noch schlimmer – zu dritt warfen sie sich auf ihn, damit er sich nicht mehr rühren konnte –
„Jay, halt die Luft an! Einen Moment nur – komm!" Lex drückte mit aller Kraft seinen Brustkorb zusammen, um den Krampf zu durchbrechen. „Flach atmen jetzt – rein in den Bauch! Durchhalten – Dave kommt jeden Moment!"
„Jay, du schaffst es! Du musst durchhalten – du MUSST einfach!" Blake saß auf seiner Hand, drückte seinen Oberkörper zu Boden und presste die Wange gegen seine Schläfe. „Ich liebe dich – Jay, ich liebe dich! Du wirst nicht sterben! Für Harry – wir schaffen es! Wir beide schaffen es!"
James hätte entspannen müssen, die Heilkraft hätte dann besser gewirkt, aber er brachte es nicht fertig, er war zu übermannt – der Eindruck zu entsetzlich, das Gefühl, zu ersticken zu schrecklich –
„Wir geben dich nicht auf, Jay! Lass nicht du uns hängen!"
James kniff die Augen zusammen, Tränen strömten über sein Gesicht und mischten sich mit denen der Amirauté über ihm.
„James, einatmen – wir tun gegen den Schmerz, was wir können!", schluchzte Walters über den Lärm des Kampfes hinweg. „Du musst durchhalten – bitte" –
Ihr Blick zuckte auf –
„PORTER!"
„ENDLICH!"
„DIAZEPAM, MCMILLAN!" – Agnew sprang auf. „Zentraler Venenweg – Zugänge legen – Sauerstoff – LOSLOSLOS!"
„Legen Sie den ZVK?!", rief Dave Stanton – er drückte Agnew das Set in die Hand und sein Kollege nahm sich nicht mal die Zeit, zu Boden zu hechten. Greg McMillan sprang vor und rammte James eine Dosis Valium in den Schulterkopf, die einen Elefanten ruhiggestellt hätte.
„Amirauté McKean – aus dem Weg!", verlor auch er keine Silbe darüber, was passiert war oder wie es dazu hatte kommen können und drückte James eine Sauerstoffmaske über Mund und Nase, um per Beutel seine Atmung zu unterstützen – nur Sekunden später drehte James die Augen über und erschlaffte.
„Willst du nicht intubieren, Lex?!", rief Jones und Stanton drückte James mit Gewalt die erste Konserve Blut in den Körper, während der Angesprochene endlich ein intravenöses Schmerzmittel spritzte.
„Nein – ich brauche ihn wach – er würde nicht mehr wach! RICK!", bellte er über Letchfords Schulter. „DIE KLINGE MUSS RAUS!"
Die sechs verbliebenen Société rückten vor, um den Rücken des Amirauté gegen die letzten beiden Kanzleramtsauroren zu decken – sie würden höchstwahrscheinlich sterben, aber es war eine Ermessensentscheidung. McMenamin wirbelte herum –
„Zusammendrücken, Eric!", befahl Agnew hektisch und drückte Johnson zwei weitere Blutkonserven in die Hand – Porter packte die Parierstangen. „Haltet ihn fest – nehmt seine Hände – pumpt ihm alle Magie rein, die ihr habt! Jay – bereit?!"
„Drei" –
„James – ich bin hier! Alles wird gut – keine Angst – wir schaffen es!"
„Zwei" –
„Du warst immer der stärkste von uns!"
„AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA
AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAARGH!"
Der auftrainierte Sicherheitschef wog an die hundert Kilo, aber James wuchtete ihn beinah von sich herunter – Schmerz durchfuhr seinen Körper wie ein gewaltiger Adrenalinschub – Rick rang ihn mit ungeheurer Kraft zurück –
„Schon gut, Jay – gleich vorbei!", versuchte McKean schreckerfüllt, mehr sich selbst zu beruhigen – James klammerte sich an ihn, dass seine Knochen krachten – er schrie wie am Spieß – es waren lange – entsetzliche Sekunden –
„STOP!" – Agnew presste mit aller Kraft eine Kompresse auf die Austrittswunde am Rücken – Blut quoll hervor – James sank japsend über Greg McMillans Schoß zusammen. „Pause – durchamten, Jay!"
„Ruhig, James!" McMillan schloss seinen Kopf fest in den Arm und hielt ihm die Sauerstoffmaske im Moment bloß so nahe wie möglich ans Gesicht. „Ruhig atmen!"
„Wir drehen ihn um!", beschloss Agnew – Rick sprang auf. So vorsichtig sie konnten rollten sie James auf den Rücken – er ächzte gequält – sein eigenes Gewicht war der beste Druckverband. „Atmen, Jay!"
BUMM –
Der schwere Körper des Kanzleramtsauroren ließ den Boden beben, als er aufkam – einer der Société apparierte hinter dem geschockten Letzten – schlug ihn mit zusammengekratzter Kraft K.O. – ein anderer – „Veni clunaculum!" – rammte ihm einen Dolch in die Rippen – grauenerfüllt starrten sich die Société einen Moment an – es war vorüber. Aber Zeit zum Aufatmen hatten sie nicht – fünfzehn Kollegen lagen teilweise schwerstverletzt am Boden.
Die schreckerfüllte Gruppe um den Senator registrierte nichts von alldem – Stanton schloss den nächsten halben Liter Blut an – „Zentimeterweise jetzt, Porter – sonst komme ich mit der Blutstillung nicht mit!" – die Amirauté nagelten James auf den Boden –
„AAAAAAAAAA" – das Zustechen war nicht schlimmer gewesen. James schrie in Todesqual – selbst von unter der Atemmaske ließen seine Schmerzen und seine Verzweiflung alle zusammenfahren. Blake hielt ihn im Arm so weit und so gut es ging, doch wirklich helfen konnte das keinem von beiden – „AAAAARGH!"
Mit einem kräftigen Ruck zog ihm Porter das hüfthohe Ungetüm endgültig aus der Brust – Blut spritzte auf – sofort legten sich vier Paar Hände über die Wunde.
„Okay – alles vorbei – tief einatmen, Jay!" – James sackte stöhnend zusammen – „Schon gut – es ist raus – das Schwert ist draußen!"
„Das war sicher ein halber Liter!"
„Hyperventillieren, Greg!", befahl Lex eilig – James driftete weg. Er sah für eine Sekunde auf und erblickte einige seiner Teams, die mit den Société um die Verletzten apparierten.
„JAMES!", kreischte Walters unter Tränen. „Du wirst jetzt nicht schlappmachen!"
„Komm, Junge – reiß dich zusammen! MANN, FÜR HARRY!" McKeans Gesicht verzog sich vor Horror, ihn verließen sichtlich Kräfte und Mut –
„Schon gut!", reagierte Lex schnell. „Das wird nur momentan sein – lasst ihn! Wir haben das Schlimmste – und wenn es jetzt nicht besser wird, haben wir ohnehin verloren! Lasst mich da mal ran!"
Johnson, Letchford, Walters und Jones nahmen die leuchtenden Hände ein Stück hoch – Blut sprudelte aus der Wunde – und Lex legte James die seinigen um den Brustkorb. Ein hochkonzentrierter Ausdruck trat in sein Gesicht – alle starrten ihn angsterfüllt an – und Sekunden später fing er an zu nicken. „Ja – ja, er hört auf zu bluten!"
Ein Stöhnen tiefster Erleichterung ging durch die Runde. Sie atmeten durch, doch mit fallendem Adrenalinspiegel drängte auch der Schreck an die Oberfläche. Vor allem bei jenen, die sich in den letzten Minuten krampfhaft aufs Heilen konzentriert hatten, ohne nebenbei ihre Gefühle rauszulassen.
McMillan beatmete James wieder langsamer, Stanton stach den fünften Zugang und mit jedem Tropfen Blut, den sie James in die Adern zurückpressten, kehrte Mut in die Freunde zurück. Doch einer von ihnen musste in Kauf nehmen, die aufkommenden positiven Gedanken zu stören:
„Lex, wenn er über den Berg ist – wenigstens vorerst", fing McMenamin an und wandte sich in die Runde – „Leute – ihr müsst Voldemort finden!"
„Was?!"
„Bist du bescheuert?! Jetzt!?"
„Ich lass doch Lex nicht mit der schweren Heilung allein!", wiedersprach die Geheimdienstchefin energisch und hätte ihrem Kollegen sichtlich gern eine geknallt. „Spinnst du?!"
„Nein, tue ich nicht!", rief der Sicherheitschef. „Von mir aus instruiert eure Staffeln – falls sie uns helfen wollen – und kommt dann wieder – aber wir müssen Voldemort festnageln! Die Condiciones, Herrgott!"
Der Ausdruck des Außendienstchefs veränderte sich, als ihm bewusst wurde, dass McMenamin von den Bedingungen sprach, die ihnen Devereux auferlegen würde, wenn James überlebte. Und danach sah es nun aus. Entsetzen trat in die Augen aller – noch keiner hatte derart weit gedacht – und die Entscheidung, ob sie ein Risiko eingehen sollten oder nicht, fiel schnell:
„Leute – geht!", sagte Agnew und stöpselte sein Stethoskop aus den Ohren. „Ich hab gute Atemgeräusche – wir kommen schon klar! Rick bleibt ja bei mir – ich hab Porter, McMillan und Stanton! Meine restlichen Appui sind in Reichweite und der Schockraum wartet oben auf mich! Wenn er absackt, rufe ich euch – geht!"
McKean zerschmetterte es das Herz, aber er wiedersprach nicht. Er sah James kurz an, der langsam wieder zu sich kam, drückte ihm kommentarlos einen Kuss auf den Handrücken und die Amirauté verschwanden.
***
Meine Tränen waren versiegt und meine Träume zerschlagen. Ich hatte keine Kraft mehr. Ich fühlte mich wie betäubt, während ich durch das mittlerweile stille Schloss und hinunter Richtung Ländereien unterwegs war. Ich registrierte kaum, wohin ich ging. Warum war ich meinem Vater verboten? Was war das für ein Unding? Wieso? Damit er sich auf seinen Job konzentrieren konnte? Mehr nicht? Womit hatte er das verdient? Womit hatte ich verdient, auf ihn verzichten zu müssen – wenn er doch die ganze Zeit hier gewesen war?! Ja, die Vorschriften waren teilweise uralt und schrien nach Reform – aber das? Und ihn für mich umzubringen? Kinder zu verbieten allein war wider der Natur – die Rechtfertigung für den Verfassungsartikel und vor allem für die Konsequenz konnte keine bloße Winzigkeit sein. Was sollte dahinterstecken? Schutz der Öffentlichkeit oder was?! Zum Teufel, wovor?
Ich verstand nichts. Nichts ergab einen Sinn. Warum hatte James mich beschattet? Warum nicht ein Agent? Die Antwort war schnell gefunden: Er hatte nur inoffiziell gewusst, wie tief ich in der Sache drinsteckte. Es erklärte auch Blake McKeans Erstaunen bei der Einsatzbesprechung, das er an den Tag gelegt hatte, als das Thema aufgekommen war. James hatte keinen Dritten beauftragen können, ohne einzuräumen, wer er war. Er hatte das Wissen gehabt, aber es nicht verwerten können. Er hatte gewusst, was ich das Jahr über getrieben hatte; dass ich den Horkruxen hinterhergejagt war. Aber wie war er zu den Informationen gekommen und warum? Zufällig? Hatte er sich aus Erfahrung mit mir als Voldemorts Ziel näher beschäftigt? Oder sich gar aus anderen Gründen für mich interessiert…? Ich war hin und her gerissen. Ich hoffte, dass er sich für mich interessiert hatte – nicht für den Horkrux. Aber das würde bedeuten, dass ich meinen Dad auf dem Gewissen hatte und das hielt ich nicht aus. Also hoffte ich, dass er nur im Dienste der Staatssicherheit an mir dran gewesen war – aber das hielt ich auch nicht aus. Ilch wusste nicht, welche Idee unerträglicher war.
Ich warf einen matten Blick hinüber zum Bootshaus.
Licht glomm hinter den Fenstern und ich versuchte erfolglos, mir nicht zu überlegen, was sich dahinter abspielte. Der Kampf schien vorbei – aber selbst wenn die Société geschafft haben sollten, die Agenten des Kanzleramts niederzuringen … James´ Körper würden sie mittlerweile zugedeckt haben. Ich blies angestrengt Luft aus, meine Brust schnürte sich ein. Höchstwahrscheinlich waren sie alle tot – die Führungsebene der britischen Eliteauroren ausgelöscht. James und sämtliche Amirauté. Ich hatte zwar einen von ihnen nicht registriert, aber Richard McMenamin als James´ Sicherheitschef war etwa so sicher unter den Société gewesen, wie Voldemort mich in den nächsten Minuten umbringen würde.
Was sollte ich zu James sagen, wenn es vorbei war? Was würde er zu mir sagen? Dass es mir Leid tat; dass ich auf mein Herz hätte hören sollen. Dass er enttäuscht war und mir nie verzeihen konnte? Was sollte ich tun? Vor ihm auf die Knie fallen? Ich hörte schnell auf, darüber nachzudenken. Wir beide würden tot sein und James hatte auf mich nicht wie jemand gewirkt, der auf unabänderlichen Zuständen herumritt. Vielleicht würde es halb so tragisch. Schließlich war meine Reaktion nicht völlig unverständlich. Oder? Er würde bestimmt wütend sein, aber er würde auch mehr als ausreichend Zeit haben, sich zu beruhigen. Wir würden zusammenfinden, mit der Zeit. Irgendwie. Und mit dieser ermutigendenn Idee betrat ich den Wald.
***
Langsam lichteten sich der Rauch und die Staubwolken und alles was am Boden zu sehen war … war Blut. Verstreute Gliedmaßen waren ihrem Körper nicht mehr zuordbar, Hände, Arme, Füße – eine Ohrschnecke fand sich einige Meter vom dazugehörigen Kopf. Die Kanzleramtsauroren lagen zerfetzt auf dem Stein und zwischen ihnen die Körper von mindestens fünfzehn Société. Sieben rangen noch mit dem Tod, sie waren umringt von ihren Kollegen und etlichen Medimagiern. Und mittendrin … stand, aufrecht und mit ausdruckslosem Blick: Dominique Devereux. Der Anblick war grotesk, er hatte keinen Kratzer – nicht mal Blutspritzer auf seinem festlichen Umhang.
James wandte erschlagen den tränenverschleierten Blick zur Decke.
„Was ist mit Harry …?", waren die ersten erstickten Worte, die er zu flüstern fähig war. Er wagte nicht, noch einen Blick über die Leichen am Boden zu werfen und starrte von Sorge und Angst überwältigt in Ricks Augen.
„Ich hab ihn ins Schloss gebracht – ihm fehlt nichts!", antwortete Porter mit ruhiger Stimme und James schloss die tränenden Augen.
„Er…"
„Jay – nicht!", versuchte Lex seinen schwer verwundeten Patienten zu stoppen.
„Was?", kam es vom Sicherheitschef – er ahnte die Dringlichkeit und griff nach James´ Nacken.
„Er wird … Voldemort", brachte James hervor, hustete gequält und nahm alle Kräfte und Luft zusammen – Ricks Augen weiteten sich, bevor es einem der anderen dämmern konnte. Seine Hände schossen zu James´ Linker. „Hol meinen Kleinen zurück, Rick!"
McMenamin riss James die schwere Omega so heftig vom Gelenk, dass die Hand zerkratzte und die letzte Silbe hatte seinen Mund noch nicht verlassen, als er disapparierte.
„Amirauté!", schrie Stanton ihm entsetzt hinterher – wie konnte er sie allein lassen?! – während Agnew das Ausmaß begriff.
„Bleib ruhig, Jay – er findet ihn!", reagierte er auf James´ sichtlich wachsende Unruhe und drückte tröstend seine Schulter. „Harry ist in guten Händen – und wir konzentrieren uns auf dich! Dave, gehen Sie nach oben – sagen Sie im Schockraum Bescheid, dass wir kommen! Ich brauche ein Spiral-CT, vierzehner Schmerztrank mit achtzehner Nadel, Bronchoskopie-Set und einen OP – los!"
TBC
