10.
Es klopfte.
Ginny schreckte hoch und sah den Blonden an. „Wer ist das?", fragte er und sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Lass uns nicht da sein." Sie kicherte leise. „GINNY, ich WEISS, dass du da bist. MACH AUF!" Wieder sah die Rothaarige auf. „ICH BRECH DIE TÜR AUF!" – „George", flüsterte sie. „Die Blumen." Sie verdrehte die Augen. „Ich komme." Ginny seufzte, stand auf und angelte nach ihrer Kleidung, um sich notdürftig anzuziehen. Sie achtete nicht darauf, dass ihre Kleidung nicht richtig saß, sie wollte George so schnell wie möglich los werden.
Lucius verdrehte die Augen. Ihr Bruder! Der hatte ein Timing! Er musste unbedingt dafür sorgen, dass sie in eine andere Wohnung zog, weit weg von ihrer ganzen buckligen Verwandtschaft. Er saß weiterhin recht lässig, die langen Beine übereinandergelegt, mit offenem Oberhemd in dem Sessel. Er sah keinen Grund sich wieder besuchergerecht anzuziehen. Sollte sie diesen liebeskranken Gogel doch im Flur abfertigen. Er nahm sich die Flasche Whisky, die sie auf dem Boden abgestellt hatte. Einen Wink mit seiner Hand und das Whiskyglas schwebte heran. Es schadete nicht, sich noch einen Trink zu genehmigen, während er auf seine Geliebte wartete. Er musste grinsen, als er einen heftigen Wortwechsel aus Richtung Tür vernahm. Vielleicht hatte er ihre Schreie gehört und wollte sich jetzt als ihr Beschützer aufspielen. Zu spät, Weasley!, triumphierte er in Gedanken. Ich habe sie schon und ich werde den Teufel tun, sie wieder gehen zu lassen.
Die Tür wurde nur einen Spalt weit aufgemacht und eine zerzauste Ginny reichte knapp den Blumenstrauß durch die Öffnung. „Da, deine Blumen." Ihr Tonfall war distanziert und jeder hätte gemerkt, dass die Störung äußerst unwillkommen war. Doch George war nicht nur neugierig, er hatte Molly versprochen, auf die „kleine Ginny" aufzupassen. „Darf ich einen Moment hereinkommen?", fragte er daher und wollte die Tür aufstoßen, doch Ginny stellte ihren Fuß hinter das massive Holz. „Nein, George, darfst du nicht. Ich will nicht gestört werden."
Der Zwilling versuchte, in die Wohnung hereinzuspähen. „Ich habe Geräusche gehört", versuchte er es erneut und wieder reagierte die kleine Weasley abweisend. „Das kann sein, ich bin ein MENSCH, George, kein Buch oder eine Flasche Whisky." Der Bruder bemerkte, dass er unerwünscht war, aber so schnell ließ er sich nicht abwimmeln. Er diskutierte mit Ginny, die verhältnismäßig schnell die Nerven zu verlieren schien.
„NEIN, George, ich habe jetzt KEINE Lust mit dir zu reden. Geh zu Fred und lass mich in Ruhe." George sah nur noch eine Möglichkeit. „Vielleicht sollte ich an Mutter schreiben, dass sie dich nach Hause holt …" Ginny starrte ihn sprachlos an. „Der war unter der Gürtellinie, Bruderherz", fauchte sie wütend. „Wenn du ihr auch nur ein Wort schreibst, dann bist du die längste Zeit mein Bruder gewesen." George merkte, dass er zu weit gegangen war und versuchte seine Schwester zu beruhigen. „Ach Gin, so hab ich es doch nicht gemeint. Lass mich ein paar Minuten herein und ein wenig reden."
Lucius verfolgte relativ uninteressiert dem Disput an der Tür. Er verdrehte genervt die Augen. Er hatte das Bedürfnis die kleine rothaarige Hexe in seinen Armen zu halten, sie zu küssen und sich mit ihr eventuell noch einen schönen Abend zu machen und dieser Weasely-Ableger stand diesem Bedürfnis ganz klar im Wege. Mit einer fahrigen Bewegung strich er sich seine blonden Haare zurück und stand entschlossen auf. Er musste dem Treiben an der Tür ein Ende setzen und ganz nebenbei erfuhr dann auch Familie Weasley, dass er der neue Mann in Ginevras Leben war. Klare Verhältnisse schaffen, nannte man das und Lucius war schon immer ein Mann der Tat, wenn auch nicht immer ein Mann für klare Verhältnisse, gewesen.
Er trat leise von hinten an die noch immer streitende Ginny heran, griff an ihr vorbei und zog die Wohnungstür auf.
„Gibt es hier ein Problem?", fragend zog er die Augenbraue nach oben und musterte Ginervras Bruder herablassend. Dem war das Wort im Hals stecken geblieben, als er so unvermittelt einem halbnackten Lucius Malfoy in Ginnys Wohnung gegenüber stand. Er musterte Malfoy von oben bis unten und eine flammende Röte, überzog das sommersprossige Gesicht, des jungen Mannes. Er konnte sich in diesem Moment denken, was die beiden gerade getrieben hatten. „Ich..ähmmmmmm, ich...", stotterte er unter Lucius' eiskalten, hochmütigen Blick.
„Ich glaube Sie gehen jetzt besser und lassen in Zukunft Ihre Schwester entscheiden, was sie will oder nicht, sie ist alt genug und wenn ich mich nicht irre, dann hatte Sie ihre Schwester aufgefordert zu gehen. Also tun sie das besser, oder beabsichtigen sie noch irgendetwas zu sagen?" Lucius reckte sein Kinn arrogant nach vorne und seine ohnehin schon groß gewachsene Gestalt strafft sich. Er wirkte einschüchternd, trotz des relativ unkonventionellen Aufzuges und dies hatte er voll beabsichtigt. Nur so wurde man nervtötende, Besorgnis heuchelnde Anverwandte los.
Ginny musste sich ein Kichern verkneifen, als sie ihren sprachlosen Bruder sah. Dieser hatte wohl mit allem gerechnet. Natürlich wusste er, dass Harry und Ginny sich getrennt hatten, aber offenbar wusste er nicht den Grund – er sah zu überrascht aus. Vielleicht hatte er mit einem ehemaligen Klassenkameraden gerechnet, aber niemals mit Lucius Malfoy. „Ähm", machte er nur wieder.
Es wurde Ginny langsam ein wenig kalt an der Tür. Außerdem verspürte sie das dringende Bedürfnis, George ein wenig mehr zu provozieren und ihn für sein aufdringliches Verhalten zu bestrafen. So lächelte sie verträumt und lehnte sich an Lucius. „Was meinst du, mein Liebster, sollten wir George einen Furunkulus- Fluch oder einen Flederwicht auf den Hals jagen?" Sie rieb ihr Gesicht an der nackten Brust des geliebten Mannes und schlang beide Arme um ihn.
„Weder, noch, liebste Ginevra.", machte Lucius die kleine Vorführung für George mit und schlang nun ebenfalls besitzergreifend einen Arm um ihren schlanken Körper, um sie nah an sich heranzuziehen und hauchte ihr zusätzlich noch einen sanften Kuss auf den Scheitel.
„Ich könnte Mr. Weasley auch auf muggelhafte Weise die Treppe herunter schmeißen.", sinnierte er ernsthaft und machte Anstalten auf George zuzugehen. Der hatte das ungewöhnliche Benehmen, der beiden Turtelrauben mit weit aufgerissenem Mund, völlig sprachlos betrachtet und fand angesichts Lucius Ankündigung kurzzeitig die Sprache wieder. „Mhm, das wird nicht nötig sein...Sir.Ich gehe...jetzt gleich." George hielt den Blumenstrauß wie einen Schild vor sich und ging rückwärts zur Treppe. Er war sich nicht sicher, ob Malfoy ihn nicht, wenn er ihm den Rücken zuwandte, doch noch einen Stoß verpassen würde.
Lucius unterdrückte eine kindisches 'Buh', welches wohl zur Folge hätte, dass der eingeschüchterte Bruder Hals über Kopf über das Treppengeländer stürzen könnte und schlug grinsend die Tür zu. Er war sich sicher, dass sich die Kunde von der Wahl seiner neuen Gespielin wie ein Lauffeuer verbreiten würde.
Für einen Moment zog Ginny besorgt ihre Stirn in Falten. „Die Kneipe ist voll besetzt. Du weißt, dass es innerhalb von einer Minute alle wissen werden?" Vorsichtig sah sie zu ihm hoch.
„Ja, ich weiß und der Gedanke gefällt mir.", entgegnete Lucius und zog sie vollends in seine Arme. Sehr sanft küsste er ihr Gesicht. Augen, Nase, Wangen..knabberte an ihren Ohren und zog schließlich eine feuchte Linie, an ihrem Kiefer entlang zu ihrem Mund. Diesen küsste er zart und ausdauernd. Er fühlte, wie sie in seinen Armen zu schmelzen begann und wieder lächelte er in sich hinein. Ja, er verstand die Frauen und er wusste, was sie in diesem Moment brauchte. „Du weißt, dass du mir gehörst. Ich will dich, Ginerva und jeder andere kann und soll das wissen. Ein Lucius Malfoy teilt nicht.", flüsterte er ernst wenige Zentimeter vor ihrem Mund. Nach einem abschließenden Kuss, ließ er sie los und strich ihr die Haare zurück. „Komm, lass uns feiern gehen. Ich lade dich ein. Ich will, dass uns beide heute Abend noch mehr, als ein paar Kneipengäste deiner Brüder sehen."
Seit mindestens zehn Minuten saß Ginny nun schon auf ihrem Bett und sah zu, wie der neue Mann an ihrer Seite in ihrem Kleiderschrank herum wühlte. Offenbar konnte er sich nicht vollständig mit ihrem Kleidungsstil anfreunden und warf immer wieder achtlos Kleider, Röcke oder Blusen auf einen Haufen. „Wir müssen dringend einkaufen gehen", hörte sie ihn fluchen. „Deine Sachen eigenen sich wunderbar zum verführen, aber nicht, um elegant auszugehen."
Ginny wusste nicht, ob sie sich geschmeichelt fühlen sollte, weil er sie mit in seine Welt nehmen wollte, oder ob sie eher erbost sein sollte, weil er versuchte, sie wie eine Puppe anzuziehen. Sie war hin und her gerissen. Wollte er letzteres überhaupt oder unterstellte sie ihm nun Dinge, die gar nicht stimmten? Sie wusste, er hatte einen Ruf zu verlieren und daher verstand sie, dass es ihm wichtig war, wie sie aussah. Doch, dass er ihr ihre Kleidung offensichtlich nach „Darf sie tragen" oder „Das geht gar nicht", aussuchte, das ging zu weit.
Sie wollte gerade aufstehen und protestieren, als er mit einem triumphierenden Gesichtsausdruck aus dem Schrank auftauchte und ihr ein schwarzes Kleid entgegen hielt, dass zwar sehr kurz war und ihre Schultern frei ließ, alles in allem aber doch eleganter wirkte, als ihre Jeansröckchen. „Das wirst du anziehen", lächelte er. „Und ich freue mich darauf, es dir nachher wieder auszuziehen." Ginny zog kritisch beide Augenbrauen hoch. „Das Kleid habe ich zu Tante Muriels sechzigstem Geburtstag angehabt. Das ist ein Jahrtausend her", maulte sie – noch immer unentschlossen, was sie von all dem halten sollte.
Lucius seufzte und schlenderte lässig auf sie zu. Er setzte sich neben sie, legte den Arm um sie und zog sie an sich. „Ich will, dass mich jeder beneiden wird", raunte er. „Ich will die schönste Frau an meiner Seite haben, die von allen Zauberern begehrt wird und doch tabu für sie ist, weil sie mir gehört. Ich will mit Stolz sehen, dass sich alle nach dir umgucken werden, Kleines." Als er ihren kritischen Blick sah, lachte er leise. „Natürlich werden sie das auch jetzt, aber in meinen Kreisen gelten besondere Regeln, mein Engel." Er gab ihr einen Kuss auf die Nase und zog ihr langsam das Oberteil aus.
Ginny stöhnte auf, als sie seine Hände an ihrem Körper spürte und registrierte verblüffte, dass sie wieder feucht zwischen den Beinen wurde. ‚Bei Merlin, was hat er nur an sich?', fragte sie sich nicht zum ersten Mal. Manchmal machte es ihr Angst, so intensiv auf ihn zu reagieren.
Sie lächelte und stand auf, wobei sie ihr Oberteil über ihre Brüste hielt und es ihm dann lasziv zuwarf. Ginny lächelte kokett, drehte sich um und fuhr sich mit den Händen über ihr Hinterteil, dass sie ihm dekorativ präsentierte. Als sie hörte, dass er schwerer zu atmen begann, lächelte sie und wich seiner Hand aus, die sie auf seinen Schoß ziehen wollte. Langsam öffnete sie ihren Rock und ließ ihn zu Boden gleiten. Wieder drehte sie sich um und tanzte zu einer imaginären Musik. Ihre Bewegungen waren lasziv und provokant.
Lucius wusste, sie wollte ihn reizen. Er sollte die Kontrolle verlieren, sich auf sie stürzen und besinnungslos vögeln. Insgeheim lächelte er über ihren schamlosen Versuch. Nach außen hin blieb seine Miene jedoch unverändert – lediglich seine Augen verrieten, dass ihm gefiel, was er sah. Schließlich lächelte der Blonde und hielt ihr das Kleid hin. „Anziehen, Kleines." Ginny zog einen Schmollmund, trat – nackt wie sie war – auf ihn zu und rieb ihren Körper an seinem. „Keine Chance?", flüsterte sie? „Keine Chance", antwortete er rau.
Sie lachte auf. „Wäre dem Herrn schwarze Spitze als Unterwäsche genehm?" Lucius grinste verwegen. „Nichts, Kleines. Ich will mit dem Gedanken neben dir stehen, dass du absolut nichts unter diesem Kleid trägst." Auch wenn der Gedanke ein Prickeln auf ihrer Haut hervorrief, so war Ginny doch irritiert. „Das Kleid ist super kurz, wenn ich mich hinsetze, wird jeder sehen, dass ich nichts drunter habe." Lucius zog sie noch enger an sich. „Na und?", murmelte er, während er ihren Bauch küsste. „Sie dürfen eh nicht – das bleibt allein mir vorbehalten."
Zwei Minuten später hatte Ginny das Kleid samt schwarzen Schuhen, die Lucius währenddessen heraus gesucht hatte, angezogen und hob spielerisch beide Arme, um sich ihm zu präsentieren. „Gefalle ich dir so?" Er lachte wieder einmal rau auf. „Sehr sogar, Kleines." Ginny nahm seine Hand, die er ihr entgegenstreckte und quietschte auf, als er sie unvermittelt auf seinen Schoß zog. „Aber es fehlt noch etwas", murmelte er.
Sie kam nicht dazu, zu fragen, was er meinte, da hatte er schon zwei seiner Finger auf ihren Hals gelegt – genau auf die Stelle, wo bislang sein Mal prangte. Wärme durchflutete Ginny und irritiert sah sie ihn an. Er lächelte, während ihm eine Strähne ins Gesicht fiel und blickte konzentriert auf die Stelle. In einem Spiegel konnte Ginny erkennen, dass das Mal weg war. Sie riss verblüfft die Augen auf.
Wieder bot sich ihr keine Gelegenheit, etwas zu sagen, denn Lucius hatte seine Hand in ihren Ausschnitt geschoben und spielte mit ihrer Brustwarze, während er wieder an ihrem Hals knabberte und erneut zu saugen begann. Sie versuchte ihn wegzuschieben. „Lucius, nicht." Aber es half nichts. Unbarmherzig hielt er sie fest und erst nach ein paar Sekunden ließ er sie los. „Perfekt … So wird niemand übersehen, wem du gehörst." Überrascht sah sie in den Spiegel und erstarrte. Das alte Mal war weg, stattdessen war nun klein und schwach, aber gut lesbar, ein „LM" zu sehen.
„Jetzt können wir gehen", bemerkte er und hauchte ihr abschließend noch einen Kuss auf die markierte Stelle. Einzig Narzissa hatte dieses Zeichen, sein Zeichen, in all den Ehejahren gehabt. Er nahm es ihr an dem Tag, an dem sie ihn verließ. Damit machte er Ginny unmissverständlich klar, dass sie fortan unwiderruflich zu ihm gehörte und er legte in ihrem Falle Wert darauf, dass es absolut jeder sehen konnte.
Diese Bar war eine von denen, die Ginny von außen gesehen, aber niemals betreten hatte. Nur die obersten Zehntausend waren hier willkommen und obwohl sie die Freundin des Goldjungen gewesen war, hatte man sie hier nicht sehen wollen. Harry ja, sie nicht. Beklommen sah sie zu ihrem Begleiter hoch. „Harry hatten sie eingelassen, mich nicht", flüsterte sie mit geröteten Wangen. „Vielleicht solltest du allein hinein gehen und zurückkommen, wenn du fertig bist?" Scham machte sich in ihr breit.
„Fertig? Womit sollte ich dort drinnen fertig sein?" Er hob erstaunt eine seiner Augenbrauen." Ich will mit dir den Abend genießen und mich nicht allein an der Bar betrinken, Kleines. Keine Angst, wir beide werden eingelassen werden. Wenn nicht, dann hat der Besitzer dieses Etablissements morgen ein Problem." Lucius' Stimme klang für einen Moment eisig. Er fasste seine Begleitung etwas fester am Arm, wohl um zu verhindern, dass sie es sich im letzten Moment noch anders überlegte und womöglich die Flucht ergriff. Hoch aufgerichtet trat er zu dem bulligen Türsteher, der sie beide aus kleinen, nicht besonders intelligent dreinschauenden Schweinsaugen bereits fixierte.
„Mr. Malfoy...es ist schön, dass sie uns mit ihrer Anwesenheit beehren." Dieser Satz aus dem Mund des kräftigen Mannes an der Tür klang etwas stereotyp, aber Malfoy hielt sich nicht lange daran auf. Er schob Ginny vor sich her in das Innere der Bar und folgte ihr.
Im Inneren sah es so aus, wie Ginny es sich vorgestellt hatte – elegant und vor allem teuer. Modisch gekleidete Hexen und Zauberer standen und saßen überall und schienen sich nicht großartig um die Neuankömmlinge zu kümmern. Es war laut und stickig. Ginny wusste, dies war kein Ort, wo sie freiwillig noch mal hingehen würde.
Lucius signalisierte ihr, in den hinteren Teil durchzugehen, sie meinte etwas wie „Dort ist es leiser" zu verstehen. Wieder wunderte sich, dass der Aristokrat so einen Ort kannte. Aber sie nickte und bahnte sich einen Weg durch die Menge.
Im hinteren Teil war es tatsächlich ruhiger. Ginny sah einmal über die Schulter und registrierte belustigt, dass Lucius von irgendeinem Mann angesprochen wurde. Sie beschloss, ihnen beiden einen Platz zu suchen, als sie in jemanden rein lief. „Ach nee", hörte sie eine bekannte Stimme sagen. „Wer hat dich denn hier rein gelassen?" Ginny wurde blass. Draco!
Bevor Ginny auch nur ansatzweise dazu kam, auf Draco zu reagieren legte sich von hinten eine gepflegte, manikürte Männerhand auf ihre Schulter und Lucius sonore Stimme erklang dicht hinter ihr. „Hallo mein Sohn. Es ist schön zu sehen, dass es dir gut geht. Du scheinst deine Anwesenheit im Manor ja nur noch dazu zu nutzen, dich zu waschen und umzuziehen, um dich weiterhin dem regen Gesellschaftsleben zu widmen." Lucius klang für seine Verhältnisse sehr freundlich und trotzdem war jedem klar, der er ihn näher kannte, dass Lucius alles andere, als erfreut war, seinen Sohn hier zu sehen. Dracos Miene verdunkelte sich auch sofort und finster musterte er seinen Vater und seine junge Begleitung.
„Wie ich sehe, Vater, hast du dir was zum Spielen mitgebracht? Ich wusste gar nicht, dass du neuerdings auf kleine rothaarige Mädchen stehst, die halb so alt sind wie du?" Draco reagierte mit der brennenden Eifersucht eines Sohnes, der lieber seine Mutter an der Seite seines Vaters gesehen hätte. Wobei wohl Lucius niemals Narzissa mit in diese Bar genommen hätte.
„Draco, du vergisst dich",. zischte Lucius. „Wo sind die Manieren, die ich dir beigebracht habe. Du wirst dich sofort bei Ginevra entschuldigen."
Doch Draco reagierte bockig. Zu tief saß der Schock, dass sich die eigenen Eltern getrennt hatten. Auch wenn Narzissa Lucius verlassen hatte, gab Draco seinem Vater die Schuld. Ihn jetzt mit einer anderen zu sehen, tat weh. Abfällig musterte er Ginny von oben bis unten. „Hast du mir nicht auch beigebracht, die Straßenkinder nicht zu beachten?", stichelte er daher und verschränkte die Arme vor der Brust. Er lächelte befriedigt, als er sah, wie seine ehemalige Schulkameradin blass wurde. Als diese sich jedoch an seinen Vater lehnte, wurde Draco nur noch zorniger. Er zog Ginny am Arm zu sich und zischte: „Hält Potter dich so kurz, dass er dich jetzt schon als Hure anbietet?"
„Das reicht!" Mit einer schnellen Geste hatte Lucius Ginny aus Dracos Griff befreit. Besorgt musterte er das blasse Gesicht seiner Geliebten. Er hatte nicht genau verstanden, was sein Sohn zu ihr gesagt hatte, aber er ahnte, dass es eine grobe Beleidigung gewesen war. Auf beschützende Weise legte er den Arm um ihre blassen Schultern und zog sie eng an sich heran. Er sah sich kurz um und stellte erleichtert fest, dass kaum jemand, von dem kleinen Zwischenfall Notiz nahm. Er wollte heute Abend zwar mit seiner neuen, weiblichen Begleitung gesehen werden, aber er wollte keinesfalls einen Skandal verursachen, wenn man diesen kleinen Vater-Sohn-Konflikt in der Presse ausschlachten würde. Er schob seinen Sohn an der Brust auf Abstand. „Ich bin dir keinerlei Rechenschaft schuldig, mit wem ich meine Zeit verbringe, Draco und du wirst dich in Zukunft respektvoll benehmen. Ich verlange nicht, dass du mich verstehst, aber ich verlange, dass du dich höflich in meiner und vor allen Dingen in Ginervras Gegenwart verhältst. Dies ist im übrigen nicht der Ort, um dies zu diskutieren. Wir werden morgen ein Gespräch miteinander haben und wage es nicht, nicht zu erscheinen. Du wirst pünktlich um 15:00 Uhr in meinem Arbeitszimmer sein.", befahl er ihm unmissverständlich. „Außerdem würde ich es sehr begrüßen, wenn du diese Örtlichkeit nun verlassen würdest. Für zwei Malfoys scheint dieser Ort heute Abend einfach zu klein zu sein.", bemerkte Malfoy sen. Und musterte seinen Sohn abschätzend.
Innerlich musste Ginny nun doch grinsen. Sie hatte Draco immer als „Vatersöhnchen" erlebt und jetzt schien dieser wieder in diese Rolle zu schlüpfen. Kurz blitzte Widerstand auf, doch dann nickte Draco knapp. „Vater", grüßte er und ignorierte Ginny. Eine junge Hexe folgte dem jungen Malfoyspross als dieser aus der Tür rauschte. Ginny seufzte und steuerte den Tisch an, an dem Draco bis vor kurzem gesessen hatte und der in einer Ecke stand. „Wenigstens müssen wir uns jetzt keinen Platz mehr suchen", grinste sie und schlug die Beine übereinander, wobei sie ihr Kleid ein Stückchen nach unten zerrte.
Lucius lächelte, als er Ginnys vergebliches Unterfangen, den Rock nach unten zu ziehen bemerkte. Verschwörerisch beugte er sich zu ihr und raunte ihr ins Ohr. „Der Rock wird so auch nicht länger werden und noch hat niemand gesehen, dass du nichts darunter trägst." Mit einer Hand streichelte er ihren nackten Oberschenkel und während er auf magische Weise zwei 'Sex on the beach'" herbei schweben ließ, glitt seine Hand unter ihren Rock und strich sanft über die rasierte Scham seiner Begleitung. Mit einem Glucksen registrierte er das Zusammenzucken Ginervras und die Röte, die sich auf ihrem Gesicht abzeichnete. „Keine Angst, mein Engel. Ich werde jetzt ganz brav sein und meine Hand da wegnehmen", beruhigte er sie und stieß mit seinem Glas an ihres. „Auf dein Wohl.. Auf uns und unsere Liason, ma chere."
Dieser Mann war mehr als unmöglich. Ginnys Augen blitzten und sie lächelte zuckersüß. „Auf uns, mein Liebster", antwortete sie und trank einen Schluck. Betont unauffällig sah sie sich um, rutschte mit dem Sessel von ihm ab, so dass sie ihm fast gegenüber saß und tat, als würde sie die Tanzenden beobachten. In Wirklichkeit konzentrierte sie sich allein auf ihren Fuß, der aus dem Schuh heraus geschlüpft war und langsam an Lucius' Waden entlang fuhr und schließlich immer höher glitt. Lächelnd sah sie ihn an. Es war dunkel. Sie saßen in einer Ecke. Niemand würde sehen wenn sie …. Ginnys Lächeln wurde eine Spur süßlicher, als sie mit ihrem Fuß die Innenseite seiner Oberschenkel streichelte. Rache konnte herrlich sein.
Lucius verschluckte sich fast an seinem Drink. Er hatte nicht damit gerechnet,dass sie ihm seine kleine Anzüglichkeit mit gleicher Münze heimzahlte. Er spürte ihren unbeschuhten Fuß, der sich langsam an seinem Oberschenkel empor arbeitete. Wieder ging ein prüfender Blick seinerseits in die Runde. Niemand beachtete sie. Mit einem anzüglichen Grinsen öffnete er seine Beine und wurde fast sofort mit dem Reiben eines kleinen Frauenfußes in seinem Schritt belohnt. Betont lässig ließ er Ginnys Zuwendungen geschehen, nippte ab und zu von seinem Glas und sah ihr gelassen in das begeistert wirkende Gesicht. Doch dann hielt er es für nötig ihren Fuß, der die beträchtliche Beule in seiner Hose gerieben hatte, festzuhalten. „Noch ein bisschen mehr und es wird einen sehr hässlichen Fleck auf meiner Hose geben.", raunte er ihr über das Stimmgemurmel zu. „Du wirst bald Gelegenheit haben ihn richtig zu verwöhnen", vertröstete er sie. „Jetzt aber möchte ich mit dir tanzen." Sich nicht im geringsten um die Ausbuchtung in seiner Hose kümmernd, stand er auf und zog auch Ginny auf die Füße. Sie spielten gerade ein herzzerreißendes Muggellied, welches von Liebe und Sehnsucht handelte und auf der Tanzfläche waren nur Paare zu sehen, die sich eng aneinander geschmiegt, zum langsamen Takt der Musik bewegten. Auch Lucius zog Ginny in seine Arme. Sein Bein schob sich zwischen ihre und er begann sich anmutig mit ihr über die Tanzfläche zu bewegen.
‚Das ist nicht wahr …' Ginny hatte gerade noch rechtzeitig ihren zweiten Schuh los werden können, so dass sie nun barfuss in Lucius' Armen lag und sich von ihm über die Tanzfläche führen ließ. Er hatte sie nah an sich heran gezogen, so dass sie seine Ausbuchtung deutlich an ihrem Bauch fühlen konnte. Sie kicherte leise – auch eine Möglichkeit, niemanden sehen zu lassen, dass sie ihn erregte.
Ginny lehnte sich an ihn und seufzte lautlos. Ihre Welt hatte sich binnen ein paar Tagen vollkommen auf den Kopf gestellt. Sie hatte gedacht, der Ausrutscher wäre eine einmalige Angelegenheit gewesen. Nun war sie entlobt und mit Lucius Malfoy zusammen, hatte ein Problem namens Draco und ihr Herz an diesen unwiderstehlichen, blonden Aristokraten verloren. Sie wusste noch immer nicht, was sie für ihn war. Einerseits behandelte er sie wie eine Prinzessin und sie glaubte für ein paar Augenblicke, dass er sie ebenfalls liebte. Andererseits sprach er von „Liaison" oder bezeichnete sie als „Geliebte". Ihr Herz zog sich zusammen. Er hatte gesagt, er werde sie niemals wieder gehen lassen. Bedeutete das, dass sie ihm doch wichtiger war, als er sie glauben ließ?
Er genoss, dass sie sich so selbstverständlich an ihn schmiegte, sie beide waren wie ein perfektes Ganzes. Er blickte fast zärtlich auf sie hinab und stellte fest, dass sie die Augen geschlossen hatte und den Kopf an seine Schulter lehnte. Sie vertraute ihm blind. Ihrer beider Schritte waren perfekt. Ihr Körper passte perfekt zu seinem. Ihre Rundungen schmiegten sich an ihn und er fühlte sich in diesem Augenblick so wohl, wie schon lange nicht mehr. Seine Finger streichelten über ihren Handrücken und er hauchte sanft einen Kuss auf ihren Scheitel. In diesem Moment wollte er ihr sagen, dass er wesentlich mehr für sie empfand, als er sie glauben machte. Sie war mehr, als das Mädchen, von dem er heißen, hemmungslosen Sex wollte. Viel mehr. Was nur hielt ihn davon ab, wirklich den Mund aufzumachen. Doch Lucius war ein vorsichtiger Mann. Er musste sich erst völlig sicher sein. Er wusste selbst nicht, woraus diese Sicherheit bestand, aber in diesem Moment erschien es ihm unpassend ihr zu sagen, wieviel er für sie empfand. Später...sagte er sich. Ja, später, wenn sie allein waren, konnte er es ihr immer noch sagen.
Irgendetwas änderte sich in seiner Haltung, Ginny spürte es genau. Er wurde … weicher? Sie wusste nicht genau, was es war, aber sie schmiegte sich noch ein wenig enger an den geliebten Mann. Ihr war klar, dass nun jeder sein Zeichen an ihrer Halsbeuge sehen konnte, aber darüber dachte sie nicht nach. Sie wollte den Augenblick genießen. Sie wollte nicht nachdenken, sie wollte fühlen.
Ginny sah auf und suchte seinen Blick. „Ich weiß, du glaubst mir nicht und hältst mich für zu jung, um das beurteilen zu können. Vielleicht glaubst du, es ist nur eine Momentaufnahme, aber … ich liebe dich, Lucius." Ginny lächelte scheu und vergrub ihr Gesicht wieder an seiner Brust. Sie wollte seine genervte Mimik nicht sehen. Aber sie hatte es ihm sagen müssen …
„Ich möchte allein sein mit dir." Lucius musste sich dermaßen beherrschen ihr nicht hier und jetzt einfach das Kleid hochzuziehen, um ihr den Verstand aus dem hübschen Kopf zu vögeln. Sie hatte ihm schon wieder ihre Liebe gestanden und er hätte ein Eisklotz sein müssen, wenn ihn dies weiterhin kalt gelassen hätte. Ein warmer Strom undefinierbarer Gefühle floss zu seinem ansonsten eher kalten, distanzierten Herzen und er fühlte, wie sie mehr und mehr von ihm eroberte und dafür musste sie gar nicht viel tun. Er wollte allein sein mit ihr, mit ihrem schönen Körper, mit ihrem betörenden Mund und mit ihren geflüsterten Liebesworten. Er wollte sich der Illusion hingeben, dass sie beide den Anfang einer wunderbaren gegenseitigen Liebe erlebten. Was sie anging, so traf es sicherlich zu. Er aber, war sich nicht sicher, was seine eigenen Gefühle, was sein klarer Verstand ihm sagte. Es gab zuviel was zwischen ihnen stand und was sie nicht wusste oder aber bewusst ignorierte. Heute Abend aber wollte er nicht daran denken. Er nahm ihre Hand und zog sie fast ungeduldig von den Tanzenden weg, obwohl das Lied noch nicht zu Ende war. Er strebte Richtung Ausgang zu. „Ich werde dir andere Schuhe kaufen", erklärte er ihr, als er bemerkte, dass sie zu ihrem Tisch zurückgehen wollte. Die Schuhe waren jetzt nicht wichtig. Wichtig war, dass er sie ihn seiner Umarmung zerquetschen wollte. Schnell waren sie aus der Tür und an einem höchst erstaunt drein sehenden Türsteher vorbei, der es nicht einmal schaffte ihnen noch eine gute Nacht zu wünschen. Ginny lächelte ihn an. „So stürmisch, Mr. Malfoy?" Spielerisch schlug sie ihm auf den Arm, nur um sich im gleichen Moment wieder an ihn zu kuscheln. „Ich fühl mich wohl bei dir", sagte sie leise, aber gut verständlich. „Du tust mir gut …. Ich brauche dich." Lucius schloss die Augen und lächelte. Er sagte nichts, er konnte es noch nicht. Aber egal ob er sie nun liebte oder nicht, er brauchte sie – und jeder, der Hand an sie legen würde, sollte schneller sein als er. Lucius Malfoy lächelte glücklich. Dann schaufelte er die barfüßige Ginny auf die Arme und presste voller Leidenschaft seine Lippen auf ihre. Ginny sah mit leuchtenden Augen zu ihm auf. „Kommst du mit mir? Ich will dir was zeigen." Und sie dissapierten.
Die beiden hochgewachsenen dunklen Gestalten, die am Nebeneingang der Bar gestanden hatten und ihr leises Zwiegespräch unterbrachen, als sie Malfoy mit seiner hübschen Begleitung aus der Bar hatten kommen sahen, bemerkte Lucius in seinem Liebesrausch nicht.
