Hermine und Pansy zuckten zusammen und beide versuchten, mit ihren Armen das Nötigste zu verbergen.
„Zwei halbnackte Frauen in meinem Heim – ein Traum oder eher, da Granger involviert ist, ein Alptraum?", stieß Malfoy hervor und starrte sie beide intensiv an.
„Malfoy!", quiekte Hermine entsetzt und synchron dazu rief Pansy empört: „Draco! Dreh dich gefälligst um!"
Malfoys Mund stand halb offen und wäre Hermine die Situation nicht so peinlich gewesen, hätte sie über seinen dümmlichen Gesichtsausdruck lachen können.
Malfoy drehte sich mit errötendem Gesicht auf dem Absatz um und starrte den Wandteppich von innen an. „Bleibt mir denn nichts erspart!?", stöhnte er. „Na los, zieht euch was an, und dann…", jetzt begann Malfoy zu schreien, „Will ich mit Granger sprechen!"
Hermine und Pansy suchten hastig ihre Kleider zusammen und rannten geschwind in den angrenzenden Schlafraum, dessen Türe rot- golden verziert war. In Hermines Schlafzimmer zogen sie sich hastig an, brachten ihre Haare in Ordnung und gingen dann zurück in den Gemeinschaftsraum, in dem Malfoy immer noch mit dem Gesicht zur Wand stand und die Arme verschränkt hatte.
„Draco?", sagte Pansy genervt, „Wir sind soweit, deine Strafpredigt anzuhören." Hermine bewunderte sie insgeheim dafür, dass Pansy nicht einmal den Hauch einer Röte zeigte und sich von Malfoy auch nicht einschüchtern ließ. Sie dagegen fühlte eine unglaubliche Hitze im Gesicht.
Malfoy drehte sich um, ignorierte es, dass Pansy Hermines Hand ergriff und setzte sich auf einen Sessel vor dem Feuer. Hermine und Pansy nahmen wieder auf der Couch Platz. Pansy zog Hermine nahe an sich und Hermine lehnte sich gegen Pansy, die ihren Nacken küsste. Hermine wagte es nicht, Malfoy ins Gesicht zu blicken.
„Nun, jetzt bin ich da, du wolltest mit mir sprechen?", sagte sie mit festerer Stimme als erwartet.
Malfoy schnaubte ob der Pose, in der sich Pansy und Hermine befanden. „Sie will also nichts mehr von mir wissen, hm, Malfoy? Du intrigantes A…", gewann Hermine an Sicherheit. Malfoy wischte ihren Einwand mit der Hand beiseite.
„Wisst ihr was? Fangen wir doch mal mit dem Wesentlichen an: Ich komme in mein Quartier, das ich zufälligerweise und ärgerlicherweise mit dir, Granger, teilen muss. Und was muss ich sehen? Wie es zwei Frauen auf der Couch in meinem Gemeinschaftsraum miteinander treiben, von denen komischerweise eine gerade du sein musst, Granger! Das verbitte ich mir! Ich will das nicht sehen, und ich werde dich auch nicht mit meiner Freundin behelligen, Granger, dass das klar ist! Geht woanders hin, verdammt noch mal! Und zweitens nochmal werde ich morgens das Bad als erster benutzen! Dass wir uns gleich verstehen, Granger!"
„Alles klar, Malfoy!", murmelte Hermine und begann, Pansy zu küssen, die Hermine noch näher zu sich zog und ihre Hände unter Hermines T-Shirt verschwinden ließ.
Malfoy wurde wütend. „Ich glaub's ja einfach nicht. Ist es euch denn egal, ob ich hier bin!?" „Geh du doch, Malfoy, du Arsch! Bei den Muggeln gibt es Männer, die dafür zahlen würden, um zwei Frauen zusehen zu dürfen.", sagte Hermine mutiger als sie sich fühlte und wandte sich wieder Pansy zu. „Grang-!" „Silencio!" Pansy lachte und Malfoy erhob sich und ging lautlos schimpfend zu seinem eigenen Schlafsaal, wo er die Türe zuknallen ließ. „Schon blöd, wenn man ungesagte Zauber immer noch nicht beherrscht!", rief Hermine ihm nach.
Hermine begann auch zu lachen und befreite sich dann aber aus Pansys Umarmung. „Pansy, bitte… ich… kann jetzt nicht, nicht mit Malfoy im Nebenzimmer und eigentlich hauptsächlich nicht, wenn wir uns nicht ausgesprochen haben, okay? Bitte, nimm mir das nicht übel… aber vorhin war ich völlig überrumpelt." Pansy strich Hermine eine wirre Haarsträhne aus dem Gesicht. „Nein, das ist schon okay. Ich bin eigentlich auch erst gekommen, um mir dir zu reden, Hermine. Aber Worte hätten es nie so gut ausgedrückt, wie ich fühle… Ich… mir tut es auch leid, dass ich damals so reagiert hab und nicht mehr aufgetaucht bin."
Hermine nickte. „Weißt du, Pansy… ich hab mich extrem schwer getan, mir selber einzugestehen, dass ich mich in ein Mädchen verliebt habe und deswegen habe ich so… abwehrend reagiert. Ich weiß, es war dumm, weil – ich meine, welche Rolle spielt es denn schon, wen man liebt? Es geht doch nur um den Menschen, nicht um das Geschlecht. Aber…" Hilflos zuckte mit den Schultern.
„Ich weiß, Hermine. Warum glaubst du, habe ich mit Draco geschlafen? Ihn mir als Freund ausgesucht, als meine Mutter mein fehlendes Interesse an Jungs bemängelte? Ich wollte es nicht wahrhaben, wie es wirklich war und dachte, wenn ich nur einen Freund hätte, dann würden sich meine Gedanken an Frauen in Luft auflösen. Aber das taten sie nicht.
Also gestand ich Draco, was ich wirklich fühlte. Man kann nicht sagen, dass er begeistert gewesen wäre – aber er hat zu mir gestanden und mich unterstützt, wie man es von einem guten Freund eben erwarten kann. Aber vor ein paar Monaten hat er angefangen, sich mit Daphne zu treffen und sie ist für ihn mehr als nur sein übliches ‚Spielzeug'. Deswegen wollte er offiziell mit ihr zusammen sein und musste sich von mir ‚trennen'.
Natürlich hatte ich Angst, dass ich jetzt auffliegen könnte, und wollte ihn daran hindern, es offiziell zu machen. Ich muss dir wohl nicht sagen, wie enttäuscht meine Familie war, als sie erfahren haben, dass ich nicht mehr mit ihm, ähm, ‚zusammen' bin."
Pansy schwieg kurz, um dann den Bogen zu schließen: „Du siehst, ich habe auch lange gebraucht und Dummheiten begangen. Schlimmere als du. Aber ich schätze, das ist es, was passiert, wenn Menschen aus der Bahn geworfen werden, wenn ihr Weltbild von heute auf morgen zerstört ist. Mein Bild war: verheiratete Hausfrau mit drei Kindern in einem großem Haus mit Garten. Daran habe ich geglaubt, seit ich denken kann, weil es mir so vorgelebt wurde. Und das hat sich einfach so in Nichts aufgelöst. Ich stand ohne alles da. Und das wollte ich dir nicht zugestehen, Hermine. Ich habe nur das gesehen, was ich sehen wollte und habe dabei vergessen, wie ich selbst mal vor drei, vier Jahren war."
Hermine hörte zu, ohne Pansy zu unterbrechen. Dasselbe Gefühl hatte sie auch während der Sommerferien gehabt. Dass man einen völlig neuen Weg einschlug, der nicht gerade der einfachste war und der der Umwelt ganz bestimmt nicht gefallen würde.
„Aber du hast dich weiterentwickelt, Pansy.", sagte Hermine schließlich. „Du sagst, dass es dir egal ist, was die anderen denken. Dass du mit mir zusammen sein willst. Es ist kein Malfoy mehr da, hinter dem du dich verstecken musst oder kannst."
Pansy nickte. „Ich glaube, dass man sich viel besser fühlt, wenn man sich nicht immer verstecken muss. Auch wenn ich die Konsequenzen für mich noch nicht ganz einschätzen kann, in Bezug auf meine Familie."
„Das kann ich auch nicht.", meinte Hermine, „Aber meine Eltern werden sich damit abfinden und mich letztendlich unterstützen, so wie sie es immer getan haben."
Hermine kuschelte sich in Pansys Arme und beide saßen schweigend da. Pansy flüsterte nach einer Weile: „Wenn uns Draco nicht unterbrochen hätte… hättest du dann den letzten Schritt gewagt?" Hermine lächelte etwas. „Hm, das ist eine gute Frage. Vielleicht. Ich weiß es nicht. Für dich würde ich alles tun, Pansy. Aber wenn es dir recht ist, würde ich es gerne… langsam angehen lassen. Ich hab nämlich immer noch ziemliche Angst. Irgendwie."
Pansy nickte. „Ja, das versteh' ich." Sie legte ihre Arme um Hermines Bauch und hielt sie fest. Hermine sagte auf einmal: „Weißt du, Ron und ich, wir hatten nie etwas miteinander. Wir haben nur herumgeknutscht, dank den Flaschen von Whisky, die Rons Brüder hergeschafft haben. Und ich war zu verwirrt, um… ich dachte dabei nur an dich und wie du mich damals am See geküsst hast."
„Ich weiß, Hermine.", flüsterte Pansy. „Ich hab das da oben auf dem Ravenclawturm nur zu dir gesagt, weil ich so wütend und eifersüchtig war." Sie streichelte Hermines Kopf. „In den Ferien war ich so verzweifelt, weil ich dich nicht mehr gesehen habe, um deine Antwort zu hören… deswegen wollte ich dich auf dem Weg nach hier abpassen und dann… überkam es mich einfach. Wie gesagt, so hätte ich es nie verbal artikulieren können." Pansy lachte bei dem letzten Satz.
„Na, dann wäre jetzt ja alles geklärt.", grinste Hermine. „Oder, halt. Pansy, ich weiß, dass dir das nicht leichtfallen wird und dass ich auch gar nicht verlangen kann, dass du deine Familie aufgibst. Aber wenn sie dich nicht akzeptieren… weißt du, bei uns kommst du unter, wenn du die Seiten wechselst."
Pansy küsste sie. „Vielleicht werde ich das tun, Hermine. Aber bitte gib mir Zeit, dass ich alles überdenke."
Schläfrig hielten sie einander.
„Granger!", ertönte eine laute Stimme. Hermine hob dösig ihren Kopf an und blickte direkt in Malfoys graue Augen. „WAS!? Du kannst von mir aus ins Bad, Malfoy… ich wird's dir nicht streitig machen…", murmelte Hermine im Halbschlaf, „Keine dreißig Meter entfernt ist nämlich ohnehin das Vertrauensschülerbad…" „Es ist zehn Minuten vor der ersten Stunde, ich dachte, ich bin so nett und wecke dich auf.", sagte Malfoy hämisch.
