Das Geburtstagsfest von Tizian fand ich sehr schön. Mich hat es gefreut, Delmore, Luzifer und auch Skkylar wieder zu sehen. Irgendwie vermisse ich es, Master Satanus zu dienen. Irgendwann werde ich es wohl wieder tun.

Master Slytherin zerquetscht mal wieder meinen Arm beim apparieren, doch dann lässt er mich gleich ins Bett gehen und er legt sich zu mir.

"Master Satanus, bitte gewährt mir eine Frage", bitte ich ihn leise.
"Was ist?"
"Warum hält ihr mich immer so heftig fest?"
"Weil du deinen Platz nicht vergessen solltest, Godric"
"Das würde ich niemals tun. Dafür bin ich viel zu gerne Euer Sklave"
"Nicht mehr lange", flüstert mein Master leise.
"Was? Warum nicht?"
"Ich lebe jetzt schon viel zu lange. Michael erzählte mir, dass mein Leben ohne Luzifer schon vor meiner Volljährigkeit vorbei gewesen wäre. Er hat mir schon 2000 Jahre mehr gegeben, das sind zehn mal zehn mal zehn mal zwei. Sehr viel also. Luzifer möchte dich langsam zurück"
"Wie bitte?! Ich... Ihr habt erst gerade Eure Menschlichkeit zurückerhalten!"
"Ich weiss, aber ich kann es nicht ändern. Und ich möchte es auch gar nicht. Es tut mir leid, dass du darunter leiden musst, aber..."

"Wann?" Zu mehr bin ich nicht fähig. Michael kann mir doch nicht einfach meinen Master wegnehmen! Ich spüre, dass meine Augen nass werden und schliesslich überlaufen.
"Noch in diesen Sommerferien. Dies war mein Wunsch" Ein Schluchzen bahnt sich meine Kehle hinauf und verlässt meinen Mund. Warum er? Warum nicht ich? Ich bin doch schon so viel älter als er! Master Slytherin streichelt abwesend über meinen Arm. Ich habe nichts besseres zu tun, als mich in seinen Armen zu vergraben, doch er stösst mich unsanft von sich weg.
"Du weisst genau, dass du das nicht darfst, Godric" Was mich irgendwie noch mehr zum heulen bringt. Ich fühle mich verloren ohne meinen Master, obwohl er noch hier ist.

"Was ist mit Tom?", frage ich ihn zwischen zwei Schluchzern.
"Tom ist in guten Händen und du wirst ihn jeden Tag sehen, wenn du wieder bei Luzifer bist. Für ihn wird mein Tod nicht so schwierig sein" Wenigstens das.
"Darf ich nicht... Bitte, nur noch die letzte Zeit... Darf ich Euch anfassen?"
"Nein"
"Ja, Master Slytherin"

Ab diesem Abend kann ich nur noch daran denken, dass es für ihn jeden Moment aus sein kann.

Zwanzig und ein Tag später ist es dann soweit. Als ich aufwache, spüre ich ihn nicht neben mir. Ich finde ihn über seinen Schreibtisch gebeugt, er sieht aus, als würde er schlafen. Auf dem Pult ist ein Tropfen Blut, der von seinem Finger kommt. Er scheint sich mit der silbernen Spitze der Feder in den Finger gestochen zu haben. Wenn auch nur eine Faser von Silber in den Kreislauf eines Vampirs kommt, ist er auf der Stelle tot.

Wie jeder vernünftige Veela erleide ich einen kompletten Nervenzusammenbruch, als mir die Tatsache langsam klar wird. Mein Master ist tot. Endgültig. Obwohl er es mir schon einige Male verboten hat, umarme ich seinen Körper verzweifelt und weine. Ich weine einfach nur noch.

Nach einiger Zeit spüre ich ein eigenartiges Ziehen in mir und plötzlich bin ich in der Bibliothek von Master Satanus' Schloss.

Ich weiss nicht, wie lange ich da gekauert und geweint habe, als die Tür aufgeht und Tom reinkommt. Er verschliesst die Tür und umarmt mich dann stumm. Es tut gut zu wissen, dass er da ist.

Erst ein paar Augenblicke nach Toms Ankunft kann ich spüren, dass er unterdrückt schluchzt. Sofort vergesse ich meinen eigenen Schmerz. Mir ist es viel wichtiger, Tom zu trösten. Sanft streichle ich über seinen Rücken, während er seine Finger in meine Schultern klammert. Langsam wird mein Schlüsselbein nass von seinen Tränen. Ich musste zum Glück nie miterleben, wie es ist, einen geliebten Vater zu verlieren, denn meiner war weg noch bevor ich ihn kennenlernen oder lieben konnte.

Es geht lange, bis sich die Tür nochmals öffnet. Tizian streckt seinen Kopf ins Zimmer.
"Möchtet ihr noch etwas Zeit für euch? Soll ich Vater holen? Oder vielleicht Dad?"

"Noch nicht, bitte", murmele ich leise. Ich möchte nicht gleich mit meinem neuen/alten Master konfrontiert sein. Tizian nickt verständnisvoll und verschwindet wieder. Lange liegen wir uns in den Armen, und wo Tom aufgehört hat zu weinen, habe ich wieder angefangen. Plötzlich geht die Tür wieder auf und ein anderer Veela kommt rein.

"Oh. Ich bitte um Verzeihung", sagt er ruhig.
"Kein Problem, du kannst hier ruhig weitermachen", sagt Tom. Der Sklave sieht mich skeptisch an.
"Ist alles in Ordnung? Soll ich Delmore holen?"
"Nein, ich bin nicht krank", murmle ich in Toms Halsbeuge. Der Veela sieht etwas unsicher aus, doch er verschwindet in der Bibliothek, nachdem er gesagt hatte, dass wir ihn jederzeit rufen können.

"Dad? Geht es etwas besser?", fragt Tom leise. Ich versuche zu lächeln und löse mich von ihm.
"Ja, es tut mir leid, ich weiss, dass du es nicht magst"
"Schon okay, manchmal brauche ich es auch", sagt er. Eine Sekunde später kommt Master Satanus rein. Schnell löse ich mich ganz von Tom und knie mich hin.

"Hallo Ric, es tut mir leid wegen Salazar" Ich sage nichts, ich neige nur leicht den Kopf. Tom macht ein abfälliges Geräusch.
"Warum hast du ihn dann nicht überleben lassen?"
"Ich habe ihm schon zweitausend Jahre geschenkt, Tom, dein Vater wäre schon an der Pest gestorben, als er drei war. Ich hoffe, du verstehst irgendwann. Godric, bitte steh auf" Natürlich tu ich sofort, was er will. Ich halte den Kopf gesenkt.

"Skkylar!" Wie schon erwartet, steht der Vampir sofort neben mir.
"Was ist Euer Wunsch?" überrascht sehe ich Skkylar an. Als ich das erste Mal hier war, hat er Master Satanus noch mit 'du' angesprochen.
"Als erstes begleite Godric in eure Quartiere hinunter und stelle ihn vor. Dann erwarte ich von dir, dass du ihn in Ruhe lässt. Wie du weisst ist Salazar gestorben, also schone ihn, klar? Godric wird mir sagen, wenn du ihn nicht in Ruhe lässt."
"Natürlich, ich bin nicht so herzlos", erwidert Skkylar. Ich weiss, dass er die Wahrheit sagt.

"Gut. Ich erwarte, dass du morgen mit den Aufgaben anfängst, Godric, sie werden dich etwas ablenken"
"Ja, Master Satanus" Er macht mit der Hand eine Geste, die ich lange nicht mehr gesehen habe. Sie bedeutet, dass wir gehen können. Skkylar geht mir etwas voraus, doch sobald wir ausser Sicht- und Hörweite sind, wartet er, bis ich aufgeschlossen habe.

"Du bist verletzt", sagt er leise. Verwirrt sehe ich ihn an.
"Was meinst du?" Vorsichtig legt er mir eine Hand auf den Arm. Genau da, wo mich Master Slytherin immer gehalten hat, "Das ist nichts", sage ich schnell.

"Oh doch. Das ist ein blauer Fleck" Probeweise legt er seine Finger genau auf die Druckstellen, "Was hat er mit dir gemacht?"
"Nichts!", fahre ich ihn an. Es muss ihn doch gar nicht interessieren!
"Sorry, ich rede nicht weiter über ihn"

"Hat sich viel geändert?", frage ich ihn, um das Thema zu wechseln.
"Naja. Schon ziemlich. Es sind ein paar neue Sklaven hier. Als erstes kam Peter, er ist nun etwa achzig, dafür musst du viermal auf zwanzig zählen, und ein Mensch. Nachher ist Liam gekommen. Er ist direkt hier geboren und er gehört zu mir. Jetzt ist er 15." Skkylar lächelt träumerisch. Er muss den Kleinen wirklich mögen.
"Dann kamen Belle und Aley, sie sind zwei Veelas, die noch nicht mal ihre Flügel haben. Sie sind zehn und vierzehn. Sie gehören nicht wirklich zu uns, denn sie sind immer nur unter sich. Dann Sahir. Er ist ungefähr 40, also zweimal zwanzig. Du hast ihn vorher gesehen, wenn ich mich nicht irre."
"Ist das der mit der dunklen Haut und den Perlen in den Haaren?" Das ist nämlich der, den ich gesehen habe, als ich mit Tom in der Bibliothek war.
"Ganz genau. Als letztes ist Onyx zu uns gestossen. Er dient Luzifer noch nicht, weil er er ein nervliches Wrack ist. Er wurde sehr, sehr lange von seinem Master misshandelt und ist ziemlich verschüchtert, aber sehr zuvorkommend. Du wirst ihn mögen. Du darfst mit ihm aber nicht so zanken wie mit mir, okay? Deine Giftzähne musst du bei dir behalten" Er kichert leise, während ich ihm halbherzig auf den Arm schlage.

"Oj, versuchst du dich zu wehren, kleiner Veela"
"Halt die Klappe, Skky"
"Jeden anderen hätte ich schon langsam und qualvoll ermordet, wenn er mich Skky nennen würde, das ist dir schon klar, oder?"
"Du magst mich zu sehr, das ist dir schon klar, oder?"
"Gar nicht wahr"
"Doch wahr"
"Na gut, ein bisschen vielleicht"

"Was ist mit Leon und Alaric? Bist du als einziger übriggeblieben?"
"Leon ist gestorben, weil sein Master ihn nicht akzeptiert hat und Alaric ist bei irgendeinem Dämonen in Amerika gelandet. Das ist sehr lange her. Also ja, ich bin der Einzige. Und jetzt du wieder."

Dann sind wir auch schon bei den Quartieren angekommen. Skkylar öffnet die Tür und lässt mich als erster eintreten. Ein Mensch und drei Veelas halten sich noch im Raum auf, immerhin ist es erst halb neun Uhr morgens und die Aufgaben werden erst um neun Uhr verteilt. Ein Veela, der in seiner richtigen Gestalt ist, versteckt sich sofort hinter meinen Flügeln, als er mich erblickt.

"Huch, wer bist du denn?", fragt einer ohne Flügel gleich. Interessiert mustert er mich.
"Ich bin Ric", sage ich, "und du?"
"Liam. Master Lynthiers hat hoffentlich schon viel von mir erzählt, ich bin nämlich sein Gefährte!" Skky schmunzelt.
"Wir hatten noch nicht sonderlich viel Zeit, aber sobald wir diese haben, werde ich allen sagen, wie wunderbar und toll du bist, Liam", sagt Skkylar grinsend. Liam nickt zufrieden.

"Darf ich uns vorstellen? Das sind Aley und Onyx und ich bin Peter", sagt der Mensch lächelnd, "Belle ist gerade nicht da, sie hilft Sahir - den solltest du bei Tizians Geburtstagsfest gesehen haben - in der Bibliothek. Ich werde dir gleich die Regeln erklären: Luzifer gibt dir jeden Morgen..." Ich hebe leicht die Hand und er verstummt.
"Ich kenne die Regeln, danke. Ich habe schon mal hier gedient"

"Wie alt bist du denn?", fragt Peter mich, "ich kenne dich gar nicht"
"Ich weiss nicht... Skkylar, wie alt bin ich?"
"Etwa dreitausend, würde ich sagen", schätzt Skkylar wage. Peter klappt der Mund auf.
"Wow. Dann kannst du dich ja gleich mit Onyx zusammentun! Du bist doch auch ungefähr so alt, oder?" Liam dreht sich zu Onyx. Das ist der, der sich hinter seinen Flügeln versteckt hat, als ich eingetreten bin. Der relativ kleine Veela senkt sofort den Kopf und meint: "Ja Sir." Verwirrt sehe ich ihn an.

"Warum nennst du ihn Sir? Die Regel, dass wir hier alle gleich sind, existiert doch noch, oder?"
"Ja, nur ist unser Kleiner ein wenig verschüchtert", sagt Peter sanft. Er streichelt Onyx mit einem Finger sanft über die Wange. Es sieht aus, als hätte er ihn adoptiert so wie ich Taron damals. Nur war Taron ein neugeborenes Baby und nicht ein uralter, misshandelter Veela.

Onyx sitzt stocksteif da und schliesst seine Augen.
"Wir kriegen dich schon wieder hin, Kleiner. Dir tut keiner mehr was, okay? Wir lassen dich jetzt alleine mit Ric. Er wird sicher nett zu dir sein", sagt Peter und ich nicke.

Nach und nach leert sich der Raum und Onyx und ich sind allein. Er sitzt da und schweigt. Zwischendurch sehe ich ihn kurz an, doch er starrt nur auf eine Stelle.
"Wer war dein Master?", frage ich ihn nach einer Weile. Er beisst sich verkrampft auf die Lippen und zuckt mit den Schultern.
"Ich weiss es nicht, Sir, bitte verzeiht"
"Wie, du weisst es nicht?" Sofort zieht er den Kopf ein und murmelt: "Es tut mir leid, ich weiss es wirklich nicht! Nicht bestrafen, bitte!" Seine Stimme ist sehr dünn, als würde er gleich weinen.
"Schon gut, Onyx, schon gut. Ich habe mich nur gefragt, wie es sein kann, dass du nicht weisst, wer dein Master ist. Hast du ihn nie gesehen?"
"Nein, Sir"
"Wie lange warst du nochmals an ihn gebunden?"
"Seit ich geboren wurde bis vor vier Tagen"
"Aber... Wie hast du dann gelebt? Ich meine... hat er dich nie... naja...gebraucht? Im Bett, meine ich?"
"Doch, natürlich, er hat mir jeweils die Augen zugebunden... Ich habe es einfach nicht verdient, ihn kennenzulernen." Wieder senkt er den Kopf.
"Und so bekamst du genug Wärme?"
"Nein, aber ich durfte manchmal seine Hand halten"
"Das ist ja nicht so schlecht, oder?" Onyx nickt leicht.
"Er war sehr, sehr grosszügig" Ich höre in seiner Stimme, dass er davon wirklich überzeugt ist.

"Na ja... Uhm, möchtest du vielleicht was Essen? Ich kann dir was machen"
"Bitte macht euch keine Mühe wegen mir, Sir, ich darf nicht"
"Warum denn nicht?"
"Ich habe es mir nicht verdient, Sir"
"Oh. Wie kannst du es dir verdienen?", frage ich, weil ich genau weiss, dass man einem Veela nicht sagen sollte, dass der Master falsch lag.

"Gar nicht. Er hat gesagt, dass man nur essen darf, wenn man etwas sehr Gutes gemacht hat"
"Na gut, also möchtest du nichts?" Onyx schüttelt den Kopf.
"Nein, Sir"
"Okay" Ich zucke mit den Schultern.
"Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich mich gerne ein wenig zurückziehen"
"Natürlich nicht, ich will Euch nicht belästigen, Sir"
"Tust du nicht. Bis später"

Endlich kann ich mich unter die Decke kuscheln und heulen was das Zeug hält. Ich bin nicht traurig, bei Master Satanus zu sein, sondern nur darüber, dass Master Slytherin für immer weg ist.

Ich schlafe schliesslich ein, wache aber früh am nächsten Morgen wieder auf. Es ist noch dunkel. Bedrückt gehe ich in das 'Wohnzimmer', denn ich weiss genau, dass ich wieder weinen werde und ich möchte die anderen nicht wecken.

Abwesend sehe ich in die Flammen und denke nach, bis mir die ersten Tränen über die Wangen rinnen. Ich spüre, wie sich das Polster senkt und jemand seine Arme um mich legt. Verzweifelt lehne ich mich an Skkylar und er umarmt mich noch fester.
"Erzähl mir von ihm", verlangt er.
"Von meinem Master?" Er nickt.
"Also er ist-... War ein Vampir, aber nicht so wie du. Er war nicht mehr menschlich und er hielt mich als seinen Sklaven. Aber ich liebe ihn trotzdem. Ich war schon der Sklave der Familie, bevor er zur Welt kam..."

"Er hat dich viel geschlagen, oder?"
"Ja schon, warum?"
"Du bist nicht mehr so heikel. Vor dem du hier verkauft wurdest, hättest du die Räume zusammengeschrieen, wenn du einen so offensichtlichen blauen Fleck gehabt hättest und jetzt ist es dir egal" Ich zucke mit den Schultern.
"Dieser Fleck ist mittlerweile fast ein Teil von mir"
"Hat er dich immer am Arm gehalten?" Ich nicke.
"Soll ich es heilen oder möchtest du zu Delmore?"
"Nein, nein, der ist sicher bald wieder weg"

Eine Weile ist der Raum von Schweigen erfüllt, dann räuspert er sich leise.
"Es tut mir leid"
"Was denn?"
"Dass du wegen mir gehen musstest" Überrascht sehe ich ihn an.
"Das ist auch meine Schuld, ausserdem hat das höhere Gebot der Slytherins an mich gezeigt, dass ich der bessere Sklave bin als du" Er schmunzelt.
"Das muss ich wohl neidlos anerkennen: Ich bin mit Abstand der schlechteste Sklave hier unten. Hattest du es gestern gut mit Onyx?"
"Ja, wir haben aber nicht lange gesprochen; ich wollte schlafen"
"Ach so. Solange du ihm nicht noch mehr Angst machst, als er sonst schon hat, ist es wohl okay."
"Natürlich tu ich das nicht! Ich bin nicht so blöd, wie du immer denkst"
"Nein, aber fast", grinst er.
"Idiot. Bleibst du mit mir noch ein wenig hier?"
"Wenn du möchtest."

"Ist das nicht anstrengend?"
"Was? Hier sitzen?", fragt Skkylar grinsend
"Nein, mit sechs Veelas zu leben" Skkylar lacht leise.
"Ausser dir und Onyx ist wenigstens keiner labil"
"Ich bin nicht labil!"
"Ach nein?" Missmutig schlage ich ihm meinen Ellenbogen in die Rippen, doch er lacht nur.
"Du hast bei meinem Bruder nicht gelernt, dass Vampire überhaupt nicht schmerzempfindlich sind?"

"Dein Bruder? Ich wusste gar nicht, dass du Geschwister hast."
"Mein echter Name ist nicht Lynthiers"
"Sondern?"
"Rat mal. Du kannst die Buchstaben umstellen"
"Ich kann nicht mal vernünftig lesen, Skky", erwidere ich.
"Ich weiss" Skky lehnt sich ein wenig nach vorne, um ein Papier und einen Stift zu nehmen. Er beisst auf den Deckel, um ihn wegzunehmen und kritzelt einige Buchstaben hin, ich sehe aber nicht auf das Blatt.

"Lies es in der Reihenfolge, in der ich sie angeschrieben habe"

S
1

Konzentriert schaue ich auf das Blatt, das Skkylar in den Händen hält. Ich brauche ziemlich lange, um das kleine Rätsel zu lösen und auf die sehr überraschende Lösung zu kommen: "Du bist der Bruder meines Masters!"

"Ja. Mein Name ist Skkylar Slytherin. Salazar war mein kleiner Bruder"
"Aber du bist so viel älter als er!"
"Und? Unsere Eltern waren Grimme und Grimme altern nicht. Wie Vampire"
"Solltest du dann nicht auch ein Grimm sein? Und ER?"
"Doch, eigentlich schon, aber als wir gebissen wurden, wurden wir zu Vampiren."
"Und warum hast du deine Menschlichkeit behalten und er nicht?"
"Keine Ahnung, ich weiss eigentlich nicht allzuviel über Salazar, ich habe ihn nie richtig kennengelernt. Ich habe nur ein bisschen was erfahren, als ich an Toms Geburtstag ein wenig gelauscht habe"
"Wusste mein Master, dass du sein Bruder bist?
"Er hat es gerochen. Und er war entsetzt. Sein ach so reinblütiger Bruder ein Sklave? Ich habe es schon ein wenig genossen, das muss ich zugeben"
"Warum? Er hat dir doch gar nichts getan?"
"Nein. Wusstest du, dass Vampire fähig sind, die Gedanken ihrer Familie zu hören, wenn sie es wollen?"
"Nein..."
"Ich habe Salazars Gedanken gelesen. Er ist boshaft, hinterlistig, gewalttätig und... ach was sag ich. Das hast du vermutlich am eigenen Leibe erfahren"

"Nein. Kannst du mal aufhören, so negativ über ihn zu sprechen? Ich liebe ihn immer noch, weisst du?
"Ja, ja, schon gut. Er als Lord Slytherin hätte mich aus der Sklaverei befreien können, dieser Bastard!"
"SKKY!", rufe ich empört.
"Schon gut, schon gut"

Eine Weile ist es still.

"Wenigstens weiss ich jetzt, warum ich mich bei dir wohl fühle", sage ich noch, dann kuschle ich mich an ihn und schlafe ein.

##

Das nächste, was ich weiss, ist, dass Skkylar mich auf seine charmante Art aus dem Bett wirft.
"Du siehst schrecklich aus, Ric", teilt er mir mit.
"Kann ich nur zurückgeben", gebe ich zurück, "übrigens. Werfe einen Veela nie - ich wiederhole - nie auf seine Flügel, das tut nämlich verdammt weh!"
"Oh. Tut mir leid" Und er klingt sogar so, als ob er es ernst meint. Er streckt mir seine Hand hin, um mich hochzuziehen.

"Weckst du Onyx?", fragt Liam mich, "er hat gesagt, dass du nett zu ihm warst"
"Das würde er auch sagen, wenn ich ihn halbtot geschlagen hätte. Aber ja, ich wecke ihn", antworte ich sofort.

Ganz vorsichtig berühre ich seinen Arm. Er wimmert leise und kauert sich nach hinten an die Wand.
"Onyx, es ist okay, ich bin es nur" Es erschreckt mich, wie Onyx sich hinter seinen Flügeln versteckt, immerhin ist das der empfindlichste Teil seines Körpers.

Noch vorsichtiger als vorhin tippe ich ihm auf den Flügel. Diesmal ist seine Reaktion anders: Blitzschnell dreht er sich um und faucht mich an. Skkylar schubst mich zur Seite, als Onyx auf mich zukommen will. Skkylar faucht zurück. Lauter und imposanter. In mir wächst das Gefühl, mich ihm unterwerfen zu müssen und offenbar kommt das auch bei Onyx so an. Er zuckt zurück.
"Es tut mir leid! Es war nicht so gemeint! Ich wollte nicht! Bitte nicht Entzug, bitte, bitte, bitte nicht schon wieder!"
"Onyx, du bekommst keinen Entzug", sagt Peter sanft. Onyx' Blick zuckt zu ihm und Peter redet weiter, "Skkylar mag es nicht so, wenn man 'seine' Veelas angreift, weisst du?"
"WIR sind nicht SEINE Veelas, Peter. ER ist UNSER Vampir", korrigiert Sahir den Menschen, dann grinst er liebenswürdig zu Skkylar, der ihn tödlich ansieht, "Ist doch so. Wenn Liam dich mit Kulleraugen ansieht, schmilzt du wie ein Eis auf der Sonne. Und wenn einer von uns auf die Tränendrüse drückt, fühlst du dich für uns verantwortlich."

"Sahir, du hast einfach nicht gelernt, wenn man als unterbelichtetes Individuum die Klappe halten sollte, richtig?"
"Falsch, das habe ich zwanzig Jahre lang getan, aber jetzt, wo ich so gut wie frei bin, kann ich auf so vielen hochrangigen Wesen wie möglich rumhacken"
"Du bist doch gestört, Sahir"
"Ein wenig vielleicht. Onyx, komm, du musst heute auch anfangen. Du machst mit mir zusammen die Bibliothek, dann kannst du wieder Schluss machen."
"Ja, Sir"

"Gut, dann komm mal mit"

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"Langsam habe ich das Gefühl, dass sich mein Master mehr um die anderen Veelas als um mich sorgt", murmelt Liam bedrückt.
"Du machst auch nicht so viele Probleme wie Onyx und ich", antworte ich ihm.
"Du machst doch keine Probleme! Du benimmst dich, als wärest du schon ewig hier. Du hast dich schon voll eingegliedert"
"Ich habe den grössten Teil meines Lebens hier verbracht und Skkylar... Nun ja, ich streite gerne mit ihm, aber ich mag ihn. Keine Sorge, ich mache ihn dir nicht streitig. Ich mache mich an die Arbeit, ich will ja nicht an meinem ersten Tag bestraft werden" Ich nehme meinen Zettel und erkenne die altbekannten Symbole. Eines steht für 'Betten in den Schlafzimmern frisch beziehen', eines für 'Die Schränke in den Schlafzimmern sortieren' und eines für 'Abendessen machen'. Das sollte gerade noch zu schaffen sein.

Ich fange bei Master Satanus' Zimmer an, denn aus Toms Erzählungen weiss ich noch, dass der junge Master Satanus sehr lange schläft und ich möchte ihn natürlich nicht stören. Zügig wechsle ich die Bettwäsche und räume den Schrank auf. Weiter mache ich bei ein paar Gästezimmern und dann beim Raum vom jungen Master Satanus. Mich erfreut es zu sehen, dass Toms Kleidung bei Tizians hängt. Das bedeutet für mich, dass Tizian Tom wirklich akzeptiert.

Um das Ganze etwas anzukurbeln, hänge ich extra einige Shirts von Tizian zwischen Toms Pyjamas, damit er es vielleicht anzieht. Das wird für Gesprächsstoff sorgen.

Die Feuer an der Wand flackern, womit ich weiss, dass es Zeit ist, das Nachtessen zu machen. Ich esse nichts, ich habe keine Lust. Dann gehe ich wieder in die Sklavenquartiere zurück. Nur Onyx ist schon da. Er sitzt in einer Ecke des Zimmers am Boden.
"Möchtest du dich nicht auf das Sofa setzen?", frage ich ihn. Er schüttelt den Kopf.
"Nein Sir"
"Okay"

Später klopft es an der Tür. Als ich aufmache, sehe ich gleich Tom. Ich räuspere mich und deute eine Verbeugung an.
"Was kann ich für Euch tun, Master S-... Lassen wir das. Was ist los, Tom? Du siehst nicht gut aus" Ich breche meine scherzhafte Anrede ab, weil ich merke, dass ich niemand anderem als meinem verstorbenem Master 'Master Slytherin' sagen will.

"Ich habe ein Problem mit meinem Master"
"Wo und wie sehr bist du verletzt?"
"Mein Herz. Ungefähr bis und mit Seele"
"Also hat er dich nicht geschlagen oder so?" Tom schüttelt den Kopf.
"Darf ich reinkommen?"
"Sicher" Ich trete zur Seite und gewähre meinem Sohn Einlass.

"Setz dich. Also Tom, was hat dein Master mit dir gemacht?"
"Das ist ja das Problem! Er macht gar nichts mit mir! Er hat mich seit der Bindung nicht mehr... Du weisst schon und das ist schon einen ganzen Monat her"
"Hast du dich ihm angeboten?"
"Nein, mein Stolz lässt das irgendwie nicht zu" Ich seufze leise.
"Wir haben dich einfach zu menschlich erzogen... Vergiss bitte deinen Stolz mal! Er bringt dich nicht weiter!"
"Das weiss ich ja, aber... das kann man nicht so einfach abschalten"
"Du musst dich ihm ja auch nicht nackt vor die Füsse werfen, Junge. Es ist viel einfacher als das. Du wartest am Abend einfach ausgezogen unter der Decke auf ihn. Vorzugsweise mit deinem Veelaschmuck. Und benutze deinen Charme. Dieser beeinflusst ihn zwar nicht wirklich, aber er hilft trotzdem."

"Okay... danke, Dad"

##

"Hast oder hattest du auch Kinder?", frage ich Onyx, als Tom weg ist. Er zuckt mit den Schultern.
"Ich weiss es nicht, Sir" Verwirrt sehe ich an.
"Warum weisst du nicht, ob du Kinder hast?"
"Ich war viele Male schwanger und die Kinder haben die Geburt auch überlebt, aber nachher habe ich sie nie mehr gesehen. Ich weiss nicht, ob ein paar von ihnen noch leben. Vielleicht sehe ich sie irgendwann wieder..."
"Frag doch Master Satanus, er kann dir bestimmt sagen, wer von deinen Kindern noch lebt"
"Nein! Nein, Sir, ich werde es erfahren, wenn ich es verdient habe."
"Okay. Macht es dir etwas aus, wenn ich es erfahre? Es interessiert mich auch"
"Nein, es macht mir nichts aus, Sir"

Nur, wann soll ich Master Satanus fragen? Ich bin hier immer noch ein Sklave und bei Master Satanus kann man nicht einfach darum beten, eine Frage stellen zu dürfen. Gut, ich werde einfach Tizian fragen.

##

Erst zwei Tage später habe ich die Möglichkeit dazu. Ich spreche ihn an, als ich eigentlich die Bibliothek sortieren sollte.
"Master Satanus, könnt ihr mir sagen, ob Onyx' Kinder noch leben?"
"Ich kann Vater mal fragen, ob er es mir verrät, wenn du willst."
"Gerne. Vielen Dank, Master Satanus"
"Du musst mich nicht so nennen"
"Das weiss ich" Ich sehe kurz auf, um ihm ein Lächeln zu schenken, dann mache ich mich wieder an die Arbeit.

Am nächsten Tag kommt er breit grinsend in die Sklavenquartiere. Wie meistens sind nur Onyx und ich da.
"Ich habe die Liste! Vater hat gesagt, dass ich immer in das Buch schauen darf, wenn ich das will, also falls du mal wieder Fragen zu irgendwelchen Personen hast - nur zu. Übrigens stehen hinten auf dem Pergament die Namen deiner Eltern, wenn es dich interessiert, aber lies zuerst die Liste der Kinder. Sie sind der Reihe nach. Zuerst der Jüngste... Ach. Oh, Onyx, ich habe dich gar nicht gesehen, was machst du auch am Boden? Setz dich doch auf den Sessel und lies mit." Onyx gehorcht natürlich, auch wenn eigentlich die Regel herrscht, dass wir hier unten alle gleich sind. Auch die Königsfamilie. Trotzdem wirft er keinen Blick auf die Liste.

Langsam lese ich sie durch. Mir kommt eigentlich keiner sonderlich bekannt vor. Weil es mich dennoch interessiert, drehe ich das Pergament um.

-Ysante Atkinson (Erster Dämon, lebendig, London) und Onyx Gryffindor (Erster Veela, lebendig, Schloss Satanus)-
"Wie kann das sein?", frage ich. Ich meine nicht, wie es sein kann, dass Onyx mein Vater ist, das verstehe ich, aber ich verstehe nicht, wie es sein kann, dass Ysante noch lebt.
"Na da sind Bienchen und Blüm-..."
"Schon gut, ich weiss, wie das geht, ich habe einen Sohn, erinnerst du dich?"
"Mein Vater hat begonnen, Veelas von zu barbarischen Masters wegzunehmen. Was sagst du dazu, Onyx?" Tizian streckt ihm die Liste unter die Nase, doch Onyx senkt nur seinen Blick.

"Ich darf das nicht wissen, Master Satanus"
"Natürlich darfst du es wissen. Willst du es wissen?"
"Ich.. ich... darf ich wissen, was aus meinem Ersten passiert ist?"
"Wie hast du ihn genannt?"
"Ich habe ihn nicht benannt. Ich konnte nicht sprechen und ich wusste auch nicht, dass man Kindern Namen geben kann"
"Warum nicht?"
"Es hat mir niemand beigebracht, es tut mir leid"
"Nein? Aber du warst doch schon genug alt!"
"Ja Master, es tut mir leid, ich lüge nicht!" Schützend legt Onyx seine Flügel über seinen Körper.
"Nein, das habe ich auch nicht vermutet, nur... wann hast du das Sprechen gelernt?"
"Ein Sklave hat es mich geduldig gelehrt, Master"
"Wie alt warst du da?"
"Ich weiss es nicht, Master Satanus, es tut mir leid"

"Also dein Erster..." Tizian sieht fragend zu mir.
"Heisst Godric Gryffindor" Onyx nickt und er scheint es nicht zu begreifen.
"Er ist nun wie du Sklave" Wieder nickt Onyx. Vermutlich hat er das schon angenommen.

"Ich denke, ich kann das besser erklären, richtig?", frage ich Tizian.
"Davon gehe ich auch aus. Ich geh mal wieder"

"Also. Godric. Er lebte auf der Strasse bis er ungefähr sechs Jahre alt war. Dann hat ihn die betreffende Stadt an eine Familie verkauft. Das ging so lange weiter, bis er seinen wahren Master fand. Und nun sitze ich wieder hier"
"Ihr seid... Oh... Es tut mir leid"
"Was tut dir denn leid?", frage ich verwirrt.
"Naja... Dass mein hochverehrter Master Euch nicht akzeptiert hat, das ist meine Schuld!"
"Nein, ist es nicht"
"Doch, natürlich, Sir! Er wollte bestimmt ein Kind, das das gleiche Wesen hat wie er"
"Vielleicht, aber du konntest ja nicht entscheiden, was ich werde. Ausserdem hatte ich bisher ein sehr schönes Leben, wirklich.", sage ich aufmunternd.
"Also habt Ihr Euren Vater gar nicht vermisst?"
"Manchmal habe ich mir schon gewünscht zu wissen, wer ihr seid", gebe ich zu.

"Ich weiss nicht, wie man ein guter Vater ist", bemerkt Onyx.
"Ich weiss, das musst du auch nicht. Nur eines wünsche ich mir von dir"
"Alles, Sir"
"Könntest du aufhören, mich Sir zu nennen?"
"Oh... Ja, wenn das Euer Wunsch ist... Wie wünscht Ihr sonst angesprochen zu werden?" Ich grinse.
"Zum Beispiel mit Ric? Oder Godric, wenn es dir besser passt, aber eigentlich nennen mich alle Ric, ausser Master Satanus und wenn Leute wütend auf mich sind"
"Wie Ihr wünscht, Ric" Okay, es ist zum Verzweifeln. Eigentlich will ich ja nur, dass er mich normal anspricht.
"Du darfst mich auch duzen"
"Ich weiss nicht, was das ist, es tut mir leid" Natürlich. Onyx' Master hat es ihm wohl nicht beigebracht weil er dachte, dass Onyx dies niemals brauchen würde.

"Dass du 'du' zu mir sagen kannst, wenn du möchtest"
"Wenn... du das wünschst", murmelt Onyx.

Ein paar Sekunden später kommt Skkylar rein.
"Verdammt!", sagt er leise, als er mich sieht. Früher machten wir immer einen Wettbewerb daraus, wer als erstes mit seinen Aufgaben fertig war.
"Tja, sorry Skkylar, aber ich bin eben immer noch besser als du", grinse ich. Skkylar gibt mir einen sanften Klaps auf den Hinterkopf.
"Werd nicht frech, Ric"
"Niemals"

"Onyx, war Ric nett zu dir?", fragt Skkylar sanft.
"Ja Sir"
"Gut. Hast du heute schon etwas getrunken?"
"Ja Sir"

"Warum ist das so wichtig für dich, Sky? Veelas müssen nichts trinken"
"Ich weiss, ich erklärs dir später"

"Ich kann auch weggehen, wenn Ihr miteinander reden wollt", bietet Onyx an. Den Fakt, dass er eigentlich zuerst hier war, ignoriert er geflissentlich.
"Nein, das musst du nicht", sage ich schnell.

Schon geht die Tür wieder auf. Diesmal kommt Liam rein.
"Hey, ihr seht alle so motiviert aus", bemerkt Skkylars Veela nicht so ganz ernst gemeint. Ganz ohne Zurückhaltung setzt er sich rittlings auf Skkylars Schoss und gibt ihm ein unschuldiges Küsschen auf die Wange. Skkylar lächelt.
"Bist du fertig geworden?" Liam nickt.

"Ich habe auch Peter noch ein wenig geholfen, aber dann hat uns Master Satanus erwischt und mich runtergeschickt... Irgendwie habe ich das Gefühl, dass Peter immer am meisten tun muss"
"Das ist nicht wahr, Süsser. Er träumt einfach immer rum und da ist er selbst schuld", korrigiert Skkylar, "ich glaube nicht, dass Luzifer die Aufgaben schon jemals unfair verteilt hat, was habt ihr hier so getrieben? Oder seid ihr rausgegangen?"
"Nein, wir waren hier und haben Familienprobleme geklärt"

"Familienprobleme? Seid ihr verwandt?", fragt Liam von Skkylars Schoss aus; er hat sich mittlerweile wieder zu uns umgedreht.
"Onyx ist Rics Vater und sie haben es erst heute herausgefunden", erklärt dieser.

"Woher wusstest du das?!", rufe ich empört. Er muss es ja vor uns gewusst haben!
"Ich sagte doch, dass Salazar mein Bruder war und dass Vampire bei Familienangehörigen Gedanken lesen können" Er grinst breit und ich sehe ihn geschockt an.
"Du kannst meine Gedanken lesen?! Raus aus meinem Kopf, aber sofort!", fahre ich ihn an. Er lacht entspannt.
"Immer noch die selbe Dramaqueen, was? Ich kann deine Gedanken nicht lesen, ich habe eure Verwandtschaft an eurem Blut gerochen. Onyx hat perfektes, reines Blut, weil er von Luzifer direkt erschaffen wurde und in deinem kann ich den reinen Dämonen deines Vaters riechen. Wenn ich deine Gedanken hören könnte, hättest du es gemerkt, als wir noch richtig gezankt haben."

"Oh... richtig. Aber ich wusste gar nicht, dass du so gut riechen kannst"
"Ich bin ein Vampir, ich muss das können"
"Hast du auf diese Weise auch gemerkt, dass Liam dein Gefährte ist?", frage ich ihn.
"Nein, das nicht. Aber jeder Veela findet irgendwann seinen Meister, richtig?"
"Ich hoffe es", stimme ich zu. Skkylar legt locker einen Arm um Liam und stützt sein Kinn auf dessen Schulter. Ich frage mich, warum es bei Master Slytherin und mir nicht so sein konnte. Hätte ich mich bei ihm einfach auf die Schoss gesetzt, hätte er mich mit ein paar ziemlich heftigen Ohrfeigen versehen und mich auf Wärme-Entzug gestellt.

"Wollen wir ein wenig nach oben gehen, um Liam und Skkylar Freiraum zu geben? Wir könnten Schach spielen oder so...", frage ich meinen Dad.
"Ich kann nicht Schach spielen, es tut mir leid"
"Na gut, dann ich würde gerne ein wenig mit Taron sprechen, kommst du mit?"
"Mit Master Malfoy?"
"Ja."
"Naja... Wenn er uns dafür nicht bestraft..." Ich muss grinsen. Als ob Taron uns bestrafen würde!

"Nein, das wird er nicht. Komm mit, ich muss ihm doch meinen Vater vorstellen" Onyx lächelt schmal und steht auf. Zusammen gehen wir in die Bibliothek, weil sich da das Geschehen hauptsächlich abspielt. In der Bibliothek sehe ich aber erstmal nur meinen Sohn.
"Tom, weisst du, wo Taron ist?"
"Ja, er ist im hinteren Teil der Bibliothek und greift Peter ein wenig unter die Arme, warum?"
"Nur so. Ich will ein wenig plaudern. Hat es gestern Abend funktioniert mit deinem Master?"
"Ich habe es gar nicht erst versucht. Er ist ein wenig... gereizt"

"Oh. Okay. Wenn es ein ernsthaftes Problem gibt, habe ich immer ein offenes Ohr für dich, okay?"
"Ja, danke, Dad" Erst als ich mich wieder umdrehe, sehe ich, dass Onyx sich hingekniet hat.
"Komm, steh auf, Onyx!" Er tut, was ich sage und läuft weiter hinter mir her.

Plötzlich höre ich überraschenderweise Luzifers Stimme, die ziemlich genervt klingt.
"Peter, sagte ich nicht vor einer halben Stunde und davor auch schon um die hundert Mal, dass du deine Aufgaben selber zu erledigen hast?! Und du weisst das auch, Taron! Du wirst Peter jetzt seine Strafe geben" Ich halte Onyx mit einem Arm auf. Jetzt ist kein guter Zeitpunkt, um Master Satanus gegenüber zu treten.
"A-Aber Master...", wendet Taron ein. Er sieht schockierter aus als Peter.
"Nein Taron. Mitkommen, alle beide"

Ich schiele zu Onyx, der wie ein Häufchen Elend neben mir steht.
"Schlechter Zeitpunkt", beschliesse ich. Onyx sieht mich vorsichtig an.
"War Master Satanus jetzt wütend?" Verwirrt sehe ich ihn an. Natürlich war er das, das war ja wohl offensichtlich!
"Sieht man doch"
"Es tut mir leid, ich wollte nicht, dass du auch wütend wirst"
"Ich bin ja auch nicht wütend, nur... verblüfft. Kann es sein, dass du gewisse Probleme hast, Stimmungen zu erkennen?"

"Ich habe das nie gelernt..."
"Aber... das lernt man doch nicht, das schaut man sich ab, wenn man noch ein kleines Kind ist und dann kann man es einfach"

"Von wem bekommt man das gezeigt?", fragt Onyx unsicher.
"Na von anderen Leuten!"
"Aber... Man hat mich immer weggesperrt und es waren gar keine andere Leute da..." Mir klappt der Mund auf.
"Du sagtest doch, dass du manchmal die Hand deines Masters halten durftest?"
"Ja Ric, er hat immer am Abend, bevor er einschlief, die Hand durch die Klappe in der Zellentür gestreckt, ich konnte ihn nicht sehen oder hören"
"Du warst dein Leben lang in einer verdammten Zelle?!", rufe ich entrüstet. Onyx senkt den Kopf.
"Nein, wenn mich mein hochverehrter Master in seinem Bett wollte, durfte ich natürlich raus! Meine Zelle war direkt neben seinem Bett" Am liebsten würde ich gerade jetzt meinen Vater suchen und ihm das Genick umdrehen! Wie kann man nur! Und Onyx scheint das auch noch okay zu finden!

"Versuch dich nochmals zu erinnern, Onyx, wann hat dir wer das Sprechen beigebracht und wie hat er das getan?"
"Es war noch vor dem zweitletzten Kind, aber ich weiss keine Jahreszahlen. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, es war ein Sklave oder eine Sklavin... Er oder sie hat tagelang mit mir gesprochen und mich einige Dinge wiederholen lassen... Zwei oder drei Worte konnte ich vorher schon, weil ich manchmal gehört habe, wie mein Master mit seinen Freunden gesprochen hat."
"Warum weisst du nicht, ob der Sklave ein Mann oder eine Frau war?"
"Naja... Es war das erste Lebewesen - ausser meinen Kindern - mit dem ich Kontakt hatte und ich wusste nicht, dass man die beiden Geschlechter unterteilt... Und ich konnte die Person ja auch nicht sehen" Langsam wird mir übel.
"Wann hast du das erste Mal jemand anderes als deine Kinder gesehen?"
"Als ich hierher kam, warum?" Deprimiert lasse ich mich auf einen Sessel sinken.

"Habe ich etwas falsches gesagt? Es tut mir leid...", fragt Onyx niedergeschlagen.
"Dir muss nicht immer alles leid tun, es ist ja kaum deine Schuld, oder? Mich schockiert es einfach, dass du so viel eingesperrt warst! Ich dachte immer, man könne vor Einsamkeit sterben!"
"Ich war nicht einsam; ich konnte immer wieder seine Hand halten"
"Ja schon, aber... Konntest du wenigstens andere Leute beobachten?"
"Nein, meine Zelle war im Schlafgemach meines Masters und ich hatte kein Fenster. Darf ich wissen, warum dich das so interessiert?"
"Naja... Du bist immerhin mein Dad"
"Und deswegen interessiert es dich?"
"Kann man so sagen. Die meisten Kinder interessiert es, was mit ihren Eltern geschieht und die meisten Eltern interessiert es auch, was mit ihren Kindern passiert."
"Oh... Das wusste ich nicht. Ich dachte, das sei nur von Eltern zu Kind..."
"Nein. Wollen wir wieder hinunter gehen? Du siehst nicht so aus, als wäre dir sehr wohl..."
"Es tut mir leid, ich wollte es nicht zeigen", murmelt er leise. Er denkt wohl schon wieder, dass er einen Fehler gemacht hätte.

"Kein Problem" Wieder läuft er zwei Schritte hinter mir.
"Uhm... du kannst schon neben mir laufen...", sage ich zögerlich. Erstaunt sieht Onyx auf.
"Wenn du das wünschst", meint er zurückhaltend und holt auf.

Als wir in unseren Quartieren ankommen, sind auch Sahir, Aley und Belle wieder da. Nur Peter fehlt noch.

Rev?