Kapitel 10:
Der nächste Morgen kam sowohl für Emmy, als auch für Sirius, wie ein Schock. Beide konnten sich nur noch sehr schwer an den gestrigen Abend erinnern, die Pose, in der sie aufwachten war jedoch mehr als eindeutig. Besonders schlimm war es für Emmy, dass die anderen Jungs ebenfalls im Zimmer waren, als sie erwachte und sie somit mehr oder weniger bloßgestellt war. Da Emmy beim Anblick des nackten Sirius, neben sich, einen erschrockenen Schrei ausgestoßen hatte, waren diese natürlich auch sofort aufgewacht und sahen in die Richtung, aus der das seltsame Geräusch, das sie geweckt hatte, kam. Doch genau das hätten sie lieber gelassen, denn sie erblickten die noch immer nackte Emmy, die mit schreckensgeweiteten Augen und hochrotem Kopf zurückblickte.
„Verdammt! Habt ihr denn keinen Anstand? Dreht euch gefälligst um, ihr Perversen! Was fällt euch eigentlich ein?", schrie sie.
Das ließen die Jungs sich natürlich nicht zweimal sagen. Sie drehten sich sofort in die andere Richtung und murmelten etwas von „Entschuldigung", was Emmy allerdings nicht besonders zu interessieren schien. Sie stand sofort auf, ohne Sirius auch nur noch eines Blickes zu würdigen und zog sich so schnell es ging an. Das war zunächst nicht so einfach, da ihre Klamotten im ganzen Raum verteilt waren, aber schließlich konnte sie dann doch alles irgendwie finden. Sirius beobachtete sie dabei etwas irritiert, was Emmy zwar registrierte, aber nicht sonderlich störte. Er hatte sie ja sowieso schon nackt gesehen, darauf kam es dann ja auch nicht mehr an. Die anderen Jungs blickten brav in die andere Richtung und wagten es nicht auch nur einen Mucks von sich zu geben.
Gerade, als Emmy gehen wollte, fand Sirius dann wohl seine Sprache wieder und hielt sie kurz zurück.
„Emmy, warte! Es...", begann er, doch bevor er seinen Satz zuende sprechen konnte, funkelte Emmy ihn wütend an und unterbrach ihn.
„Wag es ja nicht mit mir zu reden! Du hast schon genug angerichtet!", warf sie ihm entgegen.
„Ich? Es gehören ja wohl immer noch zwei dazu!", erwiderte Sirius nun ebenfalls wütend.
„Ich war betrunken und das wusstest du ganz genau! Das hast du schamlos ausgenutzt! Ich wäre niemals auf so etwas eingegangen! Aber du musst ja unbedingt deine „Sammlung" vervollständigen! Und ich dachte, wir wären Freunde! Bist du jetzt wenigstens zufrieden? Verdammt du bist so ein Arschloch!, schrie Emmy, als ihr bereits die Tränen in die Augen stiegen.
Selbst James, Remus und Peter hatten sich nach diesem Ausbruch bereits wieder umgedreht und sahen nun abwechselnd Emmy und Sirius an. Sirius wirkte nun aber nicht mehr wütend, sondern eher verletzt.
„Denkst du das wirklich von mir?", sagte er leise.
Emmy erwiderte darauf nichts, sondern verließ einfach den Raum ohne Sirius auch nur noch einmal anzusehen.
Dieser hatte nun die volle Aufmerksamkeit seiner Freunde. Der erste, der etwas sagte war dann James.
„Alles klar, Tatze?", fragte er besorgt.
„Alles klar? Sag mal spinnst du? Natürlich nicht! Du hast es doch gerade gehört!", sagte Sirius aufgebracht, bereute es aber sofort wieder.
„Tut mir Leid, James.", sagte er, „Ich bin im Moment etwas neben mir."
Die Tatsache, dass er James beim Vornamen anredete, anstatt mit „Krone", war mehr als Besorgnis erregend.
„Schon okay. Das kann ich verstehen. Bielleicht solltest du dir erst mal etwas anziehen.", sagte James
Nachdem Sirius sich angezogen hatte, setzte er sich auf sein Bett und sah seine Freunde etwas müde an. Es war mehr als offensichtlich, dass er unter der Situation sehr litt.
„Wie kommt sie nur auf so einen Mist? Als ob ich sie zu irgendetwas gezwungen hätte. Meine Sammlung! So ein Schwachsinn!", sagte Sirius.
„Sie wird sich schon wieder abreagieren. Ist ja nicht das erste Mal, das ein Mädchen so auf dich reagiert hat. Am Ende kommen sie doch alle wieder zu dir zurück.", sagte James.
„Das ist etwas anderes. Ich wollte nie, dass so was passiert. Wir waren doch Freunde. Ich meine, was ist, wenn das jetzt alles kaputt ist?", sagte Sirius verzweifelt.
„Kann es nicht sein, dass du dich wirklich in sie verliebt hast, Tatze? Es war dir noch nie so wichtig, was ein Mädchen über dich denkt", sagte Remus
„Ich habe es euch doch schon mal gesagt, ich mag sie, sie ist mir wichtig, aber das war's auch schon!", sagte Sirius aufgebracht.
„Gestern sah das aber noch ganz anders aus.", erwiderte Remus.
„Was soll das denn bitte heißen?", fragte Sirius.
„So wie du sie angesehen hast, den ganzen Abend, als du sie zum tanzen...", begann Remus.
„Ich war betrunken!", unterbrach Sirius ihn.
Remus entschied sich dafür die Sache fallen zu lassen. Sirius würde doch nicht mit sich reden lassen und früher oder später würde wohl auch er einsehen, dass es mehr als Freundschaft war, was er für Emmy empfand. Remus hoffte nur, dass es dann nicht zu spät war.
„Was willst du jetzt tun?", fragte James.
„Ich weiß es nicht. Ich sollte wohl mit ihr reden und mich bei ihr entschuldigen. Am besten wir vergessen die ganze Sache. Ich hoffe nur, sie akzeptiert es", antwortete Sirius.
„Du solltest aber wenigstens bis heute Abend warten, damit sie etwas Zeit hat.", riet ihm Remus.
Emmy war derweil zu Lily gerannt und hatte sich bei ihr ausgeweint. Diese hatte natürlich sofort Verständnis für ihre Freundin und verfluchte den Mädchenschwarm Sirius Black einmal mehr für seine Schandtaten. Aber Lily wusste auch, wie wichtig Emmy die Freundschaft zu Sirius war und sie wusste auch, dass Emmy gerade deshalb so darunter litt. Deswegen riet sie ihr nicht ihn einfach zu vergessen, was sie normalerweise getan hätte, sondern ermutigte sie dazu, ihm zumindest eine Chance zu geben, die Dinge zu klären.
Den restlichen Morgen verbrachten die beiden in Lilys Räumen und das Frühstück ließen sie sich von einem der Hauselfen bringen, da Emmy nicht besonders scharf darauf war, Sirius gleich beim Frühstück wieder zu sehen. Etwa gegen zwölf Uhr machten sie sich dann auf den Weg in die Bibliothek um noch einige Hausaufgaben für morgen zu erledigen. Emmy konnte sich zwar nicht wirklich konzentrieren, aber sie mussten ja gemacht werden. Überhaupt zog sich der ganze Tag wie Kaugummi hin und obwohl Emmy immer noch wütend war, wollte sie die Sache doch endlich geklärt haben. Außerdem musste sie sich eingestehen, dass tatsächlich immer zwei dazu gehörten. Nachdem sie ihren letzten Aufsatz beendet hatte, machte sie sich also auf den Weg in den Gemeinschaftsraum, in der Hoffnung Sirius dort zu treffen.
Dieser saß in einem der großen Sessel und überlegte noch darüber, was genau er denn nun Emmy sagen sollte, als auch schon das Portraitloch sich öffnete und Emmy hindurch trat. Zuerst blickte sie sich suchend im Raum um, als sie Sirius dann entdeckte, kam sie unsicher auf ihn zu und nahm direkt gegenüber von ihm Platz.
„Ich..."
„Es..."
Beide hatten gleichzeitig begonnen zu reden und sahen sich nun etwas verlegen an.
„Du zuerst.", sagte Emmy dann.
„Es tut mir Leid, Emmy! Ich wollte das wirklich nicht. Unsere Freundschaft bedeutet mit sehr viel und du weißt doch, dass ich dir niemals weh tun würde. Ich war genauso betrunken wie du. Es war einfach eine blöde Situation.", sagte Sirius und sah Emmy flehend an.
„Ich weiß", sagte diese, „Es tut mir auch Leid, ich habe heute morgen falsch reagiert. Wir sollten die Sache einfach vergessen. Aber eins musst du mir noch sagen, Sirius, was genau empfindest du denn nun für mich?"
Sirius hatte mit so einer Frage nun überhaupt nicht gerechnet und war damit im Moment auch völlig überfordert. Was sollte er darauf antworten? Er wollte sie auf keinen Fall verletzten. Was aber noch hinzukam, er sich aber auf keinen Fall eingestehen wollte, war, dass er es selbst nicht so genau sagen konnte.
„Ich mag dich sehr gerne, Emmy. Ich sorge mich um dich, du bedeutest mir wirklich sehr viel, mehr kann ich dir da im Moment auch nicht sagen. Letzte Nacht war ein Fehler und wir sollten uns nicht weiter damit beschäftigen.", sagte er schließlich.
Für Emmy sollte das nun eigentlich eine Erleichterung sein. Sie wusste selbst nicht, warum sie dennoch ein wenig enttäuscht war. Doch sie verdrängte diese Gedanken und schenkte Sirius ein warmes Lächeln, das ihm zeigte, dass nun wieder alles in Ordnung war.
