Zehnter Gesang
Seit fünf Tagen weilten Xena und Gabrielle nun schon bei den Amazonen. Und langsam wurde die Kriegerprinzessin unruhig. fünf Tage an einem Ort. Solange hielt sie es nicht mal zu Hause bei ihrer Mutter aus. Wie denn dann bei den Amazonen?
Gabrielle schien mit der derzeitigen Situation weit besser klarzukommen. Sie half im Dorf, erzählte den jungen Amazonen Geschichten und nahm die typischen Pflichten einer Prinzessin wahr. Doch sie merkte, dass Xena weiter wollte und das machte sie selbst nervös.
Aber sie konnten nicht weiter. Und der Grund dafür versteckte sich in Ephinys Hütte.
Lygeia mentaler Zustand hatte sich, seit sie mit Gabrielle bei Berenice gewesen war, rapide verschlechtert. Innerhalb kurzer Zeit war Lygeia in einen völligen, in sich selbst zurückgezogenen Zustand gefallen, aus dem sie niemand herausholen zu können schien. Ephiny, Valery, Xenan und auch die Jungamazonen hatten alles versucht, hatten sie mit Essen gelockt, versucht sie zum Lachen zu bringen oder sonst irgendeine Sinnesregung von ihr zu bekommen. Doch Lygeias Gesicht blieb ausdruckslos. Zwar aß und trank sie hin und wieder, aber das blieb auch ihre einzige Regung. Sie wirkte wie eine leere Hülle, wie eine Puppe.
Einfach wie ein toter Gegenstand, oder etwas anderes, was kein wirkliches Leben besaß.
Xena konnte sich denken, was Lygeia in diesen Zustand gebracht hatte. Gabrielle hatte ihr den Besuch bei der Schamanin in allen Einzelheiten geschildert, so auch die Reaktion von Lygeia auf die Feststellung Berenices, dass sie über zweitausend Jahre in der Vergangenheit gelandet war. Und wenn Berenice Recht hatte, dann konnte sie Lygeia verstehen. Bei dem Gedanken selbst zweitausend Jahre in der Vergangenheit, oder noch schlimmer in der Zukunft zu landen, lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. Und jedes Mal wenn die Kriegerprinzessin daran dachte, stellten sich ihr so viele Fragen. Wie würde das Leben in dieser Zukunft sein? Was würden die Menschen dort, wenn es überhaupt noch Menschen gab, für technische Erfindungen gemacht haben? Würden sie vielleicht einen Apparat haben, mit dem man fliegen konnte? Oder ein Allheilmittel gegen jede Art von Krankheit? Und wie würden erst die Waffen aussehen? Vielleicht Armbrüste, die mehr als einen Pfeil verschießen konnten? Oder möglicherweise eine neue Art von Waffe, die so zerstörerisch und vernichtend war, dass sie selbst die Götter des Olymps töten könnte?
All diese Fragen beschäftigten Xena und zu gern hätte sie Lygeia danach gefragt. Aber die junge Frau saß weiterhin nur völlig teilnahmslos entweder auf Ephinys Bett, dem Boden oder ihrer Schlafrolle.
„Wir müssen ihr helfen, Xena." Sagte Gabrielle irgendwann. Die Kriegerprinzessin spürte, wie nahe der einfühlsamen Bardin der Zustand Lygeias ging.
„Da können wir ihr nicht helfen, Gabrielle.", antwortete Xena, „Da muss sie alleine durch."
Gabrielle stellte sich etwas näher neben sie. „Wo muss sie denn durch?" fragte sie.
Xena überlegte, wie sie ihrer besten Freundin etwas begreiflich machen konnte, was sie zwar verstand, aber unfähig war verbal zu erklären. „Gabrielle…weißt du…Kannst du dich noch an die Schockstarre erinnern?" Gabrielle nickte heftig, begierig auf das, was Xena zu sagen hatte. „Das hier ist jetzt so etwas Ähnliches."
„Das verstehe ich nicht." Sagte Gabrielle.
Xena seufzte tief. „Ich weiß nicht mal ob ich es selbst verstehe, Gabrielle.", Gab sie zu, „Was ich dir sagen kann ist, dass Lygeia noch einen kleinen Funken Überlebenswillen in sich hat."
„Du meinst, weil sie ab und zu noch isst und trinkt?"
Xena nickte. „Und wenn dieser Funke erst mal erloschen ist, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit bis sie stirbt." Antwortete sie düster.
Auf Gabrielles Gesicht breitete sich Panik aus. „Aber wir müssen doch irgendetwas machen können? Irgendwas?"
„Du kannst hier nichts tun Gabrielle." Sagte Ephiny deutlich. Xena war kurz überrascht, als die Amazone so plötzlich neben ihnen stand. Und noch mehr überraschte sie der Ausdruck auf Ephinys Gesicht.
Sie schien hart nachzudenken.
Langsam ging Ephiny einen Schritt auf ihre Hütte zu. Dann schien sie einen Entschluss gefällt zu haben. „Du kannst hier nichts tun, Gabrielle.", sagte sie noch einmal, „Aber ich schon."
„Was hast du denn vor, Ephiny." Wollte Gabrielle wissen.
Die Amazone ging nicht darauf ein. „Gabrielle? Kann Xenan heute Nacht bei dir bleiben? Er sieht dich sonst so selten." Fragte sie.
Manchmal wunderte sich Xena wie leicht man bei Gabrielle das Thema wechseln konnte. Gerade eben machte sie sich Sorgen um ihre mysteriöse neue Freundin, nun freute sie sich darüber einen Tag mit ihrem Patensohn verbringen zu können.
Als Gabrielle verschwunden war, nahm Xena Ephiny noch einmal beiseite. „Ephiny. Bist du dir sicher bei dem was du tust?" fragte sie eindringlich.
Ephiny nickte entschlossen. „Ja, bin ich. Ich hab mir das sehr genau überlegt. Wenn es funktioniert, haben sie und ich etwas davon. Wenn es nicht funktioniert, dann hilft nur noch beten."
„Du musst das nicht tun, Ephiny." versuchte Xena ihre Freundin umzustimmen. Doch die Amazone hatte sich entschieden. „Doch.", antwortete sie, „Du kannst es nicht machen, wegen Gabrielle. Und Gabrielle hätte nicht den Mut dazu. Außerdem würde sie dich niemals betrügen."
Xena überlegte noch eine Weile, wie sie die Amazone doch noch umstimmen konnte. Schließlich gab sie nach. „Viel Glück." Sagte sie.
„Für uns beide."
„Lygeia Abigail Johansson! Sieh mich an!"
Der bestimmende Ton und die befehlende Art, die keinen Widerspruch zulassen und ihn sicher mit schwerer Strafe ahnden würde, zwangen Lygeia ihren Kopf zu heben. Im Türrahmen stand Ephiny. Ihr Gesicht die harte steinerne Maske einer Amazonenkriegerin.
„Ja?"
„Darf ich mich zu dir setzen?" fragte Ephiny vorsichtig.
„Es ist deine Hütte." Antwortete Lygeia.
„Also darf ich?"
„Klar."
Lygeia rückte etwas beiseite, damit sich Ephiny neben sie setzen konnte. Einen Moment musterte die Amazone Lygeia von oben bis unten. Dann legte sie ihr vorsichtig eine Hand auf die Schulter. „Wie fühlst du dich?"
Die Sanftheit in Ephinys Stimme überraschte sie. „Ich weiß nicht…Ich…irgendwie…leer." Lygeia wartete darauf, dass Ephiny etwas sagen oder tun würde. Doch die Amazone tat nichts dergleichen. Nur ihre Hand blieb auf Lygeias Schulter.
„Ich hab mitbekommen, was ihr alles getrieben habt." Sagte Lygeia.
„Bist du böse?" fragte Ephiny.
Mit dieser Frage hatte Lygeia nicht gerechnet. Sie hatte geglaubt, dass nun etwas kommen würde wie „Wir haben uns Sorgen gemacht." Doch stattdessen wurde sie nur gefragt, ob sie jetzt böse wäre.
„Nein." Antwortete Lygeia. Wieso sagte Ephiny nichts?
„Kann ich dich etwas fragen, Ephiny?"
„Natürlich." Antwortete die Amazone.
„Kennst du dieses Gefühl, wenn du etwas siehst oder hörst oder riechst und dein Körper irgendwie darauf reagiert? Wenn du zum Beispiel den Geruch von Scheiße riechst und würgen musst?"
Ephiny nickte. „Ich weiß was du meinst."
„Das alles war irgendwie nicht da.", sagte Lygeia, „Ich hab alles gesehen, gehört und gerochen und ich wusste, dass es da war, aber es ist irgendwie nicht angekommen. Ich hab es einfach nicht wahrgenommen."
Wieder nickte Ephiny, sagte aber nichts.
Lygeia schüttelte den Kopf. „Es war ein scheiß Gefühl. Wie damals, als ich noch fünfzehn war und mir Schmerztabletten reingezogen hab." Ehiny dachte nach. Sie hatte keine Ahnung was Schmerztabletten sein könnten, aber sie ließ Lygeia reden. Womöglich würde sie noch erklären, was es mit diesen Schmerztabletten auf sich hatte.
„Schmerztabletten betäuben dein Nervensystem, damit die Schmerzen abgeschwächt werden. Bei schlimmen Verletzungen wird so was benutzt. Allerdings betäuben sie auch zum Teil dein Gehirn. Wenn du genug nimmst, kannst du dich nicht mehr konzentrieren. Und alles um dich rum kommt irgendwie nicht mehr bei dir an. Verstehst du was ich meine?"
„Ja, ich verstehe." Sagte Ephiny. Also waren Schmerztabletten etwas, das man in der Medizin verwendete um die Schmerzen zu lindern. Drogen, dachte Ephiny.
Lygeia starrte wieder auf den Boden. Sie schien tief in Gedanken versunken. Ephiny wusste, dass sie Lygeia jetzt nicht verlieren durfte. „Wie geht es deinem Rücken?" fragte sie.
Lygeia drückte ihren Rücken durch und dehnte ihren Nacken. Ihr verzerrtes Gesicht und die Geräusche, die ihr Körper von sich gab, enthoben sie einer Antwort. Ephiny lächelte sie an. „Na komm, leg dich hin. Ich massier dich." Ohne weiter nachzudenken legte sich Lygeia auf den Bauch. „Darf ich?" fragte Ephiny und zog an den Schnüren, die das Top zusammenhielten. Lygeia nickte. Es war ihr egal. Ephiny schnürte das Top auf und entblößte ihren Rücken. Lygeia wartete darauf, dass Ephiny mit der Massage beginnen würde und keuchte überrascht auf, als sich die Amazone auf ihren Hintern setzte.
„Stört es dich?" fragte Ephiny.
Lygeia schüttelte den Kopf. „Nein." Wenn sie schon vor Xena und Gabrielle keine Schwäche hatte zeigen wollen, dann erst Recht nicht vor Ephiny.
Sanft begann die Amazone ihre Hände über ihren Rücken wandern zu lassen. Lygeia musste ein überraschtes Keuchen unterdrücken. Ephinys Hände waren warm und sanft, übten nur leichten Druck auf sie aus. Lygeia spürte, wie Ephiny die Verspannungen in ihrem Rücken ertastete und damit begann sie mit geschmeidigen Bewegungen zu lösen. Lygeia merkte wie sie ruhiger wurde. Sie schloss die Augen.
Während Ephiny Lygeia massierte achtete sie auf jede Reaktion der jungen Frau. Jetzt durfte sie sich keinen Fehler erlauben. Sie wanderte auf einem schmalen Grad und der kleinste Tritt daneben, bedeutete den Sturz in den Abgrund. Als sie bemerkte wie Lygeia ihre Augen schloss, entschied sich Ephiny es mit dem Reden erst mal sein und ihre Hände sprechen zu lassen.
Es war ein Wunder was Ephinys Hände auf ihrem Körper taten. Ein genießerisches Stöhnen brach sich Bahn. Lygeia merkte wie sie immer mehr entspannte. Und das war hauptsächlich Ephinys Verdienst. Inzwischen hatte die Amazone die Behandlung von Lygeias Rücken beendet und wandte sich nun den Schultern und Armen zu. Lygeia war kurz erstaunt, nahm es jedoch erfreut zur Kenntnis. Dann würde sie heute wohl das volle Programm bekommen. Zumindest hoffte sie es.
Wie lange sie so dagelegen und sich einfach von Ephinys Händen hatte verwöhnen lassen, wusste sie nicht. Vielleicht Tage, vielleicht Wochen, alles bedeutungslos.
„Dreh dich um." Lygeia war überrascht wie tief Ephinys Stimme auf einmal klang. Und trotz, dass sie sich des losen Tops um ihren Körper immer noch bewusst war, drehte sie sich um. Ephinys Gesicht war ernst, doch ihre Augen verrieten die Maske. Lygeia sah Unsicherheit und noch etwas anderes, was sie noch nicht näher benennen konnte.
Oder wollte.
Was sie jedoch wusste und auch voll wahrnahm war, dass Ephiny genau auf ihrer Mitte saß und ihre Hände sich von Lygeias Bauch langsam Richtung ihrer Brüste bewegten. Als sie gegen das Top stießen fragte Ephiny erneut. „Darf ich?"
Lygeia konnte nur noch nicken. Sie spürte wie ihr das Blut ins Gesicht schoss, als Ephiny ihren Körper von dem Top befreite und anschließend betrachtete. Wie ein Federhauch glitten die Blicke der Amazone über ihren Körper, nahmen jedes Detail auf. Plötzlich schämte sich Lygeia und bedeckte ihre Brüste. Sanft aber bestimmt nahm Ephiny ihre Hände und legte sie neben ihren Körper. Dann lächelte sie sie an. Es war genau das, was Lygeia jetzt brauchte.
„Hat dir schon jemand gesagt, was für einen schönen Körper du hast?" Ephinys Stimme klang leise und unterstrich wie eine sanfte Melodie, dass Gefühl der Federn, das ihre Blicke hinterließen.
„Ja.", antwortete Lygeia heiser. Sie musste sich räuspern um weitersprechen zu können, „Valery hat gesagt, ich hätte einen schönen und starken Körper, den man zeigen müsste und nicht verstecken dürfte."
Ephiny lächelte sie an. „Sie hatte Recht." Wie aus Versehen streiften ihre Finger, die Haut unter Lygeias Brust. Ein Stromstoß durchfuhr ihren Körper. Lygeia riss die Augen auf und starrte Ephiny an. Der Blick der Amazone war fragend. Soll ich aufhören?
Lygeia erwiderte den Blick, doch tat nichts um sie aufzuhalten. Ephinys Hände wanderten nach unten, über ihren Bauchnabel und fuhren die schwarze Sonne nach, die sich Lygeia dort hatte stechen lassen. Lygeia wartete darauf, dass Ephiny mit ihren Händen wieder nach oben kommen würde, doch den Gefallen tat sie ihr nicht. Stattdessen griff sie nach ihren Armen und begann sanft Ober- und Unterarm und zum Schluss ihre Hände zu massieren.
Es schien eine Ewigkeit bis Lygeia endlich spürte wie Ephinys Finger wieder über die sanfte Haut unter ihren Brüsten strich. Dabei ließ sie die junge Frau unter ihr nicht aus den Augen. Lygeia erwiderte den Blick. Inzwischen wusste sie, was das andere war, dass sie in Ephinys Augen sehen konnte.
Als sich Ephinys Hände schließlich auf ihre Brüste legten, wurde Lygeias Körper und ihr Verstand von Empfindungen und Gefühlen überfallen, die sie seit Jahren nicht gefühlt hatte, oder sich selbst verboten hatte zu fühlen. Lust. Leidenschaft. Begehren.
Wann hatte sie das letzte Mal mit einer Frau geschlafen? Wann war sie überhaupt mit einem Menschen das letzte Mal intim gewesen? Nicht seit Mias Tod.
Augenblicklich spürte Lygeia wie sich ihre Stimmung verdunkelte. Ephiny merkte es auch und stoppte mit ihren Bewegungen. Kurz schaute Lygeia sie unschlüssig an, bis sie eine Entscheidung traf. Entschlossen drückte sie Ephinys Hände wieder auf ihre Brüste. Sofort begann die Amazone die beiden Hügel zu massieren, drückte mal mit weniger, mal mit mehr Druck zu, nahm die beiden Spitzen zwischen die Finger, drehte sie und zog an ihnen bis sie hart waren. Lygeia stöhnte laut auf. Sie würde Mias Andenken nicht beleidigen wenn sie das hier jetzt tat. Aber sie brauchte das jetzt einfach. Sie brauchte diese Berührungen. Sie brauchte diese Gefühle. Sie brauchte einen Menschen, der sie festhielt.
Sie brauchte Ephiny.
„Ephiny?" Fast bekam sie den Namen nicht heraus.
„Ja?"
Diese Frage kostete Lygeia allen Mut, den sie hatte. „Würdest du mit mir schlafen?"
Ephiny hörte das Flehen in Lygeias Stimme. Und sie sah die Tränen in ihren Augen. „Möchtest du, dass ich mit dir schlafe?" fragte sie.
Lygeia nickte verzweifelt. „Ja."
Ephiny beugte sich herunter und küsste sie. Sofort schlang Lygeia ihre Arme um Ephinys Hals um sie noch näher an sich zu drücken.
Sie brauchte das jetzt einfach.
Ein Zucken durchlief Lygeias Körper. Dann wachte sie auf. Einen Moment starrte sie in die Dunkelheit.
Das Erste, was sie merkte.
Sie war nackt.
Das Zweite war der nackte Körper von Ephiny, die ruhig und entspannt neben ihr schlief.
Lygeia schaute zur Seite. Ephiny lag auf dem Rücken. Mit dem Gesicht ihr zugewandt. Lygeia drehte den Kopf wieder weg. Systematisch begann sie zusammenzubasteln was passiert war.
Ephiny hatte sie massiert. Oder besser gesagt, verführt.
Und sie hatte mit ihr geschlafen.
Noch einmal schaute Lygeia zur Seite. Ephiny lag so nahe bei ihr, dass Lygeia den warmen Atem der Amazone sanft über ihr Gesicht streichen spürte.
Vorsichtig, um Ephiny nicht zu wecken stand Lygeia von dem Bett auf und sammelte ihre Klamotten ein, die überall in der Hütte verteilt waren. Dann schlich sie nach draußen und zog sich an.
Die Nacht war warm, aber trotzdem angenehm kühl. Lygeia sog tief die Luft ein und atmete dann aus. Über ihr am Himmel leuchteten die Sterne und der Mond. Plötzlich hatte Lygeia eine Idee und machte sich auf den Weg zum See.
Der See lag ruhig vor ihr und reflektierte das Licht der Himmelsgestirne. Als Lygeia ihn das erste Mal gesehen hatte, hatte er schon wunderbar ausgesehen. Aber jetzt wirkte er einfach magisch. Ohne weiter nachzudenken zog sich Lygeia wieder aus und stieg vorsichtig in das Wasser. Ein weiterer Punkt auf ihrer „Löffelliste". Nachts in einem See nackt baden.
Nachdem sie sich ein bisschen im Wasser hatte treiben lassen kam ihr Verstand endlich zu der Sache mit Ephiny.
Sie hatten also miteinander geschlafen. Damit hatte Lygeia absolut kein Problem. Ephiny verband mehrere Eigenschaften, die sie an Frauen schätzte. Stärke, Reife, Schönheit, Selbstbewusstsein, Leidenschaft. Lygeia ließ sich auf den Rücken treiben. Der Sex war wunderbar befreiend und entspannend gewesen. Und noch dazu sehr befriedigend. Ihr Kopf war frei von allen Ängsten und Sorgen. Was hatte die Schamanin gesagt? Zweitausend Jahre in der Vergangenheit? Na gut. Hier gab es auch Mütter mit schönen Töchtern.
Allerdings machte sich Lygeia Sorgen über Ephinys Motive. Warum hatte die Amazone sie verführt? Wollte sie einfach nur Sex? Oder wollte sie etwas anderes? Wie stand sie zu der Amazone? Ephiny war eine tolle Frau, schien eine gute Freundin und eine gute Mutter zu sein. Aber wie war ihre sexuelle Ausrichtung? War sie hetero oder homo? Oder vielleicht bisexuell? Galt Geschlechtsverkehr mit Zentauren eigentlich als Sodomie? Wenn ja, wie brachte man das damit zusammen, dass Ephiny wohl aus eigenem Antrieb mit Lygeia geschlafen hatte? War Ephiny so etwas wie eine bisexuell-sodomistische Amazone? Oder nannte man das bisodomsexuell? Gab es dafür überhaupt ein Wort?
Oh Mann. Lygeia stöhnte genervt auf. Kaum war sie entspannt, schon hatte sie wieder Kopfschmerzen. Lygeia musste grinsen. Möglicherweise müsste Ephiny sie noch mal „entspannen". Kaum, dass sie daran dachte, kehrten Lygeias Gedanken wieder zum Thema zurück. Wie sollte sie sich Ephiny gegenüber verhalten? Sie hatten Sex miteinander gehabt. Ephiny hatte ihr Komplimente gemacht und schien es auch von Anfang an gezielt darauf angelegt zu haben, Lygeia ins Bett zu kriegen. Aber warum hatte sie das getan?
Lygeia dachte nach. Meistens sagte die Schlafposition etwas über den Menschen aus. Ephiny hatte auf dem Rücken geschlafen. Also neutral. Ihr Gesicht war zu Lygeia gedreht. Was hatte das zu bedeuten? War Ephiny in sie verliebt?
Eine Gänsehaut kroch über Lygeias Körper, und das lag nicht am Wasser. Wenn Ephiny wirklich romantische Gefühle für sie empfand, dann konnte das sehr hässlich werden.
Eine Bewegung in ihren Augenwinkeln schreckte Lygeia auf. Ephiny stand am Ufer, die Arme verschränkt und lächelte sie an. Lygeia lächelte aufrichtig zurück und schwamm zu Ephiny. Die Amazone setzte sich hin und legte die Beine ins Wasser. „Wie fühlst du dich?" fragte sie.
„Ich fühl mich richtig gut." Sagte Lygeia gedehnt. Ephinys Antwort bestand aus einem Grinsen. Lygeia atmete einmal tief durch. Das würde nicht der erste Korb werden, den sie verteilte. Lygeia hatte sich schon früh darin geübt. Und ihre Methode war: Am besten nicht auf die Gefühle des anderen Rücksicht nehmen. Weil sonst macht er oder sie sich unnötig Hoffnungen. Einfach kalt und klar heraus sagen, wie die Sache steht.
Aber so etwas hatte Ephiny nicht verdient. Sie hatte Lygeia aus diesem Zustand geholt und ihr geholfen.
Nein. Diesmal würde sie es anders machen.
„Hör zu, Ephiny.", sagte Lygeia so klar wie möglich, „Ich bin dir wirklich dankbar für das, was du für mich getan hast."
Ephiny lächelte sie nur an. „Gern geschehen."
„Aber ich möchte auch, dass du weißt…", verdammt, wieso war das so schwierig? „Es war nur Sex. Wir haben miteinander geschlafen, aber das war es auch. Es war rein körperlich, sonst nichts."
Die Amazone nickte. „Ich bin froh, dass du das so siehst.", sagte sie und man konnte die Erleichterung deutlich hören, „Ich hatte schon Angst, dass du dich in mich verliebt hättest."
Lygeia musste lachen. „Tut mir Leid Ephiny, aber ich könnte mir dich bloß als gute Freundin vorstellen. Oder als occasional lover."
„Oc- was?"
„Occasional lover. Gelegentliche Liebhaberin." Erklärte Lygeia.
Ephiny versuchte den Ausdruck. „Occasional lover. Das hat etwas.", sie zog eine Augenbraue nach oben, „Heißt das, du kommst, wann immer dir danach ist, mal vorbei um mit mir zu schlafen?"
„Wenn du nichts dagegen hast?"
Ephiny lachte schallend auf. „Deine Mutter hätte dich wirklich öfters übers Knie legen müssen?" Ein Schwall Wasser traf sie im Gesicht. Lygeia stand vor ihr und grinste sie schelmisch an. „Mein Angebot steht noch." Sagte sie lasziv.
„Fordere mich nicht heraus?" warnte Ephiny. Langsam zog sie sich aus.
„Sonst was?"
„Sonst lege ich dich wirklich übers Knie."
Lygeia schwamm davon. „Na dann mach mal." Hinter ihr ertönte ein Platschen. Sofort war Ephiny hinter ihr. Lygeia versuchte ihr zu entkommen, doch innerhalb kürzester Zeit hatte die Amazone sie zwischen einem Felsen und ihrem Körper gefangen.
„Gibst du auf?" fragte Ephiny.
„Niemals." Verkündete Lygeia. Ephinys Bein, das sich zwischen ihre Schenkel und gegen ihre Mitte drückte, ließ sie stöhnen. Ihre Hände krallten sich in Ephinys Oberarme.
„Wirklich nicht?" Ephiny bewegte ihr Bein etwas und konnte die Wärme von Lygeias Schoß spüren. Hungrig leckte sich die Amazone über die Lippen.
„Halt die Klappe." Stieß Lygeia hervor und packte Ephinys Gesicht um sie leidenschaftlich zu küssen. Sofort schlang Ephiny ihre Arme um den jungen Frauenkörper und erwiderte den Kuss.
