Titel: Der Liebeszug
Autor: Laren
Disclaimer: Ich besitze absolut keine Rechte an Gundam Wing. Und ich gedenke auch keinen müden Pfennig mit diesem Geschreibsel zu verdienen.
Betadank: an die beste der besten: Zanna knuddel

So, und weiter geht's…. viel Spaß.


Wie jeden Morgen wurde Heero kurz vor Sonnenaufgang von seiner inneren Uhr geweckt. Egal wie spät er am vorherigen Tag noch auf gewesen war, er wurde immer so früh wach. Aber das war etwas, das sich ganz automatisch ergab. Schließlich hatte er Tiere zu versorgen, die gar nicht davon begeistert wären, wenn Heero einfach mal verschlafen würde.

Trotzdem war heute Morgen irgendwas anders. Als Heero seine Augen öffnete bemerkte er auch sofort was. Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht, als ihm klar wurde, dass er heute Nacht mit jemandem das Bett geteilt hatte. Und es war ein unglaublich schönes Gefühl Duo auch beim aufwachen noch in den Armen zu halten. Ungewohnt zwar, aber schön.

Heero gestattete sich den Luxus noch einen Augenblick liegen zu bleiben und an den vorherigen Abend zu denken. Er hätte mit vielem gerechnet, aber nicht dass er jemandem von dem Ball der Einsamen Herzen mit zu sich nach Hause nehmen würde. Die Geschichte mit Relena war natürlich genau aus seinen schlimmsten Alpträumen entsprungen, aber dass Duo ihn dann ‚gerettet' hatte, war es sogar wert gewesen von diesem durchgedrehten pinken Monster verfolgt zu werden. Mehr als wert gewesen.

Heero kuschelte sich noch einmal an den anderen Mann heran und sog dessen Anblick in sich auf. Duo war einfach heiß. Und verdammt gut aussehend. Heero konnte sein Glück immer noch nicht fassen, dass dieser Mann mit ihm die Nacht verbracht hatte.

Und während er so dalag mit Duo in seinem Arm, da wurde Heero plötzlich bewusst wie Recht Trowa doch hatte. Es wäre schön jemanden zu haben, der das immer mit einem teilen würde. Aber es war natürlich absolutes Wunschdenken. Wer würde schon sein abgeschiedenes Leben in Blackside teilen wollen? Garantiert nicht jemand wie Duo. Und warum sollte der andere auch? Sie hatten eine Nacht miteinander verbracht, aber das hatte natürlich nichts zu bedeuten.

Und deshalb schob Heero diesen unsinnigen Gedanken so weit wie nur irgend möglich nach hinten und löste seine Umarmung. Vorsichtig stand er aus dem Bett auf, bemüht Duo nicht zu wecken. Schnell suchte er sich ein paar Klamotten zurecht und wandte sich dann zu Tür. Ein letztes Mal noch ließ er seinen Blick über Duo wandern. Der andere Mann lag immer noch tief schlafend im Bett nur halb bedeckt von der Decke. Sein unglaublich langes Haar war immer noch gefangen in einem etwas zerzausten Zopf. Friedlich sah der andere im Schlaf aus. Und wunderschön. Heero seufzte leise. Aber er war niemand der sich lange über Dinge Gedanken machte die sowieso nicht möglich waren. Er war ein trockener Realist durch und durch. Und deshalb verließ er ohne weitere Gedanken den Raum.

Nachdem er seine Morgentoilette erledigt hatte, zog er sich an und machte sich auf dem Weg. Kaum hatte er die Tür zur Terrasse geöffnet als ihm auch schon Wing entgegen gerannt kam. Schwanzwedelnd sprang der Hund um Heero herum, freute sich mehr als offensichtlich darüber sein Herrchen wieder zu sehen. Heero musste wieder grinsen und klopfte dem Setter freundlich auf den Rücken. „Na, hast du mich vermisst?" fragte er.

„Wuff!" war wie immer Wings Antwort während er mit seinem Kopf Heeros Bein anstieß. Eine klare Aufforderung, dass er dort gekrault werden wollte. Einem Befehl, dem Heero nur zu gerne nachkam. „Tut mir leid dass ich dich gestern ausgeschlossen hab, alter Junge. Doch du hättest nur gestört. Aber keine Angst, dass wird nicht so schnell wieder vorkommen. Schließlich bist du meine einzige Familie, nicht?" Heero kraulte das Fell seines Hundes. Er würde nie allein sein, solange er Wing hatte.

Nach der ausführlichen Begrüßung stand Heero wieder auf und füllte mit geübten Handgriffen Wings Wasser- und Futterschüsseln. Mit einem lauten „Wuff!" erklärte Wing dass ihm das nur zu gut gefiel, dann begann der Setter mit einer rasenden Geschwindigkeit zu essen.

Heero beobachtete diesen Anblick kurz, dann ging er weiter zum Stall. Zwar betrieb er die Farm eher als Hobby und hatte auch so gut wie alle Tiere verkauft, aber ein paar hatte er trotzdem noch. Und auch die mussten versorgt werden. Und dann würde er ein Frühstück für sich und Duo zubereiten, damit der Langhaarige noch etwas in den Magen bekam, bevor er ihn zum Liebeszug zurück bringen musste.


Duo hörte ein paar unbekannte Geräusche und war auf einen Schlag wach. Etwas orientierungslos blickte er sich um. Das war nicht sein Schlafzimmer, dazu war es viel zu ordentlich!

Doch dann fiel Duo wieder ein wo er sich befand und warum. Er musste kurz grinsen. Wer hätte gedacht, dass er bei diesem Auftrag noch soviel Spaß haben würde? Schmunzelnd kuschelte Duo sich wieder in die Kissen und ließ die letzte Nach Revue passieren. Das war eindeutig heiß gewesen. Auch wenn Quatre ihn später ausschelten würde, weil er die Feier verlassen hatte, das war es mehr als wert. Was für eine Nacht!

Doch der Gedanke an den Liebeszug ließ Duo plötzlich aufrecht im Bett sitzen. Verdammt, der Zug würde doch in aller Frühe wieder zurück in die Stadt fahren. Wenn er da nicht anwesend wäre, dann würde ihn Quatre garantiert bei lebendigem Leibe die Haut abziehen. Und er hätte sogar allen Grund dazu. Wie das pinke Monster gestern gezeigt hatte, konnten ihre Kundinnen unberechenbar sein. Da wurde jeder Mann gebraucht um die im Zaum zu halten. Hektisch blickte sich Duo nach seinen Sachen um. Irgendwo musste es doch auch eine Uhr geben.

Natürlich gab es in einem so ordentlichen Schlafzimmer einen Wecker, wie Duo nach einigen panischen Sekunden feststelle. Und dieser zeigte, dass es erst kurz nach sechs Uhr war. Also früh genug um den Zug nicht zu verpassen. Im Prinzip sogar noch mitten in der Nacht.

Dieser Gedanke brachte Duo zu einer weiteren Frage. Wo war eigentlich Heero? Müsste der nicht so früh noch im Bett sein? Am besten an Duo gekuschelt? Duo kaute verwundert auf seiner Unterlippe.

Doch viel Zeit zum Überlegen blieb ihn nicht, denn ihm wurde plötzlich bewusst, dass er ganz dringend auf die Toilette musste. Leise fluchend schwang er sich aus dem Bett, wobei sein Hintern leicht protestierte. Aber das beachtete Duo in seiner Hast nicht. Er schnappte sich die dünne Decke und wickelte sich darin ein, während er so schnell es ging zum Badezimmer eilte. Zum Glück hatte er ja gestern doch noch mehr als nur das Schlafzimmer gesehen und wusste genau wo sich der Raum befand.

Nachdem er fertig war, stand er noch für einige Momente am Waschbecken. Um endgültig wach zu werden, hatte er sich mehrere Hände voll kaltem Wasser ins Gesicht gespritzt. Es schien zu wirken, denn er fühlte sich nicht mehr müde. Aber er wusste trotzdem noch nicht wirklich, was er jetzt tun sollte. Duo kniff wütend die Augen zusammen. Genau das war es was er an One Night Stands so hasste. Der Morgen danach war immer so merkwürdig. Er wusste dann nie was er in so einer Situation tun oder sagen sollte. Und es verwunderte ihn immer wieder mit welcher Leichtigkeit Quatre das immer wieder meisterte.

Das er nicht wusste wohin Heero verschwunden war, machte die Sache nicht leichter. Wenn der andere mit ihm im Bett gelegen hätte, dann hätten sie vielleicht etwas finden können mit dem sie das komische „Der Morgen danach" Gefühl hätten vertreiben können. Vorzugsweise mit einer heißen Runde Sex.

Duo seufzte erneut. Es war ihm klar, dass er den anderen wieder wollte. Dazu war die letzte Nacht einfach zu heiß gewesen. Aber wie erklärte man so was einem One Night Stand? Duo blickte erneut in den Spiegel und zuckte mit den Schultern. Das hier war wirklich nicht seine Liga.

Plötzlich hörte er erneut diese komischen Geräusche und diesmal war er wach genug um sie als das Bellen eines Hundes zu identifizieren. Oh ja, Heero besaß ja einen Hund. Duo konnte sich noch viel zu genau an den großen Setter erinnern, der ihn gestern so überschwänglich begrüßt hatte.

Duo beschloss, dass es ihn auch nicht weiter bringen würde, wenn er noch länger im Bad bliebe, deshalb machte er sich entschlossen auf den Weg zurück ins Schlafzimmer. Doch auf halber Strecke blieb er stehen und lauschte erneut. Er hörte Geräusche aus der Küchenrichtung. Und er meinte Kaffee zu riechen. Duo zog die Decke fester um seinen Körper und ging dann zur Küche. Vielleicht würde er ja da Heero finden.

Er hatte mit seiner Vermutung Recht behalten. Denn kaum hatte er den Durchgang zur Küche erreicht, da konnte er auch schon Heero erkennen, der dort hantierte. Duo musste leicht lächeln als ihm klar wurde, dass der andere Frühstück für sie beide zubereitete. Das war doch sehr nett. Nicht ganz so nett wie eine weitere Runde im Bett, aber schon verdammt nah dran. „Guten Morgen Heero," begrüßte er den anderen.

Heero, der gerade dabei war einen Korb Brot auf den kleinen Küchentisch abzustellen, blickte erstaunt auf. „Hallo Duo," sagte er mit seiner tiefen Stimme. „Du bist schon auf? Gerade wollte ich kommen und dich wecken. Wir haben noch etwas Zeit zum Frühstücken, bevor ich dich zum Liebeszug zurück bringen muss."

Duo runzelte wieder die Stirn. Irgendwie konnte er Heero nicht lesen. Einerseits war es nett, dass der andere ihm Frühstück machte, andererseits hörte es sich fast so an, als wenn er ihn so schnell wie möglich wieder loswerden wollte. Was Duo natürlich sofort zur Hauptfrage zurück brachte. Was hatte diese Nacht zu bedeuten? Hatte sie überhaupt etwas zu bedeuten? Um seine Enttäuschung und Verwirrung nicht zu sichtbar werden zu lassen, drehte sich Duo schnell um. „Ich zieh mir lieber was an und komm dann zum Frühstück," erklärte er noch und eilte dann zurück zum Schlafzimmer.

Dort angekommen, warf er zunächst die Decke zurück aufs Bett, dann schlüpfte er in seine Kleidung, die überall verstreut auf dem Boden lag. Er war etwas ärgerlich über sich selbst. Wieso konnte er mit solchen Situationen nicht gut umgehen? Niemand sonst schien solche Schwierigkeiten zu haben. Verdammt, was war schon dabei? Er hatte mit einem verdammt heißen Kerl eine Nacht verbracht. Sie hatten gefickt. Was war außer viel Spaß schon dabei?

Gar nichts, entschied Duo und schob entschlossen sein Kinn vor. Er war schließlich ein erwachsener Mann und kein kleines Mädchen dass sofort Hochzeitsglocken läuten hörte. Und er war schon gar nicht so realitätsfremd wie die pinke Pest von gestern. Er würde sich Heero garantiert jetzt nicht an den Hals werfen. Wie käme er auch dazu?

Nachdem er seine Gedanken etwas sortiert hatte, konnte Duo wieder zurück zur Küche gehen. Dort angekommen sah er, dass Heero inzwischen den Tisch ganz gedeckt hatte und sein Magen machte ihn darauf aufmerksam, dass ihm im Prinzip alles egal wäre, wenn er nur endlich etwas zum essen bekäme.

„Möchtest du Kaffee oder Tee?" fragte Heero in diesem Moment.

„Kaffee," erwiderte Duo und setzte sich einfach an den Tisch.

„Ok," bestätigte Heero. Dann nahm er einen großen Becher und stellte ihn unter eines der vielen Küchengeräte. Nach einem kurzen Druck auf einen Knopf fing auch schon die Maschine an zu surren und frischer Kaffeeduft erfüllte den Raum.

Duos Neugierde meldete sich und er betrachtete die Maschine genauer. „Oh, du hast eine von diesen neumodischen Kaffeedingern. Sind die so gut, wie alle behaupten?"

„Sie sind ziemlich gut. Und halt praktisch wenn man alleine ist. Jetzt muss ich nicht immer eine ganze Kanne kochen, sondern kann mir genau dann den Kaffee machen, den ich in dem Moment will." Die Maschine gab ein Klickgeräusch von sich und Heero nahm den Becher an sich. Nach zwei Schritten war er am Küchentisch angelangt, stellte den Becher vor Duo ab und setzte sich ihm gegenüber. „Ich hoffe das Frühstück ist in Ordnung. Ich hätte ja auch Rühreier und Speck machen können, aber ich fürchte uns läuft die Zeit etwas davon."

Duo lächelte dankbar. „Ist schon in Ordnung. Normalerweise esse ich sowieso nicht so früh. Ich brauch nur eine kleine Stärkung bevor ich mich wieder um die Gäste des Liebeszuges kümmern muss. Ein paar sind ziemlich anstrengend."

Heero lachte laut auf. „Das kann ich nur bestätigen. Ich muss mich noch mal bei dir für die Rettung bedanken. Ich weiß wirklich nicht, was ich sonst mit Relena gemacht hätte. Sie hat es echt nicht begriffen, dass ich nichts von ihr wollte und ich war kurz davor die Beherrschung zu verlieren."

„Das hab ich doch gern gemacht," bemerkte Duo. Dann beschloss er alles auf eine Karte zu setzen. „Ich hatte viel Spaß heute Nacht. Es war einmalig. Einfach toll."

Heero blickte ihm tief in die Augen und Duo hoffte schon, dass der andere ihm jetzt sagen würde, dass sie es jederzeit wiederholen könnten. Doch leider sagte Heero nur, „Ja, das war es." Dann begann er damit sich ein Brot zu schmieren.

Duo hätte am liebsten aufgestöhnt. Aber das verbot er sich selber. Er würde jetzt nicht zeigen, wie enttäuscht er war. Schließlich war er realistisch. Er würde jetzt nicht enttäuscht sein, weil ein One Night Stand nur ein One Night Stand war. Dazu war er viel zu cool. Und außerdem, Heero war zwar heiß, aber er lebte in Blackside, es war sowieso zum scheitern verurteilt!

Entschlossen schnappte er sich seine Tasse und trank einen großen Schluck. Alles war cool, er war cool und er würde sich garantiert nicht von dieser Sache deprimieren lassen. Soweit käme es noch!