Allen ein frohes neues Jahr :)
Wie immer viel Spaß beim Lesen und bitte kommentieren :)
Ich hoffe es wird euch gefallen :)
Michael erinnerte sich an die weichen Wiesen vor seinem Haus und die klare Luft und die wohltuende Brise. Wenige Augenblicke später stand er mit Christoph, Kagezuki und Yumemika in seinem Vorgarten, wo eine frische Brise sie umwehte. Sie klingelten und warteten geduldig darauf, dass ihnen die Tür geöffnet wurde. „Willkommen zu Hause, Master Michael.", empfang sie ein Butler im hohen Alter und führte sie in den Empfangsraum, in unmittelbarer Nähe der Haustür.
Yumemika warf einen kurzen Blick in den Eingangsbereich und entdeckte an der Wand über der Treppe ein riesiges Gemälde einer schönen Frau mit dunklen Haaren, die in einem hohen, prachtvoll verzierten Stuhl saß und ein kleines Kind im Arm hielt. Hinter ihr stand ein junger Mann mit blonden Haaren und einem leichten Lächeln, während er seine Hand auf die hohe Lehne des Stuhls ablegte. Als letztes stand neben der Frau ein junges Mädchen mit blonden Haaren, leuchtend grünen Augen und einem warmen Lächeln.
„Ich dachte, sie hat es mittlerweile abgehangen.", murmelte Michael und hatte beim Anblick des Gemäldes einen traurigen Gesichtsausdruck.
„Die Hausdame wird Sie jeden Moment empfangen. Der Hausherr ist leider außer Haus, auf Geschäftsreise.", erläuterte der Butler und verließ die Kinder, nachdem er sie in die Lounge brachte, wo überall gefüllte Vasen standen und einen kleinen Tisch mit zwei Sofas und zwei Sesseln umkreisten.
„Wo mir gerade einfällt, ich weiß so gut, wie gar nichts über eure Familien.", erinnerte sich Kagezuki und sah sich im Raum um. „Es gibt nicht viel über meine Familie zu wissen. Ich habe noch eine ältere Schwester, aber die hat sich von der Familie abgewandt, als ich noch ziemlich klein war. Meinen Vater sehe ich auch kaum, da er andauernd verreist und meine Mutter ist ausgesprochen launisch, aber recht liebreizend.", erklärte Michael schulterzuckend und wandte den Blick zur Tür, als er ein Geflüster vernahm. „Abgesehen davon, dass dein Vater sich nicht gut mit deiner Schwester verstanden hat und deswegen das Bild in der Eingangshalle immer wieder ausgewechselt wird, wenn er nach Hause kommt.", fügte Christoph hinzu und bemühte sich nicht darum, seine Wut im Unterton zu verstecken. „Überzeugt euch lieber selbst.", lächelte Yumemika und wandte sich vom Fenster ab.
Eine hochgewachsene Frau betrat in Begleitung einer Bediensteten den Raum. Ihre dunklen Haare waren hochgesteckt und ihr Gesicht sagte nichts über ihr Alter aus. Das Kleid, welches sie trug, war prachtvoll verziert. „Ich habe meinen Sohn in Begleitung des Schuldirektors erwartet und keine Kinder, die nichts als Ärger bringen.", gab die Frau mit Skepsis zu, wobei ihre Stimme sehr freundlich klang. „Die Umstände haben sich minimal verändert, sodass ihr Sohn nun eine andere Schule besucht, die seine Ausbildung sehr fördert.", entgegnete Yumemika im höflichen Ton und sah zu, wie die Frau gegenüber der Kinder Platz nahm. Auch die Kinder nahmen auf dem Sofa Platz und Yumemika setzte sich in den Sessel neben Michaels Mutter. „Wieso werde ich darüber erst informiert, nachdem er die Schule gewechselt hat?", fragte die Frau und sah Yumemika finster an. „Diese Art von Wechsel musste leider schnell voranschreiten, da diese Möglichkeit nur sehr kurz angeboten wurde. Außerdem wird durch diese Schule seine Ausbildung um einige Jahre verkürzt und er erlebt mehr Erfahrungen, als auf der alten Schule, wobei ich keineswegs schlecht über die Lehrweise meines alten Freundes Theo sprechen möchte.", fuhr Yumemika unbeirrt fort. „Und da es dabei um die Zukunft ihres Sohnes geht, sehe ich kein Problem damit, dass er dem Wechsel selbst eingewilligt hat.", fügte Yumemika zuletzt hinzu. „Du willst mir weiß machen, dass Theo ein alter Freund von dir ist? Du bist doch kaum älter als mein Sohn und dann behauptest du auch zu wissen, was das Beste für meinen Sohn ist.", lachte die Frau erbost auf. „Also wollen Sie behaupten, dass ich lüge?", fragte Yumemika trotz des herausfordernden Untertons freundlicher. „Was würdest du denn an meiner Stelle sagen? Mein Sohn sitzt hier und hat Fremde ins Haus eingeladen, obwohl er jetzt in der Schule sitzen und lernen sollte.", gab die Frau zurück und warf Michael einen finsteren Blick zu.
„Kontaktiere auf der Stelle den Schuldirektor Theo.", verlangte die Frau. Die Bedienstete, die stumm hinter ihrer Hausherrin stand, seitdem sie den Raum betreten hatte, schreckte auf und flüchtete fast aus dem Zimmer. „Machen Sie sich nicht die Mühe, ich kann ihn sofort hierher bestellen.", meinte Yumemika immer noch ruhig. Yumemika machte eine kleine Handbewegung und wenig später stand Theo überrascht hinter ihr und sah sich erstmals aufmerksam um.
„Ich möchte wissen, warum ich nicht vorher von der Versetzung meines Sohnes erfahren habe.", sagte die Frau im herrischen Ton. „Gnädige Frau Seline, nun beruhigen Sie sich doch. Ich werde Ihnen alles erklären, solange wir ein ruhiges Gespräch führen können.", meinte Theo gefasst und sah seine ehemaligen Schüler an. Die Frau wies auf den freien Sessel neben sich und fuhr unbeirrt fort. „Stimmt es, dass mein Sohn ihre Schule verlassen hat?" Theo nickte unbekümmert. „Wie meine alte Freundin Ihnen wahrscheinlich bereits versichert hat, hat er auf der anderen Schule bessere Chancen seine Kräfte auszuüben, da dieser die Fähigkeiten des Personals meiner Fakultät übersteigen." „Hat sich mein Sohn nach dem Wechsel denn verbessert?", wandte sich Seline etwas freundlicher an Yumemika. „Es gibt kaum einen Tag, an dem sie keine Fortschritte machen, auch wenn diese im Grunde kaum bemerkbar sind. Meine Ausbildung basiert auf der Nutzung von Magie, im unbemerktem mit Magie das größtmögliche Ergebnis zu erzielen.", gab Yumemika zu und zog einen Zettel aus ihrer Tasche. „Aber der Grund, warum wir eigentlich hier sind, ist eine Unterschrift von Ihnen. Damit bestätigen Sie, dass Sie einverstanden damit sind, dass ihr Sohn bei mir die Ausbildung beenden wird. Darüber hinaus wird die Verantwortung über ihn von seinem alten Schuldirektor auf mich übertragen, um die Sorge zu vermeiden, wer die Schuld trägt, falls sich ihr Sohn verletzen sollte.", erklärte Yumemika und legte ihr den Brief vor.
„Wenn ich das unterschreiben soll, verlange ich dass jemand erfahrenerer die Ausbildung meines Sohnes übernimmt. Ich bin nicht im Glauben, dass dieses Kind in der Lage ist die Kräfte von Michael zu steigern.", sagte Seline fordernd. „Ich verstehe ihre Zweifel an meinen Kräften, doch Alter hat nichts mit den Fähigkeiten der Magier zu tun. Ich stimme Ihnen vollkommen zu, dass ein älterer Magier durchaus erfahrener ist als ein Anfänger. Doch ich habe meine Ausbildung bereits abgeschlossen und bin auch im Besitz einer Urkunde welche bestätigt, dass ich andere angehende Magier unterrichten darf. Wenn Sie mir nicht glauben, können Sie mich gerne auf die Probe stellen.", sagte Yumemika unbekümmert. „Ich werde dich beim Wort nehmen.", sagte die Frau und lehnte sich im Sessel zurück. „Also, wie soll ich meine Fähigkeiten beweisen?", fragte Yumemika im freundlichen Ton und packte den Brief wieder ein. „Ich glaube die einfachste Methode deine Fähigkeiten zu prüfen, ist es in einem kurzen Kampf diese zu demonstrieren." „Wenn Sie wünschen, können Sie meinen Gegner aussuchen. Ich werde mich auf den Kampf vorbereiten, während ich draußen warte.", sagte Yumemika und wurde vom Butler in den hinteren Garten geführt.
Seline grinste bereits siegessicher, als sie sich an Theo wandte. „Wenn sie diesen Kampf verliert, möchte ich, dass der Wechsel unverzüglich rückgängig gemacht wird. Und ich dulde es nicht dass sich so ein Ereignis ein weiteres Mal abspielt.", sagte sie gereizt und wandte den Blick an ihren Sohn. „In Zukunft wünsche ich mir auch das du dich ab und zu mal meldest.", sagte sie im mütterlichen Ton und sah seine Freunde aufmerksam an. „So wie ich es verstanden habe, habt ihr beiden auch die Schule gewechselt, oder?", fragte Seline überraschend freundlich. Kagezuki und Christoph nickten verwundert und schauten verwirrt auf, als der Butler zurückkam. „Das Fräulein wäre nun bereit zum Kampf.", berichtete der Butler und geleitete seine Hausherrin in den hinteren Garten.
„Haben Sie sich schon entschieden, gegen wen ich kämpfen werde?", erkundigte sich Yumemika und machte ein paar Dehnübungen. „Ich werde gegen dich kämpfen.", sagte Seline im befehlenden Ton und trat vor Yumemika. „Wollen Sie sich nicht anders kleiden? Es wäre praktischer als in einem aufgebauschten Rüschenkleid.", schlug Yumemika vor und verbeugte sich. „Gewiss. Obwohl ich bezweifle das es mir von Nutzen sein wird.", grinste Seline und wechselte mit einer Handbewegung ihr Kleid gegen einen Kampfanzug. „In welchem Element sind Sie denn bewandert?", fragte Yumemika und erhob sich aus der Beuge. „Ich beherrsche das Element Feuer und die Grundlagen des Nahkampfes.", entgegnete Seline und ging bereits in Kampfstellung. „Sie haben den ersten Zug.", meinte Yumemika und blieb ruhig stehen. „Du wirst es bereuen, mich unterschätzt zu haben.", murmelte Seline und schoss augenblicklich eine Feuerkugel auf sie. Mit einer schützenden Bewegung baute sich eine Mauer aus Erde um Yumemika und bewahrte sie vor dem Feuer.
„Machen wir weiter.", sagte Seline verbissen und warf weitere Bälle nach ihr. Mit einer weiteren fließenden Handbewegung wehrte ein Wasserstrahl die Feuerbälle ab. Während der Wasserstrahl verdampfte, ging Seline in den Nahkampf über, in der Hoffnung den Überraschungsmoment für sich zu haben. Doch ihr Angriff ging ins Leere und Seline entdeckte Yumemika unbeschadet vor sich stehen. „Solange wir den Gegner nicht zu Boden geworfen haben, kann keiner von uns beiden gewinnen.", sagte Yumemika und spürte die Wut in Seline aufkochen. „Wenn Sie es wünschen, können wir den Kampf jetzt beenden.", schlug Yumemika vor und lächelte freundlich. „Das lasse ich nicht zu. Außerdem darfst du jetzt angreifen.", sagte Seline kalt und unterdrückte ihre Wut. Yumemika nickte verständlich und holte zum Angriff aus. Mit Figuren, die Kagezuki wieder erkannte, bändigte sie die Erde und umschloss Seline in einem Käfig aus Steinbrocken. „Ist das schon alles was du kannst?", rief Seline inmitten der Steine und ließ dann plötzlich ihrer Wut freien Lauf. Ihre Hände waren von Feuer umgeben und Seline versuchte die Steine mit Kraft von sich zu stoßen. Yumemika sah mitleidig zu, wie die Steine ihr den Freiraum nahmen und sich enger um sie schlossen. Nach wenigen Augenblicken stand der Körper von Seline in Flammen und es schien, als ersticke das Feuer zwischen den Steinen.
Besorgt löste Yumemika den Käfig auf und befreite Seline aus der Enge. „Ich hoffe Sie sind nicht verletzt.", lief Yumemika auf sie zu und stützte Seline, die erschöpft am Boden saß. „Ich kenne schlimmeres.", flüsterte Seline und spürte eine warme Energie von Yumemika ausgehen. „Du bist eine Wächterin.", bemerkte sie erschrocken und wich zurück. Yumemika nickte unmerklich und half ihr auf. „Aber ich habe angenommen, das Wächter nur in einer Gruppe von drei Personen ausgebildet werden.", sagte Seline und richtete sich auf. „Wir sind auch zu dritt. Meine Freunde sind zurückgeblieben um die Stellung für mich zu halten.", erklärte Yumemika und ließ Michael seine Mutter stützen. „Aber in den meisten Büchern steht das sich Wächter erst im hohen Alter ihren Titel erhalten.", meinte Seline und ließ sich von ihrem Sohn wieder ins Haus führen. „Um die Ausbildung realistisch wirken zu lassen. Doch in Wirklichkeit bin ich erst dreizehn.", sagte Yumemika verlegen und folgte ihnen. Kagezuki und Christoph sahen sich erstaunt an und wechselten einen Blick mit ihrem Direktor. „Glauben Sie denn das mein Sohn der Aufgabe eines Wächters gewachsen ist?", fragte Seline nun besorgt. „Sie dürfen mich ruhig duzen. Was Michael betrifft, würde ich sagen, dass er das Potential dazu hat. Sonst wären er und seine Freunde nicht von meinem Zauber auserwählt worden.", meinte Yumemika und sah zu, wie Michael seine Mutter vorsichtig in einen Sessel setzte.
„Ich hätte Sie nicht zwingen dürfen, sich bis an den Rand ihrer Magie zu verausgaben.", entschuldigte sich Yumemika und fuhr mit einer leuchtenden, warmen Hand über Selines Brust. „Ruhen Sie sich aus und es wird Ihnen dann besser gehen." Seline zog eine Feder hervor und unterschrieb mit einer schnellen Handbewegung den Brief, den Yumemika wieder vorzeigte. „Wir müssen leider weiter. Aber es war mir eine Freude Sie kennen zu lernen.", sagte Yumemika und verbeugte sich ein letztes Mal. Christoph und Kagezuki folgten Yumemika aus dem Raum und ließen Michael mit seiner Mutter allein. Seline lächelte ihren Sohn an, bevor er grinsend den anderen folgte.
Draußen vor dem Haus verabschiedete sich Yumemika von Theo und schickte ihn mit einem Zauber zurück in die Schule.
Ich wünsche euch allen noch ein erfolgreiches und gesundes neuen Jahr :)
