Geschockt sah Gibbs seinen Freund an. Wollte er übertreiben, damit Gibbs sich mehr um Jenny sorgte, und sich besser um sie kümmerte? Nein die Miene des Arztes ließ nicht darauf schließen. Aber trotzdem. Gibbs wollte das nicht glauben. Das ging einfach nicht. Jenny! Niemals hatte er sich wirklich vorgestellt, sie könnte vor ihm sterben. Nicht als sie in Serbien angeschossen wurde, nicht als einer der Dempsey Brüder sie entführt hatte. Immer hatte es einen Ausweg führ sie gegeben. Aber in Duckys Blick konnte er erkennen, dass es diesmal keinen geben würde.
„Sie hat einen Gehirntumor. Inoperabel und mit einer Chemotherapie nicht zu erreichen. Für eine Bestrahlung ist er schon zu groß. Sie ist bei mehreren Spezialisten gewesen. Soweit ich weiß wollten sie sie alle unter Aufsicht in einer Klinik behalten. Sie hat sich geweigert. Sie meinte sie hätte keine Lust ihre letzten Monate und Wochen in einem Krankenhaus zu verbringen. Lieber wollte sie die Schmerzen hinnehmen und noch etwas leben hat sie zu mir gesagt. Aber eigentlich haben wir uns nicht darüber unterhalten. Du kennst sie. Sie ist stolz und stark. Sie würde niemals zeigen, dass sie leidet. Das ist einfach nicht ihre Art.
„Aber Jethro warum ausgerechnet jetzt? Warum hast du sie hier wieder damit konfrontiert?" erkundigte sich Ducky. Gibbs zuckte mit den Schultern.
„Als ich auf dem Weg zu ihr war sind mir der General und eine Ärztin über den Weg gelaufen. Sie meinte sie hätten sie beunruhigt als sie ihr erkläre wollten warum sie hier ist. Sie haben mich auch gebeten nach ihr zu sehen. Ich bin kurz danach bei ihr gewesen und sie hat mich nicht einmal registriert als ich ihr Zimmer betreten habe. Sie hat einen so … Ich weiß es doch auch nicht Duck. Irgendwie habe ich angenommen, dass sie so niedergeschlagen war weil sie eine schlechte Nachricht bekommen hatte. In Bezug auf ihre Krankheit meine ich. Ich hätte niemals gedacht …" Gibbs brach ab.
„Du solltest noch einmal zu ihr gehen. Ich denke eurer Gespräch gerade ist ja nicht so gut verlaufen." Jethro sah Ducky einen Moment an, drehte sich dann um und ging gerade Wegs zu Jenny zurück.
Nachdem Gibbs ihr Zimmer verlassen hatte, hatte Jenny eine Weile nur die Tür angestarrt. Sie wusste einfach nicht wie sie damit noch umgehen sollte. Ihre Fähigkeit die Dinge einfach so hinzunehmen war erschöpft. Wenn Gibbs jetzt auch noch wütend auf sie war, dann wusste sie nicht wie sie die nächsten Wochen noch überstehen sollte. Schließlich gab sie auf. Sie konnte sich jetzt einfach nicht weiter damit beschäftigen.
Sie nahm eine Akte zur Hand und begann zu Arbeiten. Das würde sie zumindest ablenken. Sie kam jedoch nur quälend langsam voran. Jenny konnte sich einfach nicht konzentrieren. Immer wieder glitten ihre Gedanken zu Jethro, dem jungen Tok'ra, und diesem kleinen Zellhaufen, der sich in ihrem Kopf eingenistet hatte, und der ihren Tod bedeuten würde. Was würde es für sie bedeuten ein Tok'ra zu werden? Sie konnte nicht anders, es schüttelte sie bei dem Gedanken an dieses schleimige kleine Wesen auf der Krankenstation. Als sie die Geschichte das erste Mal gehört hatte konnte sie nicht anders als Mitleid zu empfinden. Aber war sie deshalb bereit ihren Körper mit diesem Wesen zu teilen und sei es auch nur für die kurze Zeit die sie noch hatte. Wäre sie dann überhaupt noch sie selbst oder würde sie vollständig übernommen werden? Würden die Anderen sie dann noch als Jenny ansehen, oder nur noch als Alien? Sie konnte sich noch gut an die Erzählung des Archäologen Dr. Jackson erinnern. Er hatte berichtet, wie sie auf die Goa'uld gestoßen waren. Diese Wesen waren grundsätzlich von derselben Art wie die Tok'ra. Aalähnlich, mit einer Halskrause und schrecklichen Mundwerkzeugen mit denen sie sich ihren Weg in den Wirt bahnen und ihn dann vollständig kontrollieren konnten. Die Goa'uld hatten sich zu Göttern aufgeschwungen. Sie versklavten die Menschen in ihrem Einflussbereich und verwendeten sie ohne zu zögern als Kanonenfutter für ihre endlosen Kriege untereinander. Die alten ägyptischen Götter waren allesamt Goa'uld. Nur weil das Erdengate irgendwann verschüttet wurde, wurde die Erde von der Grausamkeit verschont, die auf so vielen anderen Planeten herrschte. Jenny wusste, dass ein Tok'ra niemals einen Wirt ohne dessen Einverständnis bewohnen würde. Aber sie hatte auch den leisen Schauer bemerkt, der General O'Neill bei dem Anblick des Tok'ra über den Rücken gelaufen war. Sie wusste, dass auch er einmal von einem Tok'ra bewohnt wurde. Er schien diese Wesen trotz ihrer Versprechen, niemandem ihren Willen aufzuzwingen, zu verabscheuen. Würde er sie genauso verabscheuen, wenn sie erst einmal ein Tok'ra war? Aber wenn sie wirklich die einzige war, die diesen jungen Rebellen retten konnte, wie konnte sie ihre Hilfe dann verweigern. Sie hatte erklärt bekommen, wie verzweifelt die Situation für die Tok'ra im Grunde war. Sie hatten kaum noch die Möglichkeit ihre Zahl zu vergrößern. Erst vor kurzem war eine ihrer Königinnen gestorben und sie hatten keine andere Möglichkeit sich zu vermehren. Jeder junge Tok'ra war wichtig für die Erhaltung nicht nur ihrer Art, sondern auch des Widerstandes. Und dieser Widerstand war es letztlich, der auch der Erde zu gute kam. Ohne die Hilfe der Tok'ra wäre die Erde vermutlich jetzt schon von den Goa'uld besetzt.
Aber würde das alles nicht bedeuten, dass sie ihrem Leben schon jetzt ein Ende bereitete?
