"Mordred hör auf damit! Siehst du nicht, was du anrichtest?" Havgan tritt zu Merlin und beugt sich zu ihm herunter. Aber Mordred lacht nur. Selbstsicher steht er da. Da die dritte Seele, Arthurs Seele noch immer hoch oben in der Luft schwebt, verlässt auch Mordred den Steinkreis. Er ist sich seiner Sache sehr sicher. Verächtlich steht er neben Merlin und sieht auf ihn herunter. "Da liegt er euer Emrys. Was hat er euch gebracht? Nichts. Was waren sie wert, alle eure Prophezeihungen? Nichts." Er lacht laut und garstig. Havgan sieht zu ihm auf. Dann nimmt er das Schwert des Königs aus Merlins Händen und geht auf Mordred zu. "Ich werde dem ein Ende machen. Ich werde verhindern, dass du auch die dritte Seele in dir aufnimmst." Mordred grinst. "Das kannst du nicht. Und das weißt du."

Havgan lächelt. "Du hast einen Fehler gemacht. Du hast den Steinkreis verlassen. Du befindest dich außerhalb der Reichweite des Opfersteines. Der Stein kann dich hier nicht beschützen." Er erhebt das Schwert. Augenblicklich weicht Mordred zurück. Sein Lachen ist ihm vergangen. Aber weit kommt er nicht. Die Menschen um sie herum, bilden einen Kreis um ihn. Er kann nicht weiter ausweichen. "Mordred, du weißt, dass dich dieses Schwert töten kann. Es kann töten, was bereits tot ist!" Als der alte Druide ausholt, leuchten Mordreds Augen auf und vor den Augen aller löst er sich auf. Sie sehen sich um. Er ist weg. Verschwunden.

Havgan tritt zu Merlin zurück. Pelleas kniet sich ebenfalls neben ihn. "Ist er tot?" Havgan schüttelt den Kopf. "Nein, sein Körper lebt. Aber er ist eine leere Hülle. Das 3-Seelen-Ritual ist so mächtig. Es hat seine Seele zerrissen." Pelleas schüttelt traurig den Kopf. "Aber es wurde doch nicht vollendet! Mordred hat die Seele von Arthur doch gar nicht aufgenommen!" Havgan schüttelt den Kopf. "Vielleicht hängt sie noch an einem seidenen Faden. Aber mehr nicht. Ich kann nichts für ihn tun. Nichts." Dann sieht er zu dem leblosen Körper des Königs und dessen in der Luft schwebende Seele herüber.

"Pelleas geh. Informiere König Lot und die Königin von Camelot. Sag ihnen, wir werden uns nicht wehren. Wir geben auf. Sag ihnen, dass ihr König und dessen Zauberer tot sind." Er legt ihm das Schwert in die Hände. "Nimm das mit. Gib es der Königin." Pelleas steht auf und wischt sich eine Träne aus den Augenwinkeln. Dann nimmt er das Schwert des Königs und geht zu Arthur hinüber. Sanft sieht er auf ihn hinab. "Es tut mir leid. Ich wünschte, ich hätte mehr für euch tun können. Aber ich habe nicht einmal die Macht, eure Fesseln zu öffnen und Euch von diesem Stein herunter zu holen." Er schüttelt traurig den Kopf und macht einen Schritt rückwärts. Die einsame Seele schwebt über dem leblosen Körper des Königs. "Havgan? Was passiert jetzt mit seiner Seele?" Der Alte sieht zu Pelleas herüber. "Sie wird schwächer werden und sich auflösen. Sie ist nicht mehr an das Ritual gebunden, da Mordred fort ist. Nur er hätte vermocht, sie in sich aufzunehmen. Ich hoffe, Arthurs Seele wird seine Ruhe finden."

Pelleas schwingt das Schwert wütend und traurig zugleich in seiner Hand. Gerade als er sich abwenden will, beginnt es zu leuchten. Das Schwert leuchtet. Oder besser die Markierungen der Alten Religion darauf leuchten. Sie spiegeln das Mondlicht und das Licht der Sterne. Pelleas lässt das Schwert vor Schreck fallen und weicht zurück. Etwas ist über ihn hinweggeflogen. Nur für einen Augenblick hat er es gesehen. Nur für einen Augenblick hat er es gespürt. Den heißen Atem eines Drachen. Wie ein Strom fließt er durch die Luft.

Und wie im Sog zieht es des Königs Seele mit sich. Langsam gleitet sie hinunter und berührt die Brust des Königs. Langsam gleitet sie hinein. Bis sie in der Brust des Königs verschwunden ist. Dann ist es still, bis sich wie von selbst die Eisenfesseln des Steines an Arthur Armen und Beinen lösen. Dann ist es dunkel, bis die Fackeln um sie herum hell aufbrennen. Die Menschen halten den Atem an. Da hören sie es. Ein Flügelschlag so gewaltig, dass er Wind erzeugt. Da sehen sie es. Ein Drache überfliegt die Lichtung erneut. Ein Drache so gewaltig und schön. Dann ist es vorbei. Aithusa ist weg.

Wie gebannt hat Havgan zum Opferstein gestarrt. Ein Drache ist über sie hinweg geflogen und hat Arthur mit seinem Atem gesegnet.

Arthur spürt die Schmerzen in seiner Brust. Der Dolch steckt noch immer in ihm. Er fasst ihn mit seiner linken Hand und zieht ihn heraus. Blut sickert aus der Wunde. Sie ist nicht allzu tief. Er öffnet die Augen und sieht in den Himmel. Es ist Nacht. Hat er alles nur geträumt? Oder war er wahrhaftig tot? Ist er vielleicht noch immer tot? Er hebt seine rechte Hand. Seine Handgelenke schmerzen von den Fesseln, die sich in sein Fleisch geschnitten hatten. Nein. Er lebt. Langsam setzt er sich auf. Erhaben sitzt er auf dem Opferstein. Langsam sieht er sich um. Um ihn herum stehen hunderte Menschen. Männer, Frauen, Kinder. Er versucht aufzustehen, aber er schwankt. Die Anstrengungen der letzten Tage machen ihm schwer zu schaffen. Pelleas fasst sich ein Herz und läuft zu ihm um ihn zu stützen. Der König lächelt ihn dankbar an. "Pelleas?" Der Junge nickt. "Pelleas, beende was du angefangen hast. Lauf und informiere die Königin und König Lot. Bring sie her." Pelleas nickt. Arthur hat seine Beine mittlerweile im Griff. Er kann allein stehen. Pelleas sieht ihn an. Der König nickt ihm zu. Dann dreht sich Pelleas um und läuft von der Lichtung in Richtung Wald, in Richtung der Armee.