PoV: Chris

Darren wollte doch heute wiederkommen, oder?
Warum meldete er sich nicht bei mir? Seitdem er zu Mia geflogen war, hatte ich nichts mehr von ihm gehört. Keine einzige SMS hatte er beantwortet. Ich stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch.
Warum, zum Teufel, meldete er sich nicht?

Mittlerweile war es kurz vor 17 Uhr und es wurde kühler. Ob Darren was passiert war? Ob er noch bei Mia war?

Oh Gott! Langsam wurde ich wirklich verrückt! Darren war erwachsen. In nur wenigen Wochen würde er 25 werden. Er war in der Lage, auf sich selbst aufzupassen…

Mein Handy vibrierte und ich zuckte erschrocken zusammen. Eine SMS von Darren. Endlich. Vor Erleichterung zitterten meine Hände, sodass ich beinahe mein Handy fallen ließ.

Hey, Chrissy!

Tut mir Leid, dass ich mich erst jetzt melde :/

Ich weiß, du hast dir Sorgen gemacht.

Kannst du zu meinem Trailer kommen?

Ich möchte dir etwas zeigen!

Nimm ne Jacke mit!

3 Dare

Erleichtert atmete ich aus. Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass ich die Luft angehalten hatte. Darren ging es gut! Ich las die Nachricht erneut und runzelte die Stirn. Was wollte er mir denn zeigen? Wozu die Jacke?
Nun, es brachte nichts, mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Also schnappte ich mir meine geliebte braune Lederjacke und machte mich auf den Weg zu meinem besten Freund.

PoV: Darren

Es klopfte. Unsicher ging ich zur Tür und öffnete. Hoffentlich war Chris nicht zu sauer…

Da stand er und musterte mich von oben bis unten. Mein Blick war auf seine Augen geheftet. Sie strahlten, wie es nur Chris Augen konnten und ich sah Erleichterung in ihnen. Dann fing Chris an zu lächeln und schloss mich fest in die Arme. Gott… Warum fühlt es sich so gut, so richtig an ihn zu umarmen. Chris murmelte etwas und sein Atem in meinem Nacken verursachte bei mir eine Gänsehaut.

„Gott, Dare! Ich dachte schon, dir sei etwas passiert!"

„Tut mir leid" Ich vergrub mein Gesicht an seinem Hals. Verdammt. Roch er schon immer so gut? Ich umarmte ihn noch fester, wollte nicht, dass die Umarmung endete.

„Ähm.. Dare?"

„Hmm.."

„Hast du vor, mich noch mal wieder loszulassen? Oder sollte ich mir besser gleich angewöhnen, ohne Luft zu leben?" Chris Körper bebte unter seinem Lachen. Erschrocken ließ ich ihn los.

„Tut mir leid", widerholte ich mich und sah dabei auf den Boden. Ich konnte ihm einfach nicht in die Augen sehen.

„Hey, wolltest du mir nicht irgendwas zeigen?" Grinsend sah ich ihn nun doch an und nickte. Ich schnappte mir seinen Arm und zog ihn mit zu meinem Auto.

„ HEEEY! Wo wollen wir denn hin?" Lachend folgte er mir.

Zehn Minuten später hielten wir an und ich öffnete Chris, ganz der Gentleman, die Tür. Mit skeptisch hochgezogenen Augenbrauen musterte er die Gegend. Ich gab zu, sonderlich berauschend war es hier nicht. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Wir befanden uns mitten auf einem großen Parkplatz vor einigen Hochhäusern. Ein schneller Blick in den Himmel verriet mir, dass wir uns beeilen mussten. Er hatte sich bereits orange-pink verfärbt und Gott sei Dank waren nur wenige kleine Wölkchen zu sehen. Ich griff nach einer Decke aus dem Auto und wieder nach Chris' Hand um ihn mit mir zu einem der Hochhäuser zu ziehen.

„Darren? Was machen wir hier? Was willst du mir so dringend zeigen? Und wozu brauchen wir eine Decke?" Chris wurde langsam ungeduldig. In diesem Fall ähnelten sich Chris und sein Glee-Charakter Kurt sehr. Beide waren sehr neugierig und ließen sich nur schwer überraschen.

Breit grinsend zog ich ihn in den Fahrstuhl und drückte auf die 27.
„Lass dich einfach überraschen, Chris." Langsam wurde ich nervös. Was wenn es ihm nicht gefällt?

Ein leises ‚Pling' kündigte unsere Ankunft im höchsten Stockwerk an.

„Und noch einmal, Darren. Was machen wir hier?"

„Komm mit!" Ich manövrierte Chris zu einer kleinen Tür, die, wie ich wusste, nie verschlossen war. Hinter ihr lag eine kleine Treppe, an deren Ende eine zweite Tür unverschlossen wartete.

Bevor ich sie öffnete drehte ich mich noch einmal zu Chris um. Irgendwie war er leicht blass. Vielleicht bildete ich mir das in dem fahlen Licht der nackten Glühbirne auch nur ein.

„Ich hoffe wirklich, es gefällt dir."

Dann öffnete ich die Tür und trat hinaus. Chris folgte mir langsam.

Ich genoss den plötzlichen Wind, der hier oben auf dem Dach eines der höchsten Hochhäuser in L.A. ziemlich heftig wehte. Lachend ließ ich meine Arme fliegen. Ich liebte diesen Ort einfach.

PoV: Chris

Darren zu beobachten war ein wahres vergnügen. Lachend und jauchzend sprang er über das Flachdach. Ließ die Arme im Wind fliegen. Seine schwarzen Locken waren schon jetzt wild zerzaust.

Ich selbst stand noch immer an der Tür und hielt die Klinke mit beiden Händen fest. Lächelnd folgten meine Augen Darren, der sich noch immer wie ein kleines Kind freute.

PoV: Darren

Nach kurzer Zeit hatte ich mich halbwegs wieder eingekriegt. Leicht schnaufend drehte ich mich zu Chris um. Warum stand er denn noch immer bei der Tür und umklammerte den Griff?

„Chrissy! Komm her! Du musst dir das ansehen!", rief ich, doch er schüttelte nur den Kopf. Stirnrunzelnd lief ich zu ihm.

„Was ist los?"

„E-es tut mir leid, Darren. Ich.. Ich kann nicht." Erst jetzt bemerkte ich, dass er weiß wie eine Wand war und irgendwie leicht schwankte. Besorgt fasste ich ihn an den Unterarmen.

„Chris? Hast du etwa Höhenangst?"

Nicken.

Ich konnte es nicht glauben. Warum wusste ich das nicht? Als bester Freund musste ich sowas doch wissen, oder? Er schüttelte leicht den Kopf.

„Mach dir keine Vorwürfe. Du hättest es nicht wissen können, Dare. Ich hab es nie jemandem erzählt." Konnte er etwa Gedanken lesen?

„Okay. Dann lass uns wieder nach unten gehen. Es tut mir leid. Ich wollte natürlich nicht, dass dir schwindelig wird oder so." Doch Chris schüttelte energisch den Kopf.

„Nein! Ich will wirklich wissen, was du mir zeigen wolltest, Dare."

„Wirklich?"

Wieder heftiges Nicken.

„Irgendwann muss ich doch damit klarkommen, oder?"

Ich nickte und langsam gingen wir zur Mitte des Daches. Jetzt waren es ca. 30m zu jeder Dachkante. Ich merkte, wie Chris zitterte. Und da es zwar windig, aber nicht sonderlich kalt war, schob ich es auf die Höhenangst. Sein Blick war starr auf den Boden gerichtet. So würde das nicht funktionieren. Mich dicht vor ihn stellend, hob ich sein Kinn an, bis er mir in die Augen blickte. Seine Lippen waren nur wenige Zentimeter von meinen entfernt. Es wäre so einfach, ihn jetzt zu küssen…

Verdammt! Was dachte ich da schon wieder!? Ich verscheuchte den verrückten Gedanken und konzentrierte mich wieder auf Chris, der mich jetzt aus großen blauen Augen ansah. Diese Augen….

NEIN! KONZENTRATION! Meine Güte…. Es war ja wirklich schlimm mit mir…

„Vertraust du mir?" Meine Stimme, kaum lauter als ein Flüstern, wurde vom Wind verrissen, doch Chris verstand mich.
„Ja" Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und ließ seine Augen funkeln. Bevor ich wieder zu sehr in ihnen versank sagte ich schnell: „Gut, dann dreh dich bitte um"

Ich sah die Angst in seinem Blick und auch die Unsicherheit. Doch dann strafte Chris die Schultern und nickte.

„Bleib aber bitte bei mir, ja?" Ich lächelte breit und nahm seine zitternde Hand in meine.

„Natürlich!" Langsam drehte ich ihn um.

PoV: Chris

Ich presste fest die Augen zusammen. Erst ein sanfte Druck von Darrens Hand brachte mich dazu, die Augen einen Spalt zu öffnen. Und in der nächsten Sekunde riss ich sie weit auf.

Das war das Schönste, was ich je gesehen habe.

Der Himmel war rot-orange. Die Sonne, ein blendend gelber Ball, stand schon sehr tief und tauchte alles in rötliches Licht. Es wirkte, als würde das Firmament brennen.

Meine Angst war plötzlich kaum noch spürbar. Staunend drehte ich mich um die eigene Achse und bestaunte die Schönheit dieses Ortes. Es war alles zu sehen. Ein Teil der Berge, mit dem Hollywood Schriftzug, viele Häuser und Palmen die angestrahlt wurden und das Meer, indem die Sonne langsam versank. Es war perfekt.

Mein Blick fiel auf Darren und mir wurde schlagartig bewusst, dass es dieser Ausblick war, den er mir zeigen, mir schenken wollte. Strahlend sah ich ihn an.
„Es ist perfekt!" Glücklich lächelnd löste er seine Hand aus meiner und trat näher an mich ran.

„Es ist mein Lieblingsort. Ich bin oft hier, wenn ich alleine sein möchte oder an einem neuen Song arbeite. Es ist so friedlich."

„Du hast es nie jemand anderen hierher gebracht?" Ich musste einfach fragen. Darren schüttelte noch immer lächelnd den Kopf.

„Warum ich?", fragte ich weiter

Darren ging an mir vorbei und breitet die mitgebrachte Decke auf dem Boden aus. Er setzte sich und klopfte dann auffordernd neben sich. Der Einladung folgend, setzte ich mich neben ihn und sah ihn erwartungsvoll an.

„Ich möchte mich bei dir entschuldigen… und bedanken." Darren machte eine kurze Pause und fuhr dann fort.
„Du hilfst mir immer, nimmst ständig alles auf dich, bist so lieb… Ich war in den letzten Tagen kein sehr guter Freund… Es tut mir leid… Ich weiß, du hast dir Sorgen gemacht. Ich weiß selbst nicht, warum ich immer so einen Mist baue. Ich schätze, wenn ich mit einer Situation überfordert bin, schotte ich mich ab und ziehe mich zurück. Ohne zu sehen, was es für Auswirkungen auf mein Umfeld hat." Er schwieg, doch ich konnte sehen, wie er nach Worten suchte.

„… Ich kann nicht beschreiben, wie unendlich leid es mir tut, dass Ryan dich angeschrien hat und ich mich nicht mal gemeldet habe. Ich weiß nicht… Ich konnte es irgendwie nicht. Mein Kopf war so voll. Ich war total verwirrt. Bin es immer noch. Ich weiß, das ist 'ne blöde Entschuldigung, aber ich konnte mich einfach nicht melden."
Ich lächelte und nickte verständnisvoll.

„Ist schon okay, Darren. Du bist kein schlechter Freund! Mach dir mal wegen mir keine Sorgen." Sanft legte ich meine Hand auf seinen Arm. „Hat sich das mit Mia denn jetzt geklärt?"

Darren nickte langsam.

„Ja, ich denke schon. Ich hab Schluss gemacht." Überrascht riss ich die Augen auf. Nachdem er erst heute zurückgekommen war und nicht schon gestern, hatte ich fest damit gerechnet, dass er und Mia sich wieder vertragen haben.

„Was ist passiert? Was hat sie gesagt?" Darren seufzte leise.

„Chris, ich möchte grade nicht darüber reden, wenn das in Ordnung ist. Sie hat zugegeben mich betrogen zu haben und dann noch ziemlich viel Mist gelabert. Ehrlich gesagt, möchte ich grade nicht darüber nachdenken. Dieser Moment gehört uns." Er sah mich entschuldigend an.

Ich lächelte und wuschelte durch seine schwarzen Locken.

„Okay. Aber du weißt, dass du immer mit mir reden kannst, oder?" Da war es wieder. Dieses ganz bestimmte Darren-Lächeln, das ich so sehr liebte.

„Jaa! Das weiß ich! Danke, Chrissy. … Oh ich soll dich übrigens von Brian, Joey und Lauren grüßen! Ich bin, nachdem ich von Mia weg bin, nach Chicago geflogen… deshalb kam ich auch erst heute wieder. Ich musste einfach mit Joey reden." Hmm… warum konnte er mit den StarKids reden, aber nicht mit mir? Irgendwie wurmte mich das. Aber eigentlich ist es ja auch egal. Hauptsache Darren geht es gut. Und Joey und die anderen StarKids kennen ihn ja auch schon viel länger.

„Oh sie haben mich übrigens auch auf die Idee gebracht, mit dir hier her zu kommen."

Wir saßen noch den ganzen Abend auf dem Dach, beobachteten, wie die Sonne im Meer versank und der Himmel sich langsam dunkel färbte. Darren erzählte viel von der Nacht, die er in Chicago gewesen war. Ich merkte, wie glücklich es ihn machte, dort gewesen zu sein. Er lächelte oft und kam richtig ins Schwärmen, als er seine Kupplungsversuche zwischen Joey und Lauren schilderte. Ich lachte mit ihm. Es wurde wirklich Zeit, dass ich seine ‚andere' Familie kennenlernte. Ich schmunzelte, als mir plötzlich ein Gedanke kam. Darrens Geburtstag! Ja, das könnte funktionieren!

Spät in der Nacht wurde es dann doch ziemlich kühl. Darren bemerkte mein Frösteln, stand auf und hielt mir galant die Hand hin.

„Ich denke, wir sollten langsam zurück fahren." Mit leichtem Bedauern griff ich nach der ausgestreckten Hand und ließ mich von ihr hochziehen. Ich sah mich noch ein letztes Mal um. Ich verstand, warum Darren diesen Ort so liebte. Ich stellte mich dicht vor ihn, meine Höhenangst machte mir nichts mehr aus, und sah in diese strahlenden braunen Augen.

„Danke, dass du mich hierher gebracht hast, Darren. Das bedeutet mir viel!" Wie selbstverständlich legte er seine Arme um meine Hüfte und zog mich in eine Umarmung. Glücklich schmiegte ich mich an ihn und genoss den Moment. Über uns funkelten die Sterne.