Titel: Schmeren der Erinnerungen
Autor: Sailanis
Disclaimer: Keiner dieser Charaktere gehört mir, leider, sondern J.R.R. Tolkien. Nur die unbekannten (aber die will ich eigentlich nicht...) und die Handlung. Und der Songtext stammt von Soul Asylum und nennt sich „Runaway Train".
Rating: PG-13
Warnung:
1.Das ist ein AU-Fic, denn. Aragorn ist unsterblich, Arwen musste ihre Unsterblichkeit also nicht aufgeben. Sie ist trotzdem tot , vor ungefähr 15, 16 Jahren gestorben.
2.Diese Geschichte enthält Slash! Es wird eine Paarung zwischen zwei Männern geben.
Kleine Anmerkungen: So, das ist das vorletzte Kapitel. Es wird noch der Epilog folgen und dann bin ich fertig. Aber ich kann jetzt schon sagen, das schönste am Schreiben waren eure Reviews! Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mich bedanken soll...
Pain of Memory, Teil 7/ Erkenntnis
********************************
Bought a ticket for a runaway train
Like a madman laughin' at the rain
A little out of touch
little insane
It's just easier than dealing with the pain
*********************************
Elladan und Aragorn ließen sich von einer der Wachen in das Zimmer von Legolas führen. Keine Minute zu früh, wie sie feststellten. Bewegungslos lag der blonde Elb am Boden und gab kein Zeichen von Leben mehr von sich. Während sich Aragorn neben seinen Freund kniete drehte sich Elladan zu einem der Wachen und wies ihn an, ein Bett in den Häusern der Heilung vorbereiten zu lassen. Dann wendete er sich wieder den beiden Gestalten auf dem Boden zu.
Aragorn hatte sofort nach einem Puls gesucht und zu seiner Erleichterung auch schon bald einen gefunden. Legolas Herz schlug noch immer, wenn auch nur schwach. Notdürftig versorgte Aragorn die beiden Schnittwunden an den Handgelenken des Elben, sich wundernd, was ihn dazu gebracht hatte. Misstrauisch ließ er seine Augen in Legolas Raum und dem Flur davor umherschweifen, doch er konnte niemanden sehen. Auch wenn er es kaum zugeben mochte, er hatte bereits einen Verdacht, auch wenn ihn der Gedanke daran, dass jemand sein eigen Fleisch und Blut tot sehen wolle, erschaudern ließ.
Vorsichtig nahm er Legolas schlaffen Körper und nahm ihn in seine Arme. Der Kopf des bewusstlosen Elben war an seine Brust gelehnt und beinahe schien es, als würde er nur friedlich schlafen. ‚Wie ein kleines Kind wirkt er, so unschuldig und harmlos' dachte Aragorn, während er versuchte, so schnell wie möglich zu den Häusern der Heilung zu gelangen. ‚Und trotzdem ist er ein großer Krieger und hat Dinge erlebt und gesehen, denen ich noch nicht einmal in meinen schlimmsten Albträumen begegnen möchte.'
Bergil erwartete die drei bereits. Er selbst war nicht allzu sehr überrascht gewesen, als die Wache in sein Zimmer kam um ihn zu holen, denn oft hatte er den letzten Tagen die unglücklichen Blicke des Elben bemerkt. Doch hatte er nicht gewusst, was er tun sollte. Jetzt fühlte er sich mitschuldig an dem, was soeben passiert war. Um so mehr bemühte er sich, seinem König mit geübter Hand zu assistieren und ihm Arbeit abzunehmen. Mittlerweile waren auch Daisy und Leia, die Schwestern, in den Häusern der Heilung angekommen.
Sie alle kümmerten sich um den Elb, taten ihr bestes dafür, dass er seine Verzweiflung nicht mit seinem Leben bezahlen müsse. Jedem stand die Besorgnis ins Gesicht geschrieben, aber auch die Angst und die Selbstvorwürfe. Warum nur hatten sie nicht besser für den Elb sorgen können? Jetzt war es zu spät, und sie konnten nur hoffen, dass Legolas wieder genug Mut zum Leben finden würde, denn einzig an ihm lag es nun. Nicht durch Krankheiten konnten Elben sterben, aber Kummer und Gram waren für sie schädlicher als noch für die Menschen.
Zwei Tage saß Aragorn am Bett der Person, um die er sich am meisten sorgte, die wichtigste Person in seinem Leben. Nie wich er von seiner Seite, nur wenn er Essen musste oder gewisse Bedürfnisse hatte. Doch jetzt saß er bei ihm, hielt die leblose, kühle Hand des Elben und wartete sehnsüchtig auf ein Zeichen von Leben. Und in diesem Moment, da er zärtlich mit seiner Hand über das weiche, seidene Haar der schlafenden Schönheit fuhr und sich nach vorne lehnte, um Legolas einen sanften Kuss zu geben, erwachte dieser.
Plötzlich, nur sehr langsam, öffnete Legolas die Augen. Er hatte sein Bewusstsein wiedererlangt, nicht zuletzt aufgrund der Wärme und Geborgenheit, die er mit einem mal um sich herum gespürt hatte. Nun sah er Aragorn neben sich sitzen, doch wagte er es kaum, ihm in die Augen blicken. Stattdessen senkte er seinen Blick und schaute in die andere Richtung.
Aragorn war von dem Verhalten seines Freundes mehr als überrascht. Was war mit Legolas geschehen, dass er sich so unterwürfig verhielt, so verschreckt und ängstlich? Aragorn streckte seinen Arm aus, legte seine Hand unter das Kinn von Legolas und hob seinen Kopf leicht an, so dass er ihm direkt in die Augen blicken konnte. „Vor mir musst du deinen Blick nicht senken, Legolas. Das musst du vor niemanden, egal, ob dir jemand etwas anderes eingeredet hat. Hast du verstanden?"
Legolas konnte nur nicken. Ihm fehlten die Worte. Gerade noch, oder eher vor wenigen Tagen, hatte er sterben wollen, doch jetzt blickte er in die stürmisch grauen Augen von Aragorn, nicht fähig, sich zu bewegen oder etwas zu sagen. Er versuchte zu sprechen, doch erst nach einer scheinbar endlos langen Stille brachte er seine Worte heraus. „Aragorn, ich –" seine Stimme brach ab, doch er sammelte all seine Kraft und versuchte, weiterzumachen. „Ich weiß nicht, was ich tun soll. Für euch bin ich doch nicht mehr als eine Last, oder? Mein Leben erscheint mir sinnlos. Nein, ich will nicht sterben, aber ich weiß auch nicht, wie ich leben soll."
Aragorn war bewegt von diesen Worten. Wie konnte Legolas nur glauben, dass er nicht geliebt wurde? „Legolas, schau mich an und hör mir zu." Dabei nahm Legolas die linke Hand von Legolas in seine eigene, während er mit seiner rechten Hand Legolas Kopf zu sich drehte. „Ich weiß nicht, wie es mit Gimli, deinem Vater oder deinem Bruder Calenorn aussieht, auch wenn ich mir sehr sicher bin, dass sie dich lieben und dich schätzen, aber eines möchte ich dir sagen. Für mich bist du die wichtigste Person, die es gibt in dieser Welt. Ich weiß nicht, wie ich ohne dich leben könnte. Legolas, ich liebe dich, und zwar mehr als alles andere."
Er hatte Tränen in den Augen, als er sich nach vorne lehnte und seinem Geliebten einen tiefgehenden, zärtlichen Kuss gab. Er lehnte sich wieder zurück und schaute Legolas voller Liebe und Fürsorge an. Legolas konnte kaum glauben, was er gehört hatte. Er war erleichtert, eine große Last war von ihm genommen worden. „Und ich liebe dich, Aragorn." Sprach er, bevor er seinen rechten Arm ausstreckte, um Aragorn wieder näher an sich heranzuholen. Doch der Versuch war unnötig, denn Aragorn kam von alleine. Die beiden tauschten noch viele weitere Küsse aus, bevor Legolas schließlich wieder in einen tiefen Schlaf sank. Doch dieses mal waren es keine Alpträume, die er durchlebte.
Die Sterne schimmerten am klaren Himmel über Gondor, eine leichte Brise wehte über die schlafende Stadt. Keine Hektik war zu spüren in dieser Nacht, nicht wie am Tag, wenn die Straßen von ihren Bewohnern, den Händlern und den Reisenden bevölkert waren. Nein, alles war still, von dem Gezirpe der Grillen abgesehen. Nur ein weiteres Geräusch war noch zu hören: zwei Stimmen, die sich abwechselnd kleine Liebkosungen zuflüsterten.
Die Stimmen kamen von dem Dach des königlichen Palastes. Decken, Kissen, ja sogar eine riesige Matratze lagen auf dem weißen Steinboden aussgebreitet. Auf der niedrigen Mauer, die das Dach umlief, standen Blumen in allen erdenklichen Farben, ebenso wie auf dem Boden. Und auch Gemmen, die ein mattes, kaum sehbares Licht ausstrahlten, waren auf dem Dach verteilt wurden und beleuchteten sowohl die Blumen als auch die sorgfältig angefertigten Holz- und Steinfiguren, die hier aufgestellt waren.
Doch Legolas und Aragorn hatten kaum Augen für diese Schönheit. Viel mehr konzentrierten sich ihre Blicke aufeinander oder auf den Himmel über ihnen. Besonders hell schien das Licht des geliebten Sterns Earendil heute, als ob er nur für diese eine Nacht ausgesandt worden wäre. Legolas beobachtete seinen Glanz, während er sich weiter in die starken, aber trotz allem sanften Arme seines geliebten Aragorns schmiegte. Wie sehr hatte er sich nach dieser Wärme gesehnt, und wie sehr genoss er sie jetzt.
„Sie lieben dich Legolas, auch wenn du es nicht siehst – oder nicht sehen willst. Niemals könnten sie den Schmerz ertragen, dich zu verlieren, genauso wenig wie ich. Genieße dein Leben wieder, vergiss Celebgond, konzentriere dich stattdessen auf die schönen Dinge." „Auf dich zum Beispiel?" hatte Legolas Aragorn an diesem Abend geantwortet, als sie über seine Sorgen und seine Ängste sprachen. Und Legolas gab ihm recht. Er würde die schlechten Dinge hinter sich lassen, auch wenn er sie nicht vergessen konnte, und seine Augen wieder für die schönen öffnen.
Er hatte bereits damit angefangen. Die letzten Tage hatte er meist in Begleitung von Aragorn verbracht, mit dem er oft sprach oder einfach nur die Zeit mit ihm genoss, oder aber er war mit Gimli, seinem wohl besten Freund, unterwegs. Auch unternahm er wieder mehr mit Calenorn, der sich ernsthaft besorgt um seinen Bruder gezeigt hatte. Celebgond dagegen war nicht mehr da, sondern in den Düsterwald zurückgekehrt.
Zärtlich strich Aragorn über das Gesicht des blonden, wunderschönen Elben. Das erste mal seit Tagen, Wochen und Jahren schien Legolas wieder ein inneres Licht auszustrahlen. Gerade wollte er ihn ein weiteres mal mit einem Kuss erfreuen, als vor ihnen Arien in ihrem Sonnenschiff den Himmel erklomm. Plötzlich schien die Stadt golden zu schimmern, Geräusche von kleinen Tieren und Vögeln waren zu hören. Der Tag war erwacht. Glücklich schaute er wieder zu Legolas. Und erstaunt war er über das, was er dort, in dem Gesicht seines Geliebten sah: nichts.
Die Narbe, die noch vor wenigen Stunden über das Gesicht des Elben lief, war verschwunden. Aragorn griff nach Legolas Hand und führte sie an dessen Gesicht. Legolas konnte es kaum glauben. Sie war weg, verschwunden. Endlich fühlte er sich wieder vollwertig. Seine Heilfähigkeiten schienen zurückgekehrt zu sein, und sofort hatte er das Gefühl, als könne er auch wieder besser hören und sehen. Er lauschte den Gesängen der Vögel – und er konnte sie verstehen. Überglücklich umarmte er Aragorn. Tief blickte er in die Augen seines Gegenübers. Er wusste kaum, was er sagen sollte, und so blieb es bei einem einfachen, aber aus tiefstem Herzen kommenden „Danke".
„Du musst dich nicht bedanken, Legolas. Nein, viel mehr bin ich froh, dass es dich gibt. Aber komm, lass uns zurückgehen, ich befürchte, die anderen könnten sonst nach uns suchen." Und so verließen sie das Dach wieder, doch in den folgenden Tagen kamen sie noch oft hierher. Gimli, Thranduil, Calenorn und Elladan blieben noch lange, unternahmen viele gemeinsame Ausflüge, doch auch sie mussten irgendwann wieder in ihre Heimat zurück. Doch Legolas blieb, und so verbrachte er noch viele wundervolle Jahre in Minas Tirith, immer an der Seite von Aragorn.
Hört sich fast so an wie das Ende...ist es aber noch nicht...ein kleiner Teil fehlt noch...
Autor: Sailanis
Disclaimer: Keiner dieser Charaktere gehört mir, leider, sondern J.R.R. Tolkien. Nur die unbekannten (aber die will ich eigentlich nicht...) und die Handlung. Und der Songtext stammt von Soul Asylum und nennt sich „Runaway Train".
Rating: PG-13
Warnung:
1.Das ist ein AU-Fic, denn. Aragorn ist unsterblich, Arwen musste ihre Unsterblichkeit also nicht aufgeben. Sie ist trotzdem tot , vor ungefähr 15, 16 Jahren gestorben.
2.Diese Geschichte enthält Slash! Es wird eine Paarung zwischen zwei Männern geben.
Kleine Anmerkungen: So, das ist das vorletzte Kapitel. Es wird noch der Epilog folgen und dann bin ich fertig. Aber ich kann jetzt schon sagen, das schönste am Schreiben waren eure Reviews! Ich weiß gar nicht mehr, wie ich mich bedanken soll...
Pain of Memory, Teil 7/ Erkenntnis
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Bought a ticket for a runaway train
Like a madman laughin' at the rain
A little out of touch
little insane
It's just easier than dealing with the pain
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Elladan und Aragorn ließen sich von einer der Wachen in das Zimmer von Legolas führen. Keine Minute zu früh, wie sie feststellten. Bewegungslos lag der blonde Elb am Boden und gab kein Zeichen von Leben mehr von sich. Während sich Aragorn neben seinen Freund kniete drehte sich Elladan zu einem der Wachen und wies ihn an, ein Bett in den Häusern der Heilung vorbereiten zu lassen. Dann wendete er sich wieder den beiden Gestalten auf dem Boden zu.
Aragorn hatte sofort nach einem Puls gesucht und zu seiner Erleichterung auch schon bald einen gefunden. Legolas Herz schlug noch immer, wenn auch nur schwach. Notdürftig versorgte Aragorn die beiden Schnittwunden an den Handgelenken des Elben, sich wundernd, was ihn dazu gebracht hatte. Misstrauisch ließ er seine Augen in Legolas Raum und dem Flur davor umherschweifen, doch er konnte niemanden sehen. Auch wenn er es kaum zugeben mochte, er hatte bereits einen Verdacht, auch wenn ihn der Gedanke daran, dass jemand sein eigen Fleisch und Blut tot sehen wolle, erschaudern ließ.
Vorsichtig nahm er Legolas schlaffen Körper und nahm ihn in seine Arme. Der Kopf des bewusstlosen Elben war an seine Brust gelehnt und beinahe schien es, als würde er nur friedlich schlafen. ‚Wie ein kleines Kind wirkt er, so unschuldig und harmlos' dachte Aragorn, während er versuchte, so schnell wie möglich zu den Häusern der Heilung zu gelangen. ‚Und trotzdem ist er ein großer Krieger und hat Dinge erlebt und gesehen, denen ich noch nicht einmal in meinen schlimmsten Albträumen begegnen möchte.'
Bergil erwartete die drei bereits. Er selbst war nicht allzu sehr überrascht gewesen, als die Wache in sein Zimmer kam um ihn zu holen, denn oft hatte er den letzten Tagen die unglücklichen Blicke des Elben bemerkt. Doch hatte er nicht gewusst, was er tun sollte. Jetzt fühlte er sich mitschuldig an dem, was soeben passiert war. Um so mehr bemühte er sich, seinem König mit geübter Hand zu assistieren und ihm Arbeit abzunehmen. Mittlerweile waren auch Daisy und Leia, die Schwestern, in den Häusern der Heilung angekommen.
Sie alle kümmerten sich um den Elb, taten ihr bestes dafür, dass er seine Verzweiflung nicht mit seinem Leben bezahlen müsse. Jedem stand die Besorgnis ins Gesicht geschrieben, aber auch die Angst und die Selbstvorwürfe. Warum nur hatten sie nicht besser für den Elb sorgen können? Jetzt war es zu spät, und sie konnten nur hoffen, dass Legolas wieder genug Mut zum Leben finden würde, denn einzig an ihm lag es nun. Nicht durch Krankheiten konnten Elben sterben, aber Kummer und Gram waren für sie schädlicher als noch für die Menschen.
Zwei Tage saß Aragorn am Bett der Person, um die er sich am meisten sorgte, die wichtigste Person in seinem Leben. Nie wich er von seiner Seite, nur wenn er Essen musste oder gewisse Bedürfnisse hatte. Doch jetzt saß er bei ihm, hielt die leblose, kühle Hand des Elben und wartete sehnsüchtig auf ein Zeichen von Leben. Und in diesem Moment, da er zärtlich mit seiner Hand über das weiche, seidene Haar der schlafenden Schönheit fuhr und sich nach vorne lehnte, um Legolas einen sanften Kuss zu geben, erwachte dieser.
Plötzlich, nur sehr langsam, öffnete Legolas die Augen. Er hatte sein Bewusstsein wiedererlangt, nicht zuletzt aufgrund der Wärme und Geborgenheit, die er mit einem mal um sich herum gespürt hatte. Nun sah er Aragorn neben sich sitzen, doch wagte er es kaum, ihm in die Augen blicken. Stattdessen senkte er seinen Blick und schaute in die andere Richtung.
Aragorn war von dem Verhalten seines Freundes mehr als überrascht. Was war mit Legolas geschehen, dass er sich so unterwürfig verhielt, so verschreckt und ängstlich? Aragorn streckte seinen Arm aus, legte seine Hand unter das Kinn von Legolas und hob seinen Kopf leicht an, so dass er ihm direkt in die Augen blicken konnte. „Vor mir musst du deinen Blick nicht senken, Legolas. Das musst du vor niemanden, egal, ob dir jemand etwas anderes eingeredet hat. Hast du verstanden?"
Legolas konnte nur nicken. Ihm fehlten die Worte. Gerade noch, oder eher vor wenigen Tagen, hatte er sterben wollen, doch jetzt blickte er in die stürmisch grauen Augen von Aragorn, nicht fähig, sich zu bewegen oder etwas zu sagen. Er versuchte zu sprechen, doch erst nach einer scheinbar endlos langen Stille brachte er seine Worte heraus. „Aragorn, ich –" seine Stimme brach ab, doch er sammelte all seine Kraft und versuchte, weiterzumachen. „Ich weiß nicht, was ich tun soll. Für euch bin ich doch nicht mehr als eine Last, oder? Mein Leben erscheint mir sinnlos. Nein, ich will nicht sterben, aber ich weiß auch nicht, wie ich leben soll."
Aragorn war bewegt von diesen Worten. Wie konnte Legolas nur glauben, dass er nicht geliebt wurde? „Legolas, schau mich an und hör mir zu." Dabei nahm Legolas die linke Hand von Legolas in seine eigene, während er mit seiner rechten Hand Legolas Kopf zu sich drehte. „Ich weiß nicht, wie es mit Gimli, deinem Vater oder deinem Bruder Calenorn aussieht, auch wenn ich mir sehr sicher bin, dass sie dich lieben und dich schätzen, aber eines möchte ich dir sagen. Für mich bist du die wichtigste Person, die es gibt in dieser Welt. Ich weiß nicht, wie ich ohne dich leben könnte. Legolas, ich liebe dich, und zwar mehr als alles andere."
Er hatte Tränen in den Augen, als er sich nach vorne lehnte und seinem Geliebten einen tiefgehenden, zärtlichen Kuss gab. Er lehnte sich wieder zurück und schaute Legolas voller Liebe und Fürsorge an. Legolas konnte kaum glauben, was er gehört hatte. Er war erleichtert, eine große Last war von ihm genommen worden. „Und ich liebe dich, Aragorn." Sprach er, bevor er seinen rechten Arm ausstreckte, um Aragorn wieder näher an sich heranzuholen. Doch der Versuch war unnötig, denn Aragorn kam von alleine. Die beiden tauschten noch viele weitere Küsse aus, bevor Legolas schließlich wieder in einen tiefen Schlaf sank. Doch dieses mal waren es keine Alpträume, die er durchlebte.
Die Sterne schimmerten am klaren Himmel über Gondor, eine leichte Brise wehte über die schlafende Stadt. Keine Hektik war zu spüren in dieser Nacht, nicht wie am Tag, wenn die Straßen von ihren Bewohnern, den Händlern und den Reisenden bevölkert waren. Nein, alles war still, von dem Gezirpe der Grillen abgesehen. Nur ein weiteres Geräusch war noch zu hören: zwei Stimmen, die sich abwechselnd kleine Liebkosungen zuflüsterten.
Die Stimmen kamen von dem Dach des königlichen Palastes. Decken, Kissen, ja sogar eine riesige Matratze lagen auf dem weißen Steinboden aussgebreitet. Auf der niedrigen Mauer, die das Dach umlief, standen Blumen in allen erdenklichen Farben, ebenso wie auf dem Boden. Und auch Gemmen, die ein mattes, kaum sehbares Licht ausstrahlten, waren auf dem Dach verteilt wurden und beleuchteten sowohl die Blumen als auch die sorgfältig angefertigten Holz- und Steinfiguren, die hier aufgestellt waren.
Doch Legolas und Aragorn hatten kaum Augen für diese Schönheit. Viel mehr konzentrierten sich ihre Blicke aufeinander oder auf den Himmel über ihnen. Besonders hell schien das Licht des geliebten Sterns Earendil heute, als ob er nur für diese eine Nacht ausgesandt worden wäre. Legolas beobachtete seinen Glanz, während er sich weiter in die starken, aber trotz allem sanften Arme seines geliebten Aragorns schmiegte. Wie sehr hatte er sich nach dieser Wärme gesehnt, und wie sehr genoss er sie jetzt.
„Sie lieben dich Legolas, auch wenn du es nicht siehst – oder nicht sehen willst. Niemals könnten sie den Schmerz ertragen, dich zu verlieren, genauso wenig wie ich. Genieße dein Leben wieder, vergiss Celebgond, konzentriere dich stattdessen auf die schönen Dinge." „Auf dich zum Beispiel?" hatte Legolas Aragorn an diesem Abend geantwortet, als sie über seine Sorgen und seine Ängste sprachen. Und Legolas gab ihm recht. Er würde die schlechten Dinge hinter sich lassen, auch wenn er sie nicht vergessen konnte, und seine Augen wieder für die schönen öffnen.
Er hatte bereits damit angefangen. Die letzten Tage hatte er meist in Begleitung von Aragorn verbracht, mit dem er oft sprach oder einfach nur die Zeit mit ihm genoss, oder aber er war mit Gimli, seinem wohl besten Freund, unterwegs. Auch unternahm er wieder mehr mit Calenorn, der sich ernsthaft besorgt um seinen Bruder gezeigt hatte. Celebgond dagegen war nicht mehr da, sondern in den Düsterwald zurückgekehrt.
Zärtlich strich Aragorn über das Gesicht des blonden, wunderschönen Elben. Das erste mal seit Tagen, Wochen und Jahren schien Legolas wieder ein inneres Licht auszustrahlen. Gerade wollte er ihn ein weiteres mal mit einem Kuss erfreuen, als vor ihnen Arien in ihrem Sonnenschiff den Himmel erklomm. Plötzlich schien die Stadt golden zu schimmern, Geräusche von kleinen Tieren und Vögeln waren zu hören. Der Tag war erwacht. Glücklich schaute er wieder zu Legolas. Und erstaunt war er über das, was er dort, in dem Gesicht seines Geliebten sah: nichts.
Die Narbe, die noch vor wenigen Stunden über das Gesicht des Elben lief, war verschwunden. Aragorn griff nach Legolas Hand und führte sie an dessen Gesicht. Legolas konnte es kaum glauben. Sie war weg, verschwunden. Endlich fühlte er sich wieder vollwertig. Seine Heilfähigkeiten schienen zurückgekehrt zu sein, und sofort hatte er das Gefühl, als könne er auch wieder besser hören und sehen. Er lauschte den Gesängen der Vögel – und er konnte sie verstehen. Überglücklich umarmte er Aragorn. Tief blickte er in die Augen seines Gegenübers. Er wusste kaum, was er sagen sollte, und so blieb es bei einem einfachen, aber aus tiefstem Herzen kommenden „Danke".
„Du musst dich nicht bedanken, Legolas. Nein, viel mehr bin ich froh, dass es dich gibt. Aber komm, lass uns zurückgehen, ich befürchte, die anderen könnten sonst nach uns suchen." Und so verließen sie das Dach wieder, doch in den folgenden Tagen kamen sie noch oft hierher. Gimli, Thranduil, Calenorn und Elladan blieben noch lange, unternahmen viele gemeinsame Ausflüge, doch auch sie mussten irgendwann wieder in ihre Heimat zurück. Doch Legolas blieb, und so verbrachte er noch viele wundervolle Jahre in Minas Tirith, immer an der Seite von Aragorn.
Hört sich fast so an wie das Ende...ist es aber noch nicht...ein kleiner Teil fehlt noch...
