Jane und Carl (April 1921, Strathcona, Vancouver)

Jane warf ihrem Begleiter einen kurzen Seitenblick zu.
„Ich kann wirklich alleine nach Hause gehen", wiederholte sie zum x-ten Mal, „ich gehe die Strecke jeden Tag zweimal – und ja, auch im Dunkeln!"
Carl zuckte nur mit den Schultern und ging weiter. Er, der sonst so gesprächig war, immer einen flapsigen Spruch auf den Lippen, um ihr einen grauen, anstrengenden Tag im Café zu erhellen, hatte seit sie von dort losgegangen waren, kaum ein Wort gesagt.
„Ich meine, das ist ja nett von dir und alles, aber wirklich nicht nötig", fuhr Jane fort, wissend, dass sie plapperte, aber nicht in der Lage, den Mund für langer als ein paar Sekunden zu schließen, ganz so, als müsse sie, die sonst eher Stille, seine momentane Schweigsamkeit wieder wettmachen. Ein merkwürdiger Tausch.
Carl sah sie kaum an, ging einfach weiter, den Blick auf die Straße gerichtet, die Stirn gerunzelt. Hätte Jane ihn länger gekannt, hätte sie gewusst, dass Carl schweigsam wurde, wenn er nervös war.
Aber sie wusste es nicht, war also nur sehr verwirrt, als sie endlich an ihrer Pension ankamen.
„Also, es… es war nett, dass du mich gebracht hast und… man sieht sich?", Janes Verabschiedung geriet mehr als Frage und sie wollte sich verbessern, kam aber nicht mehr dazu, weil Carl sich vorgebeugt und sie geküsst hätte.
Viel zu überrumpelt, um etwas zu tun, stand Jane einfach nur da, als Carl einen Schritt zurücktrat, dunkelrot anlief und, ohne sie anzusehen „'tschuldigung" murmelte, bevor er sich umdrehte und floh.
Jane lächelte.